Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

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Schrapnell#04 | Und raus bist du

SCHRAPNELL sind einfach gestrickte, aber nicht immer leicht zu lösende Shadowrun-Abenteuer, die zumindest theoretisch an einem einzigen Abend gespielt werden können (so genannte „OneNighter„). Präsentiert werden diese als „One Sheet Adventures„, das heißt alle Infos zum Abenteuer sind auf nur einer einzigen Seite enthalten – und dieses Kurzformat zwingt zu Prägnanz und Kürze. Was toll ist, denn Spielleiter finden so „alles auf einen Blick“ und sich damit auch leichter zurecht als bei vielen der umfassenderen Abenteuer.

Ob Du ein Schrapnell als Überbrückungsabenteuer nutzt, weil grade spontan 2/3 deiner Runde abgesagt haben, du die Schrapnell ganz „normal“ zockst oder du sie als Ausgangspunkt verwendest, um auf ihnen aufzubauen mehrere hundert Session lange epische Megaabenteuer zu bauen: Ich hoffe, die Schrapnell sind dir eine Hilfe. Und bereiten dir und deiner Runde tüchtig Kopfzerbrechen, Spannung und Spaß.

Über Feedback nach dem Durchspielen würde ich mich (auch im Hinblick darauf, in Zukunft Dinge besser machen zu können) freuen.

Cya! Dein Raben-AAS

LINK ZUM PDF: SR_Schrappnell04_undrausbistdu_byAAS


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[36] Gossenlocations

… die man im Kiez sehen kann.

36dinge ist die Kategorie für Listen, die dir als Spielleiter das Leben einfacher machen können. Wann immer dir grade eine Idee fehlt, im Run die Action stockt, Downtime oder Wartezeit auf später eintreffende Spieler zu überbrücken oder eine Beschreibung „mal eben aus dem Ärmel geschüttelt“ werden muss, helfen die Listen der 36dinge, den kleinen Denkanstoß zu geben. Gewürfelt wird auf den Listen mit 2W6, wobei einer die „Zehnerstelle“ und der andere die „Einerstelle“ ist.

36 Gossenlocations sind je 6 Namen zu 36 verschiedenen Gebäuden oder Läden, die man in einer zufälligen Straße in einer heruntergekommenen Gegend antreffen kann. Zunächst wird der Locationtyp gewürfelt, dann der Name/genaue Typ der Location erwürfelt. Oder es wird gleich mit 3W6 (W666) gewürfelt.

Zustand. Ein optionaler Zusatzwurf kann feststellen, wie der Zustand der Lokalität ist:
1 Geöffnet, aber leer
2 Geöffnet und gut besucht
3 Offenbar schon einige Tage geschlossen (Rolläden unten etc.)
4 Locationtypische Sonderveranstaltung findet gerade statt (Dartturnier, Gig, Sonderverkauf, Gottesdienst)
5 Polizeirazzia in W6-2 Minuten
6 Länger leerstehend

36 Gossenlocations

11 Kneipe (1) Destille Schabenwelt (2) Beim Florian (3) Kuppkes Bierwirtschaft (4) Chez Chiq Bar & Café (5) Modem Hackerkneipe (6) Tutti Fritti Bar & Grill
12 Restaurant (1) Plivo Grill (2) Borschtehude (3) HexMex Grill (4) La Döneria (5) Curry Kaiser (6) Asia Noodle Pallas
13 Sexclub (1) Tantra Oben Ohne Bar (2) Dawai! Dawai! Land (3) Tittentanz (4) Nachtschatten Bar (5) Night of the Horror Hooters (6) Kurwa Sex Bar
14 Musikclub (1) Shiawase Karaoke Bar (2) Yallah Disco (3) RagnaROCK Metal Bar (4) Electrique Disco (5) Tötentanz Metal Club (6) Club Speznaz
15 Entertainment Club (1) Billard Heaven (2) Pooka Poker Club (3) AR-Cade (4) Schpritz Trid Revue (5) Burma Trideo Shisha Lounge (6) Harem Nights Bauchtanz Club
16 Drogen Club (1) Jadedrache Opium Café (2) Sleaze Disco und Kokain Joint (3) Die Bong Musikclub und Haschhöhle (4) Vesta Sex- und Drogen-Tempel (5) BTH Better Than Heaven Lounge (6) Equinox Drogenhöhle/Bar

21 Fast Food (1) AldiBurger (2) Schischke Pub Curry (3) Antjes Kaasnudeln (4) Klopse-Box (5) Shiawase Noodle Hut (6) Curry King’s
22 Fast Food (1) SBW SoyBurgerWorld (2) Soya King (3) NVO Natural Vat Outlet (4) Döneria Al Lachma (5) Pronto Pizza e Pasta (6) Deutschländle Wurstbraterei
23 Lebensmittel-Laden (1) Tante Emma Filiale von Stuffer-Plus (2) Stuffer-Plus (3) Aldi-Real (4) Carrefour Supermarché (5) Prima Bio by Natural Vat (6) Lider Supermarkt
24 Mode-Laden (1) Aggro-B Street Fashion (2) Urban Combat Wear (3) WWW World War Warez (4) Humanitas Second Hand (5) Groedicke Factory Outlet (6) Pik Textil Diskont
25 Tech-Laden (1) Stuffer-Plus Baumarkt (2) iKom Komlink Store (3) Yabba Komlink Store (4) Home Helpers Baumarkt (5) NovaTech Komlink Store (6) FuchiKom Store
26 Waffen-Laden (1) Weapon World (2) Yannick Sportgeschäft (3) Full Defense Store (4) ClayMore! Waffengeschäft (5) DSD Sicherheits Outlet (6) AVA Alles Von Ares Factory Outlet

31 Kreditladen (1) Berliner Kredit Anstalt (2) FBV Privatkredite (3) TooEasyCredit (4) redLINE Kreditleistungenn (5) Eurocar Auto Finanzierung (6) Carrefour Crédit Agricole
32 Hacker Hangout (1) Modem Hack & Coffee Bar (2) WarezWarezWarez Chipware Store (3) Bartmoss Computer Store (4) mySOFT Mediacenter (5) Jupiter Elektro & Media Store (6) Der Schockwellen Shop
33 Rigger Hangout (1) GTA Autotuning & Lackierungen (2) Rigid Measures Car Store (3) TipDrohne Teile und Aufrüstungen (4) Robotnik Drohnen Shop (5) Solaris VR Kampfarena (6) Magna Karta Kartbahn & Toy Store
34 Zauberhaftes (1) Talis’ Kram Taliskrämer (2) Oz Zone Taliskrämer (3) Ruzalja Wahrsager & Liebesberatung (4) Olivander Taliskrämer (5) Scholz & Grzimek Magieberatungsagentur (6) Wuxing Mana Zentrum
35 Park (1) Spielplatz (2) Kleiner Stadtpark mit Rondell (3) Grüner Mittelstreifen mit Parkbänken (4) gerodete Fläche, war einst Park (5) überwucherte Brache (6) „magisch“ wirkender, überwucherter Ort
36 Garage (1) Cash&GO Autovermietung (2) Svantevit Autovermietung und Carpool (3) BPS Berlin Parking Services Tiefgarage (4) Stop&Shop Garage und DriveThru (5) Arkaden Parking (6) Stellplätze im Keller frei!

41 Kiosk (1) DeMeKo Media Center (2) Allohol&Loddalehm Kiosk (3) Schreiberlin Tabak, Spirituosen, Medien (4) AA Absolut Alkohol! Getränkeautomat für Spirituosen (5) Slopenski Pfeifen & Tabakwaren (6) Moldavia Zigarren & Tabakwaren
42 Trödel (1) Plivodnik Antiquitäten (2) Zum Ramscher Entrümpelungen (3) Produktenlager Janatschek (4) Hammad Yazim Möbelparadies (5) Drehlmann Entrümpelungen und Antiquitäten (6) Trödel & Rum Entrümpelungen und Schwankwirtschaft (kein Tippfehler)
43 Pfandleiher (1) Goldesel Pfandleiher & Barkredite (2) JetztGeld (3) Hartz & Hartz Sofortkredite (4) Pfandleiher (5) Stehl & Hehl Produkten/Kredite/Bierkneipe/Gelegenheiten/Shop (6) Hier Geld! Zweiter Hinterhof Rechts 4. OG
44 Autohändler (1) Bamitz EuroCar Vertretung (2) Mitsubishi Center (3) LowRider Motorrad Shop (4) Mercury Auto Zentrum (5) Mierenbach Jahreswagen und Autoankauf (6) Jan Ehrlich Gebrauchtwagen
45 Tätowierer/Bodystylist (1) Odin Tätowierstudio (2) Akira Cyberimplantate & Bodystyle (3) ZeitGeist Körperaufrüstungen (4) Aggro-B Markentattoos (5) Wuxing Energie Tätowierungen & QiGong Beratung (6) Nano Nana Nanoware Diskont
46 Absteige (1) Suleika Palast Rotlichthotel (2) easySleep Sarghotel (3) Mollimann’s Schlafwohnung (4) Fahl Monteurwohnungen 3. Hinterhof links 1. UG (5) Zimmer frei (6) Czernik Overnight Hostel

51 Hotel (1) Shiawase Business (Sarg-)Hotel (2) Nachtbleibe Sarghotel (3) Halbmond Hotel (4) Hotel Moskva (5) Hotel Dabrowski (6) Hotel Zum Kurfürsten
52 Bürogebäude (1) Wuxing Globale Transporte (2) Pentacle Publishing Verlagsniederlassung Berlin (3) Krawall Rekordz Label (4) Neue Welt Versicherungen (5) Aetherlink Servicegesellschaft (Bezirksname) (6) Ruhrkraft Energiedienstleistungen
53 Drogerie (1) Bicson Pharmedix Shop (2) Cross Drogerie (3) RoterStern Drogerie (4) BuMoNa Street Store (5) Neue (Bezirksname) Apotheke (6) (Straßenname) Morris Shop
54 Baustelle Hier baut für Sie (1) BWG Berliner Wohnbau Gruppe (2) BEVAG Berlin Verwaltungs AG (3) Aztechnology (4) Saeder-Krupp (5) Shiawase (6) Ares & Klammt Hochtiefbau
55 Wohnblock (1-3) BWG (4) Elysium Wohn Resort (5) GesundBau Appartements (6) BerliBau Wohnungen
56 Schwarzmarkt (1) Yaprak Produktenwohnnung (2) Grabowski Dunkelstore (3) Daffke – Das Anarchokaufhaus (4) KiezKeller Produktenlager und Verkauf (5) VTG Vom Truck Gefallen Store (6) FreeBay Auktionsshop

61 Kirche (1) Moschee (2) Schrein (3) Synagoge (4) Sektenhaus (5) Kirche (6) Tempel
62 Policlub Haus (1) Deutschnationale Befreiungs Front (2) Mutter Erde Netzwerk (3) Freie Radikale (4) Rassenhass (Bezirksname oder -nummer) (5) Humanis (6) O.R.K. Ork Rechte Komitee
63 Sicherheit (1) DSD Deutscher Sicherheits Dienst Niederlassung (2) Schwarze Sheriffs Niederlassung (3) Sternschutz Polizeirevier (4) Verstärkungsbunker der Sonderschutztruppe SST (5) MET 2000 Tagungs- und Ausbildungszentrum (6) Pankgrafen & Kiezritter Freie Kiezsicherheitstruppe
64 Hilfe (1) Soya für die Welt Armenspeisung (2) Suchtberatungszentrum (3) Euthanasie Klinik (4) Die Suppentafeln Suppenküche (5) Umsonstladen (6) Tagungshaus einer Selbsthilfegruppe
65 Verschiedenes (1) Bezirkszentrale einer Partei (z.B. CVP, KLMLPD, PNB oder USPD) (2) Proteus „Kontaktbüro“ (3) Schmidt & Johnson Konzerndienstleistungen (4) easyCa$h Sofortgeld [für Pharmatester] (5) ModernFood Recruitment (6) Zeiss-Audiotek Entwicklungszentrum Berlin
66 Verschiedenes (1) Fressnapf Critter Shop (2) Kassel Versicherungs AG (3) ShadowNode Vermietung von Treffpunkten und Rückendeckung (4) Excelsior Escorts (5) SoySoySoy Automatendiner (6) Real Serious Games Rollenspiel-Laden

[GNB] Unblutiges Ende einer blutigen Geiselnahme

GEISELNAHME UNBLUTIG BEENDET

Aufregung im Berliner Mediendschungel. Die Entführung eines Sightseeingbusses mit sogenannten „Anarchietouristen“ hat am gestrigen Nachmittag und frühen Abend eine regelrechte Eruption im Blätter-, Feed-, Radio- und Tridkanalwald ausgelöst. Vier Unbekannte hatten gestern um 13:07 Uhr einen Bus der Firma Riedeltours beim planmäßigen Stopp am Anarchokaufhaus „F-Shop“ in der Herzbergstraße 62 im Berliner alternativen Bezirk Lichtenberg mit vorgehaltenen Sturmgewehren des Typs AK-97 geentert und versucht, den Bus in Richtung Ahrensfelde (Marzahn-Hellersdorf) umzuleiten. 

Alarmiert durch den Busfahrer und mehrere Notrufe von Kommlinks der an Bord befindlichen Touristen kam es nur wenige Minuten nach Beginn der Entführung bereits zu ersten Schusswechseln zwischen Entführern und Vertretern der Kiezwehr in Form der F-Shop Schutztruppe und freien Gardisten der Straßenschutzgang „Herzberg 69ers“. Bei dem Schusswechsel kamen keine Personen zu Schaden, allerdings wurde das Fahrwerk des Busses durch Nagelketten und eine Carkiller-Mine der 69er schwer beschädigt. 

Carkiller-Minen?
Scrambler

Selbstgebastelte Antifahrzeugminen mit sehr begrenzter Sprengwirkung, deren Treibsatz aber mit Nägeln und anderem Splitterkrams vermischt ist. Werden für gewöhnlich handgezündet per Wifi oder Funke und detonieren dann genau unter dem Zielfahrzeug. Selten wird dabei der Fahrzeugboden durchschlagen, dafür aber so ziemlich alles an Kabeln, Rohren und Leitungen zerfetzt was unter einem Fahrzeug entlangläuft – plus wenn man Glück hat reißt es auch das ein oder andere Rad weg oder zerschrottet Getriebe oder Achsen. Riedelbusse sind entgegen dem Vorurteil, dass ihr ganzes martialisches Äußeres nur Papp-Deko sei tatsächlich recht ordentlich gepanzert, weswegen die 69er gleich 4 Minen gezündet haben (dem ARtack Vidfeed nach war auch ne „echte“ Fahrzeugmine dabei, wenn ihr mich fragt). Der Bus hat’s trotzdem gestanden und fuhr dann zwar rauchend und krauchend, aber immerhin noch so mit 40 km/h bis zum Falkenberg. Solide Arbeit, was die Riedel-Schrauber da gemacht haben.
Russenrigger

Wen haben die denn als Schrauber?
Der_Letzte_Autoduellist

Zum einen ist Riedel – ein Brocken von Troll, der früher Lkw-Touren in ganz Europa bestritt – ja selber ein ziemliches Mechanik-As und hat an jeden der 3 Riedelbusse selbst Hand angelegt, wenn eer sie nicht sogar zumindest in der Erstkonfiguration selbst aus russischen Militärbussen und Spareparts aus der Hölle zusammengeflammt hat. Riedel ist außerdem ein dicker Kumpel vom Schrotter ausm Wedding (und Stammgast im Trashcave), mit dem er in der Freizeit an derbst überzogenen „Show-Anarchokarren“ für Messen oder Werbeevents herumtüftelt (nimm einen derben Militärlaster, hau Trollsitze rein, bock ihn auf und pack übergroße Räder drunter, montiere Flammenwerfer und Show-Waffenhalterungen oder nen Turm von nem ausgedienten Panzer, gib dem Ganzen Rostlook und Eisenpfähle, pack Tierschädel und Stacheldraht drauf und hau als Finish 500 Schuss Munition in den Lack). Und nicht zuletzt hat er sich 3–4 Schrauberkumpels aus den Werkstätten am Helmholtzplatz für die alltägliche Wartung und Nachrüstung gebucht.
Russenrigger

Der Bus setzte sich gen Norden ab und erreichte um 13:42 den von der Kiezschutzgruppe Falkenwehr betriebenen Checkpoint Falkenberg am Industriepark Wolfener Straße, wo die Fahrt durch einen erfolglosen Versuch, den Schlagbaum des Checkpoints zu durchbrechen, endete. Wenige Minuten später – um 13:45 Uhr – trafen die ersten Flycam-Drohnen der Medienanstalten und Sender am Ort des Geschehens ein und übertragen live sporadische Schusswechsel zwischen den im Bus verschanzten Entführern und den Einheiten der Falkenwehr.

Wie durch mehrere Sender kolportiert, nahmen die laut Senderberichten zur „Letzten Front“ gehörenden Entführer angesichts der Ausweglosigkeit der Situation Kontakt mit der überwiegend aus Orks und Trollen bestehenden, exilrussischen Söldnereinheit SVET (Seryi Volk Eingreif Truppe, gesprochen „Sevet“) auf, die jenseits der Märkischen Allee unter Langzeitschutzvertrag mit dem dortigen Wohngebiet steht. Diese Kontaktaufnahme konnte sehr im Gegensatz zu der behaupteten Gruppenzugehörigkeit inzwischen bestätigt werden.

Ist die Letzte Front nicht auch so’n Fascho-Dingens von der Nationalen Aktion? Spinn ich jetzt total?
TubOrk

Du meinst „Das Letzte Manifest“. Zur „Letzten Front“ hatte ich nen Feed-Ausschnitt in den Berlin-Upload geladen. Das betreffende Komitee diesen Namens hat aber garantiert nix mit Busentführungen zu tun: Die LF hört sich eher an wie ein Koordinationsgremium verdeckter Kontaktleute verschiedener alternativer Bezirksgruppen, die gemeinsam Taktiken zur Abwehr von Konzernaktionen besprechen. Seit dem Berlin Upload hat mich das nicht mehr losgelassen und ich hab etwas weiter gebuddelt, dabei aber erstaunlich wenig gefunden. Mittlerweile denk ich ja, dass das Komitee „Letzte Front“ sowas wie der oft geforderte „bezirksübergreifende alternative Geheimdienst“ sein könnte.
Spime

Wohl eher der alternative Verfassungsschutz. Tatsächlich gibt es in der „Szene“ die völligst berechtigte Sorge, dass ADL-Regierung und Konzerne versuchen werden das noch eher verwundbare Konstrukt der Berliner Verfassung auszuhölen oder sogar in einer weiteren Nacht-und-Nebel-Aktion umzuschmeißen. Da die Berliner Gerichte der BERVAG unterstehen und die einzig ansprechbare höhere Berufungsinstanz für Berliner Verfassungsfragen irgendein oberstes Bundesgericht wäre, hat man längst das dringende Bedürfnis hier ein alternatives Kontrollorgan – idealer Weise mit eigenen Agenten, und seien es freie Agenten wie z.B. Schattenläufer – zu schaffen. Seit dem Berlinupload geistert – dank Deines Schnippsels, Spime – der Begriff „Letzte Front“ durch die Foren (ich hab sogar schon ein Omega-Zeichen mit Auge in der Mitte als „Logo“ gesehen). Ob Rommel, Che und Co. tatsächlich sowas sind oder bei sowas mitmachen würden ist natürlich keinem klar, dennoch …
Tolstoi

… könnte es sein dass Horizon mit Hilfe der Dawkins-Gruppe versucht, den Begriff und mit ihm einen alternativen Geheimdienst zu stigmatisieren und zu kriminalisieren. Das war doch, was Du andeuten wolltest, oder?
Nakaira

Ich will hier ja nicht mit Ockhams Rasiermesser in der Gegend herumfuchteln, aber dass ein Großteil gerade der Konzernmedien „zufällig“ auf den Namen „Letzte Front“ kommt, um eine völlig unbewiesene Behauptung zur Zugehörigkeit der „Terroristen“ aufzustellen, klingt mir erheblich unplausibler als dass jemand den Medien den Namen „gesteckt“ hat. Ob das nun gleich die Dawkins-Gruppe war, weiß ich nicht – es kann ebenso ein kreativer Schreiberling der DeMeKo gewesen sein, der etwas Anarchobashing und Terrorgrusel einbringen wollte (gell, Nakaira?).
Fbiertrinker

F Dich!
Nakaira

Während SVET Scharfschützen aus der Distanz ihrer Hausblöcke heraus die Falkenwehrgardisten unter Beschuss nahmen und diese somit in Deckung zurückzwangen, wurde auf Seiten der SVET parallel eine Extraktion der Busentführer vorbereitet – ob mit oder ohne Geiseln, ist nicht bekannt.

Dazu indes kam es nicht mehr: Während aus zunächst unbekannten Gründen und von unbekannter Stelle ein vom Humboldtstützpunkt gestarteter Flugverband der SST kurzerhand zurückbeordert wurde, gingen parallel bei Falkenwehr und SVET Anrufe ein mit monetär vergüteten Angeboten, die Kampfhandlungen einzustellen. Die während der Nachtstunden und bis zum Mittag des heutigen Tages zirkulierenden Spekulationen darüber, wer diese Eingriffe vornahm und letztlich der umstrittenen Falkenwehr eine polizeiliche Vertretungsmacht vor Ort überschrieb, wurde vor wenigen Minuten bei einer Pressekonferenz vor dem Mahnmal der Opfer des Berliner Frühlings (Konzeption) in der VR Berlin beendet:

Strippenzieher der ungewöhnlichen Aktion war der Lichtenberger Bezirksvertreter und Zweiter Berliner Bürgermeister Morek Pflügler.

WAS???
Fbiertrinker

WTF?
Fienchen

Oh, Leute, Come ON. Das ist hier kein Livekommentar. Lest halt weiter.
Come ON

In seiner insgesamt 40-minütigen Ansprache setzte Pflügler sehr ausführlich auseinander, was ihn zu seinem Schritt bewogen habe und auf Basis welcher Punkte des Berliner Einigungsvertrages und der Berliner Verfassung er das Recht zu haben glaubte, sich über den geltenden Sternschutzvertrag auch ohne vorherige Rücksprache mit Berliner Rat oder Erstem Bürgermeister hinwegsetzen zu können.

„Unter den gegebenen Umständen bestand die einzige Alternative zu meinem Handeln darin, nichts zu tun und den Geschehnissen ihren Lauf zu lassen. Dies hätte erkennbarer Weise mindestens in der Konfrontation zwischen den SST-Flugeinheiten und den mit Mlitärbewaffnung ausgerüsteten Söldnern der S.V.E.T. zu zahlreichen Toten in der Zivilbevölkerung geführt, sei es durch Abschuss und Absturz von SST-Maschinen in Lichtenberger oder Marzahner Wohngebiet oder aber ein aus militärischer Sicht notwendiges Niederhaltungsfeuer gegen das Wohngebiet. Ich räume offen ein, nicht gewusst zu haben, wie sich die Verantwortlichen auf Seiten der SST, der SVET, der Falkenwehr und nicht zuletzt der Entführer im weiteren Verlauf verhalten hätten, ich war aber nicht bereit das sich mir hier darstellende Risiko für die Zivilbevölkerung zu dulden.“

Betreffs seiner Berechtigung zum Handeln führte Pflügler aus, dass das Gebiet, in dem der Bus gestoppt wurde, zwar auf der Grenze nach Marzahn liege (wo die SVET stationiert seien), dass es aber zweifelsfrei per Peildaten der Pressedrohnen als auf Lichtenberger Seite befindlich zu definieren sei. Notverordnungen für den Fall von Ausbruch kriegerischer Gewalt geben ihm – so Pflügler – das Recht, Notverordnungen für seinen Bezirk zu erlassen, bis Rat bzw. Ratspräsident weitere Entscheide treffen könnten. Das Vorhandensein einer kriegsähnlichen Situation sei bereits durch die Präsenz von Militärwaffen (speziell: Raketenwerfer, Sturmgewehre, Scharfschützengewehre, Granaten) vor Ort gegeben, unabhängig davon ob diese zum Einsatz kamen oder nicht. Zudem habe er als Zweiter Bürgermeister in einer Situation, da der Erste Bürgermeister und Ratspräsident Yilmaz Wojenko nicht erreichbar gewesen sei, Stellvertretungspflicht gehabt.

Wojenko abends plötzlich nicht erreichbar, obwohl er während des ganzen Nachmittages noch Memos zum Entführungsfall an die Bezirksrepräsentanten geschickt hat und in ständiger Konferenz mit der Sternschutzführung stand? Mann, wer soll das denn bitte glauben?
Gun

Erstens, GNU, wär es toll, wenn Du nicht Infos, die ich Dir unter der Hand gebe nach draußen bläst. Zweitens braucht es gar keiner zu glauben: Pflügler braucht es nur zu sagen, und Wojenko nicht zu widersprechen. Schon ist dieser sehr sehr heikle Move wenigstens was den Stellvertreteraspekt angeht gedeckelt. Der Ratspräsident ist Exekutivchef der BERVAG, die BERVAG ist Halter des Sternschutzvertrages – und bingo.
Fienchen

Durch sein Handeln – so Pflügler weiter – sei der Konflikt ohne die befürchteten Zivilopfer beendet worden. Hierbei seien zwar öffentliche, indes für Sicherheitsfragen vorgesehene  Gelder an die Falkenwehr als durch ihn als Bezirksvertreter in dem fraglichen Gebiet anerkannte Sicherheitstruppe geflossen.

„Zum Fall der an die SVET-Söldner geflossenen Gelder sei gesagt, dass die Einstellung der Kampfbeteiligung durch diese zwingende Voraussetzung für die Erfüllung des gegebenen Polizeiauftrages durch die Falkenwehr war. Mithin war der Abzug der SVET-Scharfschützen und der sofortige Stopp etwaiger Extraktionsvorhaben ein direkter Belang der Lichtenberger Sicherheit, wenngleich die SVET zweifelsfrei in Marzahn-Hellersdorf stationiert sind. Ich habe in dieser Sache bereits mit Herrn Ünsel gesprochen, der mein Vorgehen im Angesicht der Umstände abgenickt hat.

Fragt sich nur, zu welchem Preis. Die Vory geben einem nichts geschenkt.
Hamurabi

Natürlich wird der gesamte Vorfall von den betreffenden Stellen und Ausschüssen aufgearbeitet werden. Ich rechne damit und hoffe sogar darauf, dass aus der Untersuchung dieses Falles die Erkenntnis hervorgeht, dass unser neues Berliner Konstrukt noch Lücken aufweist, und möchte der Erwartung Ausdruck verleihen, dass diese Lücken zur Zufriedenheit aller – und besonders der Berliner Bürgerinnen und Bürger – geschlossen werden.“

In ersten Reaktionen der anderen Ratsvertreter übten vor allem Cazares (Aztech-Schönwalde/Aztechnology), Koizumi (Prenlauer Berg/Renraku), Ronczewski (Reinickendorf), Lakhloufi (Zehlendorf/Proteus) sowie die alternativen Bezirksvertreter Faber (Oranienburg), Atzold (Falkensee), Özgun (Friedrichshain-Kreuzberg) und Bronstein (Pankow) zum Teil sehr harsche Kritik an Pflüglers Vorgehen. Überraschend milde drückten sich dem gegenüber S-K Frau Dr. Landoldt, der Dritte Bürgermeister Koslowski (Tegel/Z-IC) und wie bereits erwähnt Murat Ünsel (Marzahn-Hellersdorf) aus. Die Einberufung eines Untersuchungsausschusses gegen Pflügler scheint dennoch beschlossene Sache zu sein. Der Erste Berliner Bürgermeister Yilmaz Wojenko (Spandau/PsiAid) war bisher zu keinem Kommentar bereit.

Ich verstehe Pflügler ja. Er ist Priester und will Menschenleben schützen. Deshalb aber der Falkenwehr offiziellen Polizeistatus zu geben – gerade wo Pflügler selbst Meta ist – ist einfach falsch. Egal, unter welchem Vorwand er dieses Zugeständnis wieder rückgängig machen wird.
Fienchen

Zudem fragt sich jetzt jede Gang (und auch die SVET) ob sie nicht ein Anrecht auf dasselbe Zugeständnis (und öffentliche Gelder) haben. Die Büchse der Pandora ist geöffnet.
Tolstoi

Pflüglers zwanghaftes Gutmenschentum musste ihn ja irgendwann dazu treiben, tief ins Klo zu greifen. Meine Meinung: Wir erleben grad den Anfang vom Ende seiner Karriere.
Nakaira

Wenn dem so ist, dann aber nur auf Betreiben der Medienkonzerne. Das Bild von der Straße sieht aktuell nämlich (noch) sehr danach aus, dass man Pflügler für sein mutiges (und leicht anarchistisches) Eingreifen bewundert, das hier wirklich Schlimmeres verhindert hat. Natürlich kann dies durch Schmutzkampagnen noch gedreht werden – aber wie gesagt: Heute, am Tag X, ist Pflügler wieder einmal der Berliner Held, der er schon oft war.
Safiya Dafiya

Die vier Busentführer wurden am Vormittag durch die Falkenwehr verhaftet und an den Sternschutz übergeben.

Eiskeller [Anarcho-Bar]

// gepostet von KONNOPKE //

Heute mal schnell noch ein paar Zeilen zum EISKELLER, weil mir mit Ausbruch des Sommers grade wieder mal auffällt dass diese Location in den meisten Beschreibungen – auch dem aktuellen Berlin Upload – zu kurz kommt bzw. komplett fehlt.

An sich ist am EISKELLER wenig bemerkenswert: Ein schäbig-versiffter Anarcho-Club wie viele, mit selbstgezimmerten Sitzmöbeln, einer abenteuerlich aus Beleuchtungsträgern und Baugerüst gezimmerten Theke, auf deren Dach eine Art Empore besten Blick ins unten tobende Chaos bietet, durchgescheuerte Trollsize-Autositze aus zerschrammelten Schrott-Trucks als Sofaersatz, das ganze getauscht in Lichtgewitter, hasserfüllten Lärm (genannt Musik) und jede Menge Rauch, Fürze, Schweiß und Pisse. Weil echte Anarchisten lassen laufen.

Alter, Towarisch, Konnopkowitschkowskajesna, geht’s noch? Bist ja heute selbst für DEINE Verhältnisse Scheiße auf Anarchos drauf…
Vlady Wostock

Ach Mann, manchmal stinkt mir’s halt. Im wahrsten Sinn des Wortes. Sei es der verdammte Müll den irgendein Arsch bei mir am Treppenabsatz ablädt oder der Scheißknilch-Milchbubi gestern, der mir nen Vortrag über libertäre Prinzipien hält, dabei hab ich ihn nur gefragt was so schwer dran ist die VIER METER zum Klo zu gehen statt in die Kneipe zu pullern (war aber nicht der Eiskeller, sondern das Schorsch – und der hat den Knilch dann auch ganz libertär mit dem Kopf ins Pissoir gedroschen.
Konnopke

Der EISKELLER wäre wie jede andere Anarcho-Absteige – wenn er denn nicht auf Eiswerder liegen würde, der autonomen Inselfestung im Spandauer See. Als eine der wenigen Lokalitäten auf der Insel – und diejenige mit der schönsten Lage, nämlich zum Südufer und dem kleinen Hafenbecken der Privatschipper hin – ist die Location gewissermaßen Heimat und Lebensmittelpunkt vieler Insulaner:

Da wird im Sommer entlang der Stege gegrillt und verkohltes Fleisch mit gefrostetem Bier aus dem Eiskeller runtergespült, da wird geheiratet, Stadtkrieg auf Projektor geguckt, Kindergeburtstag gefeiert oder gepflegt zum Aggropunk Live-Act die Einrichtung zerlegt. Es finden Versammlungen statt, Alt-Anarchos sitzen im Kreis und tauschen Ideen aus – oder man baut einen Boxring auf und gibt sich Freestyle auf Fresse, während die wettende Menge heftigst mitgrölt. Einfach – und grade jetzt im Sommer – unbedingt mal hingehen. Aber vorher die Eiskeller-Seite checken, was an Programm ist (gibt häufiger geschlossene Veranstaltungen).

Der Eiskeller im Spiel

Eiswerder ist ein anarchistisches Bollwerk inmitten des Konzernbezirks Spandau und eine für das Spiel in Berlin überaus faszinierende Location: In direkter Nachbarschaft zu PsiAid und der Zitadelle Spandau, mit über 140.000 qm Fläche nicht zu ignorieren, vehement verteidigt von den auf ihr lebenden Außenseitern und Hardcore-Anarchisten, als frühere „Waffenschmiede des Deutschen Reiches“ voll auf Verteidigung ausgelegt, bestückt mit Lagersilos der alten Westberliner Senatsreserve für den Fall einer weiteren Blockade der Mauerstadt und natürlich mit eigener Strom- und Wasserversorgung ausgestattet, ist Eiswerder „autonom“ in mehr als nur einem Sinn.

Die Location Eiswerder wird ausführlich im Berlin-Quellenbuch ab Seite 75 behandelt.

Wie alles auf SRB ist die folgende Beschreibung des Anarcho-Clubs „Eiskeller“ eine Ergänzung und Erweiterung zur bestehenden Eiswerder-Beschreibung.

Der Eiskeller

Anarcho-Bar | Insel Eiswerder in Spandau [Kontrollierter Bezirk]

Der Eiskeller ist ein Anarcho-Club mit Bar und Bühne am Südufer der Insel Eiswerder, also mit bestem Blick auf die nahe gelegene Zitadelle Spandau. Gelegen direkt an einem mit zwei Anlegestegen begrenzten Hafenbecken, an dem ständig etwa ein Dutzend mehr oder weniger verrotteter, mehr oder weniger gepanzerter und/oder bewaffneter Motor- und Segelboote vertäut sind und in direkter Nachbarschaft zu einem großen Lagersilo mit eigenem Becken zum Andocken und Löschen von kleinen Frachtschiffen ist hier immer etwas los, wozu auch die hinter dem Clubgebäude liegenden Baracken, Zelte und verrosteten Camping- und Wohnwagen des Eiswerder-Camps beitragen.

Dem äußeren Schein nach gehört das Gebäude, in dem der Eiskeller-Club liegt zu der Minderzahl kleinerer Gebäude auf der Insel, die irgendwo zwischen Preußenzeit und Berlinblockade errichtet wurden (vermutlich in den 1930ern, worauf einige Buchstabenreste in Frakturschrift hindeuten). Das Haus ist aus hellen Ziegeln gefertigt und besitzt ein flaches Dach mit Giebel. Sämtliche der einmal bestehenden Fenster wurden im Laufe verschiedener Bauphasen vermauert oder mit Schrott versiegelt und beim nächsten Gebäudeanstrich übermalt.

Die Umgebung

Das direkte Umfeld des Clubs besteht nach „vorne“ aus der Kaianlage des südlichen Hafenbeckens von Eiswerder sowie nach „hinten“ aus verwildertem Gestrüpp, in welche das Camp wild hineingebaut wurde (einige Zelte wurden direkt an den Club angebaut; an der Mitte der Gebäuderückseite steht ein alter neosowjetischer Sanitätslaster, der einer 12-köpfigen Ork-Sippe als Wohnung dient).

Im direkten Umfeld des Clubs ist fast immer etwas los. Erst spät nachts (nach 2 Uhr) oder wenn das Wetter gar zu ungemütlich ist kann es hier auch mal einsam sein. Clubgebäude und Umgebung werden immer wieder mal von IR- oder Normallichtscheinwerfern gestreift: Meist kommen diese von der nahen Aussichtsplattform am alten Schlot (siehe Beschreibung im Berlin-Buch) oder dem Dach des benachbarten Lagersilos, selten auch von den stets an Vorgängen auf Eiswerder interessierten PsiAid Konzerngardisten auf der Bastion der Zitadelle Spandau.

Reinkommen

Der Zugang zum EISKELLER steht grundsätzlich jedem offen – wenn jemand nicht zur Szene passt oder wie ein feiner Pinkel aussieht, ist das durchaus nicht das Problem der Haussicherheit. Diese besteht aus (je nach Anzahl der Gäste und Programm des Abends) 3 bis 10 zerranzten Schlägern in Kutten mit markigen Anarcho-Sprüchen, die unter ihrem pöbelnden und alkoholstinkenden Äußeren aber tatsächlich recht gut trainiert sind (Ex-Söldner, meist Orks – verwenden Sie für die Haussicherheit die Spielwerte der Konzernsicherheit (→ SR4, S.326), aber mit Billig-Kommlinks der Gerätestufe 1 und natürlich Eiswerder als Vertrautem Terrain.

Aufgabe der Hausschläger ist weniger, Leute draußen zu halten, sondern aufkommenden Ärger drinnen aufzulösen, Störenfriede rauszuschmeißen, Hausverbote durchzusetzen und Leute, die nicht zur Stammkundschaft gehören, den Zutritt zu Billardzimmer und Empore zu verweigern: Die Hausregel, dass diese beiden Areale nur für Stammgäste sind wird derart scharf durchgesetzt, dass nichtmal Stammgäste ihre (dem Haus fremden) Freunde dorthin einladen können.

Drinnen

Der EISKELLER ist entgegen seinem Namen kein Kellerclub, sondern ganz normal ebenerdig angelegt und füllt das Gebäude komplett aus. Die Deckenhöhe wäre auch ausreichend für ein 1. OG (das es ja in Gestalt der Empore auch gibt), aber der größte Teil des Clubs ist auf das EG beschränkt.


Durch eine doppelflügige, in der Regel unbewachte Metalltür betritt man den Einlass, wo man an manchen Abenden an einem aus Getränkekisten gezimmerten Tresen Eintritt zahlt (andernfalls ist der Tresen unbesetzt und lediglich mit diversen Flyern und Pamphleten bedeckt).

Der benachbarte Abstellraum ist eng, mit Metallregalen zugestellt und sehr verkramt. Hier finden sich solch interessante Produkte wie „ANTIKRANK – MEHR ALS NUR GESUND“ enthält (ein Desinfektionsspray, das 99,99% aller Viren „inklusive MMVV, VITAS und SURGE“ entfernt (Surge. Ein Virus. Aha) – dessen Kleingedrucktes aber gnädiger Weise warnt: „Im Falle einer tatsächlichen VITAS oder MMVV Kontamination wenden Sie sich sicherheitshalber dennoch an die nächste Seuchenschutzstelle oder Euthanasieklinik“. Kurz: Jede Menge Zeug zum Putzen, dazu Werkzeug, jede Menge Schrauben, sortierter Schrott, Kabelreste – oh, und eine alte Ingram MP mit defektem Smartgunchip (sonst aber funktionsfähig – nur das Magazin fehlt).

Ebenfalls benachbart ist der Wachraum, in dem sich Verstärkungen der Sicherheitsleute aufhalten, lesen, trinken, Mindgames oder Karten spielen etc. Hier ist immer mindestens eine Person anwesend, um Leute von den Garderoben und dem Billardraum fernzuhalten. Der Wachraum enthält wenig außer einem alten Campingtisch mit Stühlen, mehreren Metallspinden mit der Aufschrift „Karl’s Kombat Fitness Studio“ und einem abgeschlossenen Waffenschrank (der aber leer ist, da alle Wachen ihre Bewaffnung ständig mit sich führen und auch mit nach hause nehmen).

Der Hauptraum ist das eigentliche Zentrum des Geschehens. Zugleich ist er auch der „wandlungsfähigste“ Raum: An ruhigen Abenden ist er eine etwas schummrige Spelunke, in denen ungepflegte Leute einigermaßen gepflegte Biere runterstürzen (Hausmarke ist hier das „Eisbräu Schädelpils“, dessen Logo ein mit Eiszapfen versehener Trollschädel ist und das für seinen Kopfschmerzfaktor berühmt und gefürchtet ist). Mehrere handelsübliche Markenbiere werden ebenfalls angeboten, allerdings nur unter der Bezeichnung „Pisse“. An Abenden mit Bühnenprogramm – was ebenso Standup Comedy wie Karaoke wie Musik vom DJ wie Live Gesang wie Bauchtanz wie Varieté wie Vorlesungen bedeuten kann ist es immer sehr voll, völlig egal was gerade gegeben wird. Die Leute drängen sich stehend nahe der Bühne und die Stammgäste auf der Empore fordern ihr Glück und die Belastungsfähigkeit der Emporenkonstruktion heraus. Dem Programm folgt man oder man lässt es bleiben, es wird vielstimmig geschwafelt, vielkehlig gesoffen und von der Empore wabern Shishadämpfe herab, die sich mit Mief von Zigaretten, Joints und Ausdünstungen mischen.

Ist echte Musik-Action angesagt – also wildes Moschen – wird hierfür der sonst leer stehende Partyraum geöffnet. Dieser ist weitgehend nackter Rohbau (mit einem umlaufenden Haltegriff an der Wand) und einer in den Raum montierten „Feuerlöschanlage“, die zur Abkühlung der Gäste genutzt wird und nicht immer nur Wasser versprüht. Da der Zutritt zur Empore durch den Partyraum erfolgt, steht der Wachposten, der unbefugten Zutritt verhindern soll, bei geöffnetem Partyraum direkt am oberen Ende der Treppe, indessen er bei geschlossenem Partyraum direkt an der doppelflügigen (metallenen) Zugangstür zum Partyraum steht (die er dann befugten Gästen aufschließt).

Herren- und Damen-WC sind die übliche neo-anarchistische graffittibedeckte Hölle, deren längst zertrümmerte Porzellanbecken aber vor Langem schon durch Metallversionen ersetzt wurden. Dem Filmklassiker Desperado nicht unähnlich – und nur leicht weniger eklig – verbirgt eine der zugesprayten und bepissten Wandplatten einer der Herrenklo-Kabinen eine Geheimtür, durch die man in das große Lager gelangt (bzw. durch die in die Enge getriebene Gäste im Falle einer Razzia vom Stammgästebereich in den regulären Clubbereich fliehen können).

Das Lager wird außer für Getränke kaum regelmäßig genutzt, natürlich kann es aber (z.B. im Zuge eines Abenteuers) durchaus sein, dass hier Schmuggel- oder Hehlerware gelagert oder übergeben wird. Der Raum ist karg, leer, unverputzt und lediglich mit großen Metallregalen ausgestattet, wie man sie in einem Lebensmittelmarkt für die palettenweise Lagerung erwarten würde. Als kleine Besondersheit ist eine Steigleiter in der Ostwand zu nennen, die zu einem längsseits durch den Raum führenden Stahlträger unter der Decke hochführt. Der frühere Zweck des Trägers ist unklar, jetzt jedenfalls ist er gänzlich funktionslos und höchstens als Versteck für eine sehr schmale Person oder als versteckte Ablage für kleinere Objekte oder Drohnen geeignet.

Hinterzimmer und Billardzimmer sind ebenso wie die Empore nur für Stammgäste zu betreten, worauf hier auch intensiv geachtet wird (die Stammgäste kennen sich untereinander und Fremde die hier auftauchen werden sofort gemeldet bzw. angesprochen bzw. auch angepöbelt oder geschlagen). Bauweise und Einrichtung der geschlossenen Areale unterscheiden sich kaum vom Rest des Eiskellers, allerdings sind hier keine Graffittis und alle Einrichtungsgegenstände sind im Wesentlichen unbeschädigt (aber deutlich gebraucht). An unregelmäßigen Stellen der drei genannten Areale befinden sich rotlackierte „Lichtschalter“ an der Wand: Dies sind „Ruftasten“ für die Haussicherheit, die über einen Brummton und eine rote Lampe im Wachraum verständigt wird.

Die beiden Garderoben sind nur dann in Verwendung, wenn es ein Bühnenprogramm gibt, und werden außerhalb jener Zeiten von den Wachleuten für Nickerchen oder Stelldicheins mit interessierten Damen verwendet. Die Garderoben enthalten jeweils eine quietschende Couch, einen Tisch mit Schminkspiegel und diversem Kosmetikzeug, ein Wachbecken mit Sprühbademittel und Seifenspray sowie eine billige Stereoanlage mit diversen raubkopierten Musikchips und Radiofunktion.

Der Hinterausgang führt direkt am Fahrerhaus des hinter dem Haus geparkten Sanitätstrucks hinaus (siehe oben). Die Tür ist durch eine Panikstange innen theoretisch dauernd verschlossen, tatsächlich aber an Abenden mit viel Publikum ab 20:00 mit einem Ziegelstein offen gehalten, um eine Lüftung zu ermöglichen (dann steht hier aber ein Wachmann, um den Zutritt von Leuten die nicht bezahlt haben zu verhindern).

Hinter den Kulissen

„Macher“ des Eiskellers ist ein gesichtstätowierter Elf, Hardcore-Anarchist und ausgebrannter Magier namens „Spuk“, der vor langer Zeit seine gut bezahlte Konzernstelle in Protest zu Dingen, die er erleben musste, aufgab, in die Schatten wechselte, bei einem Run seinen rechten Arm verlor und seitdem unaufhaltsam in Nihilismus und „Interesse“ für toxische Denkweisen abdriftet (und gelegentlich in der westlichen Innenstadt spazieren geht, offenbar).

Spuk ist tatsächlich eher selten im Eiskeller anzutreffen – meist ist er „irgendwo“ unterwegs, streunt durch die leer stehenden Baracken der nördlichen Insel, hilft bei der „Abwehr“ von Giftgeistern oder „überredet“ diese umgekehrt, lieber auf böse anrückende Konzernschergen loszugehen. Entgegen diesem unschönen Eindruck ist er (noch) kein Giftmagier oder Ähnliches – er geht nur hart an der Grenze, und seine negative, immer mehr vom Gedanken an den Untergang dominierte Weltsicht leistet nichts, ihn von seinem fatalen Pfad abzubringen.

Im Auftreten ist Spuk wortkarg, kalt, herablassend und distanziert. Auf Höflichkeiten kann er seiner Ansicht nach verzichten: Wer ihn braucht, wird ihn ertragen, und braucht er etwas, wird er es bekommen. Oder es sich nehmen – wie alle in dieser verschissenen Welt es eben auch halten.

Zu seinen Interessen zählen neben der Magie und Magietheorie und dem Trinken sehr hochdosierter Alkoholika (sein Lieblingsgesöff ist ein isländischer Strohrum namens „Niddhog“) das Studium und die Zucht von Kakerlaken – speziell Fauchschaben haben es ihm angetan. Redet man mit ihm Politik, erhält man den Eindruck dass er sich persönlich beleidigt fühlt durch den mehren Gedanken mancher, irgendjemanden und gerade ihn beherrschen oder regieren zu können. Mit Anarchismustheorie hat er nichts am Hut – wenn man seine Philosophie im Groben umreißen müsste, so wäre sie „das Recht des Stärkeren“ unter gleichzeitigem Totalverbot von Bündnissen und Zusammenrottungen gleich welcher Art: Jeder nur für sich.

Kaum kann es verwundern, dass die Wachleute des Eiskellers dem Besitzer keineswegs aus Freundschaft ergeben sind: Er bezahlt sie und gibt ihnen die nötigen Freiräume, sich nach ihrer eigenen degenerierten Art auszutoben, sollten sie das wollen. Gelegentlich nimmt Spuk noch immer Shadowrun-Aufträge an – allerdings nur, wenn diese ihn auf irgendeine morbide Art „faszinieren“ und ihm in Aussicht gestellt wird, in Konzerngebiet mit „Schafen“ aneinander geraten zu können (die Existenz von solchen, die sich führen lassen, scheint ihn noch mehr persönlich zu beleidigen als die Existenz derer, die sie führen).

Für Spuks Werte verwenden Sie den Kampfmagier (→ SR4, S.128).

[TIPP] SL Quick Reference, Verfolgungsjagden & Threats

Tipp: SL Quick Reference Online

Sondermeldung: Ein absolut Irrer hat sich die Arbeit gemacht, sämtliche Regeln der SR4 Anniversary Edition als Quick Reference Online umzusetzen. Als Spielleiter musst Du lediglich per Laptop am Spieltisch die Seite aufrufen und hast jede noch so abstruse Detailregel mit 1–3 Klicks auf dem Schirm – thematisch und nach Situation geordnet.

Aber das ist noch längst nicht alles!

Tipp: Verfolgungsjagd-Generator

Neben einem zufallsgenerierten Lebensstil-Generator umfasst die Website auch einen Zufallsgenerator für Auto-Verfolgungsjagden! Runde für Runde wird zufällig bestimmt, welche Hindernisse auftauchen – und alle zur Abwicklung nötigen Regeln, Würfe und Modifikatoren werden praktischer Weise gleich mitgelistet!

Tipp: Threats für jeden Anlass!

Leichter waren Car Chases noch nie! Und das ist IMMER noch nicht alles!

Im Bereich „SR Threats“ finden sich gegliedert nach Thema bzw. Art des Gegners NPCs, Grunts, selbst Drohnen aller möglichen Parteien, welche die Runner gern zu Klump ballern (oder essen) möchten. Der Hammer!

Aber auch abseits von Shadowrun gibt es auf der Website einiges zu entdecken, darunter Links zu allen relevanten D&D Generatoren (z.B. für Dungeons), einige SCION Materialien, Sheets und vieles mehr. 

[SL] Die Stadt als Dorf

„Snake Plissken? Ich dachte, du seist tot!“

Wer den Film DIE KLAPPERSCHLANGE um das Palmasola-ähnliche Gefängnis New York gesehen hat, kennt den Satz und hat sich seinerzeit vielleicht darüber gewundert, warum jeder im Film die Hauptfigur Snake zu kennen scheint. Oder was „die Sache in Kansas City“ war, bei der er angeblich gestorben sein soll.

Worum es in diesem Artikel geht, ist dieses Gefühl von Vertrautheit und Intimität innerhalb einer gewissen gesellschaftlichen Szene zu setzen, das in den ESCAPE Filmen, aber auch vielen anderen Cyberpunk-Werken allgegenwärtig ist – und das letztlich in Film Noir und Pulp Fiction ein ständiges Motiv ist.

In den meisten Shadowrun Runden existiert die innere Vertrautheit des Settings nur im direktesten Umfeld der Charaktere, nämlich zwischen Runnern und deren Kontakten plus ggf. dem ein oder anderen wiederkehrenden Gesicht (Schieber, Stamm-Auftraggeber, Bedienung im Stamm-Lokal der Runner und natürlich wiederkehrende Erzbösewichter). Ein Erkennen der Charaktere auf der Straße wird wenn dann über REP abgewickelt, eine umgekehrte Vertrautheit „der Szene“ spielt in vielen Runden keine Rolle. Was Schade ist, denn die Fokussierung bestimmter, wiederkehrender Namen und der Aufbau eines BEGRENZTEN sozialen Geflechtes zwischen diesen, das in direkter Wechselwirkung zu den realen Taten der Spielercharaktere steht, kann Ungeheures dafür leisten, sich im Setting heimisch und relevant zu fühlen.

Warum Intimität?

Prinzipiell ist es immer schöner, wenn die Abenteuer einer beliebigen Runde von Spielfiguren RELEVANZ haben, da die Spieler somit ein unmittelbares Erfolgserlebnis haben: Was die Charaktere tun oder lassen, ist WICHTIG und hat FOLGEN. Entscheidungen aller Art sind also nicht egal und morgen vergessen, sondern bestimmen, wie das gesamte Setting sich weiter entwickelt.

Eine mögliche Stellschraube für Relevanz ist natürlich die Größenordnung, in der sich Ereignisse entfalten: Geht es im laufenden Abenteuer um das Schicksal der ganzen Welt, ist dessen Ausgang natürlicher Weise maximal relevant. Der Haken besteht dabei aber im „Seriencharakter“ von Rollenspielrunden. Und der, wiederum, fordert vom Spielleiter bei jedem neuen Abenteuer, „noch eins draufzusetzen“. Was dann in hübscher Regelmäßigkeit im Aberwitz endet.

Leser der Rabenwelten kennen den folgenden Vortrag von mir schon aus dem Dreckigen Aventurien, weswegen ich mich auf die Kernidee beschränke:

Um der „Größenfalle“ zu entgehen, die irgendwann – nach der x-ten Steigerung der Dimension des Konfliktes – auch den kreativsten SL an seine Grenze führt, sollte die Relevanz der Story durch REDUKTION statt Maximierung erreicht werden.

Das bedeutet: Klein anfangen. Im direkten Umfeld der Charaktere. Mit einer kleinen Auswahl an NSCs, die immer wiederkehren, die nicht austauschbar sind, die eigenständige Persönlichkeiten sind und die irgendeine Art von Relation zu den SCs besitzen.

In Fantasy-Settings kann dies ein Dorf sein. In Shadowrun kann dies ein Block sein. Es kann aber auch das die Charaktere umgebende soziale Netzwerk plus die zur Szene zugehörigen Hauptpersonen sein. Und das heißt – neben ausgearbeiteten und mit Herzblut geführten Kontakten – eine bewusste Selektion relevanter NSCs für die Schattenszene der Stadt.

Recurring Guest Stars

Die Großstadt ist der übliche Hintergrund für Shadowrun. Eines ihrer Kennzeichen ist die Anonymität. Und das wiederum verleitet dazu, Gegenspieler und flüchtigere Kontaktpersonen als gesichtslose Oneshots zur Einmalverwendung anzulegen, statt diese im Verlauf späterer Abenteuer wieder ins Licht der Aufmerksamkeit zu stellen.

Warum eigentlich?

Wäre es nicht eine interessantere Idee, wenn „der Penner“ in Abenteuer 5 derselbe Penner wie der in Abenteuer 1 ist? Mal abgesehen davon, dass dies dem SL sogar noch Arbeit spart, da er den NSC recyceln kann, schafft alleine dies schon eine besondere Relevanzebene – denn die Reaktion des Penners in Abenteuer 5 ist eine FOLGE dessen, wie die SCs ihn in Abenteuer 1 behandelt haben.

Um dieses Stilmittel nicht übermäßig zu beanspruchen und zugleich das Maximum aus ihm herauszuholen, empfehlen sich grundsätzlich zwei Arten an wiederkehrenden Gaststars: Das Alte Geschäft und der Gesichtslose.

Das Alte Geschäft ist ein NSC, der auf irgendeine Art und Weise „besonders“ durch die SCs behandelt wurde (besonders gut oder besonders schlecht). Die Technik ist einfach: Geschieht im laufenden Abenteuer etwas, dass der SL für ein denkenswertes Ereignis für den NSC hält, notiert er sich ein „X“ an der Stelle, zusammen mit ein paar Infos zu dem, was vorgefallen ist. Dies kann die Bezahlung von 500 EUR für die Info von einem Straßenbengel sein oder der Sicherheitsgardist, der mit kritischem Erfolg niedergestreckt wurde und verblutend liegengelassen wird, während der Samurai ihm im Weggehen noch einen markigen Spruch zuruft. Am Ende des Abenteuers – in der oft vergessenen „Nachbereitung“ – werden interessante Ansätze für später wiederkehrende NSCs an anderer Stelle (z.B. einem Textdokument) notiert und zur späteren Verwendung gespeichert (ich notiere einige auch in Form einer „Zufallsbegegnungstabelle“).

Bei der Ideensuche zu einem späteren Abenteuer können diese Notizen dann entweder für eine Komplikationen oder Nebenszene oder sogar als Aufhänger für ein ganzes Abenteuer aufgegriffen werden – alles derartig Wiederverwendete ist automatisch relevanter als ein x-beliebiges neu eingeführtes und morgen wieder vergessenes Element. Umso mehr, wenn es ein ganzes Abenteuer ist.

Der oben erwähnte Gesichtslose, andererseits, ist der (womöglich detailliert ausgearbeitete) NSC mit dem eben gerade überhaupt keine besondere Interaktion stattfand – jene Art von Charakter, den die SCs sofort wieder vergessen haben. ER SIE ABER NICHT. Zum Beispiel, weil er zwischen Abenteuer 1 und 5 vom Gegenspieler der SCs angeworben wurde, diese auszuspionieren. Oder sich zu melden, sollten diese an Ort X wieder auftauchen.

Aber es geht noch weiter.

Zahlenspiele

Der Begriff des Johnsons oder Schmidts verführt dazu, sich diese als endlose Armada anonymer Nullnummern vorzustellen. Dabei ist die Zahl der „professionellen Auftraggeber“ in einer Stadt vermutlich stark begrenzt. Und deren Namen – im Sinne von „Aztechs Schmidt in Berlin“ – in der Szene durchaus ein Begriff.

Wer gerne Tom Clancy liest, kennt dieses Prinzip: Ein FBI-Mann lässt den Namen eines Admirals der US-Armee gegenüber einem CIA-Mann fallen, und der kennt den Namen nicht nur, sondern hat auch vor 5 Jahren an einem Einsatz mit ihm teilgenommen und kennt noch von damals auch einen KGBler, mit dem man brisante Infos ausgetauscht hat, um eine gemeinsame Bedrohung für die USA und Sowjetunion abzuwehren.

„Die Welt ist ein Dorf“ – und das umso mehr, je „spezieller“ der eigene Beruf und die mit diesem zusammenhängende Szene ist. Was für abertausende Profis in FBI, NSA, CIA, BKA, KGB, Stasi, Mossad etc. à la Clancy gilt, gilt ebenso für Philip Marlowes Los Angeles, in dem er auch jeden für den Fall relevanten Detective, Spitzel, Infobroker, schrulligen Waffenexperten etc. entweder kennt oder kennen lernt, um diese im nächsten Fall dann gelegentlich wiederzutreffen. Gleiches kennen wir auch von TV-Serien aller Art, egal ob diese in einem Kaff in der Prärie oder im Weltraum stattfinden.

Mit einiger Berechtigung lässt sich sagen, dass ein Megakonzern in einer konkreten Stadt nicht mehr als sagen wir 1–3 professionelle Auftraggeber unterhält. Das negiert nicht, dass jeder einzelne Mitarbeiter des Konzerns nicht auch privat Shadowrunner anheuern könnte, aber VORGESEHEN für die Jobs des Unternehmens, die durch Deniable Assets begangen werden, ist deren professioneller Unterhändler. Der kleine aber ehrgeizige Abteilungsleiter, der Dreck über seinen Konkurrenten ausgraben will, würde ggf. auch Runner anheuern wollen, weiß aber im Regelfall gar nicht, wie er solche erreichen, geschweige denn treffen könnte.

Okay. Sagen wir also, jeder Mega unterhält in einer Stadt eine gewisse, möglicher Weise als etwas anderes getarnte Abteilung à la MFID, innerhalb derer sagen wir 1–3 Kontaktmänner für den direkten Umgang mit kriminellen Elementen ausgebildet und autorisiert sind (der Rest sind Sekretäre, einige Buchhalter und Logistiker, einige Datenanalysten und sicherlich ein paar Sicherheitsexperten), dann kommen wir bei den üblichen 3–5 Megas, mit denen so eine Runnergruppe im Laufe ihrer Karriere zu tun hat, auf einen hübsch übersichtlichen Haufen an 3 bis MAXIMAL 15 Schmidts.

Meet the Schmidts

Nicht alle anonymen Auftraggeber heißen Schmidt, noch treten überhaupt alle Auftraggeber anonym auf. Innerhalb der Konzernkultur haben sich in der Regel abhängig von der Nationalität einige andere Pseudonyme entwickelt, die ebenso häufig verwendet werden. Einige Beispiele:

Nationale

USA – Johnson, Williams, Moore

England – Smith, Miller, Jones

ADL – Schmidt/Schmitt, Meier/Meyer/Mayer, Müller, Schneider

Österreich – (Dr.) Novak

Polen – Kowalski, Wisniewski, Nowak

Russland – Nikogo, Smirnov, Ivanov

Frankreich – Dupont, Bernard

Italien – Esposito, Moretti

Spanien – Fernández/Fernandéz, González

Niederlande – Janssen/Jansen, De Vries

China/Hongkong – Wu, Lee, Wang, Chung

Japan – Tanaka(-san), Takahashi(-san), Meisho(-san) (bedeutet „Herr Name“)

Konzerninterne

S-K – Brackhaus (veraltet)

MCT – Bunraku

Zu den konzernseitigen Schmidts kommt dann noch eine erlesene Auswahl „freier“ Schmidts, die einerseits von denjenigen Konzernen ohne eigene „Schmidt-Abteilung“ in der Stadt und andererseits von den Konzernschmidts genutzt werden, wenn diese ihren Konzern als Auftraggeber zu verbergen suchen.

Die Zahl dieser freien Vermittler ist sogar noch kleiner, da die hierfür nötige Kombination an Straßenkenntnissen, Unabhängigkeit vom organisierten Verbrechen, völliger Verschwiegenheit, Kenntnis der Schattenszene und -talente und Professionalität überaus selten ist.

Wie eine solche Liste in der Praxis aussehen kann, zeigt diese Seite zum Altkonsolen-Klassiker Shadowrun.

Wozu das Ganze?

Indem man die Zahl der Schmidts von „unendlich“ auf „5 der relevanten Konzerne plus 5 szenebekannte Freie“ zusammenstaucht UND indem man etabliert, dass diese sich mindestens dem Namen und der Reputation nach gegenseitig kennen, z.T. ggf. sogar schon zusammengearbeitet haben entsteht ein WESENTLICH enger geflochtenes Netz, innerhalb dessen sich die Runner-SCs bewegen MÜSSEN.

Sie können nun nicht einfach einen Job in den Sand setzen und sagen „was soll’s“. Sie können erst Recht nicht leichtfertig Daten unterschlagen und dem Shadowrunner-Kontakt von Konzern B verkaufen, denn das Risiko, sich innerhalb des Netzes klar zu positionieren und Verbindungen zu anderen Auftraggebern zu verbrennen, ist ungleich größer (wichtig: die Schmidts treten nicht nur als Auftraggeber, sondern auch ANKÄUFER auf und sind Kontaktpersonen zur Schattenszene, die dort auch Ermittlungen einziehen (lassen)).

Das Setting, umgekehrt, wird vertrauter, heimeliger, und das auch zum Vorteil der Spieler: Indem diese eine begrenzte Liste bekannter Kontaktpersonen zu den Konzernen bzw. zu Jobs haben – oder über ihre Kontakte in Erfahrung bringen können – haben sie nun selbst einige zusätzliche Handlungsoptionen. Sei es, indem sie versuchen an Caleb Brightmore heranzukommen, um einen der ganz großen Jobs dieses Elite-Vermittlers zu bekommen, oder sei es, dass sie überlegen dass diese oder jene zufällig erbeuteten Daten am Besten an Herrn Tanaka verkauft werden können, der für das MIFD von Shiawase den Einkauf von dubiosen Quellen managed – es entsteht eine neue Beziehungsebene mit neuem, PERSÖNLICHEM Konflikt- und Abenteuerpotenzial.

Beyond Schmidteinander

Selbige Technik der personellen Verknappung = Relevanzerhöhung lässt sich außer auf die Auftraggeber und Kontaktpersonen der Konzerne zur Schattenszene auch auf alle anderen „raren“ Personen mit regelmäßigem Kontakt zur Szene anwenden.

Ein gutes Beispiel dafür sind rare Ausrüstungsgüter, Waffenlieferanten und Werkstätten für „besondere“ Fahrzeugumbauten, von denen es selbst in Millionenstädten eben NICHT Hunderte gibt, die für „echte“ Shadowrunner arbeiten, sondern eben nur je Tätigkeitszweig etwa 2–3 Nennenswerte.

„Ihren Gyrokopter lassen sie vermutlich bei Musaki’s Garage in Pullyap warten – als Experte für jrne exotische Fahrzeugklasse ist es in jedem Fall mehr als wahrscheinlich, dass sie bei ihm irgendwann aufkreuzen“ können dann Gedankengänge sein, die Sinn machen.

Ebenso lässt sich die Technik auf Locations anwenden, etwa indem eine reduzierte Anzahl von „fixen“ Locations das eigentliche soziale Umfeld der Charaktere in der Stadt abbilden. Diese restliche Stadt AUSSERHALB kann dann auch über die Mittel der Regie – wie etwa Film Noir-ige Beschreibungen anonymer Fronten, ewigen Regens, mitleidlos über dem Pflaster thronender Türme – so anonym, fremd, abweisend und kalt sein wie gewünscht, unterdessen INNERHALB des sozialen Feldes der Charaktere und ihrer Szene eine gewisse Vertrautheit und wechselseitige Abhängigkeit herrscht, die selbst Feinde gegenüber den unbeteiligten Außenseitern (bei Tom Clancy z.B. die „Bürokraten“) zusammenschweißt.

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