Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

Drachenbrut 04 | Die Brut des Drachen (3)

Nirgendwo – 2033

„Hi, Nikolai !“

„Wer bist Du?“

„Reichlich unhöflich, eine Begrüßung mit einer Frage zu beantworten.“

„Hm. Gut. Dann: Hi, wer-auch-immer.“

„Gar nicht schlecht.“

„Also: Wer bist Du?“

„Jetzt sieh sich einer diesen Elfen an. Kennst Du mich nicht mehr?“

„Laß mich nachdenken. Hmmm. Nein.“

„Hahaha. Schätze, ich sollte beleidigt sein. Aber ich verstehe schon, daß Du etwas durcheinander bist.“

„Das kann man wohl sagen. Wo bin ich überhaupt?“

„Bei mir zu Hause, wo sonst.“

„Hm. Nett hast Du“s hier.“

„Danke. Willst Du einen Tee?“

„Das wäre nett.“

„Wenn ich mich recht erinnere, trinkt ihr Russen den aus der Untertasse, mit einem Stück Zucker, oder?“

„Was soll das heißen, ‚wenn Du Dich recht erinnerst‘ – bist Du kein Russe?“

„Komische Frage, eigentlich. Hab“ nie großartig darüber nachgedacht. Schätze, man könnte mich ’staatenlos‘ nennen.“

„Dein Russisch ist ziemlich gut dafür, daß Du keiner bist.“

„He, halt – ich habe nicht gesagt, daß ich keine Russin bin – nur, daß ich zu keinem Land im Speziellen gehöre.“

„Was soll das heißen?“

„Keine Ahnung – Erklär Du“s mir.“

„Irgendwie denke ich, daß Du mir eher einiges erklären solltest.“

„Tatsächlich ? Hier – trink“ Deinen Tee, solange er heiß ist.“

„Danke.“

„Bitte.“

„Was ist mit dem Zucker?“

„Oh. Entschuldigung. Ich habe nicht oft Besuch, weißt Du?“

„Kann ich mir kaum vorstellen, so gut, wie Du aussiehst.“

„… Hey, danke, ich habe ja gar nicht gewußt, daß Du auch richtig nett sein kannst.“

„Ach?“

„Naja, Du gehörst doch eher zu der ernsten Art von Leuten, oder?“

„Ach?“

„Oder nicht?“

„Was meinst Du mit ‚ernst‘?“

„Was bedeutet ‚ernst‘?“

„Ich denke, es ist unhöflich, eine Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten?“

„Hahaha, schon richtig.“

„Sag‘ mal, sagst Du mir noch irgendwann, wer Du bist, oder läßt Du mich dumm sterben?“

„Oh, nein, ich lasse Dich nicht sterben. Ich lasse niemanden sterben. Und schon gar nicht dumm, was das angeht.“

„Hör zu, danke für den Tee und so, aber würde es Dich sehr stören, Dich mal klar auszudrücken ? Ich bin nämlich ohnehin reichlich verwirrt und steh“ nicht besonders darauf, veralbert zu werden.“

„Das denkst Du von mir ?“

„Ja, allerdings, das denke ich von Dir.“

„Na gut, wenn Du es so willst, dann versuche ich eben weniger freundlich und dafür direkter zu sein: Ich bin TOD.“

„Na, klar.“

„Glaubst Du mir nicht ? Das paßt zu Dir. Na schön, Prinz Naseweis, was ist denn das Letzte, woran Du Dich erinnern kannst?“

„…“

„Genau.“

„Also … bin ich tot ?“

„In gewisser Weise schon, andererseits aber auch nicht.“

„Herzlichen Dank, jetzt geht“s mir schon viel besser.“

„Keine Ursache.“

„Das war Sarkasmus.“

„Ich weiß, Du Trottel. Bei mir auch!“

„Oh.“

„Noch einen Tee?“

„BIST DU ÜBERGESCHNAPPT ? DU ERZÄHLST MIR, ICH SEI TOT UND DU SEIST TOD, UND JETZT BIETEST DU MIR EINEN TEE AN ?“

„Völlig überflüssig, mich so anzuschreien. Und ziemlich unhöflich dazu, wenn ich das mal so sagen darf. Warum hätte ich Dir denn keinen Tee anbieten sollen – hat Dir der letzte nicht geschmeckt ?“

„NEIN – doch, ABER DAS IST NICHT…“

„Pff – Du machst es einem echt schwer, nett zu sein – aber das kenne ich ja schon von Dir. Jetzt beruhige Dich erstmal. Es ist nicht besonders sinnvoll, sich über etwas aufzuregen, wenn man tot ist.“

„Ich denke, ich bin nicht tot !“

„Nun, Du hast gesagt, daß Du tot wärst – und Du müßtest es ja wissen, nicht wahr ?“

„Du gehst mir ganz schön auf den Senkel, weißt Du ?“

„Ah, ja ? Nun, ich kann ja auch gehen. Ich brauche mir das nicht anzuhören, weißt Du?“

„Schon gut, schon gut, es tut mir leid. Entschuldigung.“

„Haha, gerade eben warst Du wirklich genau wie er.“

„Wie wer ?“

„Na, wie Du.“

„Tod, bitte. Meinen Kopf zerreißt es gleich. Was ist denn jetzt – Bin ich tot oder bin ich nicht tot ?“

„Nun, wenn das so wichtig ist für Dich…“

„VERDAMMT NOCHMAL, DAS IST… Tschuldigung. Es ist sehr wichtig für mich.“

„Schon gut. Entschuldigung akzeptiert. Also: Du bist tot. Das heißt, Dein Körper ist es. Dein Geist allerdings ist noch nicht bereit, mit mir zu gehen – weil Du festgehalten wirst.“

„Von wem ? Und wie?“

„Lassen wir das wie einmal beiseite. Von Nadjuseanel, natürlich.“

„Wer ist Nadjusanel?“

„NadjusEanel.“

„Wer auch immer.“

„Tssss. Ihr seid so komisch. Dauernd redet ihr von magischer Verbundenheit und Liebe, aber ändert man nur ein bißchen einen Namen, erkennt ihr euer Leben schon nicht mehr.“

„Mein … Leben ? Du meinst … NADJA ?“

„Hahaha – schon besser, der Kandidat erhält 100 Punkte.“

„Aber… wie kann sie … ist sie denn nicht … ich verstehe nicht … WO IST SIE ?“

„Shshsht. Um das alles herauszufinden, bleibt Dir noch genug Zeit … hahaha, oooh, ja, SEHR viel Zeit. Wenn ich Dich erst einmal zurückgebracht habe. In der Zwischenzeit: Wie ist das jetzt mit Deinem Tee ?“

„……… Hast Du auch Wodka ?“

 

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