Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

Schlagwort-Archiv: sr5

Sürpriz, Sürpriz! Die Berlinwahl 2081

DER TAG DER BUCHMACHER: SO WILD WAR DIE WAHL-WETTE 2081.

[07.10.2081] Hi. Ihr habt keine Bildstörung. Ich bins. Eure geliebte Medienhurenkönigin Nakaira. Denn DIESE Wahl zu kommentieren, das wollt ich mir nicht nehmen lassen.

Dass die Wahl am 2081 ick sach ma „inshallah special mit scharfe Soß“ würde, ließ sich schon an den B1L-Headlines der vergangenen Jahre ablesen:

Auf das Superwahljahr 2078 mit Bundes- und Berlinwahl III plus Spandauer Schicksalsfrage folgten zwei Jahre des komatösen Stillstands, zumindest was Wechsel auf den wettträchtigen Stühlen des Berliner Rates angeht. Wer in Berliner Manier auf Chaos und Außenseiter setzte hatte das Nachsehen, konzernsozialisierte Wessi-Wettpussies des „Weiter so“ triumphierten (falls man das beim Wetten auf den haushohen Favoriten so nennen kann; genießt eure 60 Cent Gewinn bei eurer 8.000-Euro-Wette auf Landolts Wieder“wahl“).

Die Folge: Eine derbe Rezession für die Berliner Wettwirtschaft (okay, nur was das Produkt „Wahlwette“ angeht) und eine Wahlbeteiligung im Geier-Sturzflug. „Alles bleibt, wie es ist“ hätte die deprimierendste Hymne der Berliner Nation werden können – nun, bis eben jetzt, 2081.

Ob es – wie die intellektüllen Politfölletonisten der DeMeKo schreiben – daran lag, dass sich der Grö1BaZ Zöller erstmals seit Amtsantritt der Gunst der Berliner stellen musste oder – weit wahrscheinlicher – es die neu geschaffene Möglichkeit gab, on- wie offline zusammen mit der Stimmabgabe eine Wette bei Vesuv bzw. Caldera platzieren zu können: Die Wahl- und Wettbeteiligung explodierte am 05.10.2081 förmlich.

> Und das bei dem Mistwetter. Tobias hat uns den vollen Strahl ins Gesicht gespritzt.
> Konnopke

> You may want to rephrase that. Er meint das Sturmtief „Tobias“. Und er meint REGEN.
> Fienchen

> Ich persönlich glaube, der Hauptfaktor für die gestiegene Wettlaune war einfach der Fact, dass es zuletzt bei der Wahlperiode III so richtig abging in Berlin. JEDER hoffte, dass es diesmal wieder so sein würde, und es gab ja auch im Vorfeld schon seismographische Vorwarnungen, dass in dem einen oder anderen Dreierbezirk ein Erdbeben bevorstehen würde. Wenn man das Ohr halt auf der Straße hat. Oder wenn man Sender 44 verfolgt, um für den eigenen Konzernsender hemmungslos Content zu klauen.
> Penny D

AGC SIEMENSSTADT

Auf AGC Siemensstadt – den einzigen Konzernsektor in der Wahlperiode III – hatte die gestiegene Wahlbeteiligung natürlich keine Auswirkung: Schon früh am Sonntag verkündete Müller Schlüter Infotech das „Wahl“ergebnis und sorgte damit für das erste Highlight des Tages:

Nicht gänzlich überraschend, aber letztlich doch unerwartet informierte der Großkonzern darüber, dass Firmenchef Dr. Robert Schlüter jun. den Bezirk zukünftig nicht mehr persönlich vertreten werde. Laut offiziellem Statement reagiert Schlüter damit auf die im September gefällte „fatale und rückwärts gewandte“ Entscheidung des Rates, Bezirksvertreter zu einer „Mindestanwesenheitsquote“ bei Ratssitzungen zu zwingen. Der Rat setze damit eine „fatale Politik“ fort, welche „im Wirtschaftsleben stehende Experten“ zugunsten derjenigen verdränge, deren „einzige Werktagsperspektive“ mangels produktiver Arbeit in „sachgrundloser Agitation und kenntnisloser Selbstdarstellung“ im Berliner Rat bestehe.

 > Zoff um die geringe Anwesenheit speziell einiger Konzernvertreter gab es schon immer. Manchmal gingen die Abwesenden damit einem womöglich imageschädigenden Diskurs aus dem Weg, zuweilen wollte man so auch Entscheide blockieren, und generell hielten manche Konzerner es für unter ihrer Würde, das Geschrei und die „unflätigen Anwürfe“ der Alternativen in der Berliner Abgeordnetenversammlung (BAV) ertragen zu müssen. Schlüter war der König darin, sich mit anderweitigen Verpflichtungen zu entschuldigen und irgendwelche Hiwis ohne Entscheidungskompetenz in die BAV zu schicken.
 > Fienchen

 > Die Diskussion um eine Mindestanwesenheit oder auch das Recht der „Baff“ (BAV), einen Vertreter im Bedarfsfall vor die Versammlung zu befehlen, läuft schon seit Ichiro Koizumis monatelanger Abwesenheit 2073 [#berlin]. Mit dem Skandal um Sofia Nordins dreckigen Gebietsdeal im Herbst 2080 [#berlin2080] hat die Diskussion aber gehörig Fahrt aufgenommen: Unter dem Eindruck von hohen Kopfgeldern und einem förmlichen Todesdrohungs-Tornado in den Feeds und Beeps der Stadt hat Nordin seitdem an keiner Versammlung der Bezirksvertreter mehr teilgenommen. Versuche der Reinickendorfer Fraktionen, sie zu entmachten, scheiterten am Entscheid der Berliner Gerichte und unter Berufung auf die Gewissensfreiheit der Bezirksvertreter laut Berliner Verfassung. Die neue Regelung zwingt Nordin dazu, innerhalb der nächsten drei Monate entweder persönlich vor der Baff zu erscheinen oder zurückzutreten, woraufhin dann die Reinickendorfer Bezirksversammlung einen neuen Vertreter bestimmen darf. Die Kopfgeldjäger fighten angeblich schon um die besten Sniper Spots auf dem Weg zum Ratsgebäude.
 > Konnopke

 > Die Jagd auf Nordins Kopf läuft weiter. Neben Pay winken vor allem Prestige und Freidrinks in allen Berliner Destillen auf Lebenszeit. Unter den „Nordhuntern“ zirkulieren vor allem zwei mögliche Theorien ihren Aufenthalt betreffend: Nach der einen wurde sie vom III. Bürgermeister Takeshi Ozu über Monate in einem Luxusappartment der Renraku-Arkologie unter Schutzarrest gestellt, soll aber irgendwann im Sommer diskret und unter maximaler Bewachung in Scherings Biotechnologiepark verbracht worden sein, den sie nun ja auch leitet. Die andere Theorie besagt, dass sie über Monate in einer Finka des BGS in Oranienburg versteckt wurde – ebenfalls auf Weisung von Ozu – und sie nach einem Überfall durch Runner im Mai 2081 ganz aus Berlin weggeschafft wurde. Daneben gibt es natürlich unzählige weitere Theorien, von denen ein guter Teil durch Schering oder Ozus Team selbst gestreut worden sein dürfte. Naja, abgesehen von den Gerüchten, nach denen Ozu/Renraku die „gute Frau“ einer kompletten Gehirnwäsche und Neukonditionierung unterzogen oder sie durch einen Renraku-gesteuerten Klon ersetzt haben, freilich. Nach meiner Ansicht wäre es aus Konzerndenke heraus am Wahrscheinlichsten, dass Nordin nach ihrem Verrat am Bezirk einfach heim in ihr BTPB-Loft gefahren ist und Ozu lediglich das verstärkte Sicherheitskonzept von Schering abgenickt plus einen Trupp Rote Samurai abgestellt hat. Als Verstärkung und als Geste, dass ihm seine Pflichten als 3BM wichtig sind.
 > skep.sys

> Hi, skep.sys. Willkommen im Talk. Und ihr anderen: Seid lieb zu ihm! Er ist ein Hackbird!
> .rez

Neue Vertreterin für den Konzernsektor AGC Siemensstadt ist die MSI-Angestellte Dr. Aneta Kovac, laut Wahlmitteilung des Konzerns eine Expertin für Mensch-Maschinen-Kommunikation. Und für die Öffentlichkeit ein völlig unbeschriebenes Blatt.

> Für dich vielleicht. Aneta Kovac hat zwar auch IT mit Schwerpunkt Machine Learning und Mensch-Maschine-Dialog studiert, ihre zwei(!) PhDs hat sie aber in Jura und Risk & Crisis Communication Management bei der Aspen Academy gemacht, einer global operierenden Kaderschmiede für Politik, Public Relations und konzerngesteuerte Volksverdummung. In mir vorliegenden Files von Ökoaktivisten liest sich Kovacs Werdegang wie das Who is Who der Umweltverbrechen: Brennende Ölplattformen, gekenterte Säuretanker, vertuschte Grundwasservergiftungen mit tausenden Krebstoten, sie hat schon so ziemlich alle Drecksäcke gegen den Volkszorn verteidigt. Natürlich hat Dr. Kovac im Laufe der Jahre so ein exzellentes Netzwerk vor allem zu Unternehmen im Bereich Chemie, Nuklear, Ölforderung und -verarbeitung sowie den üblichen Dritte-Welt-Ausbeutern von Fashion bis Akkus aufgebaut. Auch einschlägige Größen der Unternehmensberatung fehlen nicht. 2076 war sie mal sehr kurzzeitig für Neonet tätig, ist aber lange vor Bekanntwerden des Boston-Skandals abgesprungen (die Aktivisten vermuten, dass sie berufsbedingt Einblicke in die Sache und direkt die Flucht ergriffen hat). Seit 2078 ist sie für die MSI-Mutter AG Chemie tätig und war zuletzt für die Vertuschung irgendeines Giftlecks in Wuppertal verantwortlich. Ihre Unterschrift unter dem MSI-Vertrag ist noch nass, und ihre öffentlich verbreitete Vita framed sie als ebenso intelligente wie empathische (IT-)Technikerin, deren berufliches Wirken ganz der Verständigung zwischen technokratischen Entitäten (Robotern, KIs, aber auch Unternehmen und anderen Körperschaften) und dem einzelnen Bürger dient.
> Penny D

> Wie kann jemand, der in der Öffentlichkeit steht, sein Wirken verschleiern und sich scheinbar immer wieder neu erfinden? Ich finde in der öffentlichen Suche NICHTS von ihrem Wirken für Umweltverbrecher.
> Konnopke

> Die öffentliche Matrix gehört den Kons. Welche Statements und Berichte Kovac für wen verfasst hat oder an welcher Strategie zur Vertuschung sie mitgewirkt hat, wird ja nicht verlinkt. Namentlich genannt wird entweder nur der vor den Kameras stehende Sprecher – das war sie nur in seltenen Fällen, und niemals bei unrettbaren PR-Desastern – oder eben „die PR-Abteilung“. Da sie in den meisten Fällen als externe Beraterin oder „Strategic Communication Expert“ tätig war (niemals als „Head of“ irgendwas), taucht sie dort nicht auf, selbst wenn man nach „dem Verantwortlichen“ für das Treiben der PR-Abteilung sucht.
> .rez

> Nunja, aber als Bezirksvertreterin für AGC Siemensstadt steht sie ja nunmal in der Öffentlichkeit. Das wird sie ja zukünftig kaum vertuschen können.
> Konnopke

> Stimmt. Es deutet vieles darauf hin, dass Kovac ihre Karriere neu ausgerichtet hat: Nach Jahrzehnten mit wechselnden Auftraggebern, an wechselnden Orten und immer auf dem Höhepunkt von Krisen ist sie jetzt „fest“ für AGC/MSI in Berlin-Siemensstadt tätig: Ein dynamischer Tötigkeitsort (immer diese Vertipper) und in sich selbst eine nie endende Krise, dessen Kommunikation und Wahrnehmung sie strategisch gestalten und nuanciert in neue Bahnen lenken kann. Aus ihrer Perspektive muss das eine spannende Herausforderung sein, die noch dazu mehr Gestaltungsmöglichkeiten, Ansehen und vermutlich Gehalt bei weit weniger (Reise-)Stress bedeutet.
> Penny D

> Laut offizieller Vita wurde Kovac 2047 in Prag geboren. In gewissen Ecken der Matrix kursieren aber Gerüchte, dass sie in Sokolov (Falkenau) geboren wurde, und das deutlich früher (2023 und 2008 werden öfters genannt, referenzieren aber womöglich andere Personen desselben Namens). Bestätigen können wird man das angesichts der Crashs und dem Chaos im Konzil Marienbad zur damaligen Zeit wohl nie, und letztlich ist’s ja auch Wurscht ob sie eine kosmetisch volloptimierte Mittdreißigerin oder eine kosmetisch volloptimierte Leónisierte ist. Ich wollt’s nur gesagt haben.
> skep.sys

> Ich find’s interessant zu bedenken, dass sie nach einer langen Karriere kurzfristiger Gigs zuletzt ein paar Jahre fest bei der AG Chemie gearbeitet hat. Jetzt tritt sie aber als MSI-Angestellte auf. Natürlich macht es ihre Arbeit leichter, wenn sie gegenüber Kameras und in der BAV im MSI-Dress statt mit dem verhassten AGC-Pin auftritt, aber meint ihr, dass Schlüters rascher Rückzug und die Entsendung einer PR-Frau des Mutterkonzerns auch auf Stress oder Umstrukturierungen zwischen den beiden „Partnern“ hindeutet?
> .rez

Natürlich hatte kaum jemand auf einen Wechsel an der Spitze von AGC Siemensstadt gewettet. Entsprechend waren die Quoten, und entsprechend dürften sich MSI-Insider plus einige Verwegene schon am Sonntagmorgen eine goldene Nase verdient haben (viele Insider können es natürlich nicht gewesen sein – das wäre beim Platzieren der Wetten und der damit einhergehenden Anpassung der Quoten sofort aufgefallen).

Auf den ersten Schock des Tages folgten Zitterpartien in beinahe allen anderen Bezirken – viele davon durchaus erwartet, einige davon aber auch völlig überraschend.

POTSDAM

Die einzige Ausnahme stellte der Normbezirk Potsdam dar, wo wie erwartet Fabian von Wittich (CVP/Preußenstiftung) als Amtsinhaber und sicher gesetzter Favorit von Beginn an uneinholbar in Führung ging.

Mit gerade 3,8% konnte die zweitstärkste Kandidatin Liberty Zollernschreck von der USPD trotz einer vielbeachteten Guerillakampagne in den sozial abgehängten Bezirksteilen und trotz öffentlicher Unterstützung durch Brandenburgs Ministerpräsident Richard Schinkel nichtmal einen Achtungserfolg erzielen.

> Frühere Umfragen hatten Liberty mit zum Teil über 20% deutlich stärker und sogar „aussichtsreich“ gesehen. Daraufhin beschlossen nacheinander zwölf Lokalgrößen von Babelsberg über Golm bis Bornstedt, ebenfalls ihren Hut in den Ring zu werfen. Dass diese Kandidaten samt ihren Wahlkampagnen tatsächlich schwarz von PSt und CVP finanziert wurden, gilt als offenes Geheimnis – sie geben sich auch keine besondere Mühe, es zu kaschieren.
> Aggi

> Drei Kandidaten haben sogar öffentlich damit geprahlt, ordentlich Geld für ihre Kandidatur bekommen zu haben. Von wem, haben sie unter Verweis auf ihre Verschwiegenheitsvereinbarung zwar nicht gesagt, aber das Augenzwinkern und das „Was denkst du denn, Mäuschen?“ von Marcel Lorenz, dem Dutzende Wohnblocks in Babelsberg gehören, sprechen Bände.
> Penny D

> Divide et Impera.
> .asl

SCHÖNEBERG

Im Normbezirk Schöneberg überraschte Mareike Praschak mit einer fulminanten Rückkehr an die Bezirksspitze. Die Messerschmitt-Kawasaki-Frau und LDFP-Politikerin war durch die Urwahl 2072 zur ersten Vertreterin Schönebergs im frisch geeinten Berlin bestimmt worden, ehe sie den BAV-Sitz 2075 krachend an den CVP-Kandidaten Gregor Thielke verlor. Trotz anhaltender Beschwerden über dessen ineffiziente Bezirksführung und „Unregelmäßigkeiten“ bei der Bezirksabgabe scheiterte Praschak 2078 erneut überdeutlich gegen Thielke, fiel sogar unter ihr Ergebnis 2075 und hinter die erstarkenden Kommunisten im Bezirk zurück.

Die seit Jahren zunehmende Arbeitslosigkeit und der langsam sichtbar werdende Verfall des Bezirks haben nun offenbar das Blatt gewendet:

Zwar konnten die Kommunisten um den Elfen Leonid Genscher ihr Wahlergebnis von 2078 knapp verteidigen, aber Praschaks Versprechen einer „Effizienzoffensive“ in der Bezirksverwaltung und einem von M-K finanzierten „Re:Start Schöneberg“ mit Investitionen in Straßen, Schulen, Versorgungsnetzen, öffentlicher Sicherheit und Förderung lokaler Unternehmen haben gegen Thielkes offenkundigen Unfug vom „Schöneberger Erfolgsmodell“ gesiegt.

> Interessantes Framing. Tatsächlich ist Thielke nicht am Abschwung im Bezirk gescheitert – ist ja nicht so, als würde Berlin auf einer Welle des Aufschwungs reiten, auch wenn die Jubelmedien der DeMeKo behaupten – sondern daran, dass er seine Wahlversprechen nicht gehalten hat. Er trat 2075 als Gegenkandidat zur Praschak an, die als Konzernfrau und LDFP-Politikerin das leibhaftige Feindbild der Willkür und Unterdrückung durch die Berliner Großkonzerne war. Thielke verkaufte sich als Schöneberger Bürger der Mitte und als Vertreter des linken Flügels der CVP, erklärte die soziale Marktwirtschaft nach dem Vorbild der 1970er zu seinem Leitbild. Kaum im Amt, knickte er gegenüber Messerschmitt-Kawasaki ein und ließ sich kaufen. Scheiße, #berlin2080 listet ihn korrekt als engen Buddy der fucking M-K-Einpeitscherin Olga Schoel, der Vertreterin der Berliner Industrie im Rat.
> .krah

> Du hast recht, aber das ist nicht das ganze Bild. M-K ließ es sich nicht nehmen, Mareike Praschak nach ihrer Wahlniederlage zu Thielkes direkter Ansprechpartnerin zu machen. Was immer Thielke von M-K oder den M-K-dominierten Unternehmensverbänden im Bezirk wollte und was immer er verhandelte, musste er mit Praschak klären. Und die ließ ihn am ausgestreckten Arm verhungern: Sie machte zuckersüße Miene zum bösen Spiel, stimmte Vereinbarungen zu, nickte gemeinsame Initiativen von Bezirk und Konzern ab und ließ sich gemeinsam mit Thielke bei Spatenstichen zu Kinderheimen, Schulen, neuen Geschäftsblöcken ablichten. Und dann verhinderte sie, dass irgendeines der Projekte je zum Abschluss kam. Überall herrscht Stillstand, Straßen sind wegen Bauarbeiten gesperrt, auf denen nichts passiert, Baumaterialien treffen „leider“ nicht fristgerecht ein, Gutachten offenbaren Planungsmängel auf Seiten des Bezirks, Kosten explodieren … sie hat auf Thielke gespielt wie auf einer Geige, während der Bezirk abbrannte. Oder zumindest kein Stück vorankam. Schaut euch einfach ihr Gesicht beim ersten B1L-Interview als neue Bezirksabgeordnete an.
> Penny D

> Was ist eigentlich aus Praschaks Ehemann geworden? Ich seh nur grade, dass sie in #berlin Mareike Praschak-Sonneberg genannt wird.
> .asl

> KFS.
> .rez

> Oh. Scheiße. Wünscht man keinem.
> .asl

> Ja.
> .rez

STRAUSBERG

Im einstigen „Industriesektor Ost“ Strausberg galt der Sieg von Amtsinhaberin Doreen Katschmarek (ESP) eigentlich als gesetzt, nachdem ihr langjähriger Widersacher Noel Duval vom Arbeiter-Policlub wenige Wochen zuvor bei einem Raubüberfall durch Junkies tödlich verwundet wurde.

> Nein, Nakaira. Das darf man selbst als DeMeKo-Sellout nicht einfach so stehen lassen. Duval wurde hingemetzelt, um ihn aus dem Rennen zu nehmen. Die Killer waren keine Junkies, sondern Wehrsportler aus Spandau, die richtig Spaß daran hatten, dem Ork Duval vor seinem Tod so viel Schmerz wie möglich zuzufügen. Das Ganze fand ziemlich offen an einer Tanke nahe der A10 im Industriegebiet Neuenhagen statt und sollte eine Warnung an andere Arbeiter darstellen, sich das mit der Kandidatur gut zu überlegen. Und das hat auch bestens funktioniert. Katschmarek mag auf grün machen und in der ESP sein – in Wahrheit ist sie ein eiskalter Machtmensch, der es auf Shiawases Entsorgungsverträge mit Berlin abgesehen hat [#berlin2080] und dem Parteien und Prinzipien völlig egal sind.
> Penny D

> Und metamenschliche Verbundenheit ebenso. Katschmarek ist wie auch ihr Vater Fritz ein Oger und macht dem ohnehin nicht besonders prallen Ruf dieses Typus keine Ehre. Würde morgen die SuperBILD berichten, die Katschmareks hätten Kinder zu Weihnachten gefressen, wäre niemand, der die Katschmareks kennt, sonderlich überrascht.
> .rez

> Ihr Wille zur Macht um jeden Preis wird noch ihr Ende sein. Mark my words. Sie mag glauben, die „dummen Faschos“ gegen die Leute vom Arbeiter-Policlub (meist Linke und viele Metas) zu benutzen. In Wahrheit wird sie benutzt. Wie man an den Ergebnissen bereits sieht. Spätestens 2084 ist Doreen weg – falls sie das Jahr überhaupt noch erlebt.
> Fienchen

> Nunja, sie könnte auch plötzlich der PNE beitreten. Selbst das würde mich bei ihr nicht überraschen, und sie wäre auch nicht das erste ESP-Mitglied, das plötzlich seine glühende Liebe zum Neofaschismus entdeckt.
> Aggi

Tatsächlich war es eine lange Zitterpartie, bis Katschmarek um 21:43 Uhr am Sonntag zur Gewinnerin der Bezirkswahl erklärt wurde. Die Arbeiter hatten zwar durch die vergleichsweise geringe Bekanntheit ihres neuen zwergischen Kandidaten Burak Yildirim einige Einbußen, schnitten aber besser ab als erwartet. Zudem überraschten sowohl die Kommunisten um Marx Molotov (KPD) als auch die Strausberger PNE um Martin Hartmann mit satten Zugewinnen.

> Die PNE hat laut Wahlergebnis bzw. aktuellen Umfragen in allen Berliner Bezirken zugelegt (in einigen mehr, in anderen weniger). Der Grund dafür liegt vor allem in einer erschreckend (sic!) gut gemachten Angstkampagne gegenüber MMVV-Infizierten, welche die Partei quer über alle Kanäle mit gezielten Messages für die jeweilige Teilzielgruppe und Persönlichkeit des Empfängers streut. Laut PNE genügt es den „verbrecherischen ADL-Eliten“ nicht mehr, das deutsche Volk mit Metamenschen zu durchseuchen, nein, die Regierenden würden nun sogar Vampire und Ghule dem normalen Deutschen rechtlich gleichstellen und damit die elementare Schutzpflicht des Staates gegenüber dem Bürger ins exakte Gegenteil verkehren. Diese Botschaften fallen auch bei gemäßigten bis linken Zuhörern auf fruchtbaren Boden, denn die Angst vor einer Verbreitung von MMVV-Infizierten in Berlin ist im Angesicht jubelnder Ghule in brechend vollen PNO-Hallen vor einer lächelnden Vampirin Bella Lugosi äußerst real. Bürgern, die einen Hang zu Verschwörungstheorien haben, präsentiert die PNE noch deutlichere Horrorszenarien: PNO und Regierung würden demnach gezielt Bürger mit MMVV infizieren durch angebliche KFS-Schutzimpfungen, Chemiesmog, Verseuchung von „Pink Goo“ (Ersatzhühnchenrohmasse) in Schul- und Arbeitskantinen, die rote „Graf Dracola“-Cola von AldiReal und durch „geheime Pädophilen-Exzesse“ in Bella Lugosis Schloss Babelsberg. Der „gesunde deutsche Volkskörper“ soll so langsam durch ein „Zombie-Volk“ von Infizierten ersetzt werden, das zum Dank für die rechtliche Gleichstellung der Regierung treu ergeben sei. Zudem sollen alle Schwarzen Schrägstrich alle Afrikaner egal ob Ghul oder nicht Träger des MMVV-Virus sein, daran hätte man in der Ghulnation Asamando lange gearbeitet. Die betreffenden Genmanipulationen am MMVV-Virus seien mit NEEC-Entwicklungshilfe finanziert und von Pharmakonzernen (alle in der Hand der Lieblings-Feindgruppe des Angesprochenen) ausgeführt worden. Die auch ohne weitere Panikmache wachsende Angst vor einer „Normalisierung“ der Infizierten und einer Ausbreitung von Ghulen und Vampiren in Deutschland treibt aktuell der PNE auch solche Leute zu, die eigentlich zum Feindbild der Partei gehören: In Strausberg wählten laut Auswertungen des O.R.K. Policlubs immerhin 6% der Orks und Trolle die PNE!
> Penny D

> Weitere Folgen der Infizierten-Rechte sowie der PNO-Werbung um Ghulstimmen siehe weiter unten bei Kreuzhain.
> .rez

> Dass die PNE sich selbst zur Speerspitze des Widerstandes gegen Infiziertenrechte gemacht hat, hemmt andere Parteien, sich der berechtigten Sorgen der Bürger anzunehmen und ebenfalls gegen die realen Gefahren von Ghulkiezen etc. zu agitieren. Keiner möchte sich im linkslastigen Berlin dem Verdacht aussetzen, der PNE nachzueifern. Leider überlassen die Parteien damit das Thema den Neofaschisten, die sich stolz als letzte Verteidigungslinie gegen die „Untoten“ darstellen können.
> .asl

> Beim „Ruf zu den Waffen“ gegen die Ghul-Bedrohung mischen auch Ringbund und Wehrsportgruppen [#berlin2080] kräftig mit. Nur zu gerne verkauft man besorgten Bürgern angebliche „Überlebensausrüstung“ für die kommende Ghulokalypse und macht sie bei speziellen „Anti-Ghul-Kampftrainings“ fit. Natürlich kommt es dann vermehrt zu Übergriffen gegen Ghule und deren Wohnstätten (realen wie vermuteten) – und die Infizierten lernen aktuell sehr schmerzhaft, dass sie trotz Bürgerrechten von der legendären Berliner Solidarität gegen Gewalt von Rechts völlig ausgeschlossen sind.
> Fienchen

Ja, die Berliner Wahl 2081 steckte voller Überraschungen – dabei sind wir noch längst nicht am Höhepunkt der Wahlgefechte angekommen. Auch nicht mit dem folgenden Abschnitt:

ZEHLENDORF

Im vornehmen Normbezirk Zehlendorf entspann sich gegen jede Erwartung ein heftiges Duell zwischen Amtsinhaberin Izabella Buzek (Proteus) und einem erst in allerletzter Sekunde ins Rennen gegangenen Kandidaten von Evo:

Zur völligen Überraschung aller Wähler und Medienvertreter enthüllte der transhumanistische Biotechkonzern auf einer Pressekonferenz am Vorabend der Wahl, dass er die Kandidatur eines freien Geistes namens Idis unterstütze. Kaum war dies ausgesprochen, manifestierte sich eine aurenhafte Lichtgestalt. Für einen Augenblick meinte man Schwingen zu sehen, dann verdichtete sich der Geist zum Körper einer Frau unbestimmten Alters mit sehr heller Haut und lidlosen, dabei aber gütig scheinenden Augen.

In ihrer kurzen Ansprache äußerte sich Idis mitfühlend über die Konflikte in der Stadt und das Leid, welchem viele Bewohner derselben ausgesetzt sind. Sie verfüge aufgrund ihres Daseins als Geist über einige einzigartige Perspektiven und könne dabei helfen, „menschliche Selbstbegrenzungen“ im Sinne einer höheren, größeren, gemeinsamen Sicht auf die Probleme zu überwinden.

Da sie weder am Geld noch an Befindlichkeiten wie Stolz, Sozialem Druck und Rang ein Interesse habe und auch nicht von Magiewirkern abhängig sei, könne sie losgelöst von Pekuliarinteressen das tatsächlich Beste für den Bezirk und seine Bewohner erwirken.

Sie habe, so Idis weiter, genau diesen Bezirk zu ihrer Heimstatt erwählt, da Zehlendorf durch das Wirken von Proteus und Evo weit offener für revolutionär neue Konzepte und Gedanken sei. Seine Bewohner – gerade jene, die reichlichen Gebrauch von den technischen Möglichkeiten machten, ihren Körper zu ändern und somit „das Diktat der Fleischgeburt“ zu überwinden, die „Urkette der menschlichen Hingeworfenheit“ abzuwerfen – trügen in sich den Keim einer größeren Freiheit. Sie freue sich darauf, den mutigen und freien Bürgern Zehlendorfs dabei dienlich zu sein, das volle Potenzial des Möglichen zu erschließen.

Nun mag es ja bei Evo zum normalen Gedankengut gehören, dass Geister Persönlichkeitsrechte genießen und zum Beispiel Anteile an einem globalen Biotech-Multi besitzen können (#buttercup), aber selbst für das freie Berlin kam diese höchst ungewöhnliche Kandidatur „etwas“ überraschend. Während sich die polnische Proteus-Powerfrau Izabella Buzek wie ihr ganzer Konzern auffallend zurückhielt, wurden Rat und BeJuDi in kürzester Zeit mit Beschwerden und Eingaben von Konzernen, Parteien, Fraktionen, Kanzleien und Einzelpersonen überschwemmt.

Die Nacht von Samstag auf Sonntag war für Berliner Juristen also ausgesprochen aufregend. Und natürlich war an eine rechtlich belastbare Entscheidung vor Beginn oder selbst bis zum Ende der Wahl nicht zu denken, weshalb man sich auf die Klärung der weiteren Verfahrensweisen konzentrierte. Evo indessen machte mit seiner Unterstützung für die „Geisterkandidatin“ selbstverständlich ernst und erzeugte im Zehlendorfer Rathaus ebenso wie auf Ratsebene genug Druck, um Idis‘ Kandidatur mindestens für den Moment anzunehmen.

Was dazu führte, dass sie am Sonntagmorgen auch auf den Wahlzetteln stand.

> Okay. Kurzer Break. Dass ein freier Geist Anteile an einem AAA-Konzern (oder sonst einem Unternehmen) hält oder sogar dem Vorstand angehört, ist keineswegs die Norm in der Sechsten Welt. Im Falle von Evo war es so, dass ein Individuum im Laufe der Zeit größere Anteilskontingente am späteren Evo erwarb – natürlich durch Mittler, Kanzleien, Sockenpuppen – und sich dann erst als freier Geist offenbarte. Plus dass die Japaner vom Kaiser über die Gerichte bis zu einem Großteil der Bürger das dann auch akzeptiert haben. Man hätte – theoretisch – auch sagen können, dass Buttercup keine Rechtspersönlichkeit besitzt. Am Fakt, dass Buttercup Evo-Anteile kontrolliert, hätte das aber nichts geändert: Der Besitz wäre auf von ihr gesteuerte (bezahlte, kontrollierte, erpresste, besessene, was-auch-immer) natürliche und juristische Personen übergegangen und der harte Move wäre zur Lachnummer geworden. Ähnlich ist IMO auch die Logik dahinter gewesen, Drachen als Rechtspersönlichkeiten anzuerkennen: Wer möchte Lofwyr sagen, dass er keine Aktien besitzen kann? Bei Idis jetzt verhält es sich aber anders: In der Berliner Verfassung gibt es keine eindeutige Regelung, wer bzw. was alles als rechtsfähiges Individuum gelten und damit sowohl wählen als auch zu Wahlen antreten kann. Die Klärung dieser Frage hatte zum Zeitpunkt der Berliner Einheit schlicht keine Priorität – und die Grundhaltung zwischen denen, die Berlin fest auf ADL-Gesetz stellen wollten, und eben den paar vehement anthrophilen Anarcho-Kiezen … kurzum: Es existiert eine Lücke – und damit greift eigentlich das Prinzip „mein Kiez, meine Regeln“. Da Evo Zehlendorf via Einfluss auf das Rathaus dazu gebracht hat, Idis auf die Wahlliste zu setzen, könnte man sagen, dass in Zehlendorf freie Geister Rechtspersonen sind. Allerdings ist Zehlendorf halt nicht Evos Konzernsektor und auch keine Anarchozone. Und seine wohlbetuchten Bewohner nehmen es keinesfalls einfach so hin, dass jemand – und sei es Evo – die Spielregeln des Bezirks ändert. Vor allem dann, wenn dieser Entscheid negativen Einfluss auf den Wert ihrer Immobilien hat!! OMG!! Der Widerstand im Bezirk ist schon jetzt erkennbar heftig und wird sicher in kommenden Wochen weiter zunehmen, wenn die diversen Nobelkanzleien ihre Schriftsätze komplettiert und die Sammelklagen fertig vorbereitet wurden.
> Fienchen

> Ein weiterer Aspekt der Sache ist, dass der Berliner Rat seit 2079 über eine mögliche Volks-SIN für freie Geister verhandelt. Eingebracht wurde der Antrag bereits mehrfach – in leicht unterschiedlichem Wortlaut – durch die Initiative „Seelenrechte“ des charismatischen Hermetikers und bekennenden Magokraten Kilian Lorenz (PNO) aus Kreuzhain. Alle drei Jahre bewirbt sich Lorenz um den Bezirksvorsitz und verliert krachend. Dazwischen fällt er immer wieder mal auf mit spinnerten Ideen wie der, dass Fahrzeuge, welche das Gefäß eines Geistes sind, von Verkehrsbeschränkungen (Stichwort autofreie Kieze) und verkehrserzieherischen Maßnahmen ausgenommen sein müssen. 2079 hat er unterstützt durch PNO und Anthrophile Policlubs das Anliegen in den Rat einbringen lassen, sich mit der Rechtsgestalt von Geistern und Gestaltwandlern nach dem Vorbild der Tschechischen Republik auseinanderzusetzen. Es mag gut sein, dass Evos Nominierung eines freien Geistes den Versuch darstellt, Bewegung in die Sache zu bringen. Oder dass hinter verschlossenen Türen bereits eine „Geister-SIN“ verhandelt wurde, von der wir Stimmvieh nur noch nichts wissen.
> Nemascope

Die offen proklamierte Unterstützung Evos für die „Kandidatin“ Idis hat dieser natürlich vom Start weg das enorm große Stimmenkontingent der Evo-Bürger im Bezirk eingebracht. Auch ein Großteil derjenigen, die direkt oder indirekt von Evo-Aufträgen abhängig sind, werden sich für Idis entschieden haben. Selbst zahlreiche Proteus-Angehörige stimmten wohl für Evos Kandidaten, da sie davon ausgingen, es handele sich um eine abgesprochene gemeinsame Initiative der in Zehlendorf eng verbandelten transhumanitischen Großkonzerne.

Auf der anderen Seite sprachen sich offenbar die Zehlendorfer ohne direkte Bindung zu Evo und Proteus mit vehementer Mehrheit gegen Idis aus. Und weil auch sie vermuteten, Proteus/Buzek seien Partner des Evo-Vorstoßes oder seien zumindest mit der Kandidatur eines Geistes einverstanden (immerhin blieb am Sonntag ein Aufschrei und Protest Buzeks oder Proteus‘ aus), straften sie Amtsinhaberin Buzek ab.

> Izabella Buzek ist die eigentlich Leidtragende dieser Story. Ich bezweifele, dass sie oder Proteus im Vorfeld über Evos Vorhaben informiert waren. Was da am Samstag und Sonntag zu sehen war, glich weniger dem kühlen Stonewalling eingeweihter Verschwörer als der Schockstarre von Leuten, die völlig überrumpelt wurden. Das Schweigen von Proteus/Buzek wird dem Versuch geschuldet sein, erstmal Klarheit zu den Hintergründen und Absichten Evos zu erlangen, ohne unnötig Geschirr zwischen den beiden langjährigen Partnern im Bezirk zu zerschlagen.
> Fienchen

> Das deckt sich mit meinem Eindruck. Ich hatte im Vorfeld der Wahl ein längeres Gespräch mit Izabella Buzek (die im Privaten wohl „Izabela“ genannt wird – das schnellere „Izabella“ hat sie sich auf Anraten von PR-Profis zugelegt, da es für das deutsche Gehör sympathischer klingt), und dabei schien sie für die kommende Wahl nicht mit Überraschungen zu rechnen. Buzek ist eine attraktive und sehr kluge Endvierzigerin, hat vier Kinder (das Jüngste wurde Anfang des Jahres geboren). Sie studierte Angewandte Linguistik und Slawistik in Warschau, sattelte später auf Wirtschaftssoziologie hin und ging 2067 gezielt nach Berlin, um dort für Proteus zu arbeiten. Sie ist unaufgeregt und nimmt sich gerne Zeit, eine Antwort zu formulieren – man kann fast sehen, wie sie Gedanken innerlich abwägt und von verschiedenen Seiten betrachtet, ehe sie ihre Ansicht äußert. Hat sie aber einmal eine Entscheidung gefällt, setzt sie diese auch rasch und entschieden in die Tat um. Diese Haltung hat ihr das zweithöchste Approval-Rating unter den Berliner Bezirksvertretern verschafft (nur von Morek Pflügler übertroffen), womit ihre Wiederwahl gesichert schien. Und dann flog ihr am Sonntag die Scheiße ins Gesicht.
> Penny D

> Also: Warum hat Evo das getan? Eine Idee?
> .rez

> Ein Deal mit Idis? Vielleicht hat der Geist etwas, das Evo Deutschland will, und als Gegenleistung hat der Konzern dem Wunsch des Geistes entsprochen, die Kandidatur zu supporten. Angesichts des Schadens, den Evo damit in der Zusammenarbeit mit Proteus und was das eigene Image angeht erzeugt hat, muss es verdammt wertvoll gewesen sein. Ich hoff für Evo, es hat sich gelohnt.
> Fienchen

> Aber hat es Evo denn geschadet? Die öffentliche Debatte ist noch am Laufen, und es offenbaren sich auch ziemlich viele Supporter. Das Ganze könnte auch eine Art Testlauf sein. Womöglich steckt direkt Buttercup oder die Anthrophile Gesellschaft dahinter. Berlin ist ja bekannter Maßen ein beliebtes Experimentierfeld für soziologische Studien [#berlin].
> .krah

> In jedem Fall hat der Move Berlin insgesamt geschadet. Meine Meinung. Die Leute waren grade dabei, die Bürgerrechte für Ghule zu verarbeiten, da taucht überraschend der Vorstoß auf, auch noch fucking GEISTERN das Wahlrecht zu geben. Möchte nicht wissen, für wieviele auch in anderen Berliner Dreier-Bezirken dies der letzte Tropfen war, durch den sie das Kreuz bei PNE bzw. PNE-nahen Kandidaten gemacht haben.
> Aggi

> Wie gesagt: Vorstöße in Richtung SIN-Rechte für Geister und Gestaltwandler laufen seit 2079. Aber du hast schon Recht: Die waren eher low profile. Die Kandidatur von Idis war eine öffentliche Disrupt … wartet mal – können da die Eriskirche die Hand im Spiel haben??
> .krah

> Idis‘ Kandidatur eine Operation Mindfuck? Ich glaub, da überschätzt du den Einfluss der Diskordianer. Ich hoffe es zumindest …
> skep.sys

> Fnord.
> .asl

> Ich hab schon von Initiativen gehört, welche die Wahl für ungültig erklären wollen und auf eine Wiederholung der Wahl drängen. Die Auswirkungen auf die getätigten und zum Teil bereits ausbezahlten Wetten mag ich mir gar nicht vorstellen. #ww3
> .rez

> Als Außenstehender gefragt: Warum ist es in Berlin eigentlich so, dass jeder buchstäblich bis zur letzten Sekunde (23:59:59 am Vortag der Wahl) seine Kandidatur erklären kann?
> Karel

> Nun, es kann nicht JEDER seine Kandidatur erklären. Man braucht ein Minimum von Supportern im Bezirk (meist um die 20.000, aber die exakte Höhe legt der Bezirk selbst fest). Aber ja, das geht buchstäblich bis Mitternacht. Um jenen Fraktionen, deren Kandidat unerwartet ausfällt (entführt, erschossen, erkrankt, verschwunden) die Möglichkeit zu geben, kurzfristig einen Ersatzkandidaten aufzustellen.
> Fienchen

Am Ende fehlten Buzek neben der gesamten Evo-Wählerschaft und Teilen ihres eigenen Konzerns also auch noch die breite Masse der Zehlendorfer Elite. Und während sich die ärmeren Schichten (was in Zehlendorf halt so als arm gilt) eher gleichmäßig über die insgesamt acht Kandidaten im Bezirk verteilten, wandten sich die Bessergestellten en bloc dem Hotelmogul Eugen Streletzki zu, der – so zumindest der äußere Schein – eher zum Spaß und der Erfahrung wegen einen Ausflug in die Politik gemacht hatte.

Dieser, allerdings, wäre nicht er selbst, wenn er eine Gelegenheit nicht zu nutzen wüsste:

Als Streletzki gegen zehn Uhr abends zum Sieger in Zehlendorf erklärt wurde, gab er vor den Kameras ganz den eloquenten und weltgewandten Gastgeber und Conferencier. Da war weder Schadenfreude noch großer Jubel – vielmehr bewertete er seinen Wahlsieg wie folgt:

„Wir alle in Zehlendorf sind uns, denke ich, im Klaren darüber, dass diese Wahl unter einigen unerwarteten Bedingungen stattfand. Das Berliner Verwaltungsgericht wird gemeinsam mit der Politik und den Bürgermeistern zu klären haben, ob das heute entstandene Wahlergebnis Bestand haben wird. Als zumindest derzeit gewählter Repräsentant unseres schönen Bezirks verspreche ich, dass ich bis zur Bestätigung – oder auch dem Widerruf – meines Amtes den Bürgern des Bezirks nach besten Kräften und Gewissen dienen werde. Ich bedanke mich bei den Mitbewerbern gleich welcher Herkunft für ihre Fairness am heutigen Tag und hoffe darauf, dass wir alle gemeinsam das erfüllen werden, was wir den Bürgern Zehlendorfs versprochen haben: Das ist, das Beste für diesen Bezirk in einem geeinten, friedlichen und freiheitlichen Berlin zu erreichen.“

> Junge, da müssen aber in Potsdam die Korken geknallt haben bei der Preußenstiftung.
> Konnopke

> Fast. Gefeiert wurde am Sonntagabend bei einer sehr spontan angesetzten Wahlparty im „eigentlich“ saisonal geschlossenen Restaurant Pfaueninsel.
> Penny D

Wir nähern uns dem Ende und damit den beiden größten „WHAT THE FUCK“s der Wahl. Nein, Geister und Co. reichen uns nicht. Wenn Berlin abgeht, dann richtig.

KREUZHAIN

Mitra Özgün – für Feministen die wahre Mutter der Berliner Einheit, für die meisten anderen Alternativen mindestens deren Geburtshelferin – ist nicht mehr die Kreuzhainer Bezirksabgeordnete. Wirklich überraschend ist das zwar angesichts der legendären Vielzahl Kreuzhainer Fraktionen und Kandidaten nicht – dieses Mal konnten die Xhainer zwischen 19 Angeboten wählen – aber da es Mitra Özgün bisher stets gelang, im Auf und Ab der Stimmungen im entscheidenden Moment stets oben zu bleiben hatte einen tatsächlichen Wechsel eigentlich keiner im Blick.

Warum oder woran Özgün dieses Mal scheiterte, ist so kurz nach der Wahl schwer zu bestimmen, vor allem da Xhain als Alternativer Bezirk eine sehr geringe Quote für Online-Votes besitzt. Ersten Analysen nach stechen aber folgende mögliche Ursachen deutlich heraus:

  • Erstmalig durften an der diesjährigen Bezirkswahl auch MMVV-Infizierte uneingeschränkt teilnehmen, deren Stimmen sich zu etwa einem Drittel auf die PNO und zu zwei Dritteln auf den Sprecher des Qarafa-Ghulkiezes Wahnfried Grok verteilten. Da Grok zudem ein einflussreicher Papst der Eriskirche ist, konnte er einen erheblichen Teil der Diskordianer im Bezirk für sich gewinnen – darunter Viele, die allen spaßanarchistischen Umtrieben zum Trotz bisher zu Özgüns Wählerschaft gehört hatten.

> Dass der Anteil der PNO-Stimmen unter den Infizierten im übrigen nicht höher war, lag am Kandidaten der Partei in Kreuzhain: Kilian Lorenz ist ein überzeugter Magokrat und gehört zu denjenigen in der PNO, die sich gegen eine Stimmoffensive für Infizierte ausgesprochen hatten.
> .krah

  • Aufgrund der gewachsenen Sorge vor den Ghulen im Kiez und die erfolgreiche Angstkampagne der PNE entschieden sich erschreckend viele gemäßigte Kreuzhainer (Özgüns Kernwählerschaft), für „Law & Order“ und den rechten Rand zu stimmen.

> Lass die Kirche im Dorf. Ja, der Anteil der Kreuzhainer PNE-Wähler hat sich versechsfacht. Das ist schrecklich. Aber er liegt jetzt auch nur bei 6,7% – und ich möchte glauben, dass die Meisten lediglich einen Denkanstoß geben wollten und das Thema „Ghule“ im öffentlichen Diskurs stärker in den Fokus rücken wollten.
> .krah

  • Die Wahl = Wette wurde manipuliert. Oder zumindest ist das der dringende Verdacht. Denn weder die beiden genannten Punkte noch die drei Dutzend weiteren Theorien, die gerade umgehen, können erklären, wie ausgerechnet die fraktionslose Akima „Sikimye“ Koyim zur neuen Bezirksabgeordneten gewählt werden konnte. Nicht nur, dass sie keiner der bekannten und gut vernetzten Kreuzhainer Interessengruppen angehört, und nicht nur, dass sie ein Hobgoblin und damit für konservative Muslime unwählbar ist, nein, ihr VolksSIN-Name ist eine einzige Aneinanderreihung von üblen Beleidigungen.

Kandidaten mit spaßigen Namen oder „kreuzdummen“ Wahlversprechen ist man in Xhain durchaus gewöhnt – jeder lacht gerne über die krass bestussten Außenseiter ganz unten auf dem Wahlzettel – aber alles an dieser Kandidatin schien darauf getrimmt, jede Stimme aktiv zu verhindern.

Vermutlich hätte einen das misstrauisch machen sollen.

Am Ende entfielen 23,7% auf Sikimye, 23,4% auf den konservativen Emirats-Vertreter Faisal Bayraktar, 20,1% auf Mitra Özgün, 15,8% auf die linksautonome Lizzy Lynchmob (ABB), 6,7% auf Rutgar Demirci (PNE), 4,3% auf Kilian Lorenz (PNO), 4,1% auf den Ghul Wahnfried Grok und 1,9% verteilt auf die restlichen Kandidaten.

> Wenn ein offenkundig Irrer wie Grok gegen 18 Kandidaten und trotz strategisch ungünstigem PNO-Kandidaten schon 4,1% holen konnte, überlegt euch mal was der weitaus klügere Judas Moloch nach seinem PNO-Eintritt in Falkensee 2083 wird holen können.
> .krah

> Da wette ich aber dagegen. Aslan Özdemir hat den Laden fest im Griff, und sollte der keinen Bock mehr haben fällt Falkensee geschlossen an die Faschos. Ähnliches befürchte ich ja auch für Spandau: Um Fletschers Support im Bezirk steht es nicht gut, die CVP-Ische wirds denk ich nicht packen, aber wenn die Wehrsportfreunde sich hinter einen PNE-Kandidaten stellen haben wir 2083 plötzlich am Westrand der Stadt eine tiefbraune Doppel-Kackzone. Und die kriegen wir nach den Regeln des „Einkiezens“ (hier Massenkonzentration der Rechten) auch dann so schnell nicht mehr weg.
> Aggi

> Auf der Plusseite ziehen dann auch viele Nazis aus anderen Gebieten weg. Muss man positiv sehen.
> .krah

> Du denkst zu kurzfristig. Ich möchte jedenfalls keinen großflächigen Rückzugsraum für Nazi-Terroristen oder ein Eiswerder in Faschohand erleben.
> Aggi

Natürlich war der Aufschrei nach Bekanntgabe des Ergebnisses hoch, und ebenso natürlich verhängten die Vesuv-Kasinos inklusive Caldera eine umgehende Auszahlungssperre für Wetten auf das Kreuzhainer und das Gesamtberliner Ergebnis.

Insider gehen indes davon aus, dass die betrügerischen Wetten – insofern es sie gab – bei kleineren Buchmachern platziert wurden. Eine andere Theorie besagt, dass die Wetten der Decker – denn um solche muss es sich handeln – gar nicht auf Sikimye platziert wurden, sondern auf die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreich durchgezogenen Wahlfälschung.

Sikimye selbst scheint die Stadt bereits verlassen zu haben: Es gibt einige verwackelte Smartbrillen-Aufnahmen, die sie gut gelaunt, wenngleich hektisch beim Einchecken für einen Flug nach Kairo am BSI-Flughafen zeigen. Andere Quellen wollen zudem entdeckt haben, dass es sich bei Sikimye um eine arabische Schauspielerin und Stuntfrau namens Shahad Albutairi handelt. Nicht zuletzt präsentieren wiederum andere Quellen „unwiderlegbare Beweise“, dass es sich bei allen Aufnahmen Sikimyes um Deepfakes handelt und es niemand gebe, der diese tatsächlich persönlich Face to Face getroffen habe. Die Ermittlungen konzentrieren sich aktuell auf die 12.243 (angeblichen) Unterstützer von Sikimyes Kandidatur. Dabei sollen bereits mehrere gefälschte VolksSINs sowie mindestens 20 Fälle von „gekaperten“ SINs entlarvt worden sein.

> Also? Was passiert nun?
> Nemascope

> Zu den generellen Next Steps steht weiter unten noch was („Was nun?“). Sollte das Wahlergebnis bestätigt werden – wovon ich zum jetztigen Zeitpunkt nicht ausgehe – wäre Sikimye, wer sie auch sei, Bezirksabgeordnete für Kreuzhain. Tritt sie dieses Amt nicht an – wir haben ja nun eine Bestimmung zur Mindestanwesenheit von Bezirksvertretern in der BAV – würde das Amt an den Zweitplatzierten fallen (ebenso, wenn Sikimye auftaucht und abgeknallt wird, was ich euch in dem Fall garantieren kann). Der Zweitplatzierte und somit Ersatz-Bezirksabgeordnete wäre dann Faisal Bayraktar, die politische Marionette des „irren Imam“ Muhammad al-Qasim. Dann sind wir fucked und Kreuzhain geht in Flammen auf. Und weil das jeder weiß, KANN das Wahlergebnis gar nicht bestätigt werden. Also F-mal alle 😉
> Aggi

> Najaaa … nach DER Logik könnte es auch sein, dass Sikimye doch zur Bezirksvertreterin wird. Wenn das Wahlergebnis bestätigt werden sollte – zum Beispiel, weil man eben keine wirklichen BEWEISE einer Manipulation findet, oder auch weil die Konzerne die Chance nutzen, Mitra politisch zu entsorgen – dann würde ganz Kreuzhain einen Bayraktar an der Macht verhindern wollen. Und somit Sikimye nicht nur nicht töten, sondern sie mit aller Macht vor Attentaten schützen. Und die Diskordianer fänden es bestimmt sauwitzig, eine Abgeordnete mit dem Namen „Iss meinen Schwanz“ zu haben. Scheiße, wenn ich so drüber nachdenke könnte ich selbst ziemlich Fan der Idee werden. Denkt mal nach: Sikimye ist praktisch das menschgewordene Kreuzhain! 🙂
> .rez

LICHTENBERG

Ihr dachtet, das war’s? Nope. Einen letzten Hammer habe ich noch:

Ich sagte doch, der einzige Bezirk, wo die Wahl wie vorhergesagt lief, sei Potsdam.

Das war GELOGEN.

> DU ARSCH! Ich hätt mich fast eingepullert!!
> .rez

Nein, auch der galoppierende Irrsinn dieses Wahljahres konnte Morek Pflüglers Position im Alternativen Bezirk Lichtenberg nicht erschüttern – im Gegenteil führten die Unwägbarkeiten und latenten Ängste – neben der Ghulfrage ja auch Sorgen vor Blackouts, magischen Störungen, Umwälzungen der Konzernwelt, neue Seuchen oder eine drohende feindliche Annektion Berlins durch die ADL – dafür, dass Pflügler das stärkste Ergebnis seit Beginn der Berliner Einheit einfuhr.

DER ERSTE BÜRGERMEISTER

Und da war ja noch etwas! Es stand ja auch noch die Wahl des Ersten Bürgermeisters an. Aber das blieb wie erwartet Zöller, der ja auch nicht durch die Berliner, sondern das Ratspräsidium bestimmt wurde.

WAS NUN?

In einer ersten Stellungnahme erinnerte der BERVAG-Vorsitzende Dr. Hans Steffen (MSI) daran, dass das Wahlergebnis in Zehlendorf und Kreuzhain ebenso wie in allen anderen Bezirken VORLÄUFIG sei.

Es erhält erst dann rechtsverbindliche Gültigkeit, wenn es durch den bereits einberufenen Prüfungsausschuss begutachtet, berechtigte Einsprüche geprüft und das ggf. korrigierte Resultat final bestätigt werde.

Angesprochen darauf, wann mit einer solchen Bestätigung zu rechnen sei, verwies Dr. Steffen auf den Präzedenzfall der Berlinwahl 2075, bei der das bestätigte Endergebnis erst drei Wochen nach der Wahl vorlag. Damals hatten Zweifel an den eingesetzten Online-Wahltools auf den VolksKomms zu heftigen Protesten und Ausschreitungen geführt.

Für die Übergangszeit bis zur finalen Bestätigung bekräftigte Dr. Steffen, dass die gewählten Bezirksvertreter ihr neues Amt bereits antreten können und die scheidenden Bezirksvertreter auf eine ordentliche Übergabe der Geschäfte hinwirken sollen. Allerdings solle man sich der besonderen Natur der gegenwärtigen Situation bewusst sein und richtungsweisende Entscheidungen auf einen Zeitpunkt nach Vorlage des bestätigten Wahlergebnisses vertagen.

Gefragt nach der bereits vielfach geforderten Wiederholung der Berlinwahl 2081 erklärte Dr. Steffen, dass dies das Ratspräsidium auf Grundlage des Abschlussberichts des Prüfungsausschusses zu entscheiden habe. Die Hürden für eine komplette Wiederholung der Wahl lägen laut geltenden Durchführungsvorschriften sehr hoch, weshalb im Fall von Unregelmäßigkeiten die Wiederholung einzelner Bezirkswahlen das wahrscheinlichere Szenario seien. Auch in diesem Fall liege die Entscheidung in den Händen des Ratspräsidiums.

> Moment. Das Ratspräsidium umfasst die drei Berliner Bürgermeister und die 21 Bezirksabgeordneten. Also entscheiden die nun gewählten neuen Bezirksvertreter selbst darüber, ob ihre Wahl legitim war …. DAFUQ?
> Konnopke

> Nunja. Es ist mehrfach festgestellt worden, dass der Berliner Einigungsvertrag und die Verfassung mit der heißen Nadel gestrickt wurden. Aber ja, dieser Punkt ist auch schon anderen aufgefallen. Aktuell liegt die Gestaltungsvorlage zur Änderung dieses Misstandes im Schlichtungsausschuss, also auf Pflüglers Schreibtisch. Gut möglich, dass da in den kommenden Tagen „ganz plötzlich“ Bewegung in die Sache kommt.
> Fienchen

> Boff. Was ne Wahl. Und das war „nur“ 2081. Überlegt Mal: Nächstes Jahr ist die Wahlperiode I dran – mit Reinickendorf UND Z-IC Tegel. Und Chawi! Und Gropiusstadt!! Und MARZAHN!!!
> .krah

> Und dann 2083 Falkensee plus Spandau. Ich hab jetzt schon Angst.
> Aggi

+ + + + + + + + + + + + + +

Hat dir der Artikel gefallen? Ein XXL-Artikel wie dieser erfordert neben dem Schreiben einen ziemlichen Aufwand, was die Vor-Recherche und die Entwicklung betrifft. Wenn du mir als kurzes „Thx“ einen Kaffee (Bier, Milch, Limo, Cola …) ausgeben würdest (z.B. 1€, einmalig), wäre das XXL awesome. 🙂 Tausend Dank!

–> https://www.buymeacoffee.com/rabenaas

Tutorial für Online-Gameboards

Auch wer nicht mit Figuren und exakten Battlemaps spielt, sondern Kämpfe und Begegnungen allein im Kopf abwickelt, braucht gelegentlich eine optische Orientierungshilfe.

Beim rabenKRAHm am 23.01.2021 verriet ich, wie ich mir für den Eigenbedarf eine Art Online-Gamingboard für das Spiel via Discord gebastelt habe (das Board lässt sich natürlich für jede Art von Screenshare nutzen, egal über welche Plattform).

Das Video findest du hier auf Twitch:

https://www.twitch.tv/videos/886290575

Und hier auf Youtube:

Wie gewohnt stelle ich hier die Ressourcen aus dem Stream als Download zur Verfügung, sogar ergänzt um ein „HOW TO“, also eine Kurzanleitung. Die Files sind Powerpoint, das dahinterstehende Prinzip lässt sich aber mit jedem Programm umsetzen, in dem du Objekte frei herumschubsen kannst (und sei es als Layer in Photoshop).

Es gibt sogar eine ENGLISH VERSION:

Viel Spaß beim Ansehen der Videos und bei der Nutzung der Boards!

[36] Gangs

… die Runnern im Weg stehen.

36dinge ist die Kategorie für Listen, die dir als Spielleiter das Leben einfacher machen können. Wann immer dir grade eine Idee fehlt, im Run die Action stockt, Downtime oder Wartezeit auf später eintreffende Spieler zu überbrücken oder eine Beschreibung “mal eben aus dem Ärmel geschüttelt” werden muss, helfen die Listen der 36dinge, den kleinen Denkanstoß zu geben. Gewürfelt wird auf den Listen mit 2W6, wobei einer die “Zehnerstelle” und der andere die “Einerstelle” ist.
 
cropped-sr-missions-realityscraacha2-aas.jpg

36 Gangs listet 36 Gruppierungen, die man in Berlin (aber auch anderswo) treffen kann. Gangs können die Runner an einer Straßensperre stoppen, sie können wichtige Infos haben oder wissen, wo der gesuchte NSC zu finden ist. Vielleicht haben sie heiße Waren, welche die Runner brauchen, oder die Location, die sie zur Beinarbeit aufsuchen müssen, ist ihr Stammlokal. Bei der wilden Flucht der Runner führt die Route durch ihr Gebiet, der Boss der Gang hat beim Bau der geheimen Konzernanlage mitgearbeitet und kennt noch die Pläne des Lüftungssystems, und wenn die Runner jemanden suchen, der auf ihre Karre aufpasst, wenden sie sich eh an „die örtliche Gang“. Wer die wohl sein mag? Finden wir es heraus!

1: Poser Gangs

In der Sechsten Welt sind viele entwurzelt, entfremdet durch die moderne Technik und auf der Suche nach einer Zugehörigkeit. Poser Gangs stillen die Sehnsucht nach Zugehörigkeit, indem sie Fandom zum nächsten logischen Schritt weiter eskalieren. Poser folgen dem Ansatz „Band or Brand“, sind also um eine Musikband oder eine Marke gebaut – diese kann auch ein Movie oder Serien Franchise sein. Da ihr eigenes Leben sinnlos, stumpf und leer ist, versuchen Poser die Glorie ihrer Idole zu leben, indem sie sich so anziehen und zum Teil auch durch kosmetische Bearbeitung und Persona Chips stylen wie sie. In der Extremvariante SIND Poser dann die Charaktere und Celebrities, die sie darstellen.

  • 11 Die CCA (Captain Corporate’s Army) – Schwarzer Anzug, weißes Hemd, Schlips, Sonnenbrille und eine möglichst fette, wenn möglich verchromte oder goldene Knarre: Captain Corporate ist der Star des gleichnamigen VR-/AR-Sammelkartenspiels und verteidigt die Bürger von Cyber City gegen Seuchengangs, Crampunks, Crimerunner, Nanomutanten und Hellbots. Die CCA eifert den Motiven des Spiels nach und natürlich ist eine Captain Corporate ARlebnis Area das HQ der Gang. Als Verteidiger der Stadt spielen sich die CCA-Poser zu knallharten Ordnungshütern auf, die über eine enorme Bandbreite Franchise-gerechter Beleidigungen und Oneliner für CCs Feinde verfügen. „Crimerunner“ etwa dürfen sich Sprüche anhören wie: „Stay frostig, du Lutscher“, „Genug gerannt, Krimineller“, „Weichet Schatten, denn ich bin das Licht“ oder „Renn heim zu deinem Credstickluden, du ehrlose Nuyenhure“.
    Anzahl: 2W6 (ohne Anführer). Werte: wie Schläger (SR5 S.381).
  • 12 Die Cornflakes Crew – Wenn sich etwas in den kommenden 60+ Jahren nicht geändert hat, dann dass überzuckerter Frühstücksknuspermüll durch kreischend bunte Comicfiguren an beeinflussbare Kinder verdealt wird. Jedes Gangmitglied der Cornflakes Crew ist nach einer solchen Figur gestaltet – in milderen Spielweisen nur durch AR-Overlays bzw. Aufnäher, Shirts, dumme Hüte und anderes Franchise, in Extremformen auch als besonders crunchige Tiger-Cosmodifikation oder smacky Frog Personafix. Alle Gangmitglieder slotten sich irgendwelches derbes Zeug, das sie hyperaktiv und megaglücklich macht. Umso verstörender, wenn die Gang mit den Skins geliebter Charaktere aus Kindertagen derbes Gang-Biz verübt oder auf den Decker/Rigger der Gruppe den gesamten Payload konzerngesponsorten Cornflakes-Spam entfesselt.
    Anzahl: 2W6 – falls Wurf 6+ ist einer aus dem Trupp ein Anführer. Werte: wie Schläger (SR5 S.381).
  • 13 Die Wunderkrieger – Ein Elf in schwarzem Synthleder, ein Grinsetroll mit farbenfrohem Mohawk, ein magisch aktives Gamer Grrl mit ziemlich krankem Humor und jede Menge Lederhosen-Orks – die Wunderkrieger leben die Tridmischung aus Heimatkitsch und Alpen-Comedy der legendären Serie bis zum Extrem. Der Schlüssel zur Kooperation mit dieser Gang liegt wie bei vielen Posern in der genauen Kenntnis der eingängigen Tropes und Facts der Serie. Im Fall von „Wunderkrieg“: Einer möglichst irrwitzigen, aber eben auch witzigen Begründung, warum die spontane Rebellenallianz mehr Sinn macht, als die Opfer wie Pinjatas aufzuhängen und mit Vorschlaghämmern zu bearbeiten, bis sie platzen.
    Anzahl: W6+2. Werte: wie Streifenpolizist (SR5 S.383) mit entweder Schrotflinten (1-4 auf W6), SMG (5 auf W6) oder Sturmgewehr (6 auf W6).
Bildschirmfoto 2019-02-13 um 11.44.25

  • 14 Die Katanas – In einer perfekten Welt hätte diese Gang exakt 47 Mitglieder, um dem historischen Stoff japanischer Legende (und diversen Entertainment-Iterationen desselben Stoffs) exakt zu entsprechen. Da Mitgliederzahlen von Gangs einer gewissen Fluktuation unterliegen, verzichten die Katanas auf die numerische Festsetzung, versuchen aber dennoch soviel Samurai-Ronin-Ninja-Wakizashi-Karatekid-Ehrenmann-Manga-Pop wie irgend möglich in den eigenen Lifestyle zu pressen. Das Ergebnis sind Biomodifikationen mit zu großen Augen, Haarimplantate mit unrealistischem Physikverhalten, grotesk überdimensionierte Leichtmetallschwerter und eine ritualisierte Vergewaltigung japanischer Kultur und Sprache, die man höchstens noch als Technobabble bezeichnen kann. Und natürlich ist kein einziges Mitglied tatsächlich japanischer Abkunft.
    Anzahl: 4 + 1 Anführer. Werte: wie Schläger (SR5 S.381).
  • 15 Die KKK (Karls Kombat Krew) – Zur Verteidigung der Gangmitglieder: Diese Kids sind derart entrückt von jeder Echtweltbildung, dass sie vom Ku Kux Klan noch nie gehört haben. Dafür können sie sich mit dem gesamten Zoo des Karl Kombatmage Franchise umso besser aus. Jedes Mitglied „lebt“ genau einen Charakter der beliebten Tridserie, und natürlich MUSS der Anführer ein magisch aktiver Norm sein – was auch im Fall wiederholten Ablebens stets sehr schnell einen neuen „Karl“ an die Spitze spült, der viel zu raffiniert ist, um diese Chance auf Anbetung und bedingungslose Gefolgschaft ungenutzt verstreichen zu lassen. Neben „Karl“ gibt es natürlich stets mindestens einen „Sammy“ (stumpfer Dumpfprügler, selten ein echter Street Samurai), einen „Ritschie“ (Fahrer, selten tatsächlich ein Rigger), einen „Danny“ (meist der mit dem besten Kommlink), einen „Tobi“ (any Troll will do) und im Regelfall auch eine „Ellie“ (Elfin), einen „Olaf“ (Ork), einen „Zach“ (Zwerg) und – aus sehr pragmatischen Gründen – einen einigermaßen kohärenten „Schorsch“ (Schieber), der ähnlich wie der amtierende „Karl“ die schwachsinnige Loyalität der debilen Fanboys und -girls für seine eigenen Zwecke zu ge- oder missbrauchen weiß. Die KKK ist übrigens auch eine hübsche Idee für das Kontakte-Netzwerk eines Runner-SCs.
    Anzahl: 4 + 1 Anführer. Werte: wie Schläger (SR5 S.381). Anführer wie Anführer Konzernsicherheit (SR5 S.382).
  • 16 Die Trekkies – Ja, diese Idee ist von CP2020 geklaut (genauer gesagt aus dem extrem genialen „Protect & Serve“ Polizeikampagnen-Quellenbuch). Verklagt mich doch. Das zentrale Heilsversprechen von Star Trek war stets eine zukünftige, geeinte Erdgesellschaft mit den höchsten moralischen Werten. In einer chaotischen und dystopischen Sechsten Welt wirkt dieses Versprechen umso stärker – und schon deshalb, weil Star Trek im Gegensatz zu vielen anderen Franchises von Beginn an sehr „inklusiv“ war und nach dem Erwachen auch schnell Alienrassen an Bord der Enterprise einführte, die eine mehr als zufällige Ähnlichkeit mit Zwergen und Trollen hatten (die „Elfen“ (Vulkanier) und „Orks“ (Klingonen) gab es ja bereits). Selbst Humanis-Rassisten fühlen sich im Franchise nach wie vor sehr wohl, da „die Menschheit“ gemäß dem etablierten Rodenberry-Kanon eben nur „normale Menschen“ umfasst, das Erwachen nie stattfand und alle „Metas“ zwar mehr oder minder akzeptierte Aliens, aber eben doch ALIENS sind. Magie wird in den Serienfortsetzungen nach dem Erwachen als Ausbildungen extrem fortschrittlicher Technologie gehandhabt (mit einigen enorm polarisierenden Folgen sowohl während der Shedim- als auch der KFS-Krise, die im Star Trek Universum als Aspekte desselben „Megafeindes“ der Handlung verhandelt wurden, der Alien-Intelligenz/Nanomaschinenrasse „Strixx“). In jedem Fall sollte man Vertreter einer Trekkie-Posergang nicht unterschätzen: Einerseits haben diese eine enorme (Kampf-)Moral, da sie sich als Idealbilder der Sternenflotte und der gesamten Menschheit empfinden. Andererseits sind alle Gangmitglieder absolute Technikfreaks, die sich jede auch noch so abstrus experimentelle Technik einpflanzen lassen, sobald diese verfügbar ist. Wohl dem, der mit der wohl verbreitetsten Form von Trekkies zu tun hat: Als „rechtschaffen gute“ Fanatikergang käme diese nie auf die Idee, ein Implantat zu nutzen, das nicht mindestens CE und TÜV-Zulassung hat. Die ECHT abgedrehten Trekkie-Gangs hingegen versuchen, die Technik des 22.+ Jahrhunderts zu simulieren, was (nebenbei) auch den Anteil der Fragmentierten in Poserkreisen gehörig in die Höhe getrieben hat. Vom Habitus her geben die meisten Trekkie-Gangs vor, ein Außenteam von Zeitreisenden auf der postapokalyptischen Erde zu sein (die 2053 in einem nuklearen Krieg unterging, ihr Trek-Banausen). Speziell die „Vulkanier“ (Elfen) und „Klingonen“ (Orks) unter den Trekkies können mitunter anstrengend sein, wenn sie als (hoffentlich rot beshirtetes) Mitglied des Außenteams versuchen zu ergründen, warum in dieser Zeitebene Mitglieder ihrer Rasse auf der Erde leben.
    Anzahl: 1W6+2 Werte: wie Schläger (SR5 S.381).

2: Thrill Gangs

Thrill oder Party Gangs werden durch die Sinnlosigkeit einer modernen Welt befeuert, in der nichts mehr eine Rolle spielt. Alle Politiker sind korrupt, alle Konzerne lügen, alles ist Scheiße und Selbstbetrug. Also lasst uns die Boxen aufdrehen, ordentlich Drogen einschmeißen und etwas verdammt Dummes tun, um uns lebendig zu fühlen.

  • 21 Randale-Kids – Die örtliche Gang hat einen belanglosen Namen wie „Team 666“, „Krissi’s Krew“, „Die Overchiefs“, „Fackgasse 12“ oder „Megaschlongs“, aber kein wirkliches Identitätskonzept. Es sind einfach die örtlichen Randalekids, zusammengewürfelte Mobber, Nazischläger, linke Ratten oder unter einem beliebigen anderen politischen, moralischen, religiösen oder gänzlich sinnentleertem Mantel operierenden Thriller, deren einzige Daseinsberechtigung darin besteht, auf Schwächere loszugehen. Als solches wird sich die „Gang“ mit offensichtlich bewaffneten Runnern wohl kaum anlegen – wahrscheinlicher ist, dass die Runner Augenzeuge davon werden, wie eine Gruppe menschlichen Abschaums seine begrenzte Macht völlig rücksichtslos gegen einen zahlen- wie stärkemäßig hoffnungslos Unterlegenen missbraucht. Vergewaltigen, Penner anzünden, den Laden einer Hilfegruppe zerlegen, die örtliche Minderheit jagen oder einen beliebigen, möglichst hilflosen Passanten den Bordstein beißen lassen sind eher Taten, die den Runnern vom SL neutral präsentiert werden können – um es den SCs dann selbst zu überlassen, ob sie auf diesen „ganz normalen Alltagsterror“ der Sechsten Welt reagieren wollen oder eben nicht. Kompliziert wird die Lage natürlich dann, wenn die Runner eigentlich den Goodwill der lokalen Gang anstreben („Passt auf das Fahrzeug auf“, „Gebt uns Bescheid wenn ihr diesen Typ hier seht“) und dafür den „Lifestyle“ der Gang tolerieren müssten. Niemand hat gesagt, dass die rationellste, weil einfachste Entscheidung auch die moralisch beste ist.
    Anzahl/Werte: 1W6 Schläger (SR5 S.381) + 1W6/3 Ganger (SR5 S.382), von denen einer als Anführer fungiert und der oder die restlichen als seine Lieutenants.
  • 22 Die Momo Men – DeMeKos soziales „Momo“ Netzwerk ist eine groteske Perversion dessen, wovor uns der Autor von „Momo“, Michael Ende, zu bewahren suchte. Umso mehr, da der Claim des Netzwerk „Dein Leben ist eine Geschichte“ ist und auch nach Darstellung des DeMeKo-Marketings direkt auf dem Momo-Zitat „Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit“ beruht. Den Momo Men ist dieser „intellektülle“ Sachbezug natürlich vollkommen unbekannt – sie siften die Momo-Feeds lediglich nach lokal verorteten Thrills mit leichten Zielen. Sie sind diejenigen, die sich zur Sweet Sixteen-Party selbst einladen, die eine streitbare Galerieeröffnung an Hassgruppen spawnen, die ein unbedacht oder heimlich geteiltes Sexfoto auf alle AR-Fenster der Nachbarschaft sharen und auch ansonsten alles tun, um angreifbaren Mitgliedern der Komsumgesellschaft durch ihre eigenen Tools und Kanäle maximalen Schaden zuzufügen. Durch ihre territoriale Begrenzung sind die physisch harmlosen, aber technisch versierten Momo Men eine perfekte Infoquelle für das Kommen und Gehen im Block. Sofern man sich mit Abschaum gemein machen will.
    Anzahl: 3W6. Werte: wie Schläger (SR5 S.381), gerne schwächer.
  • 23 Die Corpkids – Irgendwo zwischen Posern und Thrillern rangieren die Extrem-Fanboys der Band Renraku Corpkid Riot (RCR). Ursprünglich bestand Renrakus Plan darin, mit einer subtil geförderten „Protestband“ gegen das Megakonzern-Mandat ein Ventil für Teenager zu schaffen, die Marke Renraku zwar Scheiße, aber zumindest relevant zu finden. Natürlich eingebettet in eine Generationenstrategie, die RCR-Fans nach erfolgreichem Abschluss ihrer vorübergehenden Teenager-Protestphase den moralisch einwandfreien Rückanschluss an das Renraku-Kollektiv ermöglichte. Und mind you: Die Strategie war mega-erfolgreich! Aber ein paar Extrem-Revoluzzer (im Renrakusprech „gesellschaftlich Dysfunktionale“) bleiben halt übrig, und viele von diesen „disenfranchised youth“ landen in der Corpkid-Gangszene, die sich nie über die Messages von Renraku Corpkid Riot als „It’s only Rock’n’Roll“ erheben kann. Den meisten RCR-Fans ist ihre Begeisterung für die martialische Band mit den dumm-protestlerischen Kampfparolen-Lyrics natürlich im Nachhinein peinlich, wenn sie erwachsen sind (Fun Fact: Renraku-Vorgesetzte können Ex-Fans unter den Angestellten durch die betreffenden Social Credit Scores und gespeicherten Jugendprotest-Posts sehr effizient dazu anstiften, jetzt umso eifrigere Renraku-Bürger und Bücklinge zu sein). Aber es gibt eben auch jene Wenigen, welche die in Renrakus eigener Social Strategy Abteilung entwickelten Protesttexte ernst nehmen. Diese versteifen sich umso mehr auf die große Message des Allgemeinprotestes, je klarer ihnen sein MÜSSTE, dass ihr Teen-Protest gescriptete Realität war. Corpkid-Gangs wollen ERNST genommen und als Influencer einer kommenden globalen Protestelite wahrgenommen werden. Runner, die es über sich bringen, diese schäbigen Nullversteher und Modeopfer zu hoffieren, werden wenig Probleme mit Corpkids haben. Aber wehe, du sagst einem failed Twen mit Che-Guevara-Allüren, dass er nur ein greiser Teen ist.
    Anzahl/Werte: 2W6+2 Ganger (SR5 S.382), jeder 4. Ganger ist vom Typ Anführer (Lieutenant), der Gangboss ist nicht anwesend (für diesen im Bedarfsfall den Archetyp Sprawlganger (SR5 S.126) verwenden.
  • 24 Die Rote Armee – Wer als Heranwachsender in Berlin seine Eltern und sein Umfeld mit irgendetwas verstören will, muss sich echt was einfallen lassen. Man braucht kein Freund von geistlosem Konzerngehorsam oder anarchistischer Selbstbestimmung zu sein, aber jene beiden Pole sind zumindest im Laufe der letzten 40 Jahre hinreichend ausdefiniert worden, dass weder der eine noch der andere Pol irgendein Elternteil sonderlich überraschen könnte. Nicht wenige Jugendliche wenden sich daher extremen oder extrem abseitigen Positionen zu, die Neoliberale wie Anarchisten gleichermaßen entsetzen – wenngleich aus völlig verschiedenen Gründen. Da genügt es auch nicht, nur irgendwie kollektivistisch zu sein – nein, Mitglieder der Roten Armee sind derart extrem fundamentalistisch-kommunistisch, dass selbst Mao, Lenin, Marx und Stalin schreiend davonlaufen würden (again: jeweils aus verschiedenen Gründen). Berliner Rotarmisten mögen dank Chipslot perfekte Propoagandawiedergabegeräte sein und haben meist mehrere Agentenprogramme parallel laufen, die ihnen die jeweils besten Argumente und Kampfansagen für die Befreiung des Weltproletariats (gegen Konzerner) oder den Irrweg des Ich-Kults (gegen Anarchisten) ausspielen – tatsächlich ist ihr Wirken als Gang aber nicht politisch, sondern rein durch den Kick der Provokation getrieben. Entsprechend sind Schutzgeldzahlungen und Raubüberfälle immer nur „Rekollektivierunen des Volksvermögens“.
    Anzahl/Werte: 4W6 Schläger (SR5 S.381) + 3W6/3 Ganger (SR5 S.382), von denen einer als Anführer (Exekutivgenosse) fungiert und der oder die restlichen als seine Lieutenants (Volkswillenvollstrecker).
  • 25 Die Elite – Landläufig gelten die „Fine Young Capitalists“ [#datapuls:berlin S.12] als Bodensatz elitistischer Verkommenheit – aber immerhin sind diese Söhne reicher Familien zumindest noch auf eine Business Schule gegangen  und haben irgendeine Art von Zukunftsplan, der mit überbezahlter Arbeit und wenigstens rudimentärer Leistung zu tun hat. Die Mitglieder der „Elite“ hingegen sind ein eingeschworener Club megareicher Sprösslinge, die sich völlig entrückt vom Rest der Gesellschaft sehen – quasi eine neue Art von Herrenrasse, die zu keinem Zeitpunkt auf irgendeine Art von Leistungserbringung angewiesen sein wird. Egal, wieviel sie in ihrem Leben ausgeben werden. Von Geburt an gepampered und umgeben von Bücklingen, Dienern, Sorgenbefreiern, rückgratlosen Life Coaches und anderen Ego-Bestärkern glauben die Mitglieder der Elite, dass sie von Geburt an besser als jeder andere sind und ein absolutes Anrecht auf ihren privilegierten Status haben. Von allen Sorgen befreit und zum Kotzen gelangweilt von jeder Art „braven“ Nichtstuns, holt sich die Elite ihren Kick durch konsequent gelebte Verachtung für alle Besitzlosen – und das schließt alle Leute bis zum High-Lifestyle  ein. Mitglieder der Elite fahren die besten, abstrus gepimpten Fahrzeuge, sind umgeben von einer Schwadron von Bodyguards (und manchmal Runnern) und ebenso vielen Anwälten, sie scheißen auf Gesetz und Moral und ergötzen sich an jedem medialen Aufreger der „Untermenschen“ über ihr Tun. Obdachlose anzünden? Langweilig. Sich lachend ein Baby aus einem Kinderwagen greifen und übers Dach der Luxuslimos zuwerfen, während einer das Ereignis auf Momo streamt? Der Brüller. Dann natürlich die zu Recht Entsetzten im Stream verhöhnen, regelmäßig im West-Trid auftreten und genüsslich das Klischee des barbarischen Berlin breittreten. Und dabei aber auch der Konsumgesellschaft das Spiegelbild der eigenen, zum logischen Ende fortgedachten Fratze zeigen. Natürlich sind Elite-Mitglieder regelmäßige Gäste auf den Spitzenplätzen der Berliner Crowdhunting-Plattform „MostHunted“ – aber deshalb gibt es ja die bereits erwähnten Bodyguards, von denen die Elute einen gehörigen Verschleiß hat. Die reale Todesgefahr des kollektiven Hasses ist der höchste und letzte Kick der Elite. Also warum wurde diese „Gang“ nicht längst mit Stumpf und Stiel ausgebrannt? Erstens, weil immer nur ein kleiner Teil der Elite zur massengejagten und medial bekannten Berühmtheit zählt (nämlich: die aktuellen Anführer, deren Rang aus ihrem Vermögen multipliziert mit ihrem Kopfgeld auf MostHunted und der Zahl ihrer Stream-Follower gebildet wird). Zweitens, weil die Megakonzerne keinen Anlass haben, sich des Problems anzunehmen: Die reichen Erben der Elite haben sich meist schon vor Generationen aus der aktiven Unternehmensteilhabe verabschiedet – da gibt es keine Elite-Mitglieder, deren Untaten auf einen Konzern zurückfallen würden. Im Gegenteil: Die Sinnentleertheit der Elite ist das perfekte abschreckende Beispiel, der perfekte Gegenentwurf zum offiziell propagierten „Leistung lohnt sich“-Lifestyle der Konzerne (da sind die Konzernkinder der Fine Young Capitalists schon deutlich PR-schädlicher, weshalb diese auch lieber unter dem Medien-Radar bleiben). Drittens, weil es da draußen immer genug Runner und andere Waffenträger gibt, die sich um die Unversehrtheit megareicher Arschlöcher kümmern, solange die Kasse stimmt. Viertens, weil ihre Anwälte wirklich gut sind, das Bestechungsgeld reichlich fließt und vom Sternschutz verhaftete Elite-Mitglieder unter derbst dreisten Argumenten von der Haft ausgenommen und wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Und fünftens, weil bis 2080 auch die dünne Schicht des obersten Prozentes derart angeschwollen ist, dass es immer Nachwuchs für die Elute geben wird (und – wenn auch schweigend – zur „Elite“ zu gehören, gilt in den gelangweilten Kreisen der Megareichen durchaus als „chic“). Die Elite kann als Auftraggeber für Runs auftreten, und das nicht nur für Bodyguard-Jobs. Vielleicht sollen die Runner ein Museum der Preußenstifung übernehmen, damit dort ein kleiner Rave stattfinden kann. Vielleicht sollen die Runner einen moralisierenden Journalisten entführen, den die Elite live im Stream hinrichten will. Vielleicht muss der BeJuDi-Server gehackt und digitale Beweise gegen den aktuell Angeklagten der Elite gelöscht werden. Vielleicht müssen Zeugen „überzeugt“ werden, plötzliche Anmesie zu erleiden. Vielleicht lässt ein besonders verzweifelt Gelangweilter auch ein Drachenei stehlen, um sich live ein Omelett daraus zu braten (was er nicht überleben wird, aber das ist dann die kleinste Sorge der Runner, die vom Vorhaben ihrs anonymen Auftraggebers nichts wussten).
    Anzahl und Werte: 1W6 Mitglieder der Elite (kampftechnisch irrelevant – hohe Werte in Arrogantsein, und sofort erbärmlich werdend, wenn es ihnen ans Leder geht), je anwesendem Mitglied 1W6 Bodyguards (Werte wie Waffenspezialist (SR5 S.118) oder anderer Schattenläufer-Archetyp, darunter mindestens 1W3 Kampfmagier) plus 2W6 „normale“ Körperschützer (wie Konzernsicherheit (SR5 S.382)). + 1W6 „Anführer“ (Lieutenants) + 1 Boss.
  • 26 Die Volksfront – Irgendwann mag diese Gang mal als pro-anarchistische politische Gang oder Beschützergang bedrohter alternativer Nachbarschaften begonnen haben. Inzwischen ist es ein deutlich größeres Randalierer-Kollektiv, das seine anarchistische Grundgesinnung nur noch als Feigenblatt für sinnlose Gewalt, brennende Autos, spontane Barrikadenentzündung und kreativen Terror im Übergangsbereich zwischen Konzern-/Norm- und Alternativen Gebieten verwendet. Natürlich bekennt sich die Gang samt den diversen Ablegern wie VF-7, Front-78, Lokalfrontisten Haselhorst, Xberger Frontschweine, HassMatt, Molotovianer, Knights of Daemonika, P.U.R.G.E., Die Siebten Söhne, Liberators, Sperber 71, 1KO+ (Mehr Als Tausend Ogers), D-Fyers und SK-lation 88 offiziell zu Sprawlguerilla und Letzter Front – es darf aber bezweifelt werden, ob die Letzte Front das ebenso sieht und besonders happy über deren erratisch rumrandalierenden Support ist.
    Anzahl: 4W6 + 1 Boss. Werte: Normale Member wie Schläger-Anführer (SR5 S.381). Für den Boss den Troll-Kampfmagier (SR5 S.116) verwenden.

3: Pusher Gangs

Für Pusher Gangs ist die Zugehörigkeit zu einer Bande der Weg zu wirtschaftlichem Erfolg. Ob die Gang Drogen oder Chips vertreibt, Einbrüche macht, Pferdchen auf die Straße schickt, auf riskante Straßenspiele wettet oder den örtlichen Waffenmarkt kontrolliert: Die Gang ist ein Start-up, das irgendwann zu den ganz Großen gehören oder durch diese übernommen werden möchte. Hoffentlich nicht allzu feindlich.

  • 31 Die Masken – Kennzeichen der „MasQ“-Gang sind gemoddete Filtermasken und Schutzbrillen mit Displayfunktion, auf deren Oberfläche GIFs, Avatar-Augen, Smileys oder auch Text wiedergegeben werden können. Auch andere Kleidungsteile haben oft Leuchtstreifen, integrierte Displays oder einfach angeschraubte Wegwerf-VolksKOMMs, die zum Streamen von Lichtanimationen und andere Effekte genutzt werden. Außerdem nutzen alle Gangmitglieder geschlechtsneutrale Voicebox-Stimmverzerrer. Die Gang dealt in Cram und anderen Drogen, in illegalen Entertainment-Chips und in allem, wo die Gang sonst noch rankommt. Soweit man weiß, verfolgt die Gang keine politische Agenda und operiert selbständig und unbeeinflusst durch größere Crime-Syndikate. Als HQ wird der Berliner „Himmel“ vermutet, aber die Gang spawnt bewusst auch gegenläufige Gerüchte und setzt auf Mobilität, Anonymität und möglichst umfassende Unangreifbarkeit. Dem Körpertypus der Mitglieder nach besteht die Gang aus Norms plus möglicher Weise Orks und Elfen, jedenfalls keinen Trollen und Zwergen und erst recht keinen abseitigeren Metavarianten, und sofern Frauen Mitglieder der Gang sind ist das an der Figur unter der dicken Panzerkleidung zumindest nicht zu erkennen. Anführer ist ein Typ namens „Cryme“, der an seinen roten Avatar-Augen zu erkennen sein soll. Allerdings „springen“ die roten Augen zuweilen vom Display einer Schutzbrille zur nächsten, und die Stimmmodulation von Cryme ebenso. Ob das bedeutet, dass es einen Anführer gibt, der lediglich ein schlechtes Ziel abgeben will, oder ob die Gang tatsächlich kollektivistisch geführt wird, ist unbekannt.
    Anzahl: 4W6. Werte: wie Kriminelle Organisation (SR5 S.383).
  • 32 Malmstrom – Seufz. Okay, natürlich ist auch das ein shameless ripoff von Cyberpunk 2020 bzw. 2077. Nämlich der „Maelstrom“ Gang. Ziel der Gangmitglieder ist es, sich maximal zu vercybern, um somit dem Fluch des lebenden Fleisches zu entkommen und sich zur Maschine zu machen. Man könnte denken, dass sich diese Gang über KFS gefreut haben müsste – aber das Gegenteil ist der Fall: Schließlich geht es ja nicht darum, sich durch einen feindlichen Virus überschreiben zu lassen, sondern das eigene Ego auf eine höhere Bewusstseinsebene zu setzen und Unsterblichkeit zu erlangen. KFS hat extrem unter den Gangmitgliedern gewütet, und dennoch hat die Gang durch eiserne Disziplin, harte Maßnahmen, erfolgreiches Wirtschaften und kluge Investition der Gelder in Scan- und Purge-Maßnahmen seine Existenz erhalten können. Malmstrom ist aktuell dennoch angeschlagen und erst wieder dabei, sich neu aufzubauen. Gangmitglieder entfernen sich bei Aufnahme in die Gang selbst die Augen, um sie durch möglichst verstörende auffällige Implantate mit maximaler Sensorleistung zu ersetzen. Die Pusher-Aktivitäten der militärisch organisierten Gang dienen ausschließlich der Finanzierung der weiteren eigenen Vercyberung ihrer Mitglieder. Die Gang dealt vor allem in Cyberware, militärischer Ausrüstung, Waffentechnik und Drohnen.
    Anzahl: 1W6 + 1 Anführer. Werte: wie Strassensamurai (SR5 S.112).
  • 33 Pentagram – Es ist nicht ganz sicher, ob die Mitglieder der Pentagram-Gang tatsächlich ALLE magisch aktiv und in Form eines Covens oder Ritualkreises organisiert sind. In jedem Fall sind VIELE, wenn nicht die meisten Mitglieder magisch aktiv, und die Pusher-Aktivitäten der Gang dienen vor allem der Beschaffung von Geldmitteln zum Erwerb seltener Reagenzien und anderer Telesma. Pentagram tritt auch als Auftraggeber in den Schatten auf und scheint ständig auf der Suche nach arkanen Substanzen zu sein, die sie entweder an Auftraggeber verkaufen oder für ihre eigenen Ritualzwecke benötigen. Theoretisch können auch magisch aktive SCs Mitglied bei Pentagram werden – im ersten Initiationskreis der Gang umfasst dies wenig mehr als den Willen dazu, die Gang bei der Beschaffung von Geldmitteln und Telesma zu unterstützen, wofür einen die Gang dann umgekehrt ebenso bei der Beschaffung teurer oder seltener Bedarfsstoffe unterstützen wird. Die Gangcolors sind ein rotes Pentagram auf schwarzem Untergrund, in der Gang treten aber verschiedenste Spielweisen des Stils auf (von roter Sprühfarbe auf schwarzem Synthleder bis zum aufwändig gefertigten rubinroten Pentagramm-Pin auf Obsidian am Revers eines Actioneer Business-Anzugs).
    Anzahl: 2W6. Werte: wie Magische Ermittlerin (SR5 S.114).
  • 34 Die Augen – Die „Augen“-Gang gehört zu den wichtigsten Informationsdealern im Berliner Metroplex. Das Zeichen der Gang ist das „allsehende Auge“ – manchmal auch als Horusauge -, meist in einem Dreieck. Auch andere Zeichen von Illuminaten, Freimaurern und realen wie popkulturellen Geheimlogen sind beliebte Motive der Gang. Die Gang besteht etwa zur Hälfte aus Deckern mit einem besonderen Faible für das Hacken öffentlicher Kameras. Darüber hinaus nutzt die Gang einen beträchtlichen Teil ihrer Einkünfte, zwar billige, aber funktionale Minikameras (im Sinne „aufsteckbarer Laptopkameras“) an versteckten Punkten überall in den alternativen Bezirken anzubringen und „monetarisierbare“ Beobachtungen zu erfassen. Das bringt die Gang einerseits in Konflikt mit der chronisch paranoiden Anarchistenbewegung, andererseits greifen Alternative Polizeidienste gerne auf ihre Erkenntnisse zurück, um Verbrechen aufzuklären (ja, viele Alternative Polizeidienste leisten durchaus klasssische Polizeiarbeit, wenngleich oft auf erschreckend amateurhaftem Niveau „as seen on Trideo“.
    Anzahl: 1W6 + 1 Anführer. Werte: wie Kriminelle Organisation (SR5 S.383).
  • 35 Nochnoi Dozor – Die „Nachtwache“ stellt sich gerne als Informations- und Schutzdienst einiger alternativer Nachbarschaften dar, die gesteigerte Probleme mit Crittern oder anderen übernatürlichen Phänomenen haben. Tatsächlich jagt die Gang aber Critter und andere Wesenheiten, um diese ganz oder in Teilen als Telesma zu verkaufen. Weitere Ventures der Gang sind leistungssteigernde Drogen sowie insbesondere Psycho und Zen, die von der Gang selbst intensiv konsumiert werden. Das Zeichen der Gang ist ein schwarzer Schädel, dem ein rotes, russisch-orthodoxes Kreuz in die Stirn gerammt wurde.
    Anzahl: 3W6. Werte: wie Ganger (SR5 S.382), aber mit Ganzkörperpanzerung (SP15). Chance von 3 in 6 dass eine Gruppe der Nachtwache zudem entweder (1-4 auf W6) über einen Magischen Ermittler (SR5 S.114) oder (5-6 auf W6) eine Geisterjägerin (SOTA:ADL S.140) als Anführer verfügt.
  • 36 Die Firma – Die Firma wurde von Konzernern gegründet, die dem harten Wettbewerb innerhalb der Berliner Unternehmen zum Opfer vielen. Einige wurden gefeuert, nachdem ihre dunklen Machenschaften durch Runner enthüllt und/oder einem Gegenspieler geliefert wurden, anderen wurde im Zuge eines Runs gezielte gefälschte Beweise angeblicher Untaten untergejubelt, wieder andere mussten ihr zentrales Erfolgsprojekt aufgeben, nachdem Runner es in einer Sabotageaktion zum Scheitern gebracht hatten. Die ersten Mitglieder der Firma lernten sich in der Matrix bei Gesprächen über gemeinsame Leidenswege kennen, inzwischen scannt die Firma gezielt die Infoboards und Klatschartikel der Wirtschaftspresse nach neuen „Kandidaten“, die trotz hohem Talent und einem unerbittlichen Killerinstinkt-Mindset aus ihrem Konzern geflogen sind. Die Firma bietet Gescheiterten eine neue Chance außerhalb aller hemmenden „Spielregeln“ der Konzerne. Inzwischen umfasst die Firma neben etwa 30 Mitgliedern des „Boards“, die sich alle „Schmidt“ nennen, etwa 100 weitere Mitglieder als ausführende Organe – viele davon ehemalige Bodyguards und Sicherheitskräfte, die entweder direkt mit ihrem Chef gehen mussten oder die anderweitig wegen „totaler Inkompetenz“ gefeuert wurden, nachdem Runner das von ihnen gesicherte Objekte ausraubten. Die Firma verfolgt mithin zwei Ziele: Einerseits die Gewinnmaximierung, andererseits die Rache gegen spezifische Runnerteams und die Runnerszene im Großen und Ganzen. Wirklich erfolgreich ist die Gang was den Gewinn angeht allerdings noch nicht: Die Firma scheut sich, die großen Player der Verbrechensszene direkt anzugehen, und operiert daher eher in Nischenbereichen, bei denen bestehende Konzernkontakte vorteilhaft sind (z.B. Geldwäsche, Dokumentfälschungen, Falsche SINs, Verkauf von Konzernuniformen etc.). Weitere Tätigkeitsbereiche sind Kunstraub, Hehlerei, Wettmanipulationen, Pyramidensysteme, Werbespam, Schutzgelder, Wachdienste, Schuldeneintreiber sowie Beratung krimineller Gruppen (Vermarktung, Logistik, Buchhaltung, Freies Reden, Agile Drogenentwicklung) etc.
    Anzahl (Exekutiv): 3W6. Werte (Exekutiv): wie Konzernsicherheit (SR5 S.382).

4: Bosozoku Gangs

Natürlich haben auch andere Gangs Fahrzeuge – aber für Bosozokus dreht sich das gesamte Leben der Gang um ihre Vehikel und den Rausch der Geschwindigkeit. Als mobile Gang beanspruchen Bosozoku Gangs kein (Wohn-)Gebiet, sondern eher bestimmte Straßen oder Abschnitte. Da Bosozokus hohe laufende Kosten haben, sind viele als Kuriere oder eben auch als Pusher tätig.

  • 41 Roadkill5 – Was man über diese Gang von gewaltgeilen Speedenthusiasten wissen muss, lässt sich im Grunde durch ihr Aufnahmeritual darstellen: Zu festen Zeitpunkten treten fünf Aspiranten in einem Todesrennen gegeneinander an, und nur der einzig Überlebende wird aufgenommen. Aus jenem Fünferritus zieht die Gang ihr Tag, in dem das „S“ von „Roadkills“ als „5“ geschrieben wird, und auch die weiteren Hierarchieränge. Chapterfights und Rituale bauen auf Spielweisen des „Kampfes der Fünf, Winner takes it all“ auf. Gut möglich, dass die Roadkill5 den SCs helfen, nachdem diese vier (chancenlose) Wannabes in Rennen besiegt und gekillt haben. Aber werden die Runner sich auf dieses Niveau hinablassen? Und was sagt das über sie aus?
    Anzahl: 2W6 motorisierte + 1W6 „Anführer“ (Lieutenants) + 1 Boss. Werte: wie Ganger (SR5 S.382) mit passenden Fahrzeugen (ggf. mehrere in/auf 1 Fahrzeug) und Würfelpool 7 für Fahrproben. Für den Boss verwenden Sie die Werte des Schmugglers (SR5 S.125).
  • 42 Die Nightblades – Wir bespielen eine magische Welt, und trotzdem enden unsere Spielkonzepte meist bei den üblichen Troll- oder Elfen-Gangs. Die Nightblades sind eine Gruppe junger Vampire, die Berlins Straßen deutlich unsicherer machen und durch eine strenge „vampiresse oblige“ geleitet werden: Natürlich sind ihre Rennbikes schwarz und verchromt, natürlich sind alle Mitglieder nicht nur „untot“, sondern auch dämonisch schön und mit teuerstem Racing Leder bekleidet. Und natürlich tragen sie alle tatsächlich antike Katanas, die als „Seelenwaffe“ des eigenen, natürlich mindestens tausend Jahre altem Selbst eine geradezu heilige Signifikanz haben. SLs mit Grundkenntnissen in Vampire: Requiem (oder von mir aus VtM, wenn’s sein muss) sind herzlich eingeladen, den Eigenmythos des Gang-„Klüngels“ der Nightblades tüchtig aufzubohren. Wer will in der Sechsten Welt schon sagen, was popkulturell induzierter Vollstuss oder dunkle Wahrheit ist?
    Anzahl: 3 + 1 Anführer. Werte: Vampir (SR5 S.407f).
  • 43 Die Greaser – Du bist ein taffer Runner in einem Cyberpunk-Fantasy-Rollenspiel, der im Jahr 2080+ mit seinem aufgemotzten Japanobike durch die Zone flitzt. Und plötzlich überholt dich ein 1950er-gestyltes Muscle Car mit aufgesprühten Flammen?? WTF??? Das fasst eine Begegnung mit den Greasern ziemlich gut zusammen. Die Greaser sind große Fans der 1950er Jahre und sind tatsächlich mindestens ebenso sehr Poser wie Bosozokus. Ihre Kennzeichen sind Schmalztollen, Sonnenbrillen, Zichten, Jeans, Lederjacken und was immer sonst noch zum Style der Teddys, Rockabillies und James-Dean-Imitatoren gehört (ja, ich habe gerade „James Dean“ verlinkt, da ich mir nicht mehr sicher bin, dass meine Audience noch weiß, wer das war). Die Greaser fahren überwiegend Autos und neben einem absoluten Enthusiasmus für den Mercury Comet Cruiser [#schattenhandbuch1 S.180] sind sie technisch versiert genug, um dem Motor und Fahrgestell eines Eurocar Westwind eine recht überzeugende, 3D-gedruckte Nachbildung des 1957 Chevy Hot Rods überzuflanschen.
    Anzahl: 2W6 motorisierte + 1W6 „Anführer“ (Lieutenants) + 1 Boss. Werte: wie Ganger (SR5 S.382) mit passenden Fahrzeugen (ggf. mehrere in/auf 1 Fahrzeug) und Würfelpool 7 für Fahrproben. Für den Boss verwenden Sie die Werte des Schmugglers (SR5 S.125).
  • 44 Die Wilde Jagd – Diese Gang aus etwa 40 Trollen bevorzugt überschwere BMW-Maschinen der Typen „Mjöllnir“ und „Sleipnir“ und ist schon deshalb schon akustisch ein Ereignis ganz eigener Klasse. Während die Gang die meiste Zeit über „ganz normale“ Rocker mit einem deutlichen Wikingerfetisch sind (komplett mit Kunstfellen und heiligem Schlamm) sind die rituellen Ausfahrten der Gang zu Recht gefürchtet: Zu bestimmten Zeiten (die angeblich einem festen Regelwerk unterliegen) fährt die gesamte Gang im Konvoi eine zuvor per Orakel (oder mangelndem Schutzgeld) bestimmte Strecke entlang und richtet dabei maximale Zerstörung an.
    Anzahl: 3W6 + 1 Anführer. Werte: wie Dvornik (DP:Berlin S.44). Anführer: wie Kampfmagier (SR5 S.116)
  • 45 Die Okai-Boiz – Diese Gang ist eher ein Club, der locker über soziale Netzwerke verbunden ist. Er besteht aus zumeist gutsituierten, vom geordneten Leben im Renrakusan angeödeten japanischen Jugendlichen, die sich auf Berlins Straßen illegale Rennen liefern oder als Konvoi mit viel Lärm und Lichteffekten die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Da die Gruppe das Katz-und-Maus-Spiel mit den Cops genießen und gerne hart an der Kante der Illegalität surfen, können findige Runner die Gang als Ablenkung, für Kurierfahrten oder auch als Geleitschutz anwerben – vorausgesetzt, die Runner schaffen zuerst ein Rennen gegen den Besten der Gang zu gewinnen.
    Anzahl: 3W6 in hochgestylten und aufgemotzten Shin-Hyungs (1-5) oder Westwinds (6). Werte: wie Sicherheitsdienst (DP:Berlin S.44) mit Autoduellist-Lebensmodul (SOTA:ADL S.153), Chance von 1 in 6 dass einer der Okais vom Typ Rigger ist (SR5 S.124).
  • 46 Die Highwaymen – Das Voranschreiten der Automatisierung in der Logistik hat ebenso wie die wachsende Gefährlichkeit der Straße zahllose Trucker in die Arbeitslosigkeit getrieben. Etwa drei Dutzend von diesen haben sich zu einer Truckergang vereint. Die Highwaymen bieten einerseits Transporte unter dem Radar der großen Transportunternehmen an und versuchen irgendwie wirtschaftlich zu überleben, andererseits nähert sich ihr Aktivitätenprofil mit großen Schritten der kriminellen Karriere anderer Motorrockergangs. Trucks der Highwaymen haben meist schon einige Jahre auf dem Buckel, sind an zahllosen Stellen geflickt, mit aufgeschweißten Panzerplatten verstärkt und zuweilen sogar mit Stacheln und einem bewaffneten Ausguck versehen (wenngleich die gröbsten Verstöße gegen die StVO in Garagen am Stadtrand lagern und erst vor Abfahrt in die Brandenburger Walachei eingehängt und festgeschraubt werden.
    Anzahl: 2W6. Werte: wie Kopfgeldjäger (SR5 S.127).

5: Hate Gangs

Für manche Gangs ist es weniger wichtig, woFÜR man ist. Hauptsache, man ist GEGEN etwas. Die meisten Hassgangs sind rassistisch und haben entweder alle anderen Rassen oder auch eine ganz bestimmte auf dem Kieker. Viele, aber durchaus nicht alle Hassgangs kommen aus dem rechten Spektrum.

  • 51 Stahlfaust MC – Eine deutsch-orkische Hassgang auf Motorrädern, die immer auf der Suche nach „Nichtdeutschen“ = Irgendwie Dunkelhäutigen gleich welcher Rassenzugehörigkeit ist, um diesen das Leben zur Hölle zu machen. Wie die meisten Hassgangs von triefender Bösartig- und Gnadenlosigkeit wenn in der Überzahl, und rückgratlos feige, sobald sie in die Defensive gerät.
    Anzahl: 3W6+2 Werte: wie Schläger (SR5 S.381).
  • 52 Die Hüter – Eine extreme Ausprägung der Initiative Autofreies Kreuzberg und das, was geschieht, wenn mehrere Generationen Kiffer in demselben linksgrünversifften Lehrerkinderghetto aufwachsen. So sehen es jedenfalls deren Gegner. Die Hüter sind tatsächlich ein Alternativer Polizeidienst, dem die Zulassung seitens der BERVAG verwehrt wurde – in den Kiezen lässt Mama Bär wie gesagt einiges durchgehen, aber für Autohasser, die auch an anderen Stellen des Stadtgebietes sinnlos Autos anzündet um damit die Umwelt zu retten, da verweigert sich selbst die toleranteste Stadtverwaltung.
    Anzahl: 1W6+2. Werte: wie Streifenpolizisten (SR5 S.383).
  • 53 Fatwa 61 – Cyberware ist eine Versündigung gegen Allah, denn durch sie versucht der Ungläubige, SEINE Schöpfung zu verbessern. Dass die Islamisten im Emirat und anderswo keine Freunde von Augmentierungen sind und man seine Einbauten daher tunlichst verbergen sollte, ist bekannt. Die Fanatiker der Fatwa-61-Gang hingegen machen sich auf die Jagd nach Vercyberten, um sie im Namen Allahs zu bestrafen. Und weil sie eigentlich nur pervertierte Irre sind, die den Glauben der Muslime nur als Vorwand für ihre Gewaltorgien verwenden, reißen sie den Opfern bei lebendigem Leib die Implantate heraus, ehe sie die Sünder zu Tode steinigen – und natürlich verkaufen sie die Cyberware auf dem Schwarzmarkt, auf dass der Nächste sich an Allah versündigen kann.
    Anzahl: 2W6+2 Werte: wie Schläger (SR5 S.381).
  • 54 Kinder des Chaos – Die KInder des Chaos begannen als eine Art Schutzallianz von Metamenschen verschiedener Rassen gegen den Rassenhass von Humanis & Co. Je mehr Fälle von Grausamkeit den Mitgliedern der Gruppe bekannt wurde, desto mehr radikalisierte sie sich. Und entwickelte eine eigene Verschwörungstheorie, nach der die Rasse der Norms tatsächlich geplant und verabredet den Genozid an den Metamenschen vorbereiten würden. Seit Entstehen dieser Theorie in den Sechzigern gab es natürlich unzählige „Beweise“ der Wahrhaftigkeit – jeder Artikel über kriminelle Ork-Clans dienst der Vorbereitung des Genozids, KFS war nur ein Vorwand zur Internierung von Metamenschen, Norm-Politiker und Norm-Konzerner paktieren miteinander gegen Metas und schützen die Humanis-Hassgangs etc. Das Zeichen der Kinder des Chaos ist der „Chaos-Stern“, den sich viele der Mitglieder auf die Stirn tätowiert haben.
    Anzahl: 5W6 Werte: wie Schläger (SR5 S.381).
  • 55 Projekt RAGE – Es ist sehr gesund, seine Gefühle rauszulassen und mit den atavistischen Urinstinkten seines Steinzeit-Ichs im Einklang zu leben. Sagt der Erfolgsautor Hermann Krammert in seinem Buch über Zivilisationskrankenheiten „Die Bestie in Uns“. Krammerts Thesen werden seit über zehn Jahren in Teambildungs- und Management-Seminaren praktiziert, es gibt Urschrei-Workshops und die übliche Sammlung von Paleo-Gedöns, das den gestressten Leistungsträger von morgen mit seinen Instinkten aus dem Vorgestern versöhnen soll. Die extremste, seltenste und teuerste Ausprägung dieser Lehre macht in Runnerkreisen unter dem Namen „Projekt R.A.G.E.“ die Runde. Besagtes Projekt wurde von einem seinerzeit berühmten Runnerteam in den Fünfzigern enttarnt und war eine Art „Purge Event“ für die Reichen, bei dem sich diese gut beflankt mit Sicherheitspersonal und natürlich maskiert in die Zone begaben, um kräftig die Sau rauszulassen. Wer immer seinerzeit der Anbieter war, er ging durch Bekanntwerden seines Angebotes „Status-F-gerecht“ unter – aber immer wieder taucht eine Gruppe wild entfesselter Gewalttäter auf, die eine ungeheure Gier nach Blut mit einem unbändigen Hass auf Armut und Elend verbinden. Mitglieder der Rage sind maskiert, gepanzert, mit verschiedenen Waffen ausgestattet und vor allem völlig high auf Kampfdrogen. Und es wüssten wirklich VIELE gerne, woher diese Gruppen immer wieder auftauchen. Anzahl: 3W6 Rasende + 1W6+1 Begleiter. Werte: Rasende wie Schläger (SR5 S.381) plus Cram, Jazz oder Kamikaze. Begleiter wie Konzernsicherheit (SR5 S.382).
  • 56 Liga Iustitia – Die „Erinnyen“ genannten Mitglieder dieser reinweiblichen diskordianischen Splittergruppe hat ein unglaublich komplexes Glaubensgebilde errichtet, um ihren tumben Hass auf sich selbst und das Leben im Großen und Ganzen einen Anstrich von Sinn und Wahrhaftigkeit zu geben. Wie die Gerechtigkeit selbst will die Gruppe blind sein und damit gerecht: Was gehasst wird, bestimmt nicht der kleinmütige Geist des Einzelnen, sondern die einzig faire Kraft der Welt, der Zufall. Die Gruppe lädt am Tag der Zusammenkunft der Gruppe eine hohe Zahl von offenen Social Media Accounts und trendenden Themen hoch, aus deren Vielzahl dann drei Hassthemen ausgespielt und als verpflichtende Doktrin des Hasses angenommen werden. In der einen Nacht können die Erinnyen also auf Dawai!-Trinker, Elfen und Fans der Trideoserie „Karl Kombatmage“ losgehen (und besonders auf solche, auf die sämtliche dieser drei Kriterien zu treffen), in einer anderen Nacht trifft es Fans von Pudeln, Puma-Träger und Personen die den Loldragons-Post mit der kleinen rosa Alki-Fee geteilt haben.
    Anzahl: 2W6 Werte: wie Schläger (SR5 S.381).

6: Psycho Gangs

Und dann gibt es da noch die Gangs, die mal als irgendetwas Harmloseres angefangen, aber den Weg die lange Spirale hinab in das wahrhaft Böse und Kranke vollendet haben. Psycho Gangs herrschen durch Gewalt und Terror, und sind absolut begeistert, wenn du dich mit ihnen anlegen willst.

  • 61 Die Freakshow – Diese Gang besteht aus seltenen Metavarianten, Deformierten, Infizierten und Spike Babies, die in ihrem Leben derart viel Ausgrenzung erfahren haben, dass sie sich tatsächlich nicht länger als Mitglied der (meta)menschlichen Gesellschaft empfinden. Die Schuld an all ihren Gräueltaten schieben sie ebenso bequem wie nachvollziehbar auf „die Gesellschaft“ und ihre früheren Quäler ab: Ich bin ein Monster, weil ihr mich als nichts anderes sehen wollt. Als ob das normale Aussehen der Gangmitglieder nicht schon verstörend genug wäre, malen sich die Ganger mit Clownsschminke an und suchen ihr Gangterritorium mit soviel Freakshow-Horror-Deko auszustatten wie möglich. Die Freakshow ist eine Terror Gang, die es auf maximale Traumatisierung anlegt. Reale, potenzielle und imaginäre Gegner sollen derart abgeschreckt werden, dass sie sich lieber selbst entleiben, als die Gang anzugreifen. Zu diesem Zweck setzt die Gang neben Horrorfilm-würdigen Angriffsinszenierungen auch den Einsatz von halluzinogenem Gas und anderen Psychodrogen ein. Zudem spawnt die Gang unablässig Gerüchte, sie würde Opfer auffressen, verstümmeln, lebendig begraben oder vergessenen Göttern opfern.
    Anzahl: 3W6. Werte: Wenn es schnell gehen muss 50% Schläger (SR5 S.381) und 50% Ghule (SR5 S.406), aber idealer Weise sollte jedes Gangmitglied individuell gefertigt werden und eine wichtige Gangbegegnung gerne auch einen Vampir, einen fell-losen Albino-Zentaurenmagier oder einen verkrüppelten Zyklopen-Cyberpsycho umfassen.
  • 62 Fleischeslust – Kannibalismus ist schon seit den Schauerberichten über das Restaurant Gore fest mit Berlin verbunden. Und das unabhängig dessen, was in den dunklen Stunden der frühen Anarchie in Berlin tatsächlich passiert sein mag und was nur Medien-Fake war. Auch außerhalb der ganz kranken Ecken bewegt die Diskussion darum, wie weit die persönliche Freiheit gehen darf, die anarchistische Intelligenzija (Darf man dem, der gefressen werden will, dies verbieten? Gehört er in psychiatrische Behandlung? Und wer will das bestimmen?). Sei es wie es sei: Berlin übt auf Gestörte mit einem echten Bedürfnis nach Menschenfleisch eine große Faszination aus, und speziell unter Extremverwöhnten gilt der Verzehr von Menschenfleisch als so etwas wie das ultimative, letzte, höchste Übel, der finale Kick, wenn es schon sonst längst nichts mehr gibt, was einen kicken könnte. Die „Gang“, die hier beschrieben wird, ist keine Gang, und einen Namen hat sie auch nicht. Es sind Zusammenrottungen, Jagdpartien, die entweder spontan entstehen – als „Flesh“mob? – oder aus den tiefsten Schatten heraus organisiert werden als „Anarcho-Safari-Highlight“ der höchsten Preisklasse. Die zahlende Kundschaft ist freilich weit vom Geschehen entfernt und nimmt nur per Kamera- oder SimSinn-Feed am Thrill der Jagd teil (Ausnahmen einzelner Freizeitjäger bestätigen die Regel). Die Jagdgesellschaft bewegt sich in einem bestimmten Gebiet, die Zuschauer wählen ein Ziel aus, und ist dieses festgelegt, beginnt die Jagd. Diese endet mit der Gefangennahme des Zieles und Abtransport in einem reichlich zerschrammten Liefertruck eines längst nicht mehr existenten Fleischerzeugers.
    Anzahl: 2W6+2 Werte: Wie Axis-F-Agent (DP:Berlin S.45)
  • 63 Entity-B21 – Die Entity-Gang operiert aus dem Stadtteil Moabit heraus, ist aber im ganzen Stadtgebiet aktiv. Ihre Mitglieder kommen aus allen Rassen und Gesellschaftsschichten – doch sobald man der Gang beitritt, scheint man an Körperpflege und der Aufrechterhaltung sozialer Kontakte außerhalb der Gang keinerlei Interesse mehr zu haben. Das Zeichen der Gang ist ein Labyrinth in Form eines Gehirns, in dessen Mitte die Zielkammer „B21“ liegt. Außerdem hat die Gang eine gewisse Faszination an Rätseln, Fraktalen, Spiralen und optischen Täuschungen. Zudem scheinen alle Mitglieder der Gang in dasselbe Teamlink eingeklinkt zu sein, da die Wahrnehmungen jedes einzelnen Gangmitgliedes ohne Verzögerung auch allen anderen Gangmitgliedern zur Verfügung stehen. Gerüchte, dass Entität-B21 ein „bad merger“ des KFS-Syndroms ist, sind ganz gewiss überhaupt gar nicht wahr. Und natürlich ist Gangmitgliedschaft nicht ansteckend, und falls doch, dann bestimmt nicht bei denen, die von der Gang entführt wurden.
    Anzahl: 2W6 (Sechser werden hochgewürfelt) Werte: Wie Axis-F-Agent (DP:Berlin S.45)
  • 64 Die Frankensteiner – Mitglieder der Frankensteiner-Gang sind Psychopathen und Sadisten, die sich für Wissenschaftler halten. Sie glauben daran, dass die Sechste Welt gänzlich andere Ursachen hat als in den Medien behauptet, und dass nur die sorgsame Erforschung an „Veränderten“ (Metamenschen, Critter, Erwachte, SURGE-Opfer…) aufdecken kann, was die Weltelite der Konzerne und Regierungen zu verbergen hofft. Frankensteiner lehnen es ab, medizinische oder magische Fachkenntnisse zu erwerben, da Studenten dieser und anderer Fachgebiete durch das Studium von der Wahrheit weggelenkt und im Sinne der geheimen Herrscher der Welt konditioniert würden. Stattdessen bauen die Frankensteiner auf zerfledderte gedruckte Bücher aus dem 19. und 20. Jahrhundert und ihre eigenen Notizen, die ebenso verwirrend wie unsinnig sind (und meist unleserlich, da die Handschrift erratisch durch Blutflecke geschmiert wird).
    Anzahl: 2W6+2. Werte (Exekutiv): wie Konzernsicherheit (SR5 S.382).
  • 65 Der Partybus – Insektengeister mögen aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit nahezu verschwunden sein, aber das alternative Berlin mit seinen fest abgegrenzten Kiezen und verbarrikadierten Wohnblocks bietet manchem Schwarm auch heute noch ein hervorragendes Nest. Eines jener Nester schickt Sammler aus, um Lebendressourcen für das Nest zu besorgen – und diese Sammler sind natürlich besonders weit vom Nest entfernt auf Suche, um keinen Verdacht auf das Nest zu lenken. Eines jener Sammlerkommsandos ist der Partybus – ein schäbiger, mehrfach geflickter „Stattbus“, dessen vernarbte Hülle des Nachts aber mit schick animierten AROs umschwebt wird. Der Partybus kreuzt durch die einschlägigen Vergnügungsgebiete, passiert die Ausgänge der Diskotheken spät in der Nacht und setzt im Umfeld hübsche Frauen und Männer ab, die feierlüsternde Nachtschwärmer auf eine Fortsetzung der Party, einen Absacker, eine Mitfahrgelegenheit nach Hause oder einen Schlafplatz einladen.
    Anzahl: 2W6. Werte: siehe Straßengrimoire ab S.100.
  • 66 Aegis Sechs – Es gibt in Berlin eine gang-artig organisierte Gruppe, die Jagd auf Schattenläufer macht. Einige glauben, es handele sich dabei ähnlich wie Thraex um eine in Crash und Umsturz verlorengegangene Stay-Behind-Organisation oder eine Einsatzgruppe des Verfassungsschutzes, andere halten Aegis Sechs für ein Killkommando der Berliner Megakonzerne, das sich verselbständigt hat. Was immer der wahre Hintergrund sei: Aegis Sechs ist militärisch geschult, arbeitet präzise, scoutet seine Ziele lange vor dem Zugriff aus und macht beim Einsatz vom Element der Überraschung und fallengespickten Fluchtrouten intensiven Gebrauch. Zur Finanzierung greift Aegis Sechs einerseits auf Kopfgelder zurück, die auf Schattenläufer (reale wie angebliche) ausgesetzt werden, und steht natürlich auch Auftraggebern als Wetwork-Team, Racheengel und „Aufräumtrupp“ zur Verfügung. Die große Effektivität des Teams kommt auch daher, dass Aegis Sechs unter verschiedenen Decknamen selbst auf Panoptikum und Arachnet aktiv ist und – so Gerüchte – zum Teil selbst aus (Ex-)Schattenläufern besteht. „Psycho“ ist an dieser Gang vor allem die fanatische Hingabe der Gruppe an das Ziel, das einzelne Zielteam wie die „Seuche“ Schattenläufer insgesamt zu vernichten.
    Anzahl: wie Zielteam +W6. Werte: Selektion verschiedener Schattenläufer (SR5 ab Seite 112).

[36] Meeting Locations

… die im alternativen Berlin als Treffpunkte verwendet werden.

36dinge ist die Kategorie für Listen, die dir als Spielleiter das Leben einfacher machen können. Wann immer dir grade eine Idee fehlt, im Run die Action stockt, Downtime oder Wartezeit auf später eintreffende Spieler zu überbrücken oder eine Beschreibung “mal eben aus dem Ärmel geschüttelt” werden muss, helfen die Listen der 36dinge, den kleinen Denkanstoß zu geben. Gewürfelt wird auf den Listen mit 2W6, wobei einer die “Zehnerstelle” und der andere die “Einerstelle” ist.
backroom_rage_by_raben_aas-d32jobg

36 Meeting Locations listet 36 Örtlichkeiten, die man in Berlin (und anderswo) als Treffpunkte für Briefings und Debriefings – also: Auftragsvergaben durch Schmidts und spätere Übergaben heißer Daten, aber auch Treffpunkte für Schmuggler, Dealer, Menschenhändler, Auftragskiller – verwenden kann. Viele der genannten Locations haben einen eigenen „Berlin-Vibe“ (halloo, shadowrunberlin.de), sind aber mit wenigen Handgriffen ebenso an Hamburg, den RRP, Seattle, Hongkong oder praktisch jede moderne Metropole anpassbar.

1: Trutzburgen der Konzerne

  • 11 Konferenzraum in einem Business-Hotel – Muss man eigentlich nicht viel zu sagen. Die Runner erhalten vorab Hotelkarten mit RFID-Chip zugestellt, die ihnen Zugang zum Hotel und dem betreffenden Raum ermöglichen. Über diese werden zudem Getränke oder etwaige andere Hotelleistungen abgerechnet.
  • 12 Hinterzimmer eines Nobel-Clubs – Ebenfalls Standard. Ausbauen lässt sich die Szenerie aber darüber, was in diesem Hinterzimmer normalerweise angeboten wird. Gut möglich, dass sich hinter den Türen der noblen, erzkonservativen Zigarrenlounge ein SM-Paradies, eine Schreckhahn-Kampfarena oder das Meetingzimmer einer Loge (nicht unbedingt immer eine sinistre Geheimloge) befindet.
  • 13 Meetingraum eines Veranstaltungszentrums – Überall in den Konzerngebieten existieren Komplexe, in denen sich Veranstaltungsräume für alle Arten von kleinen und größeren Meetings, Seminare, für Produktvorstellungen und Messen befinden, oft mit aufwändiger Sende- und Showtechnik. Das Meeting findet in einem nüchternen kleinen Konferenzraum statt – oder auf der Bühne eines Präsentationssaals mit 10.000 Sitzen, mit Sicherheitsrigger des Klienten im Raum der Bühnentechnik. Ganz nach Geschmack.
  • 14 Vor dem Exponat eines Konzernmuseum – Einige Konzerne sind Mäzene der Kunst oder zeigen ihre Corporate Social Responsibility durch Aufkauf, Bewahrung und Ausstellung historischer Objekte, oft mit Bezug zu Industrialisierung und Technik. Andere Konzerne unterhalten eigene Museen, die ganz der Glorifizierung des eigenen Unternehmens dienen – und daher natürlich auf dem Pflichtprogramm der Konzernschulen stehen.
  • 15 Unter einer Brücke – Der Klient ist viel beschäftigt oder paranoid und will nicht den eigenen Sektor verlassen, andererseits aber auch keine Spuren hinterlassen. Und weil er zu viele schlechte Crime-Serien geslottet hat, bekommen die Runner einen Navpunkt, wo eine kleine Nebenstraße unter einer Reihe massiver Brückenbögen (Züge, Transportbänder, Autobahn) kreuzt. Zur verabredeten Zeit fährt die Limousine des Klienten vor – die Kommunikation erfolgt via Bildschirm und Nahfeldkommunikation.
  • 16 Im Büro des (angeblichen) Auftraggebers – Manche Klienten sind so unantastbar (oder werden durch ihre Drogen dazu verleitet, sich dafür zu halten), dass sie ihre Identität nicht verbergen. Einige WOLLEN sogar, dass man im Berliner Haifischbecken weiß, dass man schwere kriminelle Jungs auf der Lohnliste für spezielle Aufgaben hat. Vielleicht arrangiert man sogar, dass das Ziel des Inside Jobs kurz vorbeikommt, unter irgendeinem Vorwand, damit die Runner ihn kennenlernen, Wanzen platzieren, Proben entnehmen können – oder damit der Klient ihn zumindest sardonisch angrinsen kann, um nach seinem Weggang die Kill Order auszugeben.

2: Professionelle Meetingpoints

  • 21 Hinterzimmer eines Kasinos – Nuff said.
  • 22 Bekannter Schatten Meeting Space – Hier nur mal zur Erinnerung: Es gibt in den deutschen Releases für SR inzwischen wirklich eine SCHWEINEMENGE Locations, die man für Meetings nutzen kann – darunter auch sämtliche Locations, die „eigentlich“ nicht in Berlin liegen. Das Zeppelinkasino „Highroller’s“ in Stuttgart (Reiseführer S.77)? Kann als „Highroller’s Berlin“ genauso über unserem Plex  fliegen. Die kleine Spedition Hyena gibt’s eh überall, wo ihr sie braucht (Reiseführer S.109) – und der kleine Tisch im Kran macht schonmal nen schicken Meeting Spot her. Gleiches gilt für all die Bars, Diskos und anderen Locations in Reiseführer, RRP, Hamburg-Buch oder natürlich auch den Quellenmaterialien zu Berlin direkt.
  • 23 In der Loge während einer Vorführung – Seit Star Wars wissen wir: Pläne zur Unterwerfung der Galaxis macht man am Besten während einer Show in der VIP Loge. Ob Oper oder Theater, ob Wintergarten-Varieté oder Sechs-Tief Fight (beide Berlin) – ein Event bietet eine nette Möglichkeit, ein Meeting aufzupeppen und zum Beispiel mit entsprechendem Sound für Oper, Theater, Varieté oder Fights zu hinterlegen.
  • 24 In der VIP Sitznische einer Großdisko – Nuff said.
  • 25 Im Eventraum eines Restaurants – Nuff said. Meetings dieser Art leben von spektakulären Einrichtungsdetails wie etwa einem riesigen Aquarium, in dem ein besonderer Critter schwimmt, einem besonderen Thema des Restaurants (Ideen hier und hier) und natürlich von den ggf. spektakulären Speisen, die der Klient auffahren lässt (was auf eine gewisse Geltungssucht hinweisen würde).
  • 26 In einer gesicherten Lagerhalle – Nuff said. Wobei hier zur Abwechslung auch mal mit der Dimension der Halle gespielt werden kann, etwa wenn das Meeting in einem Hangar für Frachtluftschiffe stattfindet, in dem selbst ein kompletter Fahrzeugkonvoi winzig und verloren wirkt.

3: OV-Treffpunkte

  • 31 Während eines Blutsport-Kampfes – Sechs-Tief, anyone?
  • 32 In einem Badehaus – Hier mal eine Idee für eine Umsetzung z.B. des Shinobi Gardens. Oder ihr nehmt gleich die Originalpläne hier und hier 😉
  • 33 Im Separee eines Rotlichtbetriebs – Nuff said. Hierbei ggf. Akzente setzen durch exotische Modelle in der Location: Der Reiz des Neuen bleibt unerschöpflich, egal ob die außergewöhnlichen Farben und Formen Körpermodifikationen sind oder im Metatyp der Person (bzw. des Critters?) begründet liegen.
  • 34 In einem schwarzen Lagerhaus – Nuff said. Die Anzahl der Leute mit Wummen macht die Atmosphäre.
  • 35 In einer illegalen Chips- oder Drogenfabrik – Am besten schön im Büro der Leitung mit gläsernem Blick auf die Produktionsstraßen, wo hunderte Arbeiter mit Masken und Schutzanzügen herumhantieren.
  • 36 In einem geschlossenen Club – Außer Dienst gestellt, wegen fehlender Schutzgeldzahlungen „geschlossen“, oder einfach außerhalb der Öffnungszeiten.

4: Unterwegs

  • 41 In einem fahrenden Zug – Ob ICE, konzerneigener Pendlerzug zwischen Enklave und Produktion oder versiffte vollgestopfte M-Bahn: Bewegliche Ziele bieten viele Möglichkeiten.
  • 42 In einer Limousine – Alle Autos haben Autopiloten, und viele sehen nicht einmal mehr einen Fahrer vor. Bei der Oberklasse mag das noch anders sein – wer es sich leisten kann, zeigt es gerne dadurch, dass er echte Menschen für sich arbeiten lässt, und sei es als Sitzmöbel – aber für ein anonymes Meeting bietet sich der Einsatz der selbstfahrenden Limo an. Die Runner sollen zu einer bestimmten Uhrzeit an einer Adresse oder auf einem Parkplatz sein. Die Limousine kommt und fährt sie zum eigentlichen Meeting, oder das Treffen findet direkt im Fahrzeug statt.
  • 43 In einem mobilen Konferenzraum – Wie Limousine, nur dass es sich hier um einen Urban Explorer, einen Eurocar Escape, einen Bus der Dragoon-Serie oder einen Truck Trailer mit Konferenzraum-Modul handelt. Eben größere mobile Räume, die man für Roadshows und mobile Messen benötigt.
  • 44 Über den Wolken der Stadt – Klar, Zeppeline. Aber auch Helis, VTOLs, Flugzeuge – und warum eigentlich KEIN fliegender Teppich?
  • 45 Auf einem Boot – Party Flöße, Yachten, Fähren, Moby Dick, die Möglichkeiten sind endlos.
  • 46 Über Nahfeldkommunikation – Vielleicht muss man sich gar nicht treffen. Sollen die Runner doch mit ihrem Fahrzeug zu einer bestimmten Zeit auf einem bestimmten Abschnitt z.B. der A100 unterwegs sein. Der Klient sitzt in einer Limousine oder einem unauffälligen selbstfahrenden Sedan, und wenn er in Nahbereichs- oder Laserreichweite mit den Runnern kommt wird das Kommunikationslink hergestellt.

5: Online Locations

  • 51 In der Vision Berlin – Treffen in virtuellen Örtlichkeiten besitzen einige Vorteile, darunter natürlich vor allem das geringe Risiko, dass der Auftraggeber identifiziert oder beschadet wird. Neben einigen bekannten Matrixadressen, die unter dem besonderen Schutz anarchie-sympathisierender demiGODs stehen, bieten auch reguläre Treffpunkte gute Datensicherheit, sofern beide Seiten eine entsprechend gesicherte Verbindung per „Handshake“ aufbauen. Treffen auf einer Wolke über Berlin, in einem lichtdurchfluteten Straßencafé der Zwanziger Jahre oder der Nachbildung des Bernsteinzimmers steht somit nichts entgegen.
  • 52 In verlinkten VR Porn Särgen – Kabellose Verbindungen haben auch in der Zeit der De-la-Mar-Überwachungsmatrix noch nicht das allumfassende Vertrauen zurückgewonnen, das sie irgendwann mal hatten. Kabelgebundene Links gelten als besser, schneller, störungsfreier und völlig abhörsicher (sofern man das komplette Kabel im Blick behält und es keine angeklemmten Wanzen oder Sender gibt, freilich). Eine geeignete Infrastruktur für anonyme und schützenswerte -äh- „Kommunikation“ sind die VR Pornosärge von Sara Grey. In diesen kann der Nutzer bequem in körperwarmen Zellschleim eingekuschelt entweder gängige Porn-VRs genießen, oder aber eine der Pornowelten von Sara Grey betreten und mit Nutzern anderer Pornosärge live -äh- interagieren. Alle Körperformen, Größen und Bestückungen sind möglich, inklusive transzendenter Sex-Erlebnisse. Und wenn man die Partnersuche auf „nur Kabelverbindungen“ begrenzt, kann man eben auch gesicherte Meetings ohne Sex haben (duh).
  • 53 In einem Sarghotel – Was mit den Pornosärgen von Sara Grey geht, klappt auch mit vielen Schlafsärgen, die ein VR Entertainmentsystem anbieten (ab Mittelklasse Standard). Hier gibt es üblicher Weise ebenfalls die Chance, irgendeine „VR Hotellobby“ aufzurufen, in der man andere Hotelgäste treffen kann.
  • 54 In einem öffentlichen Matrixclub – Der Klassiker. Beispiele für Matrixclubs sind das Falcon’s Maze (DP:ADL S.43), das Neverwinter (SOTA:ADL S.8), die Node Blu (Berlin S.77/78) oder das Loveness8 (Berlin S.59).
  • 55 In einem Knoten kurz vor Stilllegung – Jeden Tag werden veraltete oder abgelaufene Knoten vom Netz genommen und gelöscht. Das Meeting findet in einem solchen statt, während in der VR des Ortes ein großer Countdown herunterzählt. Wer online bleibt, bis der Timer abläuft, wird bei Löschung des Knoten ausgeworfen.
  • 56 In einem Trog of War Kommandozelt – wie im DP:ADL auf S.118 gesagt, bietet der VR Shooter „Trog of War“ ein Armeezelt als Pre-Game-Lobby, in dem Teams ihre Taktik planen können. Der Klient ist begeisterter Trog of War Player – was sein mit diversen Upgrades ausgestatteter Master Commander Avatar beweist – und so war es nur selbstverständlich, TOW zu nutzen.

6: Echt Abgefahrenes

  • 61 In einem Escape Room – Escape Rooms hatten ihre Zeit, aber diese ist seit Langem vorbei. Einige wenige gibt es dennoch, und dieser hier liegt in einem einstigen Bunker und hat jede Menge leere Timeslots, in denen der Escape Room für Meetings genutzt werden kann. Eine schöne Zusatzidee: Wenn die Runner ihren Lohn nachverhandelt haben, nickt der Auftraggeber die Bonuszahlung nur dann ab, wenn das Team seine Qualifikation direkt beweist – indem es innerhalb der gesetzten Zeit aus dem Escape Room entkommt, ohne dabei etwas kaputt zu machen oder zu hacken (also unter Befolgung der regulären Spielregeln).
  • 62 Im freien Fall – Der Klient ist neben allem anderen, was er sein mag, ein Adrenalinjunkie. Daher trifft sich der Sunnyboy bestens gelaunt und mit Drogen aufgeputscht auf einem kleinen Flugplatz oder holt die Runner von einem Helipad ab, das Fluggerät steigt steil in den Himmel, und dann springen alle ab. Jeder interessierte und entsprechend gerüstete Runner kann einen Skillchip erhalten, die Fallschirme sind aber perfekt sicher, da es sich eigentlich um eine Drohne handelt, die alle nötigen Aktionen, Bremsungen, Auslöser und Manöver vollautomatisch ausführt. Die Kommunikation beim „Meeting“ findet per Laserverbindung zwischen den Fallschirm-Rucksäcken und eingeklinkten Ohrstecker statt.
  • 63 In einem geschlossenen Vergnügungspark – In einer Welt der perfekten VR-Genüsse kämpfen die meisten realen Attraktionen ums Überleben. Daher hatte er Betreiber dieses Vergnügungsparks (bzw. Kartbahn, Paintblast-Arena, Zirkus…) kein Problem damit, sein Geschäft außerhalb der Öffnungszeiten einem gut betuchten Kunden für „Weiß der Geier was“ zur Verfügung zu stellen. Besonders diskret wird das Treffen natürlich, wenn sich Runner und Klient in einer Gondel im Liebestunnel, im Wagen einer Achterbahn (die auf dem höchsten Punkt anhält) oder in einem heillos veralteten „Mechsimulator“ treffen. Eine andere Alternative mit existierender Map ist die Arena Paintblast außerhalb Berlins (Reiseführer S.121).
  • 64 Auf einem Kindergeburtstag bei AldiBurger – Keiner hat Lust, sich mit plärrenden Kindern herumzuschlagen. Daher hat AldiBurger für Kindergeburtstage vielerorts grellbunte Spielräume geschaffen, in denen statt lebendem Personal allerlei humanoide Drohnen in Teddybär-, Clown- oder TrideoStar-Optik eingesetzt werden. Der Klient hat eine solche Location gebucht und einen seiner Decker die komplette Kontrolle der Drohnen übernehmen lassen, von Quackie der lustigen Ente mit MP am Eingang bis zum Getränke servierenden Gummidrachen Feuerinchen Flammkuschel.
  • 65 In einem U-Boot – Die Charaktere werden zu einem Hafen oder einem Lagerhaus an einem Kanal bestellt. Statt dass sich eines der angrenzenden Gebäude öffnet, taucht plötzlich ein U-Boot aus dem Wasser auf und die Charaktere werden hineingebeten. Da das Meeting Unterwasser stattfindet, ist es extrem abhörsicher.
  • 66 Per modifiziertem SimSinn-Link – Das Meeting soll per SimSinn-Link (also in der Matrix) stattfinden. Die Charaktere nehmen von einem Boten entsprechende Ausrüstung entgegen (Koffer mit Kommlink-Modul und Troden, präparierte Kommlinks mit Predial-Connection). Statt dem erwarteten Treffen in einem stylischen Matrixclub findet das Treffen aber im „Realspace“ statt, in einer Kneipe oder einem Konferenzraum, wobei jeder Meeting-Teilnehmer eine real anwesende Person als Puppe steuert. Die Akteure sind Sexarbeiter, Drogenjunkies oder im Gegenteil mit Hochtechnologie ausgerüstete Kurier-Shells.

Berlin hat gewählt (Wahlperiode II/2080)

ALLES BLEIBT, WIE ES IST.

[06.10.2080] Unter den wettverrückten Berlinern ist die Wahlperiode II das ungeliebte Schmutzkind: Zwei Konzernbezirke plus ein Quasi-Konzernbezirk, in denen sich nie etwas überraschend ändern wird, und zwei kommunistische Parteikandidaten, deren Sitz ebenso unverrückbar bereits Monate vor der eigentlichen Wahl zementiert wird, geben wenig Anlass für spannende Wahlduelle: Wie erwartet bleiben Dr. Franziska Landolt (S-K Tempelhof), Takeshi Ozu (Renrakusan), natürlich Berlins Erster Bürgermeister Dr. Paul Zöller (Mitte) sowie Wladimir Igorewitsch Bronstein (Pankow) und Lena Rabeja (Köpenick) im Amt – Letztere umso mehr, nachdem der einzige antikommunistische Gegenkandidat Clemes Streußner in der vergangenen Woche auf offener Straße von Unbekannten mit Benzin übergossen und angezündet wurde. 

Bildschirmfoto 2018-09-18 um 13.46.25.png

Falkensee – früher gern für eine Überraschung gut – hat sich seit dem Sieg von Dönerkönig Aslan Özdemir in 2077 erheblich stabilisiert. Zwar nicht finanziell oder was die Sicherheit in der Schwarzen Zone am Westrand der Stadt angeht, wohl aber, was Özdemirs Stand im Bezirk betrifft: Özdemirs Dönerspieß-Fabriken sind inzwischen die wichtigsten Arbeitgeber in Falkensee (andere gibt es auch kaum), und jüngste Ankündigungen einer Expansion von Produktion und Vertrieb über die Freistadt hinaus lassen viele im Bezirk auf neue Arbeitsplätze auch in Berlin hoffen. Gegen diese Hoffnungen konnte USP-Kandidatin Friedericke Kuhnert mit gerade einmal 12% der Stimmen höchstens einen Achtungserfolg erzielen. Weitere erstaunliche 4% konnte der registrierte Infizierte und magisch aktive „Judas Moloch“ erzielen, der für die Partei der Neuen Ordnung (PNO) antrat. Moloch ist laut eigenen Angaben als Mikrotrader tätig und hat die vergangenen Jahre verborgen in Groß-Frankfurt gelebt. Mit der Novelle des ADL-Rechtes zum Bürgerstatus von Infizierten sieht er es als seine moralische Verpflichtung, einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Warum er dies allerdings in Berlin statt in der ADL tut, weiß wohl nur er selbst. 

Trotz des üblichen Geschreis der Boulevardmedien (zu denen wir bei B1Live natürlich in keinem Fall zählen) gab es auch in Spandau wenig Grund, an einen Wechsel an der Bezirksspitze oder eine Rückkehr von Berlins jüngstem Anarchobezirk zum Normbezirkstatus zu glauben. Im Gegenteil hat Bezirksbürgermeister Fletscher seine Machtposition in den drei Jahren seit seiner Ernennung ausbauen können. Immerhin hat die etablierte ADL-Partei CVP mit Dr. Katrin Lara Wegener eine eigene Kandidatin als „Alternative für Spandau“ ins Feld geführt, die auf Anhieb 22,6% der Stimmen für sich verbuchen konnte – Buchmacher freuen sich bereits auf die nächste Wahl im Bezirk 2083. 

Die Verkündung der Wiederwahl von Morek Pflügler als Zweiter Bürgermeister durch die Ratsversammlung konnte zum Schluss ebenfalls kein Highlight setzen: Die für einen Wechsel notwendigen Schachereien um die Stimmenkontingente kündigen sich bereits lange vor der Wahl an, und deren Ausbleiben ließ erwartungsgemäß fest darauf schließen, dass es zu keiner Änderung kommen würde. 

 Von wem bitte auch? Würden die Konzerne Pflügler absägen, würde Berlins Einheit zerfallen und die Alternativen würden völlig freidrehen. Die Kommunisten würden Pflügler gerne loswerden und eine willige Marionette einsetzen, haben aber nicht die Kontingente dafür. Die Anarchos sind außerhalb von Axis F und Letzter Front Pflügler-Fanboys durch und durch, obwohl er ihre Ideologie nicht vertritt und widerlich pazifistisch ist. Und die ADL kriegt im anhaltenden Zoff mit Berlin eh kein Bein auf den Boden, solange sie keine Luftlandedivision abwerfen oder die Stadt zu patriotischer Schlacke nuken.
Konnopke

 Die Wahlbeteiligung geht wie die Zahl der Wetteinsätze aktuell stetig runter. Was umgekehrt die Wahlen anfälliger für Manipulationen, Stimmkäufe, Wahlhacks oder Randkandidaten macht, die ihre Special Interest Group effektiver mobilisieren können. Hoffen wir also mal auf 2081. Da schaut es schon deutlich spannender aus.
 .krah

 Mich verblüfft ja nicht so sehr das Wahlergebnis, als dass es so viele Bezirksvertreter schaffen, drei Jahre im Amt zu ÜBERLEBEN.
 Karel

Hotspots 5 – Pennerbrücke

// gepostet von ZOÉ //

Hallo zusammen! Bei meinen Wanderungen und Amokfahrten durch Berlin fallen mir gelegentlich Orte auf, die bisher irgendwie von anderen Guides und Files übersehen wurden und daher ein ziemliches Schattendasein (ha, ha) führen. Hier kommen ein paar von ihnen, kompakt und straight aus der Memofunktion meines Links.

Pennerbrücke
Mitte (Moabit) – Beusselbrücke

Genau auf der Grenze zwischen Charlottenburg-Wilmerdorf und Mitte gelegen – und formell zu Mitte-Moabit gehörend – liegt die Beusselbrücke, eine alte und mehrfach provisorisch ausgebesserte Balkenbrücke, durch deren Hilfe die Beusselstraße die EuroRoute ER4 und den M-Bahnring überquert. Ebenfalls führt die Brücke über den 2068 im Zuge des Westhafen-Ausbaus wiedereröffneten Güterbahnhof Moabit, der wegen seiner astralen Verschmutzung und immer wieder auftauchenden, Schrecken erregenden Geistererscheinungen einen besonderen Platz in den urbanen Mythen der Stadt einnimmt.

Der Güterbahnhof Moabit erstreckt sich von der Penner- bis zur Westhafenbrücke. Seine „astralen Auffälligkeiten“ rühren von seiner Funktion als Deportierungsbahnhof der Nazis her, über den 30.000 Juden ins Gas geschickt wurden.
 Fienchen

 Der frühere Güterbahnhof wurde in den 1990ern aufgegeben und zahlreiche der zum Verladebahnhof gehörenden Flächen wurden im Laufe der Jahre mit Gewerbeflächen überwuchert. Auch eine neue Straße (die Rybarstraße) wurde auf den früheren Flächen des Bahnhofs errichtet. Die BERVAG plant, den verloren gegangenen Platz in kommenden Jahren ÜBER dem Bahnhof zu errichten: Ladecontainer sollen durch eine über den Geleisen errichtete Ebene per Hebedrohnen entladen und dann per Fließband und selbstfahrende Ladegestelle zum Westhafen gebracht werden. Zwischen Penner-/Beusselbrücke und Westhafenbrücke wird also eine großflächige Struktur entstehen, wodurch ER4(B), und M-Bahn in dem Bereich „überdacht“ werden.
 Russenrigger

Die verschiedenen Umbaumaßnahmen an der nördlichen Ringbahn – im Speziellen der Bau der EuroRoute in den Sechzigern – erforderten immer wieder Umbauten an der Beusselbrücke. Ein Abriss und kompletter Neubau wurde mehrfach geplant, aber wegen der dafür nötigen mehrmonatigen Sperrung der Nord-Süd-Verbindung über die Beusselstraße und natürlich aus Kostengründen nie ausgeführt.

Dies führt dazu, dass die Struktur der Beusselbrücke durch verschiedene Streben, Stützgestelle und andere provisorische Konstruktionen verunziert wird. Außerdem wurde um die gesamte Struktur der Brücke ein Sammelsurium miteinander verwachsener Baugerüste und Wohncontainer für Bauarbeiter der Dauerbaustelle errichtet. Nachdem diese von der jeweils aktiven Construction Crew verlassen wurde, wollte man sie nicht abreißen, da man sie ja eh demnächst wieder brauchen würde. Sichern und sich so Kosten ans Bein binden wollte aber auch niemand, so dass die Brücke und ihr Baugerüstpanzer sich selbst überlassen blieben.

Ich ahne, woher der Name „Pennerbrücke“ kommt.
 Karel

 Pretty obvious, oder? Der zweite Grund ist aber, dass es in Berlin auch eine ähnlich klingende Brücke gibt (oder gab), die „Spinnerbrücke“ über der Avus. Dort trafen sich im speziell zum Saisonbeginn im Frühjahr immer die „Spinner“ in Gestalt tausender Motorradfahrer, um zu trinken, zu feiern, ihre Maschinen vorzuführen, sie zu putzen, Burn-Outs zu machen etc. Wie an anderer Stelle bereits gesagt, sind jene Tage seit Bau der EuroRoute leider vorbei und die Bikerszene hat sich nach Babelsberg zum Krützkamp hin verlagert.
 Russenrigger

Aus wenig verwunderlichen Gründen nisteten sich in den Baucontainer sehr bald Obdachlose ein. Bald darauf wurden aus Wellblechen und Bauresten auch der Rest des Baugerüstes mit Hütten, Schuppen und Verschlägen aller Art gefüllt. 

Nach einigen brutalen, aber letztlich halbherzigen und wenig erfolgreichen Versuchen, die Pennerbrücke zu säubern und auch sauber zu halten, errichtete ER-Betreiber ESUS lediglich ein Fangnetz unter der Brücke, um die Euroroute gegen herabfallende Trümmer zu sichern. Da die Strukturen der Pennerbrücke für Autofahrer oben kaum sichtbar sind – man errichtete als Sichtschutz gegen das Elend großformatige Werbescreens am linken und rechten Geländer – hat die Säuberung der Brücke bei Megas und BERVAG inzwischen keine hohe Priorität mehr. Zudem der notwendige Abriss der munter weiterwuchernden Struktur die Kosten für eine umfassende Sanierung der Brücke weiter in die Höhe trieben.

Ich habe allerdings bei einem Run gegen die BERVAG einen Statikbericht erbeutet, demzufolge die Brücke aufgrund des ganzen zusätzlichen Gewichts akut einsturzgefährdet ist. Der Bericht hat die Markierung „DRINGEND!“, es kann nur noch Jahrzehnte dauern, bis da jemand einen Ausschuss gründet, die Sachlage mal neu bewerten und durchrechnen zu lassen.
 Fienchen

 Wenn du dich da mal nicht irrst. Es braucht nur der Richtige auf die Idee zu kommen, etwas tun zu wollen. Und die Pennerbrücke ist (wenn auch der äußerste Rand von) MITTE, also im Bezirk von Mister BERVAG-Generaldirektor Zöller persönlich.
 .root

Für Schattenläufer ist die Pennerbrücke ein exzellenter Punkt, um hartnäckige Verfolger abzuschütteln: Die Brücke liegt zentral und ist von vielen Run-Locations gut erreichbar, auch der Innenring der A100 ist in direkter Nähe. Man kann einfach den Fluchtwagen auf der Brücke anhalten (wenn man die Türen offen und die Steuereinheit unlocked lässt, wird er durch Zauberhand schnell entfernt, zerlegt und in hundert Richtungen weiterverkauft) und durch eine der vielen Lücken zwischen den Werbescreens in die Struktur eintauchen.

Entsprechende Vorabsprachen mit den Brückenleuten (der örtlich dominanten Gang Schrägstrich Interessenvertretung der Brückenpenner) vorausgesetzt, stehen ausreichend Schmutzkinder in Bereitschaft, euch schnell zum Brückenrand, zur M-Bahn, auf die Gleise oder von oben in ein vorprogrammiertes zweites Fluchtauto auf der EuroRoute springen zu lassen. Auch Zugänge zu den durch die Brücke führenden Abwasserrohre gibt es, und natürlich kann man sich auch eine Weile unter den Brückenleuten verstecken.

Innerhalb der Baugerüststruktur gibt es darüber hinaus wenig, was Runner interessieren könnte – ein Drogenlabor, eine Reihe Prostituierte mit eigenem oder kollektiv genutzter Verrichtungshütte und eine siffige Pinte ohne Namen, welche die zahlreichen Alkis mit selbstgebranntem Jabifu auf Biofuel-Basis und anderem Stoff versorgt.

Man sollte den Brückenleuten nicht vorbehaltlos vertrauen. ESUS hat mit denen eine Art Stillhalteabkommen getroffen, bekommt von den Brückenleuten Infos zu Schäden und drohenden Brüchen und kann durch diesen Deal Reparaturcrews in die Struktur schicken, um notwendige Abstützungen vorzunehmen. Im Regelfall werden die Brückenleute machen, wofür man sie bezahlt, aber wie gesagt: Mindestens EIN Konzern hat dort einen eigenen Fuß in der Tür.
 Fienchen

 Ich hatte mich schon gefragt, warum die Brückenleute im Rapunzelturm (dem früheren Wasserturm des Güterbahnhofs, der schon lang vom Strukrugeschwür der Brücke umwuchert ist) so exponiert sitzen können – und warum sie nicht die Sensoren auf dem Dach des Turms plündern. Ein Gentleman Agreement also.
 Russenrigger

[GNB] Biz!Talk mit Spinrad Global Berlin

AhmanJamalAlSheikh

[19.06.2080] Der Zusammenbruch des AAA-Konzerns NeoNET als Folge der KFS-Krise sowie der folgende Aufstieg von Spinrad Global in die Reihen der „Großen Zehn“ haben das globale Konzerngefüge in seinen Grundfesten erschüttert – auch die ADL. Gute Nachrichten Berlin (GNB) sprach mit dem Chef des Berliner Standortes von Spinrad Global, Ahman Jamal al-Sheikh.

GNB: Herr al-Sheikh, im vergangenen Jahr haben sich Spinrad Industries und Global Sandstorm zum Unternehmensgiganten Spinrad Global (SG) zusammengeschlossen. Außerdem stieg das Unternehmen in die Reihe der AAA-Konzerne auf. Welche Auswirkungen hat das auf Ihre Tätigkeit in Berlin und Deutschland?

Al-Sheikh: Wir befinden uns in einem fortgesetzten Prozess der strategischen Optimierung. Im Kern steht dabei für uns die Frage, wie die einzigartigen Stärken von Global Sandstorm und Spinrad International am Besten kombiniert, durch Akquisen ergänzt und an ausgewählten Stellen auch verschlankt werden können.

GNB: Klingt nach recht viel Veränderung. Wie reagieren Ihre Mitarbeiter darauf?

Al-Sheikh: Wir stellen uns Veränderungen nicht erst dann, wenn sie unausweichlich werden. Wir antizipieren sie und gestalten sie aktiv mit. Aufbruch ist eine Chance. In diesem Sinn sind Neugründung, Restrukturierung und disruptiver Aufstieg von Spinrad Global ein Segen für all diejenigen, welche die Gelegenheit wahrzunehmen wissen. Innerhalb und außerhalb des Konzerns. Unsere Arme sind weit geöffnet für alle Talente, die uns dabei helfen wollen, unsere Position an der Spitze zu verteidigen und weiter auszubauen.

GNB: Klingt wie ein Werbespruch von Human Resources. Sind sie auf der Suche?

Al-Sheikh: Als zukunftsorientiertes Unternehmen sind wir immer interessiert an neuen Köpfen und ihren Ideen. Der Name Spinrad steht für eine gewisse … Waghalsigkeit. Tatsächlich steht dahinter Leidenschaft und der Mut, die Dinge zu bewegen. Ein Mut, der das Unternehmen dahin gebracht hat, wo es heute steht. Dieser Mut ist in der Kultur von Global Sandstorm, als dessen Leiter ich in Berlin die letzten Jahre tätig war, weniger intensiv verankert. Jene aber, die diese Entschlossenheit haben, sehen in der Fusion Chancen auch für ihre eigene Karriere und ihre Projekte.

GNB: Ist diese Art der Waghalsigkeit in der Ära Post-KFS noch zu verantworten? Gerade für den Profiteur von NeoNETs Untergang?

Al-Sheikh: Wenn es zu Ihren Hobbies gehört, sich aus 10.000 Metern Höhe aus einem Flugzeug zu stürzen, sind sie nicht nur mutig, sondern auch ein Fan herausragender Schutzmaßnahmen und vielfacher Absicherungen.

Bildschirmfoto 2018-06-17 um 13.22.22

GNB: Welche Rolle hat Deutschland für Spinrad Global?

Al-Sheikh: Deutschland ist für uns von großer Bedeutung, da hier zahlreiche unserer Kunden und Abnehmer sitzen. Auch werden in der ADL viele Weichen für die zukünftige Entwicklung in Europa gestellt. Das finden wir sehr spannend.

GNB: Der Sitz von Spinrad Global in Berlin ist der frühere Deutschlandsitz von Global Sandstorm im Emirat. War die Standortwahl der Zentrale von Global Sandstorm ein Signal des Misstrauens gegen die ADL-Regierung und ihren konzernkritischen Kurs?

Al-Sheikh: Nein. Für uns standen von jeher geostrategische Interessen und die Vernetzung mit unseren Partnern im Vordergrund. Mit persönlich gefällt zudem die hemdsärmelige Mentalität und das Einzelunternehmertum der Berliner. Hier ist man hungrig, träumt noch groß. Davon kann das alte Europa meiner Ansicht nach viel lernen.

DWB: Auch München?

Al-Sheikh: Kann Inspiration denn je schlecht sein?

Warum beschäftigt sich GNB mit Global Sandstorm und warum wird mir das als Topstory angezeigt? Im Verhältnis zum früheren Spinrad International ist Global Sandstorm in Deutschland, selbst in Berlin, doch ne volle Nullnummer.
 .krah

Mit Fusion und Aufstieg von Spinrad Global sind sämtliche Unternehmensteile mit einem Mal brennend interessant. Und da die Konzernspitze von Spinrad Global sich sehr bedeckt hält was Pläne, etwaige Restrukturierungen, neue Standorte oder Neubesetzungen angeht, redet man eben mit dem, der verfügbar ist.
 .spoof

 Außerdem ist Global Sandstorm ja durchaus kein Zwerg, sondern das größte Unternehmen der arabischen Welt, das speziell was die Ölsparte angeht auch zahlreiche Abnehmer in Deutschland hat.
 .root

PLUS der gesamte Merger hat meiner Ansicht nach eh den einzigen Zweck, gegen den Goldwurm anstinken zu können. Von daher kennt dich dein Newsalgorithmus also gut: Wenn SG Schattenoperationen plant, dann bietet sich dafür Berlin und ein Mann aus der zweiten Reihe wie al-Sheikh mehr an als die Spinrad-Schickerianer aus Neuhausen-Nymphenburg. Al-Sheikh scheint mir da der genau passende Killer im Luxus-Suit zu sein.
 .asl

 Er ist superreich, sieht fantastisch aus, ist passionierter Actionsportler, Waffennarr, Frauenheld, ein rücksichtsloser Geschäftsmann Berliner Schule und häufiger Gast der Grand Tour. Und diversen Fotos auf Pomi-Portalen zufolge ein guter Bekannter von Johnny Spinrad.
 .rez

Möglich, dass sich al-Sheikh durch Erfolge gegen S-K als Spinrad-Chef für Deutschland platzieren will. Da allerdings hat er die Rechnung ohne die Bayern gemacht. Die sind nicht halb so harmlos, wie sie tun.
 Node

 Okay. Das beantwortet dann meine Frage.
 .krah


Offgame-Hinweis: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es von Seiten Catalysts noch keine Angaben zur zukünftigen Struktur von Spinrad Global. Um mit den Entwicklungen dennoch spielen zu können, dieser nonkanonische Artikel. Möglich, dass dieser später kanonisch gemacht wird, wenn mehr Facts aus USA vorliegen und eine Festlegung zur Aufstellung von Spinrad Global in Deutschland erfolgt ist. Möglich, dass eine ganz andere Festlegung erfolgt und dieser Artikel geretconned werden muss (obwohl mich das sehr überraschen würde). Aus Sicht von SRB fungiert aktuell das im DP:Berlin gesetzte Deutschland-HQ von Global Sandstorm als Standort von Spinrad Global in der Freistadt Berlin. Und wo Spinrad Globals Deutschland-HQ ist, braucht uns für Berlin nicht zu interessieren.

Megapuls.03.80

Novapuls.02.80

Novapuls.01.80

%d Bloggern gefällt das: