Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

Schlagwort-Archiv: mitte

Brennpunkt: Drakequartier [1/2]

 

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Im Crashsite Café // Original Artwork from Echo Chernik (Cover of the „Shadowrun Returns Anthology“ book)

Das Drakequartier

// Dateiupload von .REZ // 01.11.2080 – 17:34:12

Auch als Berliner kann man nicht jede Ecke der Stadt kennen. Im Gegenteil: Die meisten von uns sind so in ihrem Kiez verbunkert, dass sie selbst Affenklops und Fernsehturm nur aus dem Trid kennen. 

Der jüngst erfolgte Upload der Filesammlung [#berlin2080] hat bei mir die Neugier auf all die Ecken geweckt, die im Load beschrieben wurden, und von denen ich selbst noch nie gehört habe – oder die ich eben schon „kenne“, die ich aber noch nie offline und in persona gesehen habe. 

Anyway. Bei meinen Wanderungen in der City-West stolperte ich in der AR über einen Immobilien-Link zum „Drakequartier“, und da das in der Nähe lag und ich grad nix Besseres vorhatte, hab ich es mir angesehen. Und das Folgende entdeckt. Enjoy. 

Hinweis: Locations ohne „SRB“-Locationmarker werden im Quellenband „Berlin 2080“ beschrieben. 

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SRB001 > Das Drakequartier
Mitte – Drakestraße / Neue Drakestraße

Das Drakequartier ist ein Immobilienprojekt von Drake International Industries [#datapuls:schweiz S.25] auf dem Boden des früheren „Erweiterungsgeländes“ des Zoologischen Gartens. Besagte Erweiterung wurde 1987 eröffnet und war die einzige Auslage des Zoos nördlich des Landwehrkanals (soweit ich in alten Artikeln erkennen kann, waren hier u.a. Kängurus, Strauße und Springböcke untergebracht). Nach Freisetzung bzw. Verzehr der Zootiere, Abholzung der Anlagen und Zerstörung der meisten Gebäude in der Anarchie ist der Zoo heute nur noch ein Schatten seiner selbst (mehr dazu [#berlin2080 S.83ff]). Dass er überhaupt noch betrieben wird, ist die Folge einer ganzen Reihe kleiner Wunder. Und eines jener Wunder ist eben der Verkauf des Erweiterungsgeländes, um mit den dringend benötigten Einnahmen andere Bau- und Renaturierungsmaßnahmen finanzieren zu können.

Der Zoologische Garten ist eine absolute Premium-Immobilie, nach der sich Dutzende Unternehmen die Finger lecken. Kleinere Projekte schielen darauf, einzelne Grundstücke am Rand des Gartens zu akquirieren und zum Beispiel NOCH ein weiteres Nobelhotel hochzuziehen. Andere, deutlich „visionärere“ Pläne umfassen die Umgestaltung des gesamten Zoos in ein neues Stadtviertel – je nach Entwurf ein durchmischter Kiez für urbanes Leben, Arbeiten und Shoppen (auf Luxusniveau), ein asiatisch geprägtes und somit zum Tiergarten passendes Business Center für Unternehmen aus dem panasiatischen Raum oder aber ein repräsentativer Konzerncampus für einen der großen Zehn, der (angeblich) groß in Berlin einsteigen will.
 Corpshark

Das hieße ja höchstens Ares oder Wuxing. Alle anderen der Großen Zehn sind ja schon da oder haben bereits erkannt, dass der Move eine echte doofe Idee war. Ah, oder sie haben sich gerade neu aufgestellt und sind somit Spinrad Global, natürlich.
 .asl

Ares hat aktuell ganz andere Probleme, und dass Wuxing in Berlin groß einsteigt, bezweifele ich SEHR. Spinrad hingegen würde Sinn machen – die haben noch globalen Nachholbedarf im Bereich der betongewordenen Schwanzverlängerung, und der Büroturm von (Ex-)Global Sandstorm in Kreuzhain [#berlin2080 S.86, #10 auf der Karte dort] könnte zu klein für ihre Ambitionen sein. Richtig glauben kann ich aber auch das nicht.
 .root

Der Name des Quartiers hat natürlich „eigentlich“ nichts mit Drakes oder Drake Industries zu tun (deren Name erst recht nichts mit Drakes zu tun hat), sondern leitet sich von der nach dem Bildhauer Friedrich Drake benannten Drakestraße ab, die es hier schon lange vor dem Erwachen gab. Das hindert Makleralgorithmen freilich nicht, mit dem Namen des 2076 fertiggestellten Drakequartiers zu spielen und einige der modernen und großzügigen Stadtwohnungen einer drachischen bzw. dracopositiven Klientel anzubieten. Ob absichtlich geworben oder rein zufällig gehören zu den prominentesten Wohnungs-Eigentümern mindestens zwei tatsächliche Drakes: Erstens die Lung nahe stehende chinesische Violonistin Shen Qinqin und zweitens der unabhängige(?) südamerikanische Autor, Anarchist und Intellektuelle Alejandro Durmiente (ein Drake in der Form einer gefiederten Schlange). 

 Wie man bei einem Projekt von Drake Industries erwarten darf, sind überproportional viele Wohnungseigentümer im Drakequartier Elfen der Upper Class. Hinweise auf eine gezielte (programmatische) metarassische Bevorzugung habe ich zwar nicht für das Drakequartier bzw. den Standort Berlin finden können, diese kann aber angesichts der Vorgeschichte der GENOM-Tochter als „strukturell bedingt“ vorausgesetzt werden.
 .rez

SRB002 > Crashsite Café 
Mitte – Neue Drakestraße 2

Wo heute das Crashsite Café Berliner und Besucher zum Verweilen im ausgedehnten Biergarten einlädt, befand sich schon früher eine beliebte Restauration, das „Café am Neuen See“. Bereits ein paar Jahre vor dem Letzten Gesetz wurde es geschlossen und die Gebäude verkamen zu mit Graffiti überzogenen Ruinen. Nach dem „Sieg“ der Konzerne erhielt das Areal eine unfreiwillige Dekoration in Form einer tonnenschweren Baudrohne, die – beladen mit Durazement – in den Neuen See stürzte. Im Laufe der Zeit sank das Ungetüm so weit ein, dass nur noch Teile des meterlangen Rumpfes und drei seiner einst fünf Rotoren aus dem Wasser ragen. Die Bergung war erkennbar knifflig und so schob man das Projekt „Neuer See“ in der Neuplanung des Tiergartens immer weiter nach hinten. 2069, als der Tiergartens bereits voll im Umbau zum Japanischen Garten begriffen war, eröffnete eine Gruppe Künstler das Crashsite Café: Die Ruinen des alten Cafés nutzend, wurde eine Mischung aus Biergarten und Kunstinstallation geschaffen und das Wrack der Baudrohne selbst zum Kunstwerk umgewidmet. Nach einigen Jahren Streit zwischen den Betreibern und den Japankons, die das anarchistische Künstlercafé als Störfaktor in der perfekten Kunst-Kulisse des japanisierten Tiergartens betrachteten, einigte man sich auf einen vorerst bis 2082 befristeten Pachtvertrag. Die vorangegangene Medienberichterstattung über den Streit und einige kreative Protestaktionen machten das Crashsite Café berlinweit bekannt und sehr bald auch beliebt. Von Frühling bis spät in den Herbst tummeln sich hier Ausflügler und Nachtschwärmer, nur im Winter versinkt das Café in eine Art Dornröschenschlaf.

In den Gebäuden, Bauwagen und zusammengezimmerten Anbauten des Cafés leben in etwa 20 Künstler aus aller Welt – die Bewohner wechseln ständig. Nur ein harter Kern von etwa sechs Künstlern um den komplett tätowierten, orkischen Café-Chef Frank Fakesin bleibt stets derselbe. Hinzu kommen noch etwa ein Dutzend Kinder der Künstler-Kommune.
 Fienchen

SRB003 > Hotel Rozalia
Mitte – Neue Drakestraße 3

Mit zwölf Stockwerken ist das durch Drake Industries entwickelte Hotelgebäude das höchste Bauwerk des Drakequartiers. Ursprünglich sollte hier ein weiteres gesichtsloses Luxushotel entstehen, doch kurz vor Fertigstellung 2070 ging den Investoren die Luft aus (sowohl finanziell und im Falle einiger Schlüsselpersonen auch tatsächlich – Genaues weiß man nicht, aber die iranische Investorengruppe war wohl in ihrer Heimat knietief ins organisierte Verbrechen verstrickt und kam bei Revierkämpfen des OV unter die Räder (erneut: wörtlich)). Natürlich gab es mehrere andere Interessenten, aber dann kam es in Berlin zu den Unruhen, aus denen schließlich die Einheit hervorgehen sollte. Dass alles gut ausgehen würde, wusste man vorher freilich nicht: Erschrocken über Horrormeldungen, die einen neuen Bürgerkrieg in Berlin prophezeiten, sprangen die Big Player ab, und der bis dato weitgehend unbekannte Finanzier Damien Yegonov [Berlin2080 S.58] aus Ostberlin krallte sich die Immobilie. Sein Plan war, ein Hotel für Vermögende zu schaffen, die ein berechtigtes Misstrauen gegen Megakonzerne und Sorge vor staatlicher Überwachung haben. Das Hotel Rozalia brüstet sich damit, das Hotel mit der besten Privatsphäre in den westlichen Sektoren zu sein, und zudem das modernste „alternative“ Hotel der Stadt. Benannt wurde das Hotel nach der einflussreichen Arbeiterführerin und Kommunistin Rosa Luxemburg (Geburtsname: Rozalia Luksenburg), die 1919 ermordet und unweit im Landwehrkanal versenkt wurde. Im Foyer des Hotels und einem Teil des Untergeschosses befindet sich ein kleines Museum zu ihrem Gedenken. 

Anders als das Krasnaya Zvesda Schlosshotel [Berlin2080 S.55] ist das Hotel Rozalia weit entfernt von Drogenparties und Sündenbabel. Tatsächlich ist es ein sehr gediegenes, ruhiges und modernes Hotel, das Gästen neben solidem Service und dokumentierter Blockadehaltung gegen Polizeikräfte gleich welcher Art auch diverse diskrete Liefer-, Verschleierungs- und Fluchtservices anbietet. Wer also als Runner mal gediegen nächtigen und in einem Hotel-Spa relaxen möchte, ist hier gut aufgehoben.
 .sphynx

SRB004 > Sol Media Berlin
Mitte – Neue Drakestraße 1

Zusammen mit dem östlich angrenzenden Gebäude Drakestraße 1 ist dieses Haus Teil eines Bauensembles aus Prä-Anarchie-Zeiten. In der Zeit, als Berlin Hauptstadt der Bundesrepublik war, saß hier die Botschaft von Spanien. Heute beherbergt der altehrwürdige, neoklassizistische Bau und sein historisierter Nebenflügel die offizielle Repräsentanz der Sol Media Group in Berlin. Natürlich verfügt der nicht gerade als zimperlich geltende Konzern, dessen Schocker- und Skandalformate in der ADL immer wieder für gekünstelte Empörung sorgen, über gleich mehrere Produktionsstandorte in der Freistadt. Hier in der Neuen Drakestraße sitzt „nur“ die Verwaltung inklusive Buchhaltung, Personalbüro, einigen Konferenzsälen und natürlich diversen Servern, in denen sich allerlei Paydata finden ließe.

 Interessant, dass Sol Media sich in einer Drake-Industries-Immobilie einnistet bzw. die GENOM-Tochter diesen Mieter akzeptiert. Immerhin ist das Verhältnis zwischen Sol Media und GENOM nicht grade freundlich [#geisterkartelle].
 .asl

 Oh, Leute, COME ON! Erstens ist diese Genom-stellt-Präparate-zur-Unterdrückung-von-Technomancer-Fähigkeiten-Räuberpistole zehn Jahre her. Zweitens: wenn jeder Konzern sich mit jedem Mitglied der Journaille verzoffen will, das eine Enthüllungsstory bringt, wäre Hamburg längst von Thorhammer-Einschüssen zu Schlacke verbrannt worden. Drittens war die Botschaft und dann Sol Media ZUERST da; der Rest des Quartiers wurde erst später drumherum gebaut, so dass – Viertens – das Quartier und die Botschaft gar nicht zusammengehören, was aber ebenfalls egal wäre, denn Sol Media ist – Fünftens – nicht Mieter, sondern kostenfreier Nutzer des Botschaftsgebäudes, das – Sechstens – noch immer Spanien gehört.
 Come ON

Das Gebäude wird durch Knight Errant geschützt, und das ziemlich intensiv. Neben den Aufzeichnungsdaten diverser exklusiver Stories, Feeds und Entertainmentformate gilt es insbesondere, belastende Infos über Sol Medias Schattenoperationen in Berlin zu sichern. Dass der Konzern mit der DeMeKo im Dauerclinch liegt, ist ja kein Geheimnis.
AK Pulco

Der heilige Krieg von Sol Media gegen das Al-Akhirah-Syndikat könnte ebenfalls ein Grund sein, aus dem der Medienkonzern diese „Repräsentanz“ unterhält. Das Gebäude ist umfassend gesichert und es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass Sol Media Runner und eigene Agenten in Berlin auf die Straße schickt, um Hinweise auf Aktivitäten der Al-Akhirah Aswad Mayid in der Freistadt (genauer: dem Emirat) zu finden.
.rez

Der Shahabad [#berlin2080 S.88] ist meiner Ansicht nach fest in der Hand der Al-Akhirah, auch wenn davon niemand etwas gehört haben will. Das in Berlin nur äußerst begrenzt vertretene Syndikat ging in der Vergangenheit sehr behutsam vor – mit dem Doppeltod der russischen Verbrechensspitze und dem neuem, islamistischen Chef der Berliner Grauen Wölfe scheint sich das gerade zu ändern. Gut möglich, dass Al-Akhirah bestrebt ist, das Geschäft der Grauen Wölfe zu übernehmen. Ebenso möglich, dass dies genau das Ziel von Tauh’d ist und immer war.
 Safiya Dafiya

 

Hotspots 5 – Pennerbrücke

// gepostet von ZOÉ //

Hallo zusammen! Bei meinen Wanderungen und Amokfahrten durch Berlin fallen mir gelegentlich Orte auf, die bisher irgendwie von anderen Guides und Files übersehen wurden und daher ein ziemliches Schattendasein (ha, ha) führen. Hier kommen ein paar von ihnen, kompakt und straight aus der Memofunktion meines Links.

Pennerbrücke
Mitte (Moabit) – Beusselbrücke

Genau auf der Grenze zwischen Charlottenburg-Wilmerdorf und Mitte gelegen – und formell zu Mitte-Moabit gehörend – liegt die Beusselbrücke, eine alte und mehrfach provisorisch ausgebesserte Balkenbrücke, durch deren Hilfe die Beusselstraße die EuroRoute ER4 und den M-Bahnring überquert. Ebenfalls führt die Brücke über den 2068 im Zuge des Westhafen-Ausbaus wiedereröffneten Güterbahnhof Moabit, der wegen seiner astralen Verschmutzung und immer wieder auftauchenden, Schrecken erregenden Geistererscheinungen einen besonderen Platz in den urbanen Mythen der Stadt einnimmt.

Der Güterbahnhof Moabit erstreckt sich von der Penner- bis zur Westhafenbrücke. Seine „astralen Auffälligkeiten“ rühren von seiner Funktion als Deportierungsbahnhof der Nazis her, über den 30.000 Juden ins Gas geschickt wurden.
 Fienchen

 Der frühere Güterbahnhof wurde in den 1990ern aufgegeben und zahlreiche der zum Verladebahnhof gehörenden Flächen wurden im Laufe der Jahre mit Gewerbeflächen überwuchert. Auch eine neue Straße (die Rybarstraße) wurde auf den früheren Flächen des Bahnhofs errichtet. Die BERVAG plant, den verloren gegangenen Platz in kommenden Jahren ÜBER dem Bahnhof zu errichten: Ladecontainer sollen durch eine über den Geleisen errichtete Ebene per Hebedrohnen entladen und dann per Fließband und selbstfahrende Ladegestelle zum Westhafen gebracht werden. Zwischen Penner-/Beusselbrücke und Westhafenbrücke wird also eine großflächige Struktur entstehen, wodurch ER4(B), und M-Bahn in dem Bereich „überdacht“ werden.
 Russenrigger

Die verschiedenen Umbaumaßnahmen an der nördlichen Ringbahn – im Speziellen der Bau der EuroRoute in den Sechzigern – erforderten immer wieder Umbauten an der Beusselbrücke. Ein Abriss und kompletter Neubau wurde mehrfach geplant, aber wegen der dafür nötigen mehrmonatigen Sperrung der Nord-Süd-Verbindung über die Beusselstraße und natürlich aus Kostengründen nie ausgeführt.

Dies führt dazu, dass die Struktur der Beusselbrücke durch verschiedene Streben, Stützgestelle und andere provisorische Konstruktionen verunziert wird. Außerdem wurde um die gesamte Struktur der Brücke ein Sammelsurium miteinander verwachsener Baugerüste und Wohncontainer für Bauarbeiter der Dauerbaustelle errichtet. Nachdem diese von der jeweils aktiven Construction Crew verlassen wurde, wollte man sie nicht abreißen, da man sie ja eh demnächst wieder brauchen würde. Sichern und sich so Kosten ans Bein binden wollte aber auch niemand, so dass die Brücke und ihr Baugerüstpanzer sich selbst überlassen blieben.

Ich ahne, woher der Name „Pennerbrücke“ kommt.
 Karel

 Pretty obvious, oder? Der zweite Grund ist aber, dass es in Berlin auch eine ähnlich klingende Brücke gibt (oder gab), die „Spinnerbrücke“ über der Avus. Dort trafen sich im speziell zum Saisonbeginn im Frühjahr immer die „Spinner“ in Gestalt tausender Motorradfahrer, um zu trinken, zu feiern, ihre Maschinen vorzuführen, sie zu putzen, Burn-Outs zu machen etc. Wie an anderer Stelle bereits gesagt, sind jene Tage seit Bau der EuroRoute leider vorbei und die Bikerszene hat sich nach Babelsberg zum Krützkamp hin verlagert.
 Russenrigger

Aus wenig verwunderlichen Gründen nisteten sich in den Baucontainer sehr bald Obdachlose ein. Bald darauf wurden aus Wellblechen und Bauresten auch der Rest des Baugerüstes mit Hütten, Schuppen und Verschlägen aller Art gefüllt. 

Nach einigen brutalen, aber letztlich halbherzigen und wenig erfolgreichen Versuchen, die Pennerbrücke zu säubern und auch sauber zu halten, errichtete ER-Betreiber ESUS lediglich ein Fangnetz unter der Brücke, um die Euroroute gegen herabfallende Trümmer zu sichern. Da die Strukturen der Pennerbrücke für Autofahrer oben kaum sichtbar sind – man errichtete als Sichtschutz gegen das Elend großformatige Werbescreens am linken und rechten Geländer – hat die Säuberung der Brücke bei Megas und BERVAG inzwischen keine hohe Priorität mehr. Zudem der notwendige Abriss der munter weiterwuchernden Struktur die Kosten für eine umfassende Sanierung der Brücke weiter in die Höhe trieben.

Ich habe allerdings bei einem Run gegen die BERVAG einen Statikbericht erbeutet, demzufolge die Brücke aufgrund des ganzen zusätzlichen Gewichts akut einsturzgefährdet ist. Der Bericht hat die Markierung „DRINGEND!“, es kann nur noch Jahrzehnte dauern, bis da jemand einen Ausschuss gründet, die Sachlage mal neu bewerten und durchrechnen zu lassen.
 Fienchen

 Wenn du dich da mal nicht irrst. Es braucht nur der Richtige auf die Idee zu kommen, etwas tun zu wollen. Und die Pennerbrücke ist (wenn auch der äußerste Rand von) MITTE, also im Bezirk von Mister BERVAG-Generaldirektor Zöller persönlich.
 .root

Für Schattenläufer ist die Pennerbrücke ein exzellenter Punkt, um hartnäckige Verfolger abzuschütteln: Die Brücke liegt zentral und ist von vielen Run-Locations gut erreichbar, auch der Innenring der A100 ist in direkter Nähe. Man kann einfach den Fluchtwagen auf der Brücke anhalten (wenn man die Türen offen und die Steuereinheit unlocked lässt, wird er durch Zauberhand schnell entfernt, zerlegt und in hundert Richtungen weiterverkauft) und durch eine der vielen Lücken zwischen den Werbescreens in die Struktur eintauchen.

Entsprechende Vorabsprachen mit den Brückenleuten (der örtlich dominanten Gang Schrägstrich Interessenvertretung der Brückenpenner) vorausgesetzt, stehen ausreichend Schmutzkinder in Bereitschaft, euch schnell zum Brückenrand, zur M-Bahn, auf die Gleise oder von oben in ein vorprogrammiertes zweites Fluchtauto auf der EuroRoute springen zu lassen. Auch Zugänge zu den durch die Brücke führenden Abwasserrohre gibt es, und natürlich kann man sich auch eine Weile unter den Brückenleuten verstecken.

Innerhalb der Baugerüststruktur gibt es darüber hinaus wenig, was Runner interessieren könnte – ein Drogenlabor, eine Reihe Prostituierte mit eigenem oder kollektiv genutzter Verrichtungshütte und eine siffige Pinte ohne Namen, welche die zahlreichen Alkis mit selbstgebranntem Jabifu auf Biofuel-Basis und anderem Stoff versorgt.

Man sollte den Brückenleuten nicht vorbehaltlos vertrauen. ESUS hat mit denen eine Art Stillhalteabkommen getroffen, bekommt von den Brückenleuten Infos zu Schäden und drohenden Brüchen und kann durch diesen Deal Reparaturcrews in die Struktur schicken, um notwendige Abstützungen vorzunehmen. Im Regelfall werden die Brückenleute machen, wofür man sie bezahlt, aber wie gesagt: Mindestens EIN Konzern hat dort einen eigenen Fuß in der Tür.
 Fienchen

 Ich hatte mich schon gefragt, warum die Brückenleute im Rapunzelturm (dem früheren Wasserturm des Güterbahnhofs, der schon lang vom Strukrugeschwür der Brücke umwuchert ist) so exponiert sitzen können – und warum sie nicht die Sensoren auf dem Dach des Turms plündern. Ein Gentleman Agreement also.
 Russenrigger

 

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