Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

Wahlergebnis endlich bestätigt!

gnb-logo3 Wochen nach der Wahl: Ergebnis durch Prüfungsausschuss amtlich bestätigt

Am 6. Oktober 2075 war wieder einmal Wahl in Berlin. Wie jedes Jahr seit der Berliner Einheit. Wie jedes Jahr, seitdem die Schöpfer des Einigungsvertrages auf die Idee verfielen, die Berliner Bezirke in 3 Wahlperioden zu unterteilen und so in jedem Jahr jeweils ein Drittel der Berliner Ratsvertreter – und Bürgermeister – auszutauschen.

Früh schon formte sich Widerstand gegen dieses Modell, das ständige Fluktuation erzwingt und eine Art routinierter Vertrautheit im Berliner Rat unmöglich macht. Schuld an diesem Irrsinn sollen gemeinhin „die Alternativen“ haben: Diese hätten, da sie die Arbeit im ständigen Fluss vom „Status Fluxus“ her gewohnt sind, daran festhalten wollen. So die allgemeine Lesart der – natürlich „konzernfreundlichen“ – Medien. Piratensender und F-Blogger hingegen spinnen die Theorie, dass der ewige Wechsel vor allem jenen (Norm- und Alternativen) Bezirke schade, wo es eine tatsächliche „Wahl“ mit tatsächlichem Personalwechsel gebe: Die Konzernbezirke würden im Gegensatz dazu ja ohnehin an ihren Vertretern festhalten, die anderen Bezirke somit einem strategischen Nachteil ausgeliefert sein.

Vorstöße, den jährlichen Wechsel abzuschaffen und die Berliner Wahlen auf ein gemeinsames Ereignis alle 3 Jahre zusammenzulegen, hat es praktisch von Stunde Null an gegeben. Und ebenso die energischen Gegenreden dieses unorthodoxen Ansatzes, der einen überraschenden, eventuell aus einer vorübergehenden Situation entstehenden „Massenwechsel“ im Berliner System unmöglich machen soll – samt gleichzeitigem Austausch aller drei Bürgermeister und möglichem Spontanabriss der Beziehungen zwischen Konzern-, Norm- und Alternativ-Vertretern.

Die bereits im Vorfeld erwarteten Schwierigkeiten bei der diesjährigen Wahl zur III. Wahlperiode sind jedenfalls ein starkes Argument für die Zusammenlegung der Wahlen, schon um die mit jeder Wahl einhergehenden Proteste und Belastungen des öffentlichen Lebens in Berlin zu minimieren – oder sie zumindest auf einige feste „Chaostage“ alle drei Jahre statt Mehrfachchaos in jedem Frühoktober zu konzentrieren.

 Pflügler hat bei der letzten virtuellen Konferenz mit der LiVeGen angedeutet, dass wenn dann aus gegenwärtiger Sicht eine Umschichtung der Bezirke innerhalb der Wahlperioden das wahrscheinlichere Szenario sei. Danach würden – stets vorausgesetzt, die Idee findet eine Mehrheit im Berliner Rat, wovon wir noch gut 3–5 Jahre entfernt sein dürften (wäre immerhin eine Änderung der Berliner Verfassung) – z.B. alle Konzernbezirke in Wahlperiode I, alle Normbezirke in Periode II und alle Alternativen Bezirke in Periode III zur Wahl schreiten. Ich persönlich halte das für reichlich Mumpitz, zudem keiner sagen kann, ob das „Gleichgewicht“ der drei Bezirksarten überhaupt auf Dauer Bestand hat: Was, wenn der FBV über irgendeinen krummen Deal Mitte zum Konzernbezirk macht oder die Konzerne ihre früher so heiß verteidigte und nun quasi zur DMZ ausgebaute Vorzeige-Mitte unter gemeinsame „Protektion“ nehmen (wie das einige erbeutete Files mindestens als Planungsspiel andeuten). Was, umgekehrt, wenn der eher biedere Geschäftshai und gläubige Muslime Aslan Özdemir Falkensee im Kampf um öffentliche Gelder zum Normbezirk umpositioniert?
 Fienchen

Auslöser der energischen, in Teilen auch gewalttätigen Proteste waren Gerüchte, wonach die Konzerne über die Online-Wahltools speziell der VolksKommlinks massiven Einfluss auf das Abstimmverhalten und damit den Wahlausgang nehmen könnten.

Dahingehende Meldungen der üblichen Verschwörungsblogs und Piratensender waren auf eine breitere Aufmerksamkeit gestoßen, nachdem wenige Tage vor der Wahl ein verpflichtendes Sicherheits-Update ohne Möglichkeit des Widerspruchs seitens der Endnutzer auf alle VolksKommlinks gespielt wurde.

Das Update – so der Berliner Netzwerkbetreiber Aetherlink – sollte kritische Konflikte zwischen älteren Kommlink-Modellen und den Sicherheitsprotokollen der neuen Matrix beheben. Dies erkläre – wie ein anonymisiertes Mitglied der Schockwellenreiter bei B1Live äußerte – aber nicht, warum besagte Patches auf alle inklusive den neuesten, auch ab 2075 in Umlauf gebrachten VolksKommlinks gespielt wurden, und warum das auf Druck der Alternativen Bezirksvertreter eingerichtete BERVAG Kontrollgremium des Netzwerk Berlin über das Patch nicht vorab informiert wurde.

 Bin immer noch etwas baff, dass die Konzerne sich darauf eingelassen haben. Andererseits konnten sie tatsächlich wenig dagegen tun: Durch die öffentlichen Proteste und die Forderungen des Sterns nach mehr Knete für Demonstrations- und Objektschutzeinsätze galoppieren die Kosten davon, und die BERVAG untersteht einerseits dem Rat und ihr untersteht andererseits der Aufbau und Betrieb des lokalen Matrixgitters. Unter Aufwendung all ihrer Tricks hätten die Konzerne den gemeinsamen Vorstoß ALLER alternativen Ratsvertreter und der Mehrzahl der Normvertreter – plus Takeshi Ozu, nicht zu vergessen! – wohl blocken können, aber dann wäre das Pulverfass Berlin explodiert. So konnten die Alternativen durchsetzen, dass es ein Kontrollgremium der BERVAG unter Aufsicht des Rates geben wird, das durch „Experten“ besetzt wird. Dass die alternativen Vertreter da auch bekannte und bekennende Schockwellenreiter und bööse, indes unter Berliner Amnestie „unbescholtene“ Hacker reingesetzt haben, die seitdem Unbezahlbares an Daten über den inneren Aufbau des Netzwerks und mögliche Exploits der neuen Matrix erbeutet haben, dürfte den Konzernen kaum schmecken – aber wirklich beschädigt wird gegenwärtig vor allem S-K bzw. Aetherlink, und das Mitleid der anderen Konzerne – vor allem Renrakus und des FBV – hält sich SEHR in Grenzen. Schaut aus, als könnten hier mal wir vom Infighting der Konzerne profitieren statt umgekehrt.
 Tolstoi

 Was ist denn eigentlich der Stand beim Schwarzen Netz, der Kabelmatrix des Berliner Untergrundes? Man hört gar nix mehr.
 Safiya Dafiya

 Wir werkeln weiter. Trotzdem es heute spezielle Computer mit festverdrahteten „Superrechten“ zur Matrix-Manipulation gibt, die man gemeinhin „Decks“ nennt, haben diese technisch so gut wie NICHTS mit den Cyberdecks alter Tage zu tun. Genau auf denen und der Prä-Crash2-Technik baut aber das Schwarze Netz schwerpunktmäßig auf (auch wenn es zur alten Matrix ebenso inkompatibel wäre), und wir legen aktuell je Monat um etwa 10-30 Systeme zu. „Sicherheit durch Seltenheit“ ist dabei unser effektivster Schutz: Die Kabelmatrix ist mit der neuen Matrix wie schon mit der Wireless Matrix 100% inkompatibel. Die im Schwarzen Netz Berlin enthaltenen Infos lassen sich nur durch Cyberdecks bzw. Terminals abrufen, die im Prinzip von uns selbst aus Technik-Schrott der Prä-Crash-Ära gebaut bzw. durch backwards engineering repliziert wurden. Träume irgendwelcher Spinner, dass wir diese Steinzeit-Matrix irgendwie superbillig und an offiziellen Kanälen vorbei bauen und die Technik an Widerstandsgruppen oder die Dritte Welt exportieren könnten halte ich allerdings für hochgradig bekloppt. Das System wird immer geschlossen bleiben und auf Berlin begrenzt – von einzelnen Leuten, die sich irgendwie extern Kontakt über vergessene bzw. gekaperte Satelliten verschaffen oder sich auf eigene Kosten ne Lichtfaserleitung durch Brandenburger Morast legen mal abgesehen. Wichtig zu merken ist: Das Berlin Netzwerk ist NICHT die Kabelmatrix des Schwarzen Netz Berlin. Das sind zwei VÖLLIG verschiedene Paar Schuhe. Technischer Bereitsteller des Berliner Matrixgitters „Netzwerk Berlin“ ist Aetherlink, Auftraggeber und Betreiber ist die BERVAG, und die untersteht dem Berliner Rat, also haben auch „wir Alternativen“ beim Netzwerk einen Fuß in der Tür, und bislang ist das den Konzernen entweder egal oder sie wissen noch nicht, wie sie das im Einklang mit der Berliner Einigung bereinigen können.
 Tolstoi

Wären die Proteste in anderen Städten gewiss auf einen überschaubaren Kreis von Mateixaktivisten und Technikfreaks begrenzt geblieben, gerieten sie in Berlin schnell zum von der Öffentlichkeit mit großem Interesse verfolgten Thema – und das nicht nur, weil die neue Matrix in diesem Jahr schon mehrfach der vorgebliche oder tatsächliche Anlass unschöner Begegnungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften war: Seit den ersten Berliner Wahlen gehört das gemeinsame Public Viewing und die damit verbundenen Wetten auf den Ausgang der Wahl zum festen Eventstandard des Berliner Herbstes. Eingeflochten in die Feierlichkeiten bzw. die Randale zum Tag der Berliner Einheit am 3. Oktober, die verschiedenen Versuche der Gastronomie und des Handels, das Thema „Oktoberfest“ auch in Berlin zu inszenieren, und den von Jahr zu Jahr wilder und ausschweifender werdenden, mit heidnisch-slawisch-keltisch-germanisch-schamanistischen Lokalkolorit verschmolzenem Halloweenfesten entsteht eine rebellische Grundmischung, die nur zu bereit ist, sich auch durch weniger plausible Skandaltheorien entzünden zu lassen.

So kann es kaum überraschen, dass die Ergebnisse der Bezirkswahlen – trotzdem „vorläufig gültig“ – von vielen Berlinern und vor allem den Buchmachern nicht zur Kenntnis genommen wurden. Das zwischen Wahlparty und Bürgerkrieg schwankenden Straßengerangel konnte erst an Tag 5 gebändigt werden, indem der Berliner Rat kurzerhand einen Prüfungsausschuss einberief, dem neben vor allem alternativen Bezirksvertretern auch „technische Experten“ des Kontrollgremiums angehörten und der von vorneherein „volle Transparenz“ versprach inklusive Öffentlichmachung aller Daten, bei denen dies überhaupt rechtlich machbar sei.

BerlinerRatOktober2075Mit Abschluss der Arbeit des Prüfungsausschusses kann nun, exakt 3 Wochen nach der Wahl, so etwas wie Normalität einziehen: Die bereits am 6. Oktober bestellten neuen Bezirksvertreter können ihre bereits begonnene Amtstätigkeit fortsetzen – allen voran der Berliner Ratspräsident Wojenko – und die Buchmacher können die notwendigen Auszahlungen vornehmen, was des Volkes Seele gewiss mehr beruhigen wird als alles andere.

Geändert hat sich am Ergebnis freilich wenig: Gewiss mussten einzelne Prozentpunkte verschoben werden, doch lagen die Abweichungen innerhalb der zu erwartenden Toleranzbereiche. Lediglich beim Ranking der tausend Splitterfraktionen in Friedrichshain-Kreuzberg konnten diese minimalen Korrekturen letztlich Platzierungen ändern – nicht politisch relevant, aber für die Freunde von Wetten auf das „Kreuzberger Roulette“ sicherlich interessant.

Die relevanten Änderungen durch die zurückliegende Wahl bleiben somit die Neuberufung des Preußenstiftungs-Mannes Fabian von Wittich für Potsdam, der für sein Amt direkt von Vorgänger Fejjeri Pesotskaya vorgeschlagen wurde, weiterhin in Schönefeld Gregor Thielke von der CVP als einer der ersten „traditionellen“ Parteipolitiker, der sich überzeugend gegen die Messerschmitt-Kawasaki- und LDFP-nahe Mareike Praschak-Sonneberg durchsetzte, und schließlich die von Proteus neu für das Amt bestellte Konzernrepräsentantin Izabella Buzek in Zehlendorf, die somit auch über ihr Übergangsmandat hinaus die Nachfolge des im Vormonat und gemeinsam mit dem früheren Vertreter von Falkensee Steffen Atzold durch einen Autounfall verstorbenen Panagiotis Lakhloufi antritt.

 Technisch gesehen mag die Kollision mit einem auf Autopilot rasenden Mammut-Roadtrain mit 5 voll beladenen Anhängern ein „Autounfall“ sein, aber es ist ziemlich klar, dass Atzold und Lakhloufi gemeinsam ermordet wurden – was auch immer die beiden gemeinsam in Lakhloufis Nightsky nachts auf dem Inneren Ring zu bereden hatten.
 Tolstoi

Unverändert im Amt bleiben – jeweils mit deutlichem Vorsprung bzw. ohne Gegenkandidat – Dr. Robert Schlüter in Groß-Siemensstadt, Doreen Katschmarek in Strausberg-Fredersdorf, der im Ergebnis gestärkte Morek Pflügler in Lichtenberg sowie die trotz erheblichen Wettbewerbs im Ergebnis verbesserte Mitra Özgun, die von einigen als denkbare Nachfolgerin Pflüglers oder sogar Wojenkos gehandelt wird – Letzteres wohl eher unwahrscheinlich, doch aufgrund des um 6,7% schwächeren Ergebnisses für den im Amt bestätigten Ratspräsidenten Yilmaz Wojenko auch nicht gänzlich unmotiviert.

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