Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

[44] Waffenlobby macht sich für Vollbewaffnung stark

Sender44Nicht ganz unerwartete Rückendeckung von Konzernseite erhalten die alternativen Verfechter der Berliner Vollbewaffnung von Seiten der mächtigen Megakonzern-Waffenlobby. Was lange ein offenes Geheimnis war, wurde im aktuellen Tätigkeitsbericht mehrerer Lobbygruppen nun erstmals offen eingeräumt: Demnach stellt Berlin für die Waffen- und Munitionshersteller einen der wichtigsten Absatzmärkte in Deutschland und Mitteleuropa dar, in den „langfristig strategisch investiert“ werde.  

Etwas paradox agieren in der Frage des in Berlin geltenden Waffenrechts jene Konzerne, deren eine Hand auf die volle Gewaltübergabe an beauftragte Polizeikonzerne und eine Entwaffnung eintreten, während zugleich deren andere Hand aus Richtung der Rüstsparte engagiert für den Erhalt der in Berlin vermuteten „5 Millionen Plus X“ Schusswaffen in Händen von Zivilpersonen eintritt.

Eine Verschärfung des Berliner Waffenrechts in Form einer Angleichung an das ADL-Waffenrecht plus tatsächlicher Durchsetzung der Waffenbesitzbestimmungen forderte zuletzt die Botschafterin der ADL in Berlin Dr. Isabelle Jandorf (Preußenstiftung). Dass insbesondere die Durchsetzung einer massenhaften Entwaffnung in den alternativen Bezirken überhaupt möglich ist, darf im Angesicht der erkennbaren Unfähigkeit des Sternschutzes, in den alternativen Gebieten für Sicherheit zu sorgen, bezweifelt werden. Zudem ist im Hinblick auf den Berliner Polizeistreit auch rechtlich einiges unklar, etwa die Berechtigung „alternativer Polizeidienste“ wie z:B. Kiezwehren, Waffen zu tragen.

Realistisch betrachtet bleibt der Berliner Führung im Moment wenig anderes übrig, als an der seit der Einigung praktizierten Laissez-faire Haltung zum Waffenbesitz festzuhalten:

Demnach wird das auf dem Papier stehende Gesetz der ADL zwar grundsätzlich anerkannt, aber erstens wo immer möglich sehr locker ausgelegt und zweitens schlicht nicht durchgesetzt, mindestens in alternativen Gebieten, und Waffenscheine – sofern überhaupt beantragt – werden mehr oder weniger formlos ausgegeben (der geforderte Nachweis einer persönlichen Bedrohungssituation ist zugegebener Maßen in Berlin äußerst leicht zu erbringen; im Regelfall reicht der Nachweis des Wohnsitzes in Berlin).

Freilich behält sich der Sternschutz vor, Waffenbesitz oder was das angeht auch Besitz gefährlicher oder aus anderen Gründen restriktiver Cyberware und/oder Drogen im Falle einer tatsächlichen Straftat oder zur präventiv zur Wahrung der Sicherheit bestimmter Vorzeigeregionen dann doch scharf durchzusetzen. Quasi eine Bedarfs-Ordnungswidrigkeit oder -Straftat, die man jederzeit anführen kann, wenn der Anlass es rechtfertigt oder der fragliche Polizist schlechte Laune hat.

Dein Thema, Fienchen!
Russenrigger

Wüsste nicht was es dazu noch zu sagen gäbe. Solange der Polizeistreit nicht entschieden und damit der Rechtsstand alternativer Schutzgruppen geklärt – und da gerade solcher Gruppen, die sich völlig erkennbar nur zu dem Zweck gründen, mit Automatikgewehren im Kiez herumlaufen zu können – wird sich da nichts bewegen. Der Sternschutz und dort gerade die SST jammert auch so schon über Unterfinanzierung und explodierende Aufwendungen zur Erfüllung ihres Polizeiauftrages, ich wüsste nicht, wie die sich vorstellen die bis an die Zähne bewaffneten Anarchos zur Abgabe ihrer Wummen zu bewegen. Naja, und das mit den Waffenlobbyisten ist auch nicht sonderlich neu. Ich zumindest hab noch keinen von denen gesehen, und wenn dann scharwenzeln die ohnehin um Wojenko und die Mitglieder des Schlichtungsausschuss herum. Was die dort zu erreichen hoffen ist klar: Legales Führen von Waffen für jeden Bürger, überall in Berlin, und ohne Ausnahmen. Das werden die nicht ganz durchkriegen, garantiert nicht, aber in der Diskussion schwingt aktuell so ein „die Anarchos geben ihre Waffen eh nie ab, warum die Normalbürger schutzlos machen?“ mit. So hören sich 5 Millionen Waffen nach ner Riesenmenge an, aber ein gehöriger Teil davon befindet sich auch im Besitz sogenannter Normalbürger, die einfach ne Scheißangst vor dem nächsten Konzern-Anarcho-Krieg oder einem Überfall der marodierenden Gang haben, deren Gräueltaten sie gestern im Trid gesehen haben. Im Prinzip kannst du sagen, dass die Bewaffnung der Bewohner im Anarcho-nahen Gebiet, also so 5 km in die Normalbezirke hinein nur unwesentlich geringer ist als in den Anarchogebieten. Wobei, klassisch Normalbürger-Denke, die meisten jener Waffen gut versperrt im kindersicheren Safe daheim liegen, indessen die meisten Anarchos natürlich mindestens ne Knifte dabei haben. Und ehrlich: So wie Beloit grade Stimmung gegen die Konzerne macht und so sehr wie der weltgrößte Waffenproduzent S-K (oder ist das Ares? Weiß nicht) noch immer davon angepisst ist, dass dem FBV sein Sternschutz den Polizeivertrag von Berlin hält, hält sich glaube ich der Widerstand gegen eine weitere Lockerung der Waffengesetze oder ihrer Durchsetzung bei ner Reihe der Megas SEHR in Grenzen. Das wird im kommenden Jahr definitiv noch „lustig“. Es ist halt nicht zu vergessen, dass die Berliner Einheit ganz Kalter Friede mäßig auf einem Gewaltgleichgewicht zwischen Konzernen und Anarchos beruht: Solange die Konzerne Sonderrechte in ihren Gebieten haben, beharren die Anarchos auf denselben Rechten bei sich. Deren Kiezwehr ist das Pendant zur Konzerngarde. Und das so juristisch dingfest zu machen, dass das mit der ADL halbwegs okay geht, ist … einfach nicht machbar. Was also tun? Den Berliner Frieden opfern, um ADL-Gesetze zu befolgen und näher an die ADL zu rutschen? Wer will das? KEINER will das. UNd das weiß die ADL, und sie wissen, dass sie nicht zu hoch pokern oder zuviel Druck machen dürfen. Oder sagen wir: Sie wissen das EIGENTLICH, aber Bayern-Beloit ist Berlin ganz möglicher Weise völlig schnuppe.
Fienchen

Das hörte sich bei Jandorf aber GANZ anders an. Da war mehr die Rede davon, dass das Assoziationsabkommen mit der ADL „keinerlei rechtlichen Spielraum“ für noch mehr Sonderwege mehr lasse, und die Boards sind voll von Talk, dass die Beloit Lofwyr buchstäblich bei den Eiern habe, weil der den assoziierten Status von Berlin gar nicht riskieren könne, schon um seine beratenden Berliner Bundesratmarionetten nicht zu gefährden. Im Gegenteil: Lässt Beloit die Situation gezielt provozieren, könnte – nach Abmahnung und Strafzahlung – die Unfähigkeit Berlins, geltendes und anerkanntes ADL-Recht umzusetzen als höchst willkommener Vorwand instrumentalisiert werden, nicht nur die Berlinvertreter der Konzerne aus dem Bundesrat zu werfen.
Konnopke

Das ist auch präzise das Problem der Angelegenheit: Buchstäblich ALLES kann passieren, und was davon passiert ist eher eine Frage der Agenda irgendwelcher Taktierer im Hintergrund. Beloit kann ebenso Berlin stumpf ignorieren und der Sache Zeit lassen, sich irgendwie zu regeln, und sogar nen Sonderweg beim Waffenrecht akzeptieren, Berlin hat schließlich auch Gewerbe- und Baubestimmungen, die in der ADL unmöglich wären (okay, mit Übergangsfrist), aber sie kann genauso ein Riesengeschiss ums Waffenrecht machen – beim nächsten Amoklauf, beim nächsten Mord an irgendeinem bescheuerten Anarchosafari-Touristen aus der ADL, beim nächsten Unfall mit ner ungesicherten Waffe in Kinderhänden – und die Sache zur Eskalation bringen. Und wie Berlin dann reagiert, ist längst keine Frage von Lofwyr, denn Big L schmeißt die Show hier nicht! Hey, er hat nichtmal den Sternschutz draußen halten können, okay? FBV und Renraku sind immer ein Schmerz in seinem schuppigen Arsch, und dass ADL, FBV und Ares zusammen die Kriseneingreiftruppe MET2000 kontrollieren macht die Situation (außerhalb der echten S-K Exter Gebiete, was Berlin betrifft also überall außerhalb Tempelhofs) echt schwer beherrschbar.
Tolstoi

Warum bietet S-K eigentlich keinen eigenen Polizeiservice an? Die stellen doch praktisch alles her, was so ein Durchgreifunternehmen braucht, wäre ein reiner Inhouse Job und soweit ich das überblicke das Schlaueste, was Goldie in Bezug auf seine (gemutmaßten) „Festung Europa“ Pläne machen könnte.
Russenrigger

Er wird seine Gründe haben. Unter anderem den, dass du so nen Dienst nicht einfach mal eben von Grund auf neu aufbauen kannst, und den, dass S-K sein Zeug ja an reguläre Polizeieinheiten und Polizei- und Sicherheitskonzerne verkaufen will. Macht er denen Konkurrenz, könnten die sehr stinkig reagieren und ihre Waffen, Rüstungen und Fahrzeuge woanders einkaufen. 
Fienchen

Plus S-K kann so nen Polizeidienst nicht aus seinen Konzerngardisten heraus aufbauen. Das sind eher Soldaten, und Soldaten sind schlechte Polizisten.
Konnopke

Du meinst so wie der Mercedes Benz Konzernsicherheitsdienst, aus dem der Sternschutz wurde?
Tolstoi

Auch wieder wahr.
Konnopke

Was zumindest stimmt ist, dass S-K irgendeine Alternative für die Berliner Polizeisituation haben muss. Dass Lofwyr den Stern draußen haben will kapiere ich, hat jeder verstanden – aber was strebt er stattdessen an? Und was haben die anderen Konzerne vor? Der wird sich ja wohl nicht die Schwarzen Sheriffs von Renraku hier reinsetzen wollen. Ich sehe die Räder in Bewegung, und das auf verschiedenen Ebenen. Sehe aber den größeren Zusammenhang nicht. Bundes- und Berlinwahl. Bundesratsinteressen. Beloits „mit den Konzernen auf Augenhöhe“ Kurs plus Fußtritt an die LDFP. Berliner Polizeistreit. Waffenlobbyisten. Gleichstellungsprobleme der Bezirke …
Fienchen

Zumindest EINES steht fest, und ich glaube nicht, dass die ADL Regierung das rafft: Wenn es zum ernsten Streit um den Assoziiertenstatus Berlins kommt, werden die Alternativen Front gegen die ADL machen, MIT den Konzernen, NICHT gegen sie. Die Konzerne mögen hier in Berlin „der Feind“ sein, aber das im Sinne des Ringens aller Fraktionen im Status F. Die Konzerne haben bei all der Scheiße, die sie getan haben, auch einiges FÜR Berlin getan, und das verstehen die Anarchos sehr gut, auch wenn sie es nie eingestehen würden. Die ADL hingegen hat noch nie(!) etwas für Berlin getan, im Gegenteil: die haben zugesehen, als hier Hunger und Seuchen herrschten, Linnheimers kamerawirksames Rumgeflenne war allzu eindeutig Propaganda, und die letzten Erinnerungen an die alte BRD sind Metamenschenghettos, Militärherrschaft, die feige Flucht der Politiker und das Gefühl, Berlin wurde im Stich gelassen und abgeschrieben. Die Megakonzerne sind ein Problem, aber man hat sie bereits besiegt in dem Sinn, dass die Megakonzernherrschaft Berlins verhindert wurde. Sie sind der Feind, aber ein bekannter und beherrschbar scheinender Feind (don’t laugh). Die ADL aber, die ist weit weg, und dass die neue Kanzlerin gern Dirndl trägt verstärkt das Gefühl der Entfremdung nur noch weiter. Scheiße, jeder Berliner Megakon-Exec ist den Anarchos näher als jeder Wessi-Provinzpolitiker. Immerhin sitzen wir mit den Megas gemeinsam in der Scheiße, sind Gefangene und Liebhaber derselben Hure, Berlin!  
Tolstoi

Gleich speie ich.
Nakaira

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Eine Antwort zu “[44] Waffenlobby macht sich für Vollbewaffnung stark

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