Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

Kategorie-Archiv: Berlin-News

Berlin hat gewählt (Wahlperiode II/2080)

ALLES BLEIBT, WIE ES IST.

[06.10.2080] Unter den wettverrückten Berlinern ist die Wahlperiode II das ungeliebte Schmutzkind: Zwei Konzernbezirke plus ein Quasi-Konzernbezirk, in denen sich nie etwas überraschend ändern wird, und zwei kommunistische Parteikandidaten, deren Sitz ebenso unverrückbar bereits Monate vor der eigentlichen Wahl zementiert wird, geben wenig Anlass für spannende Wahlduelle: Wie erwartet bleiben Dr. Franziska Landolt (S-K Tempelhof), Takeshi Ozu (Renrakusan), natürlich Berlins Erster Bürgermeister Dr. Paul Zöller (Mitte) sowie Wladimir Igorewitsch Bronstein (Pankow) und Lena Rabeja (Köpenick) im Amt – Letztere umso mehr, nachdem der einzige antikommunistische Gegenkandidat Clemes Streußner in der vergangenen Woche auf offener Straße von Unbekannten mit Benzin übergossen und angezündet wurde. 

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Falkensee – früher gern für eine Überraschung gut – hat sich seit dem Sieg von Dönerkönig Aslan Özdemir in 2077 erheblich stabilisiert. Zwar nicht finanziell oder was die Sicherheit in der Schwarzen Zone am Westrand der Stadt angeht, wohl aber, was Özdemirs Stand im Bezirk betrifft: Özdemirs Dönerspieß-Fabriken sind inzwischen die wichtigsten Arbeitgeber in Falkensee (andere gibt es auch kaum), und jüngste Ankündigungen einer Expansion von Produktion und Vertrieb über die Freistadt hinaus lassen viele im Bezirk auf neue Arbeitsplätze auch in Berlin hoffen. Gegen diese Hoffnungen konnte USP-Kandidatin Friedericke Kuhnert mit gerade einmal 12% der Stimmen höchstens einen Achtungserfolg erzielen. Weitere erstaunliche 4% konnte der registrierte Infizierte und magisch aktive „Judas Moloch“ erzielen, der für die Partei der Neuen Ordnung (PNO) antrat. Moloch ist laut eigenen Angaben als Mikrotrader tätig und hat die vergangenen Jahre verborgen in Groß-Frankfurt gelebt. Mit der Novelle des ADL-Rechtes zum Bürgerstatus von Infizierten sieht er es als seine moralische Verpflichtung, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Warum er dies allerdings in Berlin statt in der ADL tut, weiß wohl nur er selbst. 

Trotz des üblichen Geschreis der Boulevardmedien (zu denen wir bei B1Live natürlich in keinem Fall zählen) gab es auch in Spandau wenig Grund, an einen Wechsel an der Bezirksspitze oder eine Rückkehr von Berlins jüngstem Anarchobezirk zum Normbezirkstatus zu glauben. Im Gegenteil hat Bezirksbürgermeister Fletscher seine Machtposition in den drei Jahren seit seiner Ernennung ausbauen können. Immerhin hat die etablierte ADL-Partei CVP mit Dr. Katrin Lara Wegener eine eigene Kandidatin als „Alternative für Spandau“ ins Feld geführt, die auf Anhieb 22,6% der Stimmen für sich verbuchen konnte – Buchmacher freuen sich bereits auf die nächste Wahl im Bezirk 2083. 

Die Verkündung der Wiederwahl von Morek Pflügler als Zweiter Bürgermeister durch die Ratsversammlung konnte zum Schluss ebenfalls kein Highlight setzen: Die für einen Wechsel notwendigen Schachereien um die Stimmenkontingente kündigen sich bereits lange vor der Wahl an, und deren Ausbleiben ließ erwartungsgemäß fest darauf schließen, dass es zu keiner Änderung kommen würde. 

 Von wem bitte auch? Würden die Konzerne Pflügler absägen, würde Berlins Einheit zerfallen und die Alternativen würden völlig freidrehen. Die Kommunisten würden Pflügler gerne loswerden und eine willige Marionette einsetzen, haben aber nicht die Kontingente dafür. Die Anarchos sind außerhalb von Axis F und Letzter Front Pflügler-Fanboys durch und durch, obwohl er ihre Ideologie nicht vertritt und widerlich pazifistisch ist. Und die ADL kriegt im anhaltenden Zoff mit Berlin eh kein Bein auf den Boden, solange sie keine Luftlandedivision abwerfen oder die Stadt zu patriotischer Schlacke nuken.
Konnopke

 Die Wahlbeteiligung geht wie die Zahl der Wetteinsätze aktuell stetig runter. Was umgekehrt die Wahlen anfälliger für Manipulationen, Stimmkäufe, Wahlhacks oder Randkandidaten macht, die ihre Special Interest Group effektiver mobilisieren können. Hoffen wir also mal auf 2081. Da schaut es schon deutlich spannender aus.
 .krah

 Mich verblüfft ja nicht so sehr das Wahlergebnis, als dass es so viele Bezirksvertreter schaffen, drei Jahre im Amt zu ÜBERLEBEN.
 Karel

 

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[GNB] Biz!Talk mit Spinrad Global Berlin

AhmanJamalAlSheikh

[19.06.2080] Der Zusammenbruch des AAA-Konzerns NeoNET als Folge der KFS-Krise sowie der folgende Aufstieg von Spinrad Global in die Reihen der „Großen Zehn“ haben das globale Konzerngefüge in seinen Grundfesten erschüttert – auch die ADL. Gute Nachrichten Berlin (GNB) sprach mit dem Chef des Berliner Standortes von Spinrad Global, Ahman Jamal al-Sheikh.

GNB: Herr al-Sheikh, im vergangenen Jahr haben sich Spinrad Industries und Global Sandstorm zum Unternehmensgiganten Spinrad Global (SG) zusammengeschlossen. Außerdem stieg das Unternehmen in die Reihe der AAA-Konzerne auf. Welche Auswirkungen hat das auf Ihre Tätigkeit in Berlin und Deutschland?

Al-Sheikh: Wir befinden uns in einem fortgesetzten Prozess der strategischen Optimierung. Im Kern steht dabei für uns die Frage, wie die einzigartigen Stärken von Global Sandstorm und Spinrad International am Besten kombiniert, durch Akquisen ergänzt und an ausgewählten Stellen auch verschlankt werden können.

GNB: Klingt nach recht viel Veränderung. Wie reagieren Ihre Mitarbeiter darauf?

Al-Sheikh: Wir stellen uns Veränderungen nicht erst dann, wenn sie unausweichlich werden. Wir antizipieren sie und gestalten sie aktiv mit. Aufbruch ist eine Chance. In diesem Sinn sind Neugründung, Restrukturierung und disruptiver Aufstieg von Spinrad Global ein Segen für all diejenigen, welche die Gelegenheit wahrzunehmen wissen. Innerhalb und außerhalb des Konzerns. Unsere Arme sind weit geöffnet für alle Talente, die uns dabei helfen wollen, unsere Position an der Spitze zu verteidigen und weiter auszubauen.

GNB: Klingt wie ein Werbespruch von Human Resources. Sind sie auf der Suche?

Al-Sheikh: Als zukunftsorientiertes Unternehmen sind wir immer interessiert an neuen Köpfen und ihren Ideen. Der Name Spinrad steht für eine gewisse … Waghalsigkeit. Tatsächlich steht dahinter Leidenschaft und der Mut, die Dinge zu bewegen. Ein Mut, der das Unternehmen dahin gebracht hat, wo es heute steht. Dieser Mut ist in der Kultur von Global Sandstorm, als dessen Leiter ich in Berlin die letzten Jahre tätig war, weniger intensiv verankert. Jene aber, die diese Entschlossenheit haben, sehen in der Fusion Chancen auch für ihre eigene Karriere und ihre Projekte.

GNB: Ist diese Art der Waghalsigkeit in der Ära Post-KFS noch zu verantworten? Gerade für den Profiteur von NeoNETs Untergang?

Al-Sheikh: Wenn es zu Ihren Hobbies gehört, sich aus 10.000 Metern Höhe aus einem Flugzeug zu stürzen, sind sie nicht nur mutig, sondern auch ein Fan herausragender Schutzmaßnahmen und vielfacher Absicherungen.

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GNB: Welche Rolle hat Deutschland für Spinrad Global?

Al-Sheikh: Deutschland ist für uns von großer Bedeutung, da hier zahlreiche unserer Kunden und Abnehmer sitzen. Auch werden in der ADL viele Weichen für die zukünftige Entwicklung in Europa gestellt. Das finden wir sehr spannend.

GNB: Der Sitz von Spinrad Global in Berlin ist der frühere Deutschlandsitz von Global Sandstorm im Emirat. War die Standortwahl der Zentrale von Global Sandstorm ein Signal des Misstrauens gegen die ADL-Regierung und ihren konzernkritischen Kurs?

Al-Sheikh: Nein. Für uns standen von jeher geostrategische Interessen und die Vernetzung mit unseren Partnern im Vordergrund. Mit persönlich gefällt zudem die hemdsärmelige Mentalität und das Einzelunternehmertum der Berliner. Hier ist man hungrig, träumt noch groß. Davon kann das alte Europa meiner Ansicht nach viel lernen.

DWB: Auch München?

Al-Sheikh: Kann Inspiration denn je schlecht sein?

Warum beschäftigt sich GNB mit Global Sandstorm und warum wird mir das als Topstory angezeigt? Im Verhältnis zum früheren Spinrad International ist Global Sandstorm in Deutschland, selbst in Berlin, doch ne volle Nullnummer.
 .krah

Mit Fusion und Aufstieg von Spinrad Global sind sämtliche Unternehmensteile mit einem Mal brennend interessant. Und da die Konzernspitze von Spinrad Global sich sehr bedeckt hält was Pläne, etwaige Restrukturierungen, neue Standorte oder Neubesetzungen angeht, redet man eben mit dem, der verfügbar ist.
 .spoof

 Außerdem ist Global Sandstorm ja durchaus kein Zwerg, sondern das größte Unternehmen der arabischen Welt, das speziell was die Ölsparte angeht auch zahlreiche Abnehmer in Deutschland hat.
 .root

PLUS der gesamte Merger hat meiner Ansicht nach eh den einzigen Zweck, gegen den Goldwurm anstinken zu können. Von daher kennt dich dein Newsalgorithmus also gut: Wenn SG Schattenoperationen plant, dann bietet sich dafür Berlin und ein Mann aus der zweiten Reihe wie al-Sheikh mehr an als die Spinrad-Schickerianer aus Neuhausen-Nymphenburg. Al-Sheikh scheint mir da der genau passende Killer im Luxus-Suit zu sein.
 .asl

 Er ist superreich, sieht fantastisch aus, ist passionierter Actionsportler, Waffennarr, Frauenheld, ein rücksichtsloser Geschäftsmann Berliner Schule und häufiger Gast der Grand Tour. Und diversen Fotos auf Pomi-Portalen zufolge ein guter Bekannter von Johnny Spinrad.
 .rez

Möglich, dass sich al-Sheikh durch Erfolge gegen S-K als Spinrad-Chef für Deutschland platzieren will. Da allerdings hat er die Rechnung ohne die Bayern gemacht. Die sind nicht halb so harmlos, wie sie tun.
 Node

 Okay. Das beantwortet dann meine Frage.
 .krah


Offgame-Hinweis: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es von Seiten Catalysts noch keine Angaben zur zukünftigen Struktur von Spinrad Global. Um mit den Entwicklungen dennoch spielen zu können, dieser nonkanonische Artikel. Möglich, dass dieser später kanonisch gemacht wird, wenn mehr Facts aus USA vorliegen und eine Festlegung zur Aufstellung von Spinrad Global in Deutschland erfolgt ist. Möglich, dass eine ganz andere Festlegung erfolgt und dieser Artikel geretconned werden muss (obwohl mich das sehr überraschen würde). Aus Sicht von SRB fungiert aktuell das im DP:Berlin gesetzte Deutschland-HQ von Global Sandstorm als Standort von Spinrad Global in der Freistadt Berlin. Und wo Spinrad Globals Deutschland-HQ ist, braucht uns für Berlin nicht zu interessieren.

Berlin hat gewählt (Periode I/2079)

WAHLPERIODE 1 JETZT OFFIZIELL DIE LAHMSTE WAHL.

[02.10.2079] Nach einer bereits nur mäßig interessanten Wahl 2076 hat sich die Wahlperiode I in diesem Jahr endgültig den Titel als langweiligste Wahlperiode im alljährlichen Berliner Wahlwahnsinn gesichert: Während 2076 wenigstens einige von den Buchmachern vorhergesagte Wechsel wie erwartet eintrafen, ging die Wahl in diesem Jahr gänzlich ohne personelle Veränderungen über die Bühne – gleichfalls wie vorausgesagt.

Entsprechend entnervt zeigten sich die ohnehin wenigen Wettteilnehmer: „Spannend wie ein Match zwischen Berlin Cybears und Kiezkloppern Dinkelsbühl. Wer da wohl gewinnt?“ fasst es der freie Taxifahrer, Lieferdienst, Kontaktvermittler und mobile shop owner Ceyran X-Blink zusammen. 

In der Wahlperiode I waren die registrierten Bürger der Konzernbezirke Aztech-Schönwalde und Tegel, der Normbezirke Charlottenburg-Wilmersdorf und Reinickendorf sowie den Alternativen Bezirken OranienburgGropiusstadt und Marzahn-Hellersdorf. aufgerufen, ihren Bezirksvertreter neu zu bestimmen. Der bereits im Vorfeld als wenig spannend betrachteten Live-Wahl folgten weniger nur knapp 800.000 Berliner – das niedrigste Ergebnis seit der Berliner Einigung, und mit 89% Wahlbeteiligung auch die Wahl mit der geringsten Beteiligung. Dabei war das minutenlange Winden und Ringen der Livekommentatoren zu absolut NICHTS durchaus sehenswert, wenn man vorher Pillen gegen Fremdschämen geschmissen hatte. 

 89% Wahlbeteiligung ist WENIG??
 Kami Katze

 Allerdings. Anders als bei den Scheinwahlen zum impotenten Bundestag oder den ebenso abgekarteten Sesselschubsereien in anderen Plexen geht es in Berlin bei jeder Wahl um Klassenkampf, das Schicksal des Kiezes und vor allem viel Geld. Fast jeder Berliner wettet für sein Leben gern, und die Wahlen sind unsere Version des Lottos (das, und Bodycount-Bingo, natürlich).
 Konnopke

 Es mag auch helfen, dass die Wahlteilnahme über die VolksKOMMS prominent auf der Startseite mit Alarm angepriesen wird, und dass die Teilnahme nur einen kurzen Swipe erfordert, während sich das Pop-Up-Fenster ohne Wahlteilnahme nur über eine komplexe Abfolge von Gesten, Bestätigungen und Eingabe eines zugesendeten Codes schließen lässt.
 Nakaira

 

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Berlin hat gewählt (Periode III/2078)

DER BERLINER WAHLMARATHON 2078 IST VORBEI. EIN RÜCKBLICK.

[09.10.2078] Was für ein Jahr. Wenn nicht für die Demokratie, dann zumindest für die Berliner Buchmacher. Denn deren Geschäfte laufen blendend, während das Wetten auf Wahlergebnisse langsam die klassischen Sportwetten zu übertrumpfen droht.

 Ich BIN Buchmacher und bestreite das. Sportwetten sind und bleiben auch und gerade im wettverrückten Berlin die unangefochtene Nummer 1 des Wettgeschäfts. Schon alleine deshalb, weil hier vom Schreckhahnkampf über den Pitfight in der Stampe an der Ecke bis zum Straßenrennen über die Landsberger auf viel mehr gewettet werden kann als „nur“ auf das nächste große Fußball- oder Stadtkriegspiel.
 Eezy Cash 23

 Ich glaube das Problem ist mal wieder die eingeschränkte Sicht der Medienfuzzies: Nur weil DIE so gerne über die Berliner Politwetten berichten denken sie automatisch, dass diese auch wirtschaftlich megawichtig sind (denn sonst verböte es sich ja, derart viel Wordcount auf die Berichterstattung zu ver(sch)wenden.
 Konnopke

 Ihr glaubt offenbar weiterhin, dass es da so ne Realität gibt und wir „Medienfuzzies“ lediglich das nacherzählen, was da passiert. Leute, wir MACHEN die realität. Wenn WIR es berichten, DANN ist es wichtig. Nicht umgekehrt!
 Nakaira

Zur Erinnerung: Als im letzten Herbst kurz vor der Wahl zur Bezirksperiode II der als sicherer Gewinner für Mitte gesetzte Dr. Alexander Schmidt infolge eines Attentats aus dem Rennen schied, kam es überall in der Stadt zu wütenden Protesten vor den Wettbüros. Daraufhin wurde die laufende Wahl unterbrochen und erst Wochen später fortgesetzt, mit den bekannten Ergebnissen und weitreichenden Folgen für die folgende Berliner Wahl 2078:

Neben den „regulären“ Bezirkswahlen hätte die durch Ausscheiden von Yilmaz Wojenko als Bezirksvertreter für Spandau notwendig gewordene Neuwahl des Ersten Bürgermeisters zu neuen Rekordwetten geführt. Außerdem hatte der neue Bezirksvertreter für Spandau Fletscher (Jurek Kowalczyk) angekündigt, eine Volksabstimmung im Bezirk für den Wechsel vom Normal- zum Alternativen Bezirk durchführen zu wollen. Dies und die ebenso für Oktober angekündigte Bundestagswahl in der benachbarten ADL, an der die Berliner zwar nicht teilnehmen, auf deren Ergebnis sie wohl aber wetten können, hätte zu einem hohen Eskalationspotenzial im Fall weiterer kurzfristiger Ereignisse vor der Wahl geführt.

Nachdem der Fall ausführlich im Berliner Rat besprochen wurde und es wie üblich keine Einigung zur Idee einer möglichen „Entzerrung“ der Herbstwahlen durch Vor- oder Nachverlegung gab, verfügte der scheidende Erste Bürgermeister Yilmaz Wojenko in seiner Eigenschaft als Exekutivdirektor der BERVAG kurzerhand die Verlegung der Wahltermine direkt als „im Interesse der Sicherheit der Stadt und des sozialen Friedens“.

Als Folge hiervon wurden die Wahl zum Ersten Bürgermeister ebenso wie der Spandauer Volksentscheid auf „das schnellstmögliche Datum“ vorgezogen. Anfang Juni 2078 wurde so der erst im Herbst 2077 gewählte Bezirksvertreter von Mitte, Dr. Paul Zöller (Berliner Bankenverein/HKB), zum neuen Ersten Bürgermeister des Stadt und somit Exekutivdirektor der BERVAG gewählt. Parallel entschieden die Spandauer Bürger mit denkbar knapper Mehrheit, fortan als Alternativer Bezirk gelten zu wollen.

Der Termin der regulären Berliner Bezirkswahl am ersten Oktoberwochenende blieb davon unangetastet und wird wohl als eine der langweiligsten Wahlen in die Berliner Geschichte eingehen.

 Keine. Einzige. Verdammte. Umbesetzung.
 Nemascope

 Nach einer ganzen Reihe von Außenseiter-Siegen (Zöller BV von Mitte, Fletscher BV von Spandau, Spandau wird Alternativ …) diesmal ein klarer Sieg für alle gesetzten Favoriten, womit der Begriff „Favorit“ wieder sowas wie eine Berechtigung bekommen hat. Ich denke dennoch, dass übermäßig viele erneut auf die Underdogs in den einzelnen Bezirken gesetzt und massig Geld verbrannt haben.
 Roter Oktober

 Unterm Strich muss man sagen, dass Wojenkos Konzept der „Entzerrung“ der Wahl aufgegangen ist. Dass die Bundestagswahl verschoben werden würde konnte ja niemand ahnen, und beim Public Viewing der Hochrechnungen und Auszählungen mal im chilligen Sommerbiergarten zu sitzen hatte auch was Nices.
 Fienchen

Zur Posse wird der gesamte Vorgang freilich umso mehr dadurch, dass die einst für Oktober vorgesehene Bundestagswahl aufgrund heftiger Zweifel an der Verlässlichkeit der E-Voting-Systeme inzwischen auf November verschoben wurde.

 

berlinerrat2078

DASS die diesjährige Berliner Bezirkswahl in der Gruppe III eher unaufgeregt sein würde, stand dabei im Prinzip von vorneherein fest: So hatten AG Chemie und MSI für Groß-Siemensstadt keinen Zweifel daran gelassen, Dr. Robert Schlüter jun. im Amt belassen zu wollen.

Auch Fabian von Wittich ist für Potsdam aufgrund seiner ungebrochener Popularität bei Ober- und Mittelschicht so lange praktisch alternativlos, wie die Wahlbeteiligung im Neubabelsberger Ghetto unter der 15-Prozent-Marke bleibt.  

In Schöneberg hatte Gregor Thielke (CVP) trotz berechtigter Kritik an der ineffizienten Verwaltung der bezirklichen Haushaltsmittel keinerlei Schwierigkeiten, sich erneut gegen die weit abgeschlagene LDFP-Kandidatin Mareike Praschak-Sonneberg durchzusetzen. Mit Sorge beobachten allerdings einige Medien, dass sich der Zuspruch für die Kommunisten im Bezirk seit der Wahl vor drei Jahren fast verdoppelt hat – wenn auch auf noch niedrigem Niveau.

Der Proteus-Frau Izabella Buzek in Zehlendorf kam nicht zum ersten Mal in ihrer Karriere zugute, dass der wichtigste Gegenkandidat Manfred Dosse wenige Wochen vor der Wahl durch eine Autobombe ums Leben kam. Dass die charmante Mittvierzigerin und Mutter dreier Kinder damit etwas zu tun haben könnte, scheint angesichts ihrer soliden Führung in den Umfragen zum Zeitpunkt des Anschlages geradezu absurd.

Etwas wackliger endete schon die Wahl von Doreen Katschmarek in Strausberg-Fredersdorf. Erst ihr Beitritt zur Partei ESP und ihre über die Partei finanzierte Wahlkampagne mit großdimensionierten Plakaten, AR-Ads und wochenlanger Belegung der Video Walls an allen wichtigen Straßen des Bezirks verschaffte ihr die nötigen Prozentpunkte, um an ihrem anarchosyndikalistischen Konkurrenten Noel Duval vom Arbeiter-Policlub vorbeizuziehen.

Weithin unangefochten blieben dem gegenüber Mitra Özgün in Friedrichshsin-Kreuzberg und der amtierende Dritte Bürgermeister und Leiter des Schlichtungsausschusses Morek Pflügler in Lichtenberg.

 

 Morek Pflügler hätte den Wahlprognosen im Mai nach problemlos der neue Erste Bürgermeister werden können. Dafür allerdings hätte er zuerst als 3.BM zurücktreten müssen, was ihm wohl zu riskant war.
 Corpshark

 Nein, war es nicht. Ich hockte mit ihm zwischen März und Mai in mehreren endlosen Sitzungen des Schlichtungsausschusses fest, und Morek hat nie einen Zweifel daran zugelassen, dass er im Schlichtungsausschuss unverzichtbar ist und diese Pflicht auch in Zukunft weiter tragen wird. Abgesehen davon: Morek als CEO der BERVAG? Die fressen den doch zum Frühstück. Da ist Zöller der bessere Mann.
 Fienchen

 Die reden bei Zöller immer vom Sieg des Außenseiters. Ich sehe das ganz und gar nicht so. Er war in Mitte die ewige Nummer 2 hinter Schmidt. Als der flachfiel und ne zewitlang sogar als tot, im Koma liegend oder für’s Leben verkrüppelt galt KONNTE nur Zöller in Mitte siegen. Und als Wojenko in Spandau weggekegelt wurde – ja, das WAR überraschend! – war Zöller der Einzige, mit dem jede Seite leben kann. Keiner der Alternativen BVs, die sich zur Wahl gestellt hatten – Faber, Özdemir, Bronstein – hatte die geringste Chance, auf Konzernseite Stimmen zu kriegen, und keiner der zur Wahl stehenden Konzernfuzzies – Ozu, Thompson – hätte von den Alternativen auch nur 1 Stimme bekommen. Allenfalls Zöllers Konkurrenten aus den Normbezirken – Nordin und Thielke – hätten eine Chance gehabt, allerdings nur, wenn einer von ihnen die Kandidatur zurückgezogen hätte, um alle CVP-Spießerstimmen auf einen Kandidaten zu vereinen. Und selbst dann hätte es noch nicht gereicht, da Berlin viel zu viel Schiss davor hat, dass via die CVP die große „Heim ins Reich“-Agenda der Kanzlerin in der Freistadt Fuß fasst.
 Konnopke

 Neben allem, was gegen Zöllers Wettbewerber sprach, gibt es dann noch all das, was für ihn spricht: Er ist ein HKB-Mann und damit weder Lakai des FBV noch von S-K, was für unsere beiden Hauptstreithähne absolut akzeptabel – und das umso mehr, da Zöller dem Berliner Bankenverein vorsteht, dessen erklärtes Ziel die Förderung des Bankenplatzes Berlin und der wirtschaftliche Erfolg des „Unternehmen Berlin“ ist. Zudem besitzt Zöller reichlich Führungserfahrung, sowohl als Bankdirektor als auch im Aufsichtsrat mehrerer großer Unternehmen in England und Deutschland. Dass der langsam, aber stetig wachsende Filz in den BERVAG-abteilungen den dummen CEO von außerhalb an der Nase herumführen kann, ist unwahrscheinlich. Alle Konzerne und der größte Teil der Bürger – selbst der Alternativen – kann damit leben, dass an der Spitze der BERVAG ein erfolgreicher Manager sitzt, der die Geldverschwendung stoppt und die Effizienz aller Maßnahmen – auch der Hilfe für Notleidende – erhöht wird. Dass Zöller charismatisch ist und medial wie ein schelmischer freundlicher Großvater rüberkommt, öffnet ihm weitere Türen. Er wirkt einfach verdammt harmlos und man wünscht ihm, dass er Erfolg hat. Umso gruseliger, dass er jahrelang gegen diesen Vollarsch Schmidt verloren hat. God bless Halal!
 Fienchen

Quo vadis Berlin – Schicksalswahl mischt Karten neu!

WOJENKOS HEIMBEZIRK GEHT AN ANARCHOS, SCHWERVERLETZTER SCHMIDT DURCH ZÖLLER ERSETZT, PFLÜGLER ERNEUT IM AMT BESTÄTIGT

[07.11.2077] Die Berliner Herbstwahl 2077 ist vorbei. Endlich, möchte man sagen, denn damit finden 5 Wochen voller Unsicherheit, brennender Wettbüros, Verschwörungstheorien und Proteste in der zerrissenen Stadt ihr vorläufiges Ende. Oder zumindest ist das die allgemeine Hoffnung der Stunde.

Zur Erinnerung: Das Unheil begann, als der wegen seiner offenen Verbindungen zur PNE und anderer rechten Gruppen seit Jahren umstrittene Vertreter des Bezirks Mitte, Dr. Alexander Schmidt, kurz nach Übertragung der Live-Stimmeneingabe bei Freischaltung der Kommlinks und damit zeitgleicher Veröffentlichung der wichtigsten Wettquotenfeeds am Wahlsonntag des 3. Oktober von dem linksautonomen Ork Fabian „Halal“ Akansu auf seiner privaten Wahlparty mit elf Schüssen niedergestreckt wurde. Als der vermeintliche „Tod“ über die üblichen Blogs und Blitzfeeds verbreitet wurde, brachen binnen kürzester Zeit an verschiedenen Stellen der Stadt Unruhen aus: Rechtsradikale und Metamenschenhasser ließen ihrem Zorn freien Lauf, Linke und Metamenschenaktivisten formierten den Widerstand, während andere Linke und Metamenschenaktivisten einen weiteren „Tag der Abrechnung“ herangekommen sahen und gegen bekannte „Fascho-Kieze“ losschlugen. Vor allem aber gerieten jene außer sich, die – wie in Berlin seit der Einigung zunehmend üblich – ein kleines oder auch größeres Vermögen auf den Wahlausgang gesetzt hatten, und die sich durch die radikal neue Situation um ihre Gewinnchance geprellt fühlten (ein Sieg des einzig relevanten und seit Jahren erfolglosen Gegenkandidaten Dr. Zöller vom Berliner Bankenverein galt als extrem unwahrscheinlich).

Als im Laufe des Tages die Stimmung in der Stadt zunehmend hochkochte – und längst nicht klar war, was die Ursache, geschweige denn das Krisenpotenzial der diversen Einzelkonflikte war – unterbrach Yilmaz Wojenko in seiner Eigenschaft als Hauptgeschäftsführer des Berliner Verwaltungskonzerns BERVAG „vorübergehend“ die Wahl, um Sicherheitskräften und dem Berliner Rat die Möglichkeit zu geben, die Situation zu bewerten und geeignete Maßnahmen zur Durchführung einer geordneten Wahl zu ergreifen.

 Den Aspekt hab ich immer noch nicht gerafft. Ich meine: Okay, Wojenko war– ist – erster Bürgermeister und als solches HGF/CEO der BERVAG. Aber wie hat er als solcher die Wahl stoppen können – und vor allem: Warum hat er es nicht als Bürgermeister getan?
 Phazor

 Das ist tatsächlich ein bisschen schwer zu verstehen, und mehr als nur ein wenig problematisch. Die Kurzversion lautet: Weil niemand, auch und erst Recht nicht der Bürgermeister – egal ob Erster, Zweiter oder Dritter – in Berlin das Recht hat, eine Wahl zu beenden, zu unterbrechen, zu verschieben oder auch nur in einem winzigen Nebenaspekt zu beeinflussen. Gleichzeitig hat aber der Verwaltungskonzern – unser aller BERVAG – die Pflicht (und jedes dazu notwendige Recht) den Frieden in der Stadt zu erhalten. Und ganz besonders dann, wenn „politische“ Systeme versagen, also der Berliner Rat keine Einigkeit erlangt oder eine Situation sofortige Maßnahmen erfordert. Wojenko hätte als Bürgermeister rein gar nichts machen können – als HGF der BERVAG hingegen konnte er den technischen Abbruch des überwiegend per Online-Wahl stattfindenden Wahlprozesses veranlassen, und das mehr oder weniger problemlos.
 Fienchen

 Wie – und da ist kein anderer der drei Bürgermeisterdeppen, kein Ratsmitglied und kein Krisenausschuss zwischengeschaltet?
 Headcase11

 Doch, natürlich. Aber eben nicht effektiv. Wojenko musste, ehe er die Wahl effektiv stoppen ließ, den Rat bzw. mehrere, voneinander unabhängige Krisenentscheider informieren und um deren Weisung ersuchen. Nur wenn diese keine Einigung erzielen – in einer „der Krise angemessenen“ Zeit, wohlgemerkt – hat er Handlungsfreiheit. Und natürlich gab es keine Einigkeit dazu, wie man mit der Situation umgehen soll. Ich will nichtmal sagen, dass Wojenko sich das so ausgerechnet und gewünscht hat – dem wäre es WEIT lieber gewesen, seine Entscheidung zum Wahlabbruch wäre durch den Rat oder seine MitBMs gedeckt gewesen – aber so lief es halt nicht.
 Fienchen

 Wie kann denn AUSGERECHNET in Berlin ein solches Humbug-System existieren, dass einem Einzelnen derart viel Macht gibt?
 Headcase11

 Sieh es mal so: 90% des Berliner Betriebes ist darauf aufgebaut, dass jeder sein Sonderrecht bekommt, jeder Freak gehört wird, jeder Kiez sein Vetorecht hat. Unterm Strich ist die Berliner Einigung ein reines Verhinderungssystem, das nur dadurch „fair“ ist, dass niemand bekommt, was er will, aber jeder in seinem Gebiet in Ruhe gelassen wird. Nun, und damit aber eben nicht das totale Chaos ausbricht – schließlich gibt es da dieses seltsame Interesse der Berliner Konzerne (und, oft übersehen, das professionelle Geschäftsinteresse des kontinuierlich stärker werdenden organisierten Verbrechens, das mehr und größere Produktions- und Verteilerzentren in Berlin aufbaut) an Frieden und Geschäftsfähigkeit – ist die BERVAG komplett als Failsafe gestrickt: Wann immer die politischen Systeme versagen, kann, soll und muss die BERVAG dafür sorgen, dass das „Business as usual“ weitergehen kann. Vereinfacht gesagt: In der Berliner POLITIK geht nur was, wenn es eine überwältigende Mehrheit dafür gibt. In der Berliner VERWALTUNG geht ALLES, sobald es KEINE Mehrheit in der Berliner Politik gibt. Und die Folge dieser Bauweise wird von Jahr zu Jahr immer offensichtlicher.
 Fienchen

 Und ehe jetzt wer auf die Barrikaden gegen den bösen Berlinkonzern geht sei auch das gesagt: Die BERVAG ist ein Konzern öffentlichen Rechts, der den BERLINERN gehört. Ja, das macht es weit schwieriger, Widerstand gegen ihn zu organisieren, und auch das ist natürlich volle Absicht der Freimaurerilluminatenelfendrachen, die hinter den Mauern der BERVAG an der Gleichschaltung aller Seelen der Welt arbeiten *Ironie off*
 Nakaira

 Nebenfrage: Was ist nun eigentlich wirklich aus Halal geworden? Es gibt widersprüchliche Berichte…
 Konnopke

 Das ist eher unspektakulär: Halal war (wie überhaupt sämtliche anwesende Metas) als Kellner auf der Wahlparty. Nachdem er seine Schüsse abgegeben hatte, ist er von der Security vor Ort (SS natürlich) in kürzester Zeit erschossen worden. Gerüchte, dass er überlebt hätte, sind reines Wunschdenken bzw. Verschwörungstheorie.
 Tolstoi

 Naja, von Schmidt hieß es auch ne ganze Weile er sei tot, gell? Und was immer mit Halal geschah, ist in jedem Fall schwer verdächtig: Wurde er sofort erschossen, wollte ihn jemand ganz offenbar mundtot machen, um zu tarnen, wer seine wahren Auftraggeber waren. Wurde er hingegen lebend vom Tatort weggebracht, war das entweder Teil des Plans des Auftraggebers, oder Schmidts Leute werden herausbekommen wer die Hintermänner sind und gegen diese losschlagen.
 Isfet

 Dass Halal einfach nur ein Einzeltäter war, der ein verschissenes Nazikapitalistenschwein umpusten wollte, ist wohl keine Option, was?
 Antifa

 Da gibt es angesichts des Umstandes, dass Schmidt überlebt hat, noch andere Optionen. Etwa die, Schmidts Credibility als tötenswert wichtigen Naziführer zu untermauern/ihn zum gerade so eben verschonten Märtyrer aufzubauen und Munition gegen Diebeschmarotzerterroristenvergewaltigermörderorks zu generieren.
 Nakaira

Nach Abbruch der Wahl fanden auf verschiedenen Ebenen – und vor allem im Berliner Rat – Gespräche zum weiteren Vorgehen statt. Parallel wurde publik, dass Dr. Schmidt das heimtückische Attentat zwar überleben würde, er aber zugleich so schwer verwundet wurde, dass seine weitere Wahlteilnahme und eine etwaige Amtsausübung im Falle seiner Wahl gänzlich ausgeschlossen wäre. So informiert, konnten die Berliner Buchmacher ihre Quoten anpassen, die meisten Wettenden erhielten ihr Geld zurück und konnten heute, fünf Wochen später, ihre Wette und, sofern sie in einem der betroffenen Bezirke registriert sind, ihren Wahlentscheid neu treffen.

Wie schon bei der letzten Wahl der Periode II stand der Entscheid in Tempelhof und Prenzlauer Berg am Schnellsten fest: In beiden Bezirken war der Vertreter bereits vorab durch konzerninterne „Wahl“ bestimmt und bekannt gegeben worden: Demnach bleiben Dr. Franziska Landolt für Saeder-Krupp in Tempelhof und Takeshi Ozu für Renraku im offiziell gerade zu Renrakusan umbenannten Bezirk Prenzlauer Berg im Amt.  

Ebenso schnell war die Wahl zum Zweiten Bürgermeister entschieden, bei der – ebenso in Kopie der Wahl von 2074 – Morek Pflügler innerhalb kürzester Zeit uneinholbar nach vorne schnellte, um am Ende sein bisher bestes Wahlergebnis von berlinweit 88,9% der Stimmen einzufahren.

Dass trotz leicht nachlassender Popularität sowohl Wladimir Igorewitsch Bronstein in Pankow und Lena Rabeja in Köpenick ihr Amt verteidigen konnten, vermochte niemanden zu überraschen. 

Spannend blieb es im Laufe des Wahltages in Falkensee, wo sich am Ende aber doch „Dönerkönig“ Aslan Özdemir gegen seine insgesamt 14 Herausforderer mit solider Mehrheit durchsetzen konnte.

Unbenannt

Ohnehin aber hatte es seit dem Anschlag auf Schmidt nur zwei Themen gegeben, welche die Gemüter der Berliner erregen und die Beruhigungsmitteldealer der Buchmacher zu neuen Rekordeinnahmen bringen konnten: Der Ausgang der Wahl in Mitte und Spandau.

Da unklar blieb, ob und wenn ja wann Dr. Alexander Schmidt sein Amt antreten könnte, brachen in den Wochen vor der Wahl seine Werte immer weiter ein. Befeuert wurde diese Entwicklung nicht zuletzt davon, dass die PNE sich dazu entschloss, einen eigenen Kandidaten, Bernhard Schäfer, ins Rennen zu schicken. FBV-seits bestanden zwar in Gestalt der CVP-nahen Henriette Bahr und der unparteiischen Gabriele Siegert gleich zwei „hauseigene“ Ersatzbewerber, von denen aber keine „offiziell“ als Vertreterin der FBV-Interessen auf den Plan trat. Ganz im Gegenteil hatte man bereits vor der Wahl, also noch zu Zeiten, als Schmidt sich bester Gesundheit erfreute, andeuten lassen, dass der FBV insgesamt eher unglücklich über das (partei-)politische Engagement von Konzernangehörigen sei. Man wünsche sich beim FBV „etwas weniger politisches Scheinwerferlicht“, wie sich die Quelle „Node“ unlängst auf Corpleaks äußerte. Insgesamt ist somit also der Sieg des bereits bei der letzten Mitte-Wahl angetretenen Dr. Paul Zöller (Berliner Bankenverein/HKB) keine allzu große Überraschung, auch wenn sein Amtsgewinn mitunter als solche inszeniert und gefeiert wurde.

 Ich denke nicht, dass sich mit dem Wechsel der Person in Mitte allzu viel ändert. Schmidt und Zöller sind beides Bänker, der eigentliche Machthaber bleibt also derselbe. Ich sage das im vollen Bewusstsein aller Differenzen zwischen FBV und HKB – das gemeinsame Interesse an einem starken und „freien“ Bankplatz in Berlin ist so überwältigend, dass selbst blutigste Fehden davor verblassen.
 Corpshark

 Nicht umsonst kann man das Wort „Regieren“ nicht ohne die Buchstaben G-I-E-R bilden …
 Roter Oktober

 Man sollte dennoch nicht übersehen, dass Berlin ohne einen Mitte-Mann des FBV wieder ein klein wenig S-K-freundlicher geworden ist. Auch wenn Halal kein Scharfschützengewehr deutscher Bauart verwendet hat. Just saying.
 Tolstoi

 Also. HKB ist auch nicht gerade der dickste Freund von S-K …
 Nemascope

Die wahrhaftige Sensation des heutigen Wahltages ist natürlich das Ergebnis im Normbezirk Spandau, wo Ratspräsident Yilmaz Wojenko nach einer stundenlangen Zitterpartie hauchdünn gegen den „Chef von Eiswerder“ Fletscher (ohne Nachnamen) und dessen eilends geschmiedete Vereinigung Alternativ-Autonomes Spandau unterlag. Trotz noch immer hoher Popularität als Erster Bürgermeister von Berlin, befand sich Wojenkos Popularität im eigenen Heimatbezirk Spandau seit Langem im stetigen Sinkflug begriffen: Zu viel Repräsentanz und Schi-Schi, zu viel Fokus auf Gesamtberlin, vor allem aber zu wenig greifbare Erfolge in Spandau und nun zuletzt die extrem umstrittene „Absage“ der Berlinwahl hatten dazu geführt, dass die geradezu „historisch unzufriedenen“ Spandauer „ihrem“ Bürgermeister den Rücken kehrten. Dennoch: einen tatsächlichen Machtwechsel hatten nicht einmal risikofreudige Buchmacher auf dem Schirm, war doch Wojenkos letzte ernstzunehmende Gegenkandidatin Doris “Yori” Floricic durch Übernahme der operativen Aetherlink-Leitung und damit einhergehenden Wegzug aus Berlin aus dem Rennen geschieden. Der Eiswerder Autonomenführer Fletscher hingegen scheint, so stellen es verschiedene Spandauer Blogs aktuell dar, im Angesicht der plötzlich fallenden Popularität Wojenkos alle Hebel in Bewegung gesetzt zu haben, die „Stimmen der Unzufriedenen“ auf sich zu vereinen. Und das sind im schon unter Aztechnology verfallenden Spandau nicht gerade wenige. 

Für Berlin hat Wojenko Abwahl in Spandau zwei ganz unmittelbare Konsequenzen:

Erstens, dass Wojenko nur noch bis zur nächsten Wahl des Ersten Bürgermeisters im Amt bleiben kann, da man Bezirksvertreter sein muss, um zum Ratspräsidenten gewählt zu werden. 

Zweitens, dass erstmals seit der Berliner Einheit ein stadtbekannter Anarchist zum Vertreter eines Normbezirks gewählt wurde. Zwar nicht direkt in seiner Funktion als Anarchist, aber doch mit der deutlichen Ansagen „Fehlentwicklungen“ im Berliner system die Stirn bieten zu wollen und ein „neues Miteinander“ im Speziellen zwischen Autonomen und den „neuen Berliner Alternativen“ zu unterstützen. Ob dies aber wiederum in der Form eines Normbezirkes geschieht oder ob Spandau der erste Berliner Bezirk wird, der vom Norm- zum Alternativen Bezirk wird, bleibt abzuwarten. 

 Schon jetzt überschlägt sich der Boulevard mit Hiobsbotschaften vom Untergang Berlins. Unstrittig aber ist in der Tat, dass Berlin sich eher von der „Normalität“ des Modells Normbezirk weg- als zu dieser „Norm“ hinbewegt.
 Zaffke

 Sieht man sich an, wo es in Berlin bisher Wechsel an der Spitze gab, fällt schon auf, dass das meist in den Normbezirken war.
 Rotornormalverbraucher

 Nun verwechsele mal bitte nicht gesunde Demokratie mit Chaos. Dass es in den Normbezirken zu gemeinschaftlich bestimmten Wechseln des Repräsentanten kommt, ist eher ein Argument FÜR als GEGEN diese. Mich stimmt es ehrlich gesagt nachdenklicher, dass die Führungsspitze in den so genannten Alternativen Bezirken immer mehr den Spitzen der Konzernbezirke gleicht, was ihre Unverrückbarkeit (und auch ihre politische Unbeweglichkeit) angeht.
 Fienchen

 FREIES ANARCHISTISCHES SPANDAU!
 Alligatower

Wahlergebnis Berlin, Periode I/2076

gnb-logoKaum Überraschungen bei der Wahlperiode I 

[05.10.2076] Wie immer am ersten Oktober-Wochenende waren die registrierten Bürger einiger Berliner Bezirke auch in diesem Jahr aufgefordert, ihren Bezirksvertreter zu bestimmen. 2076 betraf dies die Einwohner in den Konzernbezirken Aztech-Schönwalde und Tegel, den Normbezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Reinickendorf sowie den Alternativen Bezirken Oranienburg, Gropiusstadt und Marzahn-Hellersdorf.

Bezirksübergreifende Themen der Wahl waren der herrschende Streit um eine Aufsplittung des Berliner Polizeivertrages zwischen dem Sternschutz und dem neu gebildeten „Alternativen Polizeidienst“ ČMSK (Sonderkommando Schwarzer Bär) sowie die anhaltende Unfähigkeit des Berliner Rates, zu einer gemeinsamen Handlungsstrategie für die KFS-Bekämpfung zu kommen. Dabei würdigte man immerhin die Entscheidung des Rates, eine KFS-Sonderberaterin vom Robert-Koch-Institut (Dr. Karoline Baader) als Beisitzerin des Rates für die Dauer der Krise wie von ADL-Botschafterin Dr. Isabelle Jandorf vorgeschlagen zuzulassen.

Der Live-Wahl folgten erneut mehrere Millionen Berliner via KommLink, Sozialen Netzwerken, DeMeKo-Sonderstreams und vor allem beim Public Viewing während der Live-Einspielung der Abstimmergebnisse.

 Für Außenstehende sei kurz erklärt, dass entgegen dem medial präsentierten Eindruck eben KEIN zentrales Wahlverfahren existiert. Zwar sieht der Berliner Einigungsvertrag auf Druck der ADL einen Zwang zur Einhaltung gewisser demokratischer Mindeststandards vor – die ADL kann Berlin nur als assoziiertes Mitglied akzeptieren, wenn das Berliner System „rechtsstaatlich“ ist – aber in der Durchführung macht jeder Bezirk, was er will, und darf das als Folge des Rechtes auf Selbstverwaltung auch ausdrücklich. Was also bei jeder Wahl tatsächlich passiert, ist, dass jeder Bezirk irgendwann ein „Wahl“ergebnis präsentiert, das zwar auf demselben Grundprogramm zur Abstimmung per KommLink beruht, in das aber jeder Bezirk eigene lokale Spielregeln eingeben kann. Aztech-Schönwalde z.B. macht wie die meisten Konzerne irgendwelche Abstimmergebnisse nicht öffentlich, sondern lässt einfach einen Sprecher vortreten und ein Statement abgeben, dass Cazares weiterhin im Amt bleibt (wie geschehen), während in Charlottenburg-Wilmersdorf mit Hilfe der dort dominanten DeMeKo ein regelrechter Wahlkrimi inszeniert wird, inklusive Live-Schreirunden der einschlägigen Radikalvertreter und einer NICHT-livesynchronen, sondern einer inszeniert schrittweiser Preisgabe der Voting-Daten, natürlich so orchestriert, dass es zu überraschenden Wendungen und Telenovela-reifen Szenen kommt. Im prokommunistischen Köpenick wiederum wird aus Gründen einer fast schon neo-luddistischen Verachtung für das „konzerngesteuerte Unterdrückungswerkzeug“ der Matrix die Wahl nur per Wahlkabine und Stimmzettel durchgeführt und das „amtliche Ergebnis“ der Auszählung dann von Beuftragten der kommunistischen Partei in das E-Voting-System eingespeist. Eine eigene E-Voting-Teilnahme per Kommlink ist zwar möglich, die Teilnehmer an dieser werden aber dem Köpenicker Wahlbeauftragten der Partei als nichtanonymisierte Liste angezeigt – offiziell, damit eine Doppelabgabe von Stimmen ausgeschlossen wird, tatsöächlich aber auch, damit die Partei diesen Dissidenten und Nutzer kapitalistischer Stimmverfälschungswerkzeuge im Auge behalten oder „mal mit ihm reden“ kann.
 Nakaira

 Generell kann man sagen, dass in den Normbezirken die Wahlen tatsächlich zu 100% „als Wahl“ über das BERVAG Votingtool stattfinden, eben über Einblendung eines AR-Fensters mit Voting-Funktion (priorisierte AR-Nachricht des Netzwerk Berlin). Andere Bezirke „sollen“ sich an diesem Voting-Standard beteiligen, tun es aber oft nicht: Die Konzerne haben „eigene Voting-Programme“, die natürlich „viel besser“ und vor allem sicherer (für die Konzerne) sind. Meist haben diese eher den Charakter eines „internen Vorschlagswesens“, so wie sich Konzerne ja ganz generell gerne den Anstrich scheinbarer Mitbestimmung der Angestellten geben. Bei den Alternativen Bezirken hingegen dominieren oft Systeme gestaffelter Versammlungen: Eine Haus- oder Kiezgemeinschaft einigt sich auf einen Repräsentanten – zum Beispiel den Ork, der jedem die Fresse einschlägt, der ihn nicht als Repräsentant haben will, oder den Kopf der örtlichen Gang, oder den Mann, den die lokale Mafia unverbindlich vorschlägt, oder tatsächlich einen versierten Schlichter oder sonstigen Sokaren des F-Berliner Systems – dann nehmen die Repräsentanten der untersten Ebene an einer Versammlung auf nächsthöherer Ebene teil, wo sich dasselbe Spiel wiederholt. In Lichtenberg finden dank eines Engagements von Morek Pflügler in Kooperation mit den Berliner Schockwellenreitern sowohl ständige (virtuelle) als auch tatsächliche Vollversammlungen des gesamten Bezirks statt, an denen jeder persönlich teilnehmen und mitbestimmen oder per bezeugter Erklärung seine Stimme an eine Vertrauensperson delegieren kann (gelebte Liquid Democracy). Gerade an den tatsächlichen (offline) Versammlungen nimmt natürlich nur ein verschwindend kleiner Teil der Bezirksbürger teil, der dann aber immerhin rund 80% der Einzelstimmen im Bezirk vertritt (natürlich wiederum geclustert nach Interessengruppen wie Policlubs, Parteien, Gangs etc.). An den regulären Wahlterminen werden die Lichtenberger dann dazu aufgefordert, über das BERVAG Votingtool denjenigen zu wählen, auf den man sich über das Lichtenberg-eigene System vorher geeinigt hat (also bisher: Morek Pflügler). Das Lichtenberger System der ständigen Vollversammlung besitzt viel Potenzial dazu, irgendwann zum tatsächlichen Meinungsbildungstool von Berlin zu avancieren: Durch das ihm zugrundeliegende Prinzip der direkten Demokratie ließen sich jedenfalls eine ganze Menge der Widersprüche zwischen Zentralgewalt und Vetorecht der unteren Ebenen auflösen. 
 Fienchen

 Liquid Democracy als Lösung für die typischen Berliner Polit-Probleme fliegt schon seit Ewigkeiten durch den Raum, scheiterte aber bislang an einer tragfähigen, funktionierenden Online-Versammlung bzw. dem dahinterstehenden System zur sicheren und nachvollziehbaren Verwaltung der Rechte (wer hat wieviel Stimmen vom wem wann übertragen bekommen, geschah dies ohne Druck und lebt derjenige überhaupt noch, der die Stimme übertragen hat, bzw. hat er überhaupt je gelebt?) und zur Erfassung der Stimmen (wird jede abgegebene Stimme tatsächlich korrekt erfasst, und wie kann das der Abstimmende zu jeder Zeit verlässlich nachprüfen?). Mit den Mitteln der Neuen Matrix und einem tatsächlich von den Alternativen mitkontrollierten Netzwerk Berlin ist Liquid Democracy zumindest technisch in Reichweite gerückt. Ob indes das Berliner Politische System ein INTERESSE daran hat, den Bürgern mehr direkte Mitsprache zu geben, ist fraglich. Es könnte allerdings das kleinere Übel sein gegenüber einem System, das auf Krisen wie KFS keine zentrale Vorgehensweise zustande bringt, weil es sich nonstop selbst blockiert.  
 Konnopke

Das Ergebnis der Wahl blieb dabei einigermaßen unspektakulär – die herrschende Streitstimmung im Rat schlug offenbar kaum auf die Wähler über. 

 Siehe oben: In einem System, dessen Regierung durch Vetos der unteren Ebenen eh faktisch daran gehindert wird, exekutive Entscheidungen zu treffen, spielt die Wahl der Regierung eigentlich keine Rolle. Ob dieser oder jener „da oben“ sitzt, ist für das daily Biz und Leben der Berliner eigentlich ziemlich Wurst. Da spielen die Entscheidungen innerhalb des Bezirks die deutlich größere Rolle. 
 Nakaira

 Jammern über die Politik ist Berliner Volkssport. Dabei wird aber übersehen, dass mit der BERVAG zu jeder Zeit ein Exekutivorgan am Start ist, das sehr wohl durch seinen CEO und Ersten Bürgermeister Yilmaz Wojenko administrative Entscheidungen fällen und berlinweite Politiken umsetzen kann. Auch die BERVAG hat nämlich einen eingebauten „Failsafe“, der dem Verwaltungskonzern zu jeder Zeit gestattet, „notwendige“ Entscheidungen zu fällen, wenn das Ratspräsidium keine direkt gegenteilige Entscheidung gefällt hat. Das bedeutet für alle Fälle, in denen keine Entscheidung des Ratspräsidiums vorliegt, dass die BERVAG (innerhalb gewisser Grenzen) eigentlich machen kann was sie will. 
 Antifa

 Es sollte zudem nicht vergessen werden, dass diese ganze teuer erkauften Stimmenkontingente im Ratspräsidium ja auch nicht völlig nutzlos sind. Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass gewisse der ganz großen Streitthemen bewusst „in der Schwebe“ gehalten werden, obwohl die Bezirke mit den meisten SIN-Bürgern und der höchsten Abgabesumme sehr wohl in der Lage wären, einen Entscheid zu forcieren. Vielleicht bilde ich mir aber auch Landolts Lächeln nur ein, wenn sie auf Anfragen der ADL-Regierung bedauernd erklärt, dass es für die Umsetzung der Hannoveraner Vorgabe leider keine Mehrheit im Präsidium gab.
 Konnopke

So bleibt Ferdinand Cazares der Aztechnology-Bezirksrepräsentant von Aztech-Schönwalde, ebenso wie der amtierende Dritte Berliner Bürgermeister Michael Koslowski der Z-IC-Ratsvertreter für Tegel bleibt. In Oranienburg bleibt der 72-jährige BGS-Oberst a.D. Ralph Faber Repräsentant des Bezirkswillens, in Gropiusstadt bleibt der undurchsichtige, aus ärmlichen Verhältnissen stammende Aleksandr Sukrow an der Macht, nachdem sich einer seiner Gegenkandidaten kurz vor der Wahl erhängte, zwei weitere Kandidaten spontan zurücktraten und der verbliebene Gegenkandidat entgegen seinem zuvor von seinen Firmensponsoren an die Presse verteilten Script unverhohlen vor laufender Kamera zur Wahl Sukrows aufrief. Die wachsende Kritik an Sukrow, der sich mit gewalttätigen lokalen Gangs umgibt und offene Kontakte zum organisierten Verbrechen pflegt, machen auf den „König von Gropiusstadt“ offenbar wenig Eindruck.

Zwischenzeitlich unsicher schien die Wiederwahl von Milena Kilic, die in vergangenen Monaten mehrfach wegen angeblicher Bestechungsaffären sowie einiger peinlicher Auftritte in der öffentlich Ziel des medialen Interesses war. Erst in letzter Sekunde konnte sie sich gegen ihre Gegenkandidatin Sonja Klupp von der Vereinigung der Ladenbetreiber der Kurfürstenmall durchsetzen. In einem Statement nach Ende der Wahl dankte Kilic der „fairen Berichterstattung“ der Medien, die in den Tagen vor der Wahl „ausgleichend“ positiv über ihre Karriere und positiven Einfluss auf den Bezirk berichtet hatten.

 Ich übersetze mal eben: Kilic war durch einige Entscheidungen im Bezirk, aber auch betreffs Politiken des Rates bei der DeMeKo in Ungnade gefallen, die daraufhin eine echte Schmutzkampagne gegen sie veranstaltete, inklusive Einsatz von Runnern zur Beschaffung kompromittierender Finanzdaten und Vergiftung mit Drogen in unpraktischen Momenten. Offenbar hat Milena Kilic gekuscht und dadurch den Segen der Medien zurückerhalten. 
 Nakaira

 Ne Ahnung, was der Stein des Anstoßes für den Zoff zwischen DeMeKo und Kilic war?
 Antifa

 Hauptsächlich ging es um Immobiliendeals und Baugenehmigungen bzw. die städtebauliche Planung im Bezirk. Die meisten Charlottenburger lehnen noch in den 60ern von den Konzernen beschlossene Maßnahmen zur Umgestaltung der City-West speziell im Bereich Kantstraße ab, die DeMeKo hingegen ist in gleich mehrere Großbauprojekte involviert, von denen das Metropolis quasi nur ein Vorgeschmack war. Siehe auch dieser etwas ältere Artikel (man beachte die Erwähnung Elianars, dessen Gruppe ja die Metropolis-Arkologie (und die Sersakhan-Elfenwohnanlage im Wedding) designte).  
 Nakaira

 

Einen wenn auch erwarteten, ja unvermeidbaren Wechsel gab es in Marzahn-Hellersdorf, wo der publikumsscheue, exilrussische Finanzmagnat Jaromir Kotov dem vor wenigen Tagen während einer Schießerei zwischen verfeindeten osteuropäischen Gangs zu Tode gekommenen Murat Ünsel nachfolgt.

berlinerrat-okt2076Die interessanteste Entscheidung fiel dann auch in Reinickendorf, dessen früherer Bezirksvertreter Krysztof Cezary Ronczewski auch weiterhin unter KFS-Quarantäne verbleibt. Die Vertretung der Bezirksinteressen war übergangsweise von dessen Stellvertreterin Tanja Abt übernommen worden, die sich aber nicht zur Wahl stellte. Zur Wahl standen stattdessen Kandidaten aller großen ADL-Parteien, die seit Einigung Berlins zum Teil mit erheblichem Aufwand versuchen, in Berlin erneut auf breiter Front Fuß zu fassen, bisher außerhalb Reinickendorfs mit wenig Erfolg. In einer durchaus knappen Wahl konnte sich die Kandidatin der Reinickendorfer CVP, Sofia Nordin, mit 27,6% gegen ihre engsten Gegner Serafina Pazak (USPD, 14,7%), Mu’tazz Suhail Hakimi (PNO, 11,6%) und Myron Yegonov (ASU, 8,4%) durchsetzen.

Sofia Nordin ist CVP-Parteimitglied seit 2072 und zudem Leiterin des Reinecke-Forums, einer Plattform für Geschäftsleute und Firmenvertreter mit Interesse an der vor allem wirtschaftlichen Entwicklung des boomenden nordberliner Bezirks. Nordin arbeitet in der Verwaltung des Biotechnologieparks Berlin (BTPB) am Tegeler Hafen, dem Hauptsitz von Schering Berlin.

Ihr Wahlsieg verpasste verlautbarten Plänen Myron Yegonovs einen empfindlichen Dämpfer, die ASU zur dominierenden Partei in Berlin zu machen. Yegonovs Familie gehörte zu den Profiteuren der Berliner Anarchie: Aus ärmlichen Arbeiterverhältnissen kommend, gelang es Myrons Vater Damien Yegonov in den Jahren der Anarchie, ein gigantisches Immobilien- und Finanzimperium aufzubauen. Yegonov zählt damit zu den wenigen „Anarchiemillionären“ in Berlin und wird gerade deshalb innerhalb der anarchistischen Szene sehr kritisch betrachtet. „Ohne Yegonov hätten wir bestimmt 10% mehr holen können“, sagte am Abend der Wahl der zuvor ausgeschiedene ASU-Kandidat für Reinickendorf Keke Automag Fickdich.

 Soll der Name ein Witz sein? 
 Corpshark

 Ja. Und ist trotzdem ein gültiger Name. In der Berliner Anarchie und dem 2. Crash gingen jede Menge Personendaten verloren. Mit der Vergabe der VolkSIN geht einher, dass man seinen Namen festlegt, und da es ja eben gerade KEINE Papiere oder Nachweise zur Identität davor gibt, legt man diese in der Regel selbst fest. In mehreren Grundsatzentscheiden wurden zunächst vorgesehene Sperren gegen scherzhafte, prominente oder verunglimpfende Namen schrittweise demontiert und abgeschafft, auch um so viele SINlose wie möglich „ins SIN-System zu kriegen“. Wundere dich also nicht, wenn du in Berlin gelegentlich Leute mit Nachnamen wie Hitler, Megaficker, Dicksterschwanz, Trollpride oder Konzerntod findest.
 Antifa

 Gilt sinngemäß auch für Straßen- und Platznamen. Hier war der gesicherte Namensbestand dank der diversen Touri-Maps und zugeordneter Kartenservices (inklusive Totholz-Archiven) zwar trotz Anarchie und Crash um einiges größer, dafür aber haben Bezirke innerhalb ihrer Selbstbestimmungsrechte natürlich die Freiheit, Straßen so zu nennen, wie sie wollen – sofern die Namensfestlegungen eben an die BERVAG gemeldet und von dort in die Mapservices (und ALI!) eingespeist werden. Das sind im Monat auch jetzt noch gut 500+ Änderungen, unter besonderer Beachtung des „Verkaufs“ von Straßennamen an Sponsoren, die dafür den Straßenzug instandsetzen oder die nahen Gemeinschaften sonst irgendwie fördern (ja, es gibt in Berlin sowohl mehrere nach Shiawase-Familienangehörigen benannte Straßen wie auch eine Ruhrnuklear-Straße, einen Kombatmage-Platz, einen Soynetto-Weg, eine NuKola-Plaza und eine Nerps-Allee. 
 Tolstoi

Das Ratspräsidium hat die für 2076 vorgesehene Wahl zum Dritten Bürgermeister ohne Angabe von Gründen auf November vertagt.

 Aha? Warum das denn?
 Konnopke

 Soweit man munkeln hört, weil es diesmal tatsächlich einen oder sogar mehrere ernstzunehmende Gegenkandidaten gibt. Dabei scheinen sich gerade die Bezirke mit den größten Stimmkontingenten uneins zu sein, was bedeuten kann, dass ein anderer Megakonzern einen BM für die kommenden 3 Jahre aufstellen will, um bestimmte Schlüsselpolitiken noch effektiver durchzudrücken zu können. Aktuell schwelen Hinterzimmergespräche, Geheimabsprachen, Einflussnahmen auf Top-Niveau … 
 Nakaira

 Wenn ich einen Tipp abgeben müsste, würde ich auf Renraku, den FBV und/oder S-K setzen. Die Japancorps puschen das Berlin-Biz aktuell extrem kräftig und haben erkennbar Großes vor. S-K umgekehrt sieht die Chance, den ungeliebten Sternschutz abzuschießen, der FBV wird exakt das verhindern wollen. Das klingt nach gutem Biz.
 Tolstoi

 

[44] Eine Woche nach dem blutigen 1.Mai 2076

Sender44Schon unmittelbar nach den Rekordkrawallen zum 1. Mai im letzten Jahr war klar, dass es in diesem Jahr auf eine Revanche der Aggro-Parteien hinauslaufen würde. Dazu hatten auch unzählige in Randale eskalierte Demos gegen das Überwachungsnetz (siehe auch hier), die unverschämt offene Zensur alternativer Berliner Medien, der weiterhin schwelende, in Teilen zum Streit um das Berliner Waffenrecht mutierte Berliner Polizeistreit und mehrere Schikanen der BERVAG-Unternehmen gegen die Hoheitsrechte der Kieze und Bezirke wie z.B. durch Aussetzen des Winterdienstes beigetragen.

Und umgekehrt: Die Zunahme der Schikanen der alternativen Gebiete gegen alle Arten von Diensten, die von extern kommen. Feuerwehr inklusive.
Nakaira

Autonome und Sternschutz-Bullizisten hatten einige offene Rechnungen, und der 1. Mai sollte Zahltag sein – das wurde zumindest in diversen Anarcho-Blogs als Kampfmission ausgegeben, und ganz offenbar waren die Stern- und Sonderschutzkräfte durch den Eisernen Erhardt (Sternschutz-Einsatzleiter Erhardt Ahrendt, Anm.v.SRB) und die SST-Kommandierende für diesen 1.Mai Bianca Voyé entsprechend gebrieft worden:

Die Nacht in Flammen – Art by Alex C (IWarpbladeI)

Sender44 liegen interne Papiere sowie Befehlsaufzeichnungen des SST-Kommandos für den zurückliegenden 1. Mai vor, und das darin festgehaltene Bild ist das eines mutwillig und mit brutalsten Mitteln durchgezogenen Einsatzes, dessen Ziel nicht weniger als die völlige Demoralisierung des „anarchistischen Widerstandes“ und die Verhaftung bzw. Ausschaltung von „Führungskräften, Koordinatoren und Unterstützern der gewaltbereiten Opposition“ war. 

Und das mit Mitteln, die so drastisch waren, dass selbst Teile der SST de facto zur Verweigerung von Befehlen gezwungen waren. Doch von Anfang an:

Man sollte bei der Aufarbeitung dieses und auch schon des letzten 1. Mais nicht vergessen, dass in der Frage um die Ursache unserer geballten aktuellen Scheiße immer auch die Begriffe „Diskordianer“ (ganz unten in den Kommentaren hier) bzw. deren Kommando Mindfuck und – wer weiß es noch, nach all der Zeit? – initiell auch die „Letzte Front“ mitspielen (#berlin). Plus eine auffallend verständliche Haltung von S-K betreffs der „besonderen Bedürfnisse“ der Alternativen, deren Hoheitsrechte „es zu respektieren gelte“.
Tolstoi

Über S-Ks Kuschelkurs haben wir uns ja schon einige Male gewundert, zudem gerade das zögernde Agieren und Taktieren dieses Kons einigen Beitrag zur Eskalation der Krise leistet: Hätte S-K frühzeitig mit den Kons Front gegen die Anarchos gemacht – so, wie das ja auch erwartet wurde – hätten die meisten Freizeitprotestler und Randalekids doch gar nicht den Mumm gehabt, auf die Barrikaden zu gehen. Ich habe keinen Plan, was S-K dadurch gewinnt, indem es die Berliner Konzernfront – natürlich gänzlich unabsichtlich – spaltet, aber einen Plan hat der Goldwurm GARANTIERT. Und Scheiß noch eins: Die Anarchos und unsere absolut berechtigten Proteste spielen ihm direkt in die Klauen.
Antifa

Zumindest kann die Landolt kaum verbergen, dass sie am Scheitern des Sternschutzes in Berlin einen Mordsspaß hat. Was mich schon wieder stutzig macht, denn zweifellos KÖNNTE sie es besser verbergen, und an sich war S-K sehr daran gelegen, dass es in Berlin eben NICHT zum Rückfall in Chaos, Gewalt und Anarchie kommt.
Fienchen

Andererseits gibt es da dieses geleakte Bild von Landolt am 1. Mai bei einer Vernissage in Potsdam, wie sie auf ihr Kommlink schaut und diesen „Oh mein Gott“ Ausdruck in den Augen hat. Mal angenommen, das Bild ist kein Fake: Bin ich der Einzige, der in dem Blick ein „OMG what have we done?“ liest?
Konnopke

Der 1. Mai begann wie jedes Jahr mit der Revolutionären 1. Mai Demo, die ebenso wie jedes Jahr am Kottbusser Tor gegen 17:00 Uhr startete. Eingestimmt auf Krawall durch Ankündigungen verschiedener Aktivistengruppen und Anarchoblogs einerseits und einer am Vormittag durch den SS-Verantwortlichen Ahrendt erklärten „Null Toleranz Politik“, waren viele der eher gemäßigten Demonstranten erst gar nicht erschienen, wohingegen Krawallgruppen aus den anderen deutschen Ländern und sogar dem Ausland von Beginn an eine auffälligere Präsenz im Zug bildeten.

Das ist übrigens die Tendenz des ganzen 1. Mais 2076: Im Vergleich zu den Rekordteilnehmerzahlen im letzten Jahr waren diesmal VIEL weniger Leute auf der Straße, dafür war aber die absolute Zahl der gewaltbereiten Demonstranten in diesem Jahr noch größer als letztes Jahr.
Fienchen

Gibt’s dazu schon belastbare Zahlen? Nakaira?
Russenrigger

Aktuell setzt sich für den Revolutionszug die Zahl von 130.000 Teilnehmern durch (im letzten Jahr waren es um die 200.000) und für das MyFest etwa 260.000 Teilnehmer (im letzten Jahr waren es doppelt so viele). Dabei darf man nicht vergessen, dass das MyFest eigentlich eher eine Straßenparty ist, an der auch viele Normalos, Alternative und sogar Konzernleute in Partystimmung teilnehmen – die Eskalation im letzten Jahr hat viele erschreckt, die Ankündigung von Krawall hat dann in diesem Jahr viele zu Hause bleiben lassen. Ähnliches gilt in geringerem Maße auch für die 1. Mai Demo, wobei … im Kern kamen einfach insgesamt VIEL weniger Leute auf die Straße, weil das Thema „Neue Matrix“ durch ist. Ja, die Vollüberwachung, die weitere Machtverlagerung zu den Megas, der weitere Verlust der Privatsphäre und die diversen neuen Abkommen zu DRM etc. haben viele auch Normalos ziemlich aufgeregt – aber inzwischen herrscht einerseits Resignation und Abstumpfung („da kann man doch eh nix machen“, „lass mich mit diesen ganzen neuen Enthüllungen zu frieden“) und andererseits – wichtiger – sind die Leute mit der neuen Matrix super zufrieden und finden den Preis des Verlustes einiger Freiheiten irgendwelcher „anderer“ okay. Das ist auch der Tenor der Medienberichte: Weniger Viren, weniger kritische Datenverluste, weniger Drohnen-Zwischenfälle, besserer Schutz für Kinder und Jugendliche, einige prominente Aushebungen von Kinderporno-Tauschringen, eine ganze Reihe von Erfolgen gegen Terrorgruppen – die Mehrheit selbst der pro alternativ Eingestellten in Berlin haben sich mit den neuen Verhältnissen arrangiert, posten jetzt halt weniger kritischen Kram und wickeln etwaige dubiose Sachen eben wieder offline ab.
Nakaira

Ich würd gern sagen dass Nakaira wieder mal Scheiße labert, aber sie hat Recht. Als die neue Matrix kam dachten viele – auch ich – „endlich haben die Megas ihr Blatt überreizt, endlich waren sie so dermaßen doof und offensichtlich, dass sogar die Normalbürger aus ihrem Koma aufwachten“. Dazu die Abwahl der LDFP, die Einrichtung einer Kontrollkommission für das Berliner Netzwerk, an der auch Schockwellenreiter beteiligt sind, es sah Mitte 2075 ECHT nicht schlecht aus. Inzwischen aber ist der öffentliche Aufreger über die Matrix vorbei, wo immer mit dem Thema ankommst – selbst bei Piratenmedien, Scheiße noch eins – sagen die Leute „lass mich mit dem Kack in Ruhe, der Drops ist gelutscht“. Umso wütender waren dann auch diejenigen, die sich in diesem Jahr zum 1. Mai nochmal aufgerafft haben: Praktisch die gleiche Menge Zorn, verteilt auf die Hälfte der Akteure.
Antifa

Was waren das denn für Gruppen aus dem Ausland? Randaletouristen?
Konnopke

Teilweise. Aber da waren auch viele dabei, die es mit dem Protest gegen Neue Matrix, Hyperkommerzialisierung der Privatsphäre usw. echt ernst meinten. Berlin ist in der Debatte um Matrix und Persönlichkeitsrechte – und in der Debatte um alternative Lebensformen und Politikmodelle – vielleicht nicht grade zu einem internationalen Leuchtfeuer und Fanal des Widerstands, aber schon sowas wie ein Brenn- und Anlaufpunkt geworden. Jedenfalls hab ich das von den diversen Auswärtigen – darunter natürlich auch viele Mitglieder von Policlubs, deren Berliner Gruppe sie zum Kommen eingeladen hatte – so gehört. Wenn in Sachen Persönlichkeitsrechte, Bürgerfreiheiten und einer neuen Gesellschaft (digital oder offline) nochmal was passiert, wird es in Berlin passieren – so der Tenor.
Nakaira

Zahlreiche Teilnehmer des Zuges waren erkennbar bewaffnet, die Sternschutz-Taktik im Hinblick auf die Ereignisse im letzten Jahr, in dem durch Ausbreitung der Krawalle in Normal- und Konzernbezirke enorme Sachschäden entstanden waren, klar: Stoppen und Auflösen der Demonstration, mit allen gebotenen Mitteln.

Auf erste Rangeleien folgte praktisch sofort der Einsatz scharfer Waffen gegen die Demonstranten. 

Die Kalashnikows und Pistolen hatten und damit mindestens in die Luft ballerten, wie man auf mehreren Videos klar erkennen kann. Ich will die SST und vor allem Voyé weiß Gott nicht verteidigen, und was die im Laufe jener Nacht abzogen war definitiv NICHT okay, aber es ist AUCH war dass die Randalierer Kriegswaffen an den Start brachten und dass echte Gefahr für Leib und Leben der Einsatzkräfte bestand, wogegen sich die SST auch mit Recht wehren durfte.
Nakaira

Andererseits war es dieses In-die-Luft-Geballere, was jedem anzeigte „heute passiert hier was“, wodurch dann noch jede Menge Leute vor dem Schließen des Kessels abhauen konnten. Da hatten die Bullen nämlich bereits mit dem Einsatz tödlicher Gewalt angefangen.
Antifa

Das kannst du den Zkandal! erzählen. Die SST-Leute mögen Ex-Soldaten mit massiven posttraumatischen Belastungsstörungen und mehr als nur nem Titsch Cyberpsychose sein, aber unprovoziert oder selbst mit Befehl Zivilisten niedermähen tun die nicht – wie man später ja auch sieht.
Nakaira

Erzähl das den Gefangenen in Bus 7. EINIGE haben just das getan.
Konnopke

Die Eskalation am Kottbusser Tor verbreitete sich über Kommlinks blitzartig im MyFest und in den den alternativen Gebieten. Die Darstellungen des Hergangs wichen dabei zum Teil erheblich voneinander ab, die Schuld lag aber zweifellos bei der SS-Einsatzleitung und der SST-Kommandantin Voyé, die jede Kooperation mit Kiezwehren und Vermittlern der Demonstrationsveranstalter im Vorfeld abgesagt hatten.

Der Vollständigkeit sage ich, dass das eine MEINUNG Von Sender44 ist. Allerdings finden sich in den von S44 veröffentlichten Einsatzbefehlen schon einige Befehle, die zum „präventiven Eingreifen“, zu „sofortiger Reaktion“ und überhaupt sehr viel von umgehender Gewalt und verdammt wenig von Vermittlung reden.
Tolstoi

Zu dem Zeitpunkt, als am Kotti und am MyFest die ersten Toten im Rinnstein lagen, hatten beide Seiten effektiv keine Möglichkeit mehr, miteinander zu kommunizieren. Etwaige Massenaufrufe zum Frieden, wie sie von Pflügler und anderen versucht wurden, waren spätestens mit dem Zusammenbruch bzw. dem ja wohl tatsächlich geschehenen erzwungenen Abschalten des Berlin-Netzwerks unmöglich.  
Safiya Dafiya

Innerhalb nur weniger Stunden geriet die Situation völlig aus dem Ruder: Aufgestachelt durch Berichte, wonach SST-Soldaten sich an einer Schiitin vergriffen hätten, startete der stadtbekannte Islamistenprediger Muhammad Cemar Husain Abu al-Qasim einen Aufruf an die Jazrir-Milizen, blutige Rache zu nehmen.

Auch andere Kiezgruppen, SelbstJustizTrupps und vor allem die Kreuzberger Bürger gingen auf die Straße, um ein Ende der (Polizei-)Gewalt zu erzwingen – gerade unter diesen Bürgern, die sich als menschliche Schutzschilde für Verwundete und Friedfertige einsetzten, gab es besonders viele Tote zu beklagen. 

Auch Straßenschamanen leisteten erbitterten Widerstand gegen den SST-Kessel. – Artwork by Emil Larsson (emillarsson)

Auch Straßenschamanen leisteten erbitterten Widerstand gegen den SST-Kessel. – Artwork by Emil Larsson (emillarsson)

Die vorliegenden und veröffentlichten Befehle der Einsatzleitung – ab Ausbruch der Gewalt faktisch Bianca Voyé als SST-Befehlshabende im mobilen Gefechtsstand unweit des Kottbusser Tores – sprechen eine eindeutige Sprache:

Auf den Protest mehrerer SST-Gardisten hin bellte diese wiederholt Befehle, die Unruhen „im Gebiet zu halten“ und Personen, die „den Kordon verlassen wollen“ oder „sich dem Befehl zum auf dem Boden legen verweigern“ in jedem Fall und „ohne Zögern auch mit der Waffe“ am Verlassen des Gebietes zu hindern. Eine Verweigerung jener Befehle würde „schwerste Bestrafungen“ nach sich ziehen – Berlin stehe „unter Kriegsrecht“, eine gezielte Falschinformation!

Da lagen praktisch alle falsch. An dem Abend zirkulierten überall Gerüchte von Kriegs- oder Ausnahmezustand … Einige Kiezgruppen haben wohl tatsächlich den Kriegszustand ausgerufen, unbedacht der Tatsache dass sie das gar nicht können. Bei anderen war es wohl mehr ne Feststellung der Art: „Hey, draußen beballern sich Bullen und Anarchos, die Berliner Einheit ist vorbei, es ist Kriiieeeg!“
Tolstoi

Das umgrenzte Gebiet bestand anfangs aus zwei abgesperrten Bereichen, die im Laufe des Abends zu einem gemeinsamen, rundum von SS- und SST-Kräften begrenzten Kessel von Kottbusser Tor über Heinrichplatz bis Görlitzer Bahnhof vereint wurden. Den „klassischen“ Sternschutz-Kräften kam dabei vor allem die Aufgabe zu, das Gebiet zu überwachen und in einem zweiten Gürtel etwaige Fliehende abzufangen bzw. die SST über aus anderen Gegenden herbeikommende „Gewalttäter“ (tatsächlich oft sich im Recht wähnende Kiezpolizisten und spontan gebildete Bürgermilizen) zu informieren. Die SonderSchutzTruppe umgekehrt war damit beauftragt, die Absperrung zu halten und schrittweise zu verkleinern, um „alle Anarchoterroristen und Sprawlguerilla-Aggressoren zusammenzutreiben“.

Parallel versuchten sowohl verschiedene Bezirksvertreter und alle drei Berliner Bürgermeister, ein Ende der Gewalttätigkeiten und einen sofortigen Rückzug der SST zu erwirken – dies scheiterte zum Teil an Kommunikationsproblemen durch Überlastung und späteren „Ausfall“ des Berliner Netzwerks, vor allem aber stellte sich der Sternschutz-Einsatzleiter Erhardt Ahrendt jenen Forderungen entgegen, darauf beharrend, dass ein Abbruch des Einsatzes zu diesem Zeitpunkt zwangsläufig die Ausbreitung der Gewalt in das gesamte Stadtgebiet zur Folge haben würde.

Einige der Kommunikationsprotokolle legen den Schluss nahe, dass Ahrendt schlicht keinen Kontakt mehr zu Voyé hatte. Er hätte den Einsatz nichtmal abbrechen können, wenn er gewollt hätte.
Safiya Dafiya

Darüber hinaus ist davon auszugehen, dass sich die Zahl derjenigen, die schon früh zum Abbruch des Einsatzes aufrufen wollten, aber nicht durchkamen, nach Voyés Massaker-Befehl spontan vervierfacht hat.
Russenrigger

WENN es denn Voyé war.
Node

Gegen 23:00 Uhr ist der „Kottbusser Kessel“ auf die Hälfte seiner Größe reduziert worden. Inzwischen laufen aus dem ganzen Stadtgebiet empörte und meist bewaffnete Bürger im Krisengebiet zusammen. Der Sternschutz-Offizier Gerd Mielenz erklärt um 23:16 Uhr, dass der zweite Ring (an dem seitens des Sternschutzes ausschließlich die üblichen Methoden zur Aufstandsbekämpfung wie Wasserwerfer, Tränengasdrohnen etc. eingesetzt werden) dem wachsenden Ansturm nicht länger standhalten wird und die SST sehr bald zwischen beiden Fronten selbst eingekesselt wird. Er empfiehlt Voyé den „Sofortigen Einsatzabbruch“.

In dieser Situation geht Befehl von Voyé an die SST, von allen Seiten in den Kessel vorzudringen und um es ganz eindeutig zu sagen: ein Massaker zu veranstalten. Dasselbe befiehlt sie denjenigen SST-Kräften, welche hunderte von Demonstranten und Anwohnern in Dutzenden Bussen an der Absperrung gefangen halten (ein Abtransport konnte aufgrund der Lage am zweiten Absperrungsring nicht erfolgen): Da die unmittelbare Gefahr bestünde, die „Terroristen der Berliner Sprawlguerilla“ würden aus dem Kessel bzw. den Bussen befreit werden und würden dann Berlin in Blut und Terror ertränken, müsse man diese Gefahr für Leib und Leben der Berliner Bürger „jetzt und hier sofort auslöschen“.

Diesem Befehl verweigerten sich die meisten, aber längst nicht alle SST-Gruppen im Einsatzgebiet.

Bürgermilizen am zweiten Ring – Artwork by Eric (hobo-the-dinosaur)

Bürgermilizen am zweiten Ring – Artwork by Eric (hobo-the-dinosaur)

Im allgemeinen Chaos am Kessel wandten sich viele SST-Kräfte dem Offizier Sergej Rudek zu, einem Veteran und Ex-Söldnerkommandant der SVET mit hohem Ansehen unter den SSTlern. Dieser erklärte per Funk und dann auch per Lautsprecherdurchsagen um 22:43 Uhr, das Kommando am Kessel übernommen zu haben und diesen mit sofortiger Wirkung aufzulösen. Er stellte zudem klar, dass die SST-Soldaten unter seinem Kommando einen Befehl Voyés, ein Massaker anzurichten, verweigert hätten, und forderte alle Bürger auf, die Gewalttätigkeiten sofort zu beenden und nach Hause zu gehen. Zugleich stellte er die zur Versorgung der SST-Soldaten abgestellten Medic-Wagen und -Container zur Behandlung verletzter Bürger zur Verfügung.

Am zweiten Ring hatte zu dem Zeitpunkt auch Gerd Mielenz die Absperrung bereits geöffnet und den Abzug seiner Leute veranlasst: „Eigenschutz geht vor“ sagte er um 22:31 sichtlich erschöpft und verdreckt in die Headcam des Anarcho-Bloggers Z-Date.  

Im weiteren Verlauf der Nacht kam es an verschiedenen Stellen der Stadt zu weiteren gewaltsamen Begegnungen, die sich aber insgesamt im Rahmen hielten: Der Schock über die Ereignisse in Kreuzberg, bei denen Hunderte Bürger und Sternschutz-Polizisten (inkl. SST) zu Tode kamen und Tausende Bürger und Polizisten zum Teil schwerstens verletzt wurden, hatte zu einer regelrechten Ernüchterung geführt (die exakten Zahlen sind auch 7 Tage danach noch immer unklar, die Angaben der verschiedenen Stellen und (Interessen-)Gruppen widersprechen einander erheblich).  

Am frühen Morgen ist alles vorbei – Art by Michal Lisowski (maykrender)

Am frühen Morgen ist alles vorbei – Art by Michal Lisowski (maykrender)

Auch übereinstimmende Aufforderungen zum Abbruch der Feindseligkeiten seitens sämtlicher Berliner Bezirksvertreter und Bürgermeister und Dutzender Anführer verschiedenster Aktivistengruppen führten dazu, dass der Ausbruch eines Bürgerkrieges in Berlin (zumindest bisher) verhindert werden konnte.

Dennoch ist auch jetzt, eine Woche später, noch Vieles gänzlich unklar, vor allem der Verbleib von Kommandantin Voyé und die Identität der Kommandotruppe, die am 1. Mai in das Aetherlink-Gebäude mit dem Kontrollzentrum des Netzwerk Berlins eindrang und dessen zeitweise Abschaltung erzwang. 

Ich wittere eine weiter zunehmende Gate-ifizierung Berlins … Und ernste Gespräche über den Polizeivertrag des Sternschutzes mit Berlin … Davon ab halte ich diese Story von der Abschaltung des Berliner Netzes für Mumpitz, ein Medien-Märchen: Das öffentliche Netz und selbst mehrere Kon-Netze sind unter der Last der Kommunikation jener Nacht schlicht zeitweise in die Knie gegangen. Möglich, dass da ein paar Spinner dachten, die bösen Kons hätten den Stecker gezogen und wollten da rein, um nachzusehen, aber die Story vom Abschalten unter vorgehaltener Waffe … ist Stuss, sorry, dafür fällt mir kein anderes Wort ein.
Russenrigger

Aktuell wird die Diskussion in den alternativen Bezirken davon beherrscht, wie Kieze und Bürger besser vor „externer Polizeiwillkür“ geschützt werden können – das Fiasko, wo SST-Soldaten „im Recht agierende Kiezpolizisten niederschießen“ ist jedenfalls Wasser auf die Mühlen der Alternativen im Polizeistreit. Und klar, „man will ja nicht mit dem Tod so vieler Politik machen, aber…“. Pietät und Politik. Isn’t.
Tolstoi

Na denn komm mal aus deiner Filterbubble, denn das Pendel weiß noch nicht, wohin es schwingen will. Aus Richtung der Konzerne (im Besonderen unserem PNE-Liebling vom FBV) schallt nämlich umgekehrt, man müsse jetzt endlich „ERnst machen mit der Berliner Entwaffnung“, da die Anwesenheit von Kriegswaffen auf Demonstrantenseite dem Stern ja keine andere Wahl als Notwehr gelassen habe. Und aus Richtung Hannover hebt das hässliche Gespenst der „Beendigung des gescheiterten Sonderwegs für Berlin“ seine hässliche Fratze – freilich nur rein verbal und mit bayerischem Akzent.
Nakaira

[B1L] Kein Winterdienst für Alternative?

B1L[21.02.2076] Mikhael zieht die dicke Thermojacke weiter zu und zupft seinen Heizschal über der Nase zurecht. Das Gesicht des pockennarbigen Orks und seiner vier Begleiter im Betonblockghetto im Süden Berlins verschwinden fast vollständig hinter Skimasken, dicken Halstüchern und in der Tiefe dick gepolsterter Kappus. Inmitten der langam dahinmarschierenden und mit Schnellfeuerpistolen bewaffneten Kiezwehr-Phalanx rattert und schnarrt eine mit Graffittis übersähte Schneeräum-Drohne. Die Letzte in dieser Nachbarschaft.

„Wir haben in diesem Winter über 122 Winterdienstdrohnen verloren, und nur der kleinste Teil dieser Ausfälle geht auf die Witterung und den Dauerbetrieb zurück“, sagt Heike Lederer, Remote Street Service Supervisor der Berliner Stadtreinigungs GmbH. einer 100%igen Tochter des Berliner Verwaltungsgiganten BERVAG. Die 46-jährige ist Herrin über kleine Straßenreinigungsdrohnen und riesige Streumaschinen, emsige kleine Müllsammler und schabengroße Zustandsfeststellungadrohnen – und über die auf den Berliner Gehwegen tätigen Winterdienstdrohnen des Typs M-K Snowpard-12. „Über 90% der Ausfälle betreffen dieses eine Modell, und die absolute Mehrzahl der Ausfälle und Totalverluste geschehen in den alternativen Bezirken und gebietsnahen Prekariatsgebieten.“

Totalverlust, das bedeutet Diebstahl oder komplette Zerstörung. Ausfälle, das heißt üblicher Weise, dass die Drohne unautorisiert angehalten, geöffnet und Teile der Technik geplündert wurden. „Die Täter nähern sich der nur Schrittgeschwindigkeit fahrenden kleinfahrzeuggroßen Drohne unbekümmert – die Drohne hat keine Eigenverteidigungssysteme“, fasst Heiner Beckenbauer vom Sternschutz die Fälle zusammen: „Dann werden links und rechts von der Seite Stangen oder Keile untergeschoben und die Drohne kurzerhand hochgehebelt, so dass der Kettenantrieb ins Leere greift. Natürlich wird daraufhin ein Alarm ausgelöst, deshalb gehen die Täter rasch vor, öffnen Abdeckungen mit roher Gewalt und rupfen an Teilen heraus, was immer sich gerade greifen lässt“. Eine Bewertung, der Drohnen-Expertin Heike Lederer nicht zustimmt: „Der Snowpard von Messerschmitt-Kawasaki teilt sich gerade im Antrieb von Ketten und Bürsten einige Teile mit anderen M-K Systemen, die in Berliner Häusern verbaut wurden – vor allem Aufzüge der M-K Tochter Siebert, die sich in zahlreichen Plattenbauten, aber auch vielen Altbauten in der Stadt finden. Findige Techniker haben zudem Wege gefunden, die Motoren der Snowpard so zu modifizieren, dass diese auch in anderen der ja meist seit Jahren defekten Aufzüge älterer Berliner Mietblöcke Verwendung finden.“

Die BERVAG hat in der vergangenen Woche auf die Entwicklung reagiert und eine Einstellung des Winterdienstes in den identifizierten Gefahrengebieten angekündigt: „Wenn die alternativen Bezirksverwaltungen bzw. deren Kiezpolizei nicht für die Sicherheit der Räumdrohnen sorgen kann, müssen wir Verluste entweder der Bezirksksse in Rechnung stellen oder den Winterdienst generell zur Bezirksangelegenheit erklären“, so ein leitender BERVAG Angestellter gegenüber B1L: „Dann können die ja gerne ganz wie sie es lieben alternativen, selbstorganisierten Winterdienst machen, von mir aus auch ganz LowTech, mit guter alter Muskelkraft. Einen Mangel an nicht anderweitig benötigter Arbeitskraft gibt es dort ja genug.“

Einige Nachbarschaften haben nun reagiert, unbürokratisch und durch Eigeninitiative: Mikhael und seine Gruppe von der Sankt Melitta Kiezwehr marschieren mit, wenn die altersschwache Drohne mit der Kennung 6JFK133 Dienst tut: Vom rumpeligen Start bis zu ihrer Rückkehr in die gleichfalls bewachte Ladebucht ihrer Drohnengarage, ein mobiler Container, der zu Beginn des Schneefalls in einer nahen Tiefgarage abgeladen wurde. 

„Wir nennen sie Miss Kennedy“, sagt Mikhael und schiebt seine Schneebrille zurecht.

 

 Der Kampf Zentralverwaltung versus Selbstverwaltung wird auf allen Bühnen gespielt, was?
 Russenrigger

 Jup.
 Konnopke

 

[B1L] Sieben Tote bei Wohnungsbrand

B1L[29.01.2076] Ein außer Kontrolle geratener Wohnungsbrand kostete am frühen Abend sieben Personen in Pankow das Leben. Zu dem Feuer kam es ersten Erkenntnissen der Freien Brandwehr Pankow zufolge durch einige Spray- oder Farb- oder andere Druckgasdose, die zusammen mit anderem Hausmüll im selbstgebauten Ofen der Wohngemeinschaft verbrannt wurden.

„Den Schilderungen der Nachbarn nach gab es gegen sechs mehrere laute Knalle; kurz darauf schlugen Flammen aus den geborstenen Fenstern der Wohnung im vierten Stock des Plattenbaus“, so FBP-Brandmeister Yussef Marufke. Die herrschende Dauerkälte bringe immer mehr Menschen dazu, Müll als Brennstoff zu verwenden. Unkenntnis und mangelnde Vorsicht führe dann zu derartigen Tragödien.

 Idioten.
 Fienchen

[B1L] Im Griff der Kälte

B1L[28.01.2076] Der Winter hat Berlin fest im Griff. Und nicht nur Berlin: Schon seit Jahresbeginn kommt Deutschland nicht aus den Minusgraden; dichte Schneefälle Anfang Januar und der eisige Sturm „Kevin“ haben die Lage an vielen Orten zusätzlich verschärft. 

Berlin hatte den offiziellen Angaben der BERVAG zufolge insgesamt wenig Sturmschäden zu beklagen – wo Kevins Böen aber zuschlugen, trafen sie die Schwächsten der Stadt:

„Viele der Selbstversorger im alternativen Osten der Stadt klagen über gesplitterte oder vom Dach gestürzte Solarpaneele und von Wind und Eisregen beschädigte Windräder“, so der Zweite Berliner Bügermeister und Vertreter Lichtenbergs Morek Pflügler: „Die meisten Kommunen verfügen zwar über Generatoren, auf die sie zur Energieversorgung zurückgreifen, aber die doppelte Nutzung von Brennstoffen zur Wärme- und zur Stromversorgung lässt die Vorräte der meisten Hausgemeinschaften rapide schrumpfen.“

 Vom Baumbestand der Straßen und nahegelegener Parks ganz zu schweigen.
 Fienchen

 Die Abholzung von Bäumen und der Holz- und Brennstoffklau sorgt für Stress in den Alternativen Gebieten. Einige Anwohner haben schon Ganger angeheuert, um den Lieblingspissplatz ihrer Köter bzw. den Baumbestand entlang ihrer Lieblingsjoggingstrecke zu bewachen. Dabei ist mir der Geruch von Holzfeuer allemal lieber als der wabernde Mief von verbranntem Müll, der aktuell über vielen Gegenden hängt.
 Konnopke

Erschwerend komme hinzu, dass im gesamten Ostgebiet zahlreiche Wasserrohre infolge der Kälte geborsten sind – Hunderttausende sind ohne fließendes Wasser, die Behebung der Schäden schreitet nur langsam voran.

 Etwas überdramatisiert. Solange Schnee fällt, ist die Wasserversorgung kein grundlegendes Problem, auch wenn sich dem Wohlstandsdeutschen vermutlich der Magen umdreht beim Gedanken, den eher graufarbenen (weil ruß- und aschereichen) Schnee Berlins zu tauen und zu trinken – egal, wie gut gefiltert. Meinem Eindruck nach kommen die „Hochburgen der Anarchie“ allemal besser zurande als die Elendsgebiete in „normalen“ Bezirken.
 Fienchen

 Nett, wie selbst du das anarchistische Paradies direkt mit „Elendsgebieten“ gleichsetzt. Das entlarvt. Davon ab, magst du Recht haben: Diejenigen, die sich 100% darauf eingerichtet haben, ohne äußere Hilfe klarzukommen, haben aktuell weniger Probleme als diejenigen, die sich abhängig von Fremdversorgung gemacht haben, die im Zweifel halt erstmal jene bedient, die sie auch tatsächlich bezahlen.
 Nakaira

Kaum Probleme gibt es hingegen im „kontrollierten Westen“. Worin einige bereits die nächste Verschwörung der Konzerne vermuten, habe indes einfache technische Gründe, meint Maximilian Westheide von der BERVAG:

„In den Konzern- und Normgebieten konnte bereits seit 2070 eine umfassende Erneuerung der Rohrleitungen und Kabelverbindungen erfolgen. Intelligente Messpunkte helfen uns hier dabei, Störungen schnell festzustellen und exakt zu lokalisieren. Dem gegenüber sind die Leitungen in den Alternativen Bezirken meist uralt, ihr Verlauf infolge des Zweiten Matrixcrashs unklar und ihre marode Struktur zudem von Dutzenden illegaler Entnahmestellen zusätzlich belastet.“ Eine Erneuerung der Systeme hier sei bisher am Veto der verschiedenen Interessengruppen sowie an „absurden Verschleppungstaktiken“ gescheitert: „Offenbar hat man den Verdacht, die Erneuerungen hätten vor allem den Zweck, Strom-, Gas- und Wasserdiebe zu überführen. Jetzt bezahlen ganze Bezirke den Preis der illegalen Entnahmen Einzelner.“

 NATÜRLICH ist der ganze Zweck der Übung, illegale Entnahmen zu bemerken und zudem Beweise gegen die bösen Diebe zu generieren. Und NATÜRLICH werden die alternativen Bezirke auch weiterhin jede Modernisierung aus genau den Gründen blockieren – zumindest solange, bis die BERVAG-Tochter Judikative Dienste GmbH (vorhersehbar) ein Grundsatzurteil fällt, wonach die Berliner Versorger (zufällig auch die BERVAG und all ihre Töchter) das unbedingte Recht haben, auf ihre Anlagen zuzugreifen und diese „auftragsgemäß“ zu warten und zu erneuern. Auch am Veto irgendwelcher Alternativer Gruppen vorbei.
 Konnopke

Totaler Stillstand am Bahnhof Falkensee

Totaler Stillstand am Bahnhof Falkensee.
Bildquelle: http://www.deviantart.com/art/this-city-is-freezing-in-192573343

Schwierigkeiten machen in den Westgebieten vor allem zunehmende Matrixausfälle sowie damit einhergehende Einschränkungen bei den Hightech-Systemen: „Trotzdem unsere Streu- und Räumungsdrohnen nonstop im Einsatz sind, ist Gridlink entlang vieler Strecken nicht mehr verfügbar. Die Abnehmer bekommen einfach keinen Kontakt – das führt zu Ausfällen im Speziellen von schwergewichtigen, das heißt energieintensiven Transportfahrzeugen und -drohnen, die meist nicht genug Batteriekapazität für eine längere Überbrückung besitzen“, fasst Heike Neuzling von der Berliner Verkehrswacht GmbH die Lage zusammen: „Sorgen macht uns zudem die Netzabdeckung. Die Kälte sorgt immer wieder für Ausfälle von Matrixsendemasten, und die neueren Kommlinks sind durch die Protokolle der aktuellen Matrixversion weniger in der Lage, Ausfälle durch Peer-to-Peer-Verbindungen zu kompensieren.“ Insofern sei der Winter 2075/76 ein erster „Belastungstest“ der neuen Systeme.

 Willkommen in der besseren und stabileren Matrixzukunft ihr Ärsche!
 Roter Oktober

Wer indes hofft, sein Auto einfach stehenlassen und auf den öffentlichen Nahverkehr ausweichen zu können, wird enttäuscht: „Leider haben wir es trotz einer sorgfältigen Vorbereitung mit schweren Ausfällen im gesamten M-Bahn-Netz zu tun“, sagt Christian Schubring von den Berliner Verkehrs Betrieben BVB. Auch die ESUS Schnellverbindungen seien betroffen, und das nicht nur in Berlin.

„Alle deutschen Länder haben mit Ausfällen im Flug- und Eisenbahnnetz zu kämpfen“, sagt Sarah Letzner, verkehrspolitische Sprecherin der PNO: „Speziell das Transportwesen ist betroffen: Wichtige Lieferwege werden von den zugefrorenen Schiffahrtskanälen, den Eisenbahn- und manchen Flugrouten auf die Straße umgelegt, das zusätzliche Verkehrsaufkommen sorgt in Kombination mit Sperrungen wegen Glätteunfällen oder Schneetreiben für Rekordstaus.“

 Achtung, Runner! Aktuell haben wir es mit einer regelrechten Auftragsexplosion zu tun. Was vorher annähernd unangreifbar von konzerneigenem Flughafen zu konzerneigenem Flughafen verschickt wurde, muss auf die Straße umgeleitet werden. Einerseits fangen die Unternehmen die damit verbundenen Personalspitzen zur Sicherung von Transporten mit Runnern ab, andererseits sehen die Unternehmen durch genau die Angreifbarkeit der Routen eine prima Chance, der Konkurrenz eins reinzuwürgen, wichtige Lieferungen zu verzögern oder zu zerstören oder gar interessante Prototypen, Laborequipment oder auch über Straße statt per Luft reisende Persönlichkeiten abzufangen.
 Tolstoi

 Vergesst bei euren Verhandlungen mit Schmidt bloß nicht einzukalkulieren, dass die Opposition hier ggf. aus anderen Runnerteams statt irgendwelchen Konzernwachen besteht. 
 Daisy Fix

 Erneut: Überdramatisierung. Es ist keineswegs so, als würde ganz Deutschland im Schneechaos versinken. Und dass es Ausfälle gibt heißt noch lange nicht, dass der Fernverkehr via Magnetschiene (und erst recht nicht der Flugverkehr) zusammengebrochen wäre. Das ist sowohl räumlich als auch tagesabhängig unterschiedlich. Aktuell scheinen eher Verspätungen als Komplettausfälle zu überwiegen. Dass es dennoch zuweilen Chaos gibt, liegt mehr daran dass Leute oder Frachten ihre Anschlussverbindungen verpassen.
 Roter Oktober

Und ein Ende der Kälte ist nicht in Sicht: Metereologen gehen davon aus, dass der Winter dank der herrschenden Großwetterlage noch mindestens den ganzen Februar anhalten wird. 

 Schwer, hier die Medien-Panikmache von realen Einschätzungen zu trennen. Allerdings sind sich praktisch alle Rechenmodelle einig, dass der Winter noch bei uns bleibt. Wie streng allerdings, das ist die große Frage.
 Safiya Dafiya

 Habt ihr schon vom Shiawase Kältemobil gehört? Offenbar nutzen die Japaner die Kälte in Köpenick als PR-Gelegenheit, um sich ganz als „guter Nachbar“ zu geben. Ich habe sogar gehört, dass die Japaner „Überkapazitäten“ ihres Dependance-eigenen Reaktors zum Nulltarif in das umgebende (oder ein neu anzulegendes?) Netz einspeisen wollen. Die Leute von Ruhr-Nuklear sind jedenfalls am Toben. Auch hier wartet Biz.
 Fienchen

Das Spiel mit der Kälte

Dass die Kälte in der ADL anhält, ist seitens der Shadowrun Chefredaktion (aka Tigger) gesetzt und somit kanonisch – wie schlimm der Verlauf sein wird, darauf könnt ihr in kommenden Ausgaben des NOVAPULS gespannt sein.

Mit diesem „Wetter-Großereignis“ hat jede Gruppe die Gelegenheit – wenn sie denn mag – konkrete Wintergeschichten, Schneemissionen und von Kälte profitierende Schattenläufe zu spielen. Ein paar Ideen, wie das gehen könnte – oder wie man das Thema „Dauerkälte“ umgehen kann, wenn es einem grade in der Plotplanung zuwiderläuft, werden unten sowie [hier in einem Thread] gesammelt!

Ideen, wie du die Kälte in deinem Spiel nutzen kannst:

  • Glätte. Straßen und Gehwege können glatt sein. Außentreppen können durch Eisregen zu Todesfallen werden. Je nach Glättegrad können Würfelpool-Modifikatoren von -2 (nass oder rutschig) bis -4 (eisglatt) erhoben werden.
  • Schneefall. Umherwirbelnder Schnee behindert die Sicht und dämpft Geräusche. Das kann für die Runner schlecht sein, wenn sie gerne Ziele aus der Entfernung angreifen (schön für den SL: Die Runner müssen näher ran), oder gut, wenn sie beim Vordringen auf ein Firmengelände schlechter bemerkt werden. Details siehe Umweltmodifikatoren, SR5 S.176.
  • Eingemummelt. Es ist kalt, also tragen alle ihre Jacken hoch geschlossen, Mütze ins Gesicht gezogen. So eingemummelt, sind Gesichter nicht mehr zu erkennen (schon gar nicht bei Schneefall), und realistischer Weise können Wachen an eng frequentierten Zugangspunkten nicht jeden einzeln kontrollieren. Neben den oben genannten Umweltmodifikatoren kommen noch Wahrnehmungsmodifikatoren für störende Sinneseindrücke (Schneefall) zum Tragen (WM -2), außerdem kann man den Schwellenwert aller Wahrnehmungsproben im Speziellen was das Erkennen von Details angeht um +1 heraufsetzen (z.B. auf Schwellenwert 3 statt 2 für einen Fußgänger).
  • Zugefroren. Runden in Hamburg und Berlin aufgepasst: Fleeten, Kanäle, sogar große Wasserflächen wie die Havel bzw. der Wannsee können komplett zufrieren. Dadurch werden Wassergrundstücke auf neue Art erreichbar: Repräsentative Ufervillen harren auf Einbrüche bzw. Extraktion von Personen, auf das Wasser gerichtete Sicherheitsanlagen (Sperrketten gegen Boote, Unterwassersensoren…) versagen, neue Fluchtwege tun sich auf (und wer wollte nicht schonmal mit der Geländemaschine mit Spikes vom Ufer auf den Kanal springen und der verdutzten Konzernpolizei davonröhren…). Auch schön für alle U-Boot-Fahrer: Unbemerkt unter dem Eis lassen sich einige Routen befahren, die sonst von oben zu stark überwacht sind. Na, und wenn dir als SL dieser kreative Weg zur Aushebelung deiner Mission nicht passt, dann gibt es in genau dem Kanal oder Gewässerabschnitt, wo die Mission spielt, eben warme Abwassereinleitungen, oder der abwehrende Konzern hat hochtoxisches Frostschutzmittel eingebracht.
  • Ausfälle. Technik versagt bei Kälte. Dadurch werden zuvor als uneindringbar bekannte Anlagen plötzlich zu lohnenden Zielen – egal, ob die Runner einen entsprechend motivierten Auftrag vom Schmidt bekommen oder selbst auf Raubzug gehen. Wie umfassend die Sicherheitsanlagen versagen, liegt in der Hand des SL, aber aus der bitteren Erfahrung eines S-Bahn-Fahrers in Berlin sag ich mal: Sei großzügig, Technik versagt bei Kälte echt häufig 😉 ACHTUNG! Natürlich betrifft das auch die Technik der Runner. Safe ist die meiste Cyberware (da körpernah genug, um ordentlich erwärmt zu sein), aber z.B. kleine Drohnen können bei Kälte schon verloren gehen.
  • Brrrr. Saukälte hat einen weiteren wichtigen Effekt: Die Wachmannschaft bleibt drinnen. Warum sollte sie auch durch die Kälte stapfen, wenn da draußen eh vor lauter Schneetreiben nichts zu sehen ist? Und auch wenn es klar ist: Drinnen ist es einfach wärmer. Sollte doch eine Wache draußen unterwegs sein, kann der SL ihr einige negative Modifikatoren anhängen: Sichtbrillen beschlagen oder haben Schnee drauf, und die Kälte kriecht einem in die Knochen und kann die Chance auf Überraschung erhöhen bzw. die Initiative senken. Achtung! Gilt natürlich auch für Runner, die lange an einem Platz herumlungern müssen. Besser in Bewegung bleiben.

Mehr Ideen? Ganze Missionen? Anregungen? Dann schreib hier in den Ideen-Thread!

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