Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

Kategorie-Archiv: INGAME

Host: Q-Mall

Die Kurfürstendamm-Arkaden – Anarchoberlinerisch die Kurfürstenmall, Neuberlinerisch die Q-Mall – sind das größte geschlossene Einkaufsparadies Europas und eines der touristischen Highlights Berlin. Vom Rathenaukreisel mit der Metropolis-Arkologie im Westen bis zum Nollendorfplatz mit dem auffälligen Club Goya im Osten reicht die Mall, die exakt dem Verlauf des Kurfürstendamms folgt und von der Entlastungstrasse (fälschlich auch Westtangente genannt) überdacht wird. Informationen zur Mall finden sich [HIER]

Natürlich verfügt die Mall mit ihren Dutzenden, ja Hunderten unabhängiger Geschäfte, Brand Stores großer Konzerne, Snackbuden und Edelrestaurants, Juwelieren und Fitness Spas über einen eigenen Host, der in Form zahlloser Vorläufer zu den ältesten kommunalen Netzpräsenzen einer Einkaufsstraße weltweit gehört.

  Tatsächlich fingen die eng verschworenen Betreiber der KuDamm-Geschäfte gemeinsam mit ihren Seilschaften zu Berliner Touristikverbänden, Altparteien und Werbemedienanbietern schon kurz nach der deutschen Wiedervereinigung im 20. Jahrhundert(!) an, unter dem Namen „Bluespot“ ein KuDamm-fokussiertes Werbenetzwerk zu bilden. Nach Schaffung der Matrix, zwei Matrix-Crashs und dem letzten Matrix-Update hat der heutige Q-Mall-Host zwar technisch vermeintlich nichts mehr gemein mit dieser Vorgeschichte als 2D Website oder mobiles Infosystem, tatsächlich daddeln aber in vielen der alteingesessenen KuDamm-Geschäfte noch Uraltrechner vor sich hin, die mangels Notwendigkeit nie ausgetauscht wurden, und zahllose Infotexte und Adresseinträge wurden von der älteren in die jeweilige neuere Version des Bluespot/Q-Mall-Hosts einfach rüberkopiert, der Code automatisch bereinigt und der vermeintliche „Trash“ ebenso automatisch in irgendwelche Backupfiles verlegt, so dass der Q-Mall Host für Altdecker, Vintage System Liebhaber und Datenarchäologen nach wie vor eine wahre Fundgrube sind. Von den im Hintergrund raddelnden bzw. oft funktionslos gewordenen, aber noch immer angeschlossenen Disklaufwerken mancher Einzelsysteme merkt man freilich nichts: Alle aktuell noch relevanten Infodaten wurden längst in die Q-Cloud kopiert und dort weiter verarbeitet, und die Generierung der VR läuft auf High End Systemen und kann (und muss) dem internationalen Vergleich z.B. mit der Tourismusbehörde von Neo-Tokio [#sr5-S229] vollkommen standhalten. Dennoch der Tipp: Im Host der Q-Mall lohnt das Durchwühlen der Mülleimer und das Betrachten von Details und kleinsten „Bugs“.
 Tolstoi

In der aktuellen Inkarnation des KuDamm-Hosts können virtuelle Reisende aus aller Welt ebenso wie jeder Ortsansässige das Erlebnis Q-Mall in der gemütlichen Atmosphäre des eigenen Heims erleben. Der Host bildet die Shoppingwelt der Q-Mall im Maßstab 1:1 in FeelReal(TM)-Qualität ab und bietet selbstverständlich ein Allround-Einkaufserlebnis in Echtzeit:

Alle Läden können online besucht, Kleider virtuell anprobiert, (fast) jeder Artikel direkt online gekauft und das virtuelle Abbild direkt für jedes kompatible FeelReal(TM)-Netzwerk wie zum Beispiel die Vision Berlin mitgenommen werden. Im Falle, dass neben dem virtuellen auch der tatsächliche Artikel erworben wurde, geht dem Käufer dieser umgehend zu. 

Auch andere bekannte VR-Tourist-Services wie das Erscheinen der Online Persona in der AR der Q-Mall, über die dann auch eine Interaktion mit den Realbesuchern des Kurfürstendamms möglich ist, sind selbstverständlich verfügbar. 

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DER Q-MALL HOST IN SR6 WERTEN

Hoststufe (ASDF): 6 (7/6/8/9)
IC: Patrouille, Teerbaby, Leuchtspur, Säure
Decker-Reaktionszeit: 2W6 KR
Icon: Blau leuchtende Kugel (der „Blue Spot“) mit umkreisendem Schriftzug „Q-Mall Berlin – the place to B“
Ikonografie: Realitätsnahe Abbildung der Q-Mall als virtuell voll begehbare Einkaufsstätte (nur die für Kunden begehbaren Areale). Vereinzelte Geschäfte verfügen entgegen der werblichen Anpreisung über keine Online-Bestelloptionen oder werden vom jew. Betreiber nur unzureichend gepflegt (veraltete Darstellungen des Angebotes mit ausgegrauten bzw. „Out of Stock“ Waren).
Hilfsprogramm: Blue (schwebende blaue Kugel, bei Lebensstil Hoch+ stattdessen eine sehr attraktive Hostess mit blassblauer Haut und tiefblauer Uniform mit weißem Haar).
Weitere Hosts: Franchise-Shops größerer Unternehmen (z.B. Stuffer-Plus) und einige Luxusshops (z.B. Anielski-Joop Berlin) haben einen eigenen Host, der durch die Q-Mall erreicht werden kann (Hoststufe und IC je nach Shop/System). Außerdem gibt es einen eigenen Host für die Mallsicherheit (Hoststufe 8 (10/8/9/11), IC Patrouille, Teerbaby, Blaster, Leuchtspur, Aufspüren, Absturz).
Hoststruktur: Verschachtelt

Anmerkung: Der Artikel zum Host der Q-Mall wurde bereits 2013 veröffentlicht. Dieser Artikel stellt ein Update plus eine Ergänzung um SR6-Spielwerte dar.

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Berlin hat gewählt!

DIE WAHL DER QUAL: VIEL BEWEGUNG IN DER WAHLPERIODE 1

[05.10.2082] Die Wahlperiode I gilt unter Berlins Buchmachern gemeinhin als der Gipfel der Langeweile. Überraschende Wendungen, plötzliche Neukandidaturen und Siege von Außenseitern sind hier so sehr Ausnahme, dass sie seit der ersten Wahl der 1er Bezirke praktisch noch nie vorgekommen sind. So richtig erklärlich ist das nicht: Zwar sind bei den beiden Konzernbezirken in Wahlperiode 1 (wie immer bei Konzernbezirken) keine Überraschungen zu erwarten, mindestens aber die beiden Normbezirke und vor allem die drei Alternativbezirke sollten eigentlich für spannende Ergebnisse gut sein. Gut, einer der alternativen Bezirke ist Oranienburg, den muss man natürlich abziehen.

Mindestens eine der Bezirkswahlen 2082 versprach schon im Vorfeld äußerst spannend zu werden und wurde von den Berliner Wettfans seit Monaten heftig diskutiert: Es mag der bisherigen Bezirksabgeordneten (BA) von Reinickendorf gelungen sein, trotz hoher Kopfgelder zu überleben und sogar das im letzten Jahr extra für sie eingeführte Anwesenheits-Minimum bei den Versammlungen der Berliner Abgeordneten BAV zu erfüllen – unter massiven Polizeischutz auf Geheiß von Berlins III. Bürgermeister Takeshi Ozu – aber dass Sofia Nordin in Reinickendorf nicht wiedergewählt würde, war klar (sie trat dort freilich auch nicht mehr an, da ihre politische Mission der wirtschaftlichen Ausweidung Reinickendorfs ja 2080 bereits erfüllt wurde [#berlin]). Später mehr dazu.

Ein weiterer Faktor bei der diesjährigen Wahl war, dass 2082 wieder ein Superwahljahr mit Bundeswahl in der ADL war: Da die Berliner an der ADL-Wahl nicht teilnehmen können, äußern sie ihre Zustimmung bzw. ihr Missfallen zur Politik der Allianz indirekt bei der Berliner Bezirkswahl. Auch spielen Bundesthemen im Wahlkampf zur Bezirkswahl in Superwahljahren eine deutlich größere Rolle – selbst in jenen Bezirken, in denen von einer freien und demokratischen Wahl keine Rede sein kann.

A propos Bezirke ohne Wahl: Beginnen wir mit den „Wahl“ergebnissen im Konzernsektor.

> Das hier ganz vordringlich gemeinte „Bundesthema“ dürfte der Shiawase-Müllskandal sein [#megapuls 06.2082]. Bei uns im „Westen“ (eigentlich Norden, aber für euch Berliner ist ja in jeder Himmelsrichtung Westen) profitiert die Beloit-Regierung meiner Ansicht nach sehr deutlich vom „Anti-Konzernkurs“ der Kanzlerin (wie „anti“ der tatsächlich ist, sei dahingestellt #bmw). Die tatsächliche Handhabung des Themas blieb dabei aber eher auf der Sach- bzw. der Theorieebene (trotz Schockerbildern eher viel juristisches Blabla). Wie war das in Berlin, wo man ja wesentlich direkter vom Skandal betroffen ist?
> Karel

> Kannste dir ja denken. Die Berliner haben im Generellen nix gegen Gemauschel – ohne dieses würde hier nix funktionieren – aber Mauscheleien zwischen Großkonzernen und denjenigen Alternativen, die sich gern auf eine höhere moralische Stufe stellen und andere von oben herab belehren, das ist ne andere Klasse. In den ersten Wochen nach Bekanntwerden des Skandals fanden regelrechte Menschenjagden statt – leider kaum auf Envirotech-Manager oder Shiawase-Bonzen, dafür auf die wesentlich leichter erreichbaren Shiawase-Bürger. Erst in der zweiten Welle an Shockumentaries entlud sich auch Gewalt gegen Kommunisten – zunächst speziell auf Lena Rabeja (die direkt abtauchte), dann das Komitee 23fünf, dann mit wachsender Unterstützung durch Alt- und Neurechte alle Kommunisten in Köpenick und schließlich der ganzen Stadt. Sind so einige Hausboote und Versammlungshallen in Flammen aufgegangen im Sommer. Inzwischen hat sich das zwar etwas abgekühlt, aber die Kommunisten in Köpenick können auf Knien danken, dass ihr Bezirk erst im kommenden Jahr zur Wahl antritt. Mit etwas Glück passiert bis dahin irgendetwas anderes, das vom Gemauschel des Komitee 23fünf mit dem Japanokon ablenkt.
> Fienchen

> Re: Lena Rabeja: Die hat die Stadt verlassen. Ihre „Flucht“ ist aber ein ausgedehnter Urlaub. Ist mit den Shiawase-Managern im Privatjet weggeflogen. Isjetz irgendwo in einem schwimmenden Reichen-Resort im Pazifik. Offenbar hat die Spitzohrzecke grade gut Zeit, die ganzen Bestechungsmillionen von Shiawase zu verprassen, die sie im Laufe der Jahre kassiert hat. Aber die kriegen wir!!1!11!1!1!!eins
> Spandauwolf88

> Für die Flucht und den Aufenthalt hätt ich gerne eine Quelle. Für die Millionen auch.
> Konnopke

AZT-SCHÖNWALDE

Shiawases Müllskandal hat auch die exterritorialen Gebiete von Aztechnology in und um Berlin viel stärker in das Licht der Öffentlichkeit gerückt, als dem Megakonzern lieb ist. Von daher lag der Entscheid des Konzerns nahe, im Umfeld der Wahl so wenig Staub wie möglich aufzuwirbeln und bereits Wochen davor die erneute Aufstellung und Bestätigung von Ferdinand Cazares bekannt zu geben. Pluspunkte sammelte der beliebte orkische Lebemann durch eine konsequente Politik der Offenheit mit Presseführungen durch die Anlagen des Konzerns und den Anfang September neu eröffneten Familienhof Vehlefanz. Neben Landwirtschaftsschauen, Fahrgeschäften, einem Bauernmarkt und Deutschlands größter Müslischalen-Sammlung bietet der Hof speziell Kindern aus Berliner Familien der unteren Einkommensschichten die Möglichkeit, naturnahe Ferien zu erleben.

 > Während andere Konzernhaie meist bullige Idioten und Psychopaten sind, denen außer Mord und Folter wenig zur Krisenbewältigung einfällt, ist Cazares ein echter „smooth criminal“. Es gab mehrere Wettbewerber, welche die emporkochende Anti-Exter-Stimmung gerne auch gegen Aztechnology getrieben hätten, und es gab tatsächlich Versuche, Stories und Leaks über „Unfälle“ in Aztechnologys Berliner Critterfarmen im Fahrwasser des Müllskandals zu platzieren. Cazares hat einfach alles weggelächelt.
 > Fienchen

 > Die Medien fressen ihm aus der Hand. Frage mich, ob das nur seine in der Tat sympathische Art und geschliffene Rhetorik ist, oder ob es da Deals im Hintergrund gibt.
 > Konnopke

 > Du meinst, außer die Milliarden Euronen Werbegeld für Aztechs Food- und Lifestyle-Produkte?
> .rez

Z-IC TEGEL

Seit 2078 ist Nathan Thompson der Vertreter für Zeta-ImpChems Konzernbezirk Tegel und offenbar sehr erfolgreich in dem, was er tut. Was immer das auch sei. Tatsächlich hat der schlanke, attraktive Brite bislang nichts verbockt oder angestellt, das die Aufmerksamkeit der Medien erregt hätte – in Berlin schon ein beachtliches Kunststück.

Es ist keineswegs so, dass speziell die diversen CorpWatch-Portale der Stadt nicht versucht hätten, Dreck über Z-ICs Bezirksvertreter auszugraben. Der Ruf des Konzerns ist ganz allgemein keineswegs der Beste, und jeder Journalist und Sendepirat würde nur zu gerne einen neuen Polydopa-Skandal in Berlin aufdecken – schon deshalb, da Z-IC inzwischen sämtliche Chemie- und Pharma-Verbrecher aus der Berliner F-Zeit übernommen hat. Und mit ihnen mutmaßlich auch alle Beweise zu vergangenen (Meta-)Menschenversuchen, von weiterhin laufenden ganz zu schweigen.

Im Zuge der Gebietsabtretung instrumental wichtiger Teile Reinickendorfs an Z-IC Tegel wanderte auch Thompson vorübergehend ins Fadenkreuz der Empörten. Fokus des Hasses blieb natürlich die Schering-Frau und Reinickendorfer Bezirksabgeordnete Sofia Nordin, welche die Teile weggegeben hatte. Thompson aber war als BA von Tegel derjenige, der sie annahm und diesen shady move auch gegenüber dem Berliner Rat verteidigte. Als einer jener Abgeordneten, der nur höchst selten an Sitzungen der BAV persönlich teilnimmt, war er zudem von der im letzten Jahr eingeführten Mindestanwesenheit für Abgeordnete betroffen.

Spätestens als im April diesen Jahres ein Anschlag auf Thompson vor dem Berliner Ratsgebäude verübt wurde, gingen einige davon aus, dass Thompson den Job als Abgeordneter abgeben würde. Nur sehr wenige Berliner setzten aber auf das Szenario, dass die soeben als Abgeordnete für Reinickendorf geschasste Sofia Nordin nahtlos als Abgeordnete für Tegel aufgestellt würde. Doch genau so kam es – zur Freude aller, die gegen jede Wahrscheinlichkeit auf sie gewettet hatten.

> Ich raff es einfach nicht. Wie kann es sein, dass die größten Säue immer wieder auf die Füße fallen? Warum wird die Konzernb*tch nicht endlich von irgendwem gestifft? Und warum, verdammt, schießt sich Zeta-ImpChem ins eigene Bein? Mit Nordin als BA wird der Gebietsskandal nie aus den Medien verschwinden. Zumindest DIESER PR-Schaden muss doch Z-IC bewusst sein.
> Aggi

> Ich fang mal mit dem Einfachen an: Warum wurde Nordin trotz immenser Kopfgelder noch nicht gekillt? Nun, weil es die Pflicht von Takeshi Ozu als Drittem Bürgermeister ist, für die Sicherheit der Abgeordneten zu sorgen. Da die Bedrohung hier öffentlich und unübersehbar ist, kann Ozu praktisch unbegrenzt Gelder in den Schutz Nordins pumpen. Und dafür beauftragt er natürlich die seiner Ansicht nach beste Sicherheitsfirma: Renraku. Für die er arbeitet. Was also passiert, wenn ihr Alternativen nach Rache lechzt und eure Most Wanteds raushaut, ist Folgendes: Renraku bzw. seine Töchter verdienen sich dumm und dämlich, und Berlin bekommt die Rechnung. Wer sich hier also ins eigene Bein schießt, seid wieder mal ihr Neo-As. Denn wo soll denn der PR-Schaden für Zeta-ImpChem sein? Brechen die Umsätze für L’Oreal und Zeta-Interferon ein, weil die Anarchos zum „Boykott aller Marken von Z-IC“ aufrufen? Seid ihr oder auch die Normalbürger Abnehmer von Zeta-ImpChems Biokampfstoffen? Nein! Denn ihr fragt euch ja auch bis heute, woher das Surtr für den UV-X Anschlag in Berlin kam. Aus Sicht von Z-IC und auch der Normalos hat Sofia Nordin eine wirtschaftsstrategisch geniale Entscheidung getroffen, indem sie die gesunden und durch Z-IC bzw. Schering aufgebauten Teile Reinickendorfs vom kranken, anarchiedurchseuchten Restkörper mit chirurgischer Präzision abgetrennt hat. Nordin ist für ihren Konzern und selbst für die CVP-Wähler eine HELDIN, die erst zur Leiterin des Biotechnologieparks Berlin und nun eben konsequent wieder zur Abgeordneten befördert wurde. Und wenn du bestimmte Schattenquellen checkst, dann fällt dir vielleicht auf, dass Nordin einer der schärfsten Konzernhaie der Stadt ist. Shice, die hat grade ihre Vorgesetzte im Biotechnologiepark und den Stamm-BA in Tegel weggekegelt, und es sollte mich arg wundern, wenn der Anschlag auf Thompson nicht durch Nordin selbst bezahlt wurde. So als Denkanstoß, dass das Leben als BA ja gefährlich ist und man den Stuhl freimachen sollte, ehe etwas Schlimmes passiert. Und endlich drittens, warum fallen Schweine beiderlei Geschlechts auf die Füße? Weil ihre Planung über „Wäääh! Ungerecht! Boykott und Mordaufruf!“ hinausgehen.
> Nakaira

> Burrrrrrrn.
> .asl

CHAWI

Im Normbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf kam es wie schon bei den vergangenen Wahlen zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der partei- und fraktionslosen Milena Kilic und der Vertreterin der Vereinigung der Ladenbetreiber der Kurfüstenmall (VLKM), Sonja Klupp. Letzterer wurden in diesem Jahr besonders gute Chancen auf den Sieg prognostiziert, nachdem Frau Klupp Ende letzten Jahres in die Christliche Volkspartei (CVP) eintrat und in diesem Wahlkampf sowohl von der Schützenhilfe als auch dem Umfrageplus der Partei im Zuge des Shiawase Müllskandals profitieren konnte.

Gereicht hat es am Ende trotzdem nicht: Nach langer Zitterpartei siegte Milena Kilic hauchdünn gegen ihre schärfste Konkurrentin. Diese nahm es „wie üblich“ sportlich: „Ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf unter der Führung von Frau Kilic hinter seinen wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Gestaltungsmöglichkeiten zurückbleibt. Dieser stetige Rückfall des Bezirks hinter sein Potenzial wird mit jeder Wahl immer mehr Bürgerinnen und Bürgern im Bezirk bewusst. Ihnen rufe ich zu: ‚Geben Sie nicht auf! Bei der nächsten Wahl gelingt uns der Wechsel!'“

> Kilics Vorteil ist, dass sie mit niemandem fest verbandelt ist. Und dass ihre Tür ebenso wie ihre Taschen immer offen stehen, um Projekte aller Art zu ermöglichen. Genau mit dem Pfund wuchert sie auch öffentlichkeitswirksam, indem sie sich als Gestalterin und Möglichmacherin anpreist.
> .krah

> Und dass sie brav tut, was die DeMeKo von ihr will, hilft auch.
> Penny D

REINICKENDORF

In Reinickendorf freute man sich so sehr auf das Ende von Sofia Nordin als Abgeordnete des Bezirks, dass am Wahlsonntag regelrechte Volksfest-Stimmung herrschte. Als Favoriten im Rennen um den freigewordenen Sitz galten Serafina Pazak von der USPD – Zweitplatzierte der Wahl 2079 – gefolgt von Myron Yegonov, Sohn des Anarchiemillionärs Damien Yegonov und Mitglied der ASU, sowie PNO-Kandidat und Magier Mu’tazz Suhail Hakimi („Nur ein Wunder kann uns retten“). Neben den drei gesetzten Favoriten standen rund zwei Dutzend weiterer Kandidaten zur Wahl, deren Macht und Bekanntheit aber kaum über den eigenen Kiez hinausreichte.

Die Durchführung der Wahl erwies sich als außerordentlich schwierig. Reinickendorf hat durch den Verlust der bürgerlichen Gebiete am Tegeler See einen deutlichen Linksrutsch erfahren und befindet sich nach Ansicht von Beobachtern „hart an der Grenze zum Neo-Anarchismus“. Folgerichtig wurde in weiten Teilen Reinickendorfs „alternativ“ gewählt durch offene Konfrontationen und lokale, per Vermittlern verhandelte Bündnisse, während in anderen Teilen „ganz normal“ mit den Tools der BERVAG und deren technischem Kooperationspartner, den Vesuv Casinos, abgestimmt wurde.

Der Boykott der regulären Wahltools bei gleichzeitigem Fehlen alternativer Strukturen zur Ermittlung und Überstellung der Entscheidungen auf Kiezebene führte schlussendlich dazu, dass die Wahlentscheidungen breiter anarchistischer Gebiete gerade im Norden und Osten des Bezirks ignoriert wurden, da keine Meldung an die BERVAG erfolgte. Dies wiederum hat mit großer Sicherheit den ASU-Kandidaten Myron Yegonov den Sieg gekostet und somit Serafina Pazak zur neuen Abgeordneten des Bezirks gemacht.

Im Laufe der Wahlnacht kam es zu wütenden Ausschreitungen und mehreren Bränden in Reinickendorf. Ob diese aber den Ursprung darin hatten, dass Teile des Bezirks nicht wählen konnten bzw. ihr Entscheid ignoriert wurde, oder dass Sofia Nordin zur neuen Abgeordneten von Tegel bestimmt wurde, lässt sich schwer sagen. Als sicher gilt, dass die neue Abgeordnete eine gewaltige Aufgabe vor sich hat, die bürgerlichen und die neo-anarchistischen Kräfte im Bezirk zur Ruhe und womöglich zur Zusammenarbeit zu bewegen. Einen guten Start auf diesem Weg machte Pazak, als sie noch in der Wahlnacht den Zweitplatzierten Myron Yegonov dazu einlud, sie bei der Regierung des Bezirks zu unterstützen. Die Wetten, ob Reinickendorf der nächste Bezirk wird, der vom normalen ins alternative Bezirksmodell wechselt, wurden bei Vesuv bereits eröffnet.

DIE ALTERNATIVEN BEZIRKE

Keine Veränderungen gab es in den Bezirken Gropiusstadt, Marzahn und Oranienburg.

In Gropiusstadt darf weiterhin Aleksandr Sukrow den Bezirksabgeordneten spielen, damit sich kein Mitglied der Horde bei Sitzungen im Berliner Rat zu Tode langweilen muss. Bei allen Gerüchten, dass Sukrow ein Vory sein soll – muss er ja sein, ist ja Russe (Sie hörten Radio Sarkasmov) – ist er jedenfalls ein braver Befehlsempfänger der Horde, den einzigen Machthabern im Bezirk. Andere sehen in ihm den zentralen Vermittler im Bezirk und eine Art „Clearingstelle“, über welche die Horde ihre Geschäfte mit dem Rest Berlins abwickelt. So oder so sollte man Sukrow bei aller Abhängigkeit von der Gunst des Hordekönigs Balrog nicht unterschätzen.

Im weiterhin tobenden Krieg der Vory gegen sich selbst entwickelt sich Marzahn immer mehr zur letzten Bastion der Gargari-Loyalisten. Dies kommt Jaromir Kotov zugute, der gegenüber den wachsenden Ansprüchen der diversen, im Bezirk marodierenden Gangs argumentiert, dass sein Sturz direkt in der Übernahme des Bezirks durch die Drakova münden und somit die Geschäfte der Gangs über Nacht zusammenstürzen lassen würde. Ob eine feindliche Übername der Ganggeschäfte so einfach möglich und von der Drakova überhaupt ins Auge gefasst würde, darf zwar bezweifelt werden, aber Kotov vermag es geschickt, das durch die Drakova aufgebaute Geheimnis um einen schwarzen Drachen als Macht hinter ihrem Thron für sich zu nutzen: Die Marzahner Gangs mögen in der Mehrheit dumpf und brutal sein, aber von einem Drachen gefressen werden möchte hier niemand.

Beim BGS-Bezirk im Norden der Stadt war ohnehin klar, dass Oberst a.D. Ralph Faber in Kontrolle des Bezirks Oranienburg bleiben würde, daher lauteten die einzigen anklickbaren Wettalternativen hier „wer anderes, BGS“ und „wer anderes, nicht BGS“. Die Quoten waren äußerst attraktiv, die Lust der Berliner, sinnlos Geld wegzuwerfen, allerdings nicht.

DER DRITTE BÜRGERMEISTER

In Berlin wird antizyklisch zur Bezirksgruppe auch der Bürgermeister gewählt, indes nicht durch die Bürger und zeitlich minimal versetzt. Wählen die Bezirke der Periode I, wird umgehend der III. Bürgermeister gewählt bzw. im Fall der diesjährigen Wahl klar im Amt bestätigt: Renraku-Mann Takeshi Ozu hatte 2080 erstmals die umfassende Gelegenheit, seine Kompetenz im Schutz der Bezirksabgeordneten auch öffentlich zu beweisen. Und das tat er mit allem Nachdruck: Die Eskorte von Sofia Nordin zu Sitzungen im Berliner Rat inszenierte Ozu als kleine Leistungsschauen von Renraku-Hardware und -Sicherheitsmannschaften aus dem Portfolio des Konzerns. Diese Schauen erfreuten sich bei Teilen der Bevölkerung – und Touristen! – so großer Beliebtheit, dass einige schon die bald endende Amtszeit von Sofia Nordin als Bezirksabgeordnete von Reinickendorf betrauerten. Schön, das mit ihrer Berufung zur BA von Tegel eine Fortsetzung der „Geleitparaden“ gesichert scheint.

> Musssss…. mch… bhrrrschnnn….
> Aggi

> Girlie, sieh es ein. Die Menschen sind deiner Mühe nicht wert. Sie wollen gar nicht die Gerechtigkeit, für die du zu bluten und sterben bereit bist.
> Nakaira

> Ja, komm auf die dunkle Seite! Wir haben Kekse!
> .krah

> Und L’Oréal-Gratisproben!
> .asl

> Der war fies.
> .rez

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Megapuls.06.2082

Novapuls.02.2082

Novapuls.01.2082

Hotspot: Rummelsburger Hafen

Gepostet von: .root

vydzee ist ein unabhängiges Streamingportal, das hier ausführlich vorgestellt wird und dessen Host wir uns hier genauer ansehen. In diesem dritten und letzten Teil der Vydzee-Story nehmen wir den Sitz von Subversive Media im Bezirk Lichtenberg [Berlin 2080 S.45ff] genauer unter die Lupe und schauen uns bei der Gelegenheit auch mal die aktuelle Lage am Rummelsburger Hafen an.

Auf der Karte zum File-Upload Berlin 2080 befinden wir uns exakt auf Position #331, dem Freien Funkhaus F-Ever [Berlin2080 S.47]. Das gesamte Ostufer des Rummelsburger Sees bis hinunter zum Rummelsburger Hafen gehört zum früheren Ortsteil Rummelsburg (duh), in dem bei der „Befreiung Berlins“ 2055 einige der heftigsten Gefechte stattfanden. Die Narben jener Zeit sieht man bis heute.

Ausschnitt aus der Karte von Berlin 2080 (c) by Pegasus Spiele

> Kurzer Minicrashkurs zu den Widerstandskämpfen 2055: Nachdem der Vorstoß der Konzerntruppen in Mitte zu Beginn des Konfliktes rasch nach Osten vordrang, kam die Front rund um den Rummelsburger See zum Stehen und zerbrach in viele kleinere Kampfherde. Gerade die Spree erwies sich als effektive Barriere, da es zwischen der Elsenbrücke im Norden und der Minna-Todenhagen-Brücke im Süden keine weiteren Überquerungen gab (und gibt). Im Treptower Park und den anderen Spree-nahen Wäldern fand ein heftiger Abwehrkampf der aus dem Westen zurückgedrängten Anarchos statt. Ohne Möglichkeit, zu einer der beiden Brücken zu gelangen, begannen ganze Familien und Kiezgemeinschaften in ihrer Verzweifelung über die Spree zu schwimmen. Boote, die vom Ostufer aus zu Hilfe kommen wollten, wurden von den Konzernen aus dem Fluss gebombt. Auch starben Unzählige, weil sie im Wasser ein leichtes Ziel für die bewaffneten Flugdrohnen von Messerschmitt-Kawasaki wurden. Nachdem das Westufer gefallen war, sprengten anarchistische Kommandos die meisten Spreebrücken in einem verzweifelten Versuch, den Vormarsch der Konzerntruppen wenigstens zu bremsen. Plötzlich vom Nachschub und vor allem von den mechanisierten Verstärkungseinheiten abgeschnitten, brach der bereits am Ostufer stattfindende Vormarsch entlang der Landsberger Allee zusammen und die Häuserkämpfe verlagerten sich in die angrenzenden Nachbarschaften. Der Treptower Park wurde zum Aufmarschgebiet für amphibische Einheiten, die mit einem schnellen Vorstoß den Rummelsburger Hafen als Brückenkopf am Ostufer der Spree erobern konnten. Beim späteren Rückfall der Konzerntruppen auf die Spreelinie blieb dieser Brückenkopf erhalten – in späteren Jahren entstand hier ein fester, kasernenartiger Stützpunkt, der von einem echten Stück „neuer Berliner Mauer“ gegen die freie Ostzone abgetrennt wurde.
> .rez

> Das Massaker an den Flüchtlingen im Treptower Park ist eines der größten Kriegsverbrechen der Berliner Konzerne. Natürlich wird heute geleugnet, dass es je stattgefunden hat. Wenn, dann sei es in weit geringerem Umfang geschehen und höchstens eine Einzelverfehlung von Befehlshabern, die sich heute nicht mehr ermitteln lassen. Und überhaupt seien das ja keine panisch fliehende Zivilisten gewesen, sondern bewaffnete Anarchoterroristen, die sich feige hinter einem menschlichen Schutzschild versteckt hätten.
> .asl

Drohnenblick auf das Umfeld
(Bild realisiert durch die 4. Twitch Community Challenge- Tausend Dank dafür!)

DAS UMFELD

Die Nachbarschaft rund um den Subversive-Sitz [1] in der Nalepastraße 42 liegt südlich vom strategisch wichtigen Heizkraftwerk Klingenberg [Berlin 2080 S.45, Berlinkarte #339] und auf der gegenüberliegenden Spreeseite des Treptower Parks und dem darin befindliche Qarafa-Ghulkiez [Berlin 2080 S.44, Berlinkarte #376]. Ebenfalls im Park steht das sowjetische Ehrenmal, von dem es heißt, es gebe dort einen geheimen Abhörbunker noch aus DDR-Zeiten [SR4 Berlin Anarchoteil S.86].

Das wohl bekannteste Feature der Nachbarschaft ist das Freie Funkhaus F-Ever [2] [Berlin2080 S.47, Berlinkarte #331], dessen Kiez-Einfluss aber kaum über das direkte Umfeld hinausgeht: Anders als zum Beispiel im Dreamland und speziell dem Caligarikiez hat sich um das Funkhaus kein homogener Kiez aus z.B. Funkpiraten, Elektroschraubern, Deckern oder Matrix-Utopisten herangebildet. Das liegt freilich vor allem daran, dass es hier kein geschlossenes Bauensemble von Wohnhäusern gibt:

Die gesamte Gegend ist je nach Betrachtungsweise industriell geprägt oder mindestens optisch auch heute noch eine postapokalyptische Kriegszone, mit zersprengten Resten früherer Gebäude und von Buschwerk überwucherten Brachflächen, in denen sich vereinzelt Blechhütten und Zeltlager von Squattern finden lassen. Es existiert keine geschlossene Kiezstruktur gleich welcher Art.

> Nunja. Das Funkhaus selbst ist eine recht große Struktur, in der auch gut 1.000 Leute leben. Insofern könnte man das FFF auch als eigenen Kiez betrachten. Auch in den direkt umliegenden Häusern leben viele Schrauber und Tüftler, es gibt Druckläden, in denen freie Kiezzeitungen und Protestflyer produziert werden … also, ich finde das mit dem Caligarikiez schon vergleichbar.
> Konnopke

> Ich glaube, was .root meint, ist eher eine Frage der mangelnden Organisation. Ich meine, selbst im Funkhaus gibt es keinen „Chef“ oder obersten Vermittler oder Vertreter des Hauses nach außen. Es gibt Dutzende unabhängige Gruppen und Einzelkämpfer, die sich zwar auf Spontanbasis gegenseitig helfen, um das Haus am Laufen zu halten, aber es existieren keine Prozesse zur Abstimmung und kein Gremium zur Koordination.
> .rez

> Exakt. Wenn das FFF plus oder minus Umgebung ein Kiez ist, dann ist es der am miesesten koordinierte von Berlin.
> .root

Aber der Reihe nach:

Subversive Media [1]: Das Gebäude, in dem Subversive und damit vydzee sitzt, wurde Anfang der 2070er Jahre errichtet und sticht daher aus dem Umfeld der weitaus älteren Gebäude sichtlich heraus. Konzipiert als „Zukunftswerkstatt“ und Co-Working-Space, mietete sich zunächst 2072 die alternative Spieleschmiede Silver Spawn Entertainment hier ein, ehe das gesamte dreistöckige Gebäude 2077 von Subversive Media angemietet wurde. Eine über Stützen gelagerte Rohrverbindung zur Spree wurde 2078 angelegt als zusätzliche Kühlung für die Serveranlagen. Eigentümer des Gebäudes ist die BerlInvest, ein ursprünglich unabhängiges Berliner Immobilienunternehmen mit Sitz in Pankow, das wohl demnächst von der Hortbau übernommen werden soll. Das Haus mit der Adresse Nalepastraße 42 ist umgeben von einem extrem verfallenen und verschachtelten Flachbau, der in den 1960er Jahren als „DDR Rundfunkzentrum Block E-T“ (sog. „DT64-Komplex“) angelegt wurde. Teile jenes Gebäudes waren um 2020 für den Umbau in ein Coworkingzentrum mit Namen „Nalepaland“ projektiert, ehe das Chaos der Goblinisierung 2021 und der zweite Hauptstadtbeschluss 2022/23 alle Pläne einer Revitalisierung der Gegend beendeten. Eine detailliertere Beschreibung des Vydzee-Sitzes folgt weiter unten.

Freies Funkhaus F-Ever [2]: Der Eintrag zum „Funkhaus Nalepastraße“ in der Aetherpedia vermittelt einen recht guten Eindruck zu den Ursprüngen und dem architektonischen Gesamteindruck des FFF. Mit kurzer Matrixsuche lassen sich auch diverse alte Grundrisse finden. Auch heute noch ist der Gebäudekomplex ein beeindruckendes Bauwerk, das sich trotz unzähliger Einschusslöcher auf der Spreeseite in einem erstaunlich guten Zustand befindet: Als erstes stabiles Gebäude auf Ostuferseite war das alte Funkhaus 2055 die erste rettende Zuflucht für jene, die es vom Westufer über die Spree geschafft hatten. Außerdem hatten sich im Gebäude Neo-Anarchisten regelrecht eingebunkert, um von hier aus frei über die Lage in Berlin und den Verlauf der Front berichten zu können. Obwohl es somit sehr gute Gründe gegeben hätte, die ganze Anlage zu stürmen oder per Hellfire-Rakete dem Erdboden gleichzumachen, erfolgte dies nicht. Einige sagen, dass auf Konzernseite am Ende doch noch jemand ausreichende Skrupel hatte, ein mit Flüchtlingen gefülltes Gebäude zu stürmen bzw. auszulöschen. Andere behaupten, Nebelherr habe auf irgend eine Art und Weise seine hütende Klaue über das Funkhaus gehalten und tue das im übrigen bis heute. Bei den Kämpfen um Berlin 2055 jedenfalls beschränkten sich die Konzerntruppen darauf, sämtliche Antennen und Schüsseln vom Dach des Funkhauses zu schießen, ehe sie in Richtung Märkische Allee weiterzogen. Das Funkhaus westlich der Nalepastraße hat einen burgartigen Aufbau, der in den Jahren der zweiten Berliner Teilung (2055-2070) zu einer echten Wehranlage ausgebaut wurde. Einen Konzernangriff fürchtend, der niemals kam, sind die nach außen weisenden Fenster der unteren drei Stockwerke vermauert und sämtliche Einfahrten sind durch Sperren und Tore aus Metallschrott versperrt. Der Zugang zum Gelände ist sehr im Gegensatz zum äußeren Eindruck aber weitgehend frei – lediglich gelegentlich halten Torwachen Besucher auf und fragen nach dem Anliegen.

Reederei Riedel [3]: Der Hafen Rummelsburg war einst der „Haushafen“ der Reederei Riedel, heute besser als „Anarchosafari“-Veranstalter Riedeltours bekannt. Schon zu Zeiten der Berliner Anarchie stieß die Reederei den größten Teil seiner Flotte ab. Die meisten Ausflugschiffe landeten schließlich bei der Stern-im-Kreis-Schifffahrt. Riedeltours sattelte mehr oder weniger komplett auf Touristikbusse um – aber was die einstige Reederei noch an kleinen Spaßbooten und Partyflößen besitzt, liegt nun wieder hier im alten Heimathafen. Das östliche Gebäude ist das frühere Pförtnerhaus zum Reedereigelände. Der unansehnliche Schuppen steht umgeben von Ruinen eines alten Ziegelsteinbaus und ist tatsächlich offiziell der Hauptsitz von Riedeltours. In Wahrheit wickelt Riedel seine Geschäfte überwiegend per AR/VR ab und die baufällige Hütte hier ist nur der „Adresshalter“. Das andere Gebäude weiter westlich ist eine kleine Werkshalle, in der Reparaturen an den Spaßbooten des Touristikunternehmens durchgeführt werden. Chefs oder Büroangestellte von Riedeltours wird man auf dem Gelände nicht finden – hier gibt es nur ein paar Arbeiter und „feste freie“ Schrauber.

> Für Geschichtsnerds ist die Lektüre der Artikel zur Geiselnahme in einem Riedeltours-Bus 2073 zu empfehlen (HIER und HIER). Dieses heute fast vergessene Ereignis war letztlich Auslöser des Berliner Polizeistreits und der jetzigen Berliner Polizeifreiheit [Berlin 2080 S.121].
> Fienchen

> Heißer Runner-Tipp: Riedelboote sind ein alltäglicher Anblick auf Spree und Havel, und dass diese in hübscher Regelmäßigkeit von ihren besoffenen Freizeitkapitänen zu dicht an Uferlagen gesteuert werden ist ein ebenso alltägliches Ärgernis für die betroffenen Sicherheitsdienste. Wer also unauffällig auf dem Wasser unterwegs sein will oder vorhat, Wassergrundstücke „aus speziellen Gründen“ anzusteuern, fährt mit Spaßbooten von Riedel ziemlich gut. Ich empfehle die Emanuelle IV (ein Mitsubishi Water Home mit Schmuggelfächern, 50€/Stunde) oder die Erika II (ein Zeppelinwerke Elite Cruiser mit Riggerkontrollen, 250€/Stunde).
> Russenrigger

Pemex-Tankstelle [4]: Die Tankstelle am Poggendorffweg wurde 2055 komplett zerstört. Mitte der Sechziger eröffnete an gleicher Stelle eine freie Tankstelle, an der zunächst Treibstoffe nur in Kanistern „frisch vom Tankwagen“ verkauft wurde. Erst Ende der Sechziger wurde wieder ein Lagertank und einige schwer gebrauchte, aber funktionsfähige Zapfsäulen eingebaut. Zugleich wurde der Tankshop durch eine Kooperation mit Aldi-Real(!) zum wichtigsten (Mini-)Supermarkt der Gegend ausgebaut. Der zwergische Betreiber Paul „Paulchen“ Plischke führte die Tankstelle von ihrer Eröffnung bis zu seinem Tod bei einem Gangüberfall im Herbst 2078. Seine Tochter Betty (Bettina Plischke) versuchte, die Tanke weiterzuführen, hatte aber ein deutlich schlechteres geschäftliches Händchen als ihr Vater: Nur zwei Jahre später musste sie aufgeben und hat die Tanke für sehr schmales Geld an die Pemex verkauft, welche umgekehrt Betty unter einen überteuerten kombinierten Franchise- und Pachtvertrag genommen und die Tankstelle umfassend renoviert, um E-Schnelllader ergänzt und pfuschneu beschildert hat. Seitdem läuft das Geschäft – nicht zuletzt wegen der virtuellen Schulung für Franchisenehmer und reichliche Vorgaben zum Geschäftsgebahren – einigermaßen okay. Dank der Pacht- und Lizenzkosten bleibt Betty von ihrem Verdienst allerdings bestürzend wenig, und seit die Tankstelle das Pemex-Logo trägt fehlt ihr auch der Rückhalt und die nachbarschaftliche Unterstützung aus dem Umfeld. Jüngst hat sich Betty ihren Freund Lars Kiezfürst hinter die Theke geholt – ein ebenso arroganter wie tumber Scheißtyp, der Betty nicht besonders gut behandelt. Einziger Lichtblick an der Tanke ist die angestellte Automechanikerin/Verkäuferin/Kunstlackererin Elisá „Lizzy“ Nyong’o, die 2073 aus dem Konzernwesten rübergemacht hat und nun eine glühende Verfechterin der Freiheit im alternativen Berlin ist.

Spedition Jättkowski [5]: Noch aus der Zeit des Konzerntruppen-Stützpunktes Rummelsburg stammt eine Reihe bunkerartiger Wartungshallen für Kampffahrzeuge und -drohnen, in denen sich nach Abzug der Truppen Anfang der Siebziger das alternative Fuhrunternehmen Jättkowski eingenistet hat. Wo das Gelände nicht von Resten der früheren Vier-Meter-Mauer umgeben ist, versperrt ein mit Metallschrott verstärkter Zaun den Zugang und den Blick auf das Geschehen. Die Leute hier – überwiegend muskelbepackte Norms und Orks – sind ebenso wie die auf dem Gelände herumstreunenden Kampfhunde sehr abweisend. Die Fahrzeuge der Spedition sind überwiegend alte osteuropäische Lastwagen mit schmutzigen Kevlarplanen und verblichener „Spedition Jättkowski“-Beschriftung. Lastwagen von Jättkowski sieht man öfters auf den Berliner Rynaks und den Straßen Richtung Polen, was eine Verbindung zu den Vory oder polnischen Schmugglerbanden wahrscheinlich macht.

> Falsch. Die Jättkowskis gehören zu den Spreeratten. Auf dem Gelände werden Waren vom Wasser auf den Landweg umgeladen. Wer Verbindungen zu den Ratten hat, kann hier auch eine Fahrt ordern oder sich sogar einen Lkw ausleihen. Chef vor Ort ist „der Grieche„, ein Minotaurus namens Pavel Vlachos, der auch gelegentlich zu Pitfights in der benachbarten Kampfarena und im Sechs-Tief [Berlin 2080 S.38, Berlinkarte #148, Detailbeschreibung mit Grundriss im SR4 Berlin S.93ff] antritt.
> Daisy Fix

Kampfarena Rummelsburg [6]: Als die Konzerntruppen aus dem Stützpunkt Rummelsburg abrückten, haben sie alles mitgenommen, was nicht niet- und nagelfest ist. Zurückgeblieben ist dabei die nun vollständig entkernte einstige Werfthalle der Reederei Riedel, die bald zum beliebten Treffpunkt der langsam ins Gebiet vordringenden Gangs wurde. Aus den Klärungsfights entstand unter der sanften Einflussnahme des elfischen Schiebers Schahir bald ein einträgliches Geschäft: Durch seine Connections innerhalb der elfischen Gemeinde Berlins gelang es Schahir, einige abenteuerlustige Konzerngaffer anzulocken. Da es für die Gang-Schläger in der Gegend wenig zu holen gibt, verlegten diese sich nur zu gerne auf das besser bezahlte Dasein als Pitfighter, wobei Schahir durch einige Recherchen über die römische Gladiatorenkultur den brutalen Fights einen, ja, irgendwie kulturell besseren Anstrich geben konnte. Wohl wissend, dass die verranzte Halle keineswegs das Kolosseum ist, übersetzte Schahir die verschiedenen Gladiatorenrollen in eine eigene Ästhetik, die man wohl am Besten als „Industrial Mad Max“ beschreiben kann. Auch war Schahir klug genug, nach ersten Erfolgen nicht dem Größenwahn anheim zu fallen. Von Natur aus begrenzt in der möglichen Zuschauerzahl, schränkte er den Zugang ein und bewies in der Auswahl der Gäste enormes Geschick. Auch auf Seiten der Gangs legte er die Latte deutlich höher, forderte Professionalität und Ästhetik beim Kampf und verwandelte die Gangs somit schrittweise in getrennte Gladiatorenschulen, die heute auch Externen ihre Dienste als Nahkampfausbilder zur Verfügung stellen. Unter den Reichen und Schönen gilt es als zunehmend angesagt, dem ansehnlichen Gemetzel in der Rummelsburg zuzusehen – eben auch gerade deshalb, weil es nicht das reine Geld ist, das einem hier einen Platz ermöglicht.

> Schahir hat einen überaus talentierten Heilzauberer unter Vertrag, der die Todeszahlen unter den Gladiatoren erfreulich niedrig hält. Dieser ist meist in einem der Bauwagen anzutreffen, die direkt an der Halle stehen und als Vorbereitungs- bzw. Behandlungsräume sowie für das Catering der Events genutzt werden. Der hagere Magier heißt Makari und tritt stets nur vollständig verhüllt in Erscheinung. Einige sagen, er (oder sie?) sei ein prominenter Konzernmagier bei Crashcart, der in der Arena seine Fertigkeiten verfeinert. Andere behaupten, er sei ein Ghul oder sogar ein Banshee, und Schahir tut den Teufel, derlei Gerüchte zu dementieren.
> Fienchen

> Die Gladiatorenschulen = früheren Gangs heißen übrigens die Dolchfänge (alles Orks und Trolle, Normhasser und bestes Horde-Material), die Nightswyft (Parkourtypen mit hohem Elfenanteil, machen einen auf maskierte Vigilantes und sind weiterhin als Schutzgang im Kiez unterwegs), die Rostritter (stark gepanzerte Psychos mit faible für Selfmade-Cyberwaffen, Armkettensägen und so) und die Schlitze (gemischtrassige kampfdrogenpositive All-Female Hategang mit besonderer Abneigung gegen Männer, Konzerne und jede Verbindung aus beidem, außerdem begeisterte Fans der Stattkrieg-Heroine Zoé Callisto und natürlich Mitglieder der Nanobewegung NF67). Weitere Gangs rund um den Rummelsburger Hafen sind die Cavefish (ausschließlich nachtaktive Motorradgang mit Ultrasoundsichtimplantaten und Katanas, machen gelegentlich Geleitschutz für die Jättkowskis), die Uferschaben (mehr ein Squatter-Bündnis entlang des Spree-Ostufers, kennen gute Verstecke und begehbare Rohre, die zum Teil weit in die angrenzenden Gebiete hineinreichen) und die Con Gián (überwiegend vietnamesische Jetskigang, die versucht, den Spreeratten das Wasser abzugraben und ein Sex-für-Geld-Biz im Umfeld der Thetis aufzubauen).
> Herr Poggendorff

Vergnügungsschiff Thetis [7]: Das nach einer griechischen Meeresnymphe benannte Vergnügungsschiff Thetis ist eine kleine Institution in Berlin, vor allem seit es im Rummelsburger Hafen einen festen Ankerplatz hat. Davor war es vor allem rund um den Müggelsee und seltener auch im nördlichen Havelbereich unterwegs. Der für 1.585t ausgelegte Laderaum wurde in einen griechisch-orientalisch wirkenden Vergnügungstempel umgebaut und hat keinerlei Ähnlichkeit mit dem zerranzten äußeren Eindruck des Frachters. Nachts sind Steg und Boot von bunten Lichterketten erhellt, im Sommer werden auch auf der Frachtraumabdeckung Liegekissen und eine zusätzliche Bar platziert – entsprechenden Andrang vorausgesetzt, dehnt sich das Treiben gerne auch auf den Anleger aus, der zudem gelegentlich für Konzerte genutzt wird. Die Thetis gehört zu den Vory und Boss an Bord ist die ebenso hinreißende wie gefährliche Orkin Nathalya, die früher selbst eine Prostituierte war, ehe sie der Drakova auffiel. Diese hatte nach ihrer „Übernahme“ der Vory in Berlin einige Posten neu zu besetzen und schenkte Nathalya die just verwaiste Thetis – ein für Nathalya unerwarteter Akt, der ihre unbedingte Loyalität zur Drachin begründet. Die auf der Thetis verfügbaren Vergnügungen sind eher harmloser Natur: Bissl Harem-Ambiente, Sex für Geld, die üblichen Drogen, und da es keine Separées gibt findet alles unter den Augen der auf Wunsch maskierten Gäste statt.

> Man sollte einwerfen, dass Nathalya ihren Zuhälter und Vorgänger hinterrücks mit einer Peitsche erwürgte, als die Schergen der Drakova das Boot enterten. Dass sie die Thetis übernehmen durfte, mag für sie überraschend gewesen sein, aber mir kann keiner erzählen, dass das nicht ihr (reichlich riskanter) Plan gewesen wäre. Als Takeaway sollte man im Hinterkopf behalten, dass Nathalya gerne extrem hoch pokert – und dass sie gern von hinten zuschlägt.
> Konnopke

Ruine des Stützpunktes Rummelsburg [8]: Neben den noch bzw. wieder genutzten Gebäuden innerhalb der gebrochenen Mauerreste des Stützpunktes existiert auch eine Gruppe von Häusern, die aktuell noch brach liegen. Gangs und Anarchos haben es sich nicht nehmen lassen, die frühere Kommandantur sowie die einstigen Wohnhäuser der Soldaten nach Abzug der Truppen komplett zu verwüsten. Besagte Häuser sind nun völlige Ruinen, alle Fenster zerschlagen, das Innere teilweise ausgebrannt und mit Trümmern und Abfall gefüllt. Einige Prostituierte, die im Umfeld der Thetis auf Kundenfang gehen, sowie ein paar besonders mutige Konzernpärchen nutzen die Ruinen für Sex, ein paar Jugendliche feiern hier wohl gelegentlich Parties, auch mag sich in der wärmeren Jahreszeit auch der ein oder andere Squatter hier einnisten – davon abgesehen sind Ratten die einzigen Bewohner hier. Diesen, allerdings, geht es prächtig: irgendein alternativer Mülldienst hat jüngst das Gelände entdeckt und kippt zwischen Häusern und Mauerresten Hausmüll und Unverwertbares aus Berlins Imbissen ab (und das will was heißen!). Das „stinkt“ natürlich speziell Nathalya, die aktuell auf der Suche nach ein paar Straßenrunnern ist, um dem Treiben Einhalt zu gebieten und dem Verursacher eine eindeutige Botschaft ihres Missfallens zuzustellen.

Wachturm-Ruinen [9]: Zu den Resten des alten Truppenstützpunkts gehören auch zwei baugleiche, 11 Meter hohe Wachtürme, wie sie die DDR nicht hässlicher hätte bauen können. Der eine steht direkt an der Einfahrt zum Hafen Rummelsburg und war bis zum Abzug der Truppen mit einem Raketenabwehrschirm und drei schweren MGs bestückt, der zweite ragt aus der Vegetation auf der Bullenbruch-Insel hervor und diente vor allem als Störsender gegenüber den Sendepiraten im nahen Funkhaus. Die kleine Insel Bullenbruch war 2055 von strategischer Bedeutung und diente seinerzeit als Mittelteil zweier Pontonbrücken, die den Vormarsch der Konzerntruppen über die Spree ermöglichten. Nach Ende der Kampfhandlungen wurden die Pontons rückgebaut, um den Schiffsverkehr über die Spree wieder zu ermöglichen, das Eiland gehörte aber zu den wichtigen Wachposten während der zweiten Berliner Teilung: Informationen der Gedenkstätte Anarchistischer Widerstand zufolge wurden mindestens acht Grenzgänger, welche die Spree Richtung West durchschwimmen wollten, von Scharfschützen auf dem Bullenbruchturm ermordet. Seit der Berliner Einigung vor über zehn Jahren ist die Insel verwaist und wird zügig von der Natur zurückerobert.

> Der Westteil der Insel ist annähernd uneinsehbar und perfekt für geheime Übergaben von einem Boot zum anderen. Stiller als da wirds nur noch im Grab.
> .krah

> Als ich das letzte Mal an der Insel vorbeifuhr, standen am Südzipfel einige Zelte am Ufer. Keine Ahnung, ob das Wildcamper waren oder was. Könnt ihr ja mal drauf achten.
> Daisy Fix

> Könnten Studenten der Freien Universität gewesen sein. Aktuell interessieren sich viele für die Spree und mögliche Vorboten einer Wanderung des Spreewaldes nach Berlin. Oder auf der Insel war mal wieder zu Slawenzeit irgendein vergessenes Heiligtum, scheint ja auf jedem Sumpfhügel hier eins zu geben.
> .rez

DER VYDZEE-SITZ

Reinkommen bei Vydzee kann ein kleines Problem sein: Der Laden ist rund um die Uhr in Betrieb und Offline-Besucherverkehr gibt es nicht. Die Leute von Subversive haben eigene Keycards und sind sich trotz Drei-Schicht-Betrieb untereinander gut genug bekannt, dass Fremde direkt auffallen. Dazu trägt auch bei, dass alle Subversianer regelmäßig über Neuzugänge in der Familie informiert werden, diese auch persönlich in der Caféteria [E6] vorgestellt und willkommen geheißen werden und sie in den ersten Wochen durch alle Schichten „durchzirkulieren“, bis man sich untereinander (er-)kennt. Das ist nichtmal eine gezielte Sicherheitsmaßnahme, sondern Teil der Subversive-Kultur. Wer etwas anzuliefern oder abzugeben hat, kann an der südlichen Tür klingeln. Hat man ein berechtigtes Anliegen oder will man etwas Größeres über das Tor anliefern, kommt jemand und macht auf. Dabei gilt der Grundsatz, dass man nur eben so weit hineingelassen wird, wie es nötig ist, und man bleibt dabei immer in Begleitung eines Subversianers. Außerdem beschäftigt Subversive eine eigene Haussicherheit, die in jeder Schicht sechs Leute umfasst (Werte wie Mafiasoldat, zusätzlich bewaffnet mit Enfield-Shotgun (Gelmuni) und Betäubungsgranaten, Professionalität 6, SR6 207). Die Wachen bewegen sich auf eigene Faust und ohne feste Wege durch das Gebäude. Sämtliche Fenster des Gebäudes sind Rauchglasfenster, die nicht geöffnet werden können und ein Alarmdrahtgewebe enthalten. Auch die Rahmen sind mit Alarmdraht gesichert. Auf dem Dach gibt es insgesamt neun Milchglaskuppeln, für die dasselbe gilt. Außerdem gibt es dort drei große Satellitenschüsseln , jede Menge kleinerer Antennenanlagen und die Abluftrohre der Klimaanlage, die aber mit einem Durchmesser von 40cm zu eng für die meisten Runner sein dürften (sie sind zudem aus Aluminiumblech und man würde eine Höllenlärm machen, wenn man da durchkriecht). Ein weiterer Zugang bestünde theoretisch durch die beiden 50cm durchmessenden Wasserrohre, die auf Stützen Spreewasser zur Kühlung der Serverfarm in das Gebäude führen und aufgeheizt wieder ableiten. Der Kühlkreislauf ist allerdings geschlossen und man würde vermutlich als Verstopfung registriert werden – und einen heftigen technischen Alarm auslösen.

Im Inneren erreicht man durch den Haupteingang im Süden zunächst einen breiten Korridor [E1] mit einer Stuhlreihe, wo man ggf. auf jemanden bzw. etwas wartet. Geradeaus durch den Korridor erreicht man den mit Abstand größten Raum des Gebäudes, die Serverfarm [E2]. Diese erstreckt sich vom Untergeschoss bis in den obersten Stock, wobei die Fußböden aus Drahtgitter und somit „durchschaubar“ sind. Durch den Raum werden zahlreiche 5-10cm durchmessende Rohre an den unzähligen Servern vorbei geführt, in denen das Kühlwasser zirkuliert. Die Server selbst kommen aus unterschiedlichen Modellreihen und Zeiten – es wird genutzt, was verfügbar ist und die notwendige Leistung bringt. Natürlich benötigen die hier verbauten Rechner jede Menge Wartung und öfters auch Reparaturen, was in den insgesamt vier Werkstätten [E4, eine auf jeder Etage] geschieht. Was nicht mehr zu reparieren ist, wird ausgeschlachtet. Schwerere und größere Rechnerschränke werden auf Ladegerüste gehievt und händisch zu ihrem Bestimmungsort geschoben. Natürlich nutzt Vydzee wie jedes Portal zum überwiegenden Teil die Cloudarchitektur der Matrix, um Videos zu hosten und zu streamen. Da man aber befürchtet, die Eigentümer der Matrix – also die Großkonzerne – könnten in einer weiteren „Reform“ der Matrixprotokolle noch stärkere Zensur betreiben und ganze Bibliotheken öffentlicher Daten löschen oder – schlimmer – hinter ihre Paywall verschieben, versucht Subversive so viele Videos wie möglich lokal zu speichern und für das Streaming vorzuhalten. Als kritisch und zunehmend problematisch erweist sich dabei nicht nur der Speicherplatz, sondern vor allem die verfügbare Backup-Bandbreite und das Rauschen. Zwischen Serverfarm und Werkstätten gibt es einen quadratischen Durchgangsraum [E3], in dessen Mitte sich eine Bodenklappe befindet, durch die im (seltenen) Bedarfsfall technisches Material per hydraulischer Hubmechanik nach oben bzw. unten gefahren werden kann. Die weitaus meisten Räume des Gebäudes bestehen aus Büros [E5, E9]. So besteht das gesamte 1. und 2. Obergeschoss abzüglich der Flächen für Serverfarm, Werkstatt und Durchgangsraum (plus Treppenhaus) aus einem einzigen Großraumbüro. Anders als die auf Effizienz und Einheitslook getrimmten Großraumbüros der Konzerne sind diese Räume aber offen unterteilt in Arbeitsinseln, Couchgruppen, Freiflächen mit Kickern oder Flippern und gläserne Isolationsräume, in die man sich zurückziehen kann, um in Ruhe zu arbeiten oder auch auf bequemen Liegen die Vydzee-Streams durchschauen zu können. Überhaupt ist zu bedenken, dass nur etwa ein Fünftel der Subversianer hier vor Ort arbeiten – der weitaus größere Teil arbeitet von Zuhause aus oder wo immer man sich wohlfühlt. Das trifft speziell auf jene Mitarbeiter zu, welche randomisiert die Streams nach unerwünschten Inhalten durchsuchen („illegal“ wäre angesichts des Sitzes in Lichtenberg das falsche Wort) und auf Nutzerbeschwerden reagieren. Im Erdgeschoss existieren abweichend vom Grundriss der oberen Stockwerke die Caféteria [E6] und das Chefbüro [E7], wobei Letzteres nicht von einer einzigen Person, sondern dem Leiter der jeweils aktiven Schicht genutzt wird. Die eigentlichen Chefs im Sinne der wichtigsten Akteure innerhalb der Subversive Media Kooperative sind wie der Großteil der Subversivianer über die ganze Stadt verteilt aktiv und nur sehr selten im eigentlichen Unternehmenssitz. Der Keller, umgekehrt, umfasst neben der Serverfarm die gesamte Haus- und Anlagentechnik inklusive Wasserpumpe, Klimakontrolle, Kabelverteilung und einem leistungsstarken Multifuel-Generator mit einem angeschlossenen 6.000-Liter-Tank.

> Mitte der Siebziger gab es mal eine Baugrube auf Paulchens Tankstelle, wegen der man ziemlich rumrangieren musste, wenn man nen Lkw betanken wollte. Als ich ihn dafür angepflaumt habe, hat er mir unter der Hand erzählt, die Leute von Subversive würden gerade nen Versorgungstunnel mit Rohrverbindung von sich zu seiner Tankstelle graben, um ihre Tankkapazität „für den Ernstfall“ zu vergrößern. Ich bezweifele sehr, dass Betty von dieser Verbindung weiß. Der Tunnel war eng, ließ aber neben dem Rohr noch genug Platz, um gebückt durch ihn zu laufen. Sollte wohl auch als Fluchttunnel dienen. Wie der Tunnel an seinen Enden gesichert ist oder ob er dann später doch von Betty, Pemex oder den Subversives verfüllt wurde weiß ich nicht, aber das wäre noch ein weiterer möglicher Einstieg bei Vydzee.
> Russenrigger

> Mich wundert ja, dass Subversive nicht direkt im Funkhaus sitzt. Genug freie Räume gibt es da ja, der Weg zum Wasser wäre kürzer, und bei der Technik könnte man zusammenarbeiten.
> .rez

> Stimmt zwar, ist aber der Geschichte geschuldet. Mit Silver Spawn saß man ja schon in der 42, da machte es Sinn einfach den Rest des Gebäudes anzumieten und dann auszubauen. Ist allerdings möglich, dass die irgendwann doch noch rüber ins FFF gehen, beispielsweise wenn BerlInvest den Pachtvertrag aufkündigt.
> .asl

> Warum sollten sie das tun?
> .rez

> Naja, denen gehört nicht nur die 42, sondern auch der gesamte umgebende Schrottblock mit den Resten des DT64-Komplexes drauf. Gut möglich, dass die oder wer immer sie in Zukunft übernimmt Pläne für ein zweites Mediaspree oder ein anderes Investitionsprojekt in der Schublade haben. Vielleicht auch ein Hotel – von denen gibt’s in der Gegend nicht allzu viele, man hätte von den oberen Etagen Spreeblick und Sicht nach Mitte und der olle Eugen hätte grad Zeit, wo er jetzt nicht mehr die Preußenstiftung leitet.
> .asl

> Was ist eigentlich „DT64“?
> .krah

> Das war das Jugendradio der DDR oder so. Ist jedenfalls von uralt her, ähnlich wie die ganzen Gebäude in Berlin, die alle Schultheiss-Brauerei heißen, wo keiner sich mehr dran erinnert wann da ne Brauerei gewesen sein soll.
> .asl

HINTER DEN KULISSEN (OFFPLAY)

Unterweltkrieg: Im Gebiet rund um den Rummelsburger Hafen treffen verschiedene Interessen und Machtgruppen aufeinander, was die Lage dort ebenso unübersichtlich wie gefährlich macht. Speziell die Spreeratten (Jättkowskis) und die Vory (Thetis) drohen in Zukunft aneinander zu geraten, wenn die Machtfrage am Hafen geklärt werden muss. Nathalya hat mit ihrem hochriskanten Move bei der Drakova Eindruck gemacht, so dass die Drachin sich bereits in Kontrolle des Hafens wähnt. Sollte jemand Nathalya bei der Ausdehnung der Macht der Vory im Hafen im Weg stehen, wird die Drachin die Thetis-Chefin mit einiger Priorität unterstützen. Umgekehrt hat sich Nathalya mit ihrem Move natürlich auch Feinde bei jenen Vory gemacht, die sich der Zarin Berlins entgegenstellen. Der wichtigste Gegner Nathalyas auf Vory-Seite ist hier der Bruder des von ihr ermordeten Zuhälters, Akula Kuznezow, genannt „der Hai“. Akula gehört den roten Vory an und ist ebenso mit dem Rotlichtmilieu in Köpenick verbunden wie mit der dortigen Kommunistenszene. Das ist umso gefährlicher, weil die eher gemäßigten Köpenicker Kommunisten um Lena Rabeja 2082 ein hartes Jahr vor sich haben: 2082 läuft die Sonderfrist der ADL für Shiawase ab, die Deponien rund um Berlin abzubauen. Das wird und kann der Konzern nicht mehr schaffen. Der darauf losbrechende Skandal wird die „Shiawase-Freundin“ Lena Rabeja mit in den Abgrund reißen und die Karten im Bezirk neu mischen. Akula ist eine wichtige Stimme der radikaleren Kropunisten und selbst ein begeisterter Stalinist, der gute Chancen hat, durch das Chaos zu Macht und ggf. sogar einer öffentlichen Position im Bezirk zu kommen. Auf der anderen Seite sind auch die Spreeratten keineswegs machtlos in Berlin und die Kontrolle des Rummelsburger Hafens hat hohe Bedeutung für ihre Geschäfte in der Stadt. Dass diese einfach klein beigeben und den Russen gleich welcher Fraktion den Hafen kampflos überlassen, ist ausgeschlossen. Und dann gibt es ja noch die Con Gián, die tatsächlich zur „vietnamesischen Mafia“ von Berlin gehören, also den Triaden. Diese sehen natürlich sowohl im rapiden Zerfall der Grauen Wölfe wie auch durch die inneren Zerwürfnisse der Vory die Zeit gekommen, ihren Einfluss in Berlin deutlich auszubauen. Nicht zuletzt hat auch die Horde durch ihre Freunde vor Ort, die Dolchfänge, Augen und Ohren (und Schlachtbeile) am Rummelsburger Hafen.

Endzeitruinen: Die Gegend um den Rummelsburger Hafen ist speziell bei Nacht ein unheimlicher Ort: Nur sehr wenige Straßenlampen funktionieren, schwarz erheben sich Ruinen in den Himmel, zwischen denen dichtes Buschwerk und kleine Bäume wachsen. Man hört das Huschen von Teufelsratten, das Kläffen der Kettenhunde von der Jättkowski-Spedition mischt sich mit etwas Musik aus dem Funkhaus und von der Thetis her. Am Wasser entlang zieht sich eine schroffe Betonkante, auf der Schrott und Abfall verstreut ist. Über die schwarze Spree blickt man in einen ebenso schwarzen Wald, aus dem sich drohend das rostige Riesenrad des Qarafa-Ghulkiezes erhebt. Tagsüber mag dasselbe Areal geradezu freundlich wirken, wenn Leute aus dem Funkhaus am Ufer beim Bier sitzen. Aber bei Dunkelheit, Regen oder Winterkälte wirkt das Ganze wie eine grausige Endzeit-Szene.

Subversive Media: Natürlich bleibt es dir als SL überlassen, ob es den Verbindungstunnel zwischen Subversive und der Pemex-Tankstelle gibt und ob du deinen Spielern erlaubst, das Subversive-Gebäude durch das Treibstoffohr quasi aus der Entfernung abzufackeln, sollte das ihr Job sein. Bedenke dabei nur, dass Benzin erstens gar nicht so gut entzündbar ist und es zweitens neben Brennmasse auch Sauerstoff zum Brennen braucht, den es in Rohren und unterirdischen Tanks nicht gerade im Übermaß gibt – je nach gewünschtem Ergebnis kann so ein Plan also null funzen oder einen spektakulären „Übererfolg“ bringen. Innerhalb des Gebäudes Nalepastraße 42 gibt es jedenfalls einige zusätzliche Hindernisse, welche die Runner womöglich nicht erwarten: Da wäre zunächst der Umstand, dass die anderen Subversianer keineswegs unbewaffnet sind. Die Subversive-Macher und -Mitarbeiter sind, auch wenn sie hauptsächlich Katzenvideos ansehen, beinharte Anarchisten (Werte wie Söhne Saurons [SR6 S.206], Bewaffnung gelegentlich auch Altmayr SPs, Schrotflinten, ggf. Automatikpistolen, und zusätzlich in jeder Schicht 2W6-2 Axis-F-Agenten [Berlin 2080 S.174]). Bei an die 100 Anwesenden im Gebäude kann eine Eskalation hier leicht verheerend für die Runner ausgehen. Von Vorteil für die Runner ist umgekehrt, dass niemand bei Subversive ernsthaft damit rechnet, dass man angegriffen oder irgendwie infiltriert werden könnte – mit Trouble rechnet man wenn, dann auf Matrixseite (Angriffe auf den Host gibt es extrem viele, jeden Tag) oder durch einen direkten Raketentreffer. Eine Modifikation der Schwierigkeit kann zudem durch die gewählte Schicht bzw. den damit einhergehenden Schichtleiter kommen: Im Chefbüro sitzt in der A-Schicht (6-14 Uhr) Erich Dahlke, ein blasser, spaßbefreiter Norm und Zahlenfreak von Silver Spawn, dessen einziges Ansinnen die Monetarisierung von Vydzee ist (Werte brauchst du nicht, er ist eine Lusche mit max. 5 Würfeln im Pool bei dem, was er richtig gut kann (Buchhaltung) und 2-3 Würfeln in allen anderen). Schwierigkeitstechnisch ist er quasi die Anfängerstufe, da er sich in Vorgänge außerhalb von Excel-Listen überhaupt nicht oder wenn dann nur verspätet und zudem falschmöglichst involviert. Plottechnisch ist Dahlke insofern relevant, da er zunehmend frustriert von den Idealisten und Spinnern bei Subversive ist und einen Wechsel auf Konzernseite in Erwägung zieht. Natürlich ist er kein Übernahmematerial, aber er ist dank Dunning Kruger zu sehr von sich eingenommen, um das zu erkennen. Er wäre leichte Beute für jeden Konzerner, der einen Verräter bei Subversive gut gebrauchen und später eiskalt abservieren kann. Ein härterer Brocken ist B-Schicht-Leiterin Ama „Ambush“ Tamir (nutze den Archetyp Deckerin [SR6 S.87, Orkin (gleiche Werte), Heimlichkeit 4, Wahrnehmung 5, Bewaffnung Praetor mit Gelmuni)], die nicht nur überzeugte Anarchistin und eine Kennerin der Gamingszene, sondern als Urgestein der Free Fraggers Foundation auch eine überaus hinterhältige Deckerin ist. Ama kommt stets um 13:30 Uhr mit einem stark gemoddeten Schrottvan mit der Aufschrift „Roadkill“ an (Werte wie Roadmaster), den sie direkt in der Halle der EG-Serverfarm parkt. In diesem hat sie neben mehreren Taschen mit Mikrowanzen (Bild + Ton), von denen sie gut drei Hand voll beim anfänglichen Kontrollgang im Gebäude verteilt, auch mehrere selbstgebaute Wifi-Gadgets, die direkt an ihr Shiawase Cyber-6 Cyberdeck gelinkt sind (hier kannst du kreativ werden: ferngezündete Blendgranaten und Säurewerfer, Bewegungsmelder und Holowerfer, Sprühnebelwerfer mit RFID-Markierern, Farbbomben und Juckpulverminen, alles ist möglich). Ama hasst Routine und wechselt je nach Laune sowohl Ausrüstung als auch Platzierung ihrer Spielzeuge. Nicht zuletzt ist im Van ein Steel Lynx geparkt, der erst auf ein Signal hin hardwaremäßig aktiviert wird (über einen ferngesteuerten Finger im Van, der einen Kippschalter auf der Unterseite der Drohne drückt). Ama ist an den eigentlichen Aufgaben ihres Jobs grässlich uninteressiert und verwendet einen Großteil ihrer Zeit mit Gedankenspielen, wie und wo wohl jemand in „ihr“ Castle eindringen und was man dagegen tun könnte. Innerlich wird sie dem Herrn danken, wenn ENDLICH ein Runnerteam es mit ihr und ihren Freunden aufnehmen will (ihre Ausrüstung sammelt sie beim abschließenden Kontrollgang um 20:00 Uhr jedesmal wieder ein, wobei sie gerne mal das ein oder andere Gerät absichtlich vergisst). Wer dachte, dass Ama bereits ein ernsthafter Gegner ist, möchte sich mit dem Leiter der C-Schicht (20:00-4:00) definitiv nicht anlegen: Der bullig gebaute, ursprünglich asiatische Ork mit den goldenen Cyberaugen und der nachtschwarzen Kunsthaut Akono Segneur ist ein tiefgläubiger anarchistischer Idealist, den Konzerne mit einigem Recht als Terrorist bezeichnen würden. Es ist vor allem ihm und seinen Anhängern zu verdanken, dass Subversive sich niemals an einen Konzern oder die heiligen Quartalszahlen verkaufen wird – wer Gefahr läuft, ein entsprechendes Ansinnen durchzusetzen, hat meist einen unschönen Unfall. Akono betet die Göttin Eris und ihre Tochter Dysnomia mit ebensolcher Inbrunst an, wie er das anarchistische Berlin in der Letzten Front verteidigt. Akono wird stets begleitet von seiner „Sekretärin“ Mara Królja, eine bleiche Polin mit flammend rotem Haar, die eine selbsterklärte Erispriesterin und eine voll ausgebildete Kampfmagierin ist [Werte SR6 S.85], sowie seinem smarten elfischen „Fahrer“ Niklas Virtanen, der früher Spion und Attentäter für einen staatlichen Geheimdienst war, ehe er sich dem neo-anarchistischen Untergrund anschloss (verwende die Werte des Spezialisten für verdeckte Operationen [SR6 S.86]). Für Akono selbst nutzt du am besten die Werte des Konzernhais [Berlin 2080 S.172] und erhöhe die Zahl der Axis-F-Agenten in seiner Schicht auf 2W6+3. Das „Team Akono“ wird abgerundet durch den zwergischen Rigger Till Reineke, der getrennt vom Team „ganz normal“ als Tüftler in der Schicht mitarbeitet. Till nutzt vier Dutzend Gnat-Mikrodrohnen mit DMSO-Betäubungspatches, um die Anlage während der C-Schicht (und manchmal auch außerhalb der Schicht) im Auge zu behalten, und hat in einem der Binnenschiffe am Spreeufer drei bewaffnete MCT-Nissan Rotodrohnen für den Ernstfall versteckt (die Drohnen sind durch die Abdeckung des Frachtraums gegen Entdeckung und Umwelteinflüsse geschützt; das Öffnen des Decks dauert 3 KR, der Weg zur 42 weitere 2 KR. Eine der Drohnen ist mit einem Scharfschützengewehr, eine mit einem LMG und die dritte mit einem Dreifach-Raketenwerfer ausgestattet).

MIssions-Ideen:

  • Titanic-Gambit. Die Runner werden von einem Schmidt mit leicht russischen Akzent angeworben, die Thetis zu sabotieren und im Idealfall zu versenken. Der Tod von Unbeteiligten ist nicht das erklärte Ziel, wird aber seitens des Auftraggebers billigend in Kauf genommen. Hinter dem angemieteten Schmidt – in Wahrheit ein erfolgloser russischer Schauspieler – verbirgt sich die freischaffende elfische Persönlichkeitsattentäterin Neome Kibahl, die wiederum im Auftrag der Con Gián bemüht ist, durch den Vorfall einen Krieg innerhalb der Vory oder zwischen den Vory und den Spreeratten zu entzünden.
  • Streisand-Effekt. Vor Kurzem hatte der Vydzee-Streamer Anubis eine heiße Nacht mit einer jungen MSI-Konzernerin namens Liliane Strehse. Leider war dieser gänzlich unbewusst, wer Anubis ist, dass er ein überzeugter Xiditionist ist und dass ihre Liebesnacht live in die Matrix gestreamt wurde. Das ist insofern problematisch, da Liliane mit dem MSI-Manager Konrad Gessner frisch verlobt ist, was ihr der geeignete Weg zur Karriereförderung schien. Angesichts von mehreren zehntausend Views der Liebesnacht geriet Liliane ziemlich in Panik, als sie sich ihres Fehlers gewahr wurde. Nun heuert sie als „Fräulein Anette (der Name ihrer Mutter) Schmidt“ etwas unbeholfen ein Runnerteam an, um „jede Spur des Videos“ von den Servern bei Subversive zu tilgen (eine vorübergehende Sperrung des Videos hat sie bereits über die einschlägigen Zensuroptionen von MSI erreicht). Nun ist die Online-Sperrung (halb)pornografischer Videos nichts Besonderes und der Stream war auch nicht so heiß, dass irgendein Fan diesen beim Versuch, ihn erneut aufzurufen, vermissen würde (Anubis streamt echt viel und seine Follower hinken dem Material chronisch hinterher). Gelingt es den Runnern, durch Eindringen in die 42 und die Ermittlung des präzise richtigen Servers das Video-Backup zu löschen (oder, was das angeht, alle Server in die Luft zu jagen), erhält Anubis hierüber eine Statusmeldung. Nur Sekunden später hat er seine Gedanken dazu an seine Fans kommuniziert, woraufhin eine Verschwörungstheorie nach der anderen entsteht. Binnen weniger Stunden entsteht so eine regelrechte Verschwörungskaskade, die über diverse Vydzee-Accounts multipliziert wird. Natürlich hat auch irgendwer das Video auf sein Kommlink gezogen, es wird wieder online gestellt und hat am Ende des Tages beinahe 1 Million Views, darunter auch einige von Konrad Gessner selbst. Wenig später meldet sich „Fräulein Schmidt“ wieder bei den Runnern, voller Panik, weil ihr Verlobter extrem sauer ist und sie ihm absolut zutraut, ihr etwas anzutun. Tatsächlich schickt Konrad Gessner – ein Konzernhai, wie er im Buche steht – sein eigenes Runnerteam, um die untreue Verlobte zu ihm auf seine Yacht zu schaffen. Er wird mit ihr ein letztes Candlelight-Dinner auf dem Wannsee veranstalten und ihr dann einen Schuss mitten in ihr untreues Herz geben, falls die Runner den Angriff des Runnerteams nicht abwehren können. Gessners Runnerteam besteht aus Profis (nutze eine Auswahl von Archetypen aus dem Grundregelwerk) und umfasst zudem 2 Personen mehr als das Runnerteam der Spieler. Auf der Plusseite kennt die völlig verängstigte Liliane alle feindlichen Runner mindestens dem Namen und ihrer Profession nach (vielleicht erinnert sie sich sogar an weitere nützliche Details zu Cyberware oder Fähigkeiten, wenn die Runner sie beruhigen können) und die Spieler haben weitgehend freie Wahl beim Ort der Konfrontation. Für einen längeren Bodyguard-Gig fehlt Liliane das Geld, außerdem muss sie auch noch ihre Flucht und ggf. eine Löschung ihrer SIN oder einen Wechsel zu einem anderen Konzern bewerkstelligen, der sie beschützen kann. Sollte Konrads Team erledigt oder erheblich geschwächt werden, wird dieser vorerst von Rache Abstand nehmen – immerhin hat auch er Feinde im Unternehmen, die nur auf eine Schwäche in seiner Abwehr lauern.
  • Der Streamer soll sterben. Der Streamer Rogash erreicht mit einer cleveren Kombination aus Let’s Plays und parallelem Polittalk breite, überwiegend jugendliche Zuschauerkreise, die er mit einigem Erfolg für anarchistische Standpunkte begeistert. Mit seinem Rekrutierungserfolg (und zugegeben: seinen schmerzhaft zutreffenden Witzen über Konzerne) hat Rogash den Zorn von Martin Schmidt erweckt. Herr Schmidt (ja, es gibt Leute, die tatsächlich so heißen) arbeitet für Messerschmitt-Kawasaki als Operational Manager Corporate Governance / Direct Public Relation, was eine vornehme Beschreibung für den Job als Chef der Abteilung Antisprawl oder noch deutlicher den obersten Sprawlguerillajäger des Konzerns ist. Erbost vom jüngsten Rogash-Stream eröffnet Martin Schmidt mit den Worten „jetzt langt’s!“ einen neuen Vorgang und instruiert seinen Untergebenen Joachim Schmitt (kein Witz), ein Runnerteam abzuwerben. Der Auftrag besteht im Kern darin, den Wohn- und ggf. aktuellen Aufenthaltsort von Rogash zu ermitteln. Ist das Team dafür bekannt, Wetwork anzunehmen, kann es auch direkt für die Ermordung gebucht werden – „je spektakulärer, desto besser“. Weiß man hingegen, dass das Team Wetwork ablehnt, soll der Zweck des Auftrages verschleiert werden („ich arbeite für ein bekanntes Medienunternehmen und wir erwägen eine Extraktion bzw. Entführung, um uns der Talente dieses Mediengestalters zu versichern – je nachdem, wie der erste Job abläuft, werden wir hierfür sehr gerne erneut auf Sie zurückkommen“). Ist nicht bekannt, ob das Team Wetwork annimmt, gehen Schmidt und Schmitt davon aus, dass derlei Straßenabschaum natürlich für Geld alles macht – moralische Werte haben nur Konzerne! Um Rogashs Aufenthaltsort zu ermitteln, müssen diese bei Subversive einbrechen und beim nächsten Rogash-Stream dessen Daten direkt von den Servern ziehen. Hintergrund hierfür ist, dass die Streams beim Durchlaufen des Vydzee-Systems ja vollständig anonymisiert werden. Schmidt bzw. M-K weiß allerdings aufgrund früherer, ähnlich gelagerter Fälle, dass Vydzee vor dem Upload eine temporäre Sicherungskopie des eingehenden Videos speichert, um Fehlern durch Verbindungsabbrüche oder Sendestörungen der Konzerne entgegenzuwirken. Verdeutlicht: Ehe das Video die Anonymisierung durchläuft, wird es als Original lokal gespeichert samt aller Verbindungsdaten (Metadaten) und völlig unverpixelt (es sei denn es ist schon beim Upload verpixelt oder der Creator ist – wie bei Rogash üblich – überhaupt nicht im Bild zu sehen). Während das Video gestreamt wird, wird die Sicherungskopie sukzessive gelöscht (es gibt lediglich 2-3 Sekunden Verzögerung zwischen Streaming und Löschung). Rogash ist zu Recht ziemlich paranoid und spielt seine Streams von verschiedenen Matrixcafés in Mitte oder am Rand von Kreuzhain ein. Da er live streamt, ist er jeweils mehrere Stunden in den betreffenden Cafés online. Erwischen die Runner ihn also live beim Streamen auf den Vydzee-Servern – er hat feste Streaming-Zeiten und der Datenzugriff kann von jedem Büroterminal im Subversive-Gebäude aus erfolgen – dann bleibt genug Zeit, ihn direkt im Matrixcafé zu „erwischen“. Rogash hat allerdings einen letzten Trick im Ärmel: Er streamt nicht direkt vom Café aus, sondern schleift sein Signal durch das Kommlink eines anderen Café-Besuchers, in der Regel Glücksspiel- und Matrixsüchtige, die jeweils stunden- oder dank Overhaul tagelang online virtuelles Gold grinden oder peinliche Softcore-Beziehungen zu ihren Traum-Waifus bzw. -Chii-Chans unterhalten. Tatsächlich sitzt Rogash in unmittelbarer Nähe des Matrixcafés hinten in einem schmuddelig-weißem Bulldog mit der Beschriftung „Sanitär Bär – Klempnerservice 24/7 – Wir holen Sie aus der Scheiße“. Für Rogashs Werte verwende am Besten den Datenbeschaffer der Cutters [SR6 S.206]. Entscheiden sich die Runner dafür, Rogash bewusst laufen zum lassen oder M-K den Mittelfinger zu zeigen, haben sie mit Martin Schmidt nun einen mächtigen und extrem rachsüchtigen Feind. Entscheiden sie sich dagegen dafür, den Job durchzuziehen, obgleich ihnen klar sein müsste, dass Rogash bei den Neo-As ein sehr hohes Ansehen und vermutlich beste Connections besitzt, werden sie zu Parias der Berliner Anarchoszene (nur falls ihr Involvement herauskommt, natürlich). Man kann manchmal halt nur verlieren.
  • Wo gehobelt wird. Die junge Konzernerin Isabel Schmidt [Berlin 2080 S.168] ist stets auf der Suche nach Gelegenheiten, ihren Stand im Unternehmen und in Berlin zu verbessern. Und dank deiner klugen Vorbereitung und eines manipulierten Wurfs auf der 36-Berliner-Tabelle haben deine Runner auch schon einen kleinen Run oder zwei für sie gemacht – ganz straightforward, einfach und okay bezahlt. Wie bereits angedroht, hat Isabel leider einigen Runnerverschleiß, und nun ist es an der Zeit, die Runner deiner Gruppe zu verschleißen. Isabel beauftragt die Runner, die Kühlanlage der Nalepastraße 42 zu sabotieren, indem die Pumpe im Untergeschoss zerstört wird (eine Blockade oder Unterbrechung der Wasserzufuhr wäre zu leicht zu beheben – angeblich geht es darum, Vydzee für mehrere Tage oder Wochen in der Leistung erheblich einzuschränken, damit ein DeMeKo-Geschäftsfreund von ihr die Zugriffszahlen des Momo-Streamingportals „E-Sport Berlin“ bis zum nahen Quartalsende schönen kann – im Idealfall wolle sie bzw. er zudem einige populäre Vydzee-Streamer zum Wechsel auf den „technisch stabileren“ Service bewegen, ein möglicher Folgeauftrag). Tatsächlich ist es Isabels Ansinnen, die Gunst von Akono Segneur zu gewinnen und diesen als strategischen Alliierten für einen zukünftigen Coup zu gewinnen. Beim Briefing mit den Runnern schlägt sie als Zeitpunkt für die Durchführung der Mission 22:00 Uhr am kommenden Freitag vor, da dort die Zugriffszahlen und somit die Kühlleistung besonders hoch seien (das Briefing findet am Mittwoch statt, um den Runnern nicht verdächtig wenig Zeit zur Planung, aber möglichst wenig Zeit zum Misstrauischwerden zu lassen). Sollten die Runner ggf. nach Beinarbeit den Zeitpunkt ablehnen, weil sie erkennen, dass andere Schichten weniger kompetente Schichtleiter haben, wird sich Isabel nicht gegen einen Alternativvorschlag wehren – ihre einzige Bedingung ist, dass der Zeitpunkt einer der „Peaks“ in der Nutzung ist (diesen kannst du natürlich frei bestimmen oder aus Statistiken von Twitch und Youtube ableiten) und dass sie vorab informiert wird, welchen Zeitpunkt sich die Runner herausgesucht haben, damit sie ihren Freund entsprechend briefen und „verstärkende PR-Maßnahmen“ vorbereiten kann. Tatsächlich ist es Isabel einigermaßen Wurst, wann die Runner zuschlagen: Sie wird Akono vor der bevorstehenden Aktion als Zeichen des Goodwill und Vorauszahlung auf eine wechselseitige Allianz warnen und ihm somit die Chance geben, entweder die Kompetenz bei der Sicherung der eigenen Schicht zu zeigen, oder aber einen seiner Schichtleiter-Kollegen zu „retten“ und damit bloßzustellen. Für die Runner wäre es eigentlich am Besten, in Akonos C-Schicht zuzuschlagen, da sie es in diesem Fall „nur“ mit ihm und seiner vorgewarnten Crew zu tun bekommen. In der Schicht A und B kommt Akono und seine Crew (inklusive seiner Axis-F-Agenten) hingegen ZUSÄTZLICH auf den Plan, was insbesondere in Schicht B geradezu verheerend sein kann. Isabel kann mindestens ihrer eigenen Wahrnehmung nach nur gewinnen: Gelingt es Akono, die Sabotage zu vereiteln, steht er in ihrer Schuld (Akono ist kein Dummbeutel und ahnt sehr wohl, was Isabel durchgezogen hat, empfindet die etwaige Allianz mit einer derart ruchlosen Person aber als durchaus lohnend, zudem er sich für schlauer als sie hält). Gelingt es den Runnern trotz Isabels Info an Akono, die Sabotage durchzuziehen, gewinnt Isabel sogar doppelt: Erstens, weil Akono trotzdem in ihrer Schuld steht und die Allianz eingeht, und zweitens, weil sie natürlich den Leistungsabfall von Vydzee TATSÄCHLICH dazu nutzt, ihrem bekannten Mit-Konzernhai Lars Polanski bei der DeMeKo zu helfen, der dann EBENFALLS eine Allianz mit ihr eingeht (aus exakt diesem Grund wird Isabel bei der Vorbereitung des Runs tatsächlich so hilfreich wie möglich sein). Das einzige Szenario, in dem Isabel verliert (sieht man davon ab, dass die Runner ihren Verrat entlarven und sie abknallen) ist, wenn die Runner „nebenbei“ Akono killen. Aber in dem Fall war er vermutlich doch nicht so kompetent und nützlich, wie sie dachte. Abschreiben, und den nächsten Plan einleiten. Isabel denkt vorwärts.

Anmerkung: Dieser Artikel ist das Ergebnis der dritten Community Challenge, die ich auf meinem Twitch-Kanal durchführte. Trotz ansehnlichen 60.000 Punkten wurde die Challenge dank des heroischen Einsatzes einiger Extremspender geschafft – tausend Dank dafür!

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Hat dir der Artikel gefallen? Wenn du mir als kurzes „Thx“ einen Kaffee (Bier, Milch, Limo, Cola …) ausgeben würdest (z.B. 1€, einmalig), wäre das XXL awesome. 🙂 Tausend Dank!

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Novapuls 12.2081

Der vydzee-Host

Gepostet von: .root

vydzee ist ein unabhängiges Streamingportal, das hier ausführlich vorgestellt wird. In diesem Artikel werfen wir einen genaueren Blick auf die Onlinepräsenz von vydzee. Hit it!

Der Fokus des ganzen vydzee-Systems liegt auf Geschwindigkeit: Mit der noch immer steil wachsenden Popularität des Dienstes steigt auch die Menge der ein- und ausströmenden Daten in ungeahnte Höhen. Zwar rüstet Subversive seine Hardware ständig auf, kommt aber der eigenen Popularität kaum hinterher. Das liegt natürlich vor allem daran, dass hinter vydzee kein großer Konzern steckt und der Dienst trotz vieler Spielereien wie Kanalpunkten, Feed-Abos und freiwilligen Spenden über keine nennenswerte Monetarisierung verfügt.

> Natürlich könnte und soll man annehmen, dass Subversive den Dienst aus Idealismus und der Güte ihres „Deck the Planet“-Herzens betreibt. Man KÖNNTE aber auch annehmen, dass der Dienst auf genau dieses Wachstum hin optimiert wird, um irgendwann – 2086? – dann für einige Milliönchen an die DeMeKo, Sol Media, Horizon, Cadabra oder sonst eine „aufgedunsene Zecke“ (1. Buch .rez, Vers 14) verdealt zu werden. Subversive wäre weiß Gott nicht das erste Startup, das in der Wachstumsphase jahrelang Miese macht, um am Ende einmal groß abzukassieren.
> .krah

> Ziemlich zynische Einstellung. Ich meine, den Leuten von Silver Spawn Entertainment würde ich das ja noch zutrauen, das sind Business People. Aber deCreate, Toxic Topics und speziell der Free Fraggers Foundation, die allesamt zum „Gründerclub“ von Subversive gehören? Neeee.
> .rez

> Andererseits liegt die Gründungsstunde von vydzee auch schon 5+ Jahre zurück. Da kann sich viel tun. Hat jemand im Blick, wer von den „Gründervätern“ überhaupt noch an Bord ist?
> Fienchen

> deCreator hier. Ich kann euch beruhigen: Niemand hat die Absicht, eine Mau… einen Riesenreibach zu machen. Okay, vielleicht nicht „niemand“ – bei den offenen virtuellen Versammlungen der Subversianer (Subversive-Macher und Top-Unterstützer, meist Einzelpersonen aus der alternativen Ecke) geht es in aller Regel darum, wie man den Medienkonzernen den Arsch zeigt, nicht, wie man am Besten in deren Arsch hineinkommt. .rez‘ Vermutung, dass es speziell die Silver Spawn Leute sind, die sehr gerne mehr Gewinn aus ihrem Engagement ziehen würden, stimmt allerdings. Stand heute ist die Tendenz aber eher, dass Silver-Leute aus Subversive aussteigen, um Jobs in der blühenden Konzernwirtschaft Berlins zu finden, als dass Idealisten aus der Gamer-, Decker- und Piraten-Ecke aus Frust über irgendeine Kommerzialisierung dem Dienst den Rücken kehren. Und ja, natürlich gab es schon einige sehr großzügige Übernahme-Angebote speziell aus Richtung DeMeKo. Deren Argument – sieht man vom Zaster ab – ist, dass sie mit B1Live ja zeigen, welch hohen Respekt sie vor der alternativen Szene haben und dass sie daher auch vydzee gaaanz normal weiterlaufen lassen würden, gaaanz bestimmt, pinky swear. Glaubt ihnen halt nur keiner.
> .asl

> Hübsch blöd von euch. Aber mehr Money für mich. Passt schon. Bleibt schön prinzipientreu. Irgendwann – 2086? – kommt der Tag, da kommt einer ohne Geldkoffer, sondern mit Räumkommando, und macht euch einfach dicht.
> Nakaira

> Ist es nicht selbst für dich ein bisschen früh, Altersdemenz zu entwickeln? Berlin, Anarchismus, Politesse auffe Fresse und so? Weht da was aus deiner lange zurückliegenden Vergangenheit rüber?
> Penny D.

Der Zwang zu maximaler Performance schlägt sich natürlich direkt im Design des vydzee-Hostes nieder: Von den früher einmal vorhandenen, mit viel Liebe zum Detail gestalteten VRscapes in FeelReal(TM)-Qualität ist nichts mehr geblieben. Wer sich heute via VR in vydzee einwählt, bekommt nackten Content. Es existieren allerdings verschiedene für vydzee optimierte VR-Apps, welche die einströmenden Streams dann im präferierten virtuellen Ambiente abbilden. Zu den beliebtesten dieser Apps zählen vydcinema („Genieße vydzee im gediegenen Ambiente eines reich mit Stuck und Gold dekorierten Kino-Saals“, besonders beliebt für Community Watchings mit Freunden oder Crowds aus anderen Nutzern, die auch gerade dieses Video sehen wollen), tictactoo (NORAD-Ambiente, gestaltet nach dem 2D-Klassiker „Wargames“), manazee (Waldlichtung mit See, aus dem magisch leuchtend die Videos emporsteigen, mit animierten Feen und Irrlichtern), Yooz (archetypisches Jugendzimmer der 2060er Jahre inkl. Algorithmus-Addon, das Streams/Feeds über Popkultur der 60er bevorzugt) und TREKKK (Brücke der Enterprise, mehrere Varianten je nach Serie zur Auswahl). Die jeweilige VR-Gestaltung läuft in allen Fällen auf dem Kommlink bzw. Deck/Computer des Nutzers, vom vydzee-System kommt der reine Stream.

> Ich mag am Liebsten Flynns, eine Prewakening-Arcade, in der auf jedem Spielgerät ein anderes Video läuft. Die Simulation des Geruchs (Tabakqualm, Cola, Bier, Popcorn, Schweiß, Kaugummi, viel zu süßes Parfüm, Hormone) ist absoluter Hammer. Außerdem finde ich es brillant wie die App aus dem Titel des Videos und einzelnen Screens authentisch wirkende Bedruckungen des betreffenden Arcade-Geräte entwickelt.
> Konnopke

> Nerhegeb for the win!
> .rez

> Ich möchte noch STAGEDYVE von Rikki B anführen, eine App für Musikstreams, die eine volle Konzerthalle nachbildet. Inklusive Crowdreaktion und der Möglichkeit, nun, von der Bühne zu springen und auf der Meute zu surfen. Warnung allerdings vor dem DLC PogoParty – macht Kopfschmerz!!
> Fienchen

> Lasst uns das nicht vertiefen. Die allermeisten Apps werden von Einzelpersonen entwickelt und gratis zur Verfügung gestellt. Ausnahme sind – natürlich – die VRlebnis-Apps von Silver Spawn Entertainment, die zwar technisch in der Regel besser sind als For-Free-Apps, dafür aber auf einem ziemlich unfairen Abo-Modell beruhen, in dem es trotzdem der Nutzer Geld abdrückt auch noch Werbung gibt!
> .asl

> Dass die Silver Spawn Apps nahtlos in das VR-Appartment in der Vision Berlin integriert sind sagt meiner Meinung nach genug über die Gesinnung dieser Jungs aus.
> .krah

> Ähm, das sind eher Mädels. Zumindest die Führung von Silver Spawn besteht fast nur aus Frauen, und Gründer/Chef ist Katlynn „Druida“ Lopec.
> .rez

> Das erklärt viel. Erinnert sich noch wer an das Silver Spawn AR-Game „Männerhazz“?
> Konnopke

> Nein, mein Süßer. Es gibt dasselbe Game auch unter dem Titel „Frauenhazz“. Allerdings hatte das, zugegeben, nicht mal ein Hundertstel der Downloads und hatte im Gegensatz zu 3,7 von 5 Sternen bei Männerhazz nur 1,4 Sterne (und eine kilometerlange Liste von Hasskommntaren).
> .rez

> Was soll mir das sagen?
> Konnopke

> LASST UNS DAS UM GOTTES WILLEN NICHT VERTIEFEN!!!!
> .asl

> Okay. Für die Akten trotzdem: Männerhazz war 2071 das erste Game, und eine Weile lang gab es „Hazz“ für jeden Bedarf als Einzelgame (Nazihazz, Zeckenhazz, Orkhazz, Elfenhazz…). Nach einer Empörungswelle von SuperBILD über das Game Spießerhazz schaukelte sich ein Shit-Tsunami hoch und drei Leichen aus Entwicklerkreisen später nahm Silver Spawn alle Games der Hazz-Reihe vom Markt. Inzwischen gibt es zwar wieder ein Game mit demselben Grundcode, aber in „Die Lustige Hazz“ wirft man nur noch virtuelle Cremetorten auf wen-auch-immer. Blut, Gedärm und Schreie wurden komplett entfernt. Insofern Silver Spawn die ermordeten Mitarbeiter inzwischen abgeschrieben hat, war die „Hazz“-Reihe zumindest insofern ein „Erfolg“, da der mediale Aufschrei das Unternehmen auf den Radar gebracht hat. „Es gibt keine schlechte PR“ und so.
> .rez

> … ich bin grade gelinde gesagt einfach nur sprachlos. Das Thema ging an mir irgendwie vorbei, aber ich bin ja auch kein Gamer. Hab mir grade ein paar Streams angesehen (auf vydzee natürlich). Solchen menschenverachtenden Schund zu entwickeln ist … ich … wow. Ich glaub, ich muss Subversive mal genauer im Blick behalten.
> Fienchen

> Du hast offenbar noch nie zu den WIRKLICH ekelerregenden Game-Genres recherchiert. Falls du den Magen dafür hast, such mal nach „Snuff-AR-Games“ – gamifizierter Serienmord mit internationalen Highscore-Listen, zuweilen getarnt als Bürgerwehr- oder „Säuberungs-„App bzw. im Fall der „Feral“-Reihe als Ghul-Simulator („Du bist, wen du isst“).
> Cynic

> Ich werde das SOWAS von nicht recherchieren…
> Fienchen

> Zur Verteidigung der Silver Spawn Chefriege, obwohl ich nicht weiß, ob man das überhaupt verteidigen sollte: Bei Silver Spawn war es zu der Zeit üblich, dass jedes Game mehr oder minder unabhängig von einem kleinen Kollektiv entwickelt und rausgehauen wurde. Silver Spawn übernahm die Verbreitung (und ließ auch eigene Games entwickeln, allerdings nicht DIESE) und gab dann einen Großteil der Gewinne an die eigentlichen Entwickler weiter. Urheber der „Hazz“-Reihe war ein Team aus fünf Leuten: Den drei Ermordeten (Lizzi Maniakk, weiblich, hetero, drugpositive, Atheist, Norm, klassisches Berliner Mischblut mit wohl deutsch-rumänisch-schwedisch-nigerianischen Wurzeln, Daniel „Hancock“ Diehl, männlich, bi, Troll, mäßig muslimisch, für Berliner Verhältnisse urdeutsch und aktiv in der Aktion Berliner Vollbewaffnung, und Wyccra, zu dem oder der ich keine Infos und kein Bild finden konnte, die oder der aber Veganer sein soll) und zwei Überlebenden, die noch immer bei Silver Spawn sind (Tikki Novkowitsch, weiblich, bi, Vegetarierin, Elfin, Katholikin mit tschechisch-japanisch-russischen Wurzeln, inzwischen in der Führung von SSE, und Kwabena „Ghede“ Samedimanche, männlich, asexuell, Norm, wohl mit afrikanischen und asiatischen Wurzeln, aber fragt mich nicht genau woher, und einem ausgemachten Voodoo-Tick). Ich sag das deshalb so deutlich, weil in dem damaligen Zoff die sexuelle, metarassi(sti)sche und ethnische Identität jedes direkt Beteiligten an den Games extrem intensiv betrachtet und von jedem möglichen Hass- und Rechtfertigungswinkel aus thematisiert wurde.
> .rez

> Alle Menschen sind Bastarde. Egoismus, Gier und Arschlochsein kennt weder Geschlecht noch sexuelle Ausrichtung noch Glauben noch Metatyp noch Hautfarbe. Kapitalismus tötet. Women are wonderful oder auch nicht, wer weiß. Können wir BITTE wieder zum Thema zurück? (wimmer)
> .asl

Dass vydzees Online-Präsenz auf maximalen Datendurchsatz optimiert ist, kann bereits beim Heranfliegen an den Host beobachtet werden:

Nähert man sich dem vydzee-System, so erscheint dieses ziemlich lange als Drahtgittermodell, ehe es in der Nahansicht zum etwas „aufgepustet“ wirkenden 3D-Modell des Logos wird. Eine externe Sondierung zeigt, dass alles auf maximale Datenverarbeitung ausgerichtet ist, zu Lasten von Firewall und auch den Angriffskapazitäten des Systems.

Was die dazu verwendeten IC-Programme angeht, fokussiert sich das System auf die Feststellung von Eindringlingen und den Schutz vor Löschung. Soweit ich das feststellen konnte, scheint das System zufallsbasiert Datenbomben auf beliebigen Streams zu platzieren, wobei die Wahrscheinlichkeit der Platzierung gewichtet scheint und sich an der „Löschenswürdigkeit“ des Videos bzw. Streams/Kanals orientiert:

Je mehr Abrufe ein Video bzw. je mehr Abonnenten ein Kanal hat PLUS je strittiger dieses/r ist (erkennbare Antikonzernhaltung oder Zahl/Verhältnis der Up- und Downvotes, semantische Analyse der (Hass-)Kommentare), desto wahrscheinlicher ist die zusätzliche Sicherung der Daten durch Bomben bzw. den „Beobachtungsfokus“ von Patrouillen-IC.

Wie bei vielen kollektiv betriebenen, alternativen Hosts ist die eigentliche Gefahr weniger das IC, sondern die im Kontrast zu Konzern-Hosts hohe Zahl aktiver Admins und supportender Decker:

Ein Störfall im vydzee-System ruft binnen kürzester Zeit nicht etwa überhaupt keinen oder nur einen mäßig interessierten Konzerndecker auf den Plan, sondern entfesselt die Hölle von einem Dutzend und mehr hochmotivierten Deckern. Diese mögen weniger gut ausgebildet und ausgestattet sein als die Kollegen von der Konzernsicherheit, aber ich brauche euch ja nicht zu sagen was eine Schar Decker gemeinsam anrichten kann, speziell wenn diese im Wettbewerb zueinander stehen und zeigen wollen, was sie auf dem Kasten haben.

> Im Gegensatz zu Konzerndeckern endet für diese Deckiddies die Hatz -äh- Jagd auch nicht mit dem Ausloggen des Eindringlings oder der Ende der Dienstschicht. Irgendeiner der Decker macht es sich zur heiligen Mission, dich aufzuspüren, speziell wenn du eines SEINER Lieblingsvideos löschen wolltest.
> .asl

> Wie sinnvoll soll es denn überhaupt sein, ein Video zu löschen? Da gibt es doch garantiert eh Backups, wenn nicht bei Subversive, dann auf den Endgeräten diverser Nutzer, oder?
> Konnopke

> Nur weil es sinnlos ist bedeutet das nicht, dass irgendein Konzerner trotzdem einen unliebsamen Kanal löschen möchte. Das technische Verständnis der meisten Konzernheinis ist doch auf dem Stand von 2070 stehengeblieben, obwohl es inzwischen „ihre“ Matrix ist.
> .krah

> Die wirklich gefährlichen Wichser auf Konzern-, aber auch Policlub- oder Hassgruppenseite sind jene, die einen potenziell gefährlichen Kanal identifizieren, BEVOR er ein echtes Problem mit Millionen Followern wird. Sooo viele Leute speichern nämlich Videos und Streams NICHT lokal, und vydzees Kapazitäten zur Archivierung sind wesentlich begrenzter als man denkt. Die haben just genug Space, um die meisten Feeds (über 99,99% völliger Trash) EINMAL abzuspeichern und streambereit zu halten.
> .asl

Im Inneren ist der vydzee-Host wie zu erwarten äußerst sparsam gestaltet: Man findet sich in einem angenehm weißen Leuchten wieder, in dem Säulen von kontinuierlich ablaufenden Videos sich in der Unendlichkeit des Himmels verlieren. Jede Säule steht für eine Abfolge zueinander gehörender Videos, meist auf Basis des Themas und des Erzeugers. Die Navigation erfolgt über gesprochene oder auch nur gedachte Suchanfragen. Im Gegensatz zu Konzernstreamingdiensten speichert das System per Default nichts über den anonymen Nutzer, kann also auch keine personalisierten Empfehlungen abgeben. Ein Workaround hierfür ist in viele VR-Apps integriert, die dann dem System einen Cookie mit den „gemerkten“ bzw. durch den Nutzer angelegten Päferenzen an das System gibt. Als zusätzliche Hilfe stellt der Host das Hilfsprogramm „Zee“ zur Verfügung, dessen pinkfarben schwirrende Form und Sprechstimme der Legende nach auf einem uralten Prewakening-TV-Elektro-Showhost namens „Zini dem Wuslon“ beruht.

Der vydzee-Host in Werten

Hoststufe (ASDF): 7 (8/7/10/9)
IC: Patrouille, Teerbaby, Aufspüren
Decker-Reaktionszeit: 1W6/3 KR, dann 1W6 Decker +1W6/2 Decker in jeder weiteren KR bis die Maximalzahl von 12 + 2W6 Deckern erreicht wird
Icon: vydzee-Logo in 3D, auf Entfernung nur Gittermodell
Ikonografie: Abstrakt (gestaltloses Leuchten mit Säulen aus Videoscreens)
Hilfsprogramm: Zee das Wuslon (der Sprechart nach eher Zini bei Neo Magazin Royale entsprechend, offensiv linksautonom)
Weitere Hosts: Subversive Host (ebenfalls 7, ASDF aber 9/8/7/10, IC Patrouille, Teerbaby, Leuchtspur, Blaster)
Hoststruktur: Keine

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Anmerkung: Dieser Artikel ist das Ergebnis der zweiten Community Challenge, die ich auf meinem Twitch-Kanal eingerichtet habe. Diese wurde trotz „Kosten“ von 25.000 Kanalpunkten innerhalb weniger Tage abgeschlossen.

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vydzee

Gepostet von: .root

vydzee ist ein unabhängiges Streamingportal des alternativen Berliner Unternehmens Subversive Media BGoH (im Allgemeinen nur „Subversive“ genannt). Subversive entstand Mitte der Siebziger unter dem Eindruck der neuen Überwachungsmatrix und einigen Aufsehen erregenden Prozessen von großen Games Publishern gegen beliebte Streamingdienste und Let’s Player.

> Die Situation für Let’s Player ist seitdem nicht besser geworden. Zwar gibt es Game Publisher, die von Klagen wegen Lizenz- und Urheberrechtsverletzungen absehen, die Branchenriesen aber verklagen alles, was nicht bei drei in der Selbstlöschung ist. Das macht den Publishern nichtmal Mühe: Automatisierte Agenten durchsuchen öffentliche Videos und Simfeeds aller Art nach urheberrechtlich geschütztem Material, gleichen das mit der persönlichen Datenbank der Unternehmen ab und erstellen automatisiert massenweise Klagen, die je nach entsprechender Gesetzgebung dann nur noch von angeblich unabhängigen „Schlichtungsstellen“ durchgewunken oder direkt beim Gericht landen, wo sie ebenso automatisiert/mit minimaler Bearbeitung durch Richter abgenickt werden. Zwischen Klageerhebung und Zustellung einer absurd überteuerten Rechnung vergehen im Extremfall nur Minuten.
> .rez

> Trotzdem die Medienkonzerne immer wieder mal Gamer direkt verklagen, standen die Streamingdienste von Beginn an im Fokus der Klagewellen. Eine ganze Reihe Gamingplattformen (twitzy, JustINgaming, Letzplay) wurden bankrott geschossen, zahlreiche weitere Portale gingen prophylaktisch vom Netz oder verkauften ihre Assets an die Medienkonzerne (und in mehreren Fällen: Cadabra). Es war ein Fressfest für die Megas. Inzwischen hat jeder Games Publisher sein eigenes Streamingportal und wirbt aggressiv um neue Zuschauer – unter anderem damit, dass sowohl Streaming als auch Zuschauen mit Bonuspunkten in der jeweiligen Wohlverhaltensapp des Konzerns / in den Belohnungsapps der Social Media Plattformen belohnt werden (in der ADL vor allem momo (DeMeKo)).
> .krah

> Dasselbe wie der Gamingszene geschieht zunehmend auch mit anderen Contentschaffenden. Der Suchalgorithmus unterscheidet dabei zwischen potenziell nützlichen Kanälen und verdammenswertem Content. Wer zum Beispiel überwiegend Unboxings zeigt, dem verkauft man eine überteuerte Nutzungslizenz für Abbildungen der Verpackung. Diese kann der Creator dann großzügiger Weise umgehen, indem er sich vertraglich dazu verpflichtet, nur Positives zum Produkt zu sagen. „Kleine, harmlose“ Creators werden ebenfalls nicht gleich zu Tode verklagt – die geschützten Inhalte werden schlicht automatisiert verpixelt bzw. auf stumm geschaltet (geregelt durch nichtöffentliche Verabredungen zwischen den Portalen und dem Rechteinhaber). Bis du hingegen ein Creator, der unpopuläre (= Anti-Konzern) Meinungen vertritt, machen die Rechteinhaber und deren Handlanger, die „Schlichtungsstellen“, dich platt.
> .asl

> Oh, come ON! Natürlich gibt es all das, was ihr sagt. Aber so weitreichend, wie ihr tut, sind weder die Sucherkenntnisse der Programme, noch das Ausmaß der Klagen bzw. der oooh so geheimen erpresserischen Direktabsprachen zwischen Rechteinhabern und Creatoren. Ich weiß: Vlogger und ihre Fans halten sich für den Nabel der Welt – aber außerhalb eurer Bubble ist das Ganze einfach sowas von KEIN Thema.
> Come ON!

> Ein Thema für vydzee WIRD es spätestens 2086, wenn die „Schonfrist“ für Berliner Sonderregelungen wie die BGoH-Unternehmensform wegfällt und alles in ADL-Recht überführt werden muss.
> .rez

> FALLS es zu dieser Gleichschaltung kommt. Klar steht diese im Anfang der Siebziger zwischen Berlin und ADL getroffenem Vertrag – aber die Stimmen gegen diesen faktischen Rückanschluss von Berlin an die ADL werden lauter, und vor allem im Konzernlager!
> Fienchen

Die Idee hinter vydzee war und ist, Gamern und Self Publishern aller Art eine freie Plattform für Streaming „jenseits des Zugriffs der Schlichtungsstellen“ anzubieten. Zuschauer und Streamer können sich anonym anmelden und für vydzee eine neue Persönlichkeit erstellen. Zur weiteren Anonymisierung bietet vydzee ziemlich ausgefuchste Kamerafilter, welche die wahren Gesichtszüge der Streamer (sofern sie sich überhaupt selbst filmen) verbergen. Die Streams von vydzee sind aus diesem Grunde vor allem von animierten Furries, Mangafiguren oder populären Stars von Maria Mercurial über diverse Karl Kombatmages bis Humphrey Bogart und Andrea Frost bevölkert.

Ein wichtiges Prinzip von vydzee ist, dass die Plattform selbst keinerlei Zugriff auf die Identität des Nutzers bzw. seines Gerätes hat. Wer einen Streamer wegen Rechteverletzungen belangen möchte, hat wenig Chancen dazu, dies direkt durchzuziehen (sofern der Streamer nicht blöd ist, was natürlich auch vorkommt). Verklagen kann man eigentlich nur vydzee – und das geschieht auch zuhauf, wie vydzee auf dem eigenen Portal Eat Shit Gary in Form einer Highscore-Liste kundtut – aber die besondere Berliner Gesetzgebung, der Stand von Subversive als „Berliner Gesellschaft ohne Haftung“ (BGoH) und natürlich die Lage der Subversive-Büros (und Hostserver) in Kreuzhain verhindern die Durchsetzung der Klagen und Robo-Urteile.

> Ich wittere Schattenläufe.
> Konnopke

> Das ist es den meisten Publishern nicht wert. Denen geht es ja auch nicht WIRKLICH um den Ersatz von Schaden (welcher Schaden?), sondern darum, Streamer und Portale so in Angst zu versetzen, dass sie sich auf Deals mit dem Konzern einlassen bzw. ihre Assets an den Konzern verkaufen. Die Medienkonzerne verdienen sich speziell ab Einführung der Konzernmatrix dumm und dämlich – sie haben zu viel Geld und fressen sich deshalb satt bis sie kotzen. Wer an die Konzerne verkauft hat, kann meistens weitermachen wie gehabt: Die Mediengiganten wissen doch gar nicht mehr, wer und was ihnen gehört. Schlimmstenfalls machen sie den Kanal/Laden halt dicht und hocken wie fette Kröten auf den Marken, Medientiteln und Channels, ohne je etwas damit anzufangen. Wie aufgedunsene Zecken auf einem Berg ihrer eigenen Scheiße.
> .rez

> WOAH. Schlecht drauf?
> .krah

> Ach, mich KOTZT es einfach an, in was für einer SCHEISSWELT wir leben. Gerade wenn man sich vergegenwärtigt, wie krassgeil die Welt sein könnte, wenn Disney vor über fucking hundert Jahren einen harten Mittelfinger von der US-Gesetzgebung kassiert hätte. Man möchte brechen.
> .rez

> Wo in Xhain sitzen die denn? Also Subversive, nicht Disney.
> Konnopke

> Nalepastraße 42, schräg gegenüber vom Freiem Funkhaus F-Ever [#berlin2080 #map331].
> .asl

Subversive selbst entstand aus einem Zusammenschluss verschiedener alternativer Medienunternehmungen, darunter das Anarchoportal deCreate, der Gamingdienst und Games Publisher Silver Spawn Entertainment, das Piraten-/Vloggerportal Toxic Topix sowie das Decker/Gamer-Kollektiv Free Fraggers Foundation. Der Name „vydzee“ setzt sich aus den Komponenten Video + See zusammen. Entsprechend der starken Games-Fokussierung sind die meisten vydzee-Kanäle Gamestreams. Weitere wichtige Kanaltypen sind Artstreams, Talks/Chats und Hacks/Anleitungen, meist mit direktem Bezug zum alternativen Berliner Leben („wie repariere ich einen 2033er GM Multifuel Motor?“, „Wie brenne ich meinen eigenen Jabifu?“, „Wie entferne ich zumindest einige Abhörkomponenten meines VolksKOMMs?“ etc.).

> Alternative Anleitungsvideos haben enorme Reichweite. Außerhalb Berlins existiert eine Riesenszene von Otto-Normalos, die sich kopfschüttelnd oder wohlig gruselnd für das Leben im freien Berlin interessieren oder die so sehr auf der Neoromantikwelle reiten, dass sie sich beim Anblick ölverschmierter schrundiger Hände entspannen (ähnlich wie bei der ASMR-Welle vor ein paar Ewigkeiten).
> Konnopke

Einige populäre Kanäle sind:

  • Anubis gehört zu den populärsten vydzee-Streamern, einerseits weil er einer der Ersten war, der auf der Plattform streamte, andererseits durch die schiere Masse an Streams, die er raushaut. Anubis war schon prä-vydzee eine Berliner Größe innerhalb der Xiditionisten-Bewegung [#berlin], der sich quasi nonstop per Gedankenstrem, Self-Recording-Drohnen und Peer-to-Peer-Cloudblogging in die Matrix verströmte. Seine Fans sind ständig dabei, die nie abreißende Flut von Streams thematisch zu gliedern und so das Online-Archiv von Anubis (unter Insidern „Sechet-Aat“ genannt) einigermaßen übersichtlich zu halten. Was Anubis von anderen Xiditionisten unterscheidet ist, dass er tatsächlich ansehenswert ist: Es gibt nichts, was ihn nicht interessiert. Er spielt die neuesten und ältesten Spiele, er verfolgt den ganzen Tag irgendeinen „NSC“ (einen Passanten, den er zufällig auswählt) und kommentiert währenddessen die Tagesnews, er hat eine ganze Reihe von Haustieren, schnippelt an einem reichlich verkrüppelten Bonsai herum, probiert mal 3 Tage irgendeine Religion aus, braut sein eigenes Bier (unvergesslich sein Versuch, das klassische Berliner Pupasch nachzubrauen) oder trifft sich mit Leuten, die spannende und ungewöhnliche Hobbies haben – letzte Woche zum Beispiel mit den Okai Boiz, mit denen er eine Spritztour in Supersportwagen durch den Renrakusan und über den Stadtring machte.
  • Lord McGray ist das vydzee-Alter Ego von Mario Plattenbauski, einer Legende unter den alternativen Berliner Waffen- und Rüstungsbauern. Des Lords Content besteht überwiegend aus Anleitungsvideos, wie man sich selbst Rüstungen baut, wo man auf Schrotthalden gutes Metall findet, wie man Metallspikes an seinem Motorradhelm anbringt, wie man das eigene Fahrzeug mit Panzerung aufpimpt oder wie man Billigjacken mit Schrott und Spikes für die gefahrvollen Nachbarschaften Anarchoberlins hochrüsten kann. Zu den populärsten Videos seines Kanals zählen zudem seine Grundanleitung zum Schmieden, Löten und Schweißen sowie die Videoreihe „Lord McGrays Waffenkammer“, welche zeigt, wie man populäre Hieb- und Stichwaffen aus alten und aktuellen Trideotiteln nachbauen kann.
  • Funktioniere ist ein Bastler, dessen Content sich ungefähr gleichmäßig in wirklich nützliche Alltags-Hacks und absoluten Quatsch aufteilt. Bei ihm kann man lernen, wie man ein komplettes Haus auf Brikettfeuerung umstellt, oder wie man aus einer alten Rotordrohne ein schwebendes Party-Tablett baut, das natürlich unter dem Gewicht der Gläser ins Trudeln gerät und alles einsaut. Er bringt dir bei, wie Solarzellen funktionieren, was der Unterschied und jeweilige Nutzen von HAWT- und VAWT-Windanlagen sind, zeigt dir großartige Erfindungen wie den Jeans-Vorstrecker, den vollautomatischen Broteschmierer oder erklärt dir, wie man einen Häcksler mit einem aufgebohrten Kärcher zu einem „InstaMett-Macher“ kombiniert.
  • Fighterwings ist Rigger und „sein Ding“ sind Hochgeschwindigkeits-Drohnenrennen, die er aus der Drohne heraus überträgt. In seiner Egosicht oder gar seinem Simfeed Platz zu nehmen ist eine wahrhaftig außerkörperliche Erfahrung, ein Irrsinns-Adrenalintrip. Zusammen mit befreundeten und manchmal verfeindeten Drohnen-Teams jagt er in Bodennähe durch die Straßen, taucht unter einem Pizza-Van weg, zieht hoch in eine Schraube zwischen Einkaufstüten und kreischenden Passanten, driftet unter aufheulenden Mikroaggregaten durch die Tür einer Megamall und kopfüber an der Decke zwischen Streben und Lampen davon, nur um Sekunden später funkenstiebend durch einen viel zu engen Lüftungsschacht zu kreischen und unter Donnerhagel des zerplatzenden Sperrgitters in die kühle Berliner Nachtluft zu jaulen. Neben seinen Drohnenrennen und Tuning-Tipps für Drohnen aller Art zockt Funktioniere begeistert alle Arten von Games, bei denen man in irgendeinem Fluggerät irgendetwas zerlegt. Und darin ist er wirklich gut. Neuerdings interessiert er sich – natürlich – für Kuznechiks [#berlin2080] und schraubt an seinem persönlichen Prototypen herum.
  • Alirion streamt eine breite Auswahl populärer und topaktueller Games und ist damit ein besonderer Dorn im Auge der Gamespublisher. Alirion hat zudem ein besonderes Faible für das „Classic Fantasy“-Genre im Tolkien-Sinn, was ebenfalls reichlich Negativreaktionen seitens der Betroffenheitsindustrie generiert. Trotz oder gerade wegen dieses Flakfeuers aus zwei Richtungen sind Alirion-Fans überaus treu und protective – sich mit der so genannten „Alirion Kohorte“ anzulegen, kann im ärgsten Fall sogar Offline-Konfrontationen nach sich ziehen.
  • Rogash ist – abgesehen davon, dass er ein recht populärer Gaming Streamer ist – ein politischer Aktivist aus dem Spektrum Neo-Anarchismus und Metamenschenrechte. Seine wohlfundierten politischen Haltungen präsentiert er beinahe beiläufig im Talk mit der Community, während er im Spiel Legionen von Feinden zerlegt oder neue Highscores in Ultra Raid aufstellt. Durch die Verbindung von simplem Entertainment (Games) und politischem Aktivismus erreicht er vornehmlich junge Zielgruppen, an die Werber für anarchistische bzw. antirassistische Positionen sonst nur schwer herankommen. Rogash raidet zudem gerne die Streams von eher rechten oder rassistischen Streamern, um sich dann in deren Chats tüchtig argumentativ zu batteln. Welchem Metatyp Rogash selbst angehört, ist unbekannt und nach Rogashs Worten „unbedeutend“ für das, was er sagt.
  • Sphärenmeister ist Magier und damit auf vydzee eine noch größere Minderheit als im Alltag generell. Im Gegensatz zu anderen Magiewirkern, die man hin und wieder auf vydzee sieht, verbreitet sich der Sphärenmeister allerdings NULL über Magie oder Taliskrams. Auch die obligatorischen Flamewars gegen Scharlatane oder das neueste, angeblich magischen Superfood sucht man bei ihm vergeblich. Stattdessen findet man in Sphärenmeister einen überaus entspannten Gastgeber, der neben einer eklektischen Auswahl von Videogames vor allem klassische Brettspiele und Tischrollenspiele präsentiert. In Berlins Anarchobezirken existiert eine überaus aktive Szene für Lowtechspiele, was angesichts der Berliner Rückbesinnung und Jahrzehnten ohne gesicherte Strom- und Matrixverbindungen auch kaum überraschen kann. Der Sphärenmeister bemüht sich, die in den Konzernsektoren vergessene Vielfalt und Tradition haptischer Brett- und Kartenspiele einem größeren Publikum nahe zu bringen. Er lädt zudem (Straßen-)Prominente zum Spiel ein und plaudert zum Beispiel mit Morek Pflügler bei Schach, Go oder Rommé über GOD und die Welt. Auch seine Community ist überaus engagiert darin, Brett- und Kartenspielen zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen: Immer wieder gibt es in Berlin Turniere (häufig unterstützt durch die Vesuv Kasinos) oder Spendenaktionen zugunsten von Kinder- und Jugendeinrichtungen.
  • Lord Kafta gilt als der große, bärige Daddy der Vydzeeaner. Neben verschiedenen Gaming Streams sind themenfreie Chats ein fester Bestandteil seines Sendeplans, und diese offenen Talks entwickeln sich in hübscher Regelmäßigkeit zu Seelsorge- und Lebenshilfe-Sitzungen. Es wird häufiger spekuliert, dass Lord Kafta tatsächlich ein geschulter Pädagoge oder Psychotherapeut ist. Andere wollen ihn als langjährigen Barmann des Byron & Bowie [#berlin, #berlin2080] „enttarnt“ haben. Der Lord kommentiert Spekulationen zu seiner Person nicht, sondern bleibt auf das jeweilige Game bzw. die laufende Session mit seiner Community fokussiert.

> Da fehlen mir aber noch so EINIGE. Grmblmonster, Suem, Wuusch, Scaara, Dexan, Neerok …
> .krah

> Naja sie sagten ja „eine Auswahl“, nicht die Top 100. Trotzdem, ja, die Auswahl wirkt ein bissl arg willkürlich. Zudem echte Topstars von Kategorien wie Artstreams oder Hacking komplett fehlen …
> .rez

> Wartet mal ab. Oft werden hier ja Artikel gepatcht und nachträglich erweitert.
> .asl

Anmerkung: Dieser Artikel ist das Ergebnis der allerersten Community Challenge, die ich experimentierweise auf meinem Twitch-Kanal eingerichtet habe. Diese wurde – trotz ich sage mal „überschaubarer“ Community – in der Rekordzeit von nur 1 Tag abgeschlossen (wozu natürlich beitrug, dass ich keine Vorstellung dazu hatte, wie schnell 3.333 Punkte erreicht werden können). Gegenstand der Challenge war es, dass ich bei Erfolg einen Artikel für ein „Twitch im Jahr 2082“ schreiben würde, in denen ich die Namen einiger Community Mitglieder einbauen würde. Natürlich konnte ich schlecht ALLE Community Mitglieder erwähnen – was ich bedaure – aber ich hoffe, dass ich mindestens jene, die Punkte gespendet haben, sowie die in den Streams des betreffenden Tages anwesenden Follower abgebildet habe. Sollte ich DICH übersehen haben, dann PN mich bitte an – der Artikel kann gerne jederzeit erweitert werden. Gleiches gilt für Community-Mitglieder, die sich gerne hier selbst hineinschreiben möchten: Sendet mir einfach eine Kurzbeschreibung „eures vydzee-Kanals“ zu (Umfang MAXIMAL 1.200 Zeichen, und gerne eher rund 600 Zeichen) und ich poste ihn (nach etwaiger Überarbeitung durch mich) hier. Achja, und natürlich: Alle Darstellungen meiner Community Mitglieder als vydzee-Streamer sind nett gemeint – sollte jmd. mit ihrem/seinem Alter Ego nicht zufrieden sein (oder generell nicht als solches auftreten wollen) gebt mir bitte Bescheid, dann kann ich das gerne ändern.

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Hat dir der Artikel gefallen? Wenn du mir als kurzes „Thx“ einen Kaffee (Bier, Milch, Limo, Cola …) ausgeben würdest (z.B. 1€, einmalig), wäre das XXL awesome. 🙂 Tausend Dank!

–> https://www.buymeacoffee.com/rabenaas

Novapuls.11.2081

> Allgemeiner Rundruf: Die Infos zur Berlinwahl gibt’s auch in einem eigenen Eintrag der Shadowhelix.
> .asl

> Der Entscheid betreffs Zehlendorf wundert mich. Ist ja nicht so, als hätte sich da irgendein Normalbürger beschwert. Wenn Buzek dafür ein Fass aufmacht, heißt das ja zweierlei: Erstens, dass nicht nur sie, sondern Proteus echt pissed ist, und zweitens, dass sie bzw. Proteus fest davon ausging, dass der Protest auch zum Erfolg führt und neu gewählt wird.
> Konnopke

> Naja. Eigentlich konnte Proteus nicht davon ausgehen, dass der Fall Idis derart schnell abgeräumt und ad acta gelegt wird. Immerhin steht ja Evo hinter der Kandidatur des freien Geistes.
> .rez

> Aber Idis hat ja nicht gewonnen! Und Evo wird ja wohl kaum Streletzki-Fan sein.
> Konnopke

> Darum geht es nicht. Wenn es zur Neuwahl gekommen wäre, dann nur aus dem Grund, dass die Kandidatur des freien Geistes (und Evos Support) unrechtens war. Das wird Evo wohl kaum einfach hinnehmen. Ob es Evo überhaupt darum ging, dass Idis die Wahl gewinnt, darf bezweifelt werden. Weit eher wird es so sein, dass Evo den seit Monaten bestehenden gordischen Knoten in der Frage der Geisterrechte zerschlagen wollte. Der Rat dreht sich da nämlich arg im Kreis, und das Thema spielte in der öffentlichen Wahrnehmung so gut wie keine Rolle – immer eine bequeme Ausrede, Termine zu verschieben oder die verfügbare Zeit durch „Ethik-Experten“ und Kirchenvertreter verplempern zu lassen.
> .rez

> Das mit der öffentlichen Wahrnehmung hat sich jedenfalls tüchtig gedreht. Die Berliner Medien und auch viele ADL-Tridsender spielen das Thema „SINs für freie Geister“ nebst anderen Spielarten wie „SINs für bisher SINlose Infizierte“ und „SINs für Metasapiente“ aktuell rauf und runter. Und die PNO nutzt jede Gelegenheit, ihre Standpunkte effektiv in Szene zu setzen.
> .krah

> Amen. Kein Abend ohne Faas, Lugosi, Nemec oder die olle Heiden in Prime Time und Late Night Talk.
> Russian Standard Troll

> Dass Evo ich sag mal starke Lobbykontakte zur PNO hat ist ja wohl kaum ein Geheimnis. Die eigentliche fette Info ist, dass Evo diese „SIN für Geister“-Sache so wichtig ist, dass sie dafür eine langjährige Partnerschaft mit Proteus im Bezirk wegwerfen. Oder, fast wahrscheinlicher: Dass Proteus ihren „Best Berlin Buddy“ Evo derart verärgert hat, dass Evo sich mit dem Idis-Archlochmove bedankt hat (Evo hätte ja auch Buzek/Proteus einfach vorab informieren können, was sie ganz offenbar nicht getan haben). Streletzki ist dem gegenüber ein reiner Nebenaspekt: Weder Proteus noch Evo hat aktiv etwas gegen den Hotelmogul und Preußenstiftling, und ich gehe auch nicht davon aus, dass die Ägide des ehrbaren Eugen als Bezirksabgeordneter von und zu Zehlendorf irgendeinen Trouble mit Proteus oder Evo auslöst. Worüber wir uns ECHT Gedanken machen müssen, ist KREUZHAIN!
> Fienchen

> Warum das? Da es eine Neuwahl gibt, fällt das Amt ja nicht an den Zweitplatzierten der Wahl, Faisal Bayraktar. Scheiße, die haben die Marionette des irren Imam einfach abtropfen und nicht mal übergangsweise bis zur Wahl die Bezirksgeschäfte führen lassen. In einer straighten Wahl hat der superkonservative Emiratseinpeitscher in Kreuzhain keine Chance – im Gegenteil rechne ich mit einem Rekordergebnis für Mitra Özgün, so schockierend wie das Wahlergebnis für die Kreuzhainer war.
> .rez

> Das stimmt schon. Aber die Stimmung kocht gerade rund ums Emirat gerade über. Dass die Regierung Bayraktar kaltgestellt hat, begrüße ich zwar auch, aber im Emirat kam das selbst unter vielen Gemäßigten wie ein weiterer Diss gegen das Emirat oder – schlimmer – die islamische Gemeinde(n) oder – noch schlimmer – Allah an. Oder jedenfalls inszenieren die Radikalkonservativen im Emirat den Vorgang in diese Richtung. Seit Bekanntwerden der Neuwahl und Özgüns fortgesetzter Regierung brennen rund ums Emirat Autos und Läden. Das wiederum ist buchstäblich Öl ins Feuer der berlinweit erstarkenden Nazis, die unter dem Mantel des Antiislamismus in Kreuzhain auch unter traditionell eher linken Kiezen mehr Support gewinnen. Ich jedenfalls mache mir ziemlich Sorgen, selbst wenn Mitra Özgün wieder gewinnen sollte (vielleicht sogar BESONDERS wenn Mitra wieder gewinnen sollte). Dieses Arschloch Rutgar Demirci (PNE) hat auch ohne den ganzen Scheiß im Oktober schon 6,7% in Berlins urlinkem Bezirk eingefahren – ich befürchte, im Dezember wird sein Ergebnis noch stärker sein.
> Fienchen

> Aber kann das reichen? Welche Kandidaten gibt es überhaupt, die eine Chance auf den Wahlsieg im Bezirk haben? Der Sieg von Mitra Özgün scheint ja ziemlich gesetzt zu sein, auch bei Buchmachern und in den Berliner Polittalks.
> .krah

> Auf jeden Fall muss man Wahnfried Grok auf dem Schirm behalten, der große Kontingente der Infizierten und die Stimmen vieler Diskordianer auf sich vereint. Weitere Wählerstimmen bekommt Grok aus subversiven bis terroristischen Anarchokreisen, die sich jede Menge Probleme und vor allem Neuinfektionen innerhalb der Regierung wünschen, sobald ein Ghul Zutritt zu Ratssitzungen, Ausschüssen und den oberen Etagen der BERVAG erhält.
> .asl

> Spinn nicht rum. Grok ist medial omnipräsent, weil er tonnenweise Material liefert für jede Art von Schock- und Aufregermeldung aus der „gescheiterten Chaosmetropole Berlin“ (Allianz Tagesspiegel). Tatsächlich hat er im Oktober gerade mal 4,1% der Stimmen bekommen, und das auch nur, weil die PNO entgegen ihrer Pro-Infizierten-Politik mit Konrad Lorenz einen Infiziertenhasser und Magokraten ins Rennen geschickt haben. Das wollen sie nun ändern: Statt Lorenz hat die PNO für Kreuzhain just die Vampirin Mina Murnau aufgestellt. Wie ihr „leicht“ pornöser Name andeutet, gehört Mina zum engeren Kreis um unsere blutsaugende Celebrity Bella Lugosi. Keine Ahnung, wieviel diese einfahren wird, aber Grok wird Stimmen verlieren und hat somit NULL Chance auf den Sieg im Bezirk. Und die hatte er auch vorher nicht! Wen man stattdessen nicht außer acht lassen sollte ist Lizzy Lawless, die bei der letzten Wahl noch als Lizzy Lynchmob angetreten ist und nur 4,3% hinter Mitra Özgün landete! Lizzy ist eine angesehene Anarchotheoretikerin und eines der bekanntesten Gesichter der Anarchistischen Bewegung Berlins (ABB). Als überzeugte Atheistin zeigt Lizzy brutal klare Kante gegen Scharia und jede Art Bevorzugung für Kirchen und Sekten aller Couleur, was vielen zunehmend besser gefällt als Özgüns diplomatischer Wischi-Waschi-Kurs gegenüber der Sonderrechtszone des Emirates.
> Fienchen

> Unter den „Sonstigen“ würde ich noch Faizah el-Amin erwähnen wollen, eine Normfrau, die vor fünf Jahren aus dem Emirat flüchtete und sich seitdem vehement für eine Aufhebung der Scharia-Zone einsetzt. Sie ist eine der lautesten Stimmen gegen Özgüns „zu toleranter“ Haltung gegenüber den Schariaisten, unter deren Joch besonders Frauen zu leiden haben. Faizah gehört zu der wachsenden Zahl Berliner, welche die Kreuzhainer Scharia als „grundsätzlich unvereinbar“ mit der freiheitlichen Berliner Grundordnung halten und eine Abschaffung derselben fordern. Das, freilich, ist unabhängig jeder persönlichen Meinung ein ganz grundsätzliches politisches Problem in Berlin: Nicht ohne Grund warnen Altanarchisten davor, der zwangsweisen Abschaffung von lokalen Gesetzen durch übergeordnete Stellen Tür und Tor zu öffnen. Eine erzwungene Abschaffung der Scharia im Emirat würde demnach zu einem „Dammbruch“ führen, der das Ende jeder lokalen Gesetzgebung auf Kiez- oder Bezirksebene nach sich ziehen würde.
> .rez

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