Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

[44] Miese Parkplatzabzocke

MIESE PARKPLATZABZOCKE

Dass es im ewigen Kampf um BERVAG-Aufträge meist um äußerst miese Hinterzimmerdeals geht, ist außer denjenigen Schattenelementen, die diese einfädeln, kaum jemandem bewusst. Offiziell zieht man sich auf ein striktes, (halb-)öffentliches Ausschreibungssystem zurück, das – so die offizielle Mär – strengen Kontrollen von Berliner Rat, Haushaltsausschuss und BERVAG-internen Aufsichtsgruppen unterstehe.

Tatsächlich läuft es im Berliner Poker auf den üblichen Mix von Bestechung und Miesmachen der Wettbewerber untereinander hinaus – verbunden mit der Berliner Besonderheit, dass angeblich allen Bewerbern offenstehende Töpfe natürlich stets an die gleiche Auswahl einschlägiger Firmen gehen, die damit versuchen ihre horrenden operationalen Verluste wenigstens teilweise einzufahren.

Diese zwar korrupte, aber immerhin stabile Wirtschaftspraxis wird in neuerer Zeit zunehmend in Frage gestellt: Mit großer Vehemenz und entsprechenden Spendings für dubiose Aktionen versuchen Firmen außerhalb des Berliner Großkonzerntums in die Stadt zu drängen – und haben zum Verdruss vieler zunehmenden Erfolg!

Neuestes Beispiel: Die Ausschreibung zur Parkraumbewirtschaftung vieler Berliner Parkhäuser, öffentlicher Parkplätze und den ausgewiesenen Parkzonen ging entgegen aller Erwartung an keinen der etablierten Bewerber – stattdessen setzte sich das auf den ersten Blick „kleine“ und „neu gegründete“ „Berliner“ Unternehmen Berlin Parking durch. Im Zuge der Offenlegungspflicht der Ausschreibung gegenüber dem Berliner Rat wurde nun bekannt, dass hinter dem Angebot niemand anders als Shiawase steht, das – wie Hacker in ihrer Verliebtheit zu Details festhalten – 0,165 Sekunden nach Unterzeichnung des Parkraum-Deals das offenkundige Berliner Schein- bzw. Vorwandsunternehmen durch seine Tochter United Parking  – „a Shiawase City Services Corporation“ und damit Envirotech Tochter – aufkaufte. Offenbar mit Vorwissen des entscheidenden Gremiums bei BERVAG und zuständigem Ausschuss.

In einer Sondersitzung des Rates übten die Leibeigenen der üblichen Berliner Großkonzerne flammende Kritik, unterdessen Frankfurter Bankenklüngel hämisch von einer Öffnung des Berliner Wettbewerbs faselten und einige alternative Vertreter den galoppierenden Ausverkauf Berlins an das eigentlich verfeindete Großkapital noch als Triumph für die Chancengleichheit zurechtzustammeln versuchten.

Die perfide „Logik“ dahinter scheint zu sein, dass der Feind meines Feindes selbst dann ein Freund ist, wenn er eigentlich der inkarnierte Topfeind überhaupt ist. Anders gesagt: Die medial inszenierte Drachenstaat-Hysterie ist inzwischen als düsteres deutsches Zukunftsmodell derart kritiklos etabliert, dass selbst der fernöstliche, PR-mäßig auf good governance getrimmte „Erste Megakon“ die bessere Alternative zu sein scheint.

Dessen Pressebüro lässt denn auch auf Nachfrage von Sender44 hören, dass „die Entscheidung, Berlin Parking bei der Erfüllung der vertraglich festgeschriebenen Verpflichtungen zu unterstützen“ letztlich eine „Maßnahme zur Förderung junger, lokaler Unternehmen“ sei: „Shiawase bzw. United Parking mag auf dem Papier der Eigner sein, ja – Tatsächlich agiert Berlin Parking aber völlig frei und kann sein Geschäft im besten Sinne der Berliner Öffentlichkeit gestalten“, so Spinchirurgin Yoko Watanabe-Schreiber. „Es ist unsere Absicht, die einzigartige, lebendige Berliner Einzelunternehmensszene nach Kräften zu unterstützen, sie gegenüber größeren Unternehmen wettbewerbsfähig zu halten und somit in ihrer Existenz zu erhalten“.

Woher dieser Altruismus komme, erklärte die Sprecherin wie allzu oft in jüngerer Zeit mit einem geballtem Schwall Gutmenschentum und einer Infragestellung bisheriger Wirtschaftsweisen: „Shiawase investiert weniger in Berlin als in die alternative Berliner IDEE. Es ist unsere Überzeugung, dass hier kooperative Denk- und Wirtschaftsweisen für Morgen entstehen, an denen auch wir – langfristig – wachsen können.“

Dass all diese und weitere Phrasen dem alleinigen Zweck dienen, die alternativen Bezirksvertreter als Unterstützer bei dieser und zukünftigen Jobvergaben zu gewinnen, ließ Frau Watanabe-Schreiber aus naheliegenden Gründen unerwähnt.

Abgesehen davon, dass Megakons Das Böse(TM) sind – warum sollte es mich jucken, wer ein dummes Parkhaus betreibt?
Rummel

Aus verschiedenen Gründen. Vor allem aber aus dem Grund, dass die in der Parkraumbewirtschaftung gewonnenen Daten eben nicht in einem kleinen lokalen Unternehmen verschimmeln, sondern von einer großen Mutter gesammelt und weiterverwertet werden können.
Der_Kreuzberger

Als ob sich Shiawase für Parktickets interessiert, come ON!
Come ON!

Shiawase als solches vielleicht nicht, diverse Abteilungen indes durchaus. Das beginnt bei zunächst harmlosen und zum Großteil automatisierten Bereichen wie der Generierung und Auswertung von Marketingdaten, bei denen es eigentlich darum geht Dir jeweils passende AR-Plakate oder AR-Musik/Themes im Parkhaus einzuspielen, aber es endet damit dass wenn der MIFD Dich auf dem Kieker hat er Deine Datenspur durch generierte Parkdaten aus X Jahren verfeinern kann, aus denen sich problemlos Gewohnheiten und Bewegungsprofile erstellen lassen.
Tolstoi

Und bei S-K und Co. wäre das anders? Come ON!
Come ON!

Eben. Sender44 kann über uns doofe alternative Mitentscheider ja quatschen was es will, aber man muss auch sehen was die „Alternativen“ (haha) sind. Wer denkt, irgendein tatsächlich rein lokales Kleinunternehmen – am Besten noch so eine halbe Spaßnummer wie der Mitbewerber „Freiparkenfüralle“ und sein bierdeckelgroßes „Generalkonzept zur Berliner Parkraumbewirtschaftung“ gleichen Namens – hätte gegen Großbewerber eine Chance, irrt. Shiawase ist in Berlin bisher straight und eher pro-alternativ aufgetreten, eben weil WIR DEREN „Feind des Feindes“ sind. Shiawase weiß, dass es nur durch die Alternativen wird Fuß in Berlin fassen können – speziell gegen S-K – und das schafft zumindest mittelfristig einiges Bündnispotenzial.
Fianna

Ich verstehe den Gedanken dahinter, unke aber trotzdem dass am Ende wir alle wieder die großen Verlierer sind. Aktuell habe ich vor Shiawases wiederentdecktem Gutmenschentum und seiner seltsamen Hinwendung zum Konzernshintoismus jedenfalls mehr Schiss als vor S-Ks eher martialischer „Ehrlichkeit“ im Bestreben die Weltherrschaft zu erreichen.
Tolstoi

Leute, es geht nur um fucking PARKPLÄTZE. Okay? Come ON!
Come ON!

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Eine Antwort zu “[44] Miese Parkplatzabzocke

  1. Kwang Februar 1, 2011 um 17:52

    Wobei ich noch einen kleinen Info-Schnippsel beisteuern möchte auf den ich zufällig gestoßen bin: Das kleine, alternative Underground-/Indy-Label, das den Hass-Punk Titel „Drachenstaat“ produziert, gehört über ein paar Ecken und Scheinfirmen zumindest anteilig… wem wohl? – Genau: Shiawases Medien- und Musik-Sparte!

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