Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

Schlagwort-Archiv: Anarcho

[44] Razzia bei RAZANG

STERNSCHUTZ STÜRMT RAZANG REDAKTIONSRÄUME

Zu einer unerwarteten Begegnung der schwer bewaffneten Art kam es vor wenigen Minuten in den Redaktionsräumen des Berliner Straßenmagazins RAZANG in Berlin-Lichtenberg. Wie inzwischen durch Videofeeds bestätigt, drangen 12 Beamte des Sternschutz unter Deckung durch Einheiten der Sonderschutztruppe in das Gebäude vor, konfiszierten Redaktionsrechner und zahlreiche Datenträger.

Ersten Informationen zufolge handelt der Sternschutz auf Basis einer Strafanzeige der Berliner Judikative Dienste GmbH (BeJuDi) gegen das beliebte Szenemagazin. Gegenstand der Anzeige soll eine Reihe von Artikeln in der Rubrik „RA*ZANNG“ sein, die geltendes Recht „untergrabe“ und „zu Verbrechen anstifte“. RA*ZANNG ist die Rubrik für Fahrzeuge und Fahrzeugmodifikationen, die speziell in der Rigger- und Autoduellisten-Community weit über Berlin hinaus Bedeutung besitzt.

RA*ZANNG (gesprochen „Rä-zännnng“, wie ein vorbeirasendes Auto) ist schon ein paar Mal mit Anleitungen zur Nachrüstung von Fahrzeugen mit Panzerung und Waffenhalterungen aufgefallen, konnte sich bislang aber darauf zurückziehen, dass die veröffentlichen „Basteltipps“ über die Matrix frei beziehbar und somit bereits bekannt seien.
Tolstoi

Wie ein Sprecher des Sternschutzes auf Anfrage von Sender44 mitteilte, wurden im Zuge der Durchsuchung 4 Personen festgenommen, darunter der für die Rubrik RA*ZANNG zuständige Redakteur Peer „Hazmat“ Rugowski. Dieser wurde „vorerst nur zur weiteren Vernehmung“ in eine nicht genannte Sternschutz-Einrichtung verbracht und soll noch im Laufe der Woche dem auftragerteilenden BeJuDi Haftrichter vorgeführt werden. Von der BeJuDi stand niemand für Anfragen zur Verfügung.

Dass RA*ZANNG ebenso wie die Wummenrubrik KA*POW den Konzernen ein Dorn im Auge ist, kann keinen überraschen. Aber warum plötzlich diese (Über-)Reaktion? Jmd ne Theorie?
Fienchen

Da brauch ich keine Theorie für, das ist ziemlich offensichtlich: Stein des jetzigen Anstoßes ist mit einiger Sicherheit das via RA*ZANNG abrufbare „Freie Fahrt für freie Bürger Patch“ von letzter Woche, tatsächlich ein Virus für das GRID Modul im Fahrzeug, durch das die Bewegungsdaten des Autos auch bei Anbindung an das Energieübertragungssystem im Straßenbelag nicht an das ALI Kontrollsystem übertragen werden.
Russenrigger

Sehe ich genauso. Das größere Problem hierbei ist, dass das „Patch“ – da es an GRID bzw. ALI herumspielt – eben keine rein Berliner Sache ist, sondern potenziell nützlich und anwendbar für das gesamte an ALI/GRID angebundene Autofahrernetz ist. Wenn ich mir die Zugriffszahlen und den Abrufbuffer ansehe, hat sich der betreffende Artikel nebst Link binnen weniger Stunden viral durch alle Netze verbreitet – und eben nicht nur in den üblichen „Schattenknoten“, sondern auch bei Vroom, Motorwelt, Streetstorm, sogar in biederen und themenfremden Portalen wie Fit4Health, myVille und EidM (Eltern in der Matrix). Erst die Verbindung aus „Anstiftung zum Gesetzesbruch“ PLUS massenhaftem Interesse hat jetzt diese Eilreaktion hervorgerufen.
Tolstoi

Dabei war das, was zuletzt in RAZANG veröffentlicht wurde, eh schon das harmlosere Zeuch. „Echte“ Rigger und Autoduellisten haben sich längst in einer Art Mitmachportal zusammengeschlossen und feilen an ihrer eigenen RA*ZANNG-Version. Und Streetsams ebenso was KA*POW angeht. Langfristig – na gut: inzwischen vielleicht auch mittelfristig, womöglich sogar kurzfristig – macht es für RAZANG definitiv Sinn, sich inhaltlich umzutrimmen in ein optisch auf Anarcho getrimmtes Fashion und Lifestyle Magazin, während die „echten“ Hardcore-Anarcho-Rubriken in den ebenso echten Untergrund gehen. Und nochmal: HEY, WAS HABT IHR DENN ERWARTET nach der Neugründung von RAZANG als GmbH unter ADL-Recht.
Nakaira

 

[A] METAHUMANA

Das Jahr geht dem Ende zu, der Krieg in Südamerika brodelt eifrig weiter, in Berlin kündigt sich für Weihnachten eine größere Anti-Drachen-Demo an (politisch korrekt als „Pro Menschenrechte“ Demo angesagt). Zeit, sich mal der guten Anarchopedia zu widmen und über etwas ganz anderes zu schreiben. Oder?
Tolstoi

Die Kaufhauskette METAHUMANA entstand bald nach Ausrufung des Status F in Berlin als Zusammenschluss der vormals unabhängigen HUMANA Second Hand Bekleidungsgeschäfte, dem Elektrokaufhaus TILO STÖR, den Berliner Elektroketten PILASKI und INNOVA sowie den quasi über Nacht im Stich gelassenen Berliner Filialen von KAUFHOF. Weitgehend entweder von den Besitzern leergeräumt oder aber geplündert und zum Teil in Brand gesetzt, sahen sich alle der damaligen Gründer dem Ruin gegenüber. Statt aber wie die meisten größeren Händler den Raum Berlin zu verlassen, fanden sich hier engagierte, meist Urberliner Einzelhändler und Filialleiter zusammen, um sich in einer anfangs namenslosen „Handelskooperative“ für die gemeinsame Fortführung der Geschäfte einzusetzen.

Zwangsweise zurechtgeschrumpft auf anfangs nur 8 Standorte in Berlin – allesamt weitgehend von Plünderung verschonte Second Hand Läden der HUMANA Kette – richteten die Händler ihr Geschäft konsequent auf die sich rasant ändernden Handelsregeln und Bedürfnisse in Berlin ein: Im Fokus des Geschäftes standen von Beginn an Nachbarschaftlichkeit, Tauschgeschäfte und Hilfe zur Selbsthilfe. Zum geänderten Geschäftsmodell der „Dritte-Hand-Kaufhäuser“ gehörten früh auch hauseigene Abteilungen zur Ausbesserung und Reparatur defekter Ware von der eigenen Schneiderei bis zu Polsterservice, Küchenmontage und Elektroreparatur sowie ein eigener „Beschaffungsdienst, der gezielt auf die Suche nach rarer werdenden Ersatzteilen und neuer Ware in aufgegebenen Gebäuden oder am Straßenrand ging.

Aus den zusammenspielenden Gewerken rund um die Handelshäuser entstand zügiger als in anderen Bereichen der Stadt ein effektiver Warenkreislauf, so dass die Kooperative – bald unter dem Namen HUMANA, dann nach aufkommenden Diskussionen um eine mögliche Diskriminierung von Metarassen in METAHUMANA umbenannt – innerhalb des Status F zum führenden Berliner Handelskonzern aufstieg – ein Rang, den der Konzern in den Jahren nach der Konzernübernahme außer in reinen Konzernbezirken aufrechterhalten konnte.

2072 unter der neuen Berliner Verfassung in Form einer gesamtschuldnerischen Kreditgenossenschaft legitimiert und somit samt aller „Warenbestände unklarer Besitzdokumentation“ per Generalamnestie legalisiert, bestimmen die meist älteren und baufälligen oder schon aus Stückwerk zusammengezimmerten, an schmucklose Kartons erinnernden METAHUMANA Kaufhäuser den Look zahlloser Einkaufsstraßen speziell im Osten der Stadt.

Zur gezielteren Bearbeitung des „Neuen Westens“ wurde erst in diesem Jahr (2073) die Kette PROHUMANA gegründet, deren Geschäfte meist kleine, im Shabby Chic gehaltene „Fachgeschäfte“ für den „Nouveau Bohème“ der alternativ angehauchten Konzernberliner sind.

Gute Zusammenfassung, wenngleich mir die Plünderzeit … sorry … GRÜNDERzeit der Kette ein bisschen kurz kommt – samt all den Nebenaspekten wie etwa den Banden um Durek Brehmer, die mehr als ein Haus erst zur Ruine GEMACHT haben, ehe sie „nicht länger vom Besitzer benötigte“ Einbauküchen, Geräte, Kleider, Schuhe etc. „gebprgen“ haben.
Russenrigger

Mir kommt METAHUMANA und speziell PROHUMANA heute etwas zu geleckt daher. Früher – also nach der Gründerzeit jetzt, so halt die letzten Jahre lang – war META einfach nur der schäbige Basar im Kaufhauslook, in dem du Tech und Mode der letzten 10 Jahre wirklich fachlich gut geflickt und geprüft für sehr okayes Geld kaufen oder – nach 2068 ne Seltenheit – auch weiterhin geldlos tauschen konntest. Seit der „Legalisierung“ haben die sich ne Werbeagentur gekrallt und strotzen jetzt von Fair Trade-, Biofaser- und anderem Weltverbesserungsrotz, während hintenrum im wesentlichen eine Ausgründung der auf „echte“ Menschen zugeschnittenen PROHUMANA zu Lasten der für Assis und Metas gedachten METAHUMANA Kette stattfindet.
Fienchen

Gerüchte wollen wissen, dass die PRO/METAHUMANA-Besitzer von mehreren Kaufinteressenten auf Konzernseite belagert und einige wohl auch erpresst werden. 6 der insgesamt 16 Besitzer haben in den letzten 2 Jahren den Hut genommen bzw. sich ausbezahlen lassen, und es ist ein ziemlich offenes Geheimnis das Hauptgeschäftsführerin Friedericke Stör gerne an Aztech verkaufen würde – und dass sie mit diesem Wunsch bisher ziemlich alleine dasteht. Biz, anyone?
Tolstoi

Eiskeller [Anarcho-Bar]

// gepostet von KONNOPKE //

Heute mal schnell noch ein paar Zeilen zum EISKELLER, weil mir mit Ausbruch des Sommers grade wieder mal auffällt dass diese Location in den meisten Beschreibungen – auch dem aktuellen Berlin Upload – zu kurz kommt bzw. komplett fehlt.

An sich ist am EISKELLER wenig bemerkenswert: Ein schäbig-versiffter Anarcho-Club wie viele, mit selbstgezimmerten Sitzmöbeln, einer abenteuerlich aus Beleuchtungsträgern und Baugerüst gezimmerten Theke, auf deren Dach eine Art Empore besten Blick ins unten tobende Chaos bietet, durchgescheuerte Trollsize-Autositze aus zerschrammelten Schrott-Trucks als Sofaersatz, das ganze getauscht in Lichtgewitter, hasserfüllten Lärm (genannt Musik) und jede Menge Rauch, Fürze, Schweiß und Pisse. Weil echte Anarchisten lassen laufen.

Alter, Towarisch, Konnopkowitschkowskajesna, geht’s noch? Bist ja heute selbst für DEINE Verhältnisse Scheiße auf Anarchos drauf…
Vlady Wostock

Ach Mann, manchmal stinkt mir’s halt. Im wahrsten Sinn des Wortes. Sei es der verdammte Müll den irgendein Arsch bei mir am Treppenabsatz ablädt oder der Scheißknilch-Milchbubi gestern, der mir nen Vortrag über libertäre Prinzipien hält, dabei hab ich ihn nur gefragt was so schwer dran ist die VIER METER zum Klo zu gehen statt in die Kneipe zu pullern (war aber nicht der Eiskeller, sondern das Schorsch – und der hat den Knilch dann auch ganz libertär mit dem Kopf ins Pissoir gedroschen.
Konnopke

Der EISKELLER wäre wie jede andere Anarcho-Absteige – wenn er denn nicht auf Eiswerder liegen würde, der autonomen Inselfestung im Spandauer See. Als eine der wenigen Lokalitäten auf der Insel – und diejenige mit der schönsten Lage, nämlich zum Südufer und dem kleinen Hafenbecken der Privatschipper hin – ist die Location gewissermaßen Heimat und Lebensmittelpunkt vieler Insulaner:

Da wird im Sommer entlang der Stege gegrillt und verkohltes Fleisch mit gefrostetem Bier aus dem Eiskeller runtergespült, da wird geheiratet, Stadtkrieg auf Projektor geguckt, Kindergeburtstag gefeiert oder gepflegt zum Aggropunk Live-Act die Einrichtung zerlegt. Es finden Versammlungen statt, Alt-Anarchos sitzen im Kreis und tauschen Ideen aus – oder man baut einen Boxring auf und gibt sich Freestyle auf Fresse, während die wettende Menge heftigst mitgrölt. Einfach – und grade jetzt im Sommer – unbedingt mal hingehen. Aber vorher die Eiskeller-Seite checken, was an Programm ist (gibt häufiger geschlossene Veranstaltungen).

Der Eiskeller im Spiel

Eiswerder ist ein anarchistisches Bollwerk inmitten des Konzernbezirks Spandau und eine für das Spiel in Berlin überaus faszinierende Location: In direkter Nachbarschaft zu PsiAid und der Zitadelle Spandau, mit über 140.000 qm Fläche nicht zu ignorieren, vehement verteidigt von den auf ihr lebenden Außenseitern und Hardcore-Anarchisten, als frühere „Waffenschmiede des Deutschen Reiches“ voll auf Verteidigung ausgelegt, bestückt mit Lagersilos der alten Westberliner Senatsreserve für den Fall einer weiteren Blockade der Mauerstadt und natürlich mit eigener Strom- und Wasserversorgung ausgestattet, ist Eiswerder „autonom“ in mehr als nur einem Sinn.

Die Location Eiswerder wird ausführlich im Berlin-Quellenbuch ab Seite 75 behandelt.

Wie alles auf SRB ist die folgende Beschreibung des Anarcho-Clubs „Eiskeller“ eine Ergänzung und Erweiterung zur bestehenden Eiswerder-Beschreibung.

Der Eiskeller

Anarcho-Bar | Insel Eiswerder in Spandau [Kontrollierter Bezirk]

Der Eiskeller ist ein Anarcho-Club mit Bar und Bühne am Südufer der Insel Eiswerder, also mit bestem Blick auf die nahe gelegene Zitadelle Spandau. Gelegen direkt an einem mit zwei Anlegestegen begrenzten Hafenbecken, an dem ständig etwa ein Dutzend mehr oder weniger verrotteter, mehr oder weniger gepanzerter und/oder bewaffneter Motor- und Segelboote vertäut sind und in direkter Nachbarschaft zu einem großen Lagersilo mit eigenem Becken zum Andocken und Löschen von kleinen Frachtschiffen ist hier immer etwas los, wozu auch die hinter dem Clubgebäude liegenden Baracken, Zelte und verrosteten Camping- und Wohnwagen des Eiswerder-Camps beitragen.

Dem äußeren Schein nach gehört das Gebäude, in dem der Eiskeller-Club liegt zu der Minderzahl kleinerer Gebäude auf der Insel, die irgendwo zwischen Preußenzeit und Berlinblockade errichtet wurden (vermutlich in den 1930ern, worauf einige Buchstabenreste in Frakturschrift hindeuten). Das Haus ist aus hellen Ziegeln gefertigt und besitzt ein flaches Dach mit Giebel. Sämtliche der einmal bestehenden Fenster wurden im Laufe verschiedener Bauphasen vermauert oder mit Schrott versiegelt und beim nächsten Gebäudeanstrich übermalt.

Die Umgebung

Das direkte Umfeld des Clubs besteht nach „vorne“ aus der Kaianlage des südlichen Hafenbeckens von Eiswerder sowie nach „hinten“ aus verwildertem Gestrüpp, in welche das Camp wild hineingebaut wurde (einige Zelte wurden direkt an den Club angebaut; an der Mitte der Gebäuderückseite steht ein alter neosowjetischer Sanitätslaster, der einer 12-köpfigen Ork-Sippe als Wohnung dient).

Im direkten Umfeld des Clubs ist fast immer etwas los. Erst spät nachts (nach 2 Uhr) oder wenn das Wetter gar zu ungemütlich ist kann es hier auch mal einsam sein. Clubgebäude und Umgebung werden immer wieder mal von IR- oder Normallichtscheinwerfern gestreift: Meist kommen diese von der nahen Aussichtsplattform am alten Schlot (siehe Beschreibung im Berlin-Buch) oder dem Dach des benachbarten Lagersilos, selten auch von den stets an Vorgängen auf Eiswerder interessierten PsiAid Konzerngardisten auf der Bastion der Zitadelle Spandau.

Reinkommen

Der Zugang zum EISKELLER steht grundsätzlich jedem offen – wenn jemand nicht zur Szene passt oder wie ein feiner Pinkel aussieht, ist das durchaus nicht das Problem der Haussicherheit. Diese besteht aus (je nach Anzahl der Gäste und Programm des Abends) 3 bis 10 zerranzten Schlägern in Kutten mit markigen Anarcho-Sprüchen, die unter ihrem pöbelnden und alkoholstinkenden Äußeren aber tatsächlich recht gut trainiert sind (Ex-Söldner, meist Orks – verwenden Sie für die Haussicherheit die Spielwerte der Konzernsicherheit (→ SR4, S.326), aber mit Billig-Kommlinks der Gerätestufe 1 und natürlich Eiswerder als Vertrautem Terrain.

Aufgabe der Hausschläger ist weniger, Leute draußen zu halten, sondern aufkommenden Ärger drinnen aufzulösen, Störenfriede rauszuschmeißen, Hausverbote durchzusetzen und Leute, die nicht zur Stammkundschaft gehören, den Zutritt zu Billardzimmer und Empore zu verweigern: Die Hausregel, dass diese beiden Areale nur für Stammgäste sind wird derart scharf durchgesetzt, dass nichtmal Stammgäste ihre (dem Haus fremden) Freunde dorthin einladen können.

Drinnen

Der EISKELLER ist entgegen seinem Namen kein Kellerclub, sondern ganz normal ebenerdig angelegt und füllt das Gebäude komplett aus. Die Deckenhöhe wäre auch ausreichend für ein 1. OG (das es ja in Gestalt der Empore auch gibt), aber der größte Teil des Clubs ist auf das EG beschränkt.


Durch eine doppelflügige, in der Regel unbewachte Metalltür betritt man den Einlass, wo man an manchen Abenden an einem aus Getränkekisten gezimmerten Tresen Eintritt zahlt (andernfalls ist der Tresen unbesetzt und lediglich mit diversen Flyern und Pamphleten bedeckt).

Der benachbarte Abstellraum ist eng, mit Metallregalen zugestellt und sehr verkramt. Hier finden sich solch interessante Produkte wie „ANTIKRANK – MEHR ALS NUR GESUND“ enthält (ein Desinfektionsspray, das 99,99% aller Viren „inklusive MMVV, VITAS und SURGE“ entfernt (Surge. Ein Virus. Aha) – dessen Kleingedrucktes aber gnädiger Weise warnt: „Im Falle einer tatsächlichen VITAS oder MMVV Kontamination wenden Sie sich sicherheitshalber dennoch an die nächste Seuchenschutzstelle oder Euthanasieklinik“. Kurz: Jede Menge Zeug zum Putzen, dazu Werkzeug, jede Menge Schrauben, sortierter Schrott, Kabelreste – oh, und eine alte Ingram MP mit defektem Smartgunchip (sonst aber funktionsfähig – nur das Magazin fehlt).

Ebenfalls benachbart ist der Wachraum, in dem sich Verstärkungen der Sicherheitsleute aufhalten, lesen, trinken, Mindgames oder Karten spielen etc. Hier ist immer mindestens eine Person anwesend, um Leute von den Garderoben und dem Billardraum fernzuhalten. Der Wachraum enthält wenig außer einem alten Campingtisch mit Stühlen, mehreren Metallspinden mit der Aufschrift „Karl’s Kombat Fitness Studio“ und einem abgeschlossenen Waffenschrank (der aber leer ist, da alle Wachen ihre Bewaffnung ständig mit sich führen und auch mit nach hause nehmen).

Der Hauptraum ist das eigentliche Zentrum des Geschehens. Zugleich ist er auch der „wandlungsfähigste“ Raum: An ruhigen Abenden ist er eine etwas schummrige Spelunke, in denen ungepflegte Leute einigermaßen gepflegte Biere runterstürzen (Hausmarke ist hier das „Eisbräu Schädelpils“, dessen Logo ein mit Eiszapfen versehener Trollschädel ist und das für seinen Kopfschmerzfaktor berühmt und gefürchtet ist). Mehrere handelsübliche Markenbiere werden ebenfalls angeboten, allerdings nur unter der Bezeichnung „Pisse“. An Abenden mit Bühnenprogramm – was ebenso Standup Comedy wie Karaoke wie Musik vom DJ wie Live Gesang wie Bauchtanz wie Varieté wie Vorlesungen bedeuten kann ist es immer sehr voll, völlig egal was gerade gegeben wird. Die Leute drängen sich stehend nahe der Bühne und die Stammgäste auf der Empore fordern ihr Glück und die Belastungsfähigkeit der Emporenkonstruktion heraus. Dem Programm folgt man oder man lässt es bleiben, es wird vielstimmig geschwafelt, vielkehlig gesoffen und von der Empore wabern Shishadämpfe herab, die sich mit Mief von Zigaretten, Joints und Ausdünstungen mischen.

Ist echte Musik-Action angesagt – also wildes Moschen – wird hierfür der sonst leer stehende Partyraum geöffnet. Dieser ist weitgehend nackter Rohbau (mit einem umlaufenden Haltegriff an der Wand) und einer in den Raum montierten „Feuerlöschanlage“, die zur Abkühlung der Gäste genutzt wird und nicht immer nur Wasser versprüht. Da der Zutritt zur Empore durch den Partyraum erfolgt, steht der Wachposten, der unbefugten Zutritt verhindern soll, bei geöffnetem Partyraum direkt am oberen Ende der Treppe, indessen er bei geschlossenem Partyraum direkt an der doppelflügigen (metallenen) Zugangstür zum Partyraum steht (die er dann befugten Gästen aufschließt).

Herren- und Damen-WC sind die übliche neo-anarchistische graffittibedeckte Hölle, deren längst zertrümmerte Porzellanbecken aber vor Langem schon durch Metallversionen ersetzt wurden. Dem Filmklassiker Desperado nicht unähnlich – und nur leicht weniger eklig – verbirgt eine der zugesprayten und bepissten Wandplatten einer der Herrenklo-Kabinen eine Geheimtür, durch die man in das große Lager gelangt (bzw. durch die in die Enge getriebene Gäste im Falle einer Razzia vom Stammgästebereich in den regulären Clubbereich fliehen können).

Das Lager wird außer für Getränke kaum regelmäßig genutzt, natürlich kann es aber (z.B. im Zuge eines Abenteuers) durchaus sein, dass hier Schmuggel- oder Hehlerware gelagert oder übergeben wird. Der Raum ist karg, leer, unverputzt und lediglich mit großen Metallregalen ausgestattet, wie man sie in einem Lebensmittelmarkt für die palettenweise Lagerung erwarten würde. Als kleine Besondersheit ist eine Steigleiter in der Ostwand zu nennen, die zu einem längsseits durch den Raum führenden Stahlträger unter der Decke hochführt. Der frühere Zweck des Trägers ist unklar, jetzt jedenfalls ist er gänzlich funktionslos und höchstens als Versteck für eine sehr schmale Person oder als versteckte Ablage für kleinere Objekte oder Drohnen geeignet.

Hinterzimmer und Billardzimmer sind ebenso wie die Empore nur für Stammgäste zu betreten, worauf hier auch intensiv geachtet wird (die Stammgäste kennen sich untereinander und Fremde die hier auftauchen werden sofort gemeldet bzw. angesprochen bzw. auch angepöbelt oder geschlagen). Bauweise und Einrichtung der geschlossenen Areale unterscheiden sich kaum vom Rest des Eiskellers, allerdings sind hier keine Graffittis und alle Einrichtungsgegenstände sind im Wesentlichen unbeschädigt (aber deutlich gebraucht). An unregelmäßigen Stellen der drei genannten Areale befinden sich rotlackierte „Lichtschalter“ an der Wand: Dies sind „Ruftasten“ für die Haussicherheit, die über einen Brummton und eine rote Lampe im Wachraum verständigt wird.

Die beiden Garderoben sind nur dann in Verwendung, wenn es ein Bühnenprogramm gibt, und werden außerhalb jener Zeiten von den Wachleuten für Nickerchen oder Stelldicheins mit interessierten Damen verwendet. Die Garderoben enthalten jeweils eine quietschende Couch, einen Tisch mit Schminkspiegel und diversem Kosmetikzeug, ein Wachbecken mit Sprühbademittel und Seifenspray sowie eine billige Stereoanlage mit diversen raubkopierten Musikchips und Radiofunktion.

Der Hinterausgang führt direkt am Fahrerhaus des hinter dem Haus geparkten Sanitätstrucks hinaus (siehe oben). Die Tür ist durch eine Panikstange innen theoretisch dauernd verschlossen, tatsächlich aber an Abenden mit viel Publikum ab 20:00 mit einem Ziegelstein offen gehalten, um eine Lüftung zu ermöglichen (dann steht hier aber ein Wachmann, um den Zutritt von Leuten die nicht bezahlt haben zu verhindern).

Hinter den Kulissen

„Macher“ des Eiskellers ist ein gesichtstätowierter Elf, Hardcore-Anarchist und ausgebrannter Magier namens „Spuk“, der vor langer Zeit seine gut bezahlte Konzernstelle in Protest zu Dingen, die er erleben musste, aufgab, in die Schatten wechselte, bei einem Run seinen rechten Arm verlor und seitdem unaufhaltsam in Nihilismus und „Interesse“ für toxische Denkweisen abdriftet (und gelegentlich in der westlichen Innenstadt spazieren geht, offenbar).

Spuk ist tatsächlich eher selten im Eiskeller anzutreffen – meist ist er „irgendwo“ unterwegs, streunt durch die leer stehenden Baracken der nördlichen Insel, hilft bei der „Abwehr“ von Giftgeistern oder „überredet“ diese umgekehrt, lieber auf böse anrückende Konzernschergen loszugehen. Entgegen diesem unschönen Eindruck ist er (noch) kein Giftmagier oder Ähnliches – er geht nur hart an der Grenze, und seine negative, immer mehr vom Gedanken an den Untergang dominierte Weltsicht leistet nichts, ihn von seinem fatalen Pfad abzubringen.

Im Auftreten ist Spuk wortkarg, kalt, herablassend und distanziert. Auf Höflichkeiten kann er seiner Ansicht nach verzichten: Wer ihn braucht, wird ihn ertragen, und braucht er etwas, wird er es bekommen. Oder es sich nehmen – wie alle in dieser verschissenen Welt es eben auch halten.

Zu seinen Interessen zählen neben der Magie und Magietheorie und dem Trinken sehr hochdosierter Alkoholika (sein Lieblingsgesöff ist ein isländischer Strohrum namens „Niddhog“) das Studium und die Zucht von Kakerlaken – speziell Fauchschaben haben es ihm angetan. Redet man mit ihm Politik, erhält man den Eindruck dass er sich persönlich beleidigt fühlt durch den mehren Gedanken mancher, irgendjemanden und gerade ihn beherrschen oder regieren zu können. Mit Anarchismustheorie hat er nichts am Hut – wenn man seine Philosophie im Groben umreißen müsste, so wäre sie „das Recht des Stärkeren“ unter gleichzeitigem Totalverbot von Bündnissen und Zusammenrottungen gleich welcher Art: Jeder nur für sich.

Kaum kann es verwundern, dass die Wachleute des Eiskellers dem Besitzer keineswegs aus Freundschaft ergeben sind: Er bezahlt sie und gibt ihnen die nötigen Freiräume, sich nach ihrer eigenen degenerierten Art auszutoben, sollten sie das wollen. Gelegentlich nimmt Spuk noch immer Shadowrun-Aufträge an – allerdings nur, wenn diese ihn auf irgendeine morbide Art „faszinieren“ und ihm in Aussicht gestellt wird, in Konzerngebiet mit „Schafen“ aneinander geraten zu können (die Existenz von solchen, die sich führen lassen, scheint ihn noch mehr persönlich zu beleidigen als die Existenz derer, die sie führen).

Für Spuks Werte verwenden Sie den Kampfmagier (→ SR4, S.128).

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