Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

[B1L] Im Griff der Kälte

B1LDer Winter hat Berlin fest im Griff. Und nicht nur Berlin: Schon seit Jahresbeginn kommt Deutschland nicht aus den Minusgraden; dichte Schneefälle Anfang Januar und der eisige Sturm „Kevin“ haben die Lage an vielen Orten zusätzlich verschärft. 

Berlin hatte den offiziellen Angaben der BERVAG zufolge insgesamt wenig Sturmschäden zu beklagen – wo Kevins Böen aber zuschlugen, trafen sie die Schwächsten der Stadt:

„Viele der Selbstversorger im alternativen Osten der Stadt klagen über gesplitterte oder vom Dach gestürzte Solarpaneele und von Wind und Eisregen beschädigte Windräder“, so der Zweite Berliner Bügermeister und Vertreter Lichtenbergs Morek Pflügler: „Die meisten Kommunen verfügen zwar über Generatoren, auf die sie zur Energieversorgung zurückgreifen, aber die doppelte Nutzung von Brennstoffen zur Wärme- und zur Stromversorgung lässt die Vorräte der meisten Hausgemeinschaften rapide schrumpfen.“

 Vom Baumbestand der Straßen und nahegelegener Parks ganz zu schweigen.
 Fienchen

 Die Abholzung von Bäumen und der Holz- und Brennstoffklau sorgt für Stress in den Alternativen Gebieten. Einige Anwohner haben schon Ganger angeheuert, um den Lieblingspissplatz ihrer Köter bzw. den Baumbestand entlang ihrer Lieblingsjoggingstrecke zu bewachen. Dabei ist mir der Geruch von Holzfeuer allemal lieber als der wabernde Mief von verbranntem Müll, der aktuell über vielen Gegenden hängt.
 Konnopke

Erschwerend komme hinzu, dass im gesamten Ostgebiet zahlreiche Wasserrohre infolge der Kälte geborsten sind – Hunderttausende sind ohne fließendes Wasser, die Behebung der Schäden schreitet nur langsam voran.

 Etwas überdramatisiert. Solange Schnee fällt, ist die Wasserversorgung kein grundlegendes Problem, auch wenn sich dem Wohlstandsdeutschen vermutlich der Magen umdreht beim Gedanken, den eher graufarbenen (weil ruß- und aschereichen) Schnee Berlins zu tauen und zu trinken – egal, wie gut gefiltert. Meinem Eindruck nach kommen die „Hochburgen der Anarchie“ allemal besser zurande als die Elendsgebiete in „normalen“ Bezirken.
 Fienchen

 Nett, wie selbst du das anarchistische Paradies direkt mit „Elendsgebieten“ gleichsetzt. Das entlarvt. Davon ab, magst du Recht haben: Diejenigen, die sich 100% darauf eingerichtet haben, ohne äußere Hilfe klarzukommen, haben aktuell weniger Probleme als diejenigen, die sich abhängig von Fremdversorgung gemacht haben, die im Zweifel halt erstmal jene bedient, die sie auch tatsächlich bezahlen.
 Nakaira

Kaum Probleme gibt es hingegen im „kontrollierten Westen“. Worin einige bereits die nächste Verschwörung der Konzerne vermuten, habe indes einfache technische Gründe, meint Maximilian Westheide von der BERVAG:

„In den Konzern- und Normgebieten konnte bereits seit 2070 eine umfassende Erneuerung der Rohrleitungen und Kabelverbindungen erfolgen. Intelligente Messpunkte helfen uns hier dabei, Störungen schnell festzustellen und exakt zu lokalisieren. Dem gegenüber sind die Leitungen in den Alternativen Bezirken meist uralt, ihr Verlauf infolge des Zweiten Matrixcrashs unklar und ihre marode Struktur zudem von Dutzenden illegaler Entnahmestellen zusätzlich belastet.“ Eine Erneuerung der Systeme hier sei bisher am Veto der verschiedenen Interessengruppen sowie an „absurden Verschleppungstaktiken“ gescheitert: „Offenbar hat man den Verdacht, die Erneuerungen hätten vor allem den Zweck, Strom-, Gas- und Wasserdiebe zu überführen. Jetzt bezahlen ganze Bezirke den Preis der illegalen Entnahmen Einzelner.“

 NATÜRLICH ist der ganze Zweck der Übung, illegale Entnahmen zu bemerken und zudem Beweise gegen die bösen Diebe zu generieren. Und NATÜRLICH werden die alternativen Bezirke auch weiterhin jede Modernisierung aus genau den Gründen blockieren – zumindest solange, bis die BERVAG-Tochter Judikative Dienste GmbH (vorhersehbar) ein Grundsatzurteil fällt, wonach die Berliner Versorger (zufällig auch die BERVAG und all ihre Töchter) das unbedingte Recht haben, auf ihre Anlagen zuzugreifen und diese „auftragsgemäß“ zu warten und zu erneuern. Auch am Veto irgendwelcher Alternativer Gruppen vorbei.
 Konnopke

Totaler Stillstand am Bahnhof Falkensee

Totaler Stillstand am Bahnhof Falkensee.
Bildquelle: http://www.deviantart.com/art/this-city-is-freezing-in-192573343

Schwierigkeiten machen in den Westgebieten vor allem zunehmende Matrixausfälle sowie damit einhergehende Einschränkungen bei den Hightech-Systemen: „Trotzdem unsere Streu- und Räumungsdrohnen nonstop im Einsatz sind, ist Gridlink entlang vieler Strecken nicht mehr verfügbar. Die Abnehmer bekommen einfach keinen Kontakt – das führt zu Ausfällen im Speziellen von schwergewichtigen, das heißt energieintensiven Transportfahrzeugen und -drohnen, die meist nicht genug Batteriekapazität für eine längere Überbrückung besitzen“, fasst Heike Neuzling von der Berliner Verkehrswacht GmbH die Lage zusammen: „Sorgen macht uns zudem die Netzabdeckung. Die Kälte sorgt immer wieder für Ausfälle von Matrixsendemasten, und die neueren Kommlinks sind durch die Protokolle der aktuellen Matrixversion weniger in der Lage, Ausfälle durch Peer-to-Peer-Verbindungen zu kompensieren.“ Insofern sei der Winter 2075/76 ein erster „Belastungstest“ der neuen Systeme.

 Willkommen in der besseren und stabileren Matrixzukunft ihr Ärsche!
 Roter Oktober

Wer indes hofft, sein Auto einfach stehenlassen und auf den öffentlichen Nahverkehr ausweichen zu können, wird enttäuscht: „Leider haben wir es trotz einer sorgfältigen Vorbereitung mit schweren Ausfällen im gesamten M-Bahn-Netz zu tun“, sagt Christian Schubring von den Berliner Verkehrs Betrieben BVB. Auch die ESUS Schnellverbindungen seien betroffen, und das nicht nur in Berlin.

„Alle deutschen Länder haben mit Ausfällen im Flug- und Eisenbahnnetz zu kämpfen“, sagt Sarah Letzner, verkehrspolitische Sprecherin der PNO: „Speziell das Transportwesen ist betroffen: Wichtige Lieferwege werden von den zugefrorenen Schiffahrtskanälen, den Eisenbahn- und manchen Flugrouten auf die Straße umgelegt, das zusätzliche Verkehrsaufkommen sorgt in Kombination mit Sperrungen wegen Glätteunfällen oder Schneetreiben für Rekordstaus.“

 Achtung, Runner! Aktuell haben wir es mit einer regelrechten Auftragsexplosion zu tun. Was vorher annähernd unangreifbar von konzerneigenem Flughafen zu konzerneigenem Flughafen verschickt wurde, muss auf die Straße umgeleitet werden. Einerseits fangen die Unternehmen die damit verbundenen Personalspitzen zur Sicherung von Transporten mit Runnern ab, andererseits sehen die Unternehmen durch genau die Angreifbarkeit der Routen eine prima Chance, der Konkurrenz eins reinzuwürgen, wichtige Lieferungen zu verzögern oder zu zerstören oder gar interessante Prototypen, Laborequipment oder auch über Straße statt per Luft reisende Persönlichkeiten abzufangen.
 Tolstoi

 Vergesst bei euren Verhandlungen mit Schmidt bloß nicht einzukalkulieren, dass die Opposition hier ggf. aus anderen Runnerteams statt irgendwelchen Konzernwachen besteht. 
 Daisy Fix

 Erneut: Überdramatisierung. Es ist keineswegs so, als würde ganz Deutschland im Schneechaos versinken. Und dass es Ausfälle gibt heißt noch lange nicht, dass der Fernverkehr via Magnetschiene (und erst recht nicht der Flugverkehr) zusammengebrochen wäre. Das ist sowohl räumlich als auch tagesabhängig unterschiedlich. Aktuell scheinen eher Verspätungen als Komplettausfälle zu überwiegen. Dass es dennoch zuweilen Chaos gibt, liegt mehr daran dass Leute oder Frachten ihre Anschlussverbindungen verpassen.
 Roter Oktober

Und ein Ende der Kälte ist nicht in Sicht: Metereologen gehen davon aus, dass der Winter dank der herrschenden Großwetterlage noch mindestens den ganzen Februar anhalten wird. 

 Schwer, hier die Medien-Panikmache von realen Einschätzungen zu trennen. Allerdings sind sich praktisch alle Rechenmodelle einig, dass der Winter noch bei uns bleibt. Wie streng allerdings, das ist die große Frage.
 Safiya Dafiya

 Habt ihr schon vom Shiawase Kältemobil gehört? Offenbar nutzen die Japaner die Kälte in Köpenick als PR-Gelegenheit, um sich ganz als „guter Nachbar“ zu geben. Ich habe sogar gehört, dass die Japaner „Überkapazitäten“ ihres Dependance-eigenen Reaktors zum Nulltarif in das umgebende (oder ein neu anzulegendes?) Netz einspeisen wollen. Die Leute von Ruhr-Nuklear sind jedenfalls am Toben. Auch hier wartet Biz.
 Fienchen

Das Spiel mit der Kälte

Dass die Kälte in der ADL anhält, ist seitens der Shadowrun Chefredaktion (aka Tigger) gesetzt und somit kanonisch – wie schlimm der Verlauf sein wird, darauf könnt ihr in kommenden Ausgaben des NOVAPULS gespannt sein.

Mit diesem „Wetter-Großereignis“ hat jede Gruppe die Gelegenheit – wenn sie denn mag – konkrete Wintergeschichten, Schneemissionen und von Kälte profitierende Schattenläufe zu spielen. Ein paar Ideen, wie das gehen könnte – oder wie man das Thema „Dauerkälte“ umgehen kann, wenn es einem grade in der Plotplanung zuwiderläuft, werden unten sowie [hier in einem Thread] gesammelt!

Ideen, wie du die Kälte in deinem Spiel nutzen kannst:

  • Glätte. Straßen und Gehwege können glatt sein. Außentreppen können durch Eisregen zu Todesfallen werden. Je nach Glättegrad können Würfelpool-Modifikatoren von -2 (nass oder rutschig) bis -4 (eisglatt) erhoben werden.
  • Schneefall. Umherwirbelnder Schnee behindert die Sicht und dämpft Geräusche. Das kann für die Runner schlecht sein, wenn sie gerne Ziele aus der Entfernung angreifen (schön für den SL: Die Runner müssen näher ran), oder gut, wenn sie beim Vordringen auf ein Firmengelände schlechter bemerkt werden. Details siehe Umweltmodifikatoren, SR5 S.176.
  • Eingemummelt. Es ist kalt, also tragen alle ihre Jacken hoch geschlossen, Mütze ins Gesicht gezogen. So eingemummelt, sind Gesichter nicht mehr zu erkennen (schon gar nicht bei Schneefall), und realistischer Weise können Wachen an eng frequentierten Zugangspunkten nicht jeden einzeln kontrollieren. Neben den oben genannten Umweltmodifikatoren kommen noch Wahrnehmungsmodifikatoren für störende Sinneseindrücke (Schneefall) zum Tragen (WM -2), außerdem kann man den Schwellenwert aller Wahrnehmungsproben im Speziellen was das Erkennen von Details angeht um +1 heraufsetzen (z.B. auf Schwellenwert 3 statt 2 für einen Fußgänger).
  • Zugefroren. Runden in Hamburg und Berlin aufgepasst: Fleeten, Kanäle, sogar große Wasserflächen wie die Havel bzw. der Wannsee können komplett zufrieren. Dadurch werden Wassergrundstücke auf neue Art erreichbar: Repräsentative Ufervillen harren auf Einbrüche bzw. Extraktion von Personen, auf das Wasser gerichtete Sicherheitsanlagen (Sperrketten gegen Boote, Unterwassersensoren…) versagen, neue Fluchtwege tun sich auf (und wer wollte nicht schonmal mit der Geländemaschine mit Spikes vom Ufer auf den Kanal springen und der verdutzten Konzernpolizei davonröhren…). Auch schön für alle U-Boot-Fahrer: Unbemerkt unter dem Eis lassen sich einige Routen befahren, die sonst von oben zu stark überwacht sind. Na, und wenn dir als SL dieser kreative Weg zur Aushebelung deiner Mission nicht passt, dann gibt es in genau dem Kanal oder Gewässerabschnitt, wo die Mission spielt, eben warme Abwassereinleitungen, oder der abwehrende Konzern hat hochtoxisches Frostschutzmittel eingebracht.
  • Ausfälle. Technik versagt bei Kälte. Dadurch werden zuvor als uneindringbar bekannte Anlagen plötzlich zu lohnenden Zielen – egal, ob die Runner einen entsprechend motivierten Auftrag vom Schmidt bekommen oder selbst auf Raubzug gehen. Wie umfassend die Sicherheitsanlagen versagen, liegt in der Hand des SL, aber aus der bitteren Erfahrung eines S-Bahn-Fahrers in Berlin sag ich mal: Sei großzügig, Technik versagt bei Kälte echt häufig 😉 ACHTUNG! Natürlich betrifft das auch die Technik der Runner. Safe ist die meiste Cyberware (da körpernah genug, um ordentlich erwärmt zu sein), aber z.B. kleine Drohnen können bei Kälte schon verloren gehen.
  • Brrrr. Saukälte hat einen weiteren wichtigen Effekt: Die Wachmannschaft bleibt drinnen. Warum sollte sie auch durch die Kälte stapfen, wenn da draußen eh vor lauter Schneetreiben nichts zu sehen ist? Und auch wenn es klar ist: Drinnen ist es einfach wärmer. Sollte doch eine Wache draußen unterwegs sein, kann der SL ihr einige negative Modifikatoren anhängen: Sichtbrillen beschlagen oder haben Schnee drauf, und die Kälte kriecht einem in die Knochen und kann die Chance auf Überraschung erhöhen bzw. die Initiative senken. Achtung! Gilt natürlich auch für Runner, die lange an einem Platz herumlungern müssen. Besser in Bewegung bleiben.

Mehr Ideen? Ganze Missionen? Anregungen? Dann schreib hier in den Ideen-Thread!

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