Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

Kategorie-Archiv: OFFGAME

Werde zu einem SHADOWRUN Charakter!

Ein einmaliges Angebot für alle Shadowrun-Fans: Gib jetzt dein Charakterporträt in Auftrag und mit etwas Glück wird es im Rahmen eines kommenden Shadowrun-Produktes von Pegasus zum kanonischen Charakter der Sechsten Welt!

Für nur 45 EUR erstelle ich ein postkartengroßes, vollfarbiges Shadowrun-Charakterporträt basierend auf einem Porträtfoto. Die besten 20 so entstandenen Porträts werden in einem bald erscheinenden offiziellen Shadowrun-Produkt als Charakterkarten produziert und somit kanonischer Bestandteil von Shadowrun.

Charakterkartencollage

 

Und so geht es:

1) Schicke baldmöglichst, aber BIS SPÄTESTENS 1. SEPTEMBER 2020 ein brauchbares(!) Porträtfoto an aas@raben-aas.de (du kannst auch mehrere Fotos zur Auswahl schicken, aber bitte nicht mehr als 5). Brauchbar bedeutet: Scharf, in Porträtansicht (Oberkörper), in passender Pose und in dramatischer Beleuchtung (bitte kein (Blitz-)Licht von vorne, sondern Beleuchtung von der Seite, von unten, von oben, mit Schatten, in mehreren Farben etc.)

Beispiele für brauchbare dramatische Beleuchtung (geht auch ohne Profi-Lampen und Studio):

https://www.diyphotography.net/howto-dramatic-portrait-lighting-using-nothing-lamps/

https://www.stefantell.se/blog/2014/11/portrait-lighting-with-flashlights/

TIPP: Mach deine Fotos in einem komplett dunklen Raum (z.B. Badezimmer) und beleuchte dabei dein Gesicht seitlich mit einer Taschenlampe. Probiere mit verschiedenen Effekten, Abständen und Winkeln herum. Und nutze gerne Props wie Waffen, Leuchtdioden, das Licht aus einem „Kommlink“, in das der Charakter blickt, etc.

Fotoguide

 

2) Gib außerdem deinen Charakterwunsch an, bestehend aus dem NAMEN, einem typischen SPRUCH (Catchphrase) und dem TYP (z.B. orkischer Straßenschamane, elfische Deckerin, Troll-Axtadept…) an.

HINWEIS: Seitens des Verlages werden nicht nur Runner, sondern NSCs aus allen Ecken der Sechsten Welt gesucht. Wenn du als Typen etwas wie Konzerner, Taxifahrer, Barkeeper etc. wählst kann das deine Chance, im späteren Produkt zu landen, erheblich erhöhen (es wird keine 20 Straßensams geben, egal wie gut deren Portraits werden).

WEITERER HINWEIS: Die Redaktion hat das letzte Wort zu den abgedruckten Charakteren. Das bedeutet: Speziell der Spruch und der abgebildete Typ können geändert werden (mein eigener „Moses“ sollte z.B. ein Ork-Söldner sein und wurde seitens CGL per Karte zum Ork-Technomancer. Ich HOFFE, dass alle Charaktere „wie eingereicht“ auf die Karten kommen, kann es aber nicht garantieren).

Moses-referenz

Tipp: Wenn dein Charakter ein Ork oder Troll werden soll, strecke beim Foto möglichst den Unterkiefer vor. Die Hauer müssen ja irgendwo hin 😉

3) Nur wenn du möchtest, dass dein Charakter in einem offiziellen Shadowrun-Produkt erscheint, füge folgenden Satz an deine Mail an (dann aber UNBEDINGT, sonst kann dein Bild nicht bei der Auswahl für das Produkt berücksichtigt werden):

Ich versichere hiermit, dass ich alle Rechte an dem oder den eingereichten Foto/s besitze. Ich willige darin ein, dass eine Charakterillustration auf Basis des/der Foto/s erstellt und im Rahmen eines Shadowrun-Produktes gewerblich genutzt und öffentlich verbreitet wird. Im Falle, dass die abgebildete Person auf dem Foto nicht ich selbst bin, garantiere ich dafür, dass die abgebildete Person über die Nutzung des Fotos als Gestaltungsreferenz für eine Shadowrun-Illustration informiert und mit der Nutzung ihres Bildes in diesem Rahmen uneingeschränkt einverstanden ist. Ich gewähre der PEGASUS SPIELE Verlags- und Medienvertriebsgesellschaft mbH die zeitlich, inhaltlich und räumlich unbeschränkten urheberrechtlichen und sonstigen Nutzungs- und Verwertungsrechte aller von mir im Rahmen dieser Aktion eingereichten Fotos bzw. des auf ihnen beruhenden Artworks, insbesondere das Recht zur Vervielfältigung und Verbreitung, unabhängig vom Verfahren. Dies gilt für Ausgaben und Auflagen in allen Sprachen, das Recht zur Übertragung auf elektronische Trägermedien zur digitalen Wiedergabe, Vervielfältigung oder Verbreitung, das Recht auf Vor- oder Nachabdruck, das Recht zur öffentlichen Zugänglichmachung, insbesondere im Printbereich, im Internet und durch sonstige Formen der Onlinekommunikation. 

4) Ich werde dir, wenn alles okay ist (Foto brauchbar, ggf. obige Erklärung vorhanden), dann meine Paypal-/Konto-Verbindung mitteilen. Das ist dann zugleich meine Auftragsbestätigung. Sobald deine 45 EUR eingegangen sind, lege ich mit der Arbeit los.

5) WICHTIG: Wenn ich deinen Auftrag bestätigt habe, bekommst du AUF JEDEN FALL eine Charakter-Illustration basierend auf dem von dir eingereichten Foto und deinem Wunschtyp. Ist dein Foto 100% unbrauchbar oder werde ich unter einer Anfrageflut von 1,4 Millionen russischer Bots begraben, teile ich dir das bereits mit, ehe du das Geld überweist.

6) Aus allen fertiggestellten Artworks wählt Pegasus Spiele dann die 20 besten/geeignetsten Illustrationen aus und veröffentlicht diese im Rahmen eines neuen Shadowrun-Produktes. Im Falle, dass extrem viele (= mehr als 100) Artwork-Anfragen eingehen, findet zusätzlich eine Vorauswahl anhand der Fotos statt (soll heißen: Es wird zuerst entschieden, was die besten Fotos/Typen sind, damit deren Artworks dann auch zuerst = rechtzeitig zur Verlags-Deadline fertiggestellt werden können. Alle weiteren Artworks werden danach abgearbeitet.

Ich drück euch allen die Daumen und freue mich über eure Einreichungen!
AAS

Privater Rant: Shadowrun-Würfel

Im Laufe meiner laaaaaangen Shadowrun-Karriere habe ich aus treuem Fantum auch diverse Shadowrun-Würfel erworben. Am Tisch verwendet habe ich sie nie.

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Der Grund ist einfach: Das Shadowrun-System ist für Sonderwürfel denkbar schlecht geeignet. Denn klar: Man könnte die unbedeutenden Seiten 2, 3, 4 unmarkiert lassen, irgendein Gewinnsymbol auf die 5 und 6 packen und ein Patzer-Symbol auf die 1 … ABER dann gibt es ja spätestens bei SR6 diverse Regeln, die es nötig machen DOCH genau zu wissen, ob man eine 2, 3 oder 4 gewürfelt hat (weil es eben Fälle gibt, wo auch eine 2 in Patzer hinein zählt, oder Methoden, mit denen man aus einer 2 eine 1 oder einer 4 eine 5 machen kann).

Das Ideal, in dem man à la Heroquest also „alternativ bedruckte“ Würfel hat, an denen man mit einem Blick direkt die Erfolge ablesen kann, funzt bei SR also nicht oder zumindest nicht ganz so leicht.

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In der Konsequenz hat das bei bisherigen Shadowrun-Würfeln oft dazu geführt, dass einfach nur ein Shadowrun-Symbol (Schädel oder Schlange) auf die 1 gedruckt wurde. Nett, aber 100% funktionslos.

Die Alternative bestand meist darin, dass auf die 5 und 6 irgendwas und auf die 1 irgendwas anderes gedruckt wurde – zuletzt mit den offiziellen SR6-Würfeln ein Symbol, und klein daneben die Zahl – was den etwas perversen Effekt hat, dass einem die unwichtigsten Ergebnisse 2, 3 und 4 direkt ins Auge springen, sehr im Gegensatz zu den kleinteiligen Symbolen + Mini-Zahl auf 1, 5 und 6.

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Eine Lösung wäre, die 1 „unsichtbar“ zu machen (leere Würfelseite oder Mini-Symbol) und die 5+6 extrem „flächig“, damit sie echt auffallen. 2, 3 und 4 müssen (leider) aufgrund diverser Regeln erkennbar bleiben, dürfen aber eben NICHT „formatfüllend“ (= auffällig) mit einer Zahl oder einem die Zahl angebenden Symbol gefüllt werden, sondern sie müssen UNAUFFÄLLIG gestaltet sein.

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Wenn ich ein Set solcher Würfel hätte, dann würde ich es am Spieltisch auch verwenden. Alles andere ist ein nettes Gimmick bzw. eine gesuchte Sammlertrophäe, aber eben nicht nutzbar – DANN möge man bei Shadowrun 6 doch bitte lieber Edgetokens zum Sammeln herausbringen, zum Beispiel in diversen Farben, auf einer Seite das Shadowrun-„S“ und auf der anderen Seite ein Konzern- oder Ganglogo.

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Serviervorschlag: Zwillen

Wir stehen Stand Juni 2020 noch immer am Anfang der Sechsten Edition von Shadowrun. Das bedeutet, dass für viele spezielle Situationen und Ausrüstungsgegenstände noch keine Regeln existieren – und ob diese jemals kommen, kann keiner sagen.

Kein Problem, an und für sich. Wie im just auf SR6 aktualisierten Artikel „13 Kniffe, die jeder SL kennen sollte“ gesagt, ist die Bandbreite von Schwierigkeiten und Modifikatoren bei Shadowrun trotz vieler hundert Seiten Regeln ohnehin sehr begrenzt (Tipp #13). Jeder SL und jede Gruppe kann etwaige fehlende Regeln problemlos selbst erstellen, sofern man denkt, das überhaupt zu brauchen. Es kommt keine Regelpolizei. Versprochen.

Dennoch: Die Erfahrung lehrt, dass sich die Shadowrun-Regeln vor allem auf neue bzw. Hightech-Geräte und deren Regelauswirkungen konzentrieren. Improvisierte Lowtech-Waffen, wie sie im anarchistischen Berlin alle Nase lang vorkommen, werden in aller „Regel“ (ha-ha) nichtmal bis zum Ende der jeweiligen Edition mit offiziellen Regeln bedacht.

Genau aus diesem Grund gibt es im Quellenband Berlin 2080 einen „Serviervorschlag“ für Mollis. Weil es auch in der Sechsten Edition vermutlich nie Regeln für Mollis geben wird.

Aktuell ist ja das „Feuer Frei!“-Buch für zusätzliche Kampfregeln und -Ausrüstung erschienen. Hätte es darin offizielle Regeln für Mollis gegeben, wäre der Serviervorschlag im Berlin-Buch natürlich obsolet bzw. nur eine Anregung für eine alternative Hausregel. Wenig überraschender Weise aber gibt es in dem Buch keine Molli-Regeln. Und, langer Rede, gar kein Sinn, auch keine Regeln für das Thema dieses Posts: STEINSCHLEUDERN.

Serviervorschlag: Zwillen

Steinschleuder, Flitsche, Katschi, Zwackel, Zwuschel, Fletsche, Zwistel, Zwiesel, Katapult, Kartzi, Schlatsche, Kreuzbergschleuder, Spatzenschießer, Zwockel, Gambel, Schlatte – so vielfältig wie ihre Anwendungsmöglichkeiten sind auch die Namen der klassischen Schleuder, für die es in Shadowrun (Stand Juni 2020) zuletzt in der Fünften Edition „ordentliche“ Regeln gab (SR5 Kreuzfeuer-Quellenband, Ares Giantslayer Zwille, S.23).

Weil wir Shadowrun Berlin sind, konzentrieren wir uns natürlich auf die Berliner Spielarten der Zwille, also jene Anwendungsmöglichkeiten, Modelle und Regeln, die aktuell (2080) in der Spreestadt besonders angesagt sind.

Grundsätzliches

Zwillen werden mit der Fertigkeit „Athletik“ abgefeuert (SR6 S.107) und besitzen ähnlich wie Bögen eine Stufe, welche die Mindeststärke angibt, die man zum Spannen und Abfeuern des jeweiligen Modells benötigt.

Charakteristisch für Zwillen ist, dass diese auf kurze Distanzen eine kinetische Schadenswirkung haben, welche selbst bei primitiv konstruierten Modellen den Schaden von Holdouts und leichten Pistolen erheblich übertreffen kann. Auf mittlere und ferne Distanzen nimmt die Schadenswirkung massiver Geschosse allerdings ebenso wie die Präzision rapide ab, weswegen auf diese Distanzen vor allem Geschosse mit Flächenwirkung (Minigranaten, Haftladungen, Molotovcocktails) zum Einsatz kommen.

Genau das macht die regeltechnische Erfassung von Zwillen etwas diffizil: Weil sie eben sowohl „wie Bögen“ massive Geschosse verschleudern (Steine, Stahlkugeln) als auch „wie Granatwerfer“ eingesetzt werden können.

Berliner Zwillen

Hier stelle ich euch vier Zwillen vor, die in Berlin sehr beliebt sind. Natürlich gibt es eine unendliche Vielzahl von handgefertigten und industriell vertriebenen Modellen, so dass die vorgestellten Modelle höchstens als erste Orientierung gelten können.

Für den direkten Schaden wird davon ausgegangen, dass massive Stahlkugeln im 10-mm-Kaliber verwendet werden. Größere Geschosse können auf extrem nahe Distanz mehr Schaden verursachen, erhalten aber heftige Abzüge bei mittleren und weiten Distanzen.

Barzani Edelzwille

Die Eiswerder Waffenmanufaktur Barzani stellt quasi den Standard der modernen Berliner Kampfzwille her: Eine Serie aus leichten, aus Kompositmaterialien um einen Aluminiumkern gefertigten Schleudern in diversen Designs – die Meisten sehr traditionell und schnörkellos, aber es gibt auch extrem aufgepimpte Modelle mit Perlmutt- oder Goldbeschichtungen, individueller Griffanpassung und Montageschienen für Laser, Lampen oder Entfernungsmesser.

Barzani Edelzwille mit Massivgeschoss (Stufe 1-6) | Schaden (Stufe:2)K (sehr nah: +1) | Angriffswerte Stufe / Stufe:2 / – / – / – | Verfügbarkeit (Stufe/4)L / Preis (Stufe x 2) + 50 €

Barzani Edelzwille als Granatwerfer (Stufe 1-6) | Schaden nach Granate/Molli | Athletik /  Athletik-1 / Athletik -8 / – / – | Verfügbarkeit (Stufe/4)L / Preis (Stufe x 2) + 50 €

Berliner Mantelmesser

Das Berliner Mantelmesser ist die örtliche Variante des Schweizer Taschenmessers: Ein überraschend massives, etwa 15 cm langes Multifunktionstool mit ausklappbarer Kampfmesserklinge, Säge (mechanisch oder batteriebetriebene Monosäge) und weiteren „Werkzeugen“ (inkl. Modellen mit integrierten Dietrichen oder Monofilamentpeitschen), zu denen auch zwei Wurfarme für den Einsatz als Zwille zählt (das Spannband wird als Umwickelung des Griffs verwendet).

Barzani Mantelmesser mit Massivgeschoss (Stufe 4-8) | Schaden (Stufe:2)K (sehr nah: +1) | Angriffswerte Stufe / Stufe:2 / – / – / – | Verfügbarkeit (Stufe/4)L / Preis (Stufe x 10) + 50 €

Barzani Mantelmesser als Granatwerfer (Stufe 4-8) | Schaden nach Granate/Molli | Athletik /  Athletik-1 / Athletik -8 / – / – | Verfügbarkeit (Stufe/4)L / Preis (Stufe x 10) + 50 €

Ares Giantslayer Schleuder

Der Klassiker aus dem Kreuzfeuer. Hier mit SR6-Werten.

Ares Giantslayer mit Massivgeschoss (Stufe 4) | Schaden 2K (sehr nah: 4K) | Angriffswerte 4 / 2 / – / – / – | Verfügbarkeit 1L / 50 €

Ares Giantslayer als Granatwerfer (Stufe 4) | Schaden nach Granate/Molli | Athletik /  Athletik-1 / Athletik -8 / – / – | Verfügbarkeit 1L / 50 €

Krime Ultra Kombat

Diese High-End-Schleuder wurde gezielt für Leute mit extremer Kraft entwickelt. Die massive Waffe verfügt über Protektoren für den Unterarm, um Verletzungen durch das schnalzende Polymerband zu verhindern. Ein integriertes Smartsystem misst Entfernungen und Winkel und zeigt in Echtzeit den Flugweg von Massivgeschossen wie Granaten an, um perfekte Zielgenauigkeit zu bieten.

SRB-Slingshot

Krime Ultra Kombat mit Massivgeschoss (Stufe 6-14) | Schaden (Stufe:2)K | Angriffswerte Stufe / Stufe:2 / Stufe:8 / – / – | Verfügbarkeit (Stufe:2)L / Preis (Stufe x 10) + 50 €

Krime Ultra Kombat als Granatwerfer (Stufe 6-14) | Schaden nach Granate/Molli | – /  Athletik / Athletik-2 / Athletik-6 / – | Verfügbarkeit (Stufe:2)L / Preis (Stufe x 10) + 50 €

Mollis und Zwillen

„Moment mal“, mag jemand sagen, „wenn ich einen Molli per Zwille verschießen will, muss ich laut Berlin 2080 und den hier präsentierten Zwille-Regeln ja unter Umständen 3 Haupthandlungen (1 zum Vorbereiten des Mollis (kann vor Kampfbeginn vorbereitet werden), 1 zum Anzünden des Mollis, 1 zum Bereitmachen des Waffe) ver(sch)wenden, ehe ich das Geschoss auf die Reise schicken darf!“

Jup. Genau. Einer der vielen Gründen, warum Mollis lieber geworfen werden und sich ganz generell irgendwann Schusswaffen durchgesetzt haben. Sogar in Berlin.

Gründe für Zwillen

Zwillen haben einige Nachteile, vor allem die Notwendigkeit, die Waffe für das Geschoss bereit machen zu müssen. ABER es gibt auch Vorteile.

Zum einen braucht es keine spezielle Skill, um mit Zwillen zu schießen, nur Athletik. Außerdem sind Zwillen selbst 100% mechanisch und tauchen samt Stahlkugelgeschossen auf Waffenscans nicht auf (auf Metallscans an Flughäfen schon, aber es gibt auch Zwillen und Geschosse, die nicht metallisch sind).

Last but not least lässt sich mit der Adeptenkraft „Verbesserte Fähigkeit“ ein echt fieser Parkour-/Zwillenfighter basteln …

 

 

 

 

 

Schattenload 05.2020

SR6 Spielhilfe: Charakterkarten

Natürlich bin ich keineswegs der Erfinder von Karten, die auf der Vorderseite ein Charakterporträt und auf der Rückseite Werte und Details des Charakters haben. Umso ärgerlicher für mich, dass ich viele Jahre auf dieses geniale Tool verzichtet habe.

Seit ich mir entsprechende Karten für meine ABOREA-Runde gebastelt habe, konnte ich erst wirklich erkennen, was für eine unglaublich gute Spielhilfe diese Karten sind – weshalb ich mir gerade für Shadowrun 6 ein entsprechendes Muster und eine ganze Reihe von Karten gebastelt habe (von denen ich die Meisten freilich hier nicht teilen kann, weil meine Spieler ggf. mitlesen).

Die hauptsächlichen Vorteile von Charakterkarten für NSCs sind die Folgenden:

Anschaulich (1): Indem man die Karten anwesender NSCs vor den SL-Schirm stellt oder auf den Tisch legt, erfasst jeder Spieler, wer gerade im Raum ist. Oder wer als Verdächtiger im aktuellen Mordfall gilt. Oder welche vier Schieber für die anstehende Besorgung infrage kommen. Oder welche Kontakte man anrufen könnte. Gerade bei ABOREA, wo die Charaktere meiner Runde oft mit einer ganzen Entourage von Höflingen und Söldnern unterwegs sind, ist das unbezahlbar – bei SR Runden, wo das Team der SCs auch Supportcharaktere umfasst (zum Beispiel die Mitglieder des Squads einer Polizei- oder Militäkampagne oder die Abteilung der SCs einer Konzernkampagne) gilt das ebenso.

Anschaulich (2): Die Präsenz des Bildes vermittelt tausendmal mehr Infos als jede Beschreibung. Will ich mich mit DEM Typen anlegen? Wie bedrohlich sehen die angreifenden Konzerntruppen aus? Wer das Bild sehr sorgfältig auswählt oder in der Lage ist, eigene Bilder zu machen, kann im Bild sogar versteckte Hinweise unterbringen (Logos, Pins, halb unter der Kleidung hervorblitzende Tattoos), ohne auf diese verbal und damit allzu auffällig hinweisen zu müssen.

Immer griffbereit: Statt in Heftern oder Notizbüchern zu blättern, hat man die einzelnen Karten und somit die NSCs immer griffbereit. Speziell wenn mehrere NSCs aus diversen früheren Abenteuern anwesend sind, entfällt das Hin- und Herblättern.

Bestens vorbereitbar: Statt eine Kladde mit allen fünfhundertdrölfzig NSCs mitzuschleppen, kann man nur die vorgesehenen NSCs der kommenden Session mitnehmen bzw. in die Abenteuer-Aufzeichnungen legen.

Spontan aktualisierbar: Die Rückseite der Karte bietet (normalerweise) genug Platz, um sich schnell etwas zu notieren, zum Beispiel dass der NSC von SC XYZ angefressen ist, weil der ihn gerade beleidigt hat.

Nachdrücklicher Charaktertod: Gerade wenn der langjährige Bekannte sich heroisch geopfert hat, um den Rückzug der SCs zu decken, ist das demonstrative Zerreißen oder Verbrennen der Charakterkarte ein „Hingucker“, der das Ableben des NSC deutlich unterstreicht. Auch das Übergeben der Charakterkarte eines lang gehassten Nemesis, damit sie von den Spielern gemeinsam zerpflückt werden kann, hat etwas zutiefst Befriedigendes.

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Anwendung

Obwohl ich mich inzwischen in Adobe Indesign und Illustrator zunehmend hineingefuchse, habe ich meine Charakterkarten „oldschool“ in Powerpoint angelegt, was vermutlich die meisten entweder besitzen oder das kostenlose Präsentationstool ihrer Wahl importieren können:

SR-NSCkarte-Blanko

Auf der linken Hälfte der Karte wird das Bild des NSC eingefügt (unter „Bild formatieren“ kannst du das eingefügte Bild vergrößern/verkleinern und beschneiden, um in den Rahmen zu passen – Perfektionisten stellen es dann noch per „Anordnen“-Funktion nach Hinten, um somit hinter dem schwarzen Rahmen zu sein).

Auf der rechten Seite werden die Werte eingetragen. Ich persönlich trage dabei immer bereits die fertigen Pools aus Attribut + Fertigkeit ein, um auf einen Blick sehen zu können, wieviele Würfel ich werfen muss. Bei Zaubern und spezieller (nicht alltäglicher) Ausrüstung notiere ich mir auch gern die wichtigsten Regeln oder mindestens die Stelle im Regelbuch, wo ich sie nachschlagen kann.

Fertig ausgefüllt, druckst du die Karte auf A4 aus und faltest sie auf die Hälfte (Perfektionisten schneiden noch die weißen Ränder ab und laminieren sie, aber wie du am Bild oben sehen kannst, habe ich nichtmal einen Farbdrucker und lebe auch noch).

Hast du nur einen S/W-Drucker oder hat dein Drucker ein echt mieses Druckbild, kannst du das verwendete Charakterbild auch auf dein Tablet oder dein Smartphone speichern, um es (z.B. bei erstmaliger Begegnung mit dem NSC) in voller farblicher Pracht zu zeigen.

Einige Beispiele für NSC-Karten:

Bildschirmfoto 2020-02-16 um 21.32.23

PDF-Download: SR-NSCkarte-Fletscher

Bildschirmfoto 2020-02-16 um 21.32.10

PDF-Download: SR-NSCkarte-LeilaTalabani

Bildschirmfoto 2020-02-16 um 21.31.59

PDF-Download: SR-NSCkarte-Schlips

Eine letzte Bitte

Wenn ihr Karten privat für eure Runde erstellt, könnt ihr natürlich an Bildern verwenden, was ihr wollt. Solltet ihr aber Charakterkarten in Foren oder auf eurer Webseite teilen – auch wenn das nonprofit ist – dann fügt bitte den Namen des Künstlers hinzu. Auch, wenn ihr danach suchen müsst (so wie ich heute nach dem beschämend genialen SU JIAN, dessen Bild ich seit Jahren für Leila verwende und den ich erst durch einige Suche fand (das Bild mit schwarzer Augenschminke kursiert auf Pinterest, wo ich es auch einst gefunden habe – tatsächlich sieht das Bild aber so aus (war mir bis heute auch unbekannt)).

Die Powerpoint-Kartenvorlage könnt ihr natürlich völlig frei verwenden, auch ohne Link zu mir oder dieser Webseite. Have fun.

Und wenn ihr mir eure Berliner NSC-Charakterkarten senden wollt, würde ich mich darüber sehr freuen (mindestens als SL für meine eigene Runde, je nach Zustrom lege ich aber auch gerne einen kontinuierlich aktualisierten Blogpost mit den gesammelten NSCs aller SRB-Fans an).

Schattenload 02.2020

Schattenload 01.2020

Connection: Schlips

Der Schieber mit dem Namen Schlips ist bereits in SR-Publikationen aufgetaucht (Datapuls:ADL, S.123, und Berlin 2080, S.166). Tatsächlich basiert der Shadowrun-Charakter auf dem gleichnamigen Stammfixer und seinen Club „Purgatory“ in meiner alten Cyberpunk 2.0.2.0.-Runde (ein Fragment HIER).

Hier nun Details zu diesem interessanten Auftraggeber, Vermittler, Dealmaker, Betrüger und Überlebenskünstler aus Berlins Norden. In kommenden Posts werden euch auch sein Club „Fegefeuer“ genauer vorgestellt sowie ein Schrapnell (Mini-Abenteuer) rund um ihn und seine Geschäfte präsentiert. Viel Spaß damit!    

Prolog

Freistadt Berlin, Mitte Dezember.

Die Nachricht kommt kurz vor Mittag. Sie ist von Schlips, einem Schieber aus Pankow. Sie ist kurz und lautet: “Treffen Fegefeuer übermorgen 1600. Kleiner Job, 1 Abend, LoRisk, 500 Jetts oder IOU”.

Du lehnst dich zurück. Hörst dem monotonen Prasseln des Regens auf dem Synthplast der Scheiben zu. Es regnet seit Tagen. Keine Spur von Weißer Weihnacht.

Irgendwo kreischt ein Kuznechik in den Häuserschluchten, während du dir eine selbsterhitzende Dose Soykaf aufreißt und den Wetterbericht aus der Matrix ziehst. Keine Wetteränderung in Sicht. Egal was der “kleine Job” umfassen soll, egal ob Dauerregen ein guter Vorteil sein kann, es bedeutet Arbeit in der säurekalten Nässe, für lausige 500 in Casinochips. Oder einen I-Owe-You. einen Gegengefallen.

Aber: Es ist das erste Mal, dass Schlips dir einen Job anträgt. Vielleicht Zeit, Küsschen zu geben. Eine Möglichkeit, positiv in Erinnerung zu bleiben. Für nächstes Mal, wenn es vielleicht was Größeres gibt.

Du kennst Schlips nicht besonders gut, aber wenn deine Instinkte noch nicht völlig tot sind, verspricht er ein ganz guter Kontakt zu sein. Ein Berliner Mischblut, heißt es auf der Straße. Gut, denn das bedeutet, dass an ihm nicht noch verborgene Verpflichtungen gegen den Familienclan oder irgendein obskures Syndikat aus seinem Heimatland hängen. Schlecht, denn Bastarde sind in den Augen der abstammungsbewussten Verbrechensgruppen, von denen es in Berlin mehr als zu viele gibt, entbehrlich. Und gerne das Opfer eines Job of no Return.

Schlips’ Operation ist übersichtlich. Ein weiteres dickes Plus. Ein kleiner Club in der ehemaligen Vier-Evangelisten-Kirche in Pankow nördlich des Dreamlands, ein paar Lagerhäuser etwa sechs Klicks weiter nördlich, ein wohl ganz gut laufendes Schieber-Geschäft in halb- und illegaler Hardware und Entertainment-Chips, etwas Schmuggel über die Spreeratten, ein paar Connections im Berliner Medien-Biz, etwas Muskel-Backup durch die Hellions, in deren Turf sein Club “Fegefeuer” liegt.

Ein straighter Fixer, keine bekannte Rep als Abzocker oder Verschaukler, dessen größter Haken sein geringes Standing ist. Das bedeutet kleinere Jobs mit weniger Kohle als bei Bigshots wie dem Holländer oder auch einem Urgestein wie Batsche. Immerhin: Schlips ist schon seit ein paar Jahren in Big B aktiv und keiner dieser Totalnoobs, die auftauchen, 1W6 Jobs raushauen und beim ersten Anzeichen von Erfolg vom freundlichen Hai aus der Nachbarschaft gefressen werden.

Er entwickelt sich langsam, aber stetig. Gesichert. Kein Hotshot. PLUS!

Genau wegen seinem geringen Standing hatte Schlips dich angesprochen. Dein Weg hatte dich vor einiger Zeit ins Fegefeuer geführt, und wie üblich hast du bei den mehr oder weniger belanglosen Bar-Talks fallen lassen, dass du auf der Suche nach “freien Nebeneinkünften” seist. Deine nur leicht übertriebene Story deiner Erfahrungen und Kompetenzen hatte den zwergischen Barkeeper aufhorchen lassen, und wenig später bahnte sich dieser schmal gebaute Norm mit der leuchtend roten Vidflash-Krawatte seinen Weg zu dir. Ihr kamt ins Quatschen – zunächst an der Theke, dann kurz in der Sakristei, Schlips Büro, und man beschloss, in Kontakt zu bleiben.

Wie sich die Sache darstellte, kamen ab und an Leute auf Schlips zu mit Anfragen, ob er Leute kennen würde, die bei dieser oder jener Sache behilflich sein könnten.

Hatte er bisher derartige Kunden an andere ihm bekannte Schieber weitergereicht – gegen “Vermittlungsgebühr” – wollte er nun auch ein Stück des Kuchens haben und suchte deshalb Leute, die willens und in der Lage wären, quasi auf Zurufbasis Jobs zu erledigen.

Was, das könne er noch nicht sagen, er würde eben, wenn etwas reinkäme, durchpiepsen, und dann würde man eben kommen oder es bleiben lassen, und notfalls müsse er dann eben den Job doch wieder weitergeben, wenn er niemanden an der Hand hätte, der die Sache übernehmen könne.

Nun also die erste Nachricht. Hundert. Verdammt wenig, selbst für einen kurzen Job, aber besser als nichts, und im Zweifelsfall als “Werbungskosten” verbuchbar.
Umgekehrt: Verkauft man sich unter Wert, wenn man auf so eine Offerte reagiert?

Kriegt man dann auch in Zukunft nur die Molle-und-Korn-Jobs rüber geschoben, unterdessen andere Kontakte von Schlips sich jetzt schlau zurückhalten, um gleich klarzustellen, dass bei denen die Talks erst ab 5K beginnen?

Der Soykaf ist alle, die Dose fliegt aus dem Fenster ins Rauschen des Regens, während du noch immer grübelnd das Trid anklickst. Nur nicht zu eager sein. Schlips würde deine Antwort schon bekommen. Vielleicht würdest du sogar hingehen und dir mal anhören, worum es geht.

Vielleicht würdest du klar machen, FALLS du annimmst, dass das nur ein Freundschaftsdienst quasi als Einstand in eine für beide Seiten fruchtvolle Geschäftsbeziehung wäre.

Schließlich: Was würde in deinem Terminplan für die nächsten Tage schon Wichtigeres drinstehen?

Prolog 2

Freistadt Berlin, Irgendwann.

Das Wegwerf-Handy spielt einen Aztechnology-Werbejingle als Klingelton.

Diese kleinen Dinger nerven, sind aber praktisch, um seine Datenfährte im Globalen Dorf zu tarnen. Außerdem sind sie aktuell eine kostenlose Zugabe zum in deinem Soyreal. Man nimmt sie aus den Flocken, registriert sie durch Anschalten am Hostserver, sie laufen ihre 7 Tage ab und das festinstallierte Chip-Account wird wieder gelöscht. Länger halten die festinstallierten Batterien eh nicht.

MJAM MJAM RIEGEL – schmecken so lecker
MJAM MJAM RIEGEL – für Geschmacksentdecker
MJAM MJAM RIEGEL – kalt oder heiß im Nu
MJAM MJAM RIEGEL – lecker in Schwein und auch in …

“Ja?”

“Fischer.”

Du verziehst das Gesicht säuerlich. Wenn Schlips’ Schlagetot Fischer anruft, handelt es sich um eine Sache, die deinem Schieber Schlips zu unwichtig ist, um sich persönlich damit zu beschäftigen. Oder er will diesen Eindruck erwecken, um den Preis zu drücken.

“Und?”

“Schlips will dich sehen”

Als ob du das nicht wüsstest. Aber du bist nicht Schlips’ Bitch, sondern ein Business-Kontakt. Und je eher Fischer das schnallt, desto besser.

“Schön für ihn. Und warum sollte ich IHN sehen wollen?”

“Job.”

Wärst du ein Newbie in Schlips’ Set, würdest du denken, dass Fischer doof ist. So aber weißt du, dass der Troll dich nerven will. Warum allerdings, ist dir nicht ganz klar. Vermutlich geht es dich auch nichts an. Aber du bist nicht Fischers Fußmatte.

“Reden wir von einem Job, also von Geld für Arbeit, oder wird das wieder eins von Schlips ‘Gefälligkeiten’-Dingern? So von wegen ich arbeite, und er verspricht dafür, wieder an mich zu denken, wenn er den nächsten Job für lau hat?”

Einundzwanzig, zweiundzwanzig, zu lange Zögern. Es IST eins von diesen Gefälligkeits-Dingern. Verdammt.

“Hör zu, Fisch, sag Schlips, er kann mich durch seine Chabos anrufen lassen, wenn er nen JOB für mich hat. Wenn er was Freundschaftliches zu bereden hat, dann soll er mich verdammt noch eins SELBST anrufen.” Und klick.

Der Rückruf kommt rund zwei Stunden später. Schlips hat sich Zeit gelassen, um nicht zu drängend zu wirken. Eile treibt den Preis hoch.

“Ja?”

“Hier ist Schlips.”

“Ah, der Herr persönlich.”

“Tak, sorry, Habibi.” (Er entschuldigt sich. Mein Gott! Es muss wichtig sein)

“Wh’zup?”

“Hör zu, ich könnte Hilfe gebrauchen.”

“Um was geht’s?”

“Schnüffeljob. Nichts Großes.”

“Details?”

“Wenn du hier bist.”

“Ne kadar?”

“Kann ich noch nicht sagen. Ich hab ein paar Jungs an der Hand, die den letzten Job für mich erledigt haben. Die werden von mir erstmal bevorzugt geheuert. Und auch bezahlt, was das angeht.”

“Da Drek? Was soll das?”

“HEY! Ich hab dich beim letzten Mal auch angepingt, aber du hattest keine Zeit. Well, das ist kewl. Du arbeitest Freelance. Aber DIE hatten Zeit, und DIE haben gezeigt dass sie was können, und deshalb haben DIE jetzt erstmal Kredit bei mir. Komm vorbei, klink dich ein, zeig mir, dass du auch was drauf hast, und du bist beim nächsten Mal ebenfalls bevorzugt dabei, so ka?”

“…”

“Hör zu, ich hab keine Zeit für dein Bitchin’, Walla. Sei morgen im Purgatory, 1800, oder lass es eben.”

Schlips

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Schlips ist Berliner und kennt seine Stadt. Als Mischblut aus einem unidentifizierbaren Mix diverser Ethnien könnte er in der Masse bequem untergehen, aber das ist nicht sein Style: Stattdessen setzt er mit dunkler Kleidung und roter Leuchtkrawatte ein klares Zeichen (bis er verduften muss und den Schlips ausschaltet, natürlich).

Bevor er ein Leben in selbstorganisierter Kriminalität begann, arbeitete Schlips einige seiner jungen Jahre im Medienbiz der Stadt: Er scoutete Locations, organisierte Drehgenehmigungen und Security bei den örtlichen Kiezen und Gangs, vermittelte Sternchen und Charaktertypen ebenso wie peinlichen Sozialversagern passende Auftritte in Tridproduktionen und verdealte unter der schwarz gezogene Kopien von Outtakes und Schnittmaterial für Hardcore-Fans und Vlogger.

Diese Nebentätigkeit brachte ihn in Trouble und schließlich in direkten Kontakt zu Martin Hajek, einem Sachbearbeiter in der Abteilung Urheberrechtsschutz der DeMeKo. Zum Glück für Schlips hatte der Konzernhai Hajek größere Fische als Schlips zu fangen und hatte genau zu diesem Zweck Bedarf an einem abstreitbaren Ermittler mit Kontakten in die Raubkopierer- und Sendepiratenszene.

Am Ende wuchs aus dem „ich lass dich nicht in der Havel ertränken, dafür hilfst du mir bei dieser Sache“-Deal eine längerfristige, für beide Seiten extrem lohnende Zusammenarbeit. Hayek fiel auch mit Schlips‘ Hilfe die Karriereleiter hinauf und bedankte sich umgekehrt mit solider Bezahlung, die Schlips den Aufbau seines Clubs „Fegefeuer“ in der aufgegebenen Vier-Evangelisten-Kirche in Pankow ermöglichte.

Heute betreibt Schlips seinen Club mit einigem Erfolg und gilt als zuverlässiger Tipp für Medienkonzerner, wenn es darum geht Dinge außerhalb offizieller Kanäle zu organisieren. Schlips hat einige, überwiegend kleinere Runnercrews an der Hand. Was diesen an Feingefühl oder Erfahrung im Medienbiz fehlt, gleicht Schlips durch seine Szenekenntnisse aus. Außerdem spielt er auf lange Sicht und hat demzufolge kein Interesse daran, Teams sinnlos zu verheizen und damit die Reputation seiner Vermittlungsarbeit zu beschädigen. In beiderlei Richtung.

Neben dem kleinen Nachtclub und seinem Vermittlerbiz operiert Schlips zudem im Bereich Schmuggel und Schwarzmarkt. Was mit ein paar Lagerhäusern zum verschieben von Abfallprodukten seiner Schattenoperationen begann (eine vom Laster gefallene Kamera hier, eine Kiste im Mainstreammarkt nicht mehr verwertbarer Pornflicks da) entwickelte sich zu einem soliden Geschäft, durch das einige seiner Medienkonzerner-Kontakte veraltete (angeblich bei Drehs kaputtgegangene) Tech verwerten (lassen), um dann „nötige“ Neuanschaffungen von aktueller Toptechnologie zu beantragen. Seine Kontakte ermöglichen es ihm umgekehrt, Kunden mit sehr speziellem Tech-Bedarf zu bedienen, und das zunehmend auch außerhalb des Medienbereichs.

Dass Schlips angeblich auch Kontakte zu Evo, Horizon, der AGC und anderen Big Playern hat, ist zwar nicht falsch, aber eher das Ergebnis von Schlips‘ Investitionen in seinen Ruf: Immer wieder beauftragt er etwa Runner mit Schreibrecht auf Arachnet und Panoptikum, seinen Namen und seine guten Connections zu erwähnen.

Schlips arbeitet von seinem Club aus, wo er entweder oben auf der früheren Orgel-Empore thronend mit guten Freunden oder in seinem Büro in der Sakristei anzutreffen ist. Tatsächlich wohnt er auch in der Kirche, nämlich in den darunter liegenden Räumen.

Schlips – Schieber und Low Level Crimeboss [SR6]

Als Connection: Einflussstufe 3

Beschreibung: Ein gutaussehender, junger Norm mit zurückgegeltem Undercut und mehreren Piercings. Schlips bevorzugt unifarbenen À-la-Page-Look mit schwarzen und anthrazitfarbene Hemden zu einem gleichfarbigen Actioneer-Geschäftsanzug. Dazu trägt er Halbschuhe mit einer massiven Sohle, die eher wie Kampfstiefel wirken.

Attribute: K3 G5(6) R4(6) S2 W4 L3 I5 C5 EDG4 ESS3,1

Initiative: 11 + 3W6

Handlungen: 1 Haupt, 4 Neben

Zustandsmonitor (K/B): 10/10

Verteidigungswert: 5

Vorteile: Analytischer Geist, Erster Eindruck, Fotografisches Gedächtnis, Vertrautes Terrain (Fegefeuer-Kiez)

Nachteile: Abhängigkeit (Nic-Sticks, Stufe 3), Simsinn-Desorientierung

Aktionsfertigkeiten: Athletik 2 (Parkour +2), Einfluss 5 (Verhandeln +2), Feuerwaffen 4 (Pistolen +2), Nahkampf 2, Überreden 7 (Beschwatzen +2), Wahrnehmung 3 (Sehen +2)

Wissensfertigkeiten: Berliner Syndikate, Medienwirtschaft, Berliner Konzernpolitik

Sprachfertigkeiten: Berliner Gossensprache M, Hochdeutsch 3, Englisch 3, Tschechisch 2, Arabisch 1, Japanisch 1, Russisch 1

Bodytech: Datenbuchse, Maßgeschneiderte Pheromone [Stufe 3], Reflexbooster [Stufe 2], Smartlink, Thrombozytenfabrik

Ausrüstung: Actioneer Geschäftsanzug [+2], Gefütterter Mantel [+3], Atemschutzmaske [Stufe 4], Gefälschte SIN [Stufe 3; Lizenzen: Cyberware, Führerschein, verborgenes Tragen], Kommlink [Transys Avalon, Gerätestufe 6, AR-Handschuhe, Subvokales Mikrofon, Trideoprojektor], Kontaktlinsen [Kapazität 3; Bildverbindung, Blitzkompensation, Infrarotsicht], Magnetkarten-Kopierer, Ohrstöpsel [Kapazität 3; Audioverbesserung, RFID-Löscher, Selektiver Geräuschfilter 2], Tarnholster, Wanzenscanner, White Noise Generator [Stufe 6], Zielgerichteter Störsender [Stufe 6]

Waffen: 

  • Schockhandschuh [Waffenlos | Schaden 4B(e) | Angriffswerte 5/-/-/-/-]
  • Sorokin Predator I [Schwere Pistole | 3K | EM | 10/9/8/-/- | 15(s)] (siehe Berlin2080)
  • HaKa MP2 [Maschinenpistole | 3K | HM/SM | 8/8/7/-/- | 24(s)] (siehe Berlin2080)

Connections:

  • Martin Hajek (E6/L4) – Bereichsleiter Urheberrechtsschutz der DeMeKo Berlin, ein enger Mitarbeiter Björn Taubes und der führende Exec im Kampf der DeMeKo gegen Raubkopierer und Piratensender, die DeMeKo-Filme, -Shows und -Musik streamen ohne dafür zu bezahlen
  • Tanja Cattarius (E3/L3) – Sekretärin mit eigenen Karriere-Ambitionen im Evo-Konzern.
  • Tarot (E2/L4) – Erwachte elfische Chefin der Hellions-Gang, die im Fegefeuer die Security macht und das nähere Umfeld kontrolliert.
  • Styx & Stones (E1/L3) – Zwergen-Zwillinge, die sich den Job als Barchef im Fegefeuer teilen (jeder 8 Stunden täglich).
  • Fischer (E2/L4) – Schlips‘ Troll für’s Grobe und sein Bodyguard, einstiger Streifencop.

Lebensstil: Mittelschicht (1 Monat bezahlt)

Nutzungsmöglichkeiten: Auch für das Schlips-Lebensgefühl empfiehlt es sich, einige Stunden Grand Theft Auto V gespielt zu haben. Speziell Missionen im Planungsraum des eigenen Appartments, Jobs für Motorradclubs und natürlich das Management des eigenen Nachtclubs. Schlips ist ständig auf der Suche nach neuen Runnertalenten, denen er zunächst Aufträge wachsender Komplexität zuschanzt, ehe er die Crew dann direkt für eines seiner eigenen „dicken Dinger“ einsetzt. Zudem vergibt er Low-Risk-Alltagsjobs des Fegefeuers und der umgebenden Nachbarschaft gern an Anfängerteams, um „verborgene Goldnuggets aus dem Straßenschlamm zu sieben“.

Megaload 12.2019

Ein fettes Teil zum Jahresabschluss! Mit Zufallstabellen für Weihnachten in Berlin, einer neuen Location (Café Goldstein in Pankow am Rand des Dreamlands), zwei Drohnen (BSR Müllsammeldrohne und Sony Versatile Anthropromorphe Drohne mit SR6-Werten), Weihnachtsanzeigen und einem umfassenden Artikel über die Neo-Nomaden der Rollheimer. Ho, Ho, Ho!

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Kassandra und die gesichtslose Stadt

SLDas Thema Gesichtserkennung wurde hier auf Shadowrunberlin.de schon einmal behandelt, „damals“ noch unter dem Gesichtspunkt der SR5-Regeln. Mit dem Quellenbuch „Berlin 2080“ wurde eine Initiative einiger Konzerne plus natürlich der BERVAG eingeführt, den öffentlichen Raum in Berlin schärfer zu überwachen [#berlin2080 „Kassandra“, S.8 und S.121]. Das Folgende ist ein Vorschlag, wie Kassandra und der Kampf gegen den Überwachungsstaat regeltechnisch in Shadowrun 6 umgesetzt werden kann. Als solches ist es ein Vorschlag für eine Hausregel. 

Die VolksSIN-Einführung hat den Bestand biometrischer Bürgerdaten unter Kontrolle der BERVAG explodieren lassen. Vor allem MSI und Messerschmidt-Kawasaki drängen seit Langem darauf, die Macht dieser Daten zur Terrorabwehr und gegen die Sprawlguerilla zu nutzen. Nach intensivem Lobbying und Schattenoperationen konnten wichtige Entscheidungsträger im Ratsausschuss für Öffentliche Dienste dazu gebracht werden, die entsprechende Initiative voranzutreiben. Um ein weiteres Scheitern im Berliner Rat zu vermeiden, ging man direkt über die BERVAG: Man gewann Polizeidirektor Yilmaz Wojenko (PsiAid) und Verkehrsdirektorin Aiko Kuizumi (Renraku) als Unterstützer der Sache, die wiederum Generaldirektor und Bürgermeister Dr. Paul Zöller von der Notwendigkeit einer verbesserten Terrorabwehr überzeugten.

Das im Aufbau begriffene KASSANDRA-System ist kein neues Überwachungsnetz in dem Sinne, dass dafür neue Kameras aufgestellt werden müssten (obwohl auch das eine der angestrebten Maßnahmen ist). Vielmehr geht es darum, die BERVAG-Daten über Volks- und kriminelle SINs mit großen, bestehenden Kameranetzen (wie Renrakus ALI) und öffentlich zugänglichen Datenbeständen aus Apps und sozialen Netzwerken (wie iProtect (MSI/Aktion Berliner Zukunft) und MOMO (DeMeKo)) zusammenbringen. Per VolksSIN oder Fahndungsfotos erfasste Gesichter könnten dann sowohl online als auch in der realen Welt gesucht und die Bewegungen von Gefährdern besser verfolgt werden. Inklusive deren Nähe zu einem Tatort.

Genau dieses Szenario haben Anarchisten, Alternative und viele Berliner Piratensender seit Langem erwartet. Warnungen vor der kommenden Überwachungsmatrix Mitte der 2070er und Leaks zu angeblichen Geheimplänen für eine Vollüberwachung Berlins sind der ursprüngliche Impuls sowohl für die Berliner Gesichtsverschleierung z.B. durch Jynx-Schminke [#berlin2080 S.21, Beispiele HIER] als auch für die Abdeckung zahlreicher Straßenzüge mit Planen und Gerüsten.

Aktuell befindet sich KASSANDRA auf einigen Systemen im Testlauf. Offiziell dürfen die Erkenntnisse des Systems nicht für Verfolgung und Verhaftung genutzt werden – dafür ist außerhalb der Anlagen und Gebiete von MK, MSI, EMC und etwaiger weiterer aktiver Unterstützer die Zustimmung des Berliner Rates oder eine direkte Anordnung des BERVAG-Generaldirektors Dr. Zöller erforderlich.

Natürlich weißt du selbst als Spielleiter am Besten, ob der aktuelle Konzerngegner deiner Runner Zugriff auf KASSANDRA-Gesichtserkennung besitzt und ob er diese Daten ggf. auch widerrechtlich benutzen würde. Zur Überprüfung, ob KASSANDRA ein Gesicht korrekt erkennt und ggf. von einer Kamera zur nächsten verfolgen kann, würfle für KASSANDRA 2, innerhalb von MK- und MSI-Anlagen 4 Würfel und addiere Würfel in Höhe des Sensorwerts der verwendeten Kamera oder Drohne dazu (typische Verkehrskameras in Berlin haben Geräte- = Sensorstufe 1–2, Sicherheitskameras meist 3–4). Dann mach einen einfachen Test:

Situation / Schwellenwert
Basiswert (Ziel ahnungslos und ungetarnt) 2
Ziel bewegt sich in einer dichten Menschenmenge +1
Ziel weicht Kameras aktiv aus und wendet sich ab +1
Ziel hat seit dem letzten Kontakt das Aussehen/Kleidung geändert +1
Ziel verwendet modische, ID-verschleiernde (Jynx) Gesichtsschminke +2
Gesicht des Ziels teilweise verhüllt (Mütze, Clochette, Schal, Atemfilter) +1
Gesicht des Ziels völlig verhüllt (Burka oder Hassmaske mit Brille, geschlossener Integralhelm, Mütze plus Brille und Filtermaske) +4*

*Ist das Gesicht vollständig verborgen, kann KASSANDRA den Gesuchten dennoch anhand seines Gangs identifizieren, aber nur dann, wenn eine Bewegtbildaufnahme des Gesuchten zur Verfügung steht.

Verwendet das Ziel Schminke und Maskierungen, kannst du stattdessen auch eine vergleichende Probe gegen Heimlichkeit + Charisma durchführen und den Charakter aufgrund begünstigender Faktoren aus der obigen Liste als im Vorteil bewerten (1 bis 2 Edge, das für die Probe verbraucht werden muss oder verfällt).

In allen Fällen gilt, dass KASSANDRA das gesuchte Ziel umso besser identifiziert und weiterverfolgt, je mehr (Netto-)Erfolge erzielt wurden.

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