Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

Drachenbrut 05 | Von Dämonen und Engeln (10)

HAMBURG – 2044

Unterhalb des Sandes besteht die Welt nur aus Hitze, aus Schweiß, aus diffusem Licht und aus gedämpften Geräuschen. Jeder Muskel schmerzt von Stunden des Stillhaltens und Flachatmens. Der Gedanke an die Bedrohung draußen verschwimmt, wird ersetzt durch den unbändigen Wunsch, das sandige Grab zu verlassen und zu schreien, durch unstillbaren Durst, wird ertränkt von dem verdammten Pochen in den Schläfen und dem Gefühl, zu schwitzen und zu kleben.

Sand ist in die Nase eingedrungen, knirscht zwischen den Zähnen, setzt sich beißend-juckend unter die Lider seiner Cyberaugen. Sand füllt die Ohren, erzeugt Druck und Hitze.

Und über allem das unablässige Dröhnen Hämmern Klopfen des Helikopters.

Er weiß nicht, wieviel Zeit vergangen ist, dämmert in einem Stadium von Angst und Durst und Klaustrophobie vor sich hin, der Sinn nur gerichtet auf das Überleben, beide Hände fest die Faustfeuerwaffe umschlingend, der Griff glitschig von Schweiß.

Dann, ein Knall. Das Rattern von MGs.

Er versteift sich, wartet auf den Schmerz, auf den Tod.

Aber nichts.

Nur das unablässige Hämmern von Feuerstößen draußen, Schreie von Arbeitern und Gardisten, Todesschreie.

Er hält es nicht mehr aus – keine Sekunde. Er richtet sich auf, rauschend und erlösend rutscht der Sand an ihm ab, kühle Abendluft fährt über seine Körper, daß ihm vom Temperaturschock Punkte vor den Augen tanzen. Helle Flächen und dunkle Flächen. Feuer. Ein großes Feuer jenseits des benachbarten Sandhaufens, Mündungsfeuer am Boden.

Und dort, in der Luft, ein brodelnder Schemen. Ein Feuerelementar.

Nur kurz verharrt er, gelähmt von dem, was ihm seine Sinne mitteilen. Dann wendet er sich ab, reißt seine Tasche aus dem weichen Sand und spurtet in Richtung des Zaunes, wirft die Tasche über ihn, hechtet hoch, registriert den Schmerz, als das Holz der Zaunkante sich in geschwollenes Fleisch gräbt, beißt auf seine Lippen, schmeckt Blut, fällt über den Zaun, schlägt hart auf, Sekunden des Um-Luft-Ringens, Aufstehen, laufen, Laufen, LAUFEN !

– – –

Jenseits des Spiegels blickt Alachia auf die Szenerie, die Fäuste geballt vor verletztem Stolz und Zorn. Neben ihr Mae Daugh, die Augen geschlossen, in voller Konzentration. Schweiß perlt auf seiner Stirn.

Und durch die Stille das kinderfröhliche Lachen von Lady Brane.

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