Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

Schlagwort-Archiv: pegasus

NOVAPULS.02.79

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NOVAPULS.11.2077

NOVAPULS vom 21.11.2075

Hotspots 3

// gepostet von ZOÉ //

Hallo zusammen! Bei meinen Wanderungen und Amokfahrten durch Berlin fallen mir gelegentlich Orte auf, die bisher irgendwie von anderen Guides und Files übersehen wurden und daher ein ziemliches Schattendasein (ha, ha) führen. Hier kommen ein paar von ihnen, kompakt und straight aus der Memofunktion meines Links.

euleXia
Wilmersdorf (Charlottenburg-Wilmersdorf) – Kürfürstendamm 31

In direkter Nachbarschaft von Niederlassungen und Filialen von FBV, Monobe, NovaChique, Prada, Armanté, Berlin Kredite und den berüchtigten Wirtschaftsanwälten von Thiede und Graal sitzt eine Ecke vom M-Bahnhof Uhlandstraße entfernt und direkt an das ehrwürdige Kempinski grenzend das Luxushotel euleXia. Die Front zur von der Entlastungstangente überbrückten Ku’Damm-Mall gelegen, die Seite zur nach oben geöffneten Uhlandstraße hin bietet das euleXia exzellenten Service vor allem für dienstlich in Berlin verkehrende Geschäftsreisende aus aller Welt. Wie viele Hotels entlang der Ku’Damm Mall verfügt auch das euleXia über gleich zwei „Top Discretion“ Etagen: Da die Stockwerke mit unverbaubarem Blick auf den sich dahinstauenden Tangentenverkehr wenig reizvolle Aussichten bieten, wurden hier die Außenfenster komplett entfernt und die Wandflächen der Suiten und Appartements stattdessen mit großzügigen „Ersatzfenstern“ in Gestalt von frei mit Ausblicken nach Wunsch belegbaren Videoflächen ausgestattet. Gegen das per Vibration über die Stützpfeiler von Malldach und Straßentrasse übertragene Brummen ist im ganzen Hotel ein Akustiksystem integriert, das mit Gegenschall die Störgeräusche der Tangente herabregelt und dabei als angenehmen Nebeneffekt auch Abhörgeräten die Arbeit erheblich erschwert. Für unsereins besonders interessant ist das euleXia zudem durch seine eher diskret kommunizierten „Traveller Loungers“, einem Block „Luxussärge“ für all jene, die in der Tat ausschließlich zum Schlafen ins Hotel kommen oder die rein virtuell arbeiten und an Meetings teilnehmen wollen und dabei einerseits auf ihren Geldbeutel achten müssen, andererseits aber nach außen hin eine repräsentative Unterbringung bei einer renommierten Adresse kommunizieren wollen. Lounger können wie jeder andere Hotelgast die Einrichtungen des Hotels nutzen – sei es der Wellnessbereich, die 4 Bars, das Hotelrestaurant „Xi“ oder die vielen Konferenz- und Besprechungsräume des Hauses.

Das Hotel bietet Hotelgästen zudem geschlossene Server zum Hosting von Konferenzen oder Konferenzschaltungen – ein Angebot, das auch dann gebucht werden kann, wenn man kein Hotelgast ist, übrigens. Alle Zimmer und Lounges sind mit den Präsentationssystemen der Konferenz- und Besprechungsräume festverdrahtret – ein System, das physisch von der Matrix getrennt werden kann, wenn man echt private Treffen abhalten bzw. sich „unabhörbar“ von der Lounge aus auf eine Videowand eines Konferenzraums schalten will. Letztere Option wird ganz gerne von Schmidts für Briefing-Gespräche verwendet. Die eher wenig präsentablen Runnertypen können durch die Haussicherheit über einen zum Lieferhof I hin gelegenen „Serviceaufzug“ zu einigen der Konferenzräume geschleust werden, ohne dass normale Hotelgäste durch deren Anblick belästigt werden.
 Tolstoi

Zankapfel
Kreuzberg (Xhain) – Fürbringerstraße 25

Quasi um die Ecke vom arcanova liegt die Kellerbar „Zankapfel“, an sich eine ganz klassische Kreuzberger Kiezpinte mit Tanzdiele, Jabifu, F-Bier-Ausschank und Dämmerlicht. Was die Bar – ähnlich ihrer Schwesterbar „Lethe“ – besonders macht, ist die enge Verbindung der Bar zur wachsenden Diskordianischen Bewegung in Berlin. Beschützt von der Nemessiden-Gang als Haussicherheit, ist die Bar ein perfekter Ort, um sich über die Krisenpunkte und schwelenden Streitereien in Berlin auszutauschen – vor allem deshalb, weil die Diskordianer quasi alles weiterverbreiten, was dazu geeignet ist, Konflikte eskalieren zu lassen. Damit der Streit in Berlin nie endet, verbreiten die diskordianischen Kreise – von denen einige, aber längst nicht alle der Eris-Kirche nahestehen – natürlich auch Gerüchte, Klatsch und Lügen. Für die Wahrheit muss wie überall Geld gelatzt werden, und bei den Diskordianern würde ich mich nie drauf verlassen, dass ihre Angaben dann nachher auch stimmen. Auch oder gerade wenn sie teuer waren. Eigner von Zankapfel, Lethe und einigen weiteren, über Berlin verteilten Pinten ist der auf mystischer Orientale Schrägstrich Schlange im Garten Eden gebürstete Saif Alhazred, der als Infobroker mit Spezialisierung auf die Berliner Misstimmungslage und Ärgermacher for Hire einen gewissen Ruf genießt.   

Oberflächlich betrachtet wirken die Diskordianer wie eine Witz-Bewegung, und tatsächlich gibt es große Überschneidungen zu den gerade in Xhain einflussreichen Spaßanarchisten. Wer aber tiefer in ihre Strukturen bzw. deren Mangel eindringt, der erkennt, das eine Menge von ihrem „Wahnsinn“ Methode hat. So war es zum Beispiel das Kommando Mindfuck, das über Provokationen – und Sprengstoffanschlägen – an den richtigen Stellen dafür sorgte, dass die Situation am 1. Mai zum Eskalieren brachte, und mittlerweile gilt es als sicher, dass die berüchtigte „Terrorgruppe“ UV-X mindestens Kontakt zur Diskordianerbewegung hatte, wenn sie nicht sogar ein direktes Werkzeug oder eine Ausprägung diskordianischer Technomancer waren. Oder sind.
Tolstoi

 Die Wahrheit ist Fünf. All Hail Eris! All Hail Discordia!
 Rolf Umar Ben Sarif-Schulze der Ältere, 12.476. Papst der Uneinigen Diskordianischen Kirche

Forschungspark Zehdenick
Zehdenick (Brandenburg)

Etwas außerhalb des Berliner Plexes liegt der bereits zum Einmarsch der Neosowjets fluchtartig verlassene und seitdem aufgegebene Ort Zehdenick. Der Ort wirkt von außen ebenso trist und verfallen wie zahllose andere Geisterorte in der Brandenburger Ödnis, wer aber seine Sensoren aufsperrt und weiß, wonach er suchen muss, findet im gesamten Grenzbereich des Ortes versteckte Alarmanlagen, Bewegungsmelder, Wärmekameras und einigen Gerüchten zufolge auch Selbstschussanlagen und Wachcritter. Wer sich dem Ort arglos per Karre nähert und angesichts zum Teil mutwillig zerstörter Straßen nicht umkehrt, wird an einem Schlagbaum am Ortseingang abgeblockt, der schlicht „Privatbesitz – Betreten strengstens verboten. Zuwiderhandelnde werden ohne Warnung neutralisiert. Vorsicht: Minen“ ankündigt. Infos, die von einer Gruppe Runnern vor einigen Jahren ausgegraben wurden, lassen darauf schließen, dass der Ort von einem Unternehmen namens TELTRONIX gekauft wurde. Die Brandenburger Polizei und der BGS führen ihn zudem als ExTer Gebiet.   

Ausbildungsstätte für Abstreitbare? Top Secret Forschungspark? Versteckte Lauschstation? Körperhalde?
Guttenborg

Shinobi Gardens
Tiergarten (Mitte) – Bremer Weg 16

Der renaturierte und aufwändig zum asiatischen Garten umgestaltete Tiergarten ist ein beliebtes Ausflugsziel insbesondere der Bürger aus dem unweit gelegenen Renraku-Bezirk Prenzlauer Berg. Idyllisch ragen zwischen den Baumwipfeln die japanisch geprägten Häusertürme feiner Japano-Restaurants, während sanft rot illuminierte Tore und ebenso rote Brücken die Schritte der Spaziergänger durch die Kunstlandschaft des Parks leiten. In Sichtweite von Löwenbrücke und Straße des 17. Juni liegt das Sento „Shinobi Gardens“: EIn bekannter Maßen von der Yakuza kontrolliertes Badehaus mit eigenem ummauerten Gartenbereich mit kleinem (neu angelegten) See draußen sowie 3 Becken, ein großer Ruhebereich und 10 Privatkabinen für Massagen und … anderes … im Inneren. Chef des Sento ist ein bestens vernetzter Infobroker namens Oboro, für die Haussicherheit sorgt seine rechte Hand „Jo“ (eigentlich Sho Musashi) sowie im Bedarfsfall eine überaus fähige, auf das Element Luft spezialisierte Magierin namens Kasumi und der Shinobi Garden gilt als Operationsbasis des durchaus nicht unbedeutenden Drogendealers Hayate. Wer mit der Yakuza keinen Ärger hat, kann hier in äußerst gepflegter Atmosphäre entspannen, ohne wegen nichtvorhandener SIN, komischen Implantaten oder seiner am Eingang abgegebenen AK seltsam angesehen bzw. eingeknastet zu werden. Oboro ist Geschäftsmann in Reinkultur und soll – wenig überraschend – über sehr gute Kontakte zu den Japankons in Berlin verfügen. 

Klingt, als habe Zoé in letzter Zeit einige Bessergestellte kutschiert.
AK Pulco

Kann man so sagen. Bin trotzdem froh, dass es vorbei ist. Kinder reicher Eltern können sehr anstrengend sein, gerade wenn sie sich für extrem „Straße“ halten.
 Zoé

Die SR5 Schnellstartregeln sind da!

Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen: Während DriveThru bereits einige „Peeks“ in das Grundrgelwerk zu SR5 zum kostenlosen Download anbietet – und JEDER Shadowrun-Fan schon wegen der PDF-Releases von Pegasus Spiele auf Drivethru und der inzwischen denkbar einfachsten Anmeldung via Facebook dringend bei DriveThru registriert sein sollte – haut unser Schattenläuferverlag die SR5 Schnellstartregeln raus.

Enjoy! Link zum Download ist unterhalb des Bildes!

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<<< Shadowrun_Schnellstartregeln_-_Funfte_Edition >>>

[SRB] zu den Wahlen 2074

SRB ZU DEN WAHLEN 2074

:::::: Berlin :: 02. Oktober 2074 ::::::::::::::::::::::::::::::::

Zwei große deutsche Wahlen beherrschen in 2074 die Medienfeeds, von denen uns in Berlin natürlich nur eine interessiert: Die kommende Berlin-Wahl zur II. Wahlperiode am kommenden Sonntag, dem 7. Oktober 2074.

Also, dass die zurückliegende Bundestagswahl vom September in Berlin gänzlich egal gewesen wäre, stimmt so ja nun nicht. Klar: Da Berlin nur ein assoziiertes Mitglied der ADL ist, haben die Berliner bei der Bundestagswahl nicht mitgewählt. Dennoch hat man auch hier in Berlin die Bundestagswahl genau verfolgt, wusste man doch, dass die Linnheimer-Regierung aus CVP und LDFP kräftig Einfluss auf die Berliner Einigung nahm. Wie es damit nach den Verschiebungen der Bundestagswahl in Zukunft aussieht, weiß freilich keiner – in jedem Fall aber hat die Bundestagswahl in Berlin das Bewusstsein über die zuvor schon fast vergessenen oder als irrelevante Faselköpfe veralberten „West-Parteien“ neu geschärft. Mag in der ADL die wahre Macht auch im Bundesrat liegen: Im Bundestag geschieht wenn schon nicht die Willensbildung des Volkes, dann mindestens dessen öffentliche Inszenierung.
Konnopke

Dass „die Berliner“ nicht an der Bundestagswahl teilgenommen haben, ist so nicht korrekt: im Schnitt 80% der Einwohner von Berliner Konzernbezirken sind registrierte Staatsbürger der ADL, die ihr Wahlrecht ganz normal von Berlin aus wahrnehmen. Umso mehr überrascht das Ergebnis der Bundeswahl. Mich zumindest.
Fienchen

80%? Das haut niemals hin! In den Berliner Konzernbezirken sind zwei von drei Einwohnern Konzernbürger, und die haben in der ADL bekanntermaßen seit Jahrzehnten schon kein Wahlrecht mehr. Da hat die ADL ausnahmsweise mal gut gearbeitet und wenigstens der direkten Konzernmitbestimmung den Riegel vorgelegt.
Tolstoi

Aber ganz im Gegenteil: dieselbe seinerzeit eingebrachte und theatralisch durchgefochtene Wahlgesetznovellierung der Christlichen Volkspartei enthält einen spät und vor allem auf Betreiben der LDFP angefügten Kompromiss, nämlich die Möglichkeit einer doppelten Staatsbürgerschaft für Konzernbürger. Diese lässt sich die ADL zwar bezahlen, das hindert aber die großen deutschen Konzernplayer wie S-K, den FBV oder selbst die AGC nicht, ihren Bürgern eine solche doppelte Staatsbürgerschaft zu sponsorn (unterm Strich senkt die Novellierung also vor allem den Stimmanteil von Konzernbürgern nichtdeutscher Großkonzerne, die sich den Luxus eines teuren Massensponsorings der Doppelstaatsbürgerschaft ihrer Bürger nicht leisten möchten oder können). Dass die mit doppelter Staatsbürgerschaft „beschenkten“ Konzernbürger im Vorfeld von Wahlen zugebombt werden mit gefärbter Berichterstattung und Einflussnahme auf ihre politische Entscheidung, braucht nicht extra gesagt zu werden. Mehr Infos zu dem ganzen Thema – inklusive der zweiten Hintertür für ein Wahlrecht der Konzernbürger, das an die neue CEERS-ID gekoppelt ist und vor allem von S-K auf Europaebene durchgeprügelt wird, findest du im Machtspiele Upload.
Fienchen

Natürlich wären Wahlen prinzipiell im Neuen Berlin nicht das Medienereignis, das sie anderswo sind – schließlich haben wir jedes verdammte Jahr eine Berlin-Wahl. Dafür ist die „politische Anteilnahme“ der Bevölkerung Berlins – Wiege der Policlubs! – weitaus größer als anderswo, und die Berliner Sender haben noch aus Autonomiezeiten eine auf Berlinpolitik fokussierte Programmgestaltung, die auch die kommende Wahl wieder wie ein Fußballereignis feiern wird.

Inklusive Public Viewing in der Stampe, Fanschals und Bezirksinsignien, Freibierausschank der Machtgruppen und Bambule ab der ersten Hochrechnung.
Konnopke

Hochrechnung?
Splinter

Meint: Direktausgabe der per Kommlink abgegebenen Stimmen aus den Norm- und Konzern-Bezirken, plus im Laufe der nächsten 6 Stunden bis 6 Tage nachkleckernden Stimmen derjenigen freien Bezirke, die für sich intern festgelegt haben, dass jede abgegebene Stimme geprüft und von Hand gezählt werden muss, oft sogar mehrfach. Das hat für besagte Bezirke den Vorteil, dass man noch wahltaktisch ein bisschen feintunen kann – wenn man unterstellt, dass in den freien Bezirken gemogelt wird, was natürlich ebenso völlig absurd ist, wie dass die Ergebnisse der Konzernbezirke nicht von oben diktiert wären.
Roter Oktober

Für unsere Auswärtigen und Zugereisten hier also 5 Tage vor dem großen Ereignis alles, was es zur Berlin-Wahl zu wissen gibt. Los geht’s!  

Wer die Wahl hat

DIE BERLINER URWAHL 2072. Das neue, geeinte Berlin wählte erstmals vor 2 Jahren, 2072. Während die Wahlen der Bezirksabgeordneten und den Drei Bürgermeistern Berlins im zukünftigen Normalfall jährlich unterteilt in 3 Wahlperioden mit je 3-jähriger Amtszeit erfolgten, war jene die Berliner Einigung begründende Wahl ’72 eine Ur- und Gesamtwahl in allen Bezirken gleichzeitig.

DIE ERSTE REGULÄRE WAHL (WAHLPERIODE I) 2073. Dem entsprechend hatten die Bezirksvertreter der Wahlperiode I – die schon 2073 neu gewählt wurde – eine überaus kurze Amtszeit von nur einem Jahr, und der ebenfalls 2073 erneut zur Wahl stehende Dritte Bürgermeister Koslowski ebenso. Zum Glück für die meisten Abgeordneten (und den eher blassen Koslowski) aber genügte das eine Jahr – das zudem von Übergangswehen vom alten in das neue Berliner System begleitet war – nicht, um zur sofortigen Abwahl der erst im Vorjahr berufenen Vertreter zu führen: Nicht nur blieb der Dritte Bürgermeister mit fast gleichem Wahlergebnis im Amt, unter den 7 Bezirksvertretern der Wahlperiode I gab es gerade mal eine einzige Umbesetzung, indem Alexander Sukrow in Gropiusstadt die kurz davor leider verstorbene und insofern nicht mehr zur Wahl antretende Marissa Wagner ersetzte. Zwei weitere Kandidaten hatten ebenfalls kurz zuvor ihren Rückzug „aus privaten Gründen“ verlautbaren lassen. Einen überraschend heftigen Schuss vor den Bug erhielt indes auch Milena Kilic in Charlottenburg-Wilmersdorf, die nur knapp an der Bezirksvertretung festhalten konnte: An ihr hatte sich der geballte Frust über eine viermonatige Vollsperrung der Entlastungstraverse auf dem Dach der Kurfürstendamm-Mall entladen, die aus baulichen Gründen indes unabdingbar war. 

Bis zur Wahl 2072 übrigens befand sich Berlin quasi im Fluss zwischen einem gesetzgebenden Gremium der wichtigsten Vertreter – unter Moderation und Mediation von Jandorf und Pflügler, unter anderem – hin zu einem „ordentlichen“ und repräsentativen Berliner Rat mit Ratspräsident und Erstem Bürgermeister. Der Übergang war alles andere als einfach, und einzelne, besonders uneinsichtige autonome Vertreter im früheren „Berliner Rat“ mussten mit Gewalt zur Freiräumung ihrer Sitze gezwungen werden. 

Nicht offiziell, natürlich. Aber bestimmte, zuweilen langjährige Vertreter im Berliner Rat – hier gemeint der im ostberliner „Exil“ tagende Phantastenverein, der sich auch 2070 noch immer in Gesamtkontrolle der Stadt fieberte – waren auch mit viel gutem Zureden, Geld und Nutten nicht dazu zu bewegen, ihren Platz und Anspruch aufzugeben. Im Verlauf der Jahre 2070–72 wurden die Stimmen der besonders Uneinsichtigen indes immer leiser, speziell nachdem es vor allem in deren Autos, Badewannen und Agrarkombinatshäckslern zu äußerst tragischen Unfällen und technischem Versagen kam.
Nakaira

DIE KOMMENDE WAHL (WAHLPERIODE II) 2074. Jetzt, 2074, werden die Vertreter der Bezirke der Wahlperiode II gewählt, und zugleich der Zweite Bürgermeister. 2075 wird dann die Wahlperiode III mit der vielbeachteten Wahl des Ersten Bürgermeisters und Ratspräsidenten folgen, und nicht wenige sind der Ansicht, die Wahl am kommenden Sonntag sei eine Art Probewahl auch für das 2072 begründete „System Wojenko“, der bei einer Abwahl Pflüglers seinen wichtigsten Unterstützer und Schlichter zwischen den Fronten verlieren könnte.

Nochmal in kurz, für eilige Leser: Die 21 Berliner Bezirke sind in drei „Wahlperioden“ zu je sieben Bezirken gruppiert. In Wahlperiode I werden die Vertreter der ersten sieben Bezirke plus der Dritte Bürgermeister gewählt, in der Wahlperiode II erneut sieben Bezirksvertreter sowie der Zweite Bürgermeister und in der Wahlperiode III die letzten sieben plus der Erste Bürgermeister. 2072 fand eine Urwahl aller Bezirke statt, 2073 fand die erste reguläre Wahl (I/3. Bürgermeister) statt, 2074 haben wir II/2, 2075 folgt III/1, danach geht es 2076 mit I/3 von vorne los.
Cynic

Der Vollständigkeit halber: Wahlperiode I sind die Bezirke Charlottenburg-Wilmersdorf (Norm), Gropiusstadt (Frei, Vory-dominiert), Marzahn-Hellersdorf (Frei, Vory-dominiert), Oranienburg (Frei, BGS-dominiert), Reinickendorf (Norm), Aztech-Schönwalde (Konzern, Aztech) und Tegel (Konzern, Z-IC), Wahlperiode II sind Falkensee (Frei, mikroferal), Köpenick (frei, dominiert von Kommunisten, EMC und Shiawase (ja, sowas gibt’s)), Mitte (Konzern, FBV), Pankow (Frei, Altanarchistische Hochburg), Prenzlauer Berg (Konzern, Renraku), Spandau (Norm, mit starkem Aztech- und Psi Aid-Einfluss) und Tempelhof (Konzern, S-K), und Wahlperiode III sind Groß-Siemensstadt (Konzern, AGC), Potsdam (Norm, mit starkem Einfluss von Preußenstiftung und z.T. noch Draco Foundation), Schönefeld (Norm, mit starkem Einfluss von Messerschmitt-Kawasaki), Zehlendorf (Norm, Graue Wölfe gegen Proteus und Evo, das wird spannend), Strausberg-Fredersdorf (Norm), Friedrichshain-Kreuzberg (Frei, unüberschaubarer Wust von Machtgruppen, starker Einfluss der Schiiten) und Lichtenberg (Frei).
Konnopke

Wenn vollständig, dann richtig. Anbei unten der Status Quo der Bezirksvertreter vor der kommenden Wahl, plus der Hinweis, dass im Berliner Rat neben den gewählten Bezirksvertretern auch einige weitere Vertreter sitzen, die zwar „nur“ beraten, das aber durchaus mit Nachdruck: Dies sind aktuell die Vertreterin der Berliner Industrie, Olga Schoel (Messerschmitt-Kawasaki), die Botschafterin der ADL, Dr. Isabelle Jandorf (Preußenstiftung), Oberstleutnant Bettina Lange als Vertreter der Bundeswehr und des ADL-Verteidigungsministeriums, sowie nicht zuletzt die Vertrerin des Bundesamtes für Hermetik und Hexerei Dr. mag. Marlon Zienterra.
Tolstoi

Niemand mag Klugscheißer.
Nakaira

Das sagt die Richtige.
Cynic

Wie immer.
Nakaira

Im extremen Fall – den niemand wirklich erwartet – könnte sich sogar das politische Schicksal von Berlins Erstem Bürgermeister Yilmaz Wojenko am kommenden Sonntag entscheiden: Dann nämlich, wenn Wojenko als Bezirksvertreter des Norm-Bezirkes Spandau trotz Deckung von Psi-Aid und Schützenhilfe von Aztechnology nicht wiedergewählt wird.

In diesem Fall bliebe Wojenko zwar bis zur Wahl eines neuen Ersten Bürgermeisters 2075 im Amt, könnte aber für den Rest seiner Amtszeit im Berliner Rat nicht mehr für seinen Bezirk stimmen und 2075 selbst dann nicht erneut zur Wahl des Bürgermeisters antreten, wenn 100% der Berliner ihn gerne im Amt behalten würden (was natürlich absurd ist – Wojenkos aktuelle Zustimmung in der Gesamtberliner Bevölkerung bewegt sich den unterschiedlichen Meinungsforschungsinstituten, Politagenturen und Vote Forecasts zwischen 35% (Sender Freies Berlin, Linksalternativ) und höchstens 56% (Spandauer Volksblatt, Eigner: Aztechnology)).

Aber gehen wir die Kandidaten und ihre aussichtsreichsten Herausforderer im Einzelnen durch:

Falkensee

Wie GNB bereits vor einiger Zeit [HIER] feststellte, gehört Falkensees Bezirksvertreter Steffen Atzold zu den wenigen, die am Sonntag um ihr Mandat bangen müssen:

Falkensee ist bankrott, und Lichtblicke am Ende des Tunnels gibt es keine. Unter diesen Vorbedingungen hätte nicht einmal ein engagierter und fähiger Politiker etwas zum Besseren wenden können. Und Atzold war kein engagierter und fähiger Politiker. Stattdessen gilt der glatzköpfige Endvierziger und Langzeitarbeitslose als korrupt bis ins Mark und so schmerzfrei, was seine öffentliche Wahrnehmung angeht, dass er sich nicht einmal die Mühe macht, seine Abgreifmentalität zu kaschieren.

Stattdessen hat Atzold die zwei Jahre seiner verkürzten Amtszeit bestmöglich dazu genutzt, maximalen Profit zu erzielen: Hier ein eilig durchgewunkenes Bauvorhaben, dort eine Zulassung für einen neuen Müllplatz, hier ein vollmündig als zukunftsweisendes Infrastrukturpaket geschöntes Bauprojekt für seit Neuestem mit ihm befreundete Unternehmer und dort Fördergelder für einige der von Atzold protektionierten Kampfsport- und KampfHUNDvereine – das sind die ruhmlosen Endergebnisse seines Wirkens.

Paradoxer Weise steigen Atzolds Popularitätswerte im Bezirk, je unverblümter und frecher er auftritt: Je mehr die Medien sich im Hinblick auf die bevorstehende Wahl gegen diesen „Berliner Schandfleck“ in Stellung bringen – womit abwechselnd mal Atzold und mal das zunehmend mikroferale Präkariatsghetto Falkensee gemeint ist – desto mehr stellen sich die desillusionierten und vom Berliner Aufschwung ausgegrenzten Falkenseer hinter „ihren Mann Atzold“.

Atzolds aussichtsreichster Herausforderer im Bezirk ist Dönerspießproduzent Aslan Özdemir, der erst in diesem Jahr eine große Fabrik für Mischfleisch- und Sojaspieße mit 400 Arbeitsplätzen in Falkensee eröffnete. Özdemir ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und Spross eines alteingesessenen Berliner Dönerimperiums, das mit einigen Blessuren die Dönerkriege in den Sechzigern überlebte, ohne – soweit man weiß – in das Produktions- und Vertriebsnetz der Grauen Wölfe integriert zu werden. Die gewalttätigen Konflikte seiner Kindheit und Jugend sind an dem heute 52-jährigen keineswegs spurlos vorbeigegangen, und mit einigem Stolz umgibt sich der „Döner-Löwe“ Aslan mit martialischen Bodyguards und gepanzerten Geländefahrzeugen, soll sogar mehrere Söldner aus zerfallenen Armeen des Nahen Osten unter Vertrag haben.

Seinem Auftreten und Don-haften Gebaren zum Trotz hat Aslan Özdemir alles andere als Sympathien zum organisierten Verbrechen und weist Vorwürfe, er selbst sei das Oberhaupt einer verbrecherischen Drücker- und Schutzgeld-Clique, weit von sich: Der vierfache Familienvater und gläubige Muslim macht sich vielmehr dafür stark, Berlin vom „Krebsgeschwür der Wölfe, Vory und anderen Banden“ zu befreien, und bietet als Alternative zu Perspektivlosigkeit und hohlem Protest „Bescheidenheit und ehrliche, harte Arbeit“.

Laut Ansicht der Berliner Wettbüros, wo man traditionell auf den Ausgang von Berliner Wahlen und anderen Abstimmungen und Verhandlungen in den Kiezen der Spreemetropole wetten kann, wird es Özdemir mehr als Atzold gelingen, seine Anhänger zur Abgabe einer gültigen Stimme bei der Wahl zu bewegen.

Offen bleibt der Ausgang nicht zuletzt wegen Friederike Kuhnert von der neu gegründeten USPD Falkensee, einem der ersten Vorstöße der gesamtdeutschen Partei auf Berliner Boden. Die Sozialkundelehrerin und Pastorentochter Kuhnert macht sich für staatliche Hilfen Deutschlands für Berlin und Berlins für Falkensee stark, setzt auf stärkere Beteiligung der Reichen und Superreichen – Bürgern wie Unternehmen – an der Behebung von Armut und Missständen in Deutschland und umgibt sich mit dem Nimbus, über die große linke Volkspartei USPD „Hilfe von außen“ für Falkensee mobilisieren zu können.

In den letzten Umfragen liegt Kuhnert deutlich hinter Özdemir zurück, könnte diesem aber just genug Stimmen stehlen, um Atzold im Amt zu halten. Verlierer wären in diesem Fall in jedem Fall die Falkenseer, denn es gilt als ausgeschlossen, dass BERVAG oder Berliner Rat unnötig Hilfsgelder nach Falkensee pumpen werden, die dann in den Taschen von Atzold und seinen Freunden versickern.

Köpenick

“Der Kampf gegen das globalisierte Konzernkapital ist schon ohne Personaldebatte schwer zu gewinnen”, sagte bereits im April der exilrussische kommunistische Schriftsteller und Rabeja-Vertraute Tichonow: “Die Kandidaten, auf die sich die Policlub- und Parteispitze 2070 geeinigt haben, sind für die kommenden 10 Jahre gesetzt, und möglicher Weise länger”.

Vor diesem Hintergrund ist es wenig überraschend, dass Lena Rabeja schon jetzt als bleibende Köpenicker Bezirksvertreterin nach der Wahl gehandelt wird. Gegenteilige Einflussnahmen könnten im stammkommunistischen Köpenick allenfalls von Seiten der dort aktiven Großkonzerne EMC und Shiawase kommen, EMC aber scheint kein aktives Interesse an der Gestaltung der Bezirkspolitik zu haben, und seit Rabeja mehrere Charity-Einladungen und Orts-Einweihungen von Shiawase mit ihrem Besuch beehrte, sind frühere Gerüchte einer Beziehung zwischen der Kommunistin und dem Urkapitalisten praktisch offiziell bestätigt worden.

Dass es darob keinen Aufschrei der Empörung in der Köpenicker Kommunistenszene gibt, scheint indirekt durch die Vorfälle in Dubai und die seitdem anhaltende Serie von Vorfällen, Rückrufaktionen, Lieferungsengpässen und anderen Folgen von Schattenläufen und Sabotage im Hause Saeder-Krupp begründet: Während der Konzern des goldenen Drachens in seinen Betriebsabläufen ganz eindeutig gestört und abgelenkt ist – sei es durch tatsächliche Übergriffe der Drachin Hestaby und deren Getreuen, sei es durch die wachsende Anti-Drachen-Stimmung im Land, sei es durch Feindkonzerne, welche die aktuelle Schwäche als Chance wittern und ein wahres Sperrfeuer schwarzer Operationen gegen den weltgrößten Konzern entfesseln – gilt der „good citizen“ Shiawase als möglicher Partner, Berlin aus dem Griff von Goldschuppe zu befreien.

Während Shiawase wie EMC peinlich darauf bedacht sind, in Köpenick politisch unsichtbar zu bleiben („Wir produzieren hier nur, schaffen Arbeitsplätze und fördern Schulen, Altersheime und andere wohltätige Einrichtungen, bitte weitergehen“), sind die einzigen Gegner Lena Rabejas denn konsequenter Weise radikale Kommunisten, die sich an die von Tichonow genannte Vorgabe der „Policlub- und Parteispitze“ nicht gebunden fühlen – sprich: selbst eine Benennung als Vertreter der Bewegung anstreben.

Zu diesen gehören der gebürtige Warschauer Andrzej Slupinski – aus Sicht der Köpenicker Kommunisten ein ewiger Querulant und leider genialer Querdenker, dessen ewigen Kritteleien durchaus gute Ideen entspringen und der sich darob einiger Anerkennung erfreut – sowie die gealterte Professorin für Politikwissenschaft und Geschichte an der früheren Berliner Universität Isabelle Vesely-Barchmann, bei der die Hälfte der kommunistischen Intelligenzija Berlins ihr politisches Basiswissen gewonnen hat.

Während Slupinski sich offen zur Wahl als Gegenkandidat angeboten hat, bescheidet sich Vesely-Barchmann bislang darauf, „die mahnende Stimme des kommunistischen Gewissens“ zu sein, das selbst dann nicht „den Pakt mit dem kapitalistischen Teufel“ eingehen dürfe, wenn dies kurz- bis mittelfristig vorteilhaft für die Erlangung der Ziele sei. Ob sie am Wahltag doch auf der Liste der Kandidaten auftaucht, ist gegenwärtig noch immer offen.

Nicht unerwähnt bleiben soll zudem Clemens Streußner, seines Zeichens „politisch unabhängiger“ Köpenicker Unternehmer und Betreiber einer der vielen Berliner Kleinbanken, die in den Jahren der Anarchie das Wirtschaftsleben der Stadt künstlich beatmet haben. Der wirtschaftsliberale Gegner des Kommunismus lebt auf einer Hausyacht mit sensationell ausgebauter Sensoren-, Sende- und Computerzentrale und gilt als einer der wichtigsten Infobroker und Strippenzieher der alternativen Berliner Wirtschaft.

Seine Aussicht auf Erfolg ist schwierig einzuschätzen: Einerseits sind die Köpenicker Kommunisten von allen Machtgruppen die eindeutig stärksten, andererseits ist zu erwarten, dass die anderen Splittergruppen ihre Wähler dazu anhalten, Streußner als „Kandidaten gegen die Kommunisten“ zu unterstützen.

Mitte

Nach zwei durchaus spannenden Alternativen Bezirken winkt in Mitte das genaue Gegenteil: Trotz zuletzt wachsender Kritik an seiner offenen Zurschaustellung von Sympathie für die rechtsextreme PNE wurde Dr. Alexander Schmidt erwartungsgemäß wieder als Kandidat vom FBV aufgestellt, und damit ist die Wahl eigentlich ausgemacht.

Für eine Überraschung kann allenfalls noch ein hohes Ergebnis von 15% oder mehr für Dr. Paul Zöller vom Berliner Bankenverein sorgen, dem vehementesten Kritiker an Schmidts braunem Flirt: Eine Krähe hackt der anderen zwar kein Auge aus, aber eine deutliche Stimme für Zöller würde von den auf Ansehen und Seriösität gebügelten Berliner Bankkreisen als wichtiges Signal gegen FBV-Mann Schmidt verstanden werden.

Tatsächlich findet sich bei einigen Berliner Buchmachern die Wettoption, auf einen Rücktritt Schmidts infolge eines hohen Ergebnisses für Zöller zu setzen, womit jener dann – trotz „verlorener“ Wahl – der neue Bezirksvertreter von Berlin-Mitte wäre.

Realistisch ist diese Option freilich nicht besonders: Zöller ist Berliner Vorstand der europäischen Vorzeigebank Hildebrandt-Kleinfort-Bernal, deren Eindringen in den Berliner Wirtschaftsraum den FBV auch ohne weitere Vorfälle zur Weißglut treibt.

Dennoch: Das Pokern um den Bankplatz Berlin – DAS Projekt des Berliner und auch NEEC-Großkapitals und zentraler Baustein für Berlins Zukunft als Wirtschaftsort und Drehscheibe – hat seit der Berliner Einigung eine neue Qualität erreicht, und die Schatten der Stadt schwemmen förmlich auf von kleinen und großen, oftmals zusammenhanglos wirkenden Jobs, durch welche die konkurrierenden Großbanken sich in Position für ihre zukünftige Rolle und Stellung im Berliner Bankrenspiel bringen.

Pankow

Die Wahl wird in Pankow wohl schnell entschieden, aber zuallerletzt fertig ausgezählt sein: Der Bezirk mit den rigorosesten internen Bestimmungen gegen Wahlmanipulation und Abstimmungsbetrug führt exakt zwei Kandidaten auf der Liste: den amtierenden Bezirksvertreter Wladimir Igorewitsch Bronstein und dessen Schwiegersohn Wanja Besúchow, dem die Rolle als Feigenblatt von Opposition zugedacht ist.

Prenzlauer Berg

Renraku hat mittlerweile per Presseerklärung bekanntgegeben, dass Takeshi Ozu zum kommenden Sonntag die äußeren Vertretungspflichten der Bezirksverwaltung gegenüber dem Berliner Rat übernehmen wird. Diese klare Absage an die sonst von den Berliner Konzernen betriebene Scharade angeblicher Wahlen kann als Brüskierung verstanden werden, wird allerdings von Renraku förmlich weggelächelt: Ichiro Koizumi stehe „infolge seiner privaten Entscheidung dazu“ nicht länger als Vertreter zur Verfügung, daher sei Ozu nicht nur die natürliche, sondern die tatsächlich einzig sinnvolle Wahl.

Spandau

Alle Augen ruhen bei der kommenden Wahl einerseits auf der Wahl des Dritten Bürgermeisters und andererseits auf dem Ergebnis des amtierenden Ersten Bürgermeisters Yilmaz Wojenko in seinem eigenen Bezirk, Spandau. Trotz kräftigen Schönschreibens der kaum messbaren Verbesserungen der Spandauer Situation seitens des Aztech-eigenen Propaganda-Newsfeeds „Spandauer Volksblatt“ ist Wojenko in seinem eigenen Bezirk durchaus nicht unumstritten:

Zu viel Repräsentanz, zu viel Schischi, zu viel Agieren außerhalb Spandaus, zu wenig Bearbeitung der dringenden Aufgaben im Bezirk – das sind die zentralen Vorwürfe, die man Wojenko zu Recht oder Unrecht macht. Umgekehrt sind selbst die Spandauer aber mit Wojenko in seiner Eigenschaft als Erstem Bürgermeister recht zufrieden – auch deshalb, da man weiß, dass man bei einem Ersten Bürgermeister aus einem anderen Bezirk möglicher Weise gar keine Rolle mehr spielen würde.

Hilfe aber braucht Spandau – und hier sowohl die desolate Mitte und kaputtgebaute, von Wolkenkratzergerüsten überragte Altstadt des Bezirkes, als auch das heruntergekommene Arbeiterviertel Gatow und die Betonwüste Staaken, die fließend in das Elend von Falkensee übergeht. Aztechnology hat sich mit Aztech-Schönwalde das „Sahnestück“ aus „ihrem“ Bezirk herausgeschnitten – der Rest des Bezirks war schon vor der Berliner Einigung aufgegeben worden, als klar wurde, dass der Traum von Berlin als glitzernde Konzernstadt nicht zu halten war.

Kein Wunder eigentlich, dass Wojenko wenig Lust hat, im schäbigen Rathaus Spandau umgeben von halbfertigen Hochhausruinen zu arbeiten, wo er praktisch nonstop zu wichtigen Anlässen in die feinsten Lokalitäten Berlins geladen wird – wenn er denn in Berlin ist, denn seine Position als wichtigster Repräsentant der Spreestadt führt ihn immer wieder fort, nach Hannover, nach Essen, nach Brüssel, London, Paris, auch Übersee (gerade erst kommt Wojenko von einer Asien-Reise aus Tokio zurück, zu der Berlin bereits seit 1994 eine Städtepartnerschaft unterhält).

Als Alternativen zu Wojenko bietet sich neben einigen allerdings chancenlosen Krawallmachern aus den autonomen Nachbarschaften wie der Lynarstraße und Eiswerder vor allem die Geschäftsfrau und „Ex“-Hackerin Doris „Yori“ Floricic an, deren 2069 neu gegründete „masterControl Agentur für Netzüberwachung“ nach erfolgreichem BERVAG-Pitch zu den erfolgreichsten Berliner Privatunternehmen zählt: Für verhältnismäßig wenig Geld übernahm Floricic den unvollendeten „Obelisken“, einen Spitzdachbüroturm am Havelufer auf Höhe der Spandauer Altstadt, der in seinem schäbigen Äußeren ein noch von Aztech eingebautes, hochmodernes Lichtfasernetz für die zukünftige Havelmetropole Spandau beherbergte – inklusive im Boden versenktem Rohbau zur Unterbringung eines Datentresors und einer Serverfarm. Ausgestattet mit ihren Fähigkeiten, neuer Tech und wenig Nachweisen, woher ihr Geld für all das kommt, ergatterte die international bestens vernetzte Yori den Job, die Berliner Matrix im Zuge des global beobachtbaren „Netzüberwachungswahns“ durch permanente Security Scans „sicherer“ zu machen.

Als Selfmade-Frau mit just der richtigen Mischung aus Rebellion und Profitsinn stehen Floricics Chancen gar nicht schlecht, es in Berlin weit zu bringen – ob allerdings schon bei dieser Wahl, muss bezweifelt werden: Die Unternehmen fürchten, sie könnte eine Hackerin sein, die in Berlin den größten Heist aller Zeiten plant. Die Anarchos fürchten, Yoris Insiderwissen über die Methoden, Denkweisen und auch Netzwerke der Hacker könnten dazu führen, dass Berlins Matrixnetz tatsächlich effizient gesichert wird – kein angenehmer Gedanke.

Tempelhof

An Dr. Franziska Landolts Wiederberufung zum Bezirksvertreter gibt es nicht den geringsten Zweifel – Saeder-Krupp führt auch keinen Alternativkandidaten an, sondern weist stattdessen aus, eine „interne Arbeitsgruppe“ habe sich „nach intensiven Audits, Rücksprachen und runden Tischen mit allen Konzernbürgern“ darauf verständigt, Landolt „ohne Vorbehalt“ das Vertrauen auszusprechen, ihre „exzellente Arbeit“ „gerade in schwierigen Zeiten“ fortzuführen.

Tatsächlich scheint S-K so interessiert daran, Landolt lebendig im Amt zu halten, dass deren bereits hohe Sicherheit nochmal massiv aufgestockt wurde: Man möchte Attentätern, Saboteuren und Runnern eindeutig keine Gelegenheit bieten, diesen Aspekt der S-K Geschäfte Berlins zu stören, Hestaby und Drachenhass hin oder her. 

Bei ihren wesentlich spärlicher gewordenen Auftritten seit Ausbruch des „Drachenkrieges“ wurde Landolt von 6 S-K Wachen in Vollrüstung sowie mindestens 2 hochrangigen Konzernmagiern flankiert. „Gut unterrichtete Schattenkreise“ wollen zudem wissen, dass S-Ks Frau im Rat auch durch Tarnungen, kybernetisch verlinkte Doppelgänger, Unsichtbarkeitszauber und Ähnliches geschützt werde. 

Der Zweite Bürgermeister

Morek Pflügler hat bedingt durch sein unglückliches Einschreiten beim „Kiezpolizei-Skandal“ im alternativen Berlin dort massiv Zustimmung verloren, auf Konzernseite und bei der gemäßigten Mitte aber erneut Anerkennung gewonnen.

Weder Ersteres noch Letzteres hilft ihm in seinem Heimatbezirk Lichtenberg, aber dieser gehört nicht zur Wahlperiode II, insofern ist dies für den Moment und trotz allem medieninszenierten Geunke um eine mögliche „Abwahl“ des Mitschöpfers der Berliner Einheit völlig egal:

Der Zweite Bürgermeister wird berlinweit gewählt, quer durch alle Schichten, Parteien, Fraktionen und Gruppen, und es gibt wenig Personen, die im Schnitt all der unterschiedlichen Berliner Kreise und sozialen Schichten so viel Unterstützung (und Bekanntheit) haben wie der umtriebige Pfarrer, Schlichter und frühere Ausdeuter der Berliner Sokaren.

So versuchen denn die Gegenkandidaten Pflüglers sich mehr oder weniger erfolglos über Wahlkampfthemen wie die vieldiskutierte „Naziarchitektur„-Debatte oder das ewige Thema „Horizontaltangente“ zu profilieren – unterm Strich wird es ihnen wenig nützen. 

Zwar lag S-K Frau Landolt eine ganze Weile weit vorne bei den Buchmachern, indessen hat sie vor dem Eindruck wachsender Spannungen und Vorbehalte gegen den S-K Präsidenten einer spekulativen Kandidatur längst öffentliche Absage erteilt.

Somit rückt in der Tabelle schon die Nummer 3 nach, noch im Juni gehandelt mit Erfolgsaussichten von 1 zu 700, inzwischen auf 1 zu 2.600 abgerutscht: Allenfalls Milena Kilic traute man es noch zu, einige Anerkennungspunkte gegen Pflügler zu erzielen – bis die erneute Entlastungsstraßensperrung als Sommerlochthema 2074 auch diese Hoffnung zerschlug. 

Spannend bleibt der öffentlich geführte Streit um die Themen Berliner Mega-Bauwerke und Tangente trotzdem:

Beide Themen haben den Punkt gemein, dass die alternativen Vertreter gerne Verträge und Beschlüsse nochmal neu diskutieren und beschließen möchten, welche die Konzernregierung vor der Berliner Einigung gefällt/in Auftrag gegeben hat.

Kerngegenargument der Konzerne dabei ist, dass deren „legitimer Berliner Rat“ (und die BERVAG, damals in anderer Rechtsform) gültige und bindende Verträge geschlossen hat und eine Änderung/Auflösung erhebliche Konventionalstrafen und Mehrkosten nach sich ziehen würde, die dann ganz Berlin zu tragen hätte.

Gegenargument der Alternativen ist, dass die Verträge durch die Konzerne geschlossen wurden und dem entsprechend auch nur durch diese zu bezahlen wären.

Das abendliche Unterhaltungsprogramm ist also bis Sonntag garantiert. 

Viel Text, wenig Kommentare – habt ihr Biofeedback-Überladung?
Corpshark

Nein, nur Lags ohne Ende, und ich hab grade drei Verteilerknoten durch Überlastung verloren. Im Vorfeld der Wahl ist der Traffic in der Kabelmatrix im tiefroten Bereich – da kackt unser System schonmal ab. Gib mir 10 oder 20 Stunden zum werkeln, dann laden die Kommentare und hoffentlich auch die bereits eingefügten Errata nach.
Tolstoi

<<< PING LOST >>>

 

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