Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

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Connection: Schlips

Der Schieber mit dem Namen Schlips ist bereits in SR-Publikationen aufgetaucht (Datapuls:ADL, S.123, und Berlin 2080, S.166). Tatsächlich basiert der Shadowrun-Charakter auf dem gleichnamigen Stammfixer und seinen Club „Purgatory“ in meiner alten Cyberpunk 2.0.2.0.-Runde (ein Fragment HIER).

Hier nun Details zu diesem interessanten Auftraggeber, Vermittler, Dealmaker, Betrüger und Überlebenskünstler aus Berlins Norden. In kommenden Posts werden euch auch sein Club „Fegefeuer“ genauer vorgestellt sowie ein Schrapnell (Mini-Abenteuer) rund um ihn und seine Geschäfte präsentiert. Viel Spaß damit!    

Prolog

Freistadt Berlin, Mitte Dezember.

Die Nachricht kommt kurz vor Mittag. Sie ist von Schlips, einem Schieber aus Pankow. Sie ist kurz und lautet: “Treffen Fegefeuer übermorgen 1600. Kleiner Job, 1 Abend, LoRisk, 500 Jetts oder IOU”.

Du lehnst dich zurück. Hörst dem monotonen Prasseln des Regens auf dem Synthplast der Scheiben zu. Es regnet seit Tagen. Keine Spur von Weißer Weihnacht.

Irgendwo kreischt ein Kuznechik in den Häuserschluchten, während du dir eine selbsterhitzende Dose Soykaf aufreißt und den Wetterbericht aus der Matrix ziehst. Keine Wetteränderung in Sicht. Egal was der “kleine Job” umfassen soll, egal ob Dauerregen ein guter Vorteil sein kann, es bedeutet Arbeit in der säurekalten Nässe, für lausige 500 in Casinochips. Oder einen I-Owe-You. einen Gegengefallen.

Aber: Es ist das erste Mal, dass Schlips dir einen Job anträgt. Vielleicht Zeit, Küsschen zu geben. Eine Möglichkeit, positiv in Erinnerung zu bleiben. Für nächstes Mal, wenn es vielleicht was Größeres gibt.

Du kennst Schlips nicht besonders gut, aber wenn deine Instinkte noch nicht völlig tot sind, verspricht er ein ganz guter Kontakt zu sein. Ein Berliner Mischblut, heißt es auf der Straße. Gut, denn das bedeutet, dass an ihm nicht noch verborgene Verpflichtungen gegen den Familienclan oder irgendein obskures Syndikat aus seinem Heimatland hängen. Schlecht, denn Bastarde sind in den Augen der abstammungsbewussten Verbrechensgruppen, von denen es in Berlin mehr als zu viele gibt, entbehrlich. Und gerne das Opfer eines Job of no Return.

Schlips’ Operation ist übersichtlich. Ein weiteres dickes Plus. Ein kleiner Club in der ehemaligen Vier-Evangelisten-Kirche in Pankow nördlich des Dreamlands, ein paar Lagerhäuser etwa sechs Klicks weiter nördlich, ein wohl ganz gut laufendes Schieber-Geschäft in halb- und illegaler Hardware und Entertainment-Chips, etwas Schmuggel über die Spreeratten, ein paar Connections im Berliner Medien-Biz, etwas Muskel-Backup durch die Hellions, in deren Turf sein Club “Fegefeuer” liegt.

Ein straighter Fixer, keine bekannte Rep als Abzocker oder Verschaukler, dessen größter Haken sein geringes Standing ist. Das bedeutet kleinere Jobs mit weniger Kohle als bei Bigshots wie dem Holländer oder auch einem Urgestein wie Batsche. Immerhin: Schlips ist schon seit ein paar Jahren in Big B aktiv und keiner dieser Totalnoobs, die auftauchen, 1W6 Jobs raushauen und beim ersten Anzeichen von Erfolg vom freundlichen Hai aus der Nachbarschaft gefressen werden.

Er entwickelt sich langsam, aber stetig. Gesichert. Kein Hotshot. PLUS!

Genau wegen seinem geringen Standing hatte Schlips dich angesprochen. Dein Weg hatte dich vor einiger Zeit ins Fegefeuer geführt, und wie üblich hast du bei den mehr oder weniger belanglosen Bar-Talks fallen lassen, dass du auf der Suche nach “freien Nebeneinkünften” seist. Deine nur leicht übertriebene Story deiner Erfahrungen und Kompetenzen hatte den zwergischen Barkeeper aufhorchen lassen, und wenig später bahnte sich dieser schmal gebaute Norm mit der leuchtend roten Vidflash-Krawatte seinen Weg zu dir. Ihr kamt ins Quatschen – zunächst an der Theke, dann kurz in der Sakristei, Schlips Büro, und man beschloss, in Kontakt zu bleiben.

Wie sich die Sache darstellte, kamen ab und an Leute auf Schlips zu mit Anfragen, ob er Leute kennen würde, die bei dieser oder jener Sache behilflich sein könnten.

Hatte er bisher derartige Kunden an andere ihm bekannte Schieber weitergereicht – gegen “Vermittlungsgebühr” – wollte er nun auch ein Stück des Kuchens haben und suchte deshalb Leute, die willens und in der Lage wären, quasi auf Zurufbasis Jobs zu erledigen.

Was, das könne er noch nicht sagen, er würde eben, wenn etwas reinkäme, durchpiepsen, und dann würde man eben kommen oder es bleiben lassen, und notfalls müsse er dann eben den Job doch wieder weitergeben, wenn er niemanden an der Hand hätte, der die Sache übernehmen könne.

Nun also die erste Nachricht. Hundert. Verdammt wenig, selbst für einen kurzen Job, aber besser als nichts, und im Zweifelsfall als “Werbungskosten” verbuchbar.
Umgekehrt: Verkauft man sich unter Wert, wenn man auf so eine Offerte reagiert?

Kriegt man dann auch in Zukunft nur die Molle-und-Korn-Jobs rüber geschoben, unterdessen andere Kontakte von Schlips sich jetzt schlau zurückhalten, um gleich klarzustellen, dass bei denen die Talks erst ab 5K beginnen?

Der Soykaf ist alle, die Dose fliegt aus dem Fenster ins Rauschen des Regens, während du noch immer grübelnd das Trid anklickst. Nur nicht zu eager sein. Schlips würde deine Antwort schon bekommen. Vielleicht würdest du sogar hingehen und dir mal anhören, worum es geht.

Vielleicht würdest du klar machen, FALLS du annimmst, dass das nur ein Freundschaftsdienst quasi als Einstand in eine für beide Seiten fruchtvolle Geschäftsbeziehung wäre.

Schließlich: Was würde in deinem Terminplan für die nächsten Tage schon Wichtigeres drinstehen?

Prolog 2

Freistadt Berlin, Irgendwann.

Das Wegwerf-Handy spielt einen Aztechnology-Werbejingle als Klingelton.

Diese kleinen Dinger nerven, sind aber praktisch, um seine Datenfährte im Globalen Dorf zu tarnen. Außerdem sind sie aktuell eine kostenlose Zugabe zum in deinem Soyreal. Man nimmt sie aus den Flocken, registriert sie durch Anschalten am Hostserver, sie laufen ihre 7 Tage ab und das festinstallierte Chip-Account wird wieder gelöscht. Länger halten die festinstallierten Batterien eh nicht.

MJAM MJAM RIEGEL – schmecken so lecker
MJAM MJAM RIEGEL – für Geschmacksentdecker
MJAM MJAM RIEGEL – kalt oder heiß im Nu
MJAM MJAM RIEGEL – lecker in Schwein und auch in …

“Ja?”

“Fischer.”

Du verziehst das Gesicht säuerlich. Wenn Schlips’ Schlagetot Fischer anruft, handelt es sich um eine Sache, die deinem Schieber Schlips zu unwichtig ist, um sich persönlich damit zu beschäftigen. Oder er will diesen Eindruck erwecken, um den Preis zu drücken.

“Und?”

“Schlips will dich sehen”

Als ob du das nicht wüsstest. Aber du bist nicht Schlips’ Bitch, sondern ein Business-Kontakt. Und je eher Fischer das schnallt, desto besser.

“Schön für ihn. Und warum sollte ich IHN sehen wollen?”

“Job.”

Wärst du ein Newbie in Schlips’ Set, würdest du denken, dass Fischer doof ist. So aber weißt du, dass der Troll dich nerven will. Warum allerdings, ist dir nicht ganz klar. Vermutlich geht es dich auch nichts an. Aber du bist nicht Fischers Fußmatte.

“Reden wir von einem Job, also von Geld für Arbeit, oder wird das wieder eins von Schlips ‘Gefälligkeiten’-Dingern? So von wegen ich arbeite, und er verspricht dafür, wieder an mich zu denken, wenn er den nächsten Job für lau hat?”

Einundzwanzig, zweiundzwanzig, zu lange Zögern. Es IST eins von diesen Gefälligkeits-Dingern. Verdammt.

“Hör zu, Fisch, sag Schlips, er kann mich durch seine Chabos anrufen lassen, wenn er nen JOB für mich hat. Wenn er was Freundschaftliches zu bereden hat, dann soll er mich verdammt noch eins SELBST anrufen.” Und klick.

Der Rückruf kommt rund zwei Stunden später. Schlips hat sich Zeit gelassen, um nicht zu drängend zu wirken. Eile treibt den Preis hoch.

“Ja?”

“Hier ist Schlips.”

“Ah, der Herr persönlich.”

“Tak, sorry, Habibi.” (Er entschuldigt sich. Mein Gott! Es muss wichtig sein)

“Wh’zup?”

“Hör zu, ich könnte Hilfe gebrauchen.”

“Um was geht’s?”

“Schnüffeljob. Nichts Großes.”

“Details?”

“Wenn du hier bist.”

“Ne kadar?”

“Kann ich noch nicht sagen. Ich hab ein paar Jungs an der Hand, die den letzten Job für mich erledigt haben. Die werden von mir erstmal bevorzugt geheuert. Und auch bezahlt, was das angeht.”

“Da Drek? Was soll das?”

“HEY! Ich hab dich beim letzten Mal auch angepingt, aber du hattest keine Zeit. Well, das ist kewl. Du arbeitest Freelance. Aber DIE hatten Zeit, und DIE haben gezeigt dass sie was können, und deshalb haben DIE jetzt erstmal Kredit bei mir. Komm vorbei, klink dich ein, zeig mir, dass du auch was drauf hast, und du bist beim nächsten Mal ebenfalls bevorzugt dabei, so ka?”

“…”

“Hör zu, ich hab keine Zeit für dein Bitchin’, Walla. Sei morgen im Purgatory, 1800, oder lass es eben.”

Schlips

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Schlips ist Berliner und kennt seine Stadt. Als Mischblut aus einem unidentifizierbaren Mix diverser Ethnien könnte er in der Masse bequem untergehen, aber das ist nicht sein Style: Stattdessen setzt er mit dunkler Kleidung und roter Leuchtkrawatte ein klares Zeichen (bis er verduften muss und den Schlips ausschaltet, natürlich).

Bevor er ein Leben in selbstorganisierter Kriminalität begann, arbeitete Schlips einige seiner jungen Jahre im Medienbiz der Stadt: Er scoutete Locations, organisierte Drehgenehmigungen und Security bei den örtlichen Kiezen und Gangs, vermittelte Sternchen und Charaktertypen ebenso wie peinlichen Sozialversagern passende Auftritte in Tridproduktionen und verdealte unter der schwarz gezogene Kopien von Outtakes und Schnittmaterial für Hardcore-Fans und Vlogger.

Diese Nebentätigkeit brachte ihn in Trouble und schließlich in direkten Kontakt zu Martin Hajek, einem Sachbearbeiter in der Abteilung Urheberrechtsschutz der DeMeKo. Zum Glück für Schlips hatte der Konzernhai Hajek größere Fische als Schlips zu fangen und hatte genau zu diesem Zweck Bedarf an einem abstreitbaren Ermittler mit Kontakten in die Raubkopierer- und Sendepiratenszene.

Am Ende wuchs aus dem „ich lass dich nicht in der Havel ertränken, dafür hilfst du mir bei dieser Sache“-Deal eine längerfristige, für beide Seiten extrem lohnende Zusammenarbeit. Hayek fiel auch mit Schlips‘ Hilfe die Karriereleiter hinauf und bedankte sich umgekehrt mit solider Bezahlung, die Schlips den Aufbau seines Clubs „Fegefeuer“ in der aufgegebenen Vier-Evangelisten-Kirche in Pankow ermöglichte.

Heute betreibt Schlips seinen Club mit einigem Erfolg und gilt als zuverlässiger Tipp für Medienkonzerner, wenn es darum geht Dinge außerhalb offizieller Kanäle zu organisieren. Schlips hat einige, überwiegend kleinere Runnercrews an der Hand. Was diesen an Feingefühl oder Erfahrung im Medienbiz fehlt, gleicht Schlips durch seine Szenekenntnisse aus. Außerdem spielt er auf lange Sicht und hat demzufolge kein Interesse daran, Teams sinnlos zu verheizen und damit die Reputation seiner Vermittlungsarbeit zu beschädigen. In beiderlei Richtung.

Neben dem kleinen Nachtclub und seinem Vermittlerbiz operiert Schlips zudem im Bereich Schmuggel und Schwarzmarkt. Was mit ein paar Lagerhäusern zum verschieben von Abfallprodukten seiner Schattenoperationen begann (eine vom Laster gefallene Kamera hier, eine Kiste im Mainstreammarkt nicht mehr verwertbarer Pornflicks da) entwickelte sich zu einem soliden Geschäft, durch das einige seiner Medienkonzerner-Kontakte veraltete (angeblich bei Drehs kaputtgegangene) Tech verwerten (lassen), um dann „nötige“ Neuanschaffungen von aktueller Toptechnologie zu beantragen. Seine Kontakte ermöglichen es ihm umgekehrt, Kunden mit sehr speziellem Tech-Bedarf zu bedienen, und das zunehmend auch außerhalb des Medienbereichs.

Dass Schlips angeblich auch Kontakte zu Evo, Horizon, der AGC und anderen Big Playern hat, ist zwar nicht falsch, aber eher das Ergebnis von Schlips‘ Investitionen in seinen Ruf: Immer wieder beauftragt er etwa Runner mit Schreibrecht auf Arachnet und Panoptikum, seinen Namen und seine guten Connections zu erwähnen.

Schlips arbeitet von seinem Club aus, wo er entweder oben auf der früheren Orgel-Empore thronend mit guten Freunden oder in seinem Büro in der Sakristei anzutreffen ist. Tatsächlich wohnt er auch in der Kirche, nämlich in den darunter liegenden Räumen.

Schlips – Schieber und Low Level Crimeboss [SR6]

Als Connection: Einflussstufe 3

Beschreibung: Ein gutaussehender, junger Norm mit zurückgegeltem Undercut und mehreren Piercings. Schlips bevorzugt unifarbenen À-la-Page-Look mit schwarzen und anthrazitfarbene Hemden zu einem gleichfarbigen Actioneer-Geschäftsanzug. Dazu trägt er Halbschuhe mit einer massiven Sohle, die eher wie Kampfstiefel wirken.

Attribute: K3 G5(6) R4(6) S2 W4 L3 I5 C5 EDG4 ESS3,1

Initiative: 11 + 3W6

Handlungen: 1 Haupt, 4 Neben

Zustandsmonitor (K/B): 10/10

Verteidigungswert: 5

Vorteile: Analytischer Geist, Erster Eindruck, Fotografisches Gedächtnis, Vertrautes Terrain (Fegefeuer-Kiez)

Nachteile: Abhängigkeit (Nic-Sticks, Stufe 3), Simsinn-Desorientierung

Aktionsfertigkeiten: Athletik 2 (Parkour +2), Einfluss 5 (Verhandeln +2), Feuerwaffen 4 (Pistolen +2), Nahkampf 2, Überreden 7 (Beschwatzen +2), Wahrnehmung 3 (Sehen +2)

Wissensfertigkeiten: Berliner Syndikate, Medienwirtschaft, Berliner Konzernpolitik

Sprachfertigkeiten: Berliner Gossensprache M, Hochdeutsch 3, Englisch 3, Tschechisch 2, Arabisch 1, Japanisch 1, Russisch 1

Bodytech: Datenbuchse, Maßgeschneiderte Pheromone [Stufe 3], Reflexbooster [Stufe 2], Smartlink, Thrombozytenfabrik

Ausrüstung: Actioneer Geschäftsanzug [+2], Gefütterter Mantel [+3], Atemschutzmaske [Stufe 4], Gefälschte SIN [Stufe 3; Lizenzen: Cyberware, Führerschein, verborgenes Tragen], Kommlink [Transys Avalon, Gerätestufe 6, AR-Handschuhe, Subvokales Mikrofon, Trideoprojektor], Kontaktlinsen [Kapazität 3; Bildverbindung, Blitzkompensation, Infrarotsicht], Magnetkarten-Kopierer, Ohrstöpsel [Kapazität 3; Audioverbesserung, RFID-Löscher, Selektiver Geräuschfilter 2], Tarnholster, Wanzenscanner, White Noise Generator [Stufe 6], Zielgerichteter Störsender [Stufe 6]

Waffen: 

  • Schockhandschuh [Waffenlos | Schaden 4B(e) | Angriffswerte 5/-/-/-/-]
  • Sorokin Predator I [Schwere Pistole | 3K | EM | 10/9/8/-/- | 15(s)] (siehe Berlin2080)
  • HaKa MP2 [Maschinenpistole | 3K | HM/SM | 8/8/7/-/- | 24(s)] (siehe Berlin2080)

Connections:

  • Martin Hajek (E6/L4) – Bereichsleiter Urheberrechtsschutz der DeMeKo Berlin, ein enger Mitarbeiter Björn Taubes und der führende Exec im Kampf der DeMeKo gegen Raubkopierer und Piratensender, die DeMeKo-Filme, -Shows und -Musik streamen ohne dafür zu bezahlen
  • Tanja Cattarius (E3/L3) – Sekretärin mit eigenen Karriere-Ambitionen im Evo-Konzern.
  • Tarot (E2/L4) – Erwachte elfische Chefin der Hellions-Gang, die im Fegefeuer die Security macht und das nähere Umfeld kontrolliert.
  • Styx & Stones (E1/L3) – Zwergen-Zwillinge, die sich den Job als Barchef im Fegefeuer teilen (jeder 8 Stunden täglich).
  • Fischer (E2/L4) – Schlips‘ Troll für’s Grobe und sein Bodyguard, einstiger Streifencop.

Lebensstil: Mittelschicht (1 Monat bezahlt)

Nutzungsmöglichkeiten: Auch für das Schlips-Lebensgefühl empfiehlt es sich, einige Stunden Grand Theft Auto V gespielt zu haben. Speziell Missionen im Planungsraum des eigenen Appartments, Jobs für Motorradclubs und natürlich das Management des eigenen Nachtclubs. Schlips ist ständig auf der Suche nach neuen Runnertalenten, denen er zunächst Aufträge wachsender Komplexität zuschanzt, ehe er die Crew dann direkt für eines seiner eigenen „dicken Dinger“ einsetzt. Zudem vergibt er Low-Risk-Alltagsjobs des Fegefeuers und der umgebenden Nachbarschaft gern an Anfängerteams, um „verborgene Goldnuggets aus dem Straßenschlamm zu sieben“.

Connection: Grimm

Es ist der 20. Oktober. Mein Geburtstag. Und wie immer (wenn ich dazu komme) schenke ich zu diesem Ereignis der Rollenspielszene etwas. Zugegeben: Diesmal nichts „Großes“ wie ein komplettes Rollenspiel oder die 13 Kniffe, die jeder Shadowrun-SL kennen sollte, aber immerhin: Ein NSC. Der zufällig mein viel zu wenig (bzw. in SR6 noch gar nicht) gespielter SC ist. Im SR-Universum seid ihr ihm vielleicht schon begegnet, unter seinem Shadowposter-Namen „Gr1mm“, in der Kurzgeschichte „Erste Weihnacht“ oder im deutschen SR6 Grundregelwerk demnächstigstens auch als Bild für den Metatyp Ork. Naja, und ähnlich sieht er mir rein zufällig auch, weil ich eine Macke habe und in vielen Rollenspielen (speziell in Videospielen mit Charaktereditor) versuche mich selbst nachzubauen, mindestens optisch. Make of that what you will. Hier jedenfalls Grimm als Connection oder anderweitiger NSC. Have fun mit ihm.

Grimm

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Grimm ist ziemlich am Ende und er weiß es. Vor langer Zeit war er dick im Geschäft, das Gehirn hinter einer ziemlich erfolgreichen Crew krimineller Kunsträuber, den „CoolZ“ (Crewcolors schwarz und neongrün). Statt wie „total bescheuerte Runner“ im Auftrag obskurer Johnsons irgenwelchen Drecksjobs hinterherzurennen, machte sich die Crew ihre eigenen Jobs: Durch sorgfältige Recherche lohnender Ziele (oder, ja, auch Raubaufträgen der Preußenstiftung und anderer Kunstsammler) zog die Crew einige spektakuläre Raubzüge durch. Grimm – damals unter dem Namen „Napoleon“ – war schlank, durchtrainiert, ein brillanter Planer und talentierter Race/Fluchtfahrer, eine Glückssträhne jagte die Nächste, er hatte dickes Geld, einen getunten Saab Dynamite und ein megaschickes Luxusappartment mit Dachpool und allem anderen, was dickes Geld und der Geruch von Erfolg so bringt.

Dann wurde die Crew gebustet. Der Anführer CoolJay und Murad starben bei dem Überfall des Sternschutzes, Grimm mit drei anderen inhaftiert. Wie der Sternschutz auf die Spur der CoolZ kam, beschäftigt Grimm noch immer. Am meisten fürchtet er die schon damals psychotische Messerklaue „Schlitzer“, der allerdings wegen Mehrfachmordes für immer eingefahren sein dürfte, sowie die intrigante und bekanntermaßen rachsüchtige elfische „Crewmatraze“ Jana. Grimm hat zwar nichts getan und die Crew nicht verraten, aber diese beiden konnten ihn noch nie leiden bzw. unterstellten ihm gerne mal manipulative Züge, nur weil er für einen Ork latent intelligenter als andere war.

Grimm fuhr wie der Rest der Crew in die berüchtigte Massenhaftanstalt Plötzensee ein, hatte dort aber keinerlei Kontakt zu seinen Ex-Kollegen. Sein Reflexbooster – damals State of the Art – wurde verplombt, aber immerhin drin gelassen, da ein Rückbau viel zu teuer gewesen wäre. Sein stylischer Cyberarm mit implantierten Klingen hingegen wurde durch ein absolutes Trashmodell ersetzt.

2075 wurde der Gefangene mit der kriminellen SIN „Napoleon Case“ („Case“ ist einer der Standard-Nachnamen des Sternschutzes für Inhaftierte) wieder auf freien Fuß gesetzt – teils durch erfolgreiches Wirken seines schmierigen Mafia-Anwalts Giuliano Ferretti (dem „Frettchen“), teils durch entsprechende Deals mit dem „Ringbund“.

Er mietete sich in einem der versifften Wohnblocks in Gropiusstadt ein, legte sich „Grimm“ als neuen Straßennamen zu und versucht seitdem, keinerlei Verbindungen zu seinem alten Leben zu bekommen, obwohl er sich nichts sehnlicher als eine Rückkehr zu altem Ruhm wünscht (besonders der Verlust seines Dynamite belastet ihn sehr, umso mehr, da er im Knast sitzend erfuhr, dass dieser konfisziert und auf einer Auktion verkauft wurde – den Saab Dynamite zu finden und zurückzubekommen ist eines seiner irrationalsten Ziele).

Grimm – Überlebenskünstler und Fluchtwagenfahrer-for-hire [SR6]

Als Connection: Einflussstufe 3

Beschreibung: Ein bullig-fetter, alter, im Prinzip völlig unauffälliger Ork. Berliner Dritte Hand Straßenchic, dicke speckige Jacke mit Protektoren an Ellbogen und Schultern, darunter noch zwei Lagen Kapuzenpullis/Shirts etc., Cargo Pants mit Protektoren an Knien, wuchtige Straßenstiefel, Kapuze tief im Gesicht und darunter noch ein
zerschlissenes Baseballcap, mit einem Griff hochziehbares graues
Flecktarn-Halstuch „gegen den Smog“, und eine Billigsmartbrille von der
Supermarktkasse.

Attribute: K7 G5 R5 S5(8) W2 L4 I6 C4 EDG6 ESS 2,4

Initiative: 12 + 2W6

Handlungen: 1 Haupt, 2 Neben

Zustandsmonitor (K/B): 14/9

Verteidigungswert: 12

Vorteile: Unauffälligkeit, Zähigkeit, Talentiert (Steuern), Robust gebaut (1+1)

Nachteile: Abhängigkeit (Alkohol, 4), Abhängigkeit (Nikotin, 4), SIN-Mensch*

Aktionsfertigkeiten: Athletik 2 (Sprinten 4), Einfluss 2 (Gebräuche 4), Feuerwaffen 4, Mechanik 1, Nahkampf 2, Steuern 7 (Expertise: Bodenfahrzeuge 10), Wahrnehmung 5 (Sehen 7)

Wissensfertigkeiten: Berliner Schieber, Berliner Kieze, Anarchogruppen, Autotuningszene

Sprachfertigkeiten: Berliner Gossensprache (Muttersprache), Hochdeutsch (Grundverständnis)**, Englisch (Grundverständnis)

Bodytech: Reflexbooster [Stufe 1], Dermalpanzerung [Stufe 1], Talentbuchse [Stufe 2], Talentleitungen [Stufe 2], Datenbuchse, offensichtlicher Cyberarm rechts*** (erhöhte Stärke [Stufe 3], implantierte Uzi MP)

Ausrüstung: Bessere Berliner Dreckskarre (siehe Berlin2080), Kommlink [Meta Link], Kommlink [VolksKOMM mit Napoleon Case SIN], Panzerjacke [+4], Tarnholster, Billig-Smartbrille [Kapazität 1, Bildverbindung]

Waffen: 

  • Sorokin Predator I [3K | EM | 10/9/8/-/- | 15(s)] (siehe Berlin2080)
  • No-Name AK-47 Karabiner [5K | HM/SM/AM | 5/11/7/5/1 | 30(s)] (siehe Berlin 2080)
  • Uzi MP (implantiert) [3K | HM/SM | 8/8/7/-/- | 24(s)]
  • Splittergranate (x5) DP 16K, Sehr Nah 10K, Nah 4K, Sprengwirkung 15m

Connections:

  • Julian (Giuliano Ferretti) „Das Frettchen“ (E2/L1) – Grimms Anwalt, Mafia-Mitglied. Ein extrem schmieriger Typ
  • Derek „Drek“ Mansfeld (E2/L1) – Einer von vielen korrupten Norm-Ermittlern beim Sternschutz mit Ringbund-Connections, über den der Bund geringstufige Irregularitäten von Ex-Häftlingen ausbügeln lässt
  • Sales (E3/L1) – Grimms orkischer „Ruf mich nie wieder an du Ratte“-Hehler und
    Bruder(!). Hatte mal Loyalität 4, aber zu viele Gefallen haben den Wert extrem schrumpfen lassen
  • Mojita (E1/L3) – Sowas ähnliches wie Grimms „Freundin“, tatsächlich seine Norm-Stammprostituierte. Die Person, bei der er seinen Frust ablädt
  • Turbo (E2/L3) – Grimms (früher bestens an ihm verdienender) Muscle Cars und
    Tuning Mechaniker, arbeitet (noch) „For Old Times Sake“

Lebensstil: Unterschicht (1 Monat bezahlt)

Matrixprofile:

  • Napoleon Case (VolksKOMM): Grimm kommt seiner Pflicht, jederzeit seine kriminelle SIN zu zeigen, außerhalb von schattigen Jobs jederzeit nach. Wer sein VolksKOMM hackt oder offiziell überprüft, findet einen gescheiterten Ork, der sich mit Niedriglohnjobs über Wasser hält. Das Nutzerprofil entspricht was Käufe, Porn- und Interessen-Präferenzen angeht Grimms tatsächlichen Interessen. In der Historie des Gerätes sind wiederholte Geräteausfälle aufgrund defekter Akkus oder auch „Ist mir ins Klo gefallen“-Vorfälle verzeichnet, Grimm beantragt aber zügig ein neues Kommlink (hier auf Kosten der BeJuDi), das ihm dann auch binnen 3 bis 7 Tagen genehmigt wird (weitaus genug, um zwischendurch einen Schattenjob durchzuziehen). Grimms Online Appartement in der Vision Berlin ist auf Standardeinstellung; er hat es noch nie besucht. Sein Profil auf iProtect hat kaum Berlinherzen, da Grimm (zu Recht) davon ausgeht, dass ihm ohnehin niemand ein allzu auffälliges Wohlverhalten abkaufen würde.
  • Grimm (MetaLink): Grimm nutzt das Metalink nur für Schattenjobs und ersetzt es nach jedem Job durch ein Neues. Wer das Metalink hackt oder offiziell überprüft findet ein Kommlink auf Werkseinstellungen, auf dem überwiegend noch die Registrierung des Verkäufers liegt. Es gibt keine abonnierten Feeds oder Channels und keine Kredithistorie, da Grimm Käufe via Credstick bzw. Vesuv Chips (physisch oder online per Kabelmatrix/Chipfernsprecher [berlin2080]) abwickelt.

Zitate (nach hochdeutsch übersetzt):

  • „Magie war schon immer das Mittel der Wahl für Idioten, denen die Ideen für eine echte Lösung ausgingen. Schau dir nur Herr der Ringe an. Bloß weil Magie jetzt real ist, ändert das nichts am Grundprinzip. Magie ist der Cheat für rein zufällig damit ausgestattete Volldeppen.“
  • „Riggen ist nur Matrix-Brainfuck. Ein Simsinn-Videospiel für Luschen ohne Intuition und echtes Gefühl für Fahrphysik. Echte Driver verschmelzen auf eine viel intensivere Art mit der Karre, als irgendein Megakonzern-Geek in Fake Brainsignale coden könnte.“
  • „Als ich 20 war hab ich extrem krumme Dinger gedreht, ohne mir Gedanken darum zu machen, was passiert, wenn sie mich schnappen. Das war im Nachhinein betrachtet dumm. Andererseits bin ich jetzt über 40, und jede Art von Urteil für mich bedeutet ‚lebenslänglich‘. Das hat etwas Befreiendes. Ich kann jetzt, wo es gar nichts mehr bringt, nach den Regeln spielen und den Rest meines Lebens im Siff zubringen. Oder ich gehe ‚all in‘. Denn ich habe nichts zu verlieren“.

Nutzungsmöglichkeiten: Für das Grimm-Lebensgefühl empfiehlt es sich, einige Stunden Grand Theft Auto V gespielt zu haben. Speziell Rennen und jene Art von Missionen, in denen eine Crew gemeinsam versucht, „das ganz dicke Ding“ zu drehen. In deiner Kampagne können die Runner z.B. auf Grimm treffen, wenn sie keinen Rigger haben und einen Fluchtwagenfahrer brauchen. Außerdem kannst du Grimm als (Teilzeit-)Fahrer bei Black Flag Cab oder einem anderen (Kampf-)Taxifahrdienst einsetzen. Als Zufallsbekanntschaft an irgendeiner Bar kann Grimm – der sich bestens in Berlin auskennt – Infos z.B. zu Dealern, Kiezen oder Anarchogruppen liefern. Auch wenn Grimms alte Connections zur Preußenstiftung „eigentlich“ längst versiegt sind, kannst du ihn als Go-Between oder sogar als Johnson benutzen. Speziell wenn es um die Jagd nach seinem schwer modifizierten 2066er Saab Dynamite XARA Limited Edition geht, ein Liebhabermodell, das, wenn es unbeschädigt ist, heute leicht 600.000 EUR bringen könnte.

Anmerkungen:

* unter SR5 hatte Grimm eine kriminelle SIN. Diese fällt bei SR6 offenbar unter SINlos bzw. das, was Runner ohne SIN-Nachteil eben so haben, ich finde das aber doof und habe den Nachteil deshalb dennoch gewählt.

** meinem Verständnis nach leitet sich ein Grundverständnis für Hochdeutsch schon aus der Muttersprache Berliner Gossensprech ab. Gemeint ist, dass Grimm Hochdeutsch reden kann, wenn es nötig ist. 

*** bei Spielstart hatte Grimm nur einen Cyberarm mit Werten, die einem biologischen Arm unterlegen waren (im Prinzip eine Prothese, da ihm sein superteuerer, personalisierter, künstlerisch verchromter Cyberarm mit einziehbaren Spornen im Knast abgenommen wurde). Der aktuelle Cyberarm ist das Spielergebnis, als Grimm im Fight gegen Gegner K.O. geht und seine Mitrunner den Cyberarm eines Gegners plündern und ihm – im Koma liegend – montieren lassen … was ihn bei einer Kontrolle seiner kriminellen SIN vor Probleme stellen wird). 

Ganz generell folgen die Werte hier zwar den SR6 Aufstellungsregeln gemäß GENESIS, allerdings ist es ein gespielter Charakter mit aus dem Spiel entstandenen Add-Ons (Cyberarm, Fahrzeug) und GENESIS hatte bei Aufstellung noch Probleme bei der Darstellung/Verrechnung von Einfluss und Loyalität der Connections. 

 

 

 

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