Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

Schlagwort-Archiv: berlinwahl

Sürpriz, Sürpriz! Die Berlinwahl 2081

DER TAG DER BUCHMACHER: SO WILD WAR DIE WAHL-WETTE 2081.

[07.10.2081] Hi. Ihr habt keine Bildstörung. Ich bins. Eure geliebte Medienhurenkönigin Nakaira. Denn DIESE Wahl zu kommentieren, das wollt ich mir nicht nehmen lassen.

Dass die Wahl am 2081 ick sach ma „inshallah special mit scharfe Soß“ würde, ließ sich schon an den B1L-Headlines der vergangenen Jahre ablesen:

Auf das Superwahljahr 2078 mit Bundes- und Berlinwahl III plus Spandauer Schicksalsfrage folgten zwei Jahre des komatösen Stillstands, zumindest was Wechsel auf den wettträchtigen Stühlen des Berliner Rates angeht. Wer in Berliner Manier auf Chaos und Außenseiter setzte hatte das Nachsehen, konzernsozialisierte Wessi-Wettpussies des „Weiter so“ triumphierten (falls man das beim Wetten auf den haushohen Favoriten so nennen kann; genießt eure 60 Cent Gewinn bei eurer 8.000-Euro-Wette auf Landolts Wieder“wahl“).

Die Folge: Eine derbe Rezession für die Berliner Wettwirtschaft (okay, nur was das Produkt „Wahlwette“ angeht) und eine Wahlbeteiligung im Geier-Sturzflug. „Alles bleibt, wie es ist“ hätte die deprimierendste Hymne der Berliner Nation werden können – nun, bis eben jetzt, 2081.

Ob es – wie die intellektüllen Politfölletonisten der DeMeKo schreiben – daran lag, dass sich der Grö1BaZ Zöller erstmals seit Amtsantritt der Gunst der Berliner stellen musste oder – weit wahrscheinlicher – es die neu geschaffene Möglichkeit gab, on- wie offline zusammen mit der Stimmabgabe eine Wette bei Vesuv bzw. Caldera platzieren zu können: Die Wahl- und Wettbeteiligung explodierte am 05.10.2081 förmlich.

> Und das bei dem Mistwetter. Tobias hat uns den vollen Strahl ins Gesicht gespritzt.
> Konnopke

> You may want to rephrase that. Er meint das Sturmtief „Tobias“. Und er meint REGEN.
> Fienchen

> Ich persönlich glaube, der Hauptfaktor für die gestiegene Wettlaune war einfach der Fact, dass es zuletzt bei der Wahlperiode III so richtig abging in Berlin. JEDER hoffte, dass es diesmal wieder so sein würde, und es gab ja auch im Vorfeld schon seismographische Vorwarnungen, dass in dem einen oder anderen Dreierbezirk ein Erdbeben bevorstehen würde. Wenn man das Ohr halt auf der Straße hat. Oder wenn man Sender 44 verfolgt, um für den eigenen Konzernsender hemmungslos Content zu klauen.
> Penny D

AGC SIEMENSSTADT

Auf AGC Siemensstadt – den einzigen Konzernsektor in der Wahlperiode III – hatte die gestiegene Wahlbeteiligung natürlich keine Auswirkung: Schon früh am Sonntag verkündete Müller Schlüter Infotech das „Wahl“ergebnis und sorgte damit für das erste Highlight des Tages:

Nicht gänzlich überraschend, aber letztlich doch unerwartet informierte der Großkonzern darüber, dass Firmenchef Dr. Robert Schlüter jun. den Bezirk zukünftig nicht mehr persönlich vertreten werde. Laut offiziellem Statement reagiert Schlüter damit auf die im September gefällte „fatale und rückwärts gewandte“ Entscheidung des Rates, Bezirksvertreter zu einer „Mindestanwesenheitsquote“ bei Ratssitzungen zu zwingen. Der Rat setze damit eine „fatale Politik“ fort, welche „im Wirtschaftsleben stehende Experten“ zugunsten derjenigen verdränge, deren „einzige Werktagsperspektive“ mangels produktiver Arbeit in „sachgrundloser Agitation und kenntnisloser Selbstdarstellung“ im Berliner Rat bestehe.

 > Zoff um die geringe Anwesenheit speziell einiger Konzernvertreter gab es schon immer. Manchmal gingen die Abwesenden damit einem womöglich imageschädigenden Diskurs aus dem Weg, zuweilen wollte man so auch Entscheide blockieren, und generell hielten manche Konzerner es für unter ihrer Würde, das Geschrei und die „unflätigen Anwürfe“ der Alternativen in der Berliner Abgeordnetenversammlung (BAV) ertragen zu müssen. Schlüter war der König darin, sich mit anderweitigen Verpflichtungen zu entschuldigen und irgendwelche Hiwis ohne Entscheidungskompetenz in die BAV zu schicken.
 > Fienchen

 > Die Diskussion um eine Mindestanwesenheit oder auch das Recht der „Baff“ (BAV), einen Vertreter im Bedarfsfall vor die Versammlung zu befehlen, läuft schon seit Ichiro Koizumis monatelanger Abwesenheit 2073 [#berlin]. Mit dem Skandal um Sofia Nordins dreckigen Gebietsdeal im Herbst 2080 [#berlin2080] hat die Diskussion aber gehörig Fahrt aufgenommen: Unter dem Eindruck von hohen Kopfgeldern und einem förmlichen Todesdrohungs-Tornado in den Feeds und Beeps der Stadt hat Nordin seitdem an keiner Versammlung der Bezirksvertreter mehr teilgenommen. Versuche der Reinickendorfer Fraktionen, sie zu entmachten, scheiterten am Entscheid der Berliner Gerichte und unter Berufung auf die Gewissensfreiheit der Bezirksvertreter laut Berliner Verfassung. Die neue Regelung zwingt Nordin dazu, innerhalb der nächsten drei Monate entweder persönlich vor der Baff zu erscheinen oder zurückzutreten, woraufhin dann die Reinickendorfer Bezirksversammlung einen neuen Vertreter bestimmen darf. Die Kopfgeldjäger fighten angeblich schon um die besten Sniper Spots auf dem Weg zum Ratsgebäude.
 > Konnopke

 > Die Jagd auf Nordins Kopf läuft weiter. Neben Pay winken vor allem Prestige und Freidrinks in allen Berliner Destillen auf Lebenszeit. Unter den „Nordhuntern“ zirkulieren vor allem zwei mögliche Theorien ihren Aufenthalt betreffend: Nach der einen wurde sie vom III. Bürgermeister Takeshi Ozu über Monate in einem Luxusappartment der Renraku-Arkologie unter Schutzarrest gestellt, soll aber irgendwann im Sommer diskret und unter maximaler Bewachung in Scherings Biotechnologiepark verbracht worden sein, den sie nun ja auch leitet. Die andere Theorie besagt, dass sie über Monate in einer Finka des BGS in Oranienburg versteckt wurde – ebenfalls auf Weisung von Ozu – und sie nach einem Überfall durch Runner im Mai 2081 ganz aus Berlin weggeschafft wurde. Daneben gibt es natürlich unzählige weitere Theorien, von denen ein guter Teil durch Schering oder Ozus Team selbst gestreut worden sein dürfte. Naja, abgesehen von den Gerüchten, nach denen Ozu/Renraku die „gute Frau“ einer kompletten Gehirnwäsche und Neukonditionierung unterzogen oder sie durch einen Renraku-gesteuerten Klon ersetzt haben, freilich. Nach meiner Ansicht wäre es aus Konzerndenke heraus am Wahrscheinlichsten, dass Nordin nach ihrem Verrat am Bezirk einfach heim in ihr BTPB-Loft gefahren ist und Ozu lediglich das verstärkte Sicherheitskonzept von Schering abgenickt plus einen Trupp Rote Samurai abgestellt hat. Als Verstärkung und als Geste, dass ihm seine Pflichten als 3BM wichtig sind.
 > skep.sys

> Hi, skep.sys. Willkommen im Talk. Und ihr anderen: Seid lieb zu ihm! Er ist ein Hackbird!
> .rez

Neue Vertreterin für den Konzernsektor AGC Siemensstadt ist die MSI-Angestellte Dr. Aneta Kovac, laut Wahlmitteilung des Konzerns eine Expertin für Mensch-Maschinen-Kommunikation. Und für die Öffentlichkeit ein völlig unbeschriebenes Blatt.

> Für dich vielleicht. Aneta Kovac hat zwar auch IT mit Schwerpunkt Machine Learning und Mensch-Maschine-Dialog studiert, ihre zwei(!) PhDs hat sie aber in Jura und Risk & Crisis Communication Management bei der Aspen Academy gemacht, einer global operierenden Kaderschmiede für Politik, Public Relations und konzerngesteuerte Volksverdummung. In mir vorliegenden Files von Ökoaktivisten liest sich Kovacs Werdegang wie das Who is Who der Umweltverbrechen: Brennende Ölplattformen, gekenterte Säuretanker, vertuschte Grundwasservergiftungen mit tausenden Krebstoten, sie hat schon so ziemlich alle Drecksäcke gegen den Volkszorn verteidigt. Natürlich hat Dr. Kovac im Laufe der Jahre so ein exzellentes Netzwerk vor allem zu Unternehmen im Bereich Chemie, Nuklear, Ölforderung und -verarbeitung sowie den üblichen Dritte-Welt-Ausbeutern von Fashion bis Akkus aufgebaut. Auch einschlägige Größen der Unternehmensberatung fehlen nicht. 2076 war sie mal sehr kurzzeitig für Neonet tätig, ist aber lange vor Bekanntwerden des Boston-Skandals abgesprungen (die Aktivisten vermuten, dass sie berufsbedingt Einblicke in die Sache und direkt die Flucht ergriffen hat). Seit 2078 ist sie für die MSI-Mutter AG Chemie tätig und war zuletzt für die Vertuschung irgendeines Giftlecks in Wuppertal verantwortlich. Ihre Unterschrift unter dem MSI-Vertrag ist noch nass, und ihre öffentlich verbreitete Vita framed sie als ebenso intelligente wie empathische (IT-)Technikerin, deren berufliches Wirken ganz der Verständigung zwischen technokratischen Entitäten (Robotern, KIs, aber auch Unternehmen und anderen Körperschaften) und dem einzelnen Bürger dient.
> Penny D

> Wie kann jemand, der in der Öffentlichkeit steht, sein Wirken verschleiern und sich scheinbar immer wieder neu erfinden? Ich finde in der öffentlichen Suche NICHTS von ihrem Wirken für Umweltverbrecher.
> Konnopke

> Die öffentliche Matrix gehört den Kons. Welche Statements und Berichte Kovac für wen verfasst hat oder an welcher Strategie zur Vertuschung sie mitgewirkt hat, wird ja nicht verlinkt. Namentlich genannt wird entweder nur der vor den Kameras stehende Sprecher – das war sie nur in seltenen Fällen, und niemals bei unrettbaren PR-Desastern – oder eben „die PR-Abteilung“. Da sie in den meisten Fällen als externe Beraterin oder „Strategic Communication Expert“ tätig war (niemals als „Head of“ irgendwas), taucht sie dort nicht auf, selbst wenn man nach „dem Verantwortlichen“ für das Treiben der PR-Abteilung sucht.
> .rez

> Nunja, aber als Bezirksvertreterin für AGC Siemensstadt steht sie ja nunmal in der Öffentlichkeit. Das wird sie ja zukünftig kaum vertuschen können.
> Konnopke

> Stimmt. Es deutet vieles darauf hin, dass Kovac ihre Karriere neu ausgerichtet hat: Nach Jahrzehnten mit wechselnden Auftraggebern, an wechselnden Orten und immer auf dem Höhepunkt von Krisen ist sie jetzt „fest“ für AGC/MSI in Berlin-Siemensstadt tätig: Ein dynamischer Tötigkeitsort (immer diese Vertipper) und in sich selbst eine nie endende Krise, dessen Kommunikation und Wahrnehmung sie strategisch gestalten und nuanciert in neue Bahnen lenken kann. Aus ihrer Perspektive muss das eine spannende Herausforderung sein, die noch dazu mehr Gestaltungsmöglichkeiten, Ansehen und vermutlich Gehalt bei weit weniger (Reise-)Stress bedeutet.
> Penny D

> Laut offizieller Vita wurde Kovac 2047 in Prag geboren. In gewissen Ecken der Matrix kursieren aber Gerüchte, dass sie in Sokolov (Falkenau) geboren wurde, und das deutlich früher (2023 und 2008 werden öfters genannt, referenzieren aber womöglich andere Personen desselben Namens). Bestätigen können wird man das angesichts der Crashs und dem Chaos im Konzil Marienbad zur damaligen Zeit wohl nie, und letztlich ist’s ja auch Wurscht ob sie eine kosmetisch volloptimierte Mittdreißigerin oder eine kosmetisch volloptimierte Leónisierte ist. Ich wollt’s nur gesagt haben.
> skep.sys

> Ich find’s interessant zu bedenken, dass sie nach einer langen Karriere kurzfristiger Gigs zuletzt ein paar Jahre fest bei der AG Chemie gearbeitet hat. Jetzt tritt sie aber als MSI-Angestellte auf. Natürlich macht es ihre Arbeit leichter, wenn sie gegenüber Kameras und in der BAV im MSI-Dress statt mit dem verhassten AGC-Pin auftritt, aber meint ihr, dass Schlüters rascher Rückzug und die Entsendung einer PR-Frau des Mutterkonzerns auch auf Stress oder Umstrukturierungen zwischen den beiden „Partnern“ hindeutet?
> .rez

Natürlich hatte kaum jemand auf einen Wechsel an der Spitze von AGC Siemensstadt gewettet. Entsprechend waren die Quoten, und entsprechend dürften sich MSI-Insider plus einige Verwegene schon am Sonntagmorgen eine goldene Nase verdient haben (viele Insider können es natürlich nicht gewesen sein – das wäre beim Platzieren der Wetten und der damit einhergehenden Anpassung der Quoten sofort aufgefallen).

Auf den ersten Schock des Tages folgten Zitterpartien in beinahe allen anderen Bezirken – viele davon durchaus erwartet, einige davon aber auch völlig überraschend.

POTSDAM

Die einzige Ausnahme stellte der Normbezirk Potsdam dar, wo wie erwartet Fabian von Wittich (CVP/Preußenstiftung) als Amtsinhaber und sicher gesetzter Favorit von Beginn an uneinholbar in Führung ging.

Mit gerade 3,8% konnte die zweitstärkste Kandidatin Liberty Zollernschreck von der USPD trotz einer vielbeachteten Guerillakampagne in den sozial abgehängten Bezirksteilen und trotz öffentlicher Unterstützung durch Brandenburgs Ministerpräsident Richard Schinkel nichtmal einen Achtungserfolg erzielen.

> Frühere Umfragen hatten Liberty mit zum Teil über 20% deutlich stärker und sogar „aussichtsreich“ gesehen. Daraufhin beschlossen nacheinander zwölf Lokalgrößen von Babelsberg über Golm bis Bornstedt, ebenfalls ihren Hut in den Ring zu werfen. Dass diese Kandidaten samt ihren Wahlkampagnen tatsächlich schwarz von PSt und CVP finanziert wurden, gilt als offenes Geheimnis – sie geben sich auch keine besondere Mühe, es zu kaschieren.
> Aggi

> Drei Kandidaten haben sogar öffentlich damit geprahlt, ordentlich Geld für ihre Kandidatur bekommen zu haben. Von wem, haben sie unter Verweis auf ihre Verschwiegenheitsvereinbarung zwar nicht gesagt, aber das Augenzwinkern und das „Was denkst du denn, Mäuschen?“ von Marcel Lorenz, dem Dutzende Wohnblocks in Babelsberg gehören, sprechen Bände.
> Penny D

> Divide et Impera.
> .asl

SCHÖNEBERG

Im Normbezirk Schöneberg überraschte Mareike Praschak mit einer fulminanten Rückkehr an die Bezirksspitze. Die Messerschmitt-Kawasaki-Frau und LDFP-Politikerin war durch die Urwahl 2072 zur ersten Vertreterin Schönebergs im frisch geeinten Berlin bestimmt worden, ehe sie den BAV-Sitz 2075 krachend an den CVP-Kandidaten Gregor Thielke verlor. Trotz anhaltender Beschwerden über dessen ineffiziente Bezirksführung und „Unregelmäßigkeiten“ bei der Bezirksabgabe scheiterte Praschak 2078 erneut überdeutlich gegen Thielke, fiel sogar unter ihr Ergebnis 2075 und hinter die erstarkenden Kommunisten im Bezirk zurück.

Die seit Jahren zunehmende Arbeitslosigkeit und der langsam sichtbar werdende Verfall des Bezirks haben nun offenbar das Blatt gewendet:

Zwar konnten die Kommunisten um den Elfen Leonid Genscher ihr Wahlergebnis von 2078 knapp verteidigen, aber Praschaks Versprechen einer „Effizienzoffensive“ in der Bezirksverwaltung und einem von M-K finanzierten „Re:Start Schöneberg“ mit Investitionen in Straßen, Schulen, Versorgungsnetzen, öffentlicher Sicherheit und Förderung lokaler Unternehmen haben gegen Thielkes offenkundigen Unfug vom „Schöneberger Erfolgsmodell“ gesiegt.

> Interessantes Framing. Tatsächlich ist Thielke nicht am Abschwung im Bezirk gescheitert – ist ja nicht so, als würde Berlin auf einer Welle des Aufschwungs reiten, auch wenn die Jubelmedien der DeMeKo behaupten – sondern daran, dass er seine Wahlversprechen nicht gehalten hat. Er trat 2075 als Gegenkandidat zur Praschak an, die als Konzernfrau und LDFP-Politikerin das leibhaftige Feindbild der Willkür und Unterdrückung durch die Berliner Großkonzerne war. Thielke verkaufte sich als Schöneberger Bürger der Mitte und als Vertreter des linken Flügels der CVP, erklärte die soziale Marktwirtschaft nach dem Vorbild der 1970er zu seinem Leitbild. Kaum im Amt, knickte er gegenüber Messerschmitt-Kawasaki ein und ließ sich kaufen. Scheiße, #berlin2080 listet ihn korrekt als engen Buddy der fucking M-K-Einpeitscherin Olga Schoel, der Vertreterin der Berliner Industrie im Rat.
> .krah

> Du hast recht, aber das ist nicht das ganze Bild. M-K ließ es sich nicht nehmen, Mareike Praschak nach ihrer Wahlniederlage zu Thielkes direkter Ansprechpartnerin zu machen. Was immer Thielke von M-K oder den M-K-dominierten Unternehmensverbänden im Bezirk wollte und was immer er verhandelte, musste er mit Praschak klären. Und die ließ ihn am ausgestreckten Arm verhungern: Sie machte zuckersüße Miene zum bösen Spiel, stimmte Vereinbarungen zu, nickte gemeinsame Initiativen von Bezirk und Konzern ab und ließ sich gemeinsam mit Thielke bei Spatenstichen zu Kinderheimen, Schulen, neuen Geschäftsblöcken ablichten. Und dann verhinderte sie, dass irgendeines der Projekte je zum Abschluss kam. Überall herrscht Stillstand, Straßen sind wegen Bauarbeiten gesperrt, auf denen nichts passiert, Baumaterialien treffen „leider“ nicht fristgerecht ein, Gutachten offenbaren Planungsmängel auf Seiten des Bezirks, Kosten explodieren … sie hat auf Thielke gespielt wie auf einer Geige, während der Bezirk abbrannte. Oder zumindest kein Stück vorankam. Schaut euch einfach ihr Gesicht beim ersten B1L-Interview als neue Bezirksabgeordnete an.
> Penny D

> Was ist eigentlich aus Praschaks Ehemann geworden? Ich seh nur grade, dass sie in #berlin Mareike Praschak-Sonneberg genannt wird.
> .asl

> KFS.
> .rez

> Oh. Scheiße. Wünscht man keinem.
> .asl

> Ja.
> .rez

STRAUSBERG

Im einstigen „Industriesektor Ost“ Strausberg galt der Sieg von Amtsinhaberin Doreen Katschmarek (ESP) eigentlich als gesetzt, nachdem ihr langjähriger Widersacher Noel Duval vom Arbeiter-Policlub wenige Wochen zuvor bei einem Raubüberfall durch Junkies tödlich verwundet wurde.

> Nein, Nakaira. Das darf man selbst als DeMeKo-Sellout nicht einfach so stehen lassen. Duval wurde hingemetzelt, um ihn aus dem Rennen zu nehmen. Die Killer waren keine Junkies, sondern Wehrsportler aus Spandau, die richtig Spaß daran hatten, dem Ork Duval vor seinem Tod so viel Schmerz wie möglich zuzufügen. Das Ganze fand ziemlich offen an einer Tanke nahe der A10 im Industriegebiet Neuenhagen statt und sollte eine Warnung an andere Arbeiter darstellen, sich das mit der Kandidatur gut zu überlegen. Und das hat auch bestens funktioniert. Katschmarek mag auf grün machen und in der ESP sein – in Wahrheit ist sie ein eiskalter Machtmensch, der es auf Shiawases Entsorgungsverträge mit Berlin abgesehen hat [#berlin2080] und dem Parteien und Prinzipien völlig egal sind.
> Penny D

> Und metamenschliche Verbundenheit ebenso. Katschmarek ist wie auch ihr Vater Fritz ein Oger und macht dem ohnehin nicht besonders prallen Ruf dieses Typus keine Ehre. Würde morgen die SuperBILD berichten, die Katschmareks hätten Kinder zu Weihnachten gefressen, wäre niemand, der die Katschmareks kennt, sonderlich überrascht.
> .rez

> Ihr Wille zur Macht um jeden Preis wird noch ihr Ende sein. Mark my words. Sie mag glauben, die „dummen Faschos“ gegen die Leute vom Arbeiter-Policlub (meist Linke und viele Metas) zu benutzen. In Wahrheit wird sie benutzt. Wie man an den Ergebnissen bereits sieht. Spätestens 2084 ist Doreen weg – falls sie das Jahr überhaupt noch erlebt.
> Fienchen

> Nunja, sie könnte auch plötzlich der PNE beitreten. Selbst das würde mich bei ihr nicht überraschen, und sie wäre auch nicht das erste ESP-Mitglied, das plötzlich seine glühende Liebe zum Neofaschismus entdeckt.
> Aggi

Tatsächlich war es eine lange Zitterpartie, bis Katschmarek um 21:43 Uhr am Sonntag zur Gewinnerin der Bezirkswahl erklärt wurde. Die Arbeiter hatten zwar durch die vergleichsweise geringe Bekanntheit ihres neuen zwergischen Kandidaten Burak Yildirim einige Einbußen, schnitten aber besser ab als erwartet. Zudem überraschten sowohl die Kommunisten um Marx Molotov (KPD) als auch die Strausberger PNE um Martin Hartmann mit satten Zugewinnen.

> Die PNE hat laut Wahlergebnis bzw. aktuellen Umfragen in allen Berliner Bezirken zugelegt (in einigen mehr, in anderen weniger). Der Grund dafür liegt vor allem in einer erschreckend (sic!) gut gemachten Angstkampagne gegenüber MMVV-Infizierten, welche die Partei quer über alle Kanäle mit gezielten Messages für die jeweilige Teilzielgruppe und Persönlichkeit des Empfängers streut. Laut PNE genügt es den „verbrecherischen ADL-Eliten“ nicht mehr, das deutsche Volk mit Metamenschen zu durchseuchen, nein, die Regierenden würden nun sogar Vampire und Ghule dem normalen Deutschen rechtlich gleichstellen und damit die elementare Schutzpflicht des Staates gegenüber dem Bürger ins exakte Gegenteil verkehren. Diese Botschaften fallen auch bei gemäßigten bis linken Zuhörern auf fruchtbaren Boden, denn die Angst vor einer Verbreitung von MMVV-Infizierten in Berlin ist im Angesicht jubelnder Ghule in brechend vollen PNO-Hallen vor einer lächelnden Vampirin Bella Lugosi äußerst real. Bürgern, die einen Hang zu Verschwörungstheorien haben, präsentiert die PNE noch deutlichere Horrorszenarien: PNO und Regierung würden demnach gezielt Bürger mit MMVV infizieren durch angebliche KFS-Schutzimpfungen, Chemiesmog, Verseuchung von „Pink Goo“ (Ersatzhühnchenrohmasse) in Schul- und Arbeitskantinen, die rote „Graf Dracola“-Cola von AldiReal und durch „geheime Pädophilen-Exzesse“ in Bella Lugosis Schloss Babelsberg. Der „gesunde deutsche Volkskörper“ soll so langsam durch ein „Zombie-Volk“ von Infizierten ersetzt werden, das zum Dank für die rechtliche Gleichstellung der Regierung treu ergeben sei. Zudem sollen alle Schwarzen Schrägstrich alle Afrikaner egal ob Ghul oder nicht Träger des MMVV-Virus sein, daran hätte man in der Ghulnation Asamando lange gearbeitet. Die betreffenden Genmanipulationen am MMVV-Virus seien mit NEEC-Entwicklungshilfe finanziert und von Pharmakonzernen (alle in der Hand der Lieblings-Feindgruppe des Angesprochenen) ausgeführt worden. Die auch ohne weitere Panikmache wachsende Angst vor einer „Normalisierung“ der Infizierten und einer Ausbreitung von Ghulen und Vampiren in Deutschland treibt aktuell der PNE auch solche Leute zu, die eigentlich zum Feindbild der Partei gehören: In Strausberg wählten laut Auswertungen des O.R.K. Policlubs immerhin 6% der Orks und Trolle die PNE!
> Penny D

> Weitere Folgen der Infizierten-Rechte sowie der PNO-Werbung um Ghulstimmen siehe weiter unten bei Kreuzhain.
> .rez

> Dass die PNE sich selbst zur Speerspitze des Widerstandes gegen Infiziertenrechte gemacht hat, hemmt andere Parteien, sich der berechtigten Sorgen der Bürger anzunehmen und ebenfalls gegen die realen Gefahren von Ghulkiezen etc. zu agitieren. Keiner möchte sich im linkslastigen Berlin dem Verdacht aussetzen, der PNE nachzueifern. Leider überlassen die Parteien damit das Thema den Neofaschisten, die sich stolz als letzte Verteidigungslinie gegen die „Untoten“ darstellen können.
> .asl

> Beim „Ruf zu den Waffen“ gegen die Ghul-Bedrohung mischen auch Ringbund und Wehrsportgruppen [#berlin2080] kräftig mit. Nur zu gerne verkauft man besorgten Bürgern angebliche „Überlebensausrüstung“ für die kommende Ghulokalypse und macht sie bei speziellen „Anti-Ghul-Kampftrainings“ fit. Natürlich kommt es dann vermehrt zu Übergriffen gegen Ghule und deren Wohnstätten (realen wie vermuteten) – und die Infizierten lernen aktuell sehr schmerzhaft, dass sie trotz Bürgerrechten von der legendären Berliner Solidarität gegen Gewalt von Rechts völlig ausgeschlossen sind.
> Fienchen

Ja, die Berliner Wahl 2081 steckte voller Überraschungen – dabei sind wir noch längst nicht am Höhepunkt der Wahlgefechte angekommen. Auch nicht mit dem folgenden Abschnitt:

ZEHLENDORF

Im vornehmen Normbezirk Zehlendorf entspann sich gegen jede Erwartung ein heftiges Duell zwischen Amtsinhaberin Izabella Buzek (Proteus) und einem erst in allerletzter Sekunde ins Rennen gegangenen Kandidaten von Evo:

Zur völligen Überraschung aller Wähler und Medienvertreter enthüllte der transhumanistische Biotechkonzern auf einer Pressekonferenz am Vorabend der Wahl, dass er die Kandidatur eines freien Geistes namens Idis unterstütze. Kaum war dies ausgesprochen, manifestierte sich eine aurenhafte Lichtgestalt. Für einen Augenblick meinte man Schwingen zu sehen, dann verdichtete sich der Geist zum Körper einer Frau unbestimmten Alters mit sehr heller Haut und lidlosen, dabei aber gütig scheinenden Augen.

In ihrer kurzen Ansprache äußerte sich Idis mitfühlend über die Konflikte in der Stadt und das Leid, welchem viele Bewohner derselben ausgesetzt sind. Sie verfüge aufgrund ihres Daseins als Geist über einige einzigartige Perspektiven und könne dabei helfen, „menschliche Selbstbegrenzungen“ im Sinne einer höheren, größeren, gemeinsamen Sicht auf die Probleme zu überwinden.

Da sie weder am Geld noch an Befindlichkeiten wie Stolz, Sozialem Druck und Rang ein Interesse habe und auch nicht von Magiewirkern abhängig sei, könne sie losgelöst von Pekuliarinteressen das tatsächlich Beste für den Bezirk und seine Bewohner erwirken.

Sie habe, so Idis weiter, genau diesen Bezirk zu ihrer Heimstatt erwählt, da Zehlendorf durch das Wirken von Proteus und Evo weit offener für revolutionär neue Konzepte und Gedanken sei. Seine Bewohner – gerade jene, die reichlichen Gebrauch von den technischen Möglichkeiten machten, ihren Körper zu ändern und somit „das Diktat der Fleischgeburt“ zu überwinden, die „Urkette der menschlichen Hingeworfenheit“ abzuwerfen – trügen in sich den Keim einer größeren Freiheit. Sie freue sich darauf, den mutigen und freien Bürgern Zehlendorfs dabei dienlich zu sein, das volle Potenzial des Möglichen zu erschließen.

Nun mag es ja bei Evo zum normalen Gedankengut gehören, dass Geister Persönlichkeitsrechte genießen und zum Beispiel Anteile an einem globalen Biotech-Multi besitzen können (#buttercup), aber selbst für das freie Berlin kam diese höchst ungewöhnliche Kandidatur „etwas“ überraschend. Während sich die polnische Proteus-Powerfrau Izabella Buzek wie ihr ganzer Konzern auffallend zurückhielt, wurden Rat und BeJuDi in kürzester Zeit mit Beschwerden und Eingaben von Konzernen, Parteien, Fraktionen, Kanzleien und Einzelpersonen überschwemmt.

Die Nacht von Samstag auf Sonntag war für Berliner Juristen also ausgesprochen aufregend. Und natürlich war an eine rechtlich belastbare Entscheidung vor Beginn oder selbst bis zum Ende der Wahl nicht zu denken, weshalb man sich auf die Klärung der weiteren Verfahrensweisen konzentrierte. Evo indessen machte mit seiner Unterstützung für die „Geisterkandidatin“ selbstverständlich ernst und erzeugte im Zehlendorfer Rathaus ebenso wie auf Ratsebene genug Druck, um Idis‘ Kandidatur mindestens für den Moment anzunehmen.

Was dazu führte, dass sie am Sonntagmorgen auch auf den Wahlzetteln stand.

> Okay. Kurzer Break. Dass ein freier Geist Anteile an einem AAA-Konzern (oder sonst einem Unternehmen) hält oder sogar dem Vorstand angehört, ist keineswegs die Norm in der Sechsten Welt. Im Falle von Evo war es so, dass ein Individuum im Laufe der Zeit größere Anteilskontingente am späteren Evo erwarb – natürlich durch Mittler, Kanzleien, Sockenpuppen – und sich dann erst als freier Geist offenbarte. Plus dass die Japaner vom Kaiser über die Gerichte bis zu einem Großteil der Bürger das dann auch akzeptiert haben. Man hätte – theoretisch – auch sagen können, dass Buttercup keine Rechtspersönlichkeit besitzt. Am Fakt, dass Buttercup Evo-Anteile kontrolliert, hätte das aber nichts geändert: Der Besitz wäre auf von ihr gesteuerte (bezahlte, kontrollierte, erpresste, besessene, was-auch-immer) natürliche und juristische Personen übergegangen und der harte Move wäre zur Lachnummer geworden. Ähnlich ist IMO auch die Logik dahinter gewesen, Drachen als Rechtspersönlichkeiten anzuerkennen: Wer möchte Lofwyr sagen, dass er keine Aktien besitzen kann? Bei Idis jetzt verhält es sich aber anders: In der Berliner Verfassung gibt es keine eindeutige Regelung, wer bzw. was alles als rechtsfähiges Individuum gelten und damit sowohl wählen als auch zu Wahlen antreten kann. Die Klärung dieser Frage hatte zum Zeitpunkt der Berliner Einheit schlicht keine Priorität – und die Grundhaltung zwischen denen, die Berlin fest auf ADL-Gesetz stellen wollten, und eben den paar vehement anthrophilen Anarcho-Kiezen … kurzum: Es existiert eine Lücke – und damit greift eigentlich das Prinzip „mein Kiez, meine Regeln“. Da Evo Zehlendorf via Einfluss auf das Rathaus dazu gebracht hat, Idis auf die Wahlliste zu setzen, könnte man sagen, dass in Zehlendorf freie Geister Rechtspersonen sind. Allerdings ist Zehlendorf halt nicht Evos Konzernsektor und auch keine Anarchozone. Und seine wohlbetuchten Bewohner nehmen es keinesfalls einfach so hin, dass jemand – und sei es Evo – die Spielregeln des Bezirks ändert. Vor allem dann, wenn dieser Entscheid negativen Einfluss auf den Wert ihrer Immobilien hat!! OMG!! Der Widerstand im Bezirk ist schon jetzt erkennbar heftig und wird sicher in kommenden Wochen weiter zunehmen, wenn die diversen Nobelkanzleien ihre Schriftsätze komplettiert und die Sammelklagen fertig vorbereitet wurden.
> Fienchen

> Ein weiterer Aspekt der Sache ist, dass der Berliner Rat seit 2079 über eine mögliche Volks-SIN für freie Geister verhandelt. Eingebracht wurde der Antrag bereits mehrfach – in leicht unterschiedlichem Wortlaut – durch die Initiative „Seelenrechte“ des charismatischen Hermetikers und bekennenden Magokraten Kilian Lorenz (PNO) aus Kreuzhain. Alle drei Jahre bewirbt sich Lorenz um den Bezirksvorsitz und verliert krachend. Dazwischen fällt er immer wieder mal auf mit spinnerten Ideen wie der, dass Fahrzeuge, welche das Gefäß eines Geistes sind, von Verkehrsbeschränkungen (Stichwort autofreie Kieze) und verkehrserzieherischen Maßnahmen ausgenommen sein müssen. 2079 hat er unterstützt durch PNO und Anthrophile Policlubs das Anliegen in den Rat einbringen lassen, sich mit der Rechtsgestalt von Geistern und Gestaltwandlern nach dem Vorbild der Tschechischen Republik auseinanderzusetzen. Es mag gut sein, dass Evos Nominierung eines freien Geistes den Versuch darstellt, Bewegung in die Sache zu bringen. Oder dass hinter verschlossenen Türen bereits eine „Geister-SIN“ verhandelt wurde, von der wir Stimmvieh nur noch nichts wissen.
> Nemascope

Die offen proklamierte Unterstützung Evos für die „Kandidatin“ Idis hat dieser natürlich vom Start weg das enorm große Stimmenkontingent der Evo-Bürger im Bezirk eingebracht. Auch ein Großteil derjenigen, die direkt oder indirekt von Evo-Aufträgen abhängig sind, werden sich für Idis entschieden haben. Selbst zahlreiche Proteus-Angehörige stimmten wohl für Evos Kandidaten, da sie davon ausgingen, es handele sich um eine abgesprochene gemeinsame Initiative der in Zehlendorf eng verbandelten transhumanitischen Großkonzerne.

Auf der anderen Seite sprachen sich offenbar die Zehlendorfer ohne direkte Bindung zu Evo und Proteus mit vehementer Mehrheit gegen Idis aus. Und weil auch sie vermuteten, Proteus/Buzek seien Partner des Evo-Vorstoßes oder seien zumindest mit der Kandidatur eines Geistes einverstanden (immerhin blieb am Sonntag ein Aufschrei und Protest Buzeks oder Proteus‘ aus), straften sie Amtsinhaberin Buzek ab.

> Izabella Buzek ist die eigentlich Leidtragende dieser Story. Ich bezweifele, dass sie oder Proteus im Vorfeld über Evos Vorhaben informiert waren. Was da am Samstag und Sonntag zu sehen war, glich weniger dem kühlen Stonewalling eingeweihter Verschwörer als der Schockstarre von Leuten, die völlig überrumpelt wurden. Das Schweigen von Proteus/Buzek wird dem Versuch geschuldet sein, erstmal Klarheit zu den Hintergründen und Absichten Evos zu erlangen, ohne unnötig Geschirr zwischen den beiden langjährigen Partnern im Bezirk zu zerschlagen.
> Fienchen

> Das deckt sich mit meinem Eindruck. Ich hatte im Vorfeld der Wahl ein längeres Gespräch mit Izabella Buzek (die im Privaten wohl „Izabela“ genannt wird – das schnellere „Izabella“ hat sie sich auf Anraten von PR-Profis zugelegt, da es für das deutsche Gehör sympathischer klingt), und dabei schien sie für die kommende Wahl nicht mit Überraschungen zu rechnen. Buzek ist eine attraktive und sehr kluge Endvierzigerin, hat vier Kinder (das Jüngste wurde Anfang des Jahres geboren). Sie studierte Angewandte Linguistik und Slawistik in Warschau, sattelte später auf Wirtschaftssoziologie hin und ging 2067 gezielt nach Berlin, um dort für Proteus zu arbeiten. Sie ist unaufgeregt und nimmt sich gerne Zeit, eine Antwort zu formulieren – man kann fast sehen, wie sie Gedanken innerlich abwägt und von verschiedenen Seiten betrachtet, ehe sie ihre Ansicht äußert. Hat sie aber einmal eine Entscheidung gefällt, setzt sie diese auch rasch und entschieden in die Tat um. Diese Haltung hat ihr das zweithöchste Approval-Rating unter den Berliner Bezirksvertretern verschafft (nur von Morek Pflügler übertroffen), womit ihre Wiederwahl gesichert schien. Und dann flog ihr am Sonntag die Scheiße ins Gesicht.
> Penny D

> Also: Warum hat Evo das getan? Eine Idee?
> .rez

> Ein Deal mit Idis? Vielleicht hat der Geist etwas, das Evo Deutschland will, und als Gegenleistung hat der Konzern dem Wunsch des Geistes entsprochen, die Kandidatur zu supporten. Angesichts des Schadens, den Evo damit in der Zusammenarbeit mit Proteus und was das eigene Image angeht erzeugt hat, muss es verdammt wertvoll gewesen sein. Ich hoff für Evo, es hat sich gelohnt.
> Fienchen

> Aber hat es Evo denn geschadet? Die öffentliche Debatte ist noch am Laufen, und es offenbaren sich auch ziemlich viele Supporter. Das Ganze könnte auch eine Art Testlauf sein. Womöglich steckt direkt Buttercup oder die Anthrophile Gesellschaft dahinter. Berlin ist ja bekannter Maßen ein beliebtes Experimentierfeld für soziologische Studien [#berlin].
> .krah

> In jedem Fall hat der Move Berlin insgesamt geschadet. Meine Meinung. Die Leute waren grade dabei, die Bürgerrechte für Ghule zu verarbeiten, da taucht überraschend der Vorstoß auf, auch noch fucking GEISTERN das Wahlrecht zu geben. Möchte nicht wissen, für wieviele auch in anderen Berliner Dreier-Bezirken dies der letzte Tropfen war, durch den sie das Kreuz bei PNE bzw. PNE-nahen Kandidaten gemacht haben.
> Aggi

> Wie gesagt: Vorstöße in Richtung SIN-Rechte für Geister und Gestaltwandler laufen seit 2079. Aber du hast schon Recht: Die waren eher low profile. Die Kandidatur von Idis war eine öffentliche Disrupt … wartet mal – können da die Eriskirche die Hand im Spiel haben??
> .krah

> Idis‘ Kandidatur eine Operation Mindfuck? Ich glaub, da überschätzt du den Einfluss der Diskordianer. Ich hoffe es zumindest …
> skep.sys

> Fnord.
> .asl

> Ich hab schon von Initiativen gehört, welche die Wahl für ungültig erklären wollen und auf eine Wiederholung der Wahl drängen. Die Auswirkungen auf die getätigten und zum Teil bereits ausbezahlten Wetten mag ich mir gar nicht vorstellen. #ww3
> .rez

> Als Außenstehender gefragt: Warum ist es in Berlin eigentlich so, dass jeder buchstäblich bis zur letzten Sekunde (23:59:59 am Vortag der Wahl) seine Kandidatur erklären kann?
> Karel

> Nun, es kann nicht JEDER seine Kandidatur erklären. Man braucht ein Minimum von Supportern im Bezirk (meist um die 20.000, aber die exakte Höhe legt der Bezirk selbst fest). Aber ja, das geht buchstäblich bis Mitternacht. Um jenen Fraktionen, deren Kandidat unerwartet ausfällt (entführt, erschossen, erkrankt, verschwunden) die Möglichkeit zu geben, kurzfristig einen Ersatzkandidaten aufzustellen.
> Fienchen

Am Ende fehlten Buzek neben der gesamten Evo-Wählerschaft und Teilen ihres eigenen Konzerns also auch noch die breite Masse der Zehlendorfer Elite. Und während sich die ärmeren Schichten (was in Zehlendorf halt so als arm gilt) eher gleichmäßig über die insgesamt acht Kandidaten im Bezirk verteilten, wandten sich die Bessergestellten en bloc dem Hotelmogul Eugen Streletzki zu, der – so zumindest der äußere Schein – eher zum Spaß und der Erfahrung wegen einen Ausflug in die Politik gemacht hatte.

Dieser, allerdings, wäre nicht er selbst, wenn er eine Gelegenheit nicht zu nutzen wüsste:

Als Streletzki gegen zehn Uhr abends zum Sieger in Zehlendorf erklärt wurde, gab er vor den Kameras ganz den eloquenten und weltgewandten Gastgeber und Conferencier. Da war weder Schadenfreude noch großer Jubel – vielmehr bewertete er seinen Wahlsieg wie folgt:

„Wir alle in Zehlendorf sind uns, denke ich, im Klaren darüber, dass diese Wahl unter einigen unerwarteten Bedingungen stattfand. Das Berliner Verwaltungsgericht wird gemeinsam mit der Politik und den Bürgermeistern zu klären haben, ob das heute entstandene Wahlergebnis Bestand haben wird. Als zumindest derzeit gewählter Repräsentant unseres schönen Bezirks verspreche ich, dass ich bis zur Bestätigung – oder auch dem Widerruf – meines Amtes den Bürgern des Bezirks nach besten Kräften und Gewissen dienen werde. Ich bedanke mich bei den Mitbewerbern gleich welcher Herkunft für ihre Fairness am heutigen Tag und hoffe darauf, dass wir alle gemeinsam das erfüllen werden, was wir den Bürgern Zehlendorfs versprochen haben: Das ist, das Beste für diesen Bezirk in einem geeinten, friedlichen und freiheitlichen Berlin zu erreichen.“

> Junge, da müssen aber in Potsdam die Korken geknallt haben bei der Preußenstiftung.
> Konnopke

> Fast. Gefeiert wurde am Sonntagabend bei einer sehr spontan angesetzten Wahlparty im „eigentlich“ saisonal geschlossenen Restaurant Pfaueninsel.
> Penny D

Wir nähern uns dem Ende und damit den beiden größten „WHAT THE FUCK“s der Wahl. Nein, Geister und Co. reichen uns nicht. Wenn Berlin abgeht, dann richtig.

KREUZHAIN

Mitra Özgün – für Feministen die wahre Mutter der Berliner Einheit, für die meisten anderen Alternativen mindestens deren Geburtshelferin – ist nicht mehr die Kreuzhainer Bezirksabgeordnete. Wirklich überraschend ist das zwar angesichts der legendären Vielzahl Kreuzhainer Fraktionen und Kandidaten nicht – dieses Mal konnten die Xhainer zwischen 19 Angeboten wählen – aber da es Mitra Özgün bisher stets gelang, im Auf und Ab der Stimmungen im entscheidenden Moment stets oben zu bleiben hatte einen tatsächlichen Wechsel eigentlich keiner im Blick.

Warum oder woran Özgün dieses Mal scheiterte, ist so kurz nach der Wahl schwer zu bestimmen, vor allem da Xhain als Alternativer Bezirk eine sehr geringe Quote für Online-Votes besitzt. Ersten Analysen nach stechen aber folgende mögliche Ursachen deutlich heraus:

  • Erstmalig durften an der diesjährigen Bezirkswahl auch MMVV-Infizierte uneingeschränkt teilnehmen, deren Stimmen sich zu etwa einem Drittel auf die PNO und zu zwei Dritteln auf den Sprecher des Qarafa-Ghulkiezes Wahnfried Grok verteilten. Da Grok zudem ein einflussreicher Papst der Eriskirche ist, konnte er einen erheblichen Teil der Diskordianer im Bezirk für sich gewinnen – darunter Viele, die allen spaßanarchistischen Umtrieben zum Trotz bisher zu Özgüns Wählerschaft gehört hatten.

> Dass der Anteil der PNO-Stimmen unter den Infizierten im übrigen nicht höher war, lag am Kandidaten der Partei in Kreuzhain: Kilian Lorenz ist ein überzeugter Magokrat und gehört zu denjenigen in der PNO, die sich gegen eine Stimmoffensive für Infizierte ausgesprochen hatten.
> .krah

  • Aufgrund der gewachsenen Sorge vor den Ghulen im Kiez und die erfolgreiche Angstkampagne der PNE entschieden sich erschreckend viele gemäßigte Kreuzhainer (Özgüns Kernwählerschaft), für „Law & Order“ und den rechten Rand zu stimmen.

> Lass die Kirche im Dorf. Ja, der Anteil der Kreuzhainer PNE-Wähler hat sich versechsfacht. Das ist schrecklich. Aber er liegt jetzt auch nur bei 6,7% – und ich möchte glauben, dass die Meisten lediglich einen Denkanstoß geben wollten und das Thema „Ghule“ im öffentlichen Diskurs stärker in den Fokus rücken wollten.
> .krah

  • Die Wahl = Wette wurde manipuliert. Oder zumindest ist das der dringende Verdacht. Denn weder die beiden genannten Punkte noch die drei Dutzend weiteren Theorien, die gerade umgehen, können erklären, wie ausgerechnet die fraktionslose Akima „Sikimye“ Koyim zur neuen Bezirksabgeordneten gewählt werden konnte. Nicht nur, dass sie keiner der bekannten und gut vernetzten Kreuzhainer Interessengruppen angehört, und nicht nur, dass sie ein Hobgoblin und damit für konservative Muslime unwählbar ist, nein, ihr VolksSIN-Name ist eine einzige Aneinanderreihung von üblen Beleidigungen.

Kandidaten mit spaßigen Namen oder „kreuzdummen“ Wahlversprechen ist man in Xhain durchaus gewöhnt – jeder lacht gerne über die krass bestussten Außenseiter ganz unten auf dem Wahlzettel – aber alles an dieser Kandidatin schien darauf getrimmt, jede Stimme aktiv zu verhindern.

Vermutlich hätte einen das misstrauisch machen sollen.

Am Ende entfielen 23,7% auf Sikimye, 23,4% auf den konservativen Emirats-Vertreter Faisal Bayraktar, 20,1% auf Mitra Özgün, 15,8% auf die linksautonome Lizzy Lynchmob (ABB), 6,7% auf Rutgar Demirci (PNE), 4,3% auf Kilian Lorenz (PNO), 4,1% auf den Ghul Wahnfried Grok und 1,9% verteilt auf die restlichen Kandidaten.

> Wenn ein offenkundig Irrer wie Grok gegen 18 Kandidaten und trotz strategisch ungünstigem PNO-Kandidaten schon 4,1% holen konnte, überlegt euch mal was der weitaus klügere Judas Moloch nach seinem PNO-Eintritt in Falkensee 2083 wird holen können.
> .krah

> Da wette ich aber dagegen. Aslan Özdemir hat den Laden fest im Griff, und sollte der keinen Bock mehr haben fällt Falkensee geschlossen an die Faschos. Ähnliches befürchte ich ja auch für Spandau: Um Fletschers Support im Bezirk steht es nicht gut, die CVP-Ische wirds denk ich nicht packen, aber wenn die Wehrsportfreunde sich hinter einen PNE-Kandidaten stellen haben wir 2083 plötzlich am Westrand der Stadt eine tiefbraune Doppel-Kackzone. Und die kriegen wir nach den Regeln des „Einkiezens“ (hier Massenkonzentration der Rechten) auch dann so schnell nicht mehr weg.
> Aggi

> Auf der Plusseite ziehen dann auch viele Nazis aus anderen Gebieten weg. Muss man positiv sehen.
> .krah

> Du denkst zu kurzfristig. Ich möchte jedenfalls keinen großflächigen Rückzugsraum für Nazi-Terroristen oder ein Eiswerder in Faschohand erleben.
> Aggi

Natürlich war der Aufschrei nach Bekanntgabe des Ergebnisses hoch, und ebenso natürlich verhängten die Vesuv-Kasinos inklusive Caldera eine umgehende Auszahlungssperre für Wetten auf das Kreuzhainer und das Gesamtberliner Ergebnis.

Insider gehen indes davon aus, dass die betrügerischen Wetten – insofern es sie gab – bei kleineren Buchmachern platziert wurden. Eine andere Theorie besagt, dass die Wetten der Decker – denn um solche muss es sich handeln – gar nicht auf Sikimye platziert wurden, sondern auf die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreich durchgezogenen Wahlfälschung.

Sikimye selbst scheint die Stadt bereits verlassen zu haben: Es gibt einige verwackelte Smartbrillen-Aufnahmen, die sie gut gelaunt, wenngleich hektisch beim Einchecken für einen Flug nach Kairo am BSI-Flughafen zeigen. Andere Quellen wollen zudem entdeckt haben, dass es sich bei Sikimye um eine arabische Schauspielerin und Stuntfrau namens Shahad Albutairi handelt. Nicht zuletzt präsentieren wiederum andere Quellen „unwiderlegbare Beweise“, dass es sich bei allen Aufnahmen Sikimyes um Deepfakes handelt und es niemand gebe, der diese tatsächlich persönlich Face to Face getroffen habe. Die Ermittlungen konzentrieren sich aktuell auf die 12.243 (angeblichen) Unterstützer von Sikimyes Kandidatur. Dabei sollen bereits mehrere gefälschte VolksSINs sowie mindestens 20 Fälle von „gekaperten“ SINs entlarvt worden sein.

> Also? Was passiert nun?
> Nemascope

> Zu den generellen Next Steps steht weiter unten noch was („Was nun?“). Sollte das Wahlergebnis bestätigt werden – wovon ich zum jetztigen Zeitpunkt nicht ausgehe – wäre Sikimye, wer sie auch sei, Bezirksabgeordnete für Kreuzhain. Tritt sie dieses Amt nicht an – wir haben ja nun eine Bestimmung zur Mindestanwesenheit von Bezirksvertretern in der BAV – würde das Amt an den Zweitplatzierten fallen (ebenso, wenn Sikimye auftaucht und abgeknallt wird, was ich euch in dem Fall garantieren kann). Der Zweitplatzierte und somit Ersatz-Bezirksabgeordnete wäre dann Faisal Bayraktar, die politische Marionette des „irren Imam“ Muhammad al-Qasim. Dann sind wir fucked und Kreuzhain geht in Flammen auf. Und weil das jeder weiß, KANN das Wahlergebnis gar nicht bestätigt werden. Also F-mal alle 😉
> Aggi

> Najaaa … nach DER Logik könnte es auch sein, dass Sikimye doch zur Bezirksvertreterin wird. Wenn das Wahlergebnis bestätigt werden sollte – zum Beispiel, weil man eben keine wirklichen BEWEISE einer Manipulation findet, oder auch weil die Konzerne die Chance nutzen, Mitra politisch zu entsorgen – dann würde ganz Kreuzhain einen Bayraktar an der Macht verhindern wollen. Und somit Sikimye nicht nur nicht töten, sondern sie mit aller Macht vor Attentaten schützen. Und die Diskordianer fänden es bestimmt sauwitzig, eine Abgeordnete mit dem Namen „Iss meinen Schwanz“ zu haben. Scheiße, wenn ich so drüber nachdenke könnte ich selbst ziemlich Fan der Idee werden. Denkt mal nach: Sikimye ist praktisch das menschgewordene Kreuzhain! 🙂
> .rez

LICHTENBERG

Ihr dachtet, das war’s? Nope. Einen letzten Hammer habe ich noch:

Ich sagte doch, der einzige Bezirk, wo die Wahl wie vorhergesagt lief, sei Potsdam.

Das war GELOGEN.

> DU ARSCH! Ich hätt mich fast eingepullert!!
> .rez

Nein, auch der galoppierende Irrsinn dieses Wahljahres konnte Morek Pflüglers Position im Alternativen Bezirk Lichtenberg nicht erschüttern – im Gegenteil führten die Unwägbarkeiten und latenten Ängste – neben der Ghulfrage ja auch Sorgen vor Blackouts, magischen Störungen, Umwälzungen der Konzernwelt, neue Seuchen oder eine drohende feindliche Annektion Berlins durch die ADL – dafür, dass Pflügler das stärkste Ergebnis seit Beginn der Berliner Einheit einfuhr.

DER ERSTE BÜRGERMEISTER

Und da war ja noch etwas! Es stand ja auch noch die Wahl des Ersten Bürgermeisters an. Aber das blieb wie erwartet Zöller, der ja auch nicht durch die Berliner, sondern das Ratspräsidium bestimmt wurde.

WAS NUN?

In einer ersten Stellungnahme erinnerte der BERVAG-Vorsitzende Dr. Hans Steffen (MSI) daran, dass das Wahlergebnis in Zehlendorf und Kreuzhain ebenso wie in allen anderen Bezirken VORLÄUFIG sei.

Es erhält erst dann rechtsverbindliche Gültigkeit, wenn es durch den bereits einberufenen Prüfungsausschuss begutachtet, berechtigte Einsprüche geprüft und das ggf. korrigierte Resultat final bestätigt werde.

Angesprochen darauf, wann mit einer solchen Bestätigung zu rechnen sei, verwies Dr. Steffen auf den Präzedenzfall der Berlinwahl 2075, bei der das bestätigte Endergebnis erst drei Wochen nach der Wahl vorlag. Damals hatten Zweifel an den eingesetzten Online-Wahltools auf den VolksKomms zu heftigen Protesten und Ausschreitungen geführt.

Für die Übergangszeit bis zur finalen Bestätigung bekräftigte Dr. Steffen, dass die gewählten Bezirksvertreter ihr neues Amt bereits antreten können und die scheidenden Bezirksvertreter auf eine ordentliche Übergabe der Geschäfte hinwirken sollen. Allerdings solle man sich der besonderen Natur der gegenwärtigen Situation bewusst sein und richtungsweisende Entscheidungen auf einen Zeitpunkt nach Vorlage des bestätigten Wahlergebnisses vertagen.

Gefragt nach der bereits vielfach geforderten Wiederholung der Berlinwahl 2081 erklärte Dr. Steffen, dass dies das Ratspräsidium auf Grundlage des Abschlussberichts des Prüfungsausschusses zu entscheiden habe. Die Hürden für eine komplette Wiederholung der Wahl lägen laut geltenden Durchführungsvorschriften sehr hoch, weshalb im Fall von Unregelmäßigkeiten die Wiederholung einzelner Bezirkswahlen das wahrscheinlichere Szenario seien. Auch in diesem Fall liege die Entscheidung in den Händen des Ratspräsidiums.

> Moment. Das Ratspräsidium umfasst die drei Berliner Bürgermeister und die 21 Bezirksabgeordneten. Also entscheiden die nun gewählten neuen Bezirksvertreter selbst darüber, ob ihre Wahl legitim war …. DAFUQ?
> Konnopke

> Nunja. Es ist mehrfach festgestellt worden, dass der Berliner Einigungsvertrag und die Verfassung mit der heißen Nadel gestrickt wurden. Aber ja, dieser Punkt ist auch schon anderen aufgefallen. Aktuell liegt die Gestaltungsvorlage zur Änderung dieses Misstandes im Schlichtungsausschuss, also auf Pflüglers Schreibtisch. Gut möglich, dass da in den kommenden Tagen „ganz plötzlich“ Bewegung in die Sache kommt.
> Fienchen

> Boff. Was ne Wahl. Und das war „nur“ 2081. Überlegt Mal: Nächstes Jahr ist die Wahlperiode I dran – mit Reinickendorf UND Z-IC Tegel. Und Chawi! Und Gropiusstadt!! Und MARZAHN!!!
> .krah

> Und dann 2083 Falkensee plus Spandau. Ich hab jetzt schon Angst.
> Aggi

+ + + + + + + + + + + + + +

Hat dir der Artikel gefallen? Ein XXL-Artikel wie dieser erfordert neben dem Schreiben einen ziemlichen Aufwand, was die Vor-Recherche und die Entwicklung betrifft. Wenn du mir als kurzes „Thx“ einen Kaffee (Bier, Milch, Limo, Cola …) ausgeben würdest (z.B. 1€, einmalig), wäre das XXL awesome. 🙂 Tausend Dank!

–> https://www.buymeacoffee.com/rabenaas

Berlin hat gewählt (Wahlperiode II/2080)

ALLES BLEIBT, WIE ES IST.

[06.10.2080] Unter den wettverrückten Berlinern ist die Wahlperiode II das ungeliebte Schmutzkind: Zwei Konzernbezirke plus ein Quasi-Konzernbezirk, in denen sich nie etwas überraschend ändern wird, und zwei kommunistische Parteikandidaten, deren Sitz ebenso unverrückbar bereits Monate vor der eigentlichen Wahl zementiert wird, geben wenig Anlass für spannende Wahlduelle: Wie erwartet bleiben Dr. Franziska Landolt (S-K Tempelhof), Takeshi Ozu (Renrakusan), natürlich Berlins Erster Bürgermeister Dr. Paul Zöller (Mitte) sowie Wladimir Igorewitsch Bronstein (Pankow) und Lena Rabeja (Köpenick) im Amt – Letztere umso mehr, nachdem der einzige antikommunistische Gegenkandidat Clemes Streußner in der vergangenen Woche auf offener Straße von Unbekannten mit Benzin übergossen und angezündet wurde. 

Bildschirmfoto 2018-09-18 um 13.46.25.png

Falkensee – früher gern für eine Überraschung gut – hat sich seit dem Sieg von Dönerkönig Aslan Özdemir in 2077 erheblich stabilisiert. Zwar nicht finanziell oder was die Sicherheit in der Schwarzen Zone am Westrand der Stadt angeht, wohl aber, was Özdemirs Stand im Bezirk betrifft: Özdemirs Dönerspieß-Fabriken sind inzwischen die wichtigsten Arbeitgeber in Falkensee (andere gibt es auch kaum), und jüngste Ankündigungen einer Expansion von Produktion und Vertrieb über die Freistadt hinaus lassen viele im Bezirk auf neue Arbeitsplätze auch in Berlin hoffen. Gegen diese Hoffnungen konnte USP-Kandidatin Friedericke Kuhnert mit gerade einmal 12% der Stimmen höchstens einen Achtungserfolg erzielen. Weitere erstaunliche 4% konnte der registrierte Infizierte und magisch aktive „Judas Moloch“ erzielen, der für die Partei der Neuen Ordnung (PNO) antrat. Moloch ist laut eigenen Angaben als Mikrotrader tätig und hat die vergangenen Jahre verborgen in Groß-Frankfurt gelebt. Mit der Novelle des ADL-Rechtes zum Bürgerstatus von Infizierten sieht er es als seine moralische Verpflichtung, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Warum er dies allerdings in Berlin statt in der ADL tut, weiß wohl nur er selbst. 

Trotz des üblichen Geschreis der Boulevardmedien (zu denen wir bei B1Live natürlich in keinem Fall zählen) gab es auch in Spandau wenig Grund, an einen Wechsel an der Bezirksspitze oder eine Rückkehr von Berlins jüngstem Anarchobezirk zum Normbezirkstatus zu glauben. Im Gegenteil hat Bezirksbürgermeister Fletscher seine Machtposition in den drei Jahren seit seiner Ernennung ausbauen können. Immerhin hat die etablierte ADL-Partei CVP mit Dr. Katrin Lara Wegener eine eigene Kandidatin als „Alternative für Spandau“ ins Feld geführt, die auf Anhieb 22,6% der Stimmen für sich verbuchen konnte – Buchmacher freuen sich bereits auf die nächste Wahl im Bezirk 2083. 

Die Verkündung der Wiederwahl von Morek Pflügler als Zweiter Bürgermeister durch die Ratsversammlung konnte zum Schluss ebenfalls kein Highlight setzen: Die für einen Wechsel notwendigen Schachereien um die Stimmenkontingente kündigen sich bereits lange vor der Wahl an, und deren Ausbleiben ließ erwartungsgemäß fest darauf schließen, dass es zu keiner Änderung kommen würde. 

 Von wem bitte auch? Würden die Konzerne Pflügler absägen, würde Berlins Einheit zerfallen und die Alternativen würden völlig freidrehen. Die Kommunisten würden Pflügler gerne loswerden und eine willige Marionette einsetzen, haben aber nicht die Kontingente dafür. Die Anarchos sind außerhalb von Axis F und Letzter Front Pflügler-Fanboys durch und durch, obwohl er ihre Ideologie nicht vertritt und widerlich pazifistisch ist. Und die ADL kriegt im anhaltenden Zoff mit Berlin eh kein Bein auf den Boden, solange sie keine Luftlandedivision abwerfen oder die Stadt zu patriotischer Schlacke nuken.
Konnopke

 Die Wahlbeteiligung geht wie die Zahl der Wetteinsätze aktuell stetig runter. Was umgekehrt die Wahlen anfälliger für Manipulationen, Stimmkäufe, Wahlhacks oder Randkandidaten macht, die ihre Special Interest Group effektiver mobilisieren können. Hoffen wir also mal auf 2081. Da schaut es schon deutlich spannender aus.
 .krah

 Mich verblüfft ja nicht so sehr das Wahlergebnis, als dass es so viele Bezirksvertreter schaffen, drei Jahre im Amt zu ÜBERLEBEN.
 Karel

Berlin hat gewählt (Periode III/2078)

DER BERLINER WAHLMARATHON 2078 IST VORBEI. EIN RÜCKBLICK.

[09.10.2078] Was für ein Jahr. Wenn nicht für die Demokratie, dann zumindest für die Berliner Buchmacher. Denn deren Geschäfte laufen blendend, während das Wetten auf Wahlergebnisse langsam die klassischen Sportwetten zu übertrumpfen droht.

 Ich BIN Buchmacher und bestreite das. Sportwetten sind und bleiben auch und gerade im wettverrückten Berlin die unangefochtene Nummer 1 des Wettgeschäfts. Schon alleine deshalb, weil hier vom Schreckhahnkampf über den Pitfight in der Stampe an der Ecke bis zum Straßenrennen über die Landsberger auf viel mehr gewettet werden kann als „nur“ auf das nächste große Fußball- oder Stadtkriegspiel.
 Eezy Cash 23

 Ich glaube das Problem ist mal wieder die eingeschränkte Sicht der Medienfuzzies: Nur weil DIE so gerne über die Berliner Politwetten berichten denken sie automatisch, dass diese auch wirtschaftlich megawichtig sind (denn sonst verböte es sich ja, derart viel Wordcount auf die Berichterstattung zu ver(sch)wenden.
 Konnopke

 Ihr glaubt offenbar weiterhin, dass es da so ne Realität gibt und wir „Medienfuzzies“ lediglich das nacherzählen, was da passiert. Leute, wir MACHEN die realität. Wenn WIR es berichten, DANN ist es wichtig. Nicht umgekehrt!
 Nakaira

Zur Erinnerung: Als im letzten Herbst kurz vor der Wahl zur Bezirksperiode II der als sicherer Gewinner für Mitte gesetzte Dr. Alexander Schmidt infolge eines Attentats aus dem Rennen schied, kam es überall in der Stadt zu wütenden Protesten vor den Wettbüros. Daraufhin wurde die laufende Wahl unterbrochen und erst Wochen später fortgesetzt, mit den bekannten Ergebnissen und weitreichenden Folgen für die folgende Berliner Wahl 2078:

Neben den „regulären“ Bezirkswahlen hätte die durch Ausscheiden von Yilmaz Wojenko als Bezirksvertreter für Spandau notwendig gewordene Neuwahl des Ersten Bürgermeisters zu neuen Rekordwetten geführt. Außerdem hatte der neue Bezirksvertreter für Spandau Fletscher (Jurek Kowalczyk) angekündigt, eine Volksabstimmung im Bezirk für den Wechsel vom Normal- zum Alternativen Bezirk durchführen zu wollen. Dies und die ebenso für Oktober angekündigte Bundestagswahl in der benachbarten ADL, an der die Berliner zwar nicht teilnehmen, auf deren Ergebnis sie wohl aber wetten können, hätte zu einem hohen Eskalationspotenzial im Fall weiterer kurzfristiger Ereignisse vor der Wahl geführt.

Nachdem der Fall ausführlich im Berliner Rat besprochen wurde und es wie üblich keine Einigung zur Idee einer möglichen „Entzerrung“ der Herbstwahlen durch Vor- oder Nachverlegung gab, verfügte der scheidende Erste Bürgermeister Yilmaz Wojenko in seiner Eigenschaft als Exekutivdirektor der BERVAG kurzerhand die Verlegung der Wahltermine direkt als „im Interesse der Sicherheit der Stadt und des sozialen Friedens“.

Als Folge hiervon wurden die Wahl zum Ersten Bürgermeister ebenso wie der Spandauer Volksentscheid auf „das schnellstmögliche Datum“ vorgezogen. Anfang Juni 2078 wurde so der erst im Herbst 2077 gewählte Bezirksvertreter von Mitte, Dr. Paul Zöller (Berliner Bankenverein/HKB), zum neuen Ersten Bürgermeister des Stadt und somit Exekutivdirektor der BERVAG gewählt. Parallel entschieden die Spandauer Bürger mit denkbar knapper Mehrheit, fortan als Alternativer Bezirk gelten zu wollen.

Der Termin der regulären Berliner Bezirkswahl am ersten Oktoberwochenende blieb davon unangetastet und wird wohl als eine der langweiligsten Wahlen in die Berliner Geschichte eingehen.

 Keine. Einzige. Verdammte. Umbesetzung.
 Nemascope

 Nach einer ganzen Reihe von Außenseiter-Siegen (Zöller BV von Mitte, Fletscher BV von Spandau, Spandau wird Alternativ …) diesmal ein klarer Sieg für alle gesetzten Favoriten, womit der Begriff „Favorit“ wieder sowas wie eine Berechtigung bekommen hat. Ich denke dennoch, dass übermäßig viele erneut auf die Underdogs in den einzelnen Bezirken gesetzt und massig Geld verbrannt haben.
 Roter Oktober

 Unterm Strich muss man sagen, dass Wojenkos Konzept der „Entzerrung“ der Wahl aufgegangen ist. Dass die Bundestagswahl verschoben werden würde konnte ja niemand ahnen, und beim Public Viewing der Hochrechnungen und Auszählungen mal im chilligen Sommerbiergarten zu sitzen hatte auch was Nices.
 Fienchen

Zur Posse wird der gesamte Vorgang freilich umso mehr dadurch, dass die einst für Oktober vorgesehene Bundestagswahl aufgrund heftiger Zweifel an der Verlässlichkeit der E-Voting-Systeme inzwischen auf November verschoben wurde.

berlinerrat2078

DASS die diesjährige Berliner Bezirkswahl in der Gruppe III eher unaufgeregt sein würde, stand dabei im Prinzip von vorneherein fest: So hatten AG Chemie und MSI für Groß-Siemensstadt keinen Zweifel daran gelassen, Dr. Robert Schlüter jun. im Amt belassen zu wollen.

Auch Fabian von Wittich ist für Potsdam aufgrund seiner ungebrochener Popularität bei Ober- und Mittelschicht so lange praktisch alternativlos, wie die Wahlbeteiligung im Neubabelsberger Ghetto unter der 15-Prozent-Marke bleibt.  

In Schöneberg hatte Gregor Thielke (CVP) trotz berechtigter Kritik an der ineffizienten Verwaltung der bezirklichen Haushaltsmittel keinerlei Schwierigkeiten, sich erneut gegen die weit abgeschlagene LDFP-Kandidatin Mareike Praschak-Sonneberg durchzusetzen. Mit Sorge beobachten allerdings einige Medien, dass sich der Zuspruch für die Kommunisten im Bezirk seit der Wahl vor drei Jahren fast verdoppelt hat – wenn auch auf noch niedrigem Niveau.

Der Proteus-Frau Izabella Buzek in Zehlendorf kam nicht zum ersten Mal in ihrer Karriere zugute, dass der wichtigste Gegenkandidat Manfred Dosse wenige Wochen vor der Wahl durch eine Autobombe ums Leben kam. Dass die charmante Mittvierzigerin und Mutter dreier Kinder damit etwas zu tun haben könnte, scheint angesichts ihrer soliden Führung in den Umfragen zum Zeitpunkt des Anschlages geradezu absurd.

Etwas wackliger endete schon die Wahl von Doreen Katschmarek in Strausberg-Fredersdorf. Erst ihr Beitritt zur Partei ESP und ihre über die Partei finanzierte Wahlkampagne mit großdimensionierten Plakaten, AR-Ads und wochenlanger Belegung der Video Walls an allen wichtigen Straßen des Bezirks verschaffte ihr die nötigen Prozentpunkte, um an ihrem anarchosyndikalistischen Konkurrenten Noel Duval vom Arbeiter-Policlub vorbeizuziehen.

Weithin unangefochten blieben dem gegenüber Mitra Özgün in Friedrichshsin-Kreuzberg und der amtierende Dritte Bürgermeister und Leiter des Schlichtungsausschusses Morek Pflügler in Lichtenberg.

 Morek Pflügler hätte den Wahlprognosen im Mai nach problemlos der neue Erste Bürgermeister werden können. Dafür allerdings hätte er zuerst als 3.BM zurücktreten müssen, was ihm wohl zu riskant war.
 Corpshark

 Nein, war es nicht. Ich hockte mit ihm zwischen März und Mai in mehreren endlosen Sitzungen des Schlichtungsausschusses fest, und Morek hat nie einen Zweifel daran zugelassen, dass er im Schlichtungsausschuss unverzichtbar ist und diese Pflicht auch in Zukunft weiter tragen wird. Abgesehen davon: Morek als CEO der BERVAG? Die fressen den doch zum Frühstück. Da ist Zöller der bessere Mann.
 Fienchen

 Die reden bei Zöller immer vom Sieg des Außenseiters. Ich sehe das ganz und gar nicht so. Er war in Mitte die ewige Nummer 2 hinter Schmidt. Als der flachfiel und ne zewitlang sogar als tot, im Koma liegend oder für’s Leben verkrüppelt galt KONNTE nur Zöller in Mitte siegen. Und als Wojenko in Spandau weggekegelt wurde – ja, das WAR überraschend! – war Zöller der Einzige, mit dem jede Seite leben kann. Keiner der Alternativen BVs, die sich zur Wahl gestellt hatten – Faber, Özdemir, Bronstein – hatte die geringste Chance, auf Konzernseite Stimmen zu kriegen, und keiner der zur Wahl stehenden Konzernfuzzies – Ozu, Thompson – hätte von den Alternativen auch nur 1 Stimme bekommen. Allenfalls Zöllers Konkurrenten aus den Normbezirken – Nordin und Thielke – hätten eine Chance gehabt, allerdings nur, wenn einer von ihnen die Kandidatur zurückgezogen hätte, um alle CVP-Spießerstimmen auf einen Kandidaten zu vereinen. Und selbst dann hätte es noch nicht gereicht, da Berlin viel zu viel Schiss davor hat, dass via die CVP die große „Heim ins Reich“-Agenda der Kanzlerin in der Freistadt Fuß fasst.
 Konnopke

 Neben allem, was gegen Zöllers Wettbewerber sprach, gibt es dann noch all das, was für ihn spricht: Er ist ein HKB-Mann und damit weder Lakai des FBV noch von S-K, was für unsere beiden Hauptstreithähne absolut akzeptabel – und das umso mehr, da Zöller dem Berliner Bankenverein vorsteht, dessen erklärtes Ziel die Förderung des Bankenplatzes Berlin und der wirtschaftliche Erfolg des „Unternehmen Berlin“ ist. Zudem besitzt Zöller reichlich Führungserfahrung, sowohl als Bankdirektor als auch im Aufsichtsrat mehrerer großer Unternehmen in England und Deutschland. Dass der langsam, aber stetig wachsende Filz in den BERVAG-abteilungen den dummen CEO von außerhalb an der Nase herumführen kann, ist unwahrscheinlich. Alle Konzerne und der größte Teil der Bürger – selbst der Alternativen – kann damit leben, dass an der Spitze der BERVAG ein erfolgreicher Manager sitzt, der die Geldverschwendung stoppt und die Effizienz aller Maßnahmen – auch der Hilfe für Notleidende – erhöht wird. Dass Zöller charismatisch ist und medial wie ein schelmischer freundlicher Großvater rüberkommt, öffnet ihm weitere Türen. Er wirkt einfach verdammt harmlos und man wünscht ihm, dass er Erfolg hat. Umso gruseliger, dass er jahrelang gegen diesen Vollarsch Schmidt verloren hat. God bless Halal!
 Fienchen

Wahlergebnis Berlin, Periode I/2076

gnb-logoKaum Überraschungen bei der Wahlperiode I 

[05.10.2076] Wie immer am ersten Oktober-Wochenende waren die registrierten Bürger einiger Berliner Bezirke auch in diesem Jahr aufgefordert, ihren Bezirksvertreter zu bestimmen. 2076 betraf dies die Einwohner in den Konzernbezirken Aztech-Schönwalde und Tegel, den Normbezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Reinickendorf sowie den Alternativen Bezirken Oranienburg, Gropiusstadt und Marzahn-Hellersdorf.

Bezirksübergreifende Themen der Wahl waren der herrschende Streit um eine Aufsplittung des Berliner Polizeivertrages zwischen dem Sternschutz und dem neu gebildeten „Alternativen Polizeidienst“ ČMSK (Sonderkommando Schwarzer Bär) sowie die anhaltende Unfähigkeit des Berliner Rates, zu einer gemeinsamen Handlungsstrategie für die KFS-Bekämpfung zu kommen. Dabei würdigte man immerhin die Entscheidung des Rates, eine KFS-Sonderberaterin vom Robert-Koch-Institut (Dr. Karoline Baader) als Beisitzerin des Rates für die Dauer der Krise wie von ADL-Botschafterin Dr. Isabelle Jandorf vorgeschlagen zuzulassen.

Der Live-Wahl folgten erneut mehrere Millionen Berliner via KommLink, Sozialen Netzwerken, DeMeKo-Sonderstreams und vor allem beim Public Viewing während der Live-Einspielung der Abstimmergebnisse.

 Für Außenstehende sei kurz erklärt, dass entgegen dem medial präsentierten Eindruck eben KEIN zentrales Wahlverfahren existiert. Zwar sieht der Berliner Einigungsvertrag auf Druck der ADL einen Zwang zur Einhaltung gewisser demokratischer Mindeststandards vor – die ADL kann Berlin nur als assoziiertes Mitglied akzeptieren, wenn das Berliner System „rechtsstaatlich“ ist – aber in der Durchführung macht jeder Bezirk, was er will, und darf das als Folge des Rechtes auf Selbstverwaltung auch ausdrücklich. Was also bei jeder Wahl tatsächlich passiert, ist, dass jeder Bezirk irgendwann ein „Wahl“ergebnis präsentiert, das zwar auf demselben Grundprogramm zur Abstimmung per KommLink beruht, in das aber jeder Bezirk eigene lokale Spielregeln eingeben kann. Aztech-Schönwalde z.B. macht wie die meisten Konzerne irgendwelche Abstimmergebnisse nicht öffentlich, sondern lässt einfach einen Sprecher vortreten und ein Statement abgeben, dass Cazares weiterhin im Amt bleibt (wie geschehen), während in Charlottenburg-Wilmersdorf mit Hilfe der dort dominanten DeMeKo ein regelrechter Wahlkrimi inszeniert wird, inklusive Live-Schreirunden der einschlägigen Radikalvertreter und einer NICHT-livesynchronen, sondern einer inszeniert schrittweiser Preisgabe der Voting-Daten, natürlich so orchestriert, dass es zu überraschenden Wendungen und Telenovela-reifen Szenen kommt. Im prokommunistischen Köpenick wiederum wird aus Gründen einer fast schon neo-luddistischen Verachtung für das „konzerngesteuerte Unterdrückungswerkzeug“ der Matrix die Wahl nur per Wahlkabine und Stimmzettel durchgeführt und das „amtliche Ergebnis“ der Auszählung dann von Beuftragten der kommunistischen Partei in das E-Voting-System eingespeist. Eine eigene E-Voting-Teilnahme per Kommlink ist zwar möglich, die Teilnehmer an dieser werden aber dem Köpenicker Wahlbeauftragten der Partei als nichtanonymisierte Liste angezeigt – offiziell, damit eine Doppelabgabe von Stimmen ausgeschlossen wird, tatsöächlich aber auch, damit die Partei diesen Dissidenten und Nutzer kapitalistischer Stimmverfälschungswerkzeuge im Auge behalten oder „mal mit ihm reden“ kann.
 Nakaira

 Generell kann man sagen, dass in den Normbezirken die Wahlen tatsächlich zu 100% „als Wahl“ über das BERVAG Votingtool stattfinden, eben über Einblendung eines AR-Fensters mit Voting-Funktion (priorisierte AR-Nachricht des Netzwerk Berlin). Andere Bezirke „sollen“ sich an diesem Voting-Standard beteiligen, tun es aber oft nicht: Die Konzerne haben „eigene Voting-Programme“, die natürlich „viel besser“ und vor allem sicherer (für die Konzerne) sind. Meist haben diese eher den Charakter eines „internen Vorschlagswesens“, so wie sich Konzerne ja ganz generell gerne den Anstrich scheinbarer Mitbestimmung der Angestellten geben. Bei den Alternativen Bezirken hingegen dominieren oft Systeme gestaffelter Versammlungen: Eine Haus- oder Kiezgemeinschaft einigt sich auf einen Repräsentanten – zum Beispiel den Ork, der jedem die Fresse einschlägt, der ihn nicht als Repräsentant haben will, oder den Kopf der örtlichen Gang, oder den Mann, den die lokale Mafia unverbindlich vorschlägt, oder tatsächlich einen versierten Schlichter oder sonstigen Sokaren des F-Berliner Systems – dann nehmen die Repräsentanten der untersten Ebene an einer Versammlung auf nächsthöherer Ebene teil, wo sich dasselbe Spiel wiederholt. In Lichtenberg finden dank eines Engagements von Morek Pflügler in Kooperation mit den Berliner Schockwellenreitern sowohl ständige (virtuelle) als auch tatsächliche Vollversammlungen des gesamten Bezirks statt, an denen jeder persönlich teilnehmen und mitbestimmen oder per bezeugter Erklärung seine Stimme an eine Vertrauensperson delegieren kann (gelebte Liquid Democracy). Gerade an den tatsächlichen (offline) Versammlungen nimmt natürlich nur ein verschwindend kleiner Teil der Bezirksbürger teil, der dann aber immerhin rund 80% der Einzelstimmen im Bezirk vertritt (natürlich wiederum geclustert nach Interessengruppen wie Policlubs, Parteien, Gangs etc.). An den regulären Wahlterminen werden die Lichtenberger dann dazu aufgefordert, über das BERVAG Votingtool denjenigen zu wählen, auf den man sich über das Lichtenberg-eigene System vorher geeinigt hat (also bisher: Morek Pflügler). Das Lichtenberger System der ständigen Vollversammlung besitzt viel Potenzial dazu, irgendwann zum tatsächlichen Meinungsbildungstool von Berlin zu avancieren: Durch das ihm zugrundeliegende Prinzip der direkten Demokratie ließen sich jedenfalls eine ganze Menge der Widersprüche zwischen Zentralgewalt und Vetorecht der unteren Ebenen auflösen. 
 Fienchen

 Liquid Democracy als Lösung für die typischen Berliner Polit-Probleme fliegt schon seit Ewigkeiten durch den Raum, scheiterte aber bislang an einer tragfähigen, funktionierenden Online-Versammlung bzw. dem dahinterstehenden System zur sicheren und nachvollziehbaren Verwaltung der Rechte (wer hat wieviel Stimmen vom wem wann übertragen bekommen, geschah dies ohne Druck und lebt derjenige überhaupt noch, der die Stimme übertragen hat, bzw. hat er überhaupt je gelebt?) und zur Erfassung der Stimmen (wird jede abgegebene Stimme tatsächlich korrekt erfasst, und wie kann das der Abstimmende zu jeder Zeit verlässlich nachprüfen?). Mit den Mitteln der Neuen Matrix und einem tatsächlich von den Alternativen mitkontrollierten Netzwerk Berlin ist Liquid Democracy zumindest technisch in Reichweite gerückt. Ob indes das Berliner Politische System ein INTERESSE daran hat, den Bürgern mehr direkte Mitsprache zu geben, ist fraglich. Es könnte allerdings das kleinere Übel sein gegenüber einem System, das auf Krisen wie KFS keine zentrale Vorgehensweise zustande bringt, weil es sich nonstop selbst blockiert.  
 Konnopke

Das Ergebnis der Wahl blieb dabei einigermaßen unspektakulär – die herrschende Streitstimmung im Rat schlug offenbar kaum auf die Wähler über. 

 Siehe oben: In einem System, dessen Regierung durch Vetos der unteren Ebenen eh faktisch daran gehindert wird, exekutive Entscheidungen zu treffen, spielt die Wahl der Regierung eigentlich keine Rolle. Ob dieser oder jener „da oben“ sitzt, ist für das daily Biz und Leben der Berliner eigentlich ziemlich Wurst. Da spielen die Entscheidungen innerhalb des Bezirks die deutlich größere Rolle. 
 Nakaira

 Jammern über die Politik ist Berliner Volkssport. Dabei wird aber übersehen, dass mit der BERVAG zu jeder Zeit ein Exekutivorgan am Start ist, das sehr wohl durch seinen CEO und Ersten Bürgermeister Yilmaz Wojenko administrative Entscheidungen fällen und berlinweite Politiken umsetzen kann. Auch die BERVAG hat nämlich einen eingebauten „Failsafe“, der dem Verwaltungskonzern zu jeder Zeit gestattet, „notwendige“ Entscheidungen zu fällen, wenn das Ratspräsidium keine direkt gegenteilige Entscheidung gefällt hat. Das bedeutet für alle Fälle, in denen keine Entscheidung des Ratspräsidiums vorliegt, dass die BERVAG (innerhalb gewisser Grenzen) eigentlich machen kann was sie will. 
 Antifa

 Es sollte zudem nicht vergessen werden, dass diese ganze teuer erkauften Stimmenkontingente im Ratspräsidium ja auch nicht völlig nutzlos sind. Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass gewisse der ganz großen Streitthemen bewusst „in der Schwebe“ gehalten werden, obwohl die Bezirke mit den meisten SIN-Bürgern und der höchsten Abgabesumme sehr wohl in der Lage wären, einen Entscheid zu forcieren. Vielleicht bilde ich mir aber auch Landolts Lächeln nur ein, wenn sie auf Anfragen der ADL-Regierung bedauernd erklärt, dass es für die Umsetzung der Hannoveraner Vorgabe leider keine Mehrheit im Präsidium gab.
 Konnopke

So bleibt Ferdinand Cazares der Aztechnology-Bezirksrepräsentant von Aztech-Schönwalde, ebenso wie der amtierende Dritte Berliner Bürgermeister Michael Koslowski der Z-IC-Ratsvertreter für Tegel bleibt. In Oranienburg bleibt der 72-jährige BGS-Oberst a.D. Ralph Faber Repräsentant des Bezirkswillens, in Gropiusstadt bleibt der undurchsichtige, aus ärmlichen Verhältnissen stammende Aleksandr Sukrow an der Macht, nachdem sich einer seiner Gegenkandidaten kurz vor der Wahl erhängte, zwei weitere Kandidaten spontan zurücktraten und der verbliebene Gegenkandidat entgegen seinem zuvor von seinen Firmensponsoren an die Presse verteilten Script unverhohlen vor laufender Kamera zur Wahl Sukrows aufrief. Die wachsende Kritik an Sukrow, der sich mit gewalttätigen lokalen Gangs umgibt und offene Kontakte zum organisierten Verbrechen pflegt, machen auf den „König von Gropiusstadt“ offenbar wenig Eindruck.

Zwischenzeitlich unsicher schien die Wiederwahl von Milena Kilic, die in vergangenen Monaten mehrfach wegen angeblicher Bestechungsaffären sowie einiger peinlicher Auftritte in der öffentlich Ziel des medialen Interesses war. Erst in letzter Sekunde konnte sie sich gegen ihre Gegenkandidatin Sonja Klupp von der Vereinigung der Ladenbetreiber der Kurfürstenmall durchsetzen. In einem Statement nach Ende der Wahl dankte Kilic der „fairen Berichterstattung“ der Medien, die in den Tagen vor der Wahl „ausgleichend“ positiv über ihre Karriere und positiven Einfluss auf den Bezirk berichtet hatten.

 Ich übersetze mal eben: Kilic war durch einige Entscheidungen im Bezirk, aber auch betreffs Politiken des Rates bei der DeMeKo in Ungnade gefallen, die daraufhin eine echte Schmutzkampagne gegen sie veranstaltete, inklusive Einsatz von Runnern zur Beschaffung kompromittierender Finanzdaten und Vergiftung mit Drogen in unpraktischen Momenten. Offenbar hat Milena Kilic gekuscht und dadurch den Segen der Medien zurückerhalten. 
 Nakaira

 Ne Ahnung, was der Stein des Anstoßes für den Zoff zwischen DeMeKo und Kilic war?
 Antifa

 Hauptsächlich ging es um Immobiliendeals und Baugenehmigungen bzw. die städtebauliche Planung im Bezirk. Die meisten Charlottenburger lehnen noch in den 60ern von den Konzernen beschlossene Maßnahmen zur Umgestaltung der City-West speziell im Bereich Kantstraße ab, die DeMeKo hingegen ist in gleich mehrere Großbauprojekte involviert, von denen das Metropolis quasi nur ein Vorgeschmack war. Siehe auch dieser etwas ältere Artikel (man beachte die Erwähnung Elianars, dessen Gruppe ja die Metropolis-Arkologie (und die Sersakhan-Elfenwohnanlage im Wedding) designte).  
 Nakaira

Einen wenn auch erwarteten, ja unvermeidbaren Wechsel gab es in Marzahn-Hellersdorf, wo der publikumsscheue, exilrussische Finanzmagnat Jaromir Kotov dem vor wenigen Tagen während einer Schießerei zwischen verfeindeten osteuropäischen Gangs zu Tode gekommenen Murat Ünsel nachfolgt.

berlinerrat-okt2076

Die interessanteste Entscheidung fiel dann auch in Reinickendorf, dessen früherer Bezirksvertreter Krysztof Cezary Ronczewski auch weiterhin unter KFS-Quarantäne verbleibt. Die Vertretung der Bezirksinteressen war übergangsweise von dessen Stellvertreterin Tanja Abt übernommen worden, die sich aber nicht zur Wahl stellte. Zur Wahl standen stattdessen Kandidaten aller großen ADL-Parteien, die seit Einigung Berlins zum Teil mit erheblichem Aufwand versuchen, in Berlin erneut auf breiter Front Fuß zu fassen, bisher außerhalb Reinickendorfs mit wenig Erfolg. In einer durchaus knappen Wahl konnte sich die Kandidatin der Reinickendorfer CVP, Sofia Nordin, mit 27,6% gegen ihre engsten Gegner Serafina Pazak (USPD, 14,7%), Mu’tazz Suhail Hakimi (PNO, 11,6%) und Myron Yegonov (ASU, 8,4%) durchsetzen.

Sofia Nordin ist CVP-Parteimitglied seit 2072 und zudem Leiterin des Reinecke-Forums, einer Plattform für Geschäftsleute und Firmenvertreter mit Interesse an der vor allem wirtschaftlichen Entwicklung des boomenden nordberliner Bezirks. Nordin arbeitet in der Verwaltung des Biotechnologieparks Berlin (BTPB) am Tegeler Hafen, dem Hauptsitz von Schering Berlin.

Ihr Wahlsieg verpasste verlautbarten Plänen Myron Yegonovs einen empfindlichen Dämpfer, die ASU zur dominierenden Partei in Berlin zu machen. Yegonovs Familie gehörte zu den Profiteuren der Berliner Anarchie: Aus ärmlichen Arbeiterverhältnissen kommend, gelang es Myrons Vater Damien Yegonov in den Jahren der Anarchie, ein gigantisches Immobilien- und Finanzimperium aufzubauen. Yegonov zählt damit zu den wenigen „Anarchiemillionären“ in Berlin und wird gerade deshalb innerhalb der anarchistischen Szene sehr kritisch betrachtet. „Ohne Yegonov hätten wir bestimmt 10% mehr holen können“, sagte am Abend der Wahl der zuvor ausgeschiedene ASU-Kandidat für Reinickendorf Keke Automag Fickdich.

 Soll der Name ein Witz sein? 
 Corpshark

 Ja. Und ist trotzdem ein gültiger Name. In der Berliner Anarchie und dem 2. Crash gingen jede Menge Personendaten verloren. Mit der Vergabe der VolkSIN geht einher, dass man seinen Namen festlegt, und da es ja eben gerade KEINE Papiere oder Nachweise zur Identität davor gibt, legt man diese in der Regel selbst fest. In mehreren Grundsatzentscheiden wurden zunächst vorgesehene Sperren gegen scherzhafte, prominente oder verunglimpfende Namen schrittweise demontiert und abgeschafft, auch um so viele SINlose wie möglich „ins SIN-System zu kriegen“. Wundere dich also nicht, wenn du in Berlin gelegentlich Leute mit Nachnamen wie Hitler, Megaficker, Dicksterschwanz, Trollpride oder Konzerntod findest.
 Antifa

 Gilt sinngemäß auch für Straßen- und Platznamen. Hier war der gesicherte Namensbestand dank der diversen Touri-Maps und zugeordneter Kartenservices (inklusive Totholz-Archiven) zwar trotz Anarchie und Crash um einiges größer, dafür aber haben Bezirke innerhalb ihrer Selbstbestimmungsrechte natürlich die Freiheit, Straßen so zu nennen, wie sie wollen – sofern die Namensfestlegungen eben an die BERVAG gemeldet und von dort in die Mapservices (und ALI!) eingespeist werden. Das sind im Monat auch jetzt noch gut 500+ Änderungen, unter besonderer Beachtung des „Verkaufs“ von Straßennamen an Sponsoren, die dafür den Straßenzug instandsetzen oder die nahen Gemeinschaften sonst irgendwie fördern (ja, es gibt in Berlin sowohl mehrere nach Shiawase-Familienangehörigen benannte Straßen wie auch eine Ruhrnuklear-Straße, einen Kombatmage-Platz, einen Soynetto-Weg, eine NuKola-Plaza und eine Nerps-Allee. 
 Tolstoi

Das Ratspräsidium hat die für 2076 vorgesehene Wahl zum Dritten Bürgermeister ohne Angabe von Gründen auf November vertagt.

 Aha? Warum das denn?
 Konnopke

 Soweit man munkeln hört, weil es diesmal tatsächlich einen oder sogar mehrere ernstzunehmende Gegenkandidaten gibt. Dabei scheinen sich gerade die Bezirke mit den größten Stimmkontingenten uneins zu sein, was bedeuten kann, dass ein anderer Megakonzern einen BM für die kommenden 3 Jahre aufstellen will, um bestimmte Schlüsselpolitiken noch effektiver durchzudrücken zu können. Aktuell schwelen Hinterzimmergespräche, Geheimabsprachen, Einflussnahmen auf Top-Niveau … 
 Nakaira

 Wenn ich einen Tipp abgeben müsste, würde ich auf Renraku, den FBV und/oder S-K setzen. Die Japancorps puschen das Berlin-Biz aktuell extrem kräftig und haben erkennbar Großes vor. S-K umgekehrt sieht die Chance, den ungeliebten Sternschutz abzuschießen, der FBV wird exakt das verhindern wollen. Das klingt nach gutem Biz.
 Tolstoi

[B1L] Berlin-Wahl zur Wahlperiode 2 entschieden

PFLÜGLER IM AMT BESTÄTIGT, ATZOLD GEWINNT KNAPP, OZU ERSETZT KOIZUMI

[08.10.2074] Eigentlich hatte niemand mit Überraschungen bei der ersten regulären Wahl der Bezirksvertreter von Wahlperiode 2 gerechnet – umso spannender war der „Falkenseer Krimi“, der die Zuschauer daheim und in den Berliner Kneipen während der letzten beinahe 40 Stunden in Atem hielt.

Es begann mit der ersten Übertragung der Live-Stimmeneingabe nach Freischaltung der Kommlinks gestern um 10:00 Uhr vormittags. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich Tempelhof und Prenzlauer Berg bereits aus dem Rennen verabschiedet: In beiden Konzernbezirken wurde der Bezirksvertreter bereits im Laufe vorangegangener Wochen intern bestimmt und bereits vor der Wahl bekanntgegeben: Während Dr. Franziska Landolt für Saeder-Krupp in Tempelhof im Amt bleibt, wird der bereits seit Längerem Abwesende Renraku-Vertreter Ichiro Koizumi durch seinen Stellvertreter Takeshi Ozu ersetzt.  

Geradezu enttäuschend unspannend verliefen ebenso die vielbeachtete Wahl zum Zweiten Bürgermeister, bei der sich wie erwartet Morek Pflügler innerhalb weniger Stunden auf uneinholbare 80% der Stimmen emporhob (Endergebnis um 22:00 Uhr: 84,6%), sowie die Stimmeinspielungen aus Pankow (Wladimir Igorewitsch Bronstein mit 98,8% der Stimmen).

Indem sich der Bürgermeister plus drei der sieben Bezirke früh aus den Wettquoten und Public Viewings verabschiedeten, rückten die verbleibenden vier Bezirke umso stärker in den Blick, auch wenn in dreien davon nicht das eigentliche personelle Endergebnis, sondern der genaue prozentuale Wahlausgang schon vom Wettaspekt her entscheidend war:

So stieg Lena Rabeja in Köpenick zwar in der allersten Datendurchgabe mit den für die kommunistischen Bezirke erwarteten „90%+“ ein, verlor aber im Laufe des Nachmittags und frühen Abends immer weiter Anteile an ihre gleich drei ernstzunehmenden Herausforderer Andrzej Slupinski (parteiloser Kommunist), Isabelle Vesely-Barchmann (KPD Berlin, früher KMLMPD) und Clemens Streußner (parteiloser Antikommunist). Zwischen 19:00 und 20:30 Uhr sah es sogar so aus, als ob die Wiederwahl der mit Shiawase verbandelten Parteikommunistin Rabeja in Gefahr geraten würde: Auf dem Tiefpunkt der Entwicklung lag Lena Rabeja bei nur noch 52%, Streußner bei 21%, Vesely-Barchmann bei 15% und Slupinski bei 9%. Erst ein Aufruf der Bezirksvertreterin Rabeja live im Studio des Roten Kanals, „gemeinsame Front“ gegen Streußner zu machen, zu dessen Geschäftspraktiken und umfassenden Spenden aus LDFP-Klüngeln sie vor laufenden Kameras Beweise vorlegte, sollte die ehrgeizige Politikerin auf ihr Endergebnis von 63,6% heben (Vesely-Barchmann 16,8%, Slupinski 6,2%, Streußner 13,2%). Entgegen dem in Köpenick üblichen Prozedere verlautbarte Lena Rabeja nach ihrem Wahlsieg, dass es „keine von Hand vorgenommene Stimmauszählung“ geben werde, und nahm damit Bezug auf Streußner-Unterlagen, die eine massive Sabotage des Prüfungssystems durch Bestechung von Wahlhelfern nahelegte. Selbstverständlich würden aber „alle Wahldaten“ an „öffentliche Knoten des alternativen Berliner Kabelnetzes“ gegeben, damit die Netzgemeinschaft diese „unabhängig und mit eigenen Augen“ prüfen könne.

Ähnlich spannend wie in Köpenick ging es auch im biederen Mitte zu: Auch hier stand die Wiederwahl des FBV-Vertreters und Berliner PNE-Parteiführers Dr. Alexander Schmidt nie zur Debatte, ein hohes Ergebnis von „15%+“ seines Herausforderers Dr. Paul Zöller (Berliner Bankenverein/HKB) war aber als Signal an Dr. Schmidt bewertet worden, seine Verbindung zur PNE entweder zu lösen oder von der Repräsentanz des Bezirks Mitte Abstand zu nehmen – und möglicher Weise auch von seiner Tätigkeit für den FBV, dessen Mitarbeiter sich zunehmend unangenehm berührt fühlen durch die öffentlichen Auftritte ihres Vertreters Schmidt. Sollte diese Signalwirkung bestehen, so ist sie jedenfalls mit dem Endergebnis von 32,6% für Dr. Paul Zöller überdeutlich zum Ausdruck gebracht worden – eine derbe Schlappe nicht nur für Dr. Alexander Schmidt, sondern auch den FBV in Berlin. Der unglücklichste Gewinner der Berlin-Wahl war am Abend zu keinem Kommentar bereit. Zu seiner eigenen Wahlparty war er nicht einmal persönlich erschienen, hatte nur einen Videogruß an seine Anhänger überstellt.

Schon aufgrund des Umstandes, dass der amtierende Erste Bürgermeister und Ratspräsident Yilmaz Wojenko aus Spandau kommt, galt der Spandauer Wahl besondere Aufmerksamkeit. Diese steigerte sich, als Wojenkos einzige relevante Herausforderin Doris “Yori” Floricic von der “masterControl Agentur für Netzüberwachung” in den Livedaten früh die psychologisch wichtige Stimmanteilsschwelle von 10% überschritt. Trotz anhaltend hoher Zustimmungswerte zu Wojenkos Politik als Berliner Bürgermeister hatte der smarte Psi-Aid Konzernmann zuletzt mit Protesten im eigenen (Norm-)Bezirk zu kämpfen, dessen Entwicklungsdaten sich nach wie vor steil abwärts bewegen. Auch wenn die Berliner Start-Up Unternehmerin und Ex-Hackerin sich mit einem Endergebnis von 28,8% noch deutlich entfernt von einem Wechsel an der Spandauer Spitze sah, hat man in jedem Fall nun ihren Namen in ganz Berlin gehört, und nicht wenige rechnen damit, von dieser aufstrebenden Kraft in Zukunft noch einiges zu hören.

Absolute, nervenzerfetzende Spannung indes verursachte die Wahl in Falkensee, deren Ausgang quer durch alle Berliner Buchmacher als „offen“ betrachtet wurde: Der gemeinhin als inkompetent und korrupt geltende Bezirksvertreter des Bankrottbezirks Steffen Atzold sah sich mit Herausforderer und Döner-Löwe Aslan Özdemir und Herausforderin Friederike Kuhnert von der USPD Falkensee konfrontiert, die dank des per Daten belegbaren Vollversagens des Bezirksvertreters die allerbesten Argumente zu dessen Abwahl in der Hand hatten. Umso bestürzter waren Wahlbeobachter, Moderatoren und Zuschauer, als Atzold sich im Laufe des Tages von dem „verdienten“ Start von 19,2% gegen 48,0% für Özdemir und 22,4% für Kuhnert zu über mehrere Stunden stabile 29,9% gegen 34,5% für Özdemir und 31,6% für Kuhnert emporkroch, um schließlich bei Einbruch der Dunkelheit das von den Medien als „Schande“ bezeichnete Endergebnis von 32,3% gegen 32,0% für Özdemir und 30,8% für Kuhnert zu erreichen – nicht zuletzt aufgrund der Versprechung, im Falle eines Wahlsieges allen „nachweislich Einkommenslosen“ von Falkensee eine „Riesenparty mit Freibier, Koks und Nutten“ zu spendieren. Rechte Gruppen beeilten sich, den späten Wahlsieg Atzolds denjenigen metamenschlichen Wählern anzudichten, die aufgrund von Lichtallergien erst nach Sonnenuntergang an der Wahl teilnehmen. Der sogenannte „Lichtknick“ in der Stimmabgabe ist seit Langem in der Live-Stimmabgabe nachzuverfolgen, auch wenn die mobile Stimmabgabe Wahlen bei Tageslicht auch aus abgedunkelten Privaträumen heraus erlaubt und eine nächtliche Stimmabgabe für Lichtallergiker somit nicht mehr notwendig wäre. Özdemir und Kuhnert zeigten sich „enttäuscht“ von dem Ergebnis und einer Wahlpolitik, die es demjenigen, der mit fast 70% der Stimmen abgewählt wurde, dennoch erlaubt, sich als Repräsentant des Bezirkes auszugeben. Angeblich strengen Özdemir und Kuhnert unabhängig voneinander eine Neuwahl und/oder Strafverfahren gegen Atzold wegen Veruntreuung von Bezirksgeldern an. Atzold nannte diese Vorwürfe „lachhaft“ und Kuhnert „eine derbst unterfickte Kuh“.  

Oh, what a Night. Hab zwar vierhundert Steine bei den Wetten verloren, aber das war ganz großes Entertainment.
 Zaffke

Unterhaltsam, ja. Trotzdem: Ein schwarzer Tag für die Berliner Demokratie und die Alternative Bezirkspolitik. Den Fall Atzold wird man jetzt noch mehr als davor als bestes Beispiel anführen, warum alternative Politik keine Zukunft haben darf.
Fienchen

Was vermutlich der Grund ist, aus dem er wiedergewählt wurde. Jedenfalls hat er für diese Wahl mehr Geld in Umlauf gebracht, als er oder die Falkenseer Kasse hat. Da steckt ein Konzernsponsor hinter. Freiwillige vor, Beweise dafür zu finden!
Roter Oktober

Der Move von Rabeja stinkt ja geradezu nach Schattenarbeit. Weiß da wer was?
Russenrigger

Lena Rabeja hat doch dauernd Runner am Laufen. Sollte mich nicht wundern, wenn sie das Material seit Monaten hatte, um es dann medienwirksam ihrem Herausforderer in den Unterleib zu rammen.
Konnopke

Ganz so einfach ist es diesmal nicht. Zwar gingen eine ganze Reihe Jobs raus, Dreck über buchstäblich jeden Kandidaten zu bekommen, der größte Auftraggeber für Köpenick-Runs war aber offenbar ein Typ namens Claas Stemmer, den ich inzwischen mit einer ebenso falschen Identität des MIFD in Verbindung bringen konnte.
Tolstoi

Ich wage mal eine Wette: Atzold wird seine Amtszeit nicht überleben. Seid also vorsichtig, bei wem ihr Döner kauft.
Fienchen

%d Bloggern gefällt das: