Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

Kategorie-Archiv: INGAME

Brennpunkt: Drakequartier [2/2]

Das Drakequartier

// Dateiupload von .REZ // 01.11.2080 – 20:22:22 – FORTGESETZT

Hinweis: Locations ohne „SRB“-Locatiomarker werden im Quellenband „Berlin 2080“ beschrieben.

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SRB005 > Drake International Industries 
Mitte – Stülerstraße 2

Der Immobilien- und Hochtiefbau-Konzern Drake International Industries möchte sehr gerne am weiterhin wachsenden Berliner Bau- und Immobilienmarkt partizipieren und hat diesem Anspruch mit dem Drakequartier ein erstes, deutliches Zeichen gesetzt. In seinem Bürobau an der Stülerstraße befindet sich neben dem Quartiersmanagement eine Repräsentanz des Unternehmens mit Planungs- und Architekturbüros, mondänen Empfangs- und Präsentationsräumen, einem Architecture Showroom und VR-Arbeitsplätzen für 50 Immobilienvertriebler. 

Drake International Industries kommt verdammt spät zum Berliner Immobilien-Futtertrog und weiß das auch. Den regulären Gesetzen des Marktes nach müsste das Unternehmen in billige Randlagen investieren und mit viel Mühe und langfristiger Infrastrukturentwicklung rentable Wohn- und Geschäftsquartiere entwickeln. Damit bliebe es allerdings im Stadtbild weitgehend unsichtbar, und das scheint gegen deren Ego zu gehen. Vielmehr scheint sich der Konzern in Premiumlagen einzukaufen, auch wenn das angesichts der Immobilienblase irre Gelder kostet: Im Zentrum präsent zu sein, scheint das Geld wert.
 .root

Gerüchte wollen wissen, dass auch GENOM verstärkt in Berlin aktiv ist. Ob deren Aktivitäten allerdings unmittelbar mit Drake verbunden sind, bezweifele ich. Vielmehr scheint Drake darauf abzuzielen, irgendwo und möglichst zentral in Berlin ein „Birsfelden II“ zu errichten: Ein funktionierendes, modernes Stadtviertel, mit dem der Konzern beweist, dass er Dinge kann, für die S-K und Konsorten nur zu doof waren. /Sarkasmus off
 .rez

SRB006 > Konrad-Adenauer-Haus
Mitte – Klingelhöferstraße 8

Die Berliner haben Regierung und Parlament der ADL nie verziehen, bei Nacht und Nebel aus Berlin verschwunden zu sein und Hannover zur Hauptstadt gemacht zu haben (natürlich möchte kaum ein Berliner, dass Berlin je wieder Hauptstadt wird, aber motzen kann man ja trotzdem). Obwohl die Berliner dadurch grundsätzlich keine Fans bundesdeutscher Parteien sind, wird doch kaum eine so sehr gehasst wie die Christliche Volkspartei CVP: Sie war in den entscheidenden Jahren 2014–2030 an der Macht (2014 bis 2018 in Koalition mit der SPD unter CVP-Kanzler Klaus Meißner, derselbe 2018 bis 2022 in Koalition mit der LDFP, 2022 bis 2026 CVP-Kanzler Norbert Menges mit absoluter Mehrheit, 2026 bis 2030 derselbe in Koalition mit der LDFP), und auch 2055 beim de-facto-„Verkauf“ des anarchistischen Berlin an die Großkonzerne saß die CVP im Chefsessel, damals mit Bundeskanzler Bernd Mertens.

Der Berliner Sitz der CVP war somit schon immer ein bevorzugtes Anschlagziel. Während früher aber meist Eier oder Farbbeutel gegen die Glasfront mit den in Dauerschleife laufenden Heile-Welt-Parteispots geschleudert wurden, hat sich die Frequenz und die Munitionierung seit Beginn der Grenzschikanen [#dp:berlin S.6f] [#berlin2080 S.16 u. 31] deutlich verschärft. Seit Monaten stehen Sternschutz-Sondereinheiten, Absperrgitter und Panzersperren entlang der Straßenfront; der Zugang wird nur vorab angemeldeten Besuchern gestattet, die zudem eine Scannerschleuse für Sprengstoffe, Waffen und Cyberware durchlaufen müssen. 

Mit dem „Verrat“ der Reinickendorfer Abgeordneten und CVP-Politikerin Sofia Nordin [#berlin2080 S.8, S.16, S.57f] hat sich das Umfeld des Konrad-Adenauer-Hauses beinahe in eine Kriegszone verwandelt: Die an sich sechsspurige Klingelhöferstraße ist auf nur noch vier Spuren verengt, der Verkehr kommt zu Stoßzeiten trotz weitläufigen Umleitungen und intelligenter Verkehrsplanung regelmäßig vollständig zum Erliegen. Auch finden verstärkt Fahrzeugkontrollen durch den Sternschutz statt – Runner mit „auffälligen“ oder auch „auffällig unauffälligen“ Fahrzeugen (wie Pizzatrucks, die durch das Gewicht ihrer Panzerung schwer auf ihren Achsen liegen) sollten sich vorsehen. 

Zu den wichtigsten Berliner CVP-Politikern zählt neben Sofia Nordin (noch immer BA Reinickendorf, zumindest bis zur juristischen Klärung des Falls), Gregor Thielke (BA Schönefeld) und Fabian von Wittich (BA Potsdam) vor allem der Berliner CVP-Chef Dr. Adam Luger, ein Ziehschüler der „ewigen Innenministerin“ Sandra Sagehorn mit nachrichtendienstlichem Hintergrund. Auch die CVP-Kandidatin für Spandau, Dr. Katrin Lara Wegener, soll nicht unerwähnt bleiben.

Klingt, als habe Zoé in letzter Zeit einige Bessergestellte kutschiert.
AK Pulco

Kann man so sagen. Bin trotzdem froh, dass es vorbei ist. Kinder reicher Eltern können sehr anstrengend sein, gerade wenn sie sich für extrem „Straße“ halten.
Zoé

SRB007 > Der Kleine Figurengarten
Mitte – Tiergarten

Nur wenige Statuen und Kunstobjekte des Tiergartens haben die Anarchie überlebt, und viele davon passten einfach nicht zum japanisierten Neuentwurf des Stadtparks. Während ein paar Einzelstücke verkauft bzw. verschenkt wurden – die meisten an die Preußenstiftung – hat man einige ausgewählte Einzelobjekte in den Figurengarten umgesiedelt. Weitgehend abgeschnitten und durch blickdichte Hecken vom Rest des Tiergartens getrennt, sind im Figurengarten acht Skulpturen um ein recheckiges Rosenbeet und einen zentralen Brunnen verteilt. Am Rand des Gevierts ziehen sich rot getünchte Rosenbögen, unter denen historische Bänke aus dem alten Tiergarten zum Verweilen einladen. Den westlichen Abschluss bildet die Pergola aus dem früheren Rosengarten. Der Figurengarten wird von den meisten Besuchern des Tiergartens übersehen und ist daher für intime Stelldichein und nachts auch für diskrete Übergaben recht beliebt. 

Bei den Skulpturen handelt es sich größtenteils nur um Reste einstiger Personengruppen. Zum Beispiel ist die „unbekannte Muse“ rechts der Pergola tatsächlich ein Teil aus dem Sockel des früheren Goethedenkmals von Fritz Schaper, und die Haydn-Statue rechts daneben war einmal Teil einer Doppelskulptur von Haydn und Mozart. Die beinahe makellos erhaltene Bronzestatue der Diana hingegen kommt überhaupt nicht aus dem Großen Tiergarten, sondern stammt aus dem Rosengarten im Humboldthain.
Node

SRB008 > Zoo Terrassen
Mitte – Katharina-Heinroth-Ufer

Am Nordende des Zoologischen Gartens befinden sich die Zoo Terrassen, ein aus zwei Ebenen bestehendes Aussichts-Café mit herrlichem Blick über das Karkadann-Gehege [#schattenhandbuch1 S.123] nach Süden bzw. über den Landwehrkanal Richtung Tiergarten nach Norden. Bummler und Radfahrer nutzen gerne den zwischen Zoo-Gitterzaun und Landwehrkanal verlaufenden Spazier- und Radweg, durch den man immer wieder auch Blicke auf einzelne Zoo-Tiere werfen kann. Wer dadurch spontan Lust bekommt, den Zoo zu besuchen, kann diesen auch durch das Café der Zoo Terrassen als drittes, neues Tor neben dem historischen Löwentor (Hardenbergplatz) und Elefantentor (Budapester Str.) betreten. Kulinarisch sind die Zoo Terrassen nicht weiter bemerkenswert, erfreuen sich aber wegen ihrer langen Öffnungszeiten speziell im Sommer großer Beliebtheit: Auch viele Zoobesucher genießen es, am Ende ihres Besuches hier einzukehren und zuzusehen, wie der Zoo zur Ruhe kommt. 

Der Cafébetrieb bringt es mit sich, dass an den Zooterrassen weit mehr Gewusel herrscht als an den eigentlichen beiden Haupttoren – ein guter Zugangspunkt, sollte man einmal diskret den Zoo betreten wollen.
 .krah

 

Brennpunkt: Drakequartier [1/2]

 

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Im Crashsite Café // Original Artwork from Echo Chernik (Cover of the „Shadowrun Returns Anthology“ book)

Das Drakequartier

// Dateiupload von .REZ // 01.11.2080 – 17:34:12

Auch als Berliner kann man nicht jede Ecke der Stadt kennen. Im Gegenteil: Die meisten von uns sind so in ihrem Kiez verbunkert, dass sie selbst Affenklops und Fernsehturm nur aus dem Trid kennen. 

Der jüngst erfolgte Upload der Filesammlung [#berlin2080] hat bei mir die Neugier auf all die Ecken geweckt, die im Load beschrieben wurden, und von denen ich selbst noch nie gehört habe – oder die ich eben schon „kenne“, die ich aber noch nie offline und in persona gesehen habe. 

Anyway. Bei meinen Wanderungen in der City-West stolperte ich in der AR über einen Immobilien-Link zum „Drakequartier“, und da das in der Nähe lag und ich grad nix Besseres vorhatte, hab ich es mir angesehen. Und das Folgende entdeckt. Enjoy. 

Hinweis: Locations ohne „SRB“-Locationmarker werden im Quellenband „Berlin 2080“ beschrieben. 

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SRB001 > Das Drakequartier
Mitte – Drakestraße / Neue Drakestraße

Das Drakequartier ist ein Immobilienprojekt von Drake International Industries [#datapuls:schweiz S.25] auf dem Boden des früheren „Erweiterungsgeländes“ des Zoologischen Gartens. Besagte Erweiterung wurde 1987 eröffnet und war die einzige Auslage des Zoos nördlich des Landwehrkanals (soweit ich in alten Artikeln erkennen kann, waren hier u.a. Kängurus, Strauße und Springböcke untergebracht). Nach Freisetzung bzw. Verzehr der Zootiere, Abholzung der Anlagen und Zerstörung der meisten Gebäude in der Anarchie ist der Zoo heute nur noch ein Schatten seiner selbst (mehr dazu [#berlin2080 S.83ff]). Dass er überhaupt noch betrieben wird, ist die Folge einer ganzen Reihe kleiner Wunder. Und eines jener Wunder ist eben der Verkauf des Erweiterungsgeländes, um mit den dringend benötigten Einnahmen andere Bau- und Renaturierungsmaßnahmen finanzieren zu können.

Der Zoologische Garten ist eine absolute Premium-Immobilie, nach der sich Dutzende Unternehmen die Finger lecken. Kleinere Projekte schielen darauf, einzelne Grundstücke am Rand des Gartens zu akquirieren und zum Beispiel NOCH ein weiteres Nobelhotel hochzuziehen. Andere, deutlich „visionärere“ Pläne umfassen die Umgestaltung des gesamten Zoos in ein neues Stadtviertel – je nach Entwurf ein durchmischter Kiez für urbanes Leben, Arbeiten und Shoppen (auf Luxusniveau), ein asiatisch geprägtes und somit zum Tiergarten passendes Business Center für Unternehmen aus dem panasiatischen Raum oder aber ein repräsentativer Konzerncampus für einen der großen Zehn, der (angeblich) groß in Berlin einsteigen will.
 Corpshark

Das hieße ja höchstens Ares oder Wuxing. Alle anderen der Großen Zehn sind ja schon da oder haben bereits erkannt, dass der Move eine echte doofe Idee war. Ah, oder sie haben sich gerade neu aufgestellt und sind somit Spinrad Global, natürlich.
 .asl

Ares hat aktuell ganz andere Probleme, und dass Wuxing in Berlin groß einsteigt, bezweifele ich SEHR. Spinrad hingegen würde Sinn machen – die haben noch globalen Nachholbedarf im Bereich der betongewordenen Schwanzverlängerung, und der Büroturm von (Ex-)Global Sandstorm in Kreuzhain [#berlin2080 S.86, #10 auf der Karte dort] könnte zu klein für ihre Ambitionen sein. Richtig glauben kann ich aber auch das nicht.
 .root

Der Name des Quartiers hat natürlich „eigentlich“ nichts mit Drakes oder Drake Industries zu tun (deren Name erst recht nichts mit Drakes zu tun hat), sondern leitet sich von der nach dem Bildhauer Friedrich Drake benannten Drakestraße ab, die es hier schon lange vor dem Erwachen gab. Das hindert Makleralgorithmen freilich nicht, mit dem Namen des 2076 fertiggestellten Drakequartiers zu spielen und einige der modernen und großzügigen Stadtwohnungen einer drachischen bzw. dracopositiven Klientel anzubieten. Ob absichtlich geworben oder rein zufällig gehören zu den prominentesten Wohnungs-Eigentümern mindestens zwei tatsächliche Drakes: Erstens die Lung nahe stehende chinesische Violonistin Shen Qinqin und zweitens der unabhängige(?) südamerikanische Autor, Anarchist und Intellektuelle Alejandro Durmiente (ein Drake in der Form einer gefiederten Schlange). 

 Wie man bei einem Projekt von Drake Industries erwarten darf, sind überproportional viele Wohnungseigentümer im Drakequartier Elfen der Upper Class. Hinweise auf eine gezielte (programmatische) metarassische Bevorzugung habe ich zwar nicht für das Drakequartier bzw. den Standort Berlin finden können, diese kann aber angesichts der Vorgeschichte der GENOM-Tochter als „strukturell bedingt“ vorausgesetzt werden.
 .rez

SRB002 > Crashsite Café 
Mitte – Neue Drakestraße 2

Wo heute das Crashsite Café Berliner und Besucher zum Verweilen im ausgedehnten Biergarten einlädt, befand sich schon früher eine beliebte Restauration, das „Café am Neuen See“. Bereits ein paar Jahre vor dem Letzten Gesetz wurde es geschlossen und die Gebäude verkamen zu mit Graffiti überzogenen Ruinen. Nach dem „Sieg“ der Konzerne erhielt das Areal eine unfreiwillige Dekoration in Form einer tonnenschweren Baudrohne, die – beladen mit Durazement – in den Neuen See stürzte. Im Laufe der Zeit sank das Ungetüm so weit ein, dass nur noch Teile des meterlangen Rumpfes und drei seiner einst fünf Rotoren aus dem Wasser ragen. Die Bergung war erkennbar knifflig und so schob man das Projekt „Neuer See“ in der Neuplanung des Tiergartens immer weiter nach hinten. 2069, als der Tiergartens bereits voll im Umbau zum Japanischen Garten begriffen war, eröffnete eine Gruppe Künstler das Crashsite Café: Die Ruinen des alten Cafés nutzend, wurde eine Mischung aus Biergarten und Kunstinstallation geschaffen und das Wrack der Baudrohne selbst zum Kunstwerk umgewidmet. Nach einigen Jahren Streit zwischen den Betreibern und den Japankons, die das anarchistische Künstlercafé als Störfaktor in der perfekten Kunst-Kulisse des japanisierten Tiergartens betrachteten, einigte man sich auf einen vorerst bis 2082 befristeten Pachtvertrag. Die vorangegangene Medienberichterstattung über den Streit und einige kreative Protestaktionen machten das Crashsite Café berlinweit bekannt und sehr bald auch beliebt. Von Frühling bis spät in den Herbst tummeln sich hier Ausflügler und Nachtschwärmer, nur im Winter versinkt das Café in eine Art Dornröschenschlaf.

In den Gebäuden, Bauwagen und zusammengezimmerten Anbauten des Cafés leben in etwa 20 Künstler aus aller Welt – die Bewohner wechseln ständig. Nur ein harter Kern von etwa sechs Künstlern um den komplett tätowierten, orkischen Café-Chef Frank Fakesin bleibt stets derselbe. Hinzu kommen noch etwa ein Dutzend Kinder der Künstler-Kommune.
 Fienchen

SRB003 > Hotel Rozalia
Mitte – Neue Drakestraße 3

Mit zwölf Stockwerken ist das durch Drake Industries entwickelte Hotelgebäude das höchste Bauwerk des Drakequartiers. Ursprünglich sollte hier ein weiteres gesichtsloses Luxushotel entstehen, doch kurz vor Fertigstellung 2070 ging den Investoren die Luft aus (sowohl finanziell und im Falle einiger Schlüsselpersonen auch tatsächlich – Genaues weiß man nicht, aber die iranische Investorengruppe war wohl in ihrer Heimat knietief ins organisierte Verbrechen verstrickt und kam bei Revierkämpfen des OV unter die Räder (erneut: wörtlich)). Natürlich gab es mehrere andere Interessenten, aber dann kam es in Berlin zu den Unruhen, aus denen schließlich die Einheit hervorgehen sollte. Dass alles gut ausgehen würde, wusste man vorher freilich nicht: Erschrocken über Horrormeldungen, die einen neuen Bürgerkrieg in Berlin prophezeiten, sprangen die Big Player ab, und der bis dato weitgehend unbekannte Finanzier Damien Yegonov [Berlin2080 S.58] aus Ostberlin krallte sich die Immobilie. Sein Plan war, ein Hotel für Vermögende zu schaffen, die ein berechtigtes Misstrauen gegen Megakonzerne und Sorge vor staatlicher Überwachung haben. Das Hotel Rozalia brüstet sich damit, das Hotel mit der besten Privatsphäre in den westlichen Sektoren zu sein, und zudem das modernste „alternative“ Hotel der Stadt. Benannt wurde das Hotel nach der einflussreichen Arbeiterführerin und Kommunistin Rosa Luxemburg (Geburtsname: Rozalia Luksenburg), die 1919 ermordet und unweit im Landwehrkanal versenkt wurde. Im Foyer des Hotels und einem Teil des Untergeschosses befindet sich ein kleines Museum zu ihrem Gedenken. 

Anders als das Krasnaya Zvesda Schlosshotel [Berlin2080 S.55] ist das Hotel Rozalia weit entfernt von Drogenparties und Sündenbabel. Tatsächlich ist es ein sehr gediegenes, ruhiges und modernes Hotel, das Gästen neben solidem Service und dokumentierter Blockadehaltung gegen Polizeikräfte gleich welcher Art auch diverse diskrete Liefer-, Verschleierungs- und Fluchtservices anbietet. Wer also als Runner mal gediegen nächtigen und in einem Hotel-Spa relaxen möchte, ist hier gut aufgehoben.
 .sphynx

SRB004 > Sol Media Berlin
Mitte – Neue Drakestraße 1

Zusammen mit dem östlich angrenzenden Gebäude Drakestraße 1 ist dieses Haus Teil eines Bauensembles aus Prä-Anarchie-Zeiten. In der Zeit, als Berlin Hauptstadt der Bundesrepublik war, saß hier die Botschaft von Spanien. Heute beherbergt der altehrwürdige, neoklassizistische Bau und sein historisierter Nebenflügel die offizielle Repräsentanz der Sol Media Group in Berlin. Natürlich verfügt der nicht gerade als zimperlich geltende Konzern, dessen Schocker- und Skandalformate in der ADL immer wieder für gekünstelte Empörung sorgen, über gleich mehrere Produktionsstandorte in der Freistadt. Hier in der Neuen Drakestraße sitzt „nur“ die Verwaltung inklusive Buchhaltung, Personalbüro, einigen Konferenzsälen und natürlich diversen Servern, in denen sich allerlei Paydata finden ließe.

 Interessant, dass Sol Media sich in einer Drake-Industries-Immobilie einnistet bzw. die GENOM-Tochter diesen Mieter akzeptiert. Immerhin ist das Verhältnis zwischen Sol Media und GENOM nicht grade freundlich [#geisterkartelle].
 .asl

 Oh, Leute, COME ON! Erstens ist diese Genom-stellt-Präparate-zur-Unterdrückung-von-Technomancer-Fähigkeiten-Räuberpistole zehn Jahre her. Zweitens: wenn jeder Konzern sich mit jedem Mitglied der Journaille verzoffen will, das eine Enthüllungsstory bringt, wäre Hamburg längst von Thorhammer-Einschüssen zu Schlacke verbrannt worden. Drittens war die Botschaft und dann Sol Media ZUERST da; der Rest des Quartiers wurde erst später drumherum gebaut, so dass – Viertens – das Quartier und die Botschaft gar nicht zusammengehören, was aber ebenfalls egal wäre, denn Sol Media ist – Fünftens – nicht Mieter, sondern kostenfreier Nutzer des Botschaftsgebäudes, das – Sechstens – noch immer Spanien gehört.
 Come ON

Das Gebäude wird durch Knight Errant geschützt, und das ziemlich intensiv. Neben den Aufzeichnungsdaten diverser exklusiver Stories, Feeds und Entertainmentformate gilt es insbesondere, belastende Infos über Sol Medias Schattenoperationen in Berlin zu sichern. Dass der Konzern mit der DeMeKo im Dauerclinch liegt, ist ja kein Geheimnis.
AK Pulco

Der heilige Krieg von Sol Media gegen das Al-Akhirah-Syndikat könnte ebenfalls ein Grund sein, aus dem der Medienkonzern diese „Repräsentanz“ unterhält. Das Gebäude ist umfassend gesichert und es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass Sol Media Runner und eigene Agenten in Berlin auf die Straße schickt, um Hinweise auf Aktivitäten der Al-Akhirah Aswad Mayid in der Freistadt (genauer: dem Emirat) zu finden.
.rez

Der Shahabad [#berlin2080 S.88] ist meiner Ansicht nach fest in der Hand der Al-Akhirah, auch wenn davon niemand etwas gehört haben will. Das in Berlin nur äußerst begrenzt vertretene Syndikat ging in der Vergangenheit sehr behutsam vor – mit dem Doppeltod der russischen Verbrechensspitze und dem neuem, islamistischen Chef der Berliner Grauen Wölfe scheint sich das gerade zu ändern. Gut möglich, dass Al-Akhirah bestrebt ist, das Geschäft der Grauen Wölfe zu übernehmen. Ebenso möglich, dass dies genau das Ziel von Tauh’d ist und immer war.
 Safiya Dafiya

 

Novapuls ZOOM 10.80

Stern im Kreis Schifffahrt

Sieht man von den BVB-Linienfähren ab, ist das alternative Unternehmen „Stern im Kreis Schifffahrt“ (SiK) der größte (und älteste) Anbieter für Personentransport auf den Berliner Gewässern. Lediglich Riedeltours mit seinen diversen Spaß- und Partybooten kommt an die Flottengröße der SiK einigermaßen nahe, allerdings liegt der Tätigkeitsschwerpunkt von Riedeltours auch 10 Jahre nach der Berliner Einigung noch immer auf Anarchotouristik per Busfahrten durch die „Zone“.  

Die Anfänge des Unternehmens reichen bis zu den Tagen vor dem Letzten Gesetz zurück: Chaos, Gewalt, Polizeibrutalität und Aufstände hatten schon vor dem endgültigen Zusammenbruch der Stadt die Touristenzahlen massiv einbrechen lassen. Eines der ersten Opfer dieser Entwicklung wurde die altgediente Berliner Stern- und Kreisschiffahrt, die durch den großen laufenden Betriebs- und Wartungsaufwand ihrer Schiffe vom Einbruch der Gästezahlen besonders heftig betroffen war. Eine Zeitlang versuchte man sich durch Verkauf einiger Fahrgastschiffe u.a. in das überflutete Hamburg über Wasser zu halten, das Absaufen des Unternehmens konnte damit aber nur bis 2034 hinausgezögert werden. 

Der Konkurs der Stern- und Kreisschiffahrt beendete die einstmals blühende Schiffstouristik der Stadt. Ein paar der besser erhaltenen Fahrgastschiffe und Fähren wurden durch Privatpersonen oder kleine Touristik-Startups gekauft, die dann mit Ausrufen der Anarchie sang- und klanglos untergingen. Während einige wenige Schiffe durch Schmuggler umgerüstet und weiter genutzt wurden, verrotteten die meisten Legenden der Berliner Personenschifffahrt an irgendwelchen Liegeplätzen oder sie liefen in den von Müll und Autowracks verstopften Kanälen auf Grund.

sternimkreis

Als die Konzerne 2055 die Show übernahmen und die für sie wichtigen Wasserstraßen instand setzten, hatten auch sie keine Verwendung für die veralteten und oft fahruntüchtigen Kähne der alten Stern- und Kreisschiffahrt. Stattdessen setzten sie eigene Boote für Business Events, Caterings und Show-Vorführungen „ihres“ Berlins ein. Die „Wracks“ wurden in die Ostzone geschleppt – die meisten in den Schattenhafen am Urban und den Rummelsburger See –, um sie aus dem Weg zu haben.

Unbeobachtet und vergessen, wurden im Laufe der Zeit immer mehr der alten Schiffe durch Bastler als Hausboot umfunktioniert und wieder fahrtüchtig gemacht. Und als dann Mitte der Sechziger der Berlintourismus wieder zulegte – und das drastisch – taten sich diese freien Bootseigner genossenschaftlich zur Stern im Kreis Schifffahrt zusammen, machten ihre Schiffe wieder fit für den Fahrgastverkehr und hoben die Anker. 

Heute verfügt die SiK über etwa 24 Schiffe, von denen rund die Hälfte aus Altbeständen der Stern- und Kreisschiffahrt besteht, darunter auch das bekannteste Berliner Ausflugsschiff, der über 100 Jahre alte Moby Dick“ (Kapitän und Eigner: Saskia Ahab), sowie das größte Fahrgastchiff auf den Gewässern Berlins, der auf 700 Passagiere ausgelegte, 67 Meter lange Schaufelraddampfer „Havel Queen“ (Kapitän Loretta Inkognitow, Eigner Tizian von Gera).

Das Unternehmen ist in Form einer eingetragenen Genossenschaft (eG) organisiert und somit zu Recht stolz darauf, „fit für das Ende der Berliner Sonderrechte 2086“ zu sein. Chef oder zumindest Sprachrohr der Genossenschaft ist der Zwerg Rackham Longhook, Kapitän der „Spreekorsar“ (die 1896 gebaute „Lichterfelde“). Weitere wichtige SiK-Akteure sind die bekennende Letztfrontistin Anna Kaslow („Die Rote Anna“) mit ihrem Zeppelinwerke Elite Cruiser [#tödlichewogen] „Tinpuk“ und der bullige Ork-Kapitän Marufke von der „Teufelsratte“ (ehem. „Nofretete“).  

Ich würde gerne etwas kommentieren, korrigieren oder klugscheißen, aber es ist alles drin, was man wissen muss. Höchstens noch, dass es keinen Zentralhafen der SiK gibt: Jeder Eigner liegt eben dort vor Anker, wo er will. Plus, dass Reparaturen bei den kleineren Schiffen schwerpunktmäßig im Schattenhafen am Urban und bei den größeren Pötten in der Freiwerft Fienowfurt (südlich des Hebewerks) durchgeführt werden.
Daisy Fix

 

Megapuls.12.80

Novapuls.11.80

Novapuls.10.80

Berlin hat gewählt (Wahlperiode II/2080)

ALLES BLEIBT, WIE ES IST.

[06.10.2080] Unter den wettverrückten Berlinern ist die Wahlperiode II das ungeliebte Schmutzkind: Zwei Konzernbezirke plus ein Quasi-Konzernbezirk, in denen sich nie etwas überraschend ändern wird, und zwei kommunistische Parteikandidaten, deren Sitz ebenso unverrückbar bereits Monate vor der eigentlichen Wahl zementiert wird, geben wenig Anlass für spannende Wahlduelle: Wie erwartet bleiben Dr. Franziska Landolt (S-K Tempelhof), Takeshi Ozu (Renrakusan), natürlich Berlins Erster Bürgermeister Dr. Paul Zöller (Mitte) sowie Wladimir Igorewitsch Bronstein (Pankow) und Lena Rabeja (Köpenick) im Amt – Letztere umso mehr, nachdem der einzige antikommunistische Gegenkandidat Clemes Streußner in der vergangenen Woche auf offener Straße von Unbekannten mit Benzin übergossen und angezündet wurde. 

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Falkensee – früher gern für eine Überraschung gut – hat sich seit dem Sieg von Dönerkönig Aslan Özdemir in 2077 erheblich stabilisiert. Zwar nicht finanziell oder was die Sicherheit in der Schwarzen Zone am Westrand der Stadt angeht, wohl aber, was Özdemirs Stand im Bezirk betrifft: Özdemirs Dönerspieß-Fabriken sind inzwischen die wichtigsten Arbeitgeber in Falkensee (andere gibt es auch kaum), und jüngste Ankündigungen einer Expansion von Produktion und Vertrieb über die Freistadt hinaus lassen viele im Bezirk auf neue Arbeitsplätze auch in Berlin hoffen. Gegen diese Hoffnungen konnte USP-Kandidatin Friedericke Kuhnert mit gerade einmal 12% der Stimmen höchstens einen Achtungserfolg erzielen. Weitere erstaunliche 4% konnte der registrierte Infizierte und magisch aktive „Judas Moloch“ erzielen, der für die Partei der Neuen Ordnung (PNO) antrat. Moloch ist laut eigenen Angaben als Mikrotrader tätig und hat die vergangenen Jahre verborgen in Groß-Frankfurt gelebt. Mit der Novelle des ADL-Rechtes zum Bürgerstatus von Infizierten sieht er es als seine moralische Verpflichtung, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Warum er dies allerdings in Berlin statt in der ADL tut, weiß wohl nur er selbst. 

Trotz des üblichen Geschreis der Boulevardmedien (zu denen wir bei B1Live natürlich in keinem Fall zählen) gab es auch in Spandau wenig Grund, an einen Wechsel an der Bezirksspitze oder eine Rückkehr von Berlins jüngstem Anarchobezirk zum Normbezirkstatus zu glauben. Im Gegenteil hat Bezirksbürgermeister Fletscher seine Machtposition in den drei Jahren seit seiner Ernennung ausbauen können. Immerhin hat die etablierte ADL-Partei CVP mit Dr. Katrin Lara Wegener eine eigene Kandidatin als „Alternative für Spandau“ ins Feld geführt, die auf Anhieb 22,6% der Stimmen für sich verbuchen konnte – Buchmacher freuen sich bereits auf die nächste Wahl im Bezirk 2083. 

Die Verkündung der Wiederwahl von Morek Pflügler als Zweiter Bürgermeister durch die Ratsversammlung konnte zum Schluss ebenfalls kein Highlight setzen: Die für einen Wechsel notwendigen Schachereien um die Stimmenkontingente kündigen sich bereits lange vor der Wahl an, und deren Ausbleiben ließ erwartungsgemäß fest darauf schließen, dass es zu keiner Änderung kommen würde. 

 Von wem bitte auch? Würden die Konzerne Pflügler absägen, würde Berlins Einheit zerfallen und die Alternativen würden völlig freidrehen. Die Kommunisten würden Pflügler gerne loswerden und eine willige Marionette einsetzen, haben aber nicht die Kontingente dafür. Die Anarchos sind außerhalb von Axis F und Letzter Front Pflügler-Fanboys durch und durch, obwohl er ihre Ideologie nicht vertritt und widerlich pazifistisch ist. Und die ADL kriegt im anhaltenden Zoff mit Berlin eh kein Bein auf den Boden, solange sie keine Luftlandedivision abwerfen oder die Stadt zu patriotischer Schlacke nuken.
Konnopke

 Die Wahlbeteiligung geht wie die Zahl der Wetteinsätze aktuell stetig runter. Was umgekehrt die Wahlen anfälliger für Manipulationen, Stimmkäufe, Wahlhacks oder Randkandidaten macht, die ihre Special Interest Group effektiver mobilisieren können. Hoffen wir also mal auf 2081. Da schaut es schon deutlich spannender aus.
 .krah

 Mich verblüfft ja nicht so sehr das Wahlergebnis, als dass es so viele Bezirksvertreter schaffen, drei Jahre im Amt zu ÜBERLEBEN.
 Karel

 

Megapuls.09.80

Hotspots 5 – Pennerbrücke

// gepostet von ZOÉ //

Hallo zusammen! Bei meinen Wanderungen und Amokfahrten durch Berlin fallen mir gelegentlich Orte auf, die bisher irgendwie von anderen Guides und Files übersehen wurden und daher ein ziemliches Schattendasein (ha, ha) führen. Hier kommen ein paar von ihnen, kompakt und straight aus der Memofunktion meines Links.

Pennerbrücke
Mitte (Moabit) – Beusselbrücke

Genau auf der Grenze zwischen Charlottenburg-Wilmerdorf und Mitte gelegen – und formell zu Mitte-Moabit gehörend – liegt die Beusselbrücke, eine alte und mehrfach provisorisch ausgebesserte Balkenbrücke, durch deren Hilfe die Beusselstraße die EuroRoute ER4 und den M-Bahnring überquert. Ebenfalls führt die Brücke über den 2068 im Zuge des Westhafen-Ausbaus wiedereröffneten Güterbahnhof Moabit, der wegen seiner astralen Verschmutzung und immer wieder auftauchenden, Schrecken erregenden Geistererscheinungen einen besonderen Platz in den urbanen Mythen der Stadt einnimmt.

Der Güterbahnhof Moabit erstreckt sich von der Penner- bis zur Westhafenbrücke. Seine „astralen Auffälligkeiten“ rühren von seiner Funktion als Deportierungsbahnhof der Nazis her, über den 30.000 Juden ins Gas geschickt wurden.
 Fienchen

 Der frühere Güterbahnhof wurde in den 1990ern aufgegeben und zahlreiche der zum Verladebahnhof gehörenden Flächen wurden im Laufe der Jahre mit Gewerbeflächen überwuchert. Auch eine neue Straße (die Rybarstraße) wurde auf den früheren Flächen des Bahnhofs errichtet. Die BERVAG plant, den verloren gegangenen Platz in kommenden Jahren ÜBER dem Bahnhof zu errichten: Ladecontainer sollen durch eine über den Geleisen errichtete Ebene per Hebedrohnen entladen und dann per Fließband und selbstfahrende Ladegestelle zum Westhafen gebracht werden. Zwischen Penner-/Beusselbrücke und Westhafenbrücke wird also eine großflächige Struktur entstehen, wodurch ER4(B), und M-Bahn in dem Bereich „überdacht“ werden.
 Russenrigger

Die verschiedenen Umbaumaßnahmen an der nördlichen Ringbahn – im Speziellen der Bau der EuroRoute in den Sechzigern – erforderten immer wieder Umbauten an der Beusselbrücke. Ein Abriss und kompletter Neubau wurde mehrfach geplant, aber wegen der dafür nötigen mehrmonatigen Sperrung der Nord-Süd-Verbindung über die Beusselstraße und natürlich aus Kostengründen nie ausgeführt.

Dies führt dazu, dass die Struktur der Beusselbrücke durch verschiedene Streben, Stützgestelle und andere provisorische Konstruktionen verunziert wird. Außerdem wurde um die gesamte Struktur der Brücke ein Sammelsurium miteinander verwachsener Baugerüste und Wohncontainer für Bauarbeiter der Dauerbaustelle errichtet. Nachdem diese von der jeweils aktiven Construction Crew verlassen wurde, wollte man sie nicht abreißen, da man sie ja eh demnächst wieder brauchen würde. Sichern und sich so Kosten ans Bein binden wollte aber auch niemand, so dass die Brücke und ihr Baugerüstpanzer sich selbst überlassen blieben.

Ich ahne, woher der Name „Pennerbrücke“ kommt.
 Karel

 Pretty obvious, oder? Der zweite Grund ist aber, dass es in Berlin auch eine ähnlich klingende Brücke gibt (oder gab), die „Spinnerbrücke“ über der Avus. Dort trafen sich im speziell zum Saisonbeginn im Frühjahr immer die „Spinner“ in Gestalt tausender Motorradfahrer, um zu trinken, zu feiern, ihre Maschinen vorzuführen, sie zu putzen, Burn-Outs zu machen etc. Wie an anderer Stelle bereits gesagt, sind jene Tage seit Bau der EuroRoute leider vorbei und die Bikerszene hat sich nach Babelsberg zum Krützkamp hin verlagert.
 Russenrigger

Aus wenig verwunderlichen Gründen nisteten sich in den Baucontainer sehr bald Obdachlose ein. Bald darauf wurden aus Wellblechen und Bauresten auch der Rest des Baugerüstes mit Hütten, Schuppen und Verschlägen aller Art gefüllt. 

Nach einigen brutalen, aber letztlich halbherzigen und wenig erfolgreichen Versuchen, die Pennerbrücke zu säubern und auch sauber zu halten, errichtete ER-Betreiber ESUS lediglich ein Fangnetz unter der Brücke, um die Euroroute gegen herabfallende Trümmer zu sichern. Da die Strukturen der Pennerbrücke für Autofahrer oben kaum sichtbar sind – man errichtete als Sichtschutz gegen das Elend großformatige Werbescreens am linken und rechten Geländer – hat die Säuberung der Brücke bei Megas und BERVAG inzwischen keine hohe Priorität mehr. Zudem der notwendige Abriss der munter weiterwuchernden Struktur die Kosten für eine umfassende Sanierung der Brücke weiter in die Höhe trieben.

Ich habe allerdings bei einem Run gegen die BERVAG einen Statikbericht erbeutet, demzufolge die Brücke aufgrund des ganzen zusätzlichen Gewichts akut einsturzgefährdet ist. Der Bericht hat die Markierung „DRINGEND!“, es kann nur noch Jahrzehnte dauern, bis da jemand einen Ausschuss gründet, die Sachlage mal neu bewerten und durchrechnen zu lassen.
 Fienchen

 Wenn du dich da mal nicht irrst. Es braucht nur der Richtige auf die Idee zu kommen, etwas tun zu wollen. Und die Pennerbrücke ist (wenn auch der äußerste Rand von) MITTE, also im Bezirk von Mister BERVAG-Generaldirektor Zöller persönlich.
 .root

Für Schattenläufer ist die Pennerbrücke ein exzellenter Punkt, um hartnäckige Verfolger abzuschütteln: Die Brücke liegt zentral und ist von vielen Run-Locations gut erreichbar, auch der Innenring der A100 ist in direkter Nähe. Man kann einfach den Fluchtwagen auf der Brücke anhalten (wenn man die Türen offen und die Steuereinheit unlocked lässt, wird er durch Zauberhand schnell entfernt, zerlegt und in hundert Richtungen weiterverkauft) und durch eine der vielen Lücken zwischen den Werbescreens in die Struktur eintauchen.

Entsprechende Vorabsprachen mit den Brückenleuten (der örtlich dominanten Gang Schrägstrich Interessenvertretung der Brückenpenner) vorausgesetzt, stehen ausreichend Schmutzkinder in Bereitschaft, euch schnell zum Brückenrand, zur M-Bahn, auf die Gleise oder von oben in ein vorprogrammiertes zweites Fluchtauto auf der EuroRoute springen zu lassen. Auch Zugänge zu den durch die Brücke führenden Abwasserrohre gibt es, und natürlich kann man sich auch eine Weile unter den Brückenleuten verstecken.

Innerhalb der Baugerüststruktur gibt es darüber hinaus wenig, was Runner interessieren könnte – ein Drogenlabor, eine Reihe Prostituierte mit eigenem oder kollektiv genutzter Verrichtungshütte und eine siffige Pinte ohne Namen, welche die zahlreichen Alkis mit selbstgebranntem Jabifu auf Biofuel-Basis und anderem Stoff versorgt.

Man sollte den Brückenleuten nicht vorbehaltlos vertrauen. ESUS hat mit denen eine Art Stillhalteabkommen getroffen, bekommt von den Brückenleuten Infos zu Schäden und drohenden Brüchen und kann durch diesen Deal Reparaturcrews in die Struktur schicken, um notwendige Abstützungen vorzunehmen. Im Regelfall werden die Brückenleute machen, wofür man sie bezahlt, aber wie gesagt: Mindestens EIN Konzern hat dort einen eigenen Fuß in der Tür.
 Fienchen

 Ich hatte mich schon gefragt, warum die Brückenleute im Rapunzelturm (dem früheren Wasserturm des Güterbahnhofs, der schon lang vom Strukrugeschwür der Brücke umwuchert ist) so exponiert sitzen können – und warum sie nicht die Sensoren auf dem Dach des Turms plündern. Ein Gentleman Agreement also.
 Russenrigger

 

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