Shadowrun Berlin

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[B1L] Kein Winterdienst für Alternative?

B1LMikhael zieht die dicke Thermojacke weiter zu und zupft seinen Heizschal über der Nase zurecht. Das Gesicht des pockennarbigen Orks und seiner vier Begleiter im Betonblockghetto im Süden Berlins verschwinden fast vollständig hinter Skimasken, dicken Halstüchern und in der Tiefe dick gepolsterter Kappus. Inmitten der langam dahinmarschierenden und mit Schnellfeuerpistolen bewaffneten Kiezwehr-Phalanx rattert und schnarrt eine mit Graffittis übersähte Schneeräum-Drohne. Die Letzte in dieser Nachbarschaft.

„Wir haben in diesem Winter über 122 Winterdienstdrohnen verloren, und nur der kleinste Teil dieser Ausfälle geht auf die Witterung und den Dauerbetrieb zurück“, sagt Heike Lederer, Remote Street Service Supervisor der Berliner Stadtreinigungs GmbH. einer 100%igen Tochter des Berliner Verwaltungsgiganten BERVAG. Die 46-jährige ist Herrin über kleine Straßenreinigungsdrohnen und riesige Streumaschinen, emsige kleine Müllsammler und schabengroße Zustandsfeststellungadrohnen – und über die auf den Berliner Gehwegen tätigen Winterdienstdrohnen des Typs M-K Snowpard-12. „Über 90% der Ausfälle betreffen dieses eine Modell, und die absolute Mehrzahl der Ausfälle und Totalverluste geschehen in den alternativen Bezirken und gebietsnahen Prekariatsgebieten.“

Totalverlust, das bedeutet Diebstahl oder komplette Zerstörung. Ausfälle, das heißt üblicher Weise, dass die Drohne unautorisiert angehalten, geöffnet und Teile der Technik geplündert wurden. „Die Täter nähern sich der nur Schrittgeschwindigkeit fahrenden kleinfahrzeuggroßen Drohne unbekümmert – die Drohne hat keine Eigenverteidigungssysteme“, fasst Heiner Beckenbauer vom Sternschutz die Fälle zusammen: „Dann werden links und rechts von der Seite Stangen oder Keile untergeschoben und die Drohne kurzerhand hochgehebelt, so dass der Kettenantrieb ins Leere greift. Natürlich wird daraufhin ein Alarm ausgelöst, deshalb gehen die Täter rasch vor, öffnen Abdeckungen mit roher Gewalt und rupfen an Teilen heraus, was immer sich gerade greifen lässt“. Eine Bewertung, der Drohnen-Expertin Heike Lederer nicht zustimmt: „Der Snowpard von Messerschmitt-Kawasaki teilt sich gerade im Antrieb von Ketten und Bürsten einige Teile mit anderen M-K Systemen, die in Berliner Häusern verbaut wurden – vor allem Aufzüge der M-K Tochter Siebert, die sich in zahlreichen Plattenbauten, aber auch vielen Altbauten in der Stadt finden. Findige Techniker haben zudem Wege gefunden, die Motoren der Snowpard so zu modifizieren, dass diese auch in anderen der ja meist seit Jahren defekten Aufzüge älterer Berliner Mietblöcke Verwendung finden.“

Die BERVAG hat in der vergangenen Woche auf die Entwicklung reagiert und eine Einstellung des Winterdienstes in den identifizierten Gefahrengebieten angekündigt: „Wenn die alternativen Bezirksverwaltungen bzw. deren Kiezpolizei nicht für die Sicherheit der Räumdrohnen sorgen kann, müssen wir Verluste entweder der Bezirksksse in Rechnung stellen oder den Winterdienst generell zur Bezirksangelegenheit erklären“, so ein leitender BERVAG Angestellter gegenüber B1L: „Dann können die ja gerne ganz wie sie es lieben alternativen, selbstorganisierten Winterdienst machen, von mir aus auch ganz LowTech, mit guter alter Muskelkraft. Einen Mangel an nicht anderweitig benötigter Arbeitskraft gibt es dort ja genug.“

Einige Nachbarschaften haben nun reagiert, unbürokratisch und durch Eigeninitiative: Mikhael und seine Gruppe von der Sankt Melitta Kiezwehr marschieren mit, wenn die altersschwache Drohne mit der Kennung 6JFK133 Dienst tut: Vom rumpeligen Start bis zu ihrer Rückkehr in die gleichfalls bewachte Ladebucht ihrer Drohnengarage, ein mobiler Container, der zu Beginn des Schneefalls in einer nahen Tiefgarage abgeladen wurde. 

„Wir nennen sie Miss Kennedy“, sagt Mikhael und schiebt seine Schneebrille zurecht.

 

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 Russenrigger

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