Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

Schlagwort-Archiv: shadowrun

Werde zu einem SHADOWRUN Charakter!

Ein einmaliges Angebot für alle Shadowrun-Fans: Gib jetzt dein Charakterporträt in Auftrag und mit etwas Glück wird es im Rahmen eines kommenden Shadowrun-Produktes von Pegasus zum kanonischen Charakter der Sechsten Welt!

Für nur 45 EUR erstelle ich ein postkartengroßes, vollfarbiges Shadowrun-Charakterporträt basierend auf einem Porträtfoto. Die besten 20 so entstandenen Porträts werden in einem bald erscheinenden offiziellen Shadowrun-Produkt als Charakterkarten produziert und somit kanonischer Bestandteil von Shadowrun.

Charakterkartencollage

 

Und so geht es:

1) Schicke baldmöglichst, aber BIS SPÄTESTENS 1. SEPTEMBER 2020 ein brauchbares(!) Porträtfoto an aas@raben-aas.de (du kannst auch mehrere Fotos zur Auswahl schicken, aber bitte nicht mehr als 5). Brauchbar bedeutet: Scharf, in Porträtansicht (Oberkörper), in passender Pose und in dramatischer Beleuchtung (bitte kein (Blitz-)Licht von vorne, sondern Beleuchtung von der Seite, von unten, von oben, mit Schatten, in mehreren Farben etc.)

Beispiele für brauchbare dramatische Beleuchtung (geht auch ohne Profi-Lampen und Studio):

https://www.diyphotography.net/howto-dramatic-portrait-lighting-using-nothing-lamps/

https://www.stefantell.se/blog/2014/11/portrait-lighting-with-flashlights/

TIPP: Mach deine Fotos in einem komplett dunklen Raum (z.B. Badezimmer) und beleuchte dabei dein Gesicht seitlich mit einer Taschenlampe. Probiere mit verschiedenen Effekten, Abständen und Winkeln herum. Und nutze gerne Props wie Waffen, Leuchtdioden, das Licht aus einem „Kommlink“, in das der Charakter blickt, etc.

Fotoguide

 

2) Gib außerdem deinen Charakterwunsch an, bestehend aus dem NAMEN, einem typischen SPRUCH (Catchphrase) und dem TYP (z.B. orkischer Straßenschamane, elfische Deckerin, Troll-Axtadept…) an.

HINWEIS: Seitens des Verlages werden nicht nur Runner, sondern NSCs aus allen Ecken der Sechsten Welt gesucht. Wenn du als Typen etwas wie Konzerner, Taxifahrer, Barkeeper etc. wählst kann das deine Chance, im späteren Produkt zu landen, erheblich erhöhen (es wird keine 20 Straßensams geben, egal wie gut deren Portraits werden).

WEITERER HINWEIS: Die Redaktion hat das letzte Wort zu den abgedruckten Charakteren. Das bedeutet: Speziell der Spruch und der abgebildete Typ können geändert werden (mein eigener „Moses“ sollte z.B. ein Ork-Söldner sein und wurde seitens CGL per Karte zum Ork-Technomancer. Ich HOFFE, dass alle Charaktere „wie eingereicht“ auf die Karten kommen, kann es aber nicht garantieren).

Moses-referenz

Tipp: Wenn dein Charakter ein Ork oder Troll werden soll, strecke beim Foto möglichst den Unterkiefer vor. Die Hauer müssen ja irgendwo hin 😉

3) Nur wenn du möchtest, dass dein Charakter in einem offiziellen Shadowrun-Produkt erscheint, füge folgenden Satz an deine Mail an (dann aber UNBEDINGT, sonst kann dein Bild nicht bei der Auswahl für das Produkt berücksichtigt werden):

Ich versichere hiermit, dass ich alle Rechte an dem oder den eingereichten Foto/s besitze. Ich willige darin ein, dass eine Charakterillustration auf Basis des/der Foto/s erstellt und im Rahmen eines Shadowrun-Produktes gewerblich genutzt und öffentlich verbreitet wird. Im Falle, dass die abgebildete Person auf dem Foto nicht ich selbst bin, garantiere ich dafür, dass die abgebildete Person über die Nutzung des Fotos als Gestaltungsreferenz für eine Shadowrun-Illustration informiert und mit der Nutzung ihres Bildes in diesem Rahmen uneingeschränkt einverstanden ist. Ich gewähre der PEGASUS SPIELE Verlags- und Medienvertriebsgesellschaft mbH die zeitlich, inhaltlich und räumlich unbeschränkten urheberrechtlichen und sonstigen Nutzungs- und Verwertungsrechte aller von mir im Rahmen dieser Aktion eingereichten Fotos bzw. des auf ihnen beruhenden Artworks, insbesondere das Recht zur Vervielfältigung und Verbreitung, unabhängig vom Verfahren. Dies gilt für Ausgaben und Auflagen in allen Sprachen, das Recht zur Übertragung auf elektronische Trägermedien zur digitalen Wiedergabe, Vervielfältigung oder Verbreitung, das Recht auf Vor- oder Nachabdruck, das Recht zur öffentlichen Zugänglichmachung, insbesondere im Printbereich, im Internet und durch sonstige Formen der Onlinekommunikation. 

4) Ich werde dir, wenn alles okay ist (Foto brauchbar, ggf. obige Erklärung vorhanden), dann meine Paypal-/Konto-Verbindung mitteilen. Das ist dann zugleich meine Auftragsbestätigung. Sobald deine 45 EUR eingegangen sind, lege ich mit der Arbeit los.

5) WICHTIG: Wenn ich deinen Auftrag bestätigt habe, bekommst du AUF JEDEN FALL eine Charakter-Illustration basierend auf dem von dir eingereichten Foto und deinem Wunschtyp. Ist dein Foto 100% unbrauchbar oder werde ich unter einer Anfrageflut von 1,4 Millionen russischer Bots begraben, teile ich dir das bereits mit, ehe du das Geld überweist.

6) Aus allen fertiggestellten Artworks wählt Pegasus Spiele dann die 20 besten/geeignetsten Illustrationen aus und veröffentlicht diese im Rahmen eines neuen Shadowrun-Produktes. Im Falle, dass extrem viele (= mehr als 100) Artwork-Anfragen eingehen, findet zusätzlich eine Vorauswahl anhand der Fotos statt (soll heißen: Es wird zuerst entschieden, was die besten Fotos/Typen sind, damit deren Artworks dann auch zuerst = rechtzeitig zur Verlags-Deadline fertiggestellt werden können. Alle weiteren Artworks werden danach abgearbeitet.

Ich drück euch allen die Daumen und freue mich über eure Einreichungen!
AAS

SR6 Spielhilfe: Charakterkarten

Natürlich bin ich keineswegs der Erfinder von Karten, die auf der Vorderseite ein Charakterporträt und auf der Rückseite Werte und Details des Charakters haben. Umso ärgerlicher für mich, dass ich viele Jahre auf dieses geniale Tool verzichtet habe.

Seit ich mir entsprechende Karten für meine ABOREA-Runde gebastelt habe, konnte ich erst wirklich erkennen, was für eine unglaublich gute Spielhilfe diese Karten sind – weshalb ich mir gerade für Shadowrun 6 ein entsprechendes Muster und eine ganze Reihe von Karten gebastelt habe (von denen ich die Meisten freilich hier nicht teilen kann, weil meine Spieler ggf. mitlesen).

Die hauptsächlichen Vorteile von Charakterkarten für NSCs sind die Folgenden:

Anschaulich (1): Indem man die Karten anwesender NSCs vor den SL-Schirm stellt oder auf den Tisch legt, erfasst jeder Spieler, wer gerade im Raum ist. Oder wer als Verdächtiger im aktuellen Mordfall gilt. Oder welche vier Schieber für die anstehende Besorgung infrage kommen. Oder welche Kontakte man anrufen könnte. Gerade bei ABOREA, wo die Charaktere meiner Runde oft mit einer ganzen Entourage von Höflingen und Söldnern unterwegs sind, ist das unbezahlbar – bei SR Runden, wo das Team der SCs auch Supportcharaktere umfasst (zum Beispiel die Mitglieder des Squads einer Polizei- oder Militäkampagne oder die Abteilung der SCs einer Konzernkampagne) gilt das ebenso.

Anschaulich (2): Die Präsenz des Bildes vermittelt tausendmal mehr Infos als jede Beschreibung. Will ich mich mit DEM Typen anlegen? Wie bedrohlich sehen die angreifenden Konzerntruppen aus? Wer das Bild sehr sorgfältig auswählt oder in der Lage ist, eigene Bilder zu machen, kann im Bild sogar versteckte Hinweise unterbringen (Logos, Pins, halb unter der Kleidung hervorblitzende Tattoos), ohne auf diese verbal und damit allzu auffällig hinweisen zu müssen.

Immer griffbereit: Statt in Heftern oder Notizbüchern zu blättern, hat man die einzelnen Karten und somit die NSCs immer griffbereit. Speziell wenn mehrere NSCs aus diversen früheren Abenteuern anwesend sind, entfällt das Hin- und Herblättern.

Bestens vorbereitbar: Statt eine Kladde mit allen fünfhundertdrölfzig NSCs mitzuschleppen, kann man nur die vorgesehenen NSCs der kommenden Session mitnehmen bzw. in die Abenteuer-Aufzeichnungen legen.

Spontan aktualisierbar: Die Rückseite der Karte bietet (normalerweise) genug Platz, um sich schnell etwas zu notieren, zum Beispiel dass der NSC von SC XYZ angefressen ist, weil der ihn gerade beleidigt hat.

Nachdrücklicher Charaktertod: Gerade wenn der langjährige Bekannte sich heroisch geopfert hat, um den Rückzug der SCs zu decken, ist das demonstrative Zerreißen oder Verbrennen der Charakterkarte ein „Hingucker“, der das Ableben des NSC deutlich unterstreicht. Auch das Übergeben der Charakterkarte eines lang gehassten Nemesis, damit sie von den Spielern gemeinsam zerpflückt werden kann, hat etwas zutiefst Befriedigendes.

20200216_205137

Anwendung

Obwohl ich mich inzwischen in Adobe Indesign und Illustrator zunehmend hineingefuchse, habe ich meine Charakterkarten „oldschool“ in Powerpoint angelegt, was vermutlich die meisten entweder besitzen oder das kostenlose Präsentationstool ihrer Wahl importieren können:

SR-NSCkarte-Blanko

Auf der linken Hälfte der Karte wird das Bild des NSC eingefügt (unter „Bild formatieren“ kannst du das eingefügte Bild vergrößern/verkleinern und beschneiden, um in den Rahmen zu passen – Perfektionisten stellen es dann noch per „Anordnen“-Funktion nach Hinten, um somit hinter dem schwarzen Rahmen zu sein).

Auf der rechten Seite werden die Werte eingetragen. Ich persönlich trage dabei immer bereits die fertigen Pools aus Attribut + Fertigkeit ein, um auf einen Blick sehen zu können, wieviele Würfel ich werfen muss. Bei Zaubern und spezieller (nicht alltäglicher) Ausrüstung notiere ich mir auch gern die wichtigsten Regeln oder mindestens die Stelle im Regelbuch, wo ich sie nachschlagen kann.

Fertig ausgefüllt, druckst du die Karte auf A4 aus und faltest sie auf die Hälfte (Perfektionisten schneiden noch die weißen Ränder ab und laminieren sie, aber wie du am Bild oben sehen kannst, habe ich nichtmal einen Farbdrucker und lebe auch noch).

Hast du nur einen S/W-Drucker oder hat dein Drucker ein echt mieses Druckbild, kannst du das verwendete Charakterbild auch auf dein Tablet oder dein Smartphone speichern, um es (z.B. bei erstmaliger Begegnung mit dem NSC) in voller farblicher Pracht zu zeigen.

Einige Beispiele für NSC-Karten:

Bildschirmfoto 2020-02-16 um 21.32.23

PDF-Download: SR-NSCkarte-Fletscher

Bildschirmfoto 2020-02-16 um 21.32.10

PDF-Download: SR-NSCkarte-LeilaTalabani

Bildschirmfoto 2020-02-16 um 21.31.59

PDF-Download: SR-NSCkarte-Schlips

Eine letzte Bitte

Wenn ihr Karten privat für eure Runde erstellt, könnt ihr natürlich an Bildern verwenden, was ihr wollt. Solltet ihr aber Charakterkarten in Foren oder auf eurer Webseite teilen – auch wenn das nonprofit ist – dann fügt bitte den Namen des Künstlers hinzu. Auch, wenn ihr danach suchen müsst (so wie ich heute nach dem beschämend genialen SU JIAN, dessen Bild ich seit Jahren für Leila verwende und den ich erst durch einige Suche fand (das Bild mit schwarzer Augenschminke kursiert auf Pinterest, wo ich es auch einst gefunden habe – tatsächlich sieht das Bild aber so aus (war mir bis heute auch unbekannt)).

Die Powerpoint-Kartenvorlage könnt ihr natürlich völlig frei verwenden, auch ohne Link zu mir oder dieser Webseite. Have fun.

Und wenn ihr mir eure Berliner NSC-Charakterkarten senden wollt, würde ich mich darüber sehr freuen (mindestens als SL für meine eigene Runde, je nach Zustrom lege ich aber auch gerne einen kontinuierlich aktualisierten Blogpost mit den gesammelten NSCs aller SRB-Fans an).

Schattentricks: Vesuv Casino Chips

Hinweis: Alle hier genannten Regeln sind optional, also Vorschläge für Hausregeln!

// Dateiupload von .REZ // 17.11.2080 – 00:17:37 

Die jüngsten Berliner Dateiuploads haben ja bereits einige Infos zum „alternativen Berliner Bargeld“ aus Vesuv Casinochips [DATAPULS:ADL S.117, DATAPULS:BERLIN S.3, S.26, BERLIN2080 S.12, S.14, S.37, S.161, S.183, S.185 (Schwarze Deals)]. Da man mit den Chips ziemlich viel Unfug treiben kann und die Vesuv-Casinos und deren Onlineknoten Caldera immer öfter in Shadowtalks auftauchen, wollen wir uns hier mal die Jetts aus Hardware- bzw. Phreaker-Sicht genauer ansehen.

Mit den Shadowtalks sind natürlich die diversen Querverbindungen der Vesuv-Casinos zur Schamir-Familie und die enge Verbindung der Chipswährung mit der Ausbreitung und Vernetzung der Berliner Chipstelefone gemeint.
Konnopke

Beziehungsweise eben die spekulativen Verbindungen zwischen der Ausbreitung der Berliner Kabelmatrix – die ja auch durch die wachsende Zahl von Chipstelefonen erreicht werden kann – und den schattigen Operationen von Broadpeak [BERLIN2080 S.139, S.111, S.158, um nur die wichtigsten Referenzen zu nennen].
.root

Nochmal für Leute ausm Mustopp: Was haben die Vesuv-Währung mit der Kabelmatrix zu tun?
Datacra$h

Lies den verdammten Artikel hier, N00b.
.rez

Okay, okay. Aber was sind „Phreaker“?
Datacra$h

RAAAAAAAH! *ragequit*
.spoof

Dazu zunächst mal nen Link zu Aetherpedia. Im heutigen Deckerjargon bezeichnet Phreaking alle Arten technischer Computer- und Netzwerkmanipulation, die nichts mit Matrixhacking zu tun hat.
.rez

Heutzutage wird unter Hacking vor allem das Verwenden bestimmter Implantate, Decks und Programme verstanden. Und tatsächlich gibt es Scheiße zu viele Decker, die im Prinzip nur User sind und damit keinen Deut geiler als die Scriptkiddies, die Anfang der 2070er Hacking per Copy+Paste betrieben, und das zuweilen sehr erfolgreich. Inzwischen haben die Konzerne die Matrix vollständig übernommen und die meisten „billigen“ Exploits dichtgemacht. Die Entwicklung bahnbrechender Hacks ist so komplex geworden, dass sie durch Einzelne kaum mehr zu leisten ist – gerade deshalb greifen Decker heute ja auch auf extrem fortschrittliche (= immens aufwändige, von größeren Hackerkollektiven und/über eine lange Zeit entwickelte)  Hackprogramme und Hardwaremagie wie die Cyberjacks zurück (ich weigere mich, die Dinger „Cyberbuchse“ zu nennen). Ein ECHTER Hacker hingegen hat ALLE Methoden auf dem Schirm, seinen Hack durchzuziehen. Und dazu gehören neben lauten und leisen Maßnahmen, Systeme zu pwnen, auch Social Engineering à la Mitnick und eben Phreaking, also das Ausnutzen sämtlicher technischer Schwachstellen, die ein System abseits von Hackingprogrammen hat – vor allem hinsichtlich seiner Hardware.
.root

Mitnicks Bücher sind Grundlagenwissen, auch wenn Social Engineering von zu vielen als Face-Job abgetan wird. Die Wahrheit ist: Die meisten Faces verstehen nicht genug von Computern, um die richtigen Fragen zu stellen oder die relevanten Schwachpunkte auszumachen. Die meisten Decker sind hingegen derart socially awkward, dass sie es nicht hinkriegen, Fremde „einfach so“ anzusprechen und mit ein bisschen Smalltalk kritische Schwachpunkte zu exploiten („Hier ist Ihr Netzwerksupport, können Sie mir die Nummer vom Aufkleber auf der Rückseite Ihres Terminals vorlesen?“). Wohl dem Decker, der sowohl fit im technischen und dem sozialen Teil des Spiels ist.
.rez

Die Basics

Zunächst eine Bitte: Spammt diesen Teil nicht mit Kommentaren zu Exploits zu. Zu denen kommen wir noch weiter unten. In diesem Abschnitt geht es nur um die reinen technischen Features der Chips und ihren regulär vorgesehenen Nutzungsmöglichkeiten.

Alternatives Bargeld

SR6-Berlin2080-ART-Störer-Casinochip-var5Coins, Jetts, Chits, Chips, Jetons, B-Mark, V-Mark, C-Mark, Lavas, Lewakis – noch ist das Rennen und Ringen darum, wie Vesuv-Casinochips in ihrer Verwendung als Bargeld genannt werden, im vollen Gang. Fakt ist: Im Gegensatz zu den Datenkrake-Währungen der Konzerne – zu denen auch der NEEC-Euro und in wenn auch weit geringerem Maße der Nuyen gehören – sind auf Vesuvchips keine persönlichen Daten gespeichert, was das Fundament ihrer Verwendung als Bargeld bzw. Schwarzgeld ist. Es wird zwar spekuliert, dass die Vesuv-Kasinos einen Nutzer durch seine Historie diverser Chips trotz allem klar identifizieren könnten, wenn sie die in den Chips bzw. dem Vesuvsystem hinterlegten Daten mit größeren Kommlink-Datenbeständen und/oder der SIN-Registry abgleichen, aber falls Vesuv, Broadpeak oder Apex das tun, ist es zumindest bisher nicht auffällig geworden.  

BERLIN2080, S.156ff, speziell der Abschnitt „Ordnung im Chaos“. Auch wenn ich denke, dass .spoofs Re-Post des im DP:ADL noch mit einem Werbe-Pop-Up verdeckten Kommentars zu wenig Beachtung fand in der Diskussion – speziell der Teil mit „hat die Gelder der Vory geklaut„, was ja ganz nebenbei nur DER Grund ist, aus dem die Drakova soviel Stress bei der Übernahme von Gargaris Biz hat. Aber ich bin ja nur ein Aluhutträger.
Darkside

Die eine Seite der Medaille ist natürlich die Akzeptanz dieses Bargelds: Immer mehr Shops und Betriebe akzeptieren Jetts als Währung, in vielen alternativen Kiezen werden diese sogar ausschließlich akzeptiert. Und das nochmals steil steigend seit den Berichten über Matrixausfälle in den UCAS [#Blackout].

Höchstens Certs (Certified Credsticks) erfreuen sich noch einer ähnlich breiten Akzeptanz, die allerdings am Sinken ist: Da Credsticks schlussendlich von Konzernen bzw. deren Banken bereitgestellt werden, vermutet eine wachsende Zahl der Alternativen, dass in diesem vorgeblich anonymen und sicheren Zahlungsmittel doch irgendwelche versteckten Tracking-Features der Konzerne oder von Z-O verbaut sein könnten. 

Vermutungen, die meiner Info nach gezielt gespawnt werden.
.root

Und deswegen noch lange nicht falsch sein müssen.
.spoof

Die andere Seite ist die Verfügbarkeit. Dazu ist zu sagen, dass Vesuv Automatenkasinos in Berlin deutlich zahlreicher sind als Bankfilialen, speziell im Osten der Stadt. Die rasch steigende Zahl der Chipstelefone erhöht die leichte Verfügbarkeit weiter – inklusive Möglichkeit zum Umtausch in „normalere“ Währungen – und macht Jetts auch für Normbürger zunehmend attraktiv.

Das ist nun wieder Blödsinn. Für einen Normalbürger ist die Abwicklung sämtlicher Zahlvorgänge via Kommlink unschlagbar easy. Es gibt ja Gründe, aus denen das Bargeld vor Urzeiten faktisch abgeschafft wurde. Was aber stimmt ist, dass die Technologien der Chipstelefone immer mehr mit denen der Vesuv-Spielautomaten verschmelzen: Einem Normbürger mag das Chipstelefon an der Ecke egal sein, weil er ja ein eigenes Link in der Tasche bzw. im Kopf hat. Wenn das Display des Chiptelefons aber geduldig die sich drehenden Walzen einer Slot Machine zeigt und er weiß, dass seine Frau auf der Credabrechnung niemals sehen wird, dass er auf dem Weg zur Arbeit hunderte Euronen verzockt, ist das ein durchaus attraktives Feature.
.krah

Merke: Die Begriffe Telefon – Slot Machine – Bankautomat wuchern immer mehr zusammen. Siehst du ein Chiptelefon, ist dieses zugleich eine Slot Machine und ein Bankautomat zur Ein- und Auszahlung von Jetts. Siehst du einen alternativen Bankterminal z.B. von Berlinkredit oder einem anderen alternativen Bankinstitut, ist dieses mindestens auch eine Slot Machine. Siehst du eine Vesuv Slot Machine, ist diese immer auch ein Bankterminal.
.root

Tatsächlich hab ich jüngst einen Bankingterminal der Commerzbank gesehen, der Chips akzeptiert. Zwar haben sie ihn nicht hardwaremäßig umgerüstet, dass du Chips tatsächlich einwerfen kannst, aber die NFC-Sensorfläche konnte die RFID meines Vesuvchips einlesen und ich das gespeicherte Guthaben auf mein Kommlink übertragen.
Konnopke

Stimmt. Meine FBV-Banking-App lässt mich nach der neuesten Aktualisierung auch Jetts per NFC-Zahlfunktion entladen (allerdings nur das. Aufladen isn’t, und das übertragene Guthaben unterliegt einer siebentägigen Sicherheitssperre).
Daisy Fix

Jedes akzeptierte Zahlsystem ruft natürlich prompt Betrüger auf den Plan [BERLIN2080 S.161 „Falsche Chips“], und hier sind die Vesuvchips deutlich angreifbarer als Geld, das durch ein globales, von Megakonzernen und den Konzernrat gestütztes System lückenloser Kredithistorie gesichert ist. Bislang zumindest konnte das Vertrauen der Nutzer aber noch nicht hinreichend erschüttert werden, um Jetts in der Gunst speziell der Alternativen sinken zu lassen.

Wohlgemerkt trotzdem oder gerade weil die DeMeKo und andere Konzern-Newsoutlets sehr bestrebt sind, Betrugsskandale um die Jetts zu dramatisieren oder auch mal frei zu erfinden.
Daisy Fix

Aluhutwarnung: Meiner Ansicht und der Meinung einiger Leute nach, die sich mit dem Finanzwesen hackingseits viel besser auskennen als ich, sollte es viel mehr Chit-Hacks und Jetonbetrügereien geben. Schon weil einige von den großen Banken selbst initiiert bzw. beauftragt werden dürften. Es scheint aber ein massives Interesse „bestimmter Stakeholder“ zu geben, dass es zu solchen Skandalen nicht kommt. Nach Recherche fand ich zwölf Fälle unterschiedlicher Größe, in denen Einzelpersonen oder kleine Teams erfolgreich Fälschungen bzw. Überbuchungen von Vesuv-Chips in Umlauf gebracht haben, um dann in zuweilen bizarr brutalen Un- oder Überfällen zu sterben, gern mit zufällig anwesenden Live-Vloggern oder geleakten Datafeeds aus Verkehrskameras.
Darkside

Er nun wieder.
Konnopke

Die Coin-Hardware

Mit 39 Millimetern Durchmesser und einer Dicke von 3 Millimetern entspricht ein Vesuv-Jeton exakt den Abmessungen eines regulären Pokerchips, wenngleich er mit nur sieben Gramm Gewicht am unteren Ende der Pokerchip-Gewichtsklassen liegt und damit für professionelle Gambler etwas „billig“ wirkt. 

Im Einzelnen hat jeder Vesuv-Chip folgende Features:

  • Grundfarbe: Einzelne Jetts existieren in den Farben weiß (bis 100€) und schwarz (bis 1.000€, mit zusätzlichen Sicherungs-/Authentifizierungsdaten). Zusätzlich gibt es „Blocks“ in Bronze (10.000€), Silber (25.000€), Gold (50.000€) und Platin (100.000€), die mit einer Dicke/Höhe von 10 Chips (drei Zentimeter) eher klotzartig sind und somit nicht in den Münzeinwurf von Chiptelefonen und Slot Machines passen (sie dienen eher dem Übertrag größerer Chip-Guthaben vom einen Casino zum anderen oder für den Einsatz an „High Roller“-Tischen). 
  • E-Ink Display und Farbwechsel-Markierung: Jeder Jett inklusive der „High Roller“-Blocks verfügt über ein E-Ink Display, das die genaue Guthabensumme anzeigt, sowie einer Reihe von Farbblöcken entlang des Randes, die je nach Höhe des Guthabens die Farbe von hell- nach dunkelgrau wechselt (im Falle der 1.000er-Chips über Rot). 
  • Energiezelle: E-Inks haben kaum Strombedarf, ein bisschen aber schon. Daher enthält jeder Jett/Block eine kleine Energiezelle, die sich selbsttätig bei jeder Gelegenheit z.B. in einem Chipstelefon oder auf einer NFC-Kontaktfläche auflädt.
  • Drucksensor: Um dem Zerbrechen und Manipulieren der Chips vorzubeugen, enthalten diese einen Sensor, der Verformungen des Materials misst und im Falle der Überschreitung gewisser Grenzwerte den Geldinhalt des Chips auf Null setzt. Diese schon in der ersten Chipgeneration enthaltene Sicherung bildet das Fundament, auf dem in späteren Iterationen das Stack-Adding etabliert wurde (s.u.). 
  • RFID-Chip: Jeder Jett/Block verfügt über einen RFID-Chip, um mit der Slot Machine, dem Chiptelefon, dem Banking Automat oder dem Vesuv-Haussystem zu interagieren und z.B. NFC-Transaktionen durchzuführen (nein, es gibt keinen separaten NFC-Chip – dessen Funktion wird durch den RFID lediglich emuliert). Also Vorsicht mit dem RFID-Löscher!!
  • Speicherchip: Jeder Jett/Block verfügt über einen Speicher, in dem notwendige Infos zur Zertifizierung bzw. Authentifizierung abgelegt werden. Die meisten der hier hinterlegten Daten sind Webadressen, mit denen die betreffenden Datenpakete im Host der Vesuv-Kasinos bzw. der Caldera identifiziert werden könnten. Die direkten Nutzungsdaten (Orte und Zeitpunkte der Verwendung, durchgeführte Operationen) werden aber auch direkt im Chip gespeichert, natürlich verschlüsselt.
  • Stack-Adding: Legt man mehrere Chips übereinander und drückt von oben auf diese, treten diese via RFID in Kontakt und transferieren alle gespeicherten Guthaben „schwerkraftmäßig“ nach unten, um möglichst viele, bis an das Limit gefüllte Chips zu erzeugen. Dieser Vorgang dauert fünf Sekunden (um zufällige Berührungen klar von bewussten Aktivierungen der Funktion zu trennen). 

Verdeutlich: Ich habe weiße Chits mit den Guthaben 88 EUR und 6 EUR, schwarze Chits mit den Guthaben 2 EUR, 67 EUR, 165 EUR, 212 EUR, 455 EUR, 988 EUR und 1.000 EUR sowie einen Platinum Block mit 0 EUR. Lege ich den Block nach unten, stapele alle anderen Chits darüber und drücke auf diesen Stapel, habe ich nach den fünf Sekunden Verzögerung einen Block mit 2.983 EUR und darüber einen Stapel aus zwei weißen und sieben schwarzen Chits, die jeweils leer sind. Lege ich die weißen Chits nach unten, dann den Block und darauf die schwarzen Chits, habe ich zwei voll aufgeladene weiße Chits mit je 100 EUR, einen Block mit 2.783 EUR und darauf sieben schwarze Chits, die leer sind. Lege ich die weißen nach unten, darüber die schwarzen und darauf den Block, habe ich unten zwei weiße, volle 100er Chits, darüber zwei schwarze, volle 1.000er Chits, darauf einen schwarzen Chit mit 783 EUR und darauf drei schwarze, leere Chits und den leeren Block. Nutze ich das AR-Plugin „StackJett“ von Vesuv, sehe ich das in der AR auch ganz klar (andernfalls muss ich den Stapel auflösen und das E-Ink-Display jedes Chips lesen).
Daisy Fix

  • Splitting: Legt man mehrere Chips mit gleichem Limit übereinander und drückt man einen Chip hochkant obendrauf (was üblicherweise mit Blocks geschieht), wird dessen Guthaben gleichmäßig auf die darunterliegenden Chips verteilt.

Verdeutlich: Nehme ich aus dem ersten der oben genannten Beispiele die sieben leeren schwarzen Chips und drücke den Block mit 2.983 EUR flach auf den Stapel, habe ich danach einen leeren Block auf sechs Chits zu 426 EUR und ganz unten einen schwarzen Chit zu 427 EUR. Das klingt alles ziemlich kompliziert, aber für Profizocker (zu denen verdammt viele Berliner zählen) sind das routinierte Handgriffe.
Daisy Fix

Für das Splitting gilt, dass das zusammenaddierte Limit des Chipstapels als Obergrenze gilt. Lege ich einen 100.000er-Block als auf zwei weiße Chips (Limit 100 EUR), werden nur 200 EUR übertragen. Duh.
Konnopke

  • Gyrosensor: Um Stack-Adding und Splitting durchführen zu können existiert ein Positionssensor im Chip, der dessen Lage (waagerecht oder senkrecht) erfasst und die betreffende Funktion freischaltet. Der Speicher des Gyrochips wird dabei nonstop überschrieben – ein Rekonstruieren der Chipbewegungen zur Verfolgung seiner Bewegungshistory ist unmöglich.
  • Kein Zeit- oder Ortsmesser: Die erfassten Zeitdaten der Nutzungshistorie kommen nicht vom Chip, sondern werden vom verwendeten Gerät in den Speicher des Chips übertragen. Der Chip weiß nicht, welches Datum oder welche Uhrzeit wir haben. Dasselbe gilt für die Ortsbestimmung.
  • CableDirect: Ich bin etwas unschlüssig, ob diese Funktion noch zu den eigentlichen Hauptfunktionen zählt oder schon eine dem Phreaking zuzurechnende Funktion ist. Öffentlich bekannt ist sie nicht und sie wird auch nicht kommuniziert, aber die meisten Alternativen mit wenigstens rudimentären Kenntnissen zur Kabelmatrix ist sie bekannt: Ist auf dem Speicherchip ein entsprechender Codeblock hinterlegt, kann durch Einwurf des Jetts in ein Chiptelefon eine Verbindung zur Berliner Kabelmatrix hergestellt werden. Alle Chiptelefone besitzen eine ISDN2-Scartbuchse, aber erst nach Entsperrung per Chip kann diese auch genutzt werden. Die entsprechende Hardware zum Anschluss eines Decks oder Kommlinks sowie einen IDN2-Emulator benötigt man natürlich trotzdem. Noch. Denn in jüngerer Zeit wird die einmal unüberwindbare Trennung zwischen der globalen Matrix und der Berliner Kabelmatrix immer durchlässiger: Durch extrem kreatives Coding wird die Kabelmatrix dabei gegenüber den Matrixprotokollen als „spezielle VR Host-Architektur“ interpretiert, was zunehmend besser funktioniert.

Allerdings nur in eine Richtung: Der globale Matrixnutzer kann – entsprechende Kenntnisse und einige schwarz erwerbbare Zusatzprogramme vorausgesetzt – in die Berliner Kabelmatrix eintauchen (der Zugang bleibt buggy), was immer aber in der Kabelmatrix Berlins existieren mag kann (noch) nicht hinaus.
Darkside

  • Schwarze Deals: Nur der Vollständigkeit halber. Siehe BERLIN2080, S.185.

Kreative Nutzung

Kommen wir zu dem Unfug, den man mit Chips anstellen kann. Hier dürft ihr gerne eure persönlichen Exploits teilen, auch wenn ich nicht annehme, dass viele dumm genug sein werden, das zu tun. 

Versteckte Daten

SR6-Berlin2080-ART-Störer-Casinochip-var4Uneingeschränkt jeder Speicherchip jedes Gerätes kann dazu verwendet werden, versteckte Nachrichten und andere Daten unterzubringen. Jetts machen da keine Ausnahme, selbst wenn es deutlich einfacher sein mag, belastende Infos zu deinem Erzfeind im ungenutzten Speicher deines Toasters unterzubringen. 

Das Vesuv- bzw. Caldera-System bietet von sich aus keinerlei Zugriff auf den Speicher eines Chips, weder zum Lesen noch zum Schreiben. Entsprechende Möglichkeiten bestehen nur dann, wenn man Zugriff und Nutzerrechte auf den Host von Vesuv bzw. die Caldera hat [Anm: Hoststufe 8], oder wenn man über entsprechende Hardware-Kenntnisse direkten Zugriff auf den Speicher im Chip nimmt [Anm: Elektronik (Hardware) + Logik gegen 4 (weiße Chips), 6 (schwarze Chips) oder 10 (jede Art von Block)]. Selbst damit lässt sich nur der „unbelegte“ Speicher jenseits der Authentifizierungsdaten auslesen bzw. beschreiben. Möchte man auch die Authentifizierung und Nutzungshistorie auslesen, löschen oder manipulieren, ist das ungleich schwieriger [Anm: +2 Würfel zum Auslesen, +4 Würfel zum Manipulieren]. Speziell das Manipulieren zur Generierung von „Falschgeld“ endet dabei nicht beim eigentlichen Hack, denn Vesuv reagiert spätestens, wenn es unlegitimierte Beträge auszahlen musste, extrem unwirsch, und das bedeutet in Berlin meist den den direkten Einsatz tödlicher Gewalt z.B. via Kopfgelder.

Weiße Chips haben einen extrem begrenzten Speicher, in dem sich in vollständig leerem Zustand etwa 5 DIN-A4-Seiten Text unterbringen lassen. Ist der Speicher durchschnittlich mit den für diese Größe eher rudimentären Authentifizierungs-Daten belegt, bleibt genug Platz für etwa 1 DIN-A4-Seite. Weil weiße Chips aber eher schlecht gesichert sind, ist der „frei verfügbare“ Speicher vieler weißer Chits graffitti-artig mit Nachrichten junger Hacker oder Trashtalk gefüllt. 

Oder mit den Jobdetails deines Schmidts.
Konnopke

SR6-Berlin2080-ART-Störer-Casinochip-var1Schwarze Chips verfügen über einen Speicher für etwa 10.000 DIN-A4-Seiten Text und damit mehr als genug Platz, um auch kritische Daten und Dossiers in ihnen unterzubringen. Möchte man Fotos, 3D-Daten oder (Gott bewahre) Trideos unterbringen, muss man ziemlich kreativ werden [Anm: +2 Würfel für die Verteidigung], und mehr als ein grobpixeliges 10-Sekunden-Trid bzw. 30-Sekunden-Vid wird nicht drin sein. Bei durchschnittlicher Belegung mit Authentifizierungsdaten schrumpft die Kapazität auf „nur“ 100 Textseiten oder 1-2 einigermaßen okay aufgelöste Fotos. 

Blocks haben dem gegenüber mehr als genug Speicher, um selbst größere Datenmengen unterzubringen. Da sie ziemlich schwer zu knacken sind, fragt man sich natürlich, warum zum Geier man diesen Aufwand betreiben sollte, wenn ein 1-Euro-Speicherstick im Look von Daddl Katz denselben Zweck erfüllt. Aber dennoch: Bedenkt, dass jeder Block theoretisch massig Daten enthalten könnte, und wenn ihr die Skill habt, dann lest doch mal einfach aus, was drin ist.   

Der Code zum Anwählen der Kabelmatrix ist gerade einmal 100 Zeichen lang, also klein genug, um selbst auf weißen Chits bequem Platz zu finden. Neben dem generellen Dial-In kann ein findiger Hacker den Code auch so manipulieren, dass statt dem Entry gleich ein gezielter Host in der Kabelmatrix angewählt wird, meist das Schockwellenreiter-Auftragsboard. Oder eine Honeypot-Falle.
 .root

Weiße Chips enthalten nicht nur Trashtalk und Gepose irgendwelcher Hackernoobs, sondern gern auch mal Übergabepunkte oder andere heiße Tidbits, die wenig Platz brauchen. Speziell solche Chits, die irgendwie äußerlich markiert sind mit Kratzern oder Bekritzelungen sollte man immer prüfen.
.asl

Hardware-Manipulation

Wie im „Schattenpuls“ im BERLIN2080 [S.161] bereits festgestellt, ist es natürlich möglich, gefälschte Chips herzustellen und in Umlauf zu bringen. Auf der einfachsten Ebene sind dies Chips mit denselben Abmessungen und in denselben Look, die einfach keine Funktionalität haben (ein 3D-Drucker und kreative Gestaltung genügen) – diese zu entlarven ist aber überaus einfach (ein Prüfcheck durch Auflegen des Chips auf das Kommlink und Aktivierung irgendeiner Vesuv- oder Caldera-App oder eben Einwurf in ein Chiptelefon genügen).

Vorsicht deshalb vor Bezahlungen mit einer Sporttasche voller Chips – das Auszahlen einer Summe durch hunderte weiße Chips statt durch einen Chip-Block kann Methode haben.
.asl

SR6-Berlin2080-ART-Störer-Casinochip-var3Eine bessere, wenngleich aufwändigere Methode besteht darin, einen echten Chip bzw. Block durch vorsichtiges, möglichst druckloses Fräsen von seinem Casing zu befreien, ohne die Bauteile im Inneren zu beschädigen [Anm: Mechanik + Logik (9, 1 Stunde)]. So freigelegt, könnte man theoretisch weitere Bauteile hinzufügen – etwa einen Positionschip – oder die vorhandenen Bauteile verändern oder austauschen. Zuletzt könnte man dann das veränderte Casing per 3D-Druck und Rekonstruktion der E-Ink- und Randfarben-Displays rekonstruieren [Anm: Elektronik + Logik (12, 1 Tag)], allerdings wohl niemals absolut perfekt: Auch modernste 3D-Printer erzeugen zumindest in Mikrosicht feine Schichten/Rillen, die bei gezielter Suche auffallen [Anm: Wahrnehmung + Intuition (5)].

Auch hierbei gilt: Geschieht durch eure Manipulation Vesuv ein echter Schaden, rechnet mit heftigster (auf Abschreckung für Nachahmer gezielter) Antwort.   

Ganz ehrlich: Wenn ich die nötigen Kenntnisse und Fertigungsmöglichkeiten habe, fälsche ich lieber hochpreisige Credsticks. Die gelten zwar als fälschungssicher, aber das ist nur Bankpropaganda. JEDES System ist manipulierbar.
.asl

Wie die meisten Plastik- und Verbundstoffe ist auch das Casing der Vesuv-Jetons in seiner Zusammensetzung einzigartig. Das soll nicht heißen, dass man Jetts nicht fälschen könnte, aber denkt an all die Spuren, über die Vesuv euch identifizieren kann, auch über Zulieferer, Materialien, das spezielle Druckprofil eures Printers oder das Kontaktnetzwerk, das ihr befragt habt, um über sehr spezielle Materialanalysen und die Beschaffung der betreffenden Bauteile heranzukommen. Ich würde es nicht riskieren.
Darkside

Swiping

Habt ihr mal einen Profizocker oder Taschenspieler bei der Arbeit gesehen? Dann könnt ihr euch vorstellen, dass man mit Stack-Adding und Splitting ziemlich viel Unfug anstellen kann.

Gewiss: Die 5-Sekunden-Verzögerung bei der Ausführung des Geldtransfers sind eine unschöne Barriere, aber was so ein gewievter Zocker oder auch eine betörende Verführerin abziehen kann, um euch fünf Sekunden abzulenken, würde euch die Ohren schlackern lassen. 

Ein zusätzlicher Kniff für alle Tricklegastheniker besteht in einer Technik, die in der Szene „Swiping“ (manchmal auch „Tabling“) genannt wird: Die in den Chips eingebaute Technologie für Stack-Adding und Splitting erkennt den Druck von oben als Auslösesignal, besitzt aber eine gewisse, technikbedingte Unschärfe, was das Erkennen des „Stapels“ angeht. 

Die wohl am Meisten verbreitete Swiping-Technik besteht darin, einen Block unter der (möglichst dünnen) Tischplatte zu platzieren und (z.B. assistiert durch AR) einen Stack genau auf der Position des Blocks zu bilden. Hierdurch „wird das Geld durch den Tisch gedrückt“ in den darunter liegenden Block. Die Kunst besteht darin, das Opfer soweit abzulenken, dass es die Entwertung der darüber aufgehäuften Chips nicht bemerkt. 

SR6-Berlin2080-ART-Störer-Casinochip-var2Dies kann etwa dadurch geschehen, dass beim eigentlichen Geldtransfer noch alles okay ist. Erst nachdem der Transfer „durch“ und das Opfer entspannt ist, wird der Stack erneut angedrückt [Anm: Heimlichkeit (Fingerfertigkeit) + Geschicklichkeit gegen Wahrnehmung + Intuition, ggf. Edge durch vorherige/begleitende soziale Probe zur Ablenkung (z.B. Überreden) oder anderweitige Ablenkung].

Ein geschickter Swiper wird den Transfer so organisieren, dass der im Stapel zuoberst liegende Chip ein Guthaben von 0 EUR anzeigt (was einfach ist, da das Guthaben ja eh „nach unten fällt“). Besonders beliebt ist der Swipe mit einem zuunterst liegenden Block auf dem Tisch, unter dem dann der verborgene Block des Swipers liegt – tatsächlich raffinierte Swiper legen natürlich eben KEINEN Block unter den Tisch, der gleich und allzu auffällig das gesamte Vermögen aufnimmt, sondern zweigen sich bei großen Transfers „nur“ ein paar Tausender-Chips ab.

Besonders routinierte Betrüger kleben vorher an verschiedenen Positionen Stacks und Chips unter den Tisch (oder arbeiten sie in die „zentimeterdicke“ = angeblich swipesichere Tischplatte ein), um diese dann situationsabhängig einzusetzen.
Daisy Fix

Swiper mit Decker-Support zerstreuen etwaiges Misstrauen des Opfers dadurch, dass sie beim Swipen das Kommlink des Opfers hacken lassen, so dass diesem in der AR per Vesuv-Bezahlapp fälschlicher Weise die „eigentlich“ erwarteten Transferdaten angezeigt wird (das Hacking der Kommlink-Displayfunktion ist tatsächlich wesentlich einfacher, als die App selbst zu hacken).  

Software-Exploits

Auch die im Chip verbaute Funktionalität bzw. die damit einhergehenden Datenbestände lassen sich, entsprechende Kreativität vorausgesetzt, gegen den Chip-Nutzer verwenden. 

Backtracking

Auf Chips werden keine persönlichen Daten gespeichert. Trotzdem enthalten diese zur Authentifizierung eine gewisse Historie an Interaktionen mit anderen Geräten bzw. anderen Chips (again: Die Chips selbst „wissen“ niemals, wann und wo sie gerade sind, aber alle Operationen, welche die Guthaben eines Chips bewegen, werden durch die beteiligten Geräte auf den Chip geschrieben).

Verständnisfrage vom Nichthacker: Bei Chipein- und -ausgabe durch Automaten, Slot-Machines und Chiptelefone verstehe ich das. Aber was ist mit Stacking und Splitting? Wenn kein Chip einen Orts- und Zeitsensor hat, wie werden die Übergabedaten durch diese Operationen denn erfasst?
Konnopke

Das IST ja der Gag: Stacking und Splitting sind „im Nachhinein“ angeflanschte Operationen zur Verbesserung der Alltagstauglichkeit, die letztlich auf einem Exploit bzw. einer kreativen Nutzung des Drucksensors beruhen. Genau aus den von dir genannten Gründen sind Stack-/Split- und damit eben auch Swipe-Operationen mit Ort oder Datum gekennzeichnet. Eine typische Ausgabe-Codezeile sähe in etwa so aus: „2080-11-17 23:45:12 VESREG3549869083 ADD 23“, wobei „VESREG“ die Kenn-Nummer des Vesuv-Automaten ist (was dir erstmal noch immer nicht sagt, wo der steht). Derselbe Geldtransfer von „+23 Euro“ per Stacking, Splitting oder eben Swiping liest sich dem gegenüber als: „0000-00-00 00:00:00 POS:FAIL:89567745304656737689234 ADD 23“.
.rez

Was ist das für eine Zahlenkolonne nach dem Eintrag „POS:FAIL“?
Konnopke

Genau genommen ist das eine Fehlermeldung. „POS:FAIL“ identifiziert einen Krediteintrag, zu dem keine Orts- und Zeitangaben existieren (und ja, ich kenne Leute, die ihre Chips bei Deals darauf checken und prinzipiell Chips ablehnen, die in ihrer Historie irgendeinen Positiv-Eintrag (Aufladung mit Geld) durch eine POS:FAIL-Operation haben (das häufigste Anzeichen einer Chipmaniplation). Die aus 23 Ziffern bestehende Fehlernummer wird zufällig erzeugt und alle an der Operation beteiligten Chips erhalten dieselbe Nummer. Diese wird zwar nicht mit einer zentralen Registry abgeglichen, aber dass zufällig zwei Chips dieselbe Failnummer erhalten, obwohl sie nie in Kontakt waren, ist statistisch extrem unwahrscheinlich (dass es im übrigen 23 Ziffern sind, ist keine bewusste Entscheidung gegen Manipulation unregistrierter Kredittransfers, sondern dem Schwarze-Deals-System geschuldet).
.rez

Findige Hacker können aus der Datenhistorie mitunter erstaunliche Erkenntnisse gewinnen. Im Arachnet existieren Foren, in denen Infos zur exakten Positionierung diverser Positionierungs-Registriernummern gepostet bzw. unter der Hand getauscht werden (VES = Vesuvkasino-Automaten, CHP = Chiptelefone, KRD = Berlinkredit-Terminal, TRM = im System registrierter Terminal eines externen Anbieters, z.B. ein bestimmter Commerzbank-Terminal oder die konkrete Kasse eines nature-Supermarkts). Die Rückverfolgung von Chipguthaben ist insofern schwieriger als das Tracking von Kommlink-Geldtransfers, da man mehr detektivisches Gespür und mehr Einzelsuchen vornehmen muss, dafür muss man umgekehrt freilich nicht in die Geldmonitoringdienste der Eurobanken bzw. der Weltkonzerne eindringen.

Ein erfundenes Beispiel: Ich knalle jemanden nieder, der mich niederknallen wollte, und finde in seiner Tasche einige Chits. Keinen Block und nicht die große Summe, die auf einen Auftragsmörder hindeutet, aber ich will trotzdem wissen, woher sein „Kleingeld“ kommt, und ich hoffe auf einen Fehler bzw. mangelndes Fachwissen des Killers in der Sache. Ich lese die Kredithistorie der Chits aus und entdecke bei ein paar der Höherwertigen (100er) Parallelen, namentlich dieselbe Failnummer als letzten Aufladepunkt (alle Chits wurden davor an verschiedenen Orten und Zeiten bzw. durch diverse Failnummern auf Null entladen, was im Moment uninteressant ist). Über eine mir bekannte Plattform lasse ich nun nach Chits mit derselben Failnummer in ihrer Historie suchen und habe nach ein paar Wochen ein Dutzend Chits, die an derselben Splitting-Aktion beteiligt waren. Einige jener Chits enthalten danach Ort- und Zeitangaben weiterer Entladungen, ehe sie im normalen Umlauf an jene Plattform gerieten. Ich finde über eine andere Plattform heraus, wo sich die betreffenden Geräte befinden, suche Kameras im Umfeld jener Locations (was in alternativen Gebieten ein Glücksspiel ist), finde ein paar Cyberaugen und ein paar Livepics irgendwelcher fehlgeleiteter Anarchokids und identifiziere darüber zwei Kollegen des Killers (oder zumindest zwei Leute, die in etwa demselben Zeitraum Chit-Guthaben aus derselben Splitting-Operation erhalten haben).
.rez

Klingt irre kompliziert.
Konnopke

Willkommen in der Welt des echten Hackings im Kontrast zu „ich steck mir ein Kabel von einem teuren Gerät in mein teures Implantat und lade ein teures Programm“.
.asl

Die komplexe Fantasiegeschichte in allen Ehren, und sie ist ja nicht falsch, aber eine „gewöhnlichere“ Story ist zum Beispiel diese: Es wird eine Leiche gefunden, du willst oder sollst herausbekommen, wo sie herkommt, du findest einige Chits und liest aus, dass die meisten zuletzt an Position xyz ge- oder entladen wurden, und damit hast du einen Anhaltspunkt, wo der Heimatkiez des bzw. der Toten liegt.
.root

Als ob man in Berlin eine Leiche finden würde, die noch Chits, Wertsachen oder verwendbare Organe bei sich hat.
.krah

 

 

Connection: Schlips

Der Schieber mit dem Namen Schlips ist bereits in SR-Publikationen aufgetaucht (Datapuls:ADL, S.123, und Berlin 2080, S.166). Tatsächlich basiert der Shadowrun-Charakter auf dem gleichnamigen Stammfixer und seinen Club „Purgatory“ in meiner alten Cyberpunk 2.0.2.0.-Runde (ein Fragment HIER).

Hier nun Details zu diesem interessanten Auftraggeber, Vermittler, Dealmaker, Betrüger und Überlebenskünstler aus Berlins Norden. In kommenden Posts werden euch auch sein Club „Fegefeuer“ genauer vorgestellt sowie ein Schrapnell (Mini-Abenteuer) rund um ihn und seine Geschäfte präsentiert. Viel Spaß damit!    

Prolog

Freistadt Berlin, Mitte Dezember.

Die Nachricht kommt kurz vor Mittag. Sie ist von Schlips, einem Schieber aus Pankow. Sie ist kurz und lautet: “Treffen Fegefeuer übermorgen 1600. Kleiner Job, 1 Abend, LoRisk, 500 Jetts oder IOU”.

Du lehnst dich zurück. Hörst dem monotonen Prasseln des Regens auf dem Synthplast der Scheiben zu. Es regnet seit Tagen. Keine Spur von Weißer Weihnacht.

Irgendwo kreischt ein Kuznechik in den Häuserschluchten, während du dir eine selbsterhitzende Dose Soykaf aufreißt und den Wetterbericht aus der Matrix ziehst. Keine Wetteränderung in Sicht. Egal was der “kleine Job” umfassen soll, egal ob Dauerregen ein guter Vorteil sein kann, es bedeutet Arbeit in der säurekalten Nässe, für lausige 500 in Casinochips. Oder einen I-Owe-You. einen Gegengefallen.

Aber: Es ist das erste Mal, dass Schlips dir einen Job anträgt. Vielleicht Zeit, Küsschen zu geben. Eine Möglichkeit, positiv in Erinnerung zu bleiben. Für nächstes Mal, wenn es vielleicht was Größeres gibt.

Du kennst Schlips nicht besonders gut, aber wenn deine Instinkte noch nicht völlig tot sind, verspricht er ein ganz guter Kontakt zu sein. Ein Berliner Mischblut, heißt es auf der Straße. Gut, denn das bedeutet, dass an ihm nicht noch verborgene Verpflichtungen gegen den Familienclan oder irgendein obskures Syndikat aus seinem Heimatland hängen. Schlecht, denn Bastarde sind in den Augen der abstammungsbewussten Verbrechensgruppen, von denen es in Berlin mehr als zu viele gibt, entbehrlich. Und gerne das Opfer eines Job of no Return.

Schlips’ Operation ist übersichtlich. Ein weiteres dickes Plus. Ein kleiner Club in der ehemaligen Vier-Evangelisten-Kirche in Pankow nördlich des Dreamlands, ein paar Lagerhäuser etwa sechs Klicks weiter nördlich, ein wohl ganz gut laufendes Schieber-Geschäft in halb- und illegaler Hardware und Entertainment-Chips, etwas Schmuggel über die Spreeratten, ein paar Connections im Berliner Medien-Biz, etwas Muskel-Backup durch die Hellions, in deren Turf sein Club “Fegefeuer” liegt.

Ein straighter Fixer, keine bekannte Rep als Abzocker oder Verschaukler, dessen größter Haken sein geringes Standing ist. Das bedeutet kleinere Jobs mit weniger Kohle als bei Bigshots wie dem Holländer oder auch einem Urgestein wie Batsche. Immerhin: Schlips ist schon seit ein paar Jahren in Big B aktiv und keiner dieser Totalnoobs, die auftauchen, 1W6 Jobs raushauen und beim ersten Anzeichen von Erfolg vom freundlichen Hai aus der Nachbarschaft gefressen werden.

Er entwickelt sich langsam, aber stetig. Gesichert. Kein Hotshot. PLUS!

Genau wegen seinem geringen Standing hatte Schlips dich angesprochen. Dein Weg hatte dich vor einiger Zeit ins Fegefeuer geführt, und wie üblich hast du bei den mehr oder weniger belanglosen Bar-Talks fallen lassen, dass du auf der Suche nach “freien Nebeneinkünften” seist. Deine nur leicht übertriebene Story deiner Erfahrungen und Kompetenzen hatte den zwergischen Barkeeper aufhorchen lassen, und wenig später bahnte sich dieser schmal gebaute Norm mit der leuchtend roten Vidflash-Krawatte seinen Weg zu dir. Ihr kamt ins Quatschen – zunächst an der Theke, dann kurz in der Sakristei, Schlips Büro, und man beschloss, in Kontakt zu bleiben.

Wie sich die Sache darstellte, kamen ab und an Leute auf Schlips zu mit Anfragen, ob er Leute kennen würde, die bei dieser oder jener Sache behilflich sein könnten.

Hatte er bisher derartige Kunden an andere ihm bekannte Schieber weitergereicht – gegen “Vermittlungsgebühr” – wollte er nun auch ein Stück des Kuchens haben und suchte deshalb Leute, die willens und in der Lage wären, quasi auf Zurufbasis Jobs zu erledigen.

Was, das könne er noch nicht sagen, er würde eben, wenn etwas reinkäme, durchpiepsen, und dann würde man eben kommen oder es bleiben lassen, und notfalls müsse er dann eben den Job doch wieder weitergeben, wenn er niemanden an der Hand hätte, der die Sache übernehmen könne.

Nun also die erste Nachricht. Hundert. Verdammt wenig, selbst für einen kurzen Job, aber besser als nichts, und im Zweifelsfall als “Werbungskosten” verbuchbar.
Umgekehrt: Verkauft man sich unter Wert, wenn man auf so eine Offerte reagiert?

Kriegt man dann auch in Zukunft nur die Molle-und-Korn-Jobs rüber geschoben, unterdessen andere Kontakte von Schlips sich jetzt schlau zurückhalten, um gleich klarzustellen, dass bei denen die Talks erst ab 5K beginnen?

Der Soykaf ist alle, die Dose fliegt aus dem Fenster ins Rauschen des Regens, während du noch immer grübelnd das Trid anklickst. Nur nicht zu eager sein. Schlips würde deine Antwort schon bekommen. Vielleicht würdest du sogar hingehen und dir mal anhören, worum es geht.

Vielleicht würdest du klar machen, FALLS du annimmst, dass das nur ein Freundschaftsdienst quasi als Einstand in eine für beide Seiten fruchtvolle Geschäftsbeziehung wäre.

Schließlich: Was würde in deinem Terminplan für die nächsten Tage schon Wichtigeres drinstehen?

Prolog 2

Freistadt Berlin, Irgendwann.

Das Wegwerf-Handy spielt einen Aztechnology-Werbejingle als Klingelton.

Diese kleinen Dinger nerven, sind aber praktisch, um seine Datenfährte im Globalen Dorf zu tarnen. Außerdem sind sie aktuell eine kostenlose Zugabe zum in deinem Soyreal. Man nimmt sie aus den Flocken, registriert sie durch Anschalten am Hostserver, sie laufen ihre 7 Tage ab und das festinstallierte Chip-Account wird wieder gelöscht. Länger halten die festinstallierten Batterien eh nicht.

MJAM MJAM RIEGEL – schmecken so lecker
MJAM MJAM RIEGEL – für Geschmacksentdecker
MJAM MJAM RIEGEL – kalt oder heiß im Nu
MJAM MJAM RIEGEL – lecker in Schwein und auch in …

“Ja?”

“Fischer.”

Du verziehst das Gesicht säuerlich. Wenn Schlips’ Schlagetot Fischer anruft, handelt es sich um eine Sache, die deinem Schieber Schlips zu unwichtig ist, um sich persönlich damit zu beschäftigen. Oder er will diesen Eindruck erwecken, um den Preis zu drücken.

“Und?”

“Schlips will dich sehen”

Als ob du das nicht wüsstest. Aber du bist nicht Schlips’ Bitch, sondern ein Business-Kontakt. Und je eher Fischer das schnallt, desto besser.

“Schön für ihn. Und warum sollte ich IHN sehen wollen?”

“Job.”

Wärst du ein Newbie in Schlips’ Set, würdest du denken, dass Fischer doof ist. So aber weißt du, dass der Troll dich nerven will. Warum allerdings, ist dir nicht ganz klar. Vermutlich geht es dich auch nichts an. Aber du bist nicht Fischers Fußmatte.

“Reden wir von einem Job, also von Geld für Arbeit, oder wird das wieder eins von Schlips ‘Gefälligkeiten’-Dingern? So von wegen ich arbeite, und er verspricht dafür, wieder an mich zu denken, wenn er den nächsten Job für lau hat?”

Einundzwanzig, zweiundzwanzig, zu lange Zögern. Es IST eins von diesen Gefälligkeits-Dingern. Verdammt.

“Hör zu, Fisch, sag Schlips, er kann mich durch seine Chabos anrufen lassen, wenn er nen JOB für mich hat. Wenn er was Freundschaftliches zu bereden hat, dann soll er mich verdammt noch eins SELBST anrufen.” Und klick.

Der Rückruf kommt rund zwei Stunden später. Schlips hat sich Zeit gelassen, um nicht zu drängend zu wirken. Eile treibt den Preis hoch.

“Ja?”

“Hier ist Schlips.”

“Ah, der Herr persönlich.”

“Tak, sorry, Habibi.” (Er entschuldigt sich. Mein Gott! Es muss wichtig sein)

“Wh’zup?”

“Hör zu, ich könnte Hilfe gebrauchen.”

“Um was geht’s?”

“Schnüffeljob. Nichts Großes.”

“Details?”

“Wenn du hier bist.”

“Ne kadar?”

“Kann ich noch nicht sagen. Ich hab ein paar Jungs an der Hand, die den letzten Job für mich erledigt haben. Die werden von mir erstmal bevorzugt geheuert. Und auch bezahlt, was das angeht.”

“Da Drek? Was soll das?”

“HEY! Ich hab dich beim letzten Mal auch angepingt, aber du hattest keine Zeit. Well, das ist kewl. Du arbeitest Freelance. Aber DIE hatten Zeit, und DIE haben gezeigt dass sie was können, und deshalb haben DIE jetzt erstmal Kredit bei mir. Komm vorbei, klink dich ein, zeig mir, dass du auch was drauf hast, und du bist beim nächsten Mal ebenfalls bevorzugt dabei, so ka?”

“…”

“Hör zu, ich hab keine Zeit für dein Bitchin’, Walla. Sei morgen im Purgatory, 1800, oder lass es eben.”

Schlips

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Schlips ist Berliner und kennt seine Stadt. Als Mischblut aus einem unidentifizierbaren Mix diverser Ethnien könnte er in der Masse bequem untergehen, aber das ist nicht sein Style: Stattdessen setzt er mit dunkler Kleidung und roter Leuchtkrawatte ein klares Zeichen (bis er verduften muss und den Schlips ausschaltet, natürlich).

Bevor er ein Leben in selbstorganisierter Kriminalität begann, arbeitete Schlips einige seiner jungen Jahre im Medienbiz der Stadt: Er scoutete Locations, organisierte Drehgenehmigungen und Security bei den örtlichen Kiezen und Gangs, vermittelte Sternchen und Charaktertypen ebenso wie peinlichen Sozialversagern passende Auftritte in Tridproduktionen und verdealte unter der schwarz gezogene Kopien von Outtakes und Schnittmaterial für Hardcore-Fans und Vlogger.

Diese Nebentätigkeit brachte ihn in Trouble und schließlich in direkten Kontakt zu Martin Hajek, einem Sachbearbeiter in der Abteilung Urheberrechtsschutz der DeMeKo. Zum Glück für Schlips hatte der Konzernhai Hajek größere Fische als Schlips zu fangen und hatte genau zu diesem Zweck Bedarf an einem abstreitbaren Ermittler mit Kontakten in die Raubkopierer- und Sendepiratenszene.

Am Ende wuchs aus dem „ich lass dich nicht in der Havel ertränken, dafür hilfst du mir bei dieser Sache“-Deal eine längerfristige, für beide Seiten extrem lohnende Zusammenarbeit. Hayek fiel auch mit Schlips‘ Hilfe die Karriereleiter hinauf und bedankte sich umgekehrt mit solider Bezahlung, die Schlips den Aufbau seines Clubs „Fegefeuer“ in der aufgegebenen Vier-Evangelisten-Kirche in Pankow ermöglichte.

Heute betreibt Schlips seinen Club mit einigem Erfolg und gilt als zuverlässiger Tipp für Medienkonzerner, wenn es darum geht Dinge außerhalb offizieller Kanäle zu organisieren. Schlips hat einige, überwiegend kleinere Runnercrews an der Hand. Was diesen an Feingefühl oder Erfahrung im Medienbiz fehlt, gleicht Schlips durch seine Szenekenntnisse aus. Außerdem spielt er auf lange Sicht und hat demzufolge kein Interesse daran, Teams sinnlos zu verheizen und damit die Reputation seiner Vermittlungsarbeit zu beschädigen. In beiderlei Richtung.

Neben dem kleinen Nachtclub und seinem Vermittlerbiz operiert Schlips zudem im Bereich Schmuggel und Schwarzmarkt. Was mit ein paar Lagerhäusern zum verschieben von Abfallprodukten seiner Schattenoperationen begann (eine vom Laster gefallene Kamera hier, eine Kiste im Mainstreammarkt nicht mehr verwertbarer Pornflicks da) entwickelte sich zu einem soliden Geschäft, durch das einige seiner Medienkonzerner-Kontakte veraltete (angeblich bei Drehs kaputtgegangene) Tech verwerten (lassen), um dann „nötige“ Neuanschaffungen von aktueller Toptechnologie zu beantragen. Seine Kontakte ermöglichen es ihm umgekehrt, Kunden mit sehr speziellem Tech-Bedarf zu bedienen, und das zunehmend auch außerhalb des Medienbereichs.

Dass Schlips angeblich auch Kontakte zu Evo, Horizon, der AGC und anderen Big Playern hat, ist zwar nicht falsch, aber eher das Ergebnis von Schlips‘ Investitionen in seinen Ruf: Immer wieder beauftragt er etwa Runner mit Schreibrecht auf Arachnet und Panoptikum, seinen Namen und seine guten Connections zu erwähnen.

Schlips arbeitet von seinem Club aus, wo er entweder oben auf der früheren Orgel-Empore thronend mit guten Freunden oder in seinem Büro in der Sakristei anzutreffen ist. Tatsächlich wohnt er auch in der Kirche, nämlich in den darunter liegenden Räumen.

Schlips – Schieber und Low Level Crimeboss [SR6]

Als Connection: Einflussstufe 3

Beschreibung: Ein gutaussehender, junger Norm mit zurückgegeltem Undercut und mehreren Piercings. Schlips bevorzugt unifarbenen À-la-Page-Look mit schwarzen und anthrazitfarbene Hemden zu einem gleichfarbigen Actioneer-Geschäftsanzug. Dazu trägt er Halbschuhe mit einer massiven Sohle, die eher wie Kampfstiefel wirken.

Attribute: K3 G5(6) R4(6) S2 W4 L3 I5 C5 EDG4 ESS3,1

Initiative: 11 + 3W6

Handlungen: 1 Haupt, 4 Neben

Zustandsmonitor (K/B): 10/10

Verteidigungswert: 5

Vorteile: Analytischer Geist, Erster Eindruck, Fotografisches Gedächtnis, Vertrautes Terrain (Fegefeuer-Kiez)

Nachteile: Abhängigkeit (Nic-Sticks, Stufe 3), Simsinn-Desorientierung

Aktionsfertigkeiten: Athletik 2 (Parkour +2), Einfluss 5 (Verhandeln +2), Feuerwaffen 4 (Pistolen +2), Nahkampf 2, Überreden 7 (Beschwatzen +2), Wahrnehmung 3 (Sehen +2)

Wissensfertigkeiten: Berliner Syndikate, Medienwirtschaft, Berliner Konzernpolitik

Sprachfertigkeiten: Berliner Gossensprache M, Hochdeutsch 3, Englisch 3, Tschechisch 2, Arabisch 1, Japanisch 1, Russisch 1

Bodytech: Datenbuchse, Maßgeschneiderte Pheromone [Stufe 3], Reflexbooster [Stufe 2], Smartlink, Thrombozytenfabrik

Ausrüstung: Actioneer Geschäftsanzug [+2], Gefütterter Mantel [+3], Atemschutzmaske [Stufe 4], Gefälschte SIN [Stufe 3; Lizenzen: Cyberware, Führerschein, verborgenes Tragen], Kommlink [Transys Avalon, Gerätestufe 6, AR-Handschuhe, Subvokales Mikrofon, Trideoprojektor], Kontaktlinsen [Kapazität 3; Bildverbindung, Blitzkompensation, Infrarotsicht], Magnetkarten-Kopierer, Ohrstöpsel [Kapazität 3; Audioverbesserung, RFID-Löscher, Selektiver Geräuschfilter 2], Tarnholster, Wanzenscanner, White Noise Generator [Stufe 6], Zielgerichteter Störsender [Stufe 6]

Waffen: 

  • Schockhandschuh [Waffenlos | Schaden 4B(e) | Angriffswerte 5/-/-/-/-]
  • Sorokin Predator I [Schwere Pistole | 3K | EM | 10/9/8/-/- | 15(s)] (siehe Berlin2080)
  • HaKa MP2 [Maschinenpistole | 3K | HM/SM | 8/8/7/-/- | 24(s)] (siehe Berlin2080)

Connections:

  • Martin Hajek (E6/L4) – Bereichsleiter Urheberrechtsschutz der DeMeKo Berlin, ein enger Mitarbeiter Björn Taubes und der führende Exec im Kampf der DeMeKo gegen Raubkopierer und Piratensender, die DeMeKo-Filme, -Shows und -Musik streamen ohne dafür zu bezahlen
  • Tanja Cattarius (E3/L3) – Sekretärin mit eigenen Karriere-Ambitionen im Evo-Konzern.
  • Tarot (E2/L4) – Erwachte elfische Chefin der Hellions-Gang, die im Fegefeuer die Security macht und das nähere Umfeld kontrolliert.
  • Styx & Stones (E1/L3) – Zwergen-Zwillinge, die sich den Job als Barchef im Fegefeuer teilen (jeder 8 Stunden täglich).
  • Fischer (E2/L4) – Schlips‘ Troll für’s Grobe und sein Bodyguard, einstiger Streifencop.

Lebensstil: Mittelschicht (1 Monat bezahlt)

Nutzungsmöglichkeiten: Auch für das Schlips-Lebensgefühl empfiehlt es sich, einige Stunden Grand Theft Auto V gespielt zu haben. Speziell Missionen im Planungsraum des eigenen Appartments, Jobs für Motorradclubs und natürlich das Management des eigenen Nachtclubs. Schlips ist ständig auf der Suche nach neuen Runnertalenten, denen er zunächst Aufträge wachsender Komplexität zuschanzt, ehe er die Crew dann direkt für eines seiner eigenen „dicken Dinger“ einsetzt. Zudem vergibt er Low-Risk-Alltagsjobs des Fegefeuers und der umgebenden Nachbarschaft gern an Anfängerteams, um „verborgene Goldnuggets aus dem Straßenschlamm zu sieben“.

Megaload 12.2019

Ein fettes Teil zum Jahresabschluss! Mit Zufallstabellen für Weihnachten in Berlin, einer neuen Location (Café Goldstein in Pankow am Rand des Dreamlands), zwei Drohnen (BSR Müllsammeldrohne und Sony Versatile Anthropromorphe Drohne mit SR6-Werten), Weihnachtsanzeigen und einem umfassenden Artikel über die Neo-Nomaden der Rollheimer. Ho, Ho, Ho!

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PDF Download ::: schattenload_2019-12

Kassandra und die gesichtslose Stadt

SLDas Thema Gesichtserkennung wurde hier auf Shadowrunberlin.de schon einmal behandelt, „damals“ noch unter dem Gesichtspunkt der SR5-Regeln. Mit dem Quellenbuch „Berlin 2080“ wurde eine Initiative einiger Konzerne plus natürlich der BERVAG eingeführt, den öffentlichen Raum in Berlin schärfer zu überwachen [#berlin2080 „Kassandra“, S.8 und S.121]. Das Folgende ist ein Vorschlag, wie Kassandra und der Kampf gegen den Überwachungsstaat regeltechnisch in Shadowrun 6 umgesetzt werden kann. Als solches ist es ein Vorschlag für eine Hausregel. 

Die VolksSIN-Einführung hat den Bestand biometrischer Bürgerdaten unter Kontrolle der BERVAG explodieren lassen. Vor allem MSI und Messerschmidt-Kawasaki drängen seit Langem darauf, die Macht dieser Daten zur Terrorabwehr und gegen die Sprawlguerilla zu nutzen. Nach intensivem Lobbying und Schattenoperationen konnten wichtige Entscheidungsträger im Ratsausschuss für Öffentliche Dienste dazu gebracht werden, die entsprechende Initiative voranzutreiben. Um ein weiteres Scheitern im Berliner Rat zu vermeiden, ging man direkt über die BERVAG: Man gewann Polizeidirektor Yilmaz Wojenko (PsiAid) und Verkehrsdirektorin Aiko Kuizumi (Renraku) als Unterstützer der Sache, die wiederum Generaldirektor und Bürgermeister Dr. Paul Zöller von der Notwendigkeit einer verbesserten Terrorabwehr überzeugten.

Das im Aufbau begriffene KASSANDRA-System ist kein neues Überwachungsnetz in dem Sinne, dass dafür neue Kameras aufgestellt werden müssten (obwohl auch das eine der angestrebten Maßnahmen ist). Vielmehr geht es darum, die BERVAG-Daten über Volks- und kriminelle SINs mit großen, bestehenden Kameranetzen (wie Renrakus ALI) und öffentlich zugänglichen Datenbeständen aus Apps und sozialen Netzwerken (wie iProtect (MSI/Aktion Berliner Zukunft) und MOMO (DeMeKo)) zusammenbringen. Per VolksSIN oder Fahndungsfotos erfasste Gesichter könnten dann sowohl online als auch in der realen Welt gesucht und die Bewegungen von Gefährdern besser verfolgt werden. Inklusive deren Nähe zu einem Tatort.

Genau dieses Szenario haben Anarchisten, Alternative und viele Berliner Piratensender seit Langem erwartet. Warnungen vor der kommenden Überwachungsmatrix Mitte der 2070er und Leaks zu angeblichen Geheimplänen für eine Vollüberwachung Berlins sind der ursprüngliche Impuls sowohl für die Berliner Gesichtsverschleierung z.B. durch Jynx-Schminke [#berlin2080 S.21, Beispiele HIER] als auch für die Abdeckung zahlreicher Straßenzüge mit Planen und Gerüsten.

Aktuell befindet sich KASSANDRA auf einigen Systemen im Testlauf. Offiziell dürfen die Erkenntnisse des Systems nicht für Verfolgung und Verhaftung genutzt werden – dafür ist außerhalb der Anlagen und Gebiete von MK, MSI, EMC und etwaiger weiterer aktiver Unterstützer die Zustimmung des Berliner Rates oder eine direkte Anordnung des BERVAG-Generaldirektors Dr. Zöller erforderlich.

Natürlich weißt du selbst als Spielleiter am Besten, ob der aktuelle Konzerngegner deiner Runner Zugriff auf KASSANDRA-Gesichtserkennung besitzt und ob er diese Daten ggf. auch widerrechtlich benutzen würde. Zur Überprüfung, ob KASSANDRA ein Gesicht korrekt erkennt und ggf. von einer Kamera zur nächsten verfolgen kann, würfle für KASSANDRA 2, innerhalb von MK- und MSI-Anlagen 4 Würfel und addiere Würfel in Höhe des Sensorwerts der verwendeten Kamera oder Drohne dazu (typische Verkehrskameras in Berlin haben Geräte- = Sensorstufe 1–2, Sicherheitskameras meist 3–4). Dann mach einen einfachen Test:

Situation / Schwellenwert
Basiswert (Ziel ahnungslos und ungetarnt) 2
Ziel bewegt sich in einer dichten Menschenmenge +1
Ziel weicht Kameras aktiv aus und wendet sich ab +1
Ziel hat seit dem letzten Kontakt das Aussehen/Kleidung geändert +1
Ziel verwendet modische, ID-verschleiernde (Jynx) Gesichtsschminke +2
Gesicht des Ziels teilweise verhüllt (Mütze, Clochette, Schal, Atemfilter) +1
Gesicht des Ziels völlig verhüllt (Burka oder Hassmaske mit Brille, geschlossener Integralhelm, Mütze plus Brille und Filtermaske) +4*

*Ist das Gesicht vollständig verborgen, kann KASSANDRA den Gesuchten dennoch anhand seines Gangs identifizieren, aber nur dann, wenn eine Bewegtbildaufnahme des Gesuchten zur Verfügung steht.

Verwendet das Ziel Schminke und Maskierungen, kannst du stattdessen auch eine vergleichende Probe gegen Heimlichkeit + Charisma durchführen und den Charakter aufgrund begünstigender Faktoren aus der obigen Liste als im Vorteil bewerten (1 bis 2 Edge, das für die Probe verbraucht werden muss oder verfällt).

In allen Fällen gilt, dass KASSANDRA das gesuchte Ziel umso besser identifiziert und weiterverfolgt, je mehr (Netto-)Erfolge erzielt wurden.

Megapuls ZOOM 06.11.2080

SCHATTENTRICKS Gratis-Abenteuer

Rechtzeitig zum Start der Sechsten Edition und zum nahenden Halloween schenkt Pegasus allen Freunden des Settings ein NEUES GRATIS-ABENTEUER FÜR DEN SCHAUPLATZ BERLIN: „SCHATTENTRICKS“ by yours truly ist ab sofort HIER per PDF als Download verfügbar!

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Dunkles Berlin – Großkonzerne hatten in Berlin immer schon einen schweren Stand. Und so reagieren sie besonders alarmiert, wenn Meinungsmache und Massenmanipulation gegen sie gerichtet wird. Dann aktivieren sie Runner, die tief in den Hexenkessel des Megaplex an der Spree hinabtauchen sollen, um Schattentricks aufzudecken, ohne sich selbst in diesen zu verfangen.

Schattentricks ist ein Abenteuer für Shadowrun 6 im Berlin des Jahres 2080. Für das Abenteuer ist lediglich das Grundregelwerk für Shadowrun 6 notwendig. Das Quellenbuch Berlin 2080 liefert weiteren Hintergrund und Werkzeuge für Flair und Ambiente.

PRODUKTDETAILS:

Connection: Grimm

Es ist der 20. Oktober. Mein Geburtstag. Und wie immer (wenn ich dazu komme) schenke ich zu diesem Ereignis der Rollenspielszene etwas. Zugegeben: Diesmal nichts „Großes“ wie ein komplettes Rollenspiel oder die 13 Kniffe, die jeder Shadowrun-SL kennen sollte, aber immerhin: Ein NSC. Der zufällig mein viel zu wenig (bzw. in SR6 noch gar nicht) gespielter SC ist. Im SR-Universum seid ihr ihm vielleicht schon begegnet, unter seinem Shadowposter-Namen „Gr1mm“, in der Kurzgeschichte „Erste Weihnacht“ oder im deutschen SR6 Grundregelwerk demnächstigstens auch als Bild für den Metatyp Ork. Naja, und ähnlich sieht er mir rein zufällig auch, weil ich eine Macke habe und in vielen Rollenspielen (speziell in Videospielen mit Charaktereditor) versuche mich selbst nachzubauen, mindestens optisch. Make of that what you will. Hier jedenfalls Grimm als Connection oder anderweitiger NSC. Have fun mit ihm.

Grimm

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Grimm ist ziemlich am Ende und er weiß es. Vor langer Zeit war er dick im Geschäft, das Gehirn hinter einer ziemlich erfolgreichen Crew krimineller Kunsträuber, den „CoolZ“ (Crewcolors schwarz und neongrün). Statt wie „total bescheuerte Runner“ im Auftrag obskurer Johnsons irgenwelchen Drecksjobs hinterherzurennen, machte sich die Crew ihre eigenen Jobs: Durch sorgfältige Recherche lohnender Ziele (oder, ja, auch Raubaufträgen der Preußenstiftung und anderer Kunstsammler) zog die Crew einige spektakuläre Raubzüge durch. Grimm – damals unter dem Namen „Napoleon“ – war schlank, durchtrainiert, ein brillanter Planer und talentierter Race/Fluchtfahrer, eine Glückssträhne jagte die Nächste, er hatte dickes Geld, einen getunten Saab Dynamite und ein megaschickes Luxusappartment mit Dachpool und allem anderen, was dickes Geld und der Geruch von Erfolg so bringt.

Dann wurde die Crew gebustet. Der Anführer CoolJay und Murad starben bei dem Überfall des Sternschutzes, Grimm mit drei anderen inhaftiert. Wie der Sternschutz auf die Spur der CoolZ kam, beschäftigt Grimm noch immer. Am meisten fürchtet er die schon damals psychotische Messerklaue „Schlitzer“, der allerdings wegen Mehrfachmordes für immer eingefahren sein dürfte, sowie die intrigante und bekanntermaßen rachsüchtige elfische „Crewmatraze“ Jana. Grimm hat zwar nichts getan und die Crew nicht verraten, aber diese beiden konnten ihn noch nie leiden bzw. unterstellten ihm gerne mal manipulative Züge, nur weil er für einen Ork latent intelligenter als andere war.

Grimm fuhr wie der Rest der Crew in die berüchtigte Massenhaftanstalt Plötzensee ein, hatte dort aber keinerlei Kontakt zu seinen Ex-Kollegen. Sein Reflexbooster – damals State of the Art – wurde verplombt, aber immerhin drin gelassen, da ein Rückbau viel zu teuer gewesen wäre. Sein stylischer Cyberarm mit implantierten Klingen hingegen wurde durch ein absolutes Trashmodell ersetzt.

2075 wurde der Gefangene mit der kriminellen SIN „Napoleon Case“ („Case“ ist einer der Standard-Nachnamen des Sternschutzes für Inhaftierte) wieder auf freien Fuß gesetzt – teils durch erfolgreiches Wirken seines schmierigen Mafia-Anwalts Giuliano Ferretti (dem „Frettchen“), teils durch entsprechende Deals mit dem „Ringbund“.

Er mietete sich in einem der versifften Wohnblocks in Gropiusstadt ein, legte sich „Grimm“ als neuen Straßennamen zu und versucht seitdem, keinerlei Verbindungen zu seinem alten Leben zu bekommen, obwohl er sich nichts sehnlicher als eine Rückkehr zu altem Ruhm wünscht (besonders der Verlust seines Dynamite belastet ihn sehr, umso mehr, da er im Knast sitzend erfuhr, dass dieser konfisziert und auf einer Auktion verkauft wurde – den Saab Dynamite zu finden und zurückzubekommen ist eines seiner irrationalsten Ziele).

Grimm – Überlebenskünstler und Fluchtwagenfahrer-for-hire [SR6]

Als Connection: Einflussstufe 3

Beschreibung: Ein bullig-fetter, alter, im Prinzip völlig unauffälliger Ork. Berliner Dritte Hand Straßenchic, dicke speckige Jacke mit Protektoren an Ellbogen und Schultern, darunter noch zwei Lagen Kapuzenpullis/Shirts etc., Cargo Pants mit Protektoren an Knien, wuchtige Straßenstiefel, Kapuze tief im Gesicht und darunter noch ein
zerschlissenes Baseballcap, mit einem Griff hochziehbares graues
Flecktarn-Halstuch „gegen den Smog“, und eine Billigsmartbrille von der
Supermarktkasse.

Attribute: K7 G5 R5 S5(8) W2 L4 I6 C4 EDG6 ESS 2,4

Initiative: 12 + 2W6

Handlungen: 1 Haupt, 2 Neben

Zustandsmonitor (K/B): 14/9

Verteidigungswert: 12

Vorteile: Unauffälligkeit, Zähigkeit, Talentiert (Steuern), Robust gebaut (1+1)

Nachteile: Abhängigkeit (Alkohol, 4), Abhängigkeit (Nikotin, 4), SIN-Mensch*

Aktionsfertigkeiten: Athletik 2 (Sprinten 4), Einfluss 2 (Gebräuche 4), Feuerwaffen 4, Mechanik 1, Nahkampf 2, Steuern 7 (Expertise: Bodenfahrzeuge 10), Wahrnehmung 5 (Sehen 7)

Wissensfertigkeiten: Berliner Schieber, Berliner Kieze, Anarchogruppen, Autotuningszene

Sprachfertigkeiten: Berliner Gossensprache (Muttersprache), Hochdeutsch (Grundverständnis)**, Englisch (Grundverständnis)

Bodytech: Reflexbooster [Stufe 1], Dermalpanzerung [Stufe 1], Talentbuchse [Stufe 2], Talentleitungen [Stufe 2], Datenbuchse, offensichtlicher Cyberarm rechts*** (erhöhte Stärke [Stufe 3], implantierte Uzi MP)

Ausrüstung: Bessere Berliner Dreckskarre (siehe Berlin2080), Kommlink [Meta Link], Kommlink [VolksKOMM mit Napoleon Case SIN], Panzerjacke [+4], Tarnholster, Billig-Smartbrille [Kapazität 1, Bildverbindung]

Waffen: 

  • Sorokin Predator I [3K | EM | 10/9/8/-/- | 15(s)] (siehe Berlin2080)
  • No-Name AK-47 Karabiner [5K | HM/SM/AM | 5/11/7/5/1 | 30(s)] (siehe Berlin 2080)
  • Uzi MP (implantiert) [3K | HM/SM | 8/8/7/-/- | 24(s)]
  • Splittergranate (x5) DP 16K, Sehr Nah 10K, Nah 4K, Sprengwirkung 15m

Connections:

  • Julian (Giuliano Ferretti) „Das Frettchen“ (E2/L1) – Grimms Anwalt, Mafia-Mitglied. Ein extrem schmieriger Typ
  • Derek „Drek“ Mansfeld (E2/L1) – Einer von vielen korrupten Norm-Ermittlern beim Sternschutz mit Ringbund-Connections, über den der Bund geringstufige Irregularitäten von Ex-Häftlingen ausbügeln lässt
  • Sales (E3/L1) – Grimms orkischer „Ruf mich nie wieder an du Ratte“-Hehler und
    Bruder(!). Hatte mal Loyalität 4, aber zu viele Gefallen haben den Wert extrem schrumpfen lassen
  • Mojita (E1/L3) – Sowas ähnliches wie Grimms „Freundin“, tatsächlich seine Norm-Stammprostituierte. Die Person, bei der er seinen Frust ablädt
  • Turbo (E2/L3) – Grimms (früher bestens an ihm verdienender) Muscle Cars und
    Tuning Mechaniker, arbeitet (noch) „For Old Times Sake“

Lebensstil: Unterschicht (1 Monat bezahlt)

Matrixprofile:

  • Napoleon Case (VolksKOMM): Grimm kommt seiner Pflicht, jederzeit seine kriminelle SIN zu zeigen, außerhalb von schattigen Jobs jederzeit nach. Wer sein VolksKOMM hackt oder offiziell überprüft, findet einen gescheiterten Ork, der sich mit Niedriglohnjobs über Wasser hält. Das Nutzerprofil entspricht was Käufe, Porn- und Interessen-Präferenzen angeht Grimms tatsächlichen Interessen. In der Historie des Gerätes sind wiederholte Geräteausfälle aufgrund defekter Akkus oder auch „Ist mir ins Klo gefallen“-Vorfälle verzeichnet, Grimm beantragt aber zügig ein neues Kommlink (hier auf Kosten der BeJuDi), das ihm dann auch binnen 3 bis 7 Tagen genehmigt wird (weitaus genug, um zwischendurch einen Schattenjob durchzuziehen). Grimms Online Appartement in der Vision Berlin ist auf Standardeinstellung; er hat es noch nie besucht. Sein Profil auf iProtect hat kaum Berlinherzen, da Grimm (zu Recht) davon ausgeht, dass ihm ohnehin niemand ein allzu auffälliges Wohlverhalten abkaufen würde.
  • Grimm (MetaLink): Grimm nutzt das Metalink nur für Schattenjobs und ersetzt es nach jedem Job durch ein Neues. Wer das Metalink hackt oder offiziell überprüft findet ein Kommlink auf Werkseinstellungen, auf dem überwiegend noch die Registrierung des Verkäufers liegt. Es gibt keine abonnierten Feeds oder Channels und keine Kredithistorie, da Grimm Käufe via Credstick bzw. Vesuv Chips (physisch oder online per Kabelmatrix/Chipfernsprecher [berlin2080]) abwickelt.

Zitate (nach hochdeutsch übersetzt):

  • „Magie war schon immer das Mittel der Wahl für Idioten, denen die Ideen für eine echte Lösung ausgingen. Schau dir nur Herr der Ringe an. Bloß weil Magie jetzt real ist, ändert das nichts am Grundprinzip. Magie ist der Cheat für rein zufällig damit ausgestattete Volldeppen.“
  • „Riggen ist nur Matrix-Brainfuck. Ein Simsinn-Videospiel für Luschen ohne Intuition und echtes Gefühl für Fahrphysik. Echte Driver verschmelzen auf eine viel intensivere Art mit der Karre, als irgendein Megakonzern-Geek in Fake Brainsignale coden könnte.“
  • „Als ich 20 war hab ich extrem krumme Dinger gedreht, ohne mir Gedanken darum zu machen, was passiert, wenn sie mich schnappen. Das war im Nachhinein betrachtet dumm. Andererseits bin ich jetzt über 40, und jede Art von Urteil für mich bedeutet ‚lebenslänglich‘. Das hat etwas Befreiendes. Ich kann jetzt, wo es gar nichts mehr bringt, nach den Regeln spielen und den Rest meines Lebens im Siff zubringen. Oder ich gehe ‚all in‘. Denn ich habe nichts zu verlieren“.

Nutzungsmöglichkeiten: Für das Grimm-Lebensgefühl empfiehlt es sich, einige Stunden Grand Theft Auto V gespielt zu haben. Speziell Rennen und jene Art von Missionen, in denen eine Crew gemeinsam versucht, „das ganz dicke Ding“ zu drehen. In deiner Kampagne können die Runner z.B. auf Grimm treffen, wenn sie keinen Rigger haben und einen Fluchtwagenfahrer brauchen. Außerdem kannst du Grimm als (Teilzeit-)Fahrer bei Black Flag Cab oder einem anderen (Kampf-)Taxifahrdienst einsetzen. Als Zufallsbekanntschaft an irgendeiner Bar kann Grimm – der sich bestens in Berlin auskennt – Infos z.B. zu Dealern, Kiezen oder Anarchogruppen liefern. Auch wenn Grimms alte Connections zur Preußenstiftung „eigentlich“ längst versiegt sind, kannst du ihn als Go-Between oder sogar als Johnson benutzen. Speziell wenn es um die Jagd nach seinem schwer modifizierten 2066er Saab Dynamite XARA Limited Edition geht, ein Liebhabermodell, das, wenn es unbeschädigt ist, heute leicht 600.000 EUR bringen könnte.

Anmerkungen:

* unter SR5 hatte Grimm eine kriminelle SIN. Diese fällt bei SR6 offenbar unter SINlos bzw. das, was Runner ohne SIN-Nachteil eben so haben, ich finde das aber doof und habe den Nachteil deshalb dennoch gewählt.

** meinem Verständnis nach leitet sich ein Grundverständnis für Hochdeutsch schon aus der Muttersprache Berliner Gossensprech ab. Gemeint ist, dass Grimm Hochdeutsch reden kann, wenn es nötig ist. 

*** bei Spielstart hatte Grimm nur einen Cyberarm mit Werten, die einem biologischen Arm unterlegen waren (im Prinzip eine Prothese, da ihm sein superteuerer, personalisierter, künstlerisch verchromter Cyberarm mit einziehbaren Spornen im Knast abgenommen wurde). Der aktuelle Cyberarm ist das Spielergebnis, als Grimm im Fight gegen Gegner K.O. geht und seine Mitrunner den Cyberarm eines Gegners plündern und ihm – im Koma liegend – montieren lassen … was ihn bei einer Kontrolle seiner kriminellen SIN vor Probleme stellen wird). 

Ganz generell folgen die Werte hier zwar den SR6 Aufstellungsregeln gemäß GENESIS, allerdings ist es ein gespielter Charakter mit aus dem Spiel entstandenen Add-Ons (Cyberarm, Fahrzeug) und GENESIS hatte bei Aufstellung noch Probleme bei der Darstellung/Verrechnung von Einfluss und Loyalität der Connections. 

 

 

 

Geschichte eines Settings

Der folgende Text basiert auf einem älteren Posting zum Start des Berlin-Buchs der vierten Edition, der auf den Rabenwelten gepostet wurde, und aktualisiert die darin enthaltenen Infos auf 2019 und Shadowrun 6.

Spuren im märkischen Sand

Ich habe mich ehrlich gesagt mit der Historie des Berlinsettings bei Shadowrun früher nie beschäftigt. Ich habe 1989 mit der 1st Edition begonnen, Shadowrun zu spielen, und da es seinerzeit extrem unüblich war, überhaupt deutschsprachige Rollenspielbücher zu haben, habe ich die bald darauf erscheinende erste deutsche Ausgabe von Shadowrun nicht verfolgt. Das änderte sich mit dem 1992 erschienenen Buch „Deutschland in den Schatten“ (DidS), das ich schon aus Neugier, wie Deutschland in der Zukunft wohl wäre, absolut haben MUSSTE (womit das Verlagskonzept aufgegangen sein dürfte).

Mein DidS-Buch war ein Hardcoverbuch und es war noch für die Regeln der Erstausgabe (SR1) geschrieben. Da SR2 binnen sehr Kurzem folgte, habe ich dann alle neuen Werte mit Bleistift hineingekrakelt. Gespielt haben wir in irgendeiner der ADL-Gegenden damals nie, denn die schon seit drei Jahren laufende Runde war in Seattle angesiedelt und mit der Stadt waren wir happy – zudem uns das anarchistische Berlinsetting auch „etwas“ weird vorkam.

In kommenden Jahren führte mich mein SL-Weg weg von Shadowrun und hin zum (nach wie vor von mir heiß geliebten) Cyberpunk 2020, was andererseits indirekt dazu führte dass ich – als Spieler – dann doch für 2–3 Jahre die deutschen Schatten unsicher machte (wenngleich nicht in Berlin, sondern in Hamburg, wo einer meiner Charaktere dann unter anderem Tolstoi war). Erst 2006 kam ich zu Shadowrun zurück, nachdem sich meine diversen Cyberpunk-Kampagnen entweder ausgerottet, totgelaufen oder als konzeptionelle Rohrkrepierer erwiesen hatten.

Ich klaubte mir etwas Datenmaterial zusammen – extrem unvollständig und natürlich absolut nicht kanonsicher, schließlich entwickelte ich nur für den Eigenbedarf und baute mir mit „Knochensplitterberlin“ ein postanarchistisches Setting zusammen auf lockerer Basis dessen, was mir B!-Nutzer über Berlin 2060+ erzählten.

Einen tatsächlichen Blick in Walzer, Punks und Schwarzes Ice oder Deutschland in den Schatten II warf ich lange Zeit nicht (was natürlich auch daran lag, dass viele, mit denen ich darüber in Dialog trat, mir sagten, dass sich die Anschaffung nicht lohne (falsch) bzw. diese Bücher längst verschwunden seien (richtig)).

Wie sich herausstellte – und es war keineswegs so geplant – traf Knochensplitterberlin vielleicht nicht den Nerv, aber eine Lücke in der beschriebenen SR-Welt: Die vierte Edition war da, die Handlung von SR wurde nach 2070 vorverlegt, und damit waren auch die letzten kanonischen Infos zu dem sich im Wandel befindlichen Berlin so alt, dass sie quasi aussagelos waren (denn: zum letzten Zeitpunkt (Brennpunkt: ADL) war Berlin gerade auf Messers Schneide zwischen einem Rückfall in die Anarchie und einer Totalverwandlung in eine Konzernstadt).

In den nächsten 3 Jahren war ich damit beschäftigt, das von mir von 2056(!) auf 2071 vorverlegte Knochensplitterberlin zwar nicht in das offizielle, aber zumindest das aktuellste öffentlich verfügbare Berlinsetting für Shadowrun zu verwandeln – dessen Freundeskreis zwar vorhanden, aber bestimmt nicht so groß war, wie mancher denken mag (die hauptsächlichen Rückmeldungen des Blogs bekam ich seinerzeit für die „36 Dinge“-Posts oder die „Arsenal“-Beiträge – Knochensplitterberlin hatte, soweit ich es überblickte, etwa 5 Follower, und ob von denen irgendwer Knochensplitterberlin tatsächlich je bespielt hat, weiß ich nicht).

Die Verschiebung von 2056 auf 2070 hatte dabei nur den einen Hintergrund, dass ich auf SR4 umgestiegen war und mir keine 2050er Decking-Regeln für SR4 ausdenken wollte: Knochensplitterberlin war 2056 eigentlich bewusst „vor dem aktuellen Stand“ und noch reichlich anarchistisch plus nonkanonisch angelegt worden, aus dem nur die Konzernsektoren gleich Inseln aus dem Meer herausbrachen (ich verstand nicht, warum jemand – wie ich es damals kapierte – die Anarchie aus Berlin weglöschen sollte – was bliebe denn da von Berlin als Setting, und welche Existenzberechtigung sollte das dann haben?).

Über ein paar Artworkjobs für das SR Fanprojekt Aktion Abenteuer kam ich 2008 in Kontakt zu Pegasus, für die ich dann ein paar kleine Artjobs für das deutsche Arsenal übernahm. Dabei schlidderte ich sozusagen in den Freelancer Pool hinein, und als dort das lange ruhende Projekt Berlin angeschoben wurde (nicht von mir!) bekam ich das natürlich mit und spamte die Leute mit Knochensplitter-Ideen zu.

Womit wir dann bei der „Genesis“ des neuen Berlin ab 2071 und bis 2080 sind … aber zunächst nochmal ein Rückblick zur Entwicklung des Settings quer durch die Editionen:

Eine Studie in Anarchie (1992/2053)

Berlin als eine offizielle Setting-Stadt für Shadowrun erschien mit dem heute berühmt-berüchtigten Buch „Deutschland in den Schatten“ 1992, über das seither sehr viel geflamed worden ist – und das durchaus nicht immer zu Recht. Natürlich habe auch ich das Setting übelst verteufelt und in Foren und im Rabenwelten-Blog verrissen, aber inzwischen hatte ich SEHR SEHR viel Gelegenheit, das Setting mit Abstand nochmal unter die Lupe zu nehmen und als das zu würdigen, was es immerhin ist:

Ein originäres und originelles Setting, das Berlin von Geburt an von allen anderen Shadowrun-Städten abhebt und ihm ein klares Profil gibt: ANARCHIE.

Und mal ehrlich: Berlin könnte schlimmere Grundkonzepte haben als das.

Auch nach fast 20 Jahren noch immer ein SAUGEILES Cover!

1992 – dem Release-Jahr von DidS – war Berlin im realen Leben gerade wiedervereint, der neue Sitz der Bundesregierung war Thema, das Internet war noch weitgehend Science Fiction, die Shadowrun-Matrix war noch festverkabelt, Shadowrunner trugen hochtoupierte Mohawks und nannten sich „Chummer“ und die Sechste Welt war nicht nur extrem dünn beschrieben, sie war auch „wild and wahoo“: Ein irrer Ort und ein sehr abgefahrenes Setting, das erst noch dabei war, seinen Kurs zu finden.

Manches war auch in den USA bzw. den UCAS extrem übertrieben bis skurril, an vielen Stellen drohte SR auch in Slapstick abzudriften, und Deutschland packte auf vieles davon immer noch eins drauf – und das auf viel kompakterem Raum.

Dieser Versuch, quasi alle Skurrilitäten des damaligen SR in Deutschland einzubauen und noch ein paar neue Ausrüstungsteile draufzupacken, deren prominentestes Feature es war, „uber“ zu sein, ist der zentrale Kritikpunkt an Deutschland in den Schatten. Zu den Lokalbefindlichkeiten anderer ADL-Regionen und ihrer realen Bewohner kann ich nicht viel sagen – insgesamt fand ich Shadowrun-Berlin zumindest besser, als ich etwas später dann Maskerade-Berlin fand 🙂

Was Berlin als SR-Setting so angreifbar machte, war letztlich die missglückte Verbindung von nicht erklärtem Anarchismus und einer Schreibe, die streckenweise den Ernst vermissen ließ. Anders gesagt: Das Setting war extrem erklärungsbedürftig, um glaubhaft sein zu können, und diese Erklärungen fielen zu kurz aus und/oder bedachten komplette Lebensbereiche und Fragestellungen überhaupt nicht.

Einige wenige Ideen schaffen es so, sich dermaßen tief im Bewusstsein festzusetzen, dass sie einem sprichwörtlich das Setting verderben. Wem es (immerhin) gelingt darüber hinwegzulesen, dass Bundesregierung und Senat offenbar von Studentenprotesten hinweggefegt wurden, und wer es irgendwie schafft, das extrem schwer nachzuvollziehende Leben in einer freiwillig gesetzlosen Großstadt zumindest mal hinzunehmen, der stößt auf bemüht Witziges, das die Saat einer gefährlichen, wilden, düsteren und in den Abgrund trudelnden Stadt nicht aufgehen lässt. Jedenfalls ging es mir so.

Der Gedanke eines anarchistischen Berlin selbst ist – da steh ich zu – brillant. „Realistisch“ muss er nicht sein (hey, it’s SR! Magic, you know?). Aber wenn ich ein glaubhafteres zweites oder drittes Seattle haben wollte, wozu bräuchte ich dann Berlin? Bedenkt man die Geschichte von Shadowrun und der Sechsten Welt bis 2053 (wo DidS angesiedelt ist), so gibt es – will man auf Deutschseattle verzichten – für Berlin eigentlich nur zwei Marschrichtungen: Entweder das Abgleiten in eine Kriegszone (anarchistisch oder neosowjetisch), oder aber ein neues Germania, in dem die Angst der Masse vor Seuchen, vor Magie, vor neuen Rassen und ein verzweifelter Glaube an eine starke Führungsfigur – oder meinethalben die Bundeswehr – das Volk der Normal- und Gutbürger zu allerlei Zugeständnissen gebracht hat.

Mir persönlich hätte dieses dystopische „Fatherland„-Berlin aka Germania 2053 womöglich sogar noch besser gefallen, ich verstehe aber VOLLENDS warum man so wenige Jahre nach der Wiedervereinigung und als erste deutsche RPG-Eigenproduktion (damals, als Rollenspiel noch ein willkommener Anlass für Medienhysterie war) nicht unbedingt der Welt ein Nazis in den Schatten hinlegen wollte (das holte dann ja White Wolf nach, die sind Amis und dürfen das).

Freilich hätte es auch noch die Option gegeben, S-K zum Berlinherrscher und damit Berlin als von einem Drachen beherrschte Stadt zu machen – und Deutschland ggf. zum Drachenstaat. Nur war das mehrere Jahre VOR der Wahl von Dunkelzahn zum UCAS Präsidenten ein absolut lächerliches Szenario, für dass FanPro massivst verrissen worden wäre (als dann später tatsächlich die Dunkelzahn-Präsidentschaft als Plot auftauchte gab es ja auch darüber ordentliches Geflame (ohne Internetforen!) – 1992 war die Welt aber in jedem Fall noch nicht reif für das Konzept).

Was ich damit sagen will: Bei allem völlig berechtigten Flamen über letztlich Details des Berlin- und ADL-Settings der ersten Stunde vergisst man leicht, dass das Setting und erste deutsche Grundbuch zu Shadowrun ein GEWALTIGER Wurf war, der insgesamt immerhin so gut funktioniert, dass bis heute ein Großteil des damals gelegten Materials weiterverwendet wird oder man auf diesem aufbauend Weiteres erschaffen konnte. Wenn man ein paar freie Minuten hat, kann man ja mal drüber nachdenken, was die Autoren der „Stunde Null“ vor Erschaffung der ADL alles hätten anders und extrem viel schlechter machen können!* Man sollte das große Ganze nicht vernachlässigen und die Dinge auch im Verhältnis zueinander sehen.

*Anm: Natürlich gibt es bei einer Großfläche wie der ADL garantiert Gegenden, deren Bewohner völlig zu Recht sagen: „Also, auch nach hartem Nachdenken fällt mir nicht ein, wie ich diese Gegend hätte SCHLIMMER als bei DidS machen können“. Und als gebürtiger Saarländer hätte ich mir auch was Schöneres als die SOX gewünscht 🙂

Das Gore war Scheiße (genauer: die Art wie es präsentiert wurde), die grünen Barden auch, und Magier, die U-Bahnen vor Giftgeistern schützen, erst recht – das alles ist wahr.

Aber „Berlin + Anarchie“ – das funzt und ist letztlich der zentrale Funke, auf den bis heute wohl fast jeder, der Berlin bespielt (egal wie viele oder wenige das sind), abfährt.

Nach meiner Beobachtung stören sich an Anarchoberlin eigentlich eher diejenigen, die gar nicht vorhaben, in Berlin zu spielen: Sie fühlen sich durch die Haken und Ösen dessen, was sie als broken concept betrachten, in ihrem Winkel der SR-Welt gestört und hätten – ganz ehrlich – lieber eine (SR-)Welt ohne Berlin oder ein Berlin, dessen Konzept sich auf „stört nicht“ verdichten lässt.

Fans des Klapperschlangen-Berlin-Settings und einem Faible für „Shadowrun: Where Man meets Magic and Mad Max“ finden den Gedanken, durch ein zerschossenes und heruntergekommenes Berlin in einem mit Gatlings bewaffneten Taxi zu fahren SO cool, dass sie sehr bereit sind, dafür jede Menge Stuss einfach hinzunehmen oder als unwichtig abzutun. Und HEY, nach der Philosophie funktionieren immerhin 9 von 10 Kinofilmen!

Vorgreifend muss zudem gesagt werden, dass manchen ja die SR-Welt ein bisschen zu geleckt oder auch zu komplex und zu durchdesigned geworden ist und sie sich eigentlich nach dem eher pulpigen bis trashigen 2050er Shadowrun bzw. der Cyberpunk-Mentalität der 80er/90er sehnen. All diese finden im Gedanken eines Anarcho-Berlins eine Art Biotop und Rückzugsraum:

Wo die Reichweite des Wifi endet und nachts keine Straßenleuchten die Finsternis erhellen, lebt man zwar nicht unbedingt wie im letzten Jahrhundert. Aber wie in der 1st Edition schon. Ein bisschen.

Das Ende der Anarchie (1997/2058)

Ich habe seinerzeit nicht verfolgt, wie die Rezeption von Deutschland in den Schatten war. Jedenfalls muss sich irgendwer gedacht haben, dass das Anarchistensetting Berlins korrigiert werden muss. Über die Gründe dafür kann ich nichtmal spekulieren, da mir hier sämtliche Info fehlt. Jedenfalls zeichnet das nächste Quellenbuch, das sich unter anderem mit Berlin beschäftigt, das Bild einer kommenden oder bereits umgesetzten Konzernherrschaft über Berlin.

Österreich. Außerdem: ADL. Und etwas Berlin.

Während Berlin im DidS ausreichend Platz erhält, sich als komplettes Stadtsetting darzustellen, ist dies schon vom Umfang her innerhalb des „Österreich-Bandes“ Walzer, Punks und Schwarzes Ice nicht möglich. Somit enthält WaPuSI auf gerade einmal 6 Seiten nur eine Art Update – was besonders Schade ist, da das Grundsetting gar nicht mal so uninteressant klingt.

Die Konzerne übernehmen nur 2 Ingame-Jahre nach DidS die Macht in Berlin. Der Berliner Rat setzt sich aus 31 Vertretern der Bezirke plus 25 Vertretern der Konzerne zusammen, wobei von den 31 Bezirksvertretern ein guter Teil direkt von der Gnade der Konzerne abhängig oder direkt von diesen eingesetzt sind. WaPuSI bleibt leider sehr generisch, was Infos zu anarchistischen Ecken in Berlin angeht, verneint aber zumindest nicht deren Existenz.

Eine wirkliche Ortsbeschreibung Berlins gibt es nicht, immerhin aber werden 9 neue, jeweils von 1 Konzern beherrschte Sektoren vorgestellt. Ob diese eigentlich als neue Bezirke gedacht waren (wie sie später auftauchen) oder nur als „Einflussgebiet“ überhalb der alten Bezirksgrenzen scheint mir WaPuSI gar nicht so genau festzulegen, aber das ist ja auch egal: Stand 1997/2058 ist Berlin eine Konzernstadt, und deren Los scheint offen zu sein.

Die Mauer muss her (2001/2062)

Vier Jahre lang wird es still um Berlin, und umfassende Neuigkeiten hält das Deutschland in den Schatten II auch nicht bereit: Die Konzerne beherrschen weiterhin Berlin, neu ist nur, dass 2060 eine Mauer um den Ostteil der Stadt errichtet wurden, um die Gefahr des anarchistischen Terrors einzudämmen.

Reflexartig kommt einem grade als Berliner natürlich die Galle hoch, wenn jedem zu Berlin immer nur die Idee einer Mauer einfällt, tatsächlich finde ich dieses Berlin-Setting aber ziemlich genial. Schade, dass ich zu der Zeit so weit ab von Shadowrun unterwegs war, dass ich es glatt verpasst habe:

Ein ummauertes Chaos-Berlin à la Snake Plisskin (Die Klapperschlange) wäre im Prinzip ziemlich genau mein Ding gewesen, und der Split zwischen brutal auftretenden Konzernen plus „Sie Leben„-liker Konzernpropaganda auf der einen und anarchistischer Gewalt und Hunger auf der anderen Seite bietet reichlich Stoff für Stories, Runs und antiheromäßigen Pulp.

Soweit sich das heute nachkonstruieren lässt, scheint DidS2 und das Berlinsetting mit der ummauerten Ostzone ein Timingproblem gehabt zu haben: Einerseits zu 80er, um von den 90ern verstanden zu werden, die grade die 00er geworden sind, zu „Streetlevel“ in einer dritten Edition, die mehr Richtung James Bond trifft den 100-Trilliarden-Euro-Mann abgeht, und vielleicht auch im Bemühen, mal nicht überzogen zu sein, etwas zu gefällig und störungsfrei glatt kommt Berlin erstmals seit fast 10 Jahren wieder als echtes Setting mit Locations etc. daher.

Natürlich ist Berlin im DidS2 ebenso wie im DidS1 nicht ein eigenes Städtebuch wie Seattle, aber die Stadt wird auf dem verfügbaren Platz umfassend dargestellt und liefert reichlich Storymaterial. Im DidS2 werden die „neuen Konzernsektoren“ von WaPuSI als Stadtteile fixiert, was sie streng genommen noch immer nicht zu Bezirken macht, aber da alle anderen Bezirke ebenfalls mit „Stadtteil“ bezeichnet werden scheint dies de facto so zu sein. Bei weiterhin 31 Bezirken mit je 1 Bezirksvertreter plus 25 Konzernvertretern kommt man also im Rat auf ein fixes Verhältnis von 35 direkten Konzernvertretern (25 direkte Konzernvertreter plus 10 Vertreter von Konzernstadtteilen) bei 56 Vertretern insgesamt. Fragen dazu, wer herrscht, dürften sich erübrigen.

Zwar bleiben mindestens mir einige Details des politischen Systems unklar (gleiche Bezirksvertreterzahl trotz Wegfall der Ostzone?), insgesamt aber ist DidS2-Berlin rund, und man bemüht sich nach Kräften, die bizarreren Aspekte des DidS1-Berlin vergessen zu machen oder zu entschärfen (so fragt z.B. ein Shadowtalker, ob es das Gore wirklich gegeben habe).

Einblick in das DidS2 habe ich übrigens erst in meiner Autorenarbeit für das Berlin-Quellenbuch 2010 erhalten. Es war mir schlicht nicht möglich, ein DidS2 aufzutreiben (nicht mal als böse Schwarzkopie) – als ich dann Einblick hatte, habe ich mich etwas geärgert, denn mit Kenntnis von DidS2 hätte ich einiges an Knochensplitterberlin anders oder dieses eventuell auch GAR nicht geschrieben.

Schockwellen! (2003+/2063)

Nachdem es zuvor mehrere Jahre lang still um die ADL war, ballert mit DidS2 ein wahrer Sturm los: Von Schockwellen über Europa in den Schatten bis zu Brennpunkt: ADL beleuchten gleich mehrere Bücher den Zustand der Welt und der ADL 2063 und streifen dabei auch immer Berlin, wo immerhin ein Hauptkapitel der international verlinkten Schockwellen-Ereignisse stattfindet.

Wenn ich sage, dass sich dabei unterm Strich „nichts“ in Berlin ändert, so meine ich damit, dass das Machtverhältnis zwischen Konzernen und Anarchos in Berlin nicht WESENTLICH geändert wird: Es gibt Kämpfe, es gibt erhebliche Verluste und es wird der Boden bereitet für kommende Ereignisse, aber es ist jetzt nicht so, als würden die Konzerne die Ostzone mit Wasser volllaufen lassen und einen Swimmingpool draus machen.

Was 2003/2004 und im Prinzip auch in den folgenden Jahren geschieht ist, dass das Berlinsetting von DidS2 zunehmend hart zu kriegen ist (und kaum einer besitzt es), es aber umgekehrt kein neues Berlinsetting gibt. In verschiedenen Bänden wird die Situation in Berlin immer wieder mal gestreift, mal auch schlaglichterartig ausgeleuchtet, aber ein wirkliches Buch, mit dem man „jetzt“ einsteigen und Berlin bespielen könnte gibt es nicht.

Infos zu Berlin zu bekommen ist zwischen 2004 und 2010 eine vertrackte Detektivarbeit, für die ich mich speziell bei den Blutschwertern, der Shadowhelix und dem Shadowiki bedanken möchte, die mir meinen Job als SL auf der Suche nach Infos für eine neue Spielrunde in Berlin überhaupt erst möglich gemacht haben.

Danke, Jungs – eure Arbeit ist großartig, und ohne euch wäre SR nicht dasselbe!!

Berliner Einheit (2010/2073)

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Mit dem auch weiterhin als PDF erhältlichen Berlinbuch erscheint 2010 erstmals seit Deutschland in den Schatten II ein bespielbares, detailliert beschriebenes Berlinsetting, und das erste reine Stadtbuch für Berlin überhaupt!

Das neue Berlinsetting ist eine stringente Fortschreibung der Ereignisse von 2062/63 und der weiteren Ereignisse, die seitdem publiziert wurden. Es ist NICHT eine aufgehübschte oder erweiterte Knochensplitterberlin-Version (und es tut mir ehrlich leid, hier wie eine zerkratzte Schallplatte zu klingen, aber ich werde immer wieder darauf angesprochen und muss daher klarstellen – hoffentlich letztmalig – dass nicht ICH das Berlinbuch geschrieben habe, sondern vor allem ANDERE. Ich habe MITGEARBEITET und BEIGETRAGEN, aber nicht GELEITET oder BESTIMMT. Das macht wenn dann der Chefredakteur, das ist nach wie vor Tobias Hamelmann).

Im Berlinbuch von 2010 findet man jede Menge Neues, aber auch einiges Bekanntes, darunter z.B. auch Shadowtalker, die schon im DidS1 geredet haben und mit dem Alter offenbar nicht weiser geworden sind. Das Berlinsetting ist integriert in das lebendige und sich stetig weiterentwickelnde ADL-Setting von Pegasus, es greift viele Plotstränge aus anderen Publikationen auf (ohne Zwang, diese zu kennen, aber schön für den, der es tut) und leitet auf kommende Ereignisse an anderen Orten der ADL hin.

Neben dem, was ein Settingbuch zu Berlin haben muss, bietet es eine Reihe Spielhilfen – darunter 20(!) Locations mit Grundrissen, Hintergründen und Abenteueraufhängern -, die man auch außerhalb Berlins in seinem Shadowrunspiel hilfreich finden wird, bietet also Nicht-In-Berlin-Spielern neben einer unterhaltsamen Lektüre auch praktischen Nutzen für die eigene Runde.

Tipp: Folgende Locations werden im Berlinbuch mit Grundriss oder Plan beschrieben (auch in SR6 voll nutzbar, da kaum von den Regeln abhängig):
– Das Scheunenviertel/Hackesche Höfe
– The Orchid Berlin
– Der Wintergarten
– Himmel & Hölle Großdisco am Westhafen
– Schöner Leben Bodymall Tegel
– Nimmerland Galerie
– Wache 114 am Dunkelzahnplatz
– Olymp Wohnanlage der Hortbau
– Stuffer-Plus in Gatow
– Autonome Inselfestung Eiswerder
– BV-1837 Billigwohnanlage der Hortbau
– Das Rattennest Sprawlguerilla-Kneipe
– VibesFolk Piratensender
– Das Logenhaus in SK Tempelhof
– Das Versteck Verborgene Bunkeranlage
– Das Fundstübchen im Schwarzen Hahn Spandau/Falkensee
– Die Destille mit mehreren Beispiel-Grundrissen
– Sechs Tief Kampfarena in Gropiusstadt

In jedem Fall ein Buch, dass sich auch weiterhin zu haben lohnt und das sich speziell in der limitierten Edition ausnehmend hübsch im Schrank macht. Besagte limitierte Edition ist wie Tobias „Tigger“ Hamelmann hier erklärt zur SPIEL Messe 2010 erscheinen und war bzw. ist von zwei Seiten aus lesbar, also einmal „aus Konzernsicht“ und einmal „aus Anarchosicht“ – eine Idee, die, wie Peer „SirDoom“ Bieber hier revealed, ursprünglich 2005 auf seinem Mist gewachsen ist. Was lange währt …  🙂

Reiseführer (2012/2074)

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Der 2012 erschienene Reiseführer in die deutschen Schatten enthielt insgesamt wenig Infos über Berlin, und das mit Absicht: Nachdem man sich darauf verständigt hatte, sich in den Hauptpublikationen auf eine begrenzte Zahl deutscher Megaplexe zu beschränken und da es aktuell (noch) keine Pläne gab, ein neues Buch für das Gesamtsetting ADL zu entwickeln, wurde mit dem etwa DIN-A5-großen Reiseführer eine bunte Sammlung von Beiträgen zu zahhlosen bisher vernachlässigten Gebieten und einzelnen Aspekten des Runnerdaseins in der ADL geschaffen.

Für Berliner Gruppen ist der Reiseführer dennoch interessant, findet sich darin doch ein Grundrissplan der Schattenklinik Eiswerder sowie einer Berlin-nahen Paintblast-Arena und eine ausführliche Beschreibung der für Berlin ja nicht ganz unwichtigen Preußenstiftung.

Eskalation und Novapulse (2013+/2074+)

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Der erste und der aktuell (10/2019) letzte Novapuls

Mit der fünften Edition ändert sich die Lage in Berlin zwar nicht zwangsläufig und automatisch, aber die neue Matrix und die mit ihr einhergehende neue Kooperativität der Megakonzerne, wenn es um ihre ureigensten gemeinsamen Interessen geht, haben die Lage in Berlin kaum entspannt.

Hinzu kommt, dass auf Seiten der ADL-Regierung die Spieler gewechselt haben: Der frühere Kanzler Linnheimer von der liberalen = konzernfreundlichen LDFP hatte sich persönlich als Vermittler und Einigkeitsstifter in Berlin engagiert und gemeinsam mit seiner Regierung umfassende Maßnahmen inklusive föderativer Zugeständnisse an die „Sonderwirtschaftszone Berlin“ durchgedrückt, welche die besondere Situation des geeinten Berlin überhaupt erst möglich machten. Linnheimers Nähe zum führenden Konzern in der Welt, der ADL und auch Berlin, Saeder-Krupp, ist dabei nie ein Geheimnis gewesen, und so wird Linnheimers Agieren im Allgemeinen als vom Drachen diktiert betrachtet – mindestens, was Berlin betrifft.

Seit der Wahl von Annika Beloit 2074 sitzt (ausgerechnet) eine Bayerin am Hebel der Macht in Hannover, die zudem ein konzernfeindliches Programm mit dem Ziel eines stärkeren Staates forciert und die aufgrund ihrer Familiengeschichte direkte revanchistische Pläne gegen S-K verfolgt.

Als Folge verkehrt sich die zuletzt gewachsene Nähe zwischen Berlin und Hannover in das glatte Gegenteil: Die neue ADL-Regierung will ein stärker zentralisiertes Deutschland mit weniger Sonderrechten und Einzellösungen auf Landesebene, und steht damit auch wenn Berlin kein Vollmitglied der ADL ist dem Sonderstatus der Stadt eher ablehnend gegenüber. Die in Berlin agierenden Konzerne sind seitdem stärker darauf bedacht, sich vom Rest der ADL zu isolieren, und im Speziellen das vom BGS beherrschte Oranienburg mit Misstrauen beäugen.

Umgekehrt verursacht die mit SR5 eingeführte neue Matrix einen gigantischen Aufschrei, der deutlich über den ohnehin radikalisierten Rand hinaus bis in den Mainstream der Bevölkerung strahlt. Gerade in Berlin, wo die Konzernskepsis fest verankert ist, gewinnen wieder solche Fraktionen Zulauf, die der Einigung Berlins eine Absage erteilen möchten.

Die Vorgänge in der ADL und in Berlin sind seit 2013 so gut belegt wie niemals zuvor: Zwischen Januar 2013 und Dezember 2018 erscheinen sage und schreibe 71 Ausgaben des Ingame-Newsfeeds NOVAPULS inklusive 23 vierseitigen Extra- und Megapulsen. Diese Entwicklung war nur möglich, weil mit SR5 eine feste Zeitprogression von „Ingame-Zeit = Realzeit +62 Jahre“ eingeführt wurde.

DASS es den Novapuls gab und auch in Zukunft hoffentlich wieder gibt ist ein weiteres, kleines Wunder, denn nach einigen Fehlstarts für ein regelmäßiges Newsmagazin der deutschen Redaktion war man kurz davor, sich von einem solchen Projekt insgesamt zu verabschieden. Der Gedanke, tatsächlich jeden Monat 1 Seite News rauszuhauen – und noch dazu in jedem dritten Monat 4 Seiten!, galt bei einigen wegen der frustrierenden früheren Erfahrungen mit regelmäßigen kostenlosen und unbezahlten Fanservices als „undurchführbar“. Der Unterschied war, dass es nun einen Irren gab, der jeden Monat dieses Ding raushauen würde, und wenn er es selber schreiben müsste. Gottlob musste ich das letztlich dann nicht allzu oft, und auch Tobias Hamelmann als Chefredakteur klemmte sich voll hinter das Projekt.

Datapuls: ADL (2016/2078)

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Als geistiger Nachfolger des Brennpunkt: ADL bietet der große Gesamtband über das ADL-Setting in SR5 einen ebenso breiten wie auch tiefen Überblick über das deutsche Setting im Jahr 2078, und Gottlob ist er auch weiterhin als PDF erhältlich. Der Datapuls: ADL ist DAS aktuelle Standardwerk für alle, die Deutschland in Shadowrun bespielen wollen, und daher uneingeschränkt empfehlenswert zu besitzen.

Berlin und Brandenburg werden im DP:ADL auf insgesamt 16 Seiten dargestellt und das Berlinsetting dabei im Rahmen des verfügbaren Platzes aktualisiert. Drastisch hat sich nichts geändert – ein neuer Bürgermeister hier, griffigere Einblicke in das Feeling der Stadt dort – daher lasst uns direkt zum nächsten größeren Berlin-Release gehen:

Datapuls: Berlin (2018/2079)

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Acht Jahre und eine Edition nach dem Berlin-Quellenbuch für SR4 wurde es dringend Zeit, dem Berlin-Setting ein Update zu verpassen. Die neu ins Leben gerufene PDF-only-Serie der Datapulse war hierfür die perfekte Gelegenheit. Diese wurden direkt nach Relese des DP:ADL im November 2016 durch Tobias Hamelmann als neues Publikationsvorhaben angekündigt. Eine große Chance, einzelne Gebiete, Plexe oder Themen spotlightartig auszuarbeiten und so endlich auch jenen Gebieten Settinginfos zu geben, für die gerade jetzt oder noch nie ordentlicher Raum in einem Buch gegeben werden konnte.

Im natürlich weiterhin erhältlichen und auch nach Berlin 2080 extrem nützlichen PDF Datapuls: Berlin werden die in vielen Novapulsen entwickelten und beschriebenen Geschehnisse in der Stadt zu einem neuen Status Quo zusammengefasst. Für Besitzer des Berlin 2080-Buches besonders wichtig:

Im DP:Berlin befinden sich eine ausführliche Abhandlung zur BERVAG inklusive Etagenaufbau des BERVAG-Turms und Strippenzieher-Artikel zu Dr. Paul Reinhard Zöller, ein Special zu den verschiedenen Straßenklassen und alternativen ÖPNVs sowie ein fünf-Seiten-Special zum Wilden Wedding (mit 4 Maps!), plus der Strippenzieher-Artikel zur „Drakova“ Nadjeska Girkin.

Berlin 2080 (2019/2080)

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Auf der SPIEL 2019 erscheint Berlin 2080 als erstes Quellenbuch zur Sechsten Edition von Shadowrun mit einem aktuellen Gesamtüberblick über die Stadt, Einzelbeschreibungen aller 21 Bezirke, diversen NSCs, 10 Hotspots, 10 neuen Locations mit Grundrissen, Hintergründen und Abenteueraufhängern, neuen Waffen und Fahrzeugen, 3 massiv riesigen Karten, über 430 neuen Einzellocations und … ach, schaut euch einfach das berlin-2080-inhaltsverzeichnis an.

Ich freue mich irrsinnig, dass Berlin nach einem holprigen Start und viielen Jahren der Null-Infos über das SR4 Berlinbuch, den Datapuls Berlin und nun das neue Berlin 2080 Quellenbuch einen Setting-Stand erreicht hat, der wenig Wünsche offen lässt. Und verspreche, das Setting sowohl hier auf shadowrunberlin.de als auch durch meine weitere Tätigkeit für Pegasus so lange weiter- und fortzuentwickeln, wie man mich lässt.

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