Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

Schlagwort-Archiv: artack

[GNB] Unblutiges Ende einer blutigen Geiselnahme

GEISELNAHME UNBLUTIG BEENDET

Aufregung im Berliner Mediendschungel. Die Entführung eines Sightseeingbusses mit sogenannten „Anarchietouristen“ hat am gestrigen Nachmittag und frühen Abend eine regelrechte Eruption im Blätter-, Feed-, Radio- und Tridkanalwald ausgelöst. Vier Unbekannte hatten gestern um 13:07 Uhr einen Bus der Firma Riedeltours beim planmäßigen Stopp am Anarchokaufhaus „F-Shop“ in der Herzbergstraße 62 im Berliner alternativen Bezirk Lichtenberg mit vorgehaltenen Sturmgewehren des Typs AK-97 geentert und versucht, den Bus in Richtung Ahrensfelde (Marzahn-Hellersdorf) umzuleiten. 

Alarmiert durch den Busfahrer und mehrere Notrufe von Kommlinks der an Bord befindlichen Touristen kam es nur wenige Minuten nach Beginn der Entführung bereits zu ersten Schusswechseln zwischen Entführern und Vertretern der Kiezwehr in Form der F-Shop Schutztruppe und freien Gardisten der Straßenschutzgang „Herzberg 69ers“. Bei dem Schusswechsel kamen keine Personen zu Schaden, allerdings wurde das Fahrwerk des Busses durch Nagelketten und eine Carkiller-Mine der 69er schwer beschädigt. 

Carkiller-Minen?
Scrambler

Selbstgebastelte Antifahrzeugminen mit sehr begrenzter Sprengwirkung, deren Treibsatz aber mit Nägeln und anderem Splitterkrams vermischt ist. Werden für gewöhnlich handgezündet per Wifi oder Funke und detonieren dann genau unter dem Zielfahrzeug. Selten wird dabei der Fahrzeugboden durchschlagen, dafür aber so ziemlich alles an Kabeln, Rohren und Leitungen zerfetzt was unter einem Fahrzeug entlangläuft – plus wenn man Glück hat reißt es auch das ein oder andere Rad weg oder zerschrottet Getriebe oder Achsen. Riedelbusse sind entgegen dem Vorurteil, dass ihr ganzes martialisches Äußeres nur Papp-Deko sei tatsächlich recht ordentlich gepanzert, weswegen die 69er gleich 4 Minen gezündet haben (dem ARtack Vidfeed nach war auch ne „echte“ Fahrzeugmine dabei, wenn ihr mich fragt). Der Bus hat’s trotzdem gestanden und fuhr dann zwar rauchend und krauchend, aber immerhin noch so mit 40 km/h bis zum Falkenberg. Solide Arbeit, was die Riedel-Schrauber da gemacht haben.
Russenrigger

Wen haben die denn als Schrauber?
Der_Letzte_Autoduellist

Zum einen ist Riedel – ein Brocken von Troll, der früher Lkw-Touren in ganz Europa bestritt – ja selber ein ziemliches Mechanik-As und hat an jeden der 3 Riedelbusse selbst Hand angelegt, wenn eer sie nicht sogar zumindest in der Erstkonfiguration selbst aus russischen Militärbussen und Spareparts aus der Hölle zusammengeflammt hat. Riedel ist außerdem ein dicker Kumpel vom Schrotter ausm Wedding (und Stammgast im Trashcave), mit dem er in der Freizeit an derbst überzogenen „Show-Anarchokarren“ für Messen oder Werbeevents herumtüftelt (nimm einen derben Militärlaster, hau Trollsitze rein, bock ihn auf und pack übergroße Räder drunter, montiere Flammenwerfer und Show-Waffenhalterungen oder nen Turm von nem ausgedienten Panzer, gib dem Ganzen Rostlook und Eisenpfähle, pack Tierschädel und Stacheldraht drauf und hau als Finish 500 Schuss Munition in den Lack). Und nicht zuletzt hat er sich 3–4 Schrauberkumpels aus den Werkstätten am Helmholtzplatz für die alltägliche Wartung und Nachrüstung gebucht.
Russenrigger

Der Bus setzte sich gen Norden ab und erreichte um 13:42 den von der Kiezschutzgruppe Falkenwehr betriebenen Checkpoint Falkenberg am Industriepark Wolfener Straße, wo die Fahrt durch einen erfolglosen Versuch, den Schlagbaum des Checkpoints zu durchbrechen, endete. Wenige Minuten später – um 13:45 Uhr – trafen die ersten Flycam-Drohnen der Medienanstalten und Sender am Ort des Geschehens ein und übertragen live sporadische Schusswechsel zwischen den im Bus verschanzten Entführern und den Einheiten der Falkenwehr.

Wie durch mehrere Sender kolportiert, nahmen die laut Senderberichten zur „Letzten Front“ gehörenden Entführer angesichts der Ausweglosigkeit der Situation Kontakt mit der überwiegend aus Orks und Trollen bestehenden, exilrussischen Söldnereinheit SVET (Seryi Volk Eingreif Truppe, gesprochen „Sevet“) auf, die jenseits der Märkischen Allee unter Langzeitschutzvertrag mit dem dortigen Wohngebiet steht. Diese Kontaktaufnahme konnte sehr im Gegensatz zu der behaupteten Gruppenzugehörigkeit inzwischen bestätigt werden.

Ist die Letzte Front nicht auch so’n Fascho-Dingens von der Nationalen Aktion? Spinn ich jetzt total?
TubOrk

Du meinst „Das Letzte Manifest“. Zur „Letzten Front“ hatte ich nen Feed-Ausschnitt in den Berlin-Upload geladen. Das betreffende Komitee diesen Namens hat aber garantiert nix mit Busentführungen zu tun: Die LF hört sich eher an wie ein Koordinationsgremium verdeckter Kontaktleute verschiedener alternativer Bezirksgruppen, die gemeinsam Taktiken zur Abwehr von Konzernaktionen besprechen. Seit dem Berlin Upload hat mich das nicht mehr losgelassen und ich hab etwas weiter gebuddelt, dabei aber erstaunlich wenig gefunden. Mittlerweile denk ich ja, dass das Komitee „Letzte Front“ sowas wie der oft geforderte „bezirksübergreifende alternative Geheimdienst“ sein könnte.
Spime

Wohl eher der alternative Verfassungsschutz. Tatsächlich gibt es in der „Szene“ die völligst berechtigte Sorge, dass ADL-Regierung und Konzerne versuchen werden das noch eher verwundbare Konstrukt der Berliner Verfassung auszuhölen oder sogar in einer weiteren Nacht-und-Nebel-Aktion umzuschmeißen. Da die Berliner Gerichte der BERVAG unterstehen und die einzig ansprechbare höhere Berufungsinstanz für Berliner Verfassungsfragen irgendein oberstes Bundesgericht wäre, hat man längst das dringende Bedürfnis hier ein alternatives Kontrollorgan – idealer Weise mit eigenen Agenten, und seien es freie Agenten wie z.B. Schattenläufer – zu schaffen. Seit dem Berlinupload geistert – dank Deines Schnippsels, Spime – der Begriff „Letzte Front“ durch die Foren (ich hab sogar schon ein Omega-Zeichen mit Auge in der Mitte als „Logo“ gesehen). Ob Rommel, Che und Co. tatsächlich sowas sind oder bei sowas mitmachen würden ist natürlich keinem klar, dennoch …
Tolstoi

… könnte es sein dass Horizon mit Hilfe der Dawkins-Gruppe versucht, den Begriff und mit ihm einen alternativen Geheimdienst zu stigmatisieren und zu kriminalisieren. Das war doch, was Du andeuten wolltest, oder?
Nakaira

Ich will hier ja nicht mit Ockhams Rasiermesser in der Gegend herumfuchteln, aber dass ein Großteil gerade der Konzernmedien „zufällig“ auf den Namen „Letzte Front“ kommt, um eine völlig unbewiesene Behauptung zur Zugehörigkeit der „Terroristen“ aufzustellen, klingt mir erheblich unplausibler als dass jemand den Medien den Namen „gesteckt“ hat. Ob das nun gleich die Dawkins-Gruppe war, weiß ich nicht – es kann ebenso ein kreativer Schreiberling der DeMeKo gewesen sein, der etwas Anarchobashing und Terrorgrusel einbringen wollte (gell, Nakaira?).
Fbiertrinker

F Dich!
Nakaira

Während SVET Scharfschützen aus der Distanz ihrer Hausblöcke heraus die Falkenwehrgardisten unter Beschuss nahmen und diese somit in Deckung zurückzwangen, wurde auf Seiten der SVET parallel eine Extraktion der Busentführer vorbereitet – ob mit oder ohne Geiseln, ist nicht bekannt.

Dazu indes kam es nicht mehr: Während aus zunächst unbekannten Gründen und von unbekannter Stelle ein vom Humboldtstützpunkt gestarteter Flugverband der SST kurzerhand zurückbeordert wurde, gingen parallel bei Falkenwehr und SVET Anrufe ein mit monetär vergüteten Angeboten, die Kampfhandlungen einzustellen. Die während der Nachtstunden und bis zum Mittag des heutigen Tages zirkulierenden Spekulationen darüber, wer diese Eingriffe vornahm und letztlich der umstrittenen Falkenwehr eine polizeiliche Vertretungsmacht vor Ort überschrieb, wurde vor wenigen Minuten bei einer Pressekonferenz vor dem Mahnmal der Opfer des Berliner Frühlings (Konzeption) in der VR Berlin beendet:

Strippenzieher der ungewöhnlichen Aktion war der Lichtenberger Bezirksvertreter und Zweiter Berliner Bürgermeister Morek Pflügler.

WAS???
Fbiertrinker

WTF?
Fienchen

Oh, Leute, Come ON. Das ist hier kein Livekommentar. Lest halt weiter.
Come ON

In seiner insgesamt 40-minütigen Ansprache setzte Pflügler sehr ausführlich auseinander, was ihn zu seinem Schritt bewogen habe und auf Basis welcher Punkte des Berliner Einigungsvertrages und der Berliner Verfassung er das Recht zu haben glaubte, sich über den geltenden Sternschutzvertrag auch ohne vorherige Rücksprache mit Berliner Rat oder Erstem Bürgermeister hinwegsetzen zu können.

„Unter den gegebenen Umständen bestand die einzige Alternative zu meinem Handeln darin, nichts zu tun und den Geschehnissen ihren Lauf zu lassen. Dies hätte erkennbarer Weise mindestens in der Konfrontation zwischen den SST-Flugeinheiten und den mit Mlitärbewaffnung ausgerüsteten Söldnern der S.V.E.T. zu zahlreichen Toten in der Zivilbevölkerung geführt, sei es durch Abschuss und Absturz von SST-Maschinen in Lichtenberger oder Marzahner Wohngebiet oder aber ein aus militärischer Sicht notwendiges Niederhaltungsfeuer gegen das Wohngebiet. Ich räume offen ein, nicht gewusst zu haben, wie sich die Verantwortlichen auf Seiten der SST, der SVET, der Falkenwehr und nicht zuletzt der Entführer im weiteren Verlauf verhalten hätten, ich war aber nicht bereit das sich mir hier darstellende Risiko für die Zivilbevölkerung zu dulden.“

Betreffs seiner Berechtigung zum Handeln führte Pflügler aus, dass das Gebiet, in dem der Bus gestoppt wurde, zwar auf der Grenze nach Marzahn liege (wo die SVET stationiert seien), dass es aber zweifelsfrei per Peildaten der Pressedrohnen als auf Lichtenberger Seite befindlich zu definieren sei. Notverordnungen für den Fall von Ausbruch kriegerischer Gewalt geben ihm – so Pflügler – das Recht, Notverordnungen für seinen Bezirk zu erlassen, bis Rat bzw. Ratspräsident weitere Entscheide treffen könnten. Das Vorhandensein einer kriegsähnlichen Situation sei bereits durch die Präsenz von Militärwaffen (speziell: Raketenwerfer, Sturmgewehre, Scharfschützengewehre, Granaten) vor Ort gegeben, unabhängig davon ob diese zum Einsatz kamen oder nicht. Zudem habe er als Zweiter Bürgermeister in einer Situation, da der Erste Bürgermeister und Ratspräsident Yilmaz Wojenko nicht erreichbar gewesen sei, Stellvertretungspflicht gehabt.

Wojenko abends plötzlich nicht erreichbar, obwohl er während des ganzen Nachmittages noch Memos zum Entführungsfall an die Bezirksrepräsentanten geschickt hat und in ständiger Konferenz mit der Sternschutzführung stand? Mann, wer soll das denn bitte glauben?
Gun

Erstens, GNU, wär es toll, wenn Du nicht Infos, die ich Dir unter der Hand gebe nach draußen bläst. Zweitens braucht es gar keiner zu glauben: Pflügler braucht es nur zu sagen, und Wojenko nicht zu widersprechen. Schon ist dieser sehr sehr heikle Move wenigstens was den Stellvertreteraspekt angeht gedeckelt. Der Ratspräsident ist Exekutivchef der BERVAG, die BERVAG ist Halter des Sternschutzvertrages – und bingo.
Fienchen

Durch sein Handeln – so Pflügler weiter – sei der Konflikt ohne die befürchteten Zivilopfer beendet worden. Hierbei seien zwar öffentliche, indes für Sicherheitsfragen vorgesehene  Gelder an die Falkenwehr als durch ihn als Bezirksvertreter in dem fraglichen Gebiet anerkannte Sicherheitstruppe geflossen.

„Zum Fall der an die SVET-Söldner geflossenen Gelder sei gesagt, dass die Einstellung der Kampfbeteiligung durch diese zwingende Voraussetzung für die Erfüllung des gegebenen Polizeiauftrages durch die Falkenwehr war. Mithin war der Abzug der SVET-Scharfschützen und der sofortige Stopp etwaiger Extraktionsvorhaben ein direkter Belang der Lichtenberger Sicherheit, wenngleich die SVET zweifelsfrei in Marzahn-Hellersdorf stationiert sind. Ich habe in dieser Sache bereits mit Herrn Ünsel gesprochen, der mein Vorgehen im Angesicht der Umstände abgenickt hat.

Fragt sich nur, zu welchem Preis. Die Vory geben einem nichts geschenkt.
Hamurabi

Natürlich wird der gesamte Vorfall von den betreffenden Stellen und Ausschüssen aufgearbeitet werden. Ich rechne damit und hoffe sogar darauf, dass aus der Untersuchung dieses Falles die Erkenntnis hervorgeht, dass unser neues Berliner Konstrukt noch Lücken aufweist, und möchte der Erwartung Ausdruck verleihen, dass diese Lücken zur Zufriedenheit aller – und besonders der Berliner Bürgerinnen und Bürger – geschlossen werden.“

In ersten Reaktionen der anderen Ratsvertreter übten vor allem Cazares (Aztech-Schönwalde/Aztechnology), Koizumi (Prenlauer Berg/Renraku), Ronczewski (Reinickendorf), Lakhloufi (Zehlendorf/Proteus) sowie die alternativen Bezirksvertreter Faber (Oranienburg), Atzold (Falkensee), Özgun (Friedrichshain-Kreuzberg) und Bronstein (Pankow) zum Teil sehr harsche Kritik an Pflüglers Vorgehen. Überraschend milde drückten sich dem gegenüber S-K Frau Dr. Landoldt, der Dritte Bürgermeister Koslowski (Tegel/Z-IC) und wie bereits erwähnt Murat Ünsel (Marzahn-Hellersdorf) aus. Die Einberufung eines Untersuchungsausschusses gegen Pflügler scheint dennoch beschlossene Sache zu sein. Der Erste Berliner Bürgermeister Yilmaz Wojenko (Spandau/PsiAid) war bisher zu keinem Kommentar bereit.

Ich verstehe Pflügler ja. Er ist Priester und will Menschenleben schützen. Deshalb aber der Falkenwehr offiziellen Polizeistatus zu geben – gerade wo Pflügler selbst Meta ist – ist einfach falsch. Egal, unter welchem Vorwand er dieses Zugeständnis wieder rückgängig machen wird.
Fienchen

Zudem fragt sich jetzt jede Gang (und auch die SVET) ob sie nicht ein Anrecht auf dasselbe Zugeständnis (und öffentliche Gelder) haben. Die Büchse der Pandora ist geöffnet.
Tolstoi

Pflüglers zwanghaftes Gutmenschentum musste ihn ja irgendwann dazu treiben, tief ins Klo zu greifen. Meine Meinung: Wir erleben grad den Anfang vom Ende seiner Karriere.
Nakaira

Wenn dem so ist, dann aber nur auf Betreiben der Medienkonzerne. Das Bild von der Straße sieht aktuell nämlich (noch) sehr danach aus, dass man Pflügler für sein mutiges (und leicht anarchistisches) Eingreifen bewundert, das hier wirklich Schlimmeres verhindert hat. Natürlich kann dies durch Schmutzkampagnen noch gedreht werden – aber wie gesagt: Heute, am Tag X, ist Pflügler wieder einmal der Berliner Held, der er schon oft war.
Safiya Dafiya

Die vier Busentführer wurden am Vormittag durch die Falkenwehr verhaftet und an den Sternschutz übergeben.

[44] Geiselnahme: 31 F-Touris in Safaribus

RIEDELTOURS SAFARIBUS AM FALKENBERG FESTGESETZT

Konzernbürger, die in ihrer vom Arbeitgeber zugelassenen Freizeit gutes Geld dafür ausgeben, sich in gepanzerten Touristenbussen durch Berlins Elendsviertel kutschieren zu lassen, gab es schon zu Zeiten des Status F. Seitdem diese Art wohldosierter Nervenkitzel dank Berliner Einheit ein gutes Stück ungefährlicher geworden ist, hat die Anarchie-Touristikbranche sogar einen kleinen Boom erlebt.

Speziell solche Kieze, die mehr anarchistisch aussehen als wahrhaft anarchistisch im Sprawguerilla-Sinn zu sein profitieren vom Geschäft mit dem wohligen Schauder – und geraten dadurch mit selbsterklärten „echten“ Anarchos zunehmend aneinander. Während die meisten Safari-Anbieter eher filmparkmäßig durchgestylte Touren in martialisch dekorierten Bussen durch Gegenden wie Kreuzberg anbieten – oft mit Stop beim Hinterhof-Ratten-Barbecue oder sogar Übernachtung in einer „scharf bewachten Anarcho-Herberge“, in der man Jabifu aus der aufgesägten Konservendose für 8 Euro trinken darf – gilt der Anbieter „Riedel Tours“ als Top-Anbieter für „echten“ Anarchotourismus, vor dessen Antritt man konsequenter Weise auch alle möglichen Sonderversicherungen bzw. Selbstverpflichtungserklärungen, den Veranstalter im Schadensfall nicht zu verklagen, unterzeichnet.
Konnopke

Dieser Boom gerät zunehmend in Gefahr durch immer besser organisierte Angriffe lokaler Banden und Sprawlguerilla-Zellen, die sich vor Kurzem zur Initiative AntZ! (AntiZoo) zusammengeschlossen haben. Und deren Rolle – ob Bürgerbewegung oder Terrorzelle – durchaus noch nicht klar definiert ist, auch wenn die Newsportale die laufende Geiselaktion erstens den Ameisen schon zugeordnet haben und zweitens diese quer durch alle Kamäle als Terroristen titulieren.

DAS kann man ihnen doch kaum vorwerfen, oder? Mit Kalschnikows in der Gegend rumzuballern, nen Bus voll Konzerntouris zu besetzen und absurde politische Forderungen zu stellen – was soll denn bitte noch mehr terrormäßig sein?
Rummel

Nanitenwaffen? Nein, ohne Scherz: Der Fall dieser Busentführung ist klassisch für das Label-Problem, dass zunehmend viele Gruppen durch die Sprawlguerilla oder auch einzelne Aktivisten kriegen. Ich habe selbst AntZ! Aufnäher auf der Kutte, und zwar wie die meisten deshalb, weil ich es nicht einsehe mich hier von vorbeifahrenden Bussen aus fotografieren und als seltsames Tier begaffen zu lassen. Die Argumente der AntZ! Initiative sind gut und stichhaltig, und mehrere Anträge im Rat gehen auf Anregung der Initiative zurück. All das spielt aber keinerlei Rolle mehr, wenn AntZ! über Nacht zur Terrorzelle umgefönt wird. Oder schlimmer noch: Wenn die Terroristen da im Bus am Ende noch nen AntZ! T-Shirt tragen und sich somit ein Label zueigen machen, deren andere Träger gar nix mit der Bus-Aktion zu tun haben und diese auch voll daneben finden. AntZ! wäre nicht die erste Gruppe, die im politischen Diskurs so bequem entsorgt würde.
Tolstoi

Fakt am Rande: Der Rat wollte sich Ende des Monats mit der Anarchietouristikproblematik beschäftigen.
Fienchen

Ach, jetzt sollen wohl wieder die bösen bösen Konzerne die geheimen Drahtzieher des Terrorangriffs sein? Klar! Die Verunglimpfung von ein paar Dampflaberern lässt sich am Besten durch Irre mit Sturmgewehren erreichen, und die Bilder toter Geiseln im Trid sind die beste Werbung für Anarchotourismus, den die Konzerne natürlich supergeheim fördern! MANN, seid ihr PANNE!
Nakaira

Diese begann heute gegen 13:00 Uhr, als 4 Unbekannte einen Touribus von Riedel an der Herzbergstraße anhielten und sich gewaltsam Zutritt verschafften. Nach allem, was man weiß, war mindestens eine Person an Bord des Busses ebenfalls Mitglied der unbekannten Partei, konnte aber das Auslösen des stillen Alarms des Busses und gut eines Dutzend Panikknöpfen der Touristen an Bord nicht verhindern. 

Trotz bestehender Abkommen zwischen dem Touristikunternehmen Riedel und den Kiezwehren der üblicher Weise angesteuerten Gebiete gelang es den Touristen, den Bus aus dem Gebiet Fennpfuhl zu bewegen, wobei allerdings die Räder des Fahrzeuges z.T. schwer beschädigt wurden. Noch während der SST Einsatzstab überlegte, ob und wenn ja wie ein Eingreifen erfolgen sollte, erreichte der Bus das Gebiet Falkenberg, wurde aber beim Abbiegen auf die verlängerte Wuhletalstraße von Einheiten der Nationale-Aktion-nahen Falkenwehr angehalten, offenbar im Bestreben Wegzoll zu kassieren. An dieser Stelle kam es zu einem ersten Schusswechsel zwischen Geiselnehmern und Kiezgardisten, in deren Verlauf der Bus die Fähigkeit zu fahren verlor.

Inzwischen deutet alles darauf hin, dass sich die Geiselnehmer im Bus mit wenigstens 31 Touristen und dem Busfahrer verschanzt haben, während die Falkenwehr das Fahrzeug umstellt und festgesetzt hat. Das Eintreffen von Drohnen der Tridsender hat die Situation offensichtlich verschärft, sehen die Saubermänner von der Falkenwehr samt ihrem „Führer“ Stahl doch eine perfekte Gelegenheit, sich im Trideo als Wächter der Ordnung zu profilieren.

Lauscher aus der ARtack! Community berichten gleichzeitig, dass die Geiselnehmer Verhandlungen mit den Söldnern der Sevet-Gruppe aus den Wohnblöcken östlich der Märkischen Allee aufgenommen haben. Unabhängige Drohnenrigger melden, dass sich Scharfschützen der Söldnergruppe auf den Hausdächern eingerichtet haben. Andere Beobachter melden verstärkte Tätigkeit im Luftstützpunkt Humboldtbunker, die auf einen baldigen Start der dort stationierten Polizeieinheiten hindeuten. Dem Motorengeräusch nach werden auch die Triebwerke des Banshee aufgeheizt.

Das wird sehr, sehr eklig werden.
Rummel

Jup. Und vor allem wird es egal wie die Sache ausgeht als weiterer Beweis dafür herhalten, dass Berlin mehr zentrale Kontrollen und Polizeipräsenz in den alternativen Bezirken braucht. Ich hör schon Schmidt seine Rede einstudieren.
Der_Kreuzberger

Hä? Dein Schmidt macht ne Rede? Hast Du nen Job in der Sache?
Augustinermönch

Ich mutmaße mal er meint Alexander Schmidt. Und da mutmaßt D_K völlig richtig: Tatsächlich verfolge ich grade eine „spontane Stellungnahme“ von diesem PNE-Kotzbrocken. Besonders heimtückisch: Er appelliert an die „besonders stark metamenschlich durchsetzten“ Sevet, sich doch „ihrer Menschlichkeit“ zu erinnern, und er vertraut darauf dass „selbst diese“ nicht soweit gehen werden, Leute zu decken die Unschuldige Frauen und Kinder als Geiseln nehmen.
Tolstoi

Die Bühne ist bereitet.
Nakaira

Das wird sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr eklig werden.
Rummel

Diese Modemasche der Konzerner – wie generell Sprawling/Underdogging – ist natürlich saublöde … aber die jenigen, die meinen, Aktionen wie die Geiselnahme hier wären für alle, die sich auf bezirkspolitischer Ebene kritisch mit dem Thema auseinandersetzen und den Missbrauch von Unterschicht-/Alternativ-Stadtteilen als Menschenzoo gerne eingeschränkt oder abgeschafft sähen, extrem kontraproduktiv, haben natürlich vollkommen recht! – Das spielt Recht-und-Ordnung-Fanatikern wie diesem PNE- und FBV-Heini nur in die Karten! Nebenbei: weil ich grad den Newsbeep rechts gescannt hab: WTF hat die ETA aus Euskal Herria mit eurer Berliner Sonder Schutz Truppe vom Stern zu schaffen? – Oder steh ich da bezüglich Abkürzungen auf’m Schlauch?
CuriosityThrillsTheCat

Letzteres. ETA meint hier „Estimated Time of Arrival“, also die erwartete Ankunftszeit. Angekommen sind die Sternschnuppen übrigens nicht (weiß nicht ob ihr die weiteren News verfolgt habt, ggf. linke ich heut noch einen der korrekteren Newsartikel) – wie es ausschaut hat irgendwer im Kommando (und zwar nicht im Sternschutz, denn die hätten sich never ever die Butter vom Brot nehmen lassen) den Einsatz abgebrochen und stattdessen der Falkenwehr als „alternativer Polizei vor Ort“ eine Art Sonderetat gegeben, das Problem zu erledigen (bisher ist die Anerkenntnis von Kiezwehren oder lokalen Gangs als Ersatzpolizei stillschweigend geduldet, aber niemals offiziell anerkannt worden – wird spannend sein zu sehen, wie dieser Move jetzt interpretiert und gerechtfertigt wird). Vor allem tät mich interessieren, wer das angeordnet hat. Ünsel wäre im Bezirk am Drücker – wenn die Weisung von weiter oben kam, kann sie nur von Wojenko selbst gekommen sein. Obwohl … vielleicht hat auch die Ratskanzlei ihre Finger im Spiel.
Tolstoi

Se’Seta‘iote. Also, für mich sieht das nach einem Job der Dawkins-Gruppe aus. Ein, zwei Sprecheradepten bei den Ants eingeschleust, die denen sagen wie sehr die bösen Kons es verdienen, vielleicht ein oder zwei Aktionen in Touribussen die die Touris anstacheln sich besonders daneben zu benehmen, um auch moderatere Ameisen und vormals neutrale Alternative zu ärgern … vermutlich ist keiner der Dawkins-Operatives bei den Kidnappern bei, aber ich wette einer oder mehrere schlafen mit welche von denen. Üblicherweise sind das zwei oder vier, die zusammenarbeiten. Ach ja, ist das vielleicht ein Versuch der Betonköpfe der Anarchos, sprich Tichonow? Letzterer hat sich doch letztens lange mit einem Repräsentanten von Horizon unterhalten, oder erinnere ich mich da falsch? Wäre besonders perfide, wenn sie ihn dahin gebracht hätten – denn egal, ob ihr Plan aufgeht (und die Alternaiven wieder komplett in der Terrorecke landen, oder zumindest die die nicht zu Tichonow halten, der ja bei diesem Event auch mit der Regierungsprominenz gesprochen hat ), oder ihr ihn vereitelt (und die moderaten Alternativen und Tichonows Radikale sich zerfleischen), das Ziel von Horizon wird erreicht – die Alternativen, die nicht in ihr Konzept passen, werden empfindlich geschwächt.
Macha

Oh ja, die allmächtige Dawkins-Gruppe wieder. Das Schlimme an Konzernen wie Horizon ist, dass sie euch nie den Gefallen tun werden tatsächlich mit Terroristen zu dealen oder derartige Scheiße anzustellen, die Konzernweltverschwörungstheoretiker immer wieder zusammendichten (dieser Style bleibt Japankons und gewissen Mittelamerikanern überlassen). Horizon fährt als King of Spin weit besser damit, sich einfach aus den jeden Tag einprasselnden Meldungen zu bedienen und jene zu highlighten, die in deren Programm passen, sowie solche Meldungen kleiner und unbedeutender zu machen (oder mit Rauchbomben widersprechender Gutachten zuzupflastern, bis jeder das Interesse verliert) die nicht in ihre Agenda passen bzw. die Klienten des Kons beschaden könnten. Horizon und se iwil Doakinzgruhb braucht keine Meldungen künstlich zun generieren, um Anarchos schlecht aussehen zu lassen. Das schaffen die ganz alleine!
Nakaira

Hotspots 2

// gepostet von ZOÉ //

Hallo zusammen! Bei meinen Wanderungen und Amokfahrten durch Berlin fallen mir gelegentlich Orte auf, die bisher irgendwie von anderen Guides und Files übersehen wurden und daher ein ziemliches Schattendasein (ha, ha) führen. Hier kommen ein paar von ihnen, kompakt und straight aus der Memofunktion meines Links.

Blu Door
Mitte (Mitte) – Niederlagstraße 18

Leicht zu übersehen, da außer durch einen dezenten blauen ARO Frame nicht gekennzeichnet, ist das Blu Door ein Insidertipp für die Schattenszene der Stadt: Nähert man sich der Tür mit dem korrekten PAN-Profil eines auffällig Unauffälligen und besteht man den Gesichtstest des geradezu gespenstisch empathischen Türstehers, erhält man exklusiven Zutritt zu einer rauchigen, dunklen Club-Bar, in der quasi nur jene Zutritt zu haben scheinen, die ihre gut sitzenden Designerlabel-Anzüge ohne Verwendung einer SIN erworben haben. Der Umgangston unter den Gästen ist höflich und professionell – exzessives Trinken werden ebenso wie Zurschaustellung unnötiger Gewalt oder drogeninduzierter Taffness mit freundlichem, aber bestimmten Rauswurf quittiert. Betreiber des Blu Door ist der 2068 zur Ruhe gesetzte zwergische Magier und Ex-Schattenläufer Hakim, der auch die exzellente magische Absicherung der Kellerlocation verantwortet. Die Türsicherheit übernehmen die wölfischen Gestaltwandler-Zwillinge Natascha und Kaira.

Die Kundschaft im Blu Door ist so exklusiv, dass es nach wie vor berechtigte Zweifel daran gibt, ob überhaupt je schonmal wer drin war. Jedenfalls scheint niemand jemanden aus erster Hand zu kennen, der tatsächlich eingelassen wurde, und sollte es dort draußen jene ominösen „Profi-Schattenläufer“ geben, die zur Klientel des Blu Door gehören, halten diese offenbar über diesen Umstand dicht.
Konnopke

Cyberia
Metropolis (Charlottenburg-Wilmersdorf) – Kurfürstendamm 123

Im 52. Stock des Metropolis Arkoblocks gelegen, bietet der chillige Danceclub Cyberia sowohl einen atemberaubenden Blick über das westliche Berlin als auch die besten Sounds der E-Musik von Berlin. Sämtliche der Top-DJs der Stadt geben sich im Cyberia die Klinke in die Hand, und auch der Megastar der 2050er selbst soll das ein oder andere Mal im Club gesehen worden sein. Cocktail-Highlight des Clubs ist der „Cryo“, ein in kühlem blau leuchtender Drink in einem hexagonalen Shot-Glas, dessen metallisch bedampfter Rand so geladen wird, dass eine hauchfeine Nebelwolke schwerelos über der Flüssigkeit zu schweben scheint.

Cyberia. Die Musik meiner Jugend. Schade, dass die sich so schnell ausgebrannt hat. Für alle Kids, die sie verpasst haben: Cyberia startete praktisch als Mercurial-Klon, der sich auf die Flagge geschrieben hatte „echter“ und „härter“ als diese und alles zu sein, was je auf der Bühne stand. Wie Mercurial haute sich Cyberia mit Cyberware voll, wählte aber statt elegant verchromter Idealbeine und -arme lieber tierhafte invertierte Klauenbeine, einen funktionalen Greifschwanz-Schrägstrich-Peitsche und Ripperklauen mit Widerhaken plus Fangzähne und Chromaugen. Zugepumpt mit allem, was die Fünfziger an Audio-Cyberware und Glo-Tech hergaben, hatte sie ihren vorhersehbaren Cyberpsychoabsturz bei einem Gig in Köln, bei dem sie ihren Gitarristen auf der Bühne abschlachtete und mit allen 36 ausgefahrenen Cyberklingen ins Publikum hechtete. Danach ging sie in Reha bzw. Sicherungsverwahrung, wurde von der DeMeKo fallengelassen, heuerte aus der Klinik heraus ein Schattenteam für ihre Extraktion an und tauchte in Berlin ab, wo sie ihre letzten drei Songs beim Untergrundlabel „Welthass Rekortz“ releaste („Fleischsklave“, „Blut für den Cybergott“ und „Chromschmerz“) und endgültig verschwand. Seit 2063 hat sie niemand mehr gesehen (naja, außer Sichtungen im Elvis-Stil).
Russenrigger

Automag und Hinterhof
KuDamm Mall (Charlottenburg-Wilmersdorf) – Kurfürstendamm 88

Das Automag ist eine Kneipe mit altanarchistischem Charme, deren Decke über und über mit an Schnüren aufgehängten, leergeschossenen Magazinen bedeckt ist. Die Musik ist Oldschool Aggrorock, und passend zur Musik aus dem Loader spielt die ARO Bilder aus dem alten Anarcho-Berlin ab. Wer dem Typ hinter der Bar (Enrik (Ork) oder Khaos (Zwerg)) glaubhaft machen kann, ein Insider der Schattenszene zu sein und Zugang zu Schockwellenreitern, Panoptikum, Arachnet oder Ähnlichem zu haben, kann Zugang zum „Hinterhof“ bekommen, einer angeschlossenen (Halb-)Schattenlokalität in einer Altbauwohnung zwei Flure nach hinten. Dort gibt es anarchistische Poetry Slams, Schwing Live, vor allem aber eine atemberaubende Auswahl an Zigarren und anderer Rauchware, Atemfilter für Nichtraucher und abenteuerliche Drinks, die nur in alten Konservendosen ausgeschenkt werden.

Hey, der Locationtip ist z.T. von nem Beitrag von mir im B!Tipp gecopied!
Guttenborg

Wakk-O
Prenzlauer Berg – Konfuziusstraße 14

Japans Hauptexportartikel bleibt der galoppierende Wahnsinn. Ob Visual Kei, NuFurries, Chrome Lolitas, Yamanbas, Sleazy Samurai, Chanwaru oder Kogal Bunhop – wo immer Japaner in größerer Zahl anzutreffen sind, gibt es auch isolierte Vertreter extremer und exotischer Fashion- und Biosculpting-Trends. Keinen kann es wundern, dass Berlin – genauer: Renrakus Prenzlauer Berg – einen besonderen Hotspot für Vertreter dieser abseitigen Trends darstellt, egal ob diese sich gezielt ins freiheitliche Berlin versetzen lassen oder aufgrund ihrer bekannt gewordenen „Macken“ in diese Stadt des Absonderlichen versetzt werden. Das Wakk-O in der komplett am Reißbrett entstandenen Konfuziusstraße ist eine Megamall der Absonderlichkeiten, die dem Liebhaber exotischer Trendfashion fern der Heimat heiß begehrte Einkaufsmöglichkeiten und dem geneigten Touristen was zum Gaffen und Kopfschütteln gibt. Das Wakk-O ist schrill – und das ist noch geschmeichelt. Jeder Laden, jeder Club, jede Bar, jeder Chatplace in dem 12-stöckigen schwarz verspiegelten Glaspalast ist bis ins kleinste Detail auf die Vorlieben „seiner“ Szene eingestellt. Und so findet sich die düster-muffige Gothic Lolita Bar „Hellthing“ Tür an Tür mit dem schreiend pinken Rollschuh-Ganguro-Solarzellen-Cocktail-Tanzpalast „Kawaii!“.

Aah, das Wakk-O. Der einzige Platz, wo man sich auf Synthacid fühlen kann, ohne was genommen zu haben.
Rasierklingenschorsch

Oder wo man auf Synthacid sein kann, ohne es zu merken.
Staaken Schnaake Topkilla 666

Brennpunkt Wedding

Wild Wild Wedding

// Dateiupload von TOLSTOI // 20.10.2073 – 09:00:00

Im Hintergrund schmurgeln fröhlich die letzten Leiterplatten und Hubs: ich gehe also davon aus dass wir die Lücke in der Kabelmatrix wie geplant morgen vormittag schließen und ab dort dann schrittweise auch der aktuelle Berlin Upload online gehen wird – kann aber sein, dass wir den zwischenzeitlich über den Schattenknoten in Essen umleiten müssen und das File ein paar Tage lang nur via die dortigen Sprawlguerilla Zellen zu beziehen sein wird.

Anyway. Damit euch die Zeit bis dahin nicht GAR so lang wird, folgt hier der aktualisierte Upload zum Status Quo des Wedding 2073 – einer Gegend, die formal zu Mitte und damit zum gesicherten Konzernwesten zählt, tatsächlich aber noch immer viel vom alten Anarchowedding hat und das wohl auch noch einige Zeit behalten wird. Dass Industrial-mäßiger Abriss und „In Sein“ auf Konzernseite durchaus zusammengeht, zeigt ja unter anderem der ARlebnis Club „Himmel & Hölle“ in der Westhafenstraße 1, der letztlich nicht trotz, sondern gerade wegen seiner Nähe zu solch berühmt-berüchtigten Orten wie der Massenstrafanstalt Plötzensee einiges an Buzz und Publicity generiert (das H+H wird im Berlinfile ausführlich und mit Floorplan behandelt).

Den „wilden Wedding“ deshalb aber gleich als nordberliner Gegenentwurf zu Kreuzberg zu sehen, wie ich es jüngst in einer AR Gazette las, well, das scheint mir arg an den Haaren herbeigeholt. Schon viele Eventinvestoren und Location Scouts haben den Wedding durchforstet und manches Großprojekt wortreich ins Leben gejubelt, nur um allzu bald wieder zu scheitern:  Obwohl offiziell dem Westen zugehörig, steht der klassische Arbeiter-, Tagelöhner- und Minderheiten-Bezirk keineswegs auf der Prioritätenliste für Konzernprojekte, und der Weddinger ist sowas Ähnliches wie ein Berliner auf Steroiden was die kalte Ablehnung von „zugezogenen“ angeht, weswegen Pöbeleien aller Art – auch handgreifliche – immer wieder in den Newsfeeds auftauchen und Gäste verschrecken.

Der ganze Wedding ist gespickt mit Investitionsgräbern irgendwelcher Schicki-Micki-Clubs und -Restaurants, in deren Ruinen dann wieder Kebap-Läden oder glitzernde Arabdiskos eingezogen sind. Dass der eine Teil des brav arbeitenden Weddings in die Alkoholsucht abkippt und die andere Hälfte des offiziell arbeitslosen Weddings mit vergoldeten Radkappen in „Kein Alkhohol“ Shishapinten hockt und immer mehr Jyhadisten heranzüchtet macht die Lage nicht besser: Hier entsteht ein massiver Krisenherd. Nicht Kleinistanbul, mehr Kleinbagdad.
Radowski

Zustimm. Vor allem deshalb, da die Arabs und anderen Islamis im Wedding – wie etwa die dort massiv zahlreichen Kurden und Schwarzmeer-Anrainer – nicht das Geringste mit der Maffiya der Wölfe zu schaffen haben: das ganze unorganisierte Verbrechen im Wedding ist auf Dutzende Familienclans und Banden verstreut, die sich aus den diversesten Gründen untereinander hassen wie die Pest – ein ständiges Brodeln, in dem es nur den Vory um die Drachin aus den Osramhöfen hinaus gelingt, irgendwie sowas wie neutral und für alle als Geschäftspartner akzeptiert zu bleiben.
Rakatakist

Ein Schelm, wer das für keinen Zufall hält: Die Drakova und ihre Schergen heizen die Fehden bei Bedarf gerne an, um die Cliquen zersplittert und damit klein zu halten. Andererseits ist die Drachin die erste, die Front gegen den „gemeinsamen Feind“ der Grauen Wölfe macht, sobald die versuchen ihre alten Pfründe im Norden wieder zurückzuerobern. Wedding ist Krieg, Mann.
Der Nauener Kiezrambo

Stimmt schon: Der Wedding ist vor allem eines, nämlich völlig versplittert, ohne ein einheitliches Feel oder eine Dominanz irgendeiner Gruppe. Aus dem ganzen Mischmasch aber nur gelegentliche Clashs zwischen besoffenen Aggro-Arbeitern und abstinenten Aggro-Islamisten abzuleiten – oder alles auf die Clans zu schieben – greift zu kurz. Unterm Strich ist der Wedding ne Arme-Leute-Gegend, dessen Mieten gerade wieder mal nach oben pegeln im Bestreben, die Assis aller Nationalitäten – Deutsch inklusive – an den Rand in die Billigneubaublocks zu schubsen, damit der Wedding schön planiert und neugebaut werden kann, ganz wie Renrakus Prenzberg. In Falkensee sind noch Wohnungen frei.
Fabulous Fabian

Das Hauptbremspedal der Entwicklung – nur meine Meinung – ist weder der soziale Sprengstoff jenes Prekariatsgebietes noch die Clashs der Verbrecherfamilien, sondern die überhastet gebaute Autobahntrasse des Innenstadtrings! Denkt doch mal nach: Das, was früher mal die Seestraße und quasi die Hauptverkehrsader des Wedding war ist jetzt aus Sicht des Wedding ne einzige große Mauer, eine einzige Speedpiste, die platt links und rechts mit Lärmschutzwänden abgeriegelt wurde und erst zur Bornholmer Brache hin auf Pfeiler gelegt wurde. Durch diese Bauweise wurden die Möglichkeiten, Verkehr in Nord-Süd-Richtung über diese Achse zu leiten, empfindlich reduziert: Beusselbrücke und die Unterführungen Müllerstraße, Reinickendorfer Straße und Prinzenstraße sind die einzigen Punkte, an denen der Verkehr von der Innenstadt in die nördlichen Gebiete fließen kann, und der große Rest des Wedding ist ob von Norden oder Süden her „Sackgasse“ bzw. „Verkehrstasche“ mit dem Rücken zum Innenstadtring. Hier haben sich die Stadtplaner einfach mal ein Ei gelegt, da sie Innenstadtgebiet mit gutem Immobilienwert einfach mal verbaut und verschrottet haben.
Konnopke

Die Frage ist, ob das immer so bleibt. Klar wäre es von Beginn an besser gewesen die Trasse eine Etage tiefer zu legen und dann wie bei der neuen Messe einfach ne (schweineteure) Transplexebene drüberzuziehen, also ne Art Weddinger „Seelichtplatz“, an dessen Rändern dann supi hätten Läden und Cafés etc. entstehen können. Damals – noch zu Konzernwesten/Anarchoosten-Zeit aber war der Wedding sog. „Erschließungsgebiet“ und damit ein reiner Arbeiterbezirk, dessen Verkehrspolitik sich mit „Anständige Leute von A nach B schnell durch die schäbiogen Bezirke leiten, ohne dass diese sie überhaupt zu Gesicht kriegen“ reduzieren lässt. Städteplanerisch meinethalben kurzsichtig, aber angesichts des Umstandes dass Mitte der Sechziger Reinickendorf noch voll das Anarcho-Höllenloch war auch irgendwo verständlich. WENN im Wedding aber irgendwann mal die Mitte ankommt, werden „die“ sich auch für das Problem des Nordrings was einfallen lassen, da darfst Du Deinen VolksKOMM-verlinkten Arsch drauf verwetten.
Codebreaker

It wuz a / nice fight / in da / Wild Wedding…
Bomberman

Innerhalb der Neuen Ökonomie des geeinten Berlins scheint dem Wedding vielmehr eine nahtlose Fortführung seiner angestammten Rolle bestimmt zu sein: Überall im Bezirk ragen Baukräne in den Himmel, zeugen Schilder von kommenden Bauprojekten, die sich allesamt mit dem Begriff der „Sammelbehausung“ überschreiben lassen. Wedding soll ein Bezirk sein, in dem billige Arbeitskräfte für die alten und neuen Fabriken der Industriesektoren wohnen und ihr mageres Geld auf konzernwirtschaftliche Art und Weise zum Lebenserhalt zurück in den Kreislauf spülen sollen.

Offiziell lesen sich die Konzepte etwas freundlicher. Vor allem die Hortbau von S-K errichtet hier moderne Stadtwohnungen im jungen Herz der für ihre Freiheit berühmten Metropole Berlin: Hier spielt das Leben, hier stimmt die Mischung aus Wohnen, Arbeiten, Kultur und Freizeit. Hier hat man beste Verbindungen per Bahn, Auto … und kann dabei wunderbar ruhig und erholsam leben. Wedding, wer denkt da nicht an den bunten Wochenmarkt auf dem Leopoldplatz oder den großen Abenteuerspielplatz am Nauener Platz und den grünen Schillerpark. Die unzähligen Cafés und Kneipen, die den Straßenraum vereinnahmen, südländisches Flair aus 1001 Nacht verbreiten und dabei ganz unkompliziert zu Fuß erreichbar sind zeichnen die Vision des urbanen Wohnens mit kurzen Wegen zum Arbeitsplatz und bequemem, stadtweiten Zugang durch das perfekt ausgebaute Einschienennetz der Berliner M-Bahn“. Man versucht also durchaus nicht nur unterste Gehaltsstufen à la BV, sondern auch Besserverdienende à la Olymp(TM) zu ziehen. Eine Olymp(TM)-Anlage ist übrigens unweit des Gesundbrunnens im Bau und Teile von ihr werden 2074 bezugsfertig.
Konnopke

Den Weddingern ist dies natürlich bewusst – aber in einem „Bezirk ohne Hoffnung“ sind Aussichten auf eine bessere Zukunft rar, und das Los eines Billiglöhners in einem polizeikontrollierten Sektor mit regelmäßiger Strom-, Wasser- und Gasanbindung (und Müllentsorgung!) erscheint vielen immer noch die bessere Alternative zu den Zuständen im „freieren“ Osten und den alternativen Bezirken zu sein.

So wartete die BERVAG erst kürzlich mit der Erfolgsmeldung auf, dass 85% des im Bau befindlichen Wohnraumes bereits vermietet sei – eine Zahl, freilich, über die Medienskeptiker nur lachen können, vernichtet doch jedes Bauprojekt im Wedding zugleich alten Wohnraum, so dass der steigende Bedarf nach neuen Wohnungen im Wedding nun wirklich niemanden überraschen kann.

Ehrlich gesagt überrrascht sie MICH. Denn von den 100% Mietparteien, die in einem Räum-Haus wohnen, brauchen danach nur noch 50% nen neuen Mietplatz. Der Rest ist tot, auf der Flucht oder im KZ!
Bomberman

Fängstu schon wieda mit dem KZ Stuz an? Ichab dia doch gesagt das det Stuz is Alda, höma!
Jaque Viose

Nenn’s wie du willst. Plötzensee isn KZ. Basta!
Bomberman

Der Weddinger

Die Bewohner des Wedding sind zum ganz überwiegenden Teil der Unterschicht zugehörig. Nach den Eurokriegen entfiel der größte Teil des überaus hohen Ausländeranteils auf Flüchtlinge aus dem osteuropäischen Raum (vor allem Polen, Tschechen, Litauer und Russen). Unter dem Eindruck des zuvor bereits hohen Anteils von Islamisten – und Dschihadisten – hat sich der Anteil aber immer mehr in Richtung Südosteuropäer und Mittlerer Osten verschoben, so dass heute zumindest gefühlter Maßen vermehrt muslimische Rumänen, Bulgaren, Ukrainer, Georgier, Armenier, Syrer, überhaupt verschiedene Arabergruppen und die im südlichen Berlin verhassten Kurden den Wedding bevölkern. Auch der Anteil der Metamenschen ist im Wedding noch etwas höher als in anderen Bezirken, wobei Orks die größte lokale Gruppe innerhalb der „Metas“ bilden.

Entsprechend stellt sich auch die Kiez- und Policlub-Szene des Bezirkes dar: Ganze Kieze sind mehr oder weniger strikt nach Nationalitäten bzw. Rassenzugehörigkeiten unterteilt. Reibereien sind an der Tagesordnung und diese gehen in der Nacht auch schonmal in Messerstechereien oder gelegentliche Schießereien über (in jeder anderen Gegend des Vorzeigebezirkes Mitte undenkbar!). Größere Ausschreitungen sind hingegen eher selten.

Klingt ja schwer nach gecopypasted ausm Konzernpropagandablatt! Unterschicht = Ausländer und Metas, und natürlich sind „die“ gleich so primitiv dass es Clashs gibt.
Khan

Tut mir leid dass die Realität rassistisch ist, aber das sind nunmal die Facts.
Tolstoi

Weiß ich. Trotzdem nervt es mich. Denn: Wenn Norm-Deutsche auf Metas und Ausländer eindreschen fällt es aus der Statistik, denn Norm-Deutsche haben ja dafür ne Uniform an und dürfen das.
Khan

Solln das fürn Drekargument sein???
Bomberman

Mann, rechne es doch nach. Wenn du eine Statistik über „Reibereien“ zwischen Nationalitäten und Rassen erfassen willst, musst du ja wohl auch Clashs zwischen Bullen und Konzernen und Straßenleuten mitnehmen. Tut aber keiner, denn wenn uniformierte deutsche Norms in irgendwas reinprügeln was nicht deutsch und Norm ist ist es ja kein Rassen/Nationslitätenclash, sondern ein Polizeieinsatz.
Khan

Du, das ändert jetz aber nix daran, dass der Wedding in der Statistik abstinkt? LTIC war Wedding auch bei Polizeieinsätzen vorne mit dabei. WEIT vorne
Bomberman

LTIC?
Sp00qd

Last Time I Checked
Mr. Nosewise

Mag ja sein, aber das kommt ja nur weil die Bullen hier EINREITEN, gezielt UM Auf Fresse zu geben.
Khan

Eigenarten

Charakteristisch für den Wedding sind neben kleinen osteuropäisch- bis arabischen Cafés und geschlossenen „Vereinslokalen“ der verschiedenen Policlubs vor allem die starke F-Prägung des Bezirkes: In fast jedem Haus gibt es private Kneipen, Hinterhof-Geschäfte, „Produktenlager“ oder ungemeldete Handwerksbetriebe und Geschäfte. Sind diese Kleinstgeschäfte samt ihrer zahllosen Werbetafeln an der Hausfront in den alternativen Bezirken des Ostens ein mehr oder weniger alltäglicher Anblick, sorgt die größere Wifi-Abdeckung des Konzernsektors Mitte, zu dem der Wedding nunmal gehört, für zusätzliche Irritation:

Bar jeder amtlichen Regulierung hat ein Werben um Aufmerksamkeit der Kleinstgewerblichen eingesetzt, das Teile des Wedding zu einer vollwertigen „Spam Zone“ macht. Kaum ein Hinterhofgeschäft oder Kellerbordell, keine Kleingartengenossenschaft oder Textilmanufaktur, die nicht per aufgerüstetem Trash-PC Spam-Postings per Wifi in die Kommlinks der Passanten blasen würde. Und kaum eine Gegend, wo bestehendes Wissen um die Umgehung von Spamblockern so bereitwillig ausgenutzt wird, dass selbst leistungsfähigere Blocker-Systeme umgangen werden.

Nur falls ihr euch fragt: Ja, hier wurden grade irre Menge Spam rausgelöscht. Keep Shadowbuzz clean!
Whit Rogerer

Behördliches

Trotzdem der Wedding auf allen Maps als Teil des Konzernsektors Mitte geführt wird, ist er de facto noch mehr Anarcho-Zone als Konzerngebiet. Dem entsprechend ist es auch die Sternschutz Spezialeinheit der Sonderschutztruppe SST , die für die Sicherheit im Wedding sorgt. Und das mit sehr viel Nachdruck:

Zu den Hauptaufgaben der SST gehört es im Wedding, Wohnblöcke für den Abriss oder die Neubelegung nach Sanierung „vorzubereiten“ – was im Klartext heißt, die in der Regel ebenso widerrechtlich dort hausenden wie auszugsunwilligen Bewohner des Gebäudes aus selbigem zu entfernen.

Inzwischen gibt’s im Wedding recht gute Vorab-Infos was diese Räumungen angeht. Die SST hält natürlich den Deckel drauf, aber von Seiten der betreffenden Immobilienportale oder Baugesellschaften sickert eigentlich immer was durch. In aller Regel sind die sogar blöde genug, vorher nen Newsletter rauszuhauen, in dem sie ankündigen dass „damit gerechnet wird, dass die Bauarbeiten des neuen Wohnparks xyz am so-und-soten beginnen können“. Da brauchste natürlich kein Genie sein, um zu wissen, wann die Räumung ist.
Susie Sorgenvoll

Tagelöhner

Eine weitere Besonderheit des Wedding ist, dass in dem Ortsteil der innerhalb aller Konzernsektoren größte Teil der Tagelöhner lebt, die selbst eine Besonderheit des „freien Berliner Wirtschaftsraums“ darstellen: Im Rest der ADL eher unbekannt, haben megagroße wie kleinere Konzerne im „Rechtsfreien“ Raum Berlin das „Hire & Fire“ Prinzip weiter- bzw. zum vor-gewerkschaftlichen Zeitalter zurückentwickelt:

Ach – und anderswo nich oda was?
Bomberman

Schon, aber nicht in dem Ausmaß und in dieser ungeschminkt offenen Form.
Kyle Monologue

Jeweils vor Schichtbeginn fahren aus den verschiedenen Industriegebieten der Stadt und teilweise des Umlandes Pritschenwagen, Busse und Lkws – überwiegend ohne Markierungen – in den Wedding, um Arbeitswillige aufzusammeln. Hierbei steuern sie gewisse Fixpunkte wie z.B. den Leopoldplatz an, wo Arbeitswillige wie Verzweifelte zum Teil stundenlang ausharren, um auf ihre Chance für Kurzanstellung zu warten. Arbeit gibt es zwar genug, doch nie genug für alle: Nur den Stärksten und Rücksichtslosesten gelingt es, sich bis zum Fahrzeug der Werber vorzukämpfen – der Rest ist ein tagtäglicher Wettbewerb um das wenigste Gehalt, die geringsten Erwartungen.

Angeworbene Arbeiter bekommen auf der Fahrt zu ihrem Arbeitsplatz in aller Regel einen RFID-Chip unter die Haut geschossen, der nach Anstellung wieder entnommen wird oder sich (angeblich) von selbst deaktiviert. Der Chip erfasst genau die Bewegung des Tagelöhners auf dem Firmengelände, gewährt ihm Zugang zu den für ihn nötigen Bereichen, überwacht seinen Puls und seine Bewegungsintensität und alles, was sonst geeignet ist, seine Arbeitstätigkeit zu messen.

Am Ende der Schicht – die oft aus 20-30 Stunden Arbeit und mehr besteht – werden die Arbeiter beim Schichtleiter versammelt, erhalten ihre Kündigung samt „Zeugnis“ über ihre Leistung und ihre Bezahlung, die in der Regel mit irgendwelchen vorgeschobenen Argumenten und RFID-Statistiken nochmals nachträglich verringert wird. Sofern die Vereinbarung eine kostenlose Rückfahrt vorsieht, was meist, aber nicht immer der Fall ist, fahren die Arbeiter danach zu dem Punkt zurück, wo sie aufgegabelt wurden.

Schattenläufer, aufgepasst: das tägliche Durchschleusen immer neuer Arbeiter-Heerscharen durch die Fabriken schafft natürlich einen idealen Zutrittspunkt für Infiltrationen! Das wissen die Konzerne zwar, aber unterm Strich sparen sie mit dieser Praxis immer noch mehr Geld, als sie der gelegentliche Bruch kostet.
Khan

Ganz so easy wie es sich anhört ist es aber nicht. Klar kommst du mit all den anderen Arbeitern zusammen rein, aber den Eingangsscans entgeht kaum ein Implantat, und erst recht keine eingeschmuggelte Waffe. Selbst dein Kommlink wird dir abgenommen und „in einen sicheren Spind gesperrt“. Plus: der RFID-Chip den du bekommst zeichnet all deine Bewegungen auf und hat je nach Kon ne ziemlich sensible Anti-Tampering-Vorrichtung (es heißt, SK würde RFIDs unter die Haut an der Halsarterie schießen. Die „Knubbel“ am RFID sind kleine, fernzündbare Treibladungen!
Caruso

Diese Praxis, wiederum, führt rund um die Punkte, die von Werbern angesteuert werden, zu einer blühenden Szene von Destillen, Besauferien und Billigbordellen, um den Arbeitern das Geld möglichst schnell wieder aus der Tasche zu ziehen. Wie man hört, gibt es zwischen einigen der Werber bzw. deren Firmen und den Betreibern der Wirtschaften am Sammelpunkt „mafiöse“ Absprachen.

Trotz allem völlig berechtigten Geätze gegen die Scheißkons muss erwähnt werden, dass die Tagelöhner-Anstellung für viele Berliner nach wie vor die einzige Chance auf ärztliche Behandlung und ordentliche Reinigung darstellt: Viele, aber längst nicht alle Konzerne untersuchen Tagelöhner bereits auf der Anfahrt oder bei einer Art Eingangsschleuse zur Fabrik auf Ungezieferbefall und Krankheiten, manche schießen neben dem RFID auch Breitbandantibiotika oder (nach Messung von deren Notwendigkeit) Impfstoffe ein. Einige betrachten dies als sozialen und mildtätigen Beitrag, durch den sie das miese Gehalt schönen, andere sehen es als blanke Effizienz, durch die der Verbreitung von Cholera & Co. in Berlin Einhalt geboten und vor allem kein Ungeziefer in die Fabriken eingeschleppt werden soll. Ohnehin müssen die meisten Tagelöhner bei Ankunft in der Fabrik alle Klamotten und eigenen Besitztümer ablegen und schlüpfen in Fabrikoveralls – besonders engagierte Arbeitgeber wie Evo und MSI waschen sogar die Kleidung der Tagelöhner, während diese auf Schicht sind.
Konnopke

Wenn man das alle erwähnt, sollte man aber auch erwähnen dass die Nachrichtenabteilungen mancher Konzerne gern die Gelegenheit nutzen, in Abwesenheit des Tagelöhners Spyware auf dessen Link zu spielen oder dessen Klamotten zu verwanzen.
Kayla-B

Tausche lebende Wanzen gegen elektrische. Shicedeal! LOL.
Dutschke

Spyware aufs VolksKOMM spielen? Ist das nicht wie Eulen nach Athen tragen?!
Caruso

Der Leo

Wenn es so etwas wie das Zentrum des Weddings gäbe, wäre dies der Leopoldplatz samt Müllerstraße als „erste“ (oder eher „erstbeste“) Geschäftsadresse des Bezirkes. Als Faustregel gilt, dass je weiter von den Hauptstraßen entfernt sich etwas im Wedding befindet, desto verfallener und Anarcho-mäßiger ist es auch.

Äh – hallo, Bornemannkiez??
Bomberman

Faustregeln haben AUSNAHMEN.
Saskia

Nur vereinzelt erheben sich zwischen den verfallenen Altbauten neu errichtete Wohnsilos oder von hohen Mauern umgebene Konzerninstallationen, Letztere vor allem von Pharma- und anderen Biotech-Firmen, denen die ständige Verfügbarkeit williger Testpersonen vor Ort sehr gelegen kommt.

NovaTek – niemand weiß so recht, was auf dem Gelände der Firma NovaTek vor sich geht. Oder was diese eigentlich genau herstellt. Verschiedenen Matrix Sites ist nur zu entnehmen, dass sie sich mit technischen Innovationen im Bereich Wifi und VR beschäftigt und die so entwickelten Patente dann an andere Unternehmen verkauft. Das NovaTek Gelände im Wedding ist von einem 3m hohen Zaun umgeben, der scharf überwacht wird. Der auf dem Gelände liegende Block 3 ist das einzige Gebäude, zu dem Personen außerhalb der Firma (nämlich: Probanden) Zutritt haben.

Wie – keine Verschwörungstheorien? Ich bin der erste Poster?
Bomberman

Ich würde ja gerne, aber es gibt einfach keine soliden Infos, und bisher hat mich noch keiner dafür bezahlt, da einzusteigen. Bei nem früheren Lauf habe ich in nem Knoten mal nebenbei Daten geglimpsed, die sich auf NovaTek bezogen, sahen aber zu unspannend aus, um sie zu ziehen – nur Patentnummern und Kennziffern irgendwelcher Käufer.
Berlyn Bytes

Veggie-Ville – Die aus Tir Nan Og stammende Elianar Gruppe hat außer dem Metropolis in Berlin auch mehrere Wohnanlagen gezielt für elfische Mieter und Eigentümer entworfen. Im rohen Berliner Straßenjargon „Veggie-Ville“ genannt, ist die Anlage Sersakhan im Wedding der Versuch, die von Jahren des Raubbaus und der Umweltverpestung zerschundenen Grünanlagen der Stadt zu renaturieren und in ein „intelligentes Wohnumfeld“ einzugliedern. Die Sersakhan-Anlage wurde zwischen 2063 und 2067 gebaut und leistet eine über die Betreiberfirma organisierte „magische Betreuung“, mit deren Hilfe (und Einflussnahme auf lokale Geister) die umfangreichen Gartenanlagen zwischen den Gebäuden instand gesetzt werden. Im Gegensatz zu vergleichbaren Luxus-Anlagen in anderen Bezirken ist die Anlage Sersakhan auf den unteren Mittelstand zugeschnitten und somit ein Pilotprojekt für Massenbehausungen unter Berücksichtigung der Natur. Das ganze Projekt wird seitens der Elianar-Gruppe natürlich PR-mäßig ausgeschlachtet. Bewohner der Anlage sehen sich sowohl Aggressionen von Nicht-Elfen wie Elfen ausgesetzt: Erstere, weil diese in der „bevorzugten Wohnsituation“ der Elfen hier Rassismus sehen, Letztere, weil sie neidisch sind. Die „Veggies“ stehen zudem im Ruf, „Hippie-mäßige“ Gemeinschaften zu pflegen.

Volksbad Wedding – In der Zeit des Status F brach die flächendeckende Versorgung mit fließendem Wasser zusammen. Zu jener Zeit erlebten die Schwimmbäder der Stadt eine Renaissance als öffentliche Badeanstalten. Eine Funktion, die das Volksbad Wedding bis heute ausübt. Im Laufe der Jahre wurde das eigentliche Schwimmbecken zugeschüttet und durch neue Duschen für 300 und mehr Personen sowie eine umfangreiche Münzwäscherei ersetzt. Nun, da die Wasserversorgung im Wedding wiederhergestellt wird, ist das Volksbad von der Schließung bedroht, es sei denn es fände sich ein neuer Investor.

Tipp: Wenn du wen Taffes ausm Wedding angehen willst, warte bis er aufm Weg zum Bad ist. Die Schließfächer dort sind unsicher und das weiß auch jeder, deshalb nimmt kaum einer was Wertvolles mit – Waffen und Foki und so eingeschlossen.
Altaír

Am östlichen Rand der obigen Karte befindet sich der so genannte Asselkiez rund um den Monorail-Bahnhof Osloer Straße, die Endhaltestelle der M12. Der Kiez hat seinen Namen von einem Hochhaus am M-Bahnhof direkt an der Schallschutzwand der A100, auf dessen Dach die Buchstaben „ASSEL“ weithin sichtbar stehen. Dass der Schriftzug auf dem Dach früher einmal „KASSEL AG“ (ein früher Mobile Marketing Dienstleister) hieß, ist heute vergessen.

M-Bhf Osloer Straße – Die hier verkehrende M12 Richtung West wird auch Pendlerlinie genannt, denn sie verbindet den Arbeiterbezirk Wedding mit dem Verschiebebahnhof Zoo, von wo aus die weitere Verteilung auf die Arbeitsstätten in Wilmersdorf, Spandau/Siemensstadt und bis hinauf nach Bernau erfolgt. Vom einstmals schicken Design der M-Bahn-Wagen ist auf dieser Strecke nichts geblieben. Stattdessen verkehren zugesprühte, zerschlitzte, versiffte, mit grauen Platten verkleidete und mit Graffittis überdeckte Werkszüge mit tristen Plastikschalenbänken in den Monorail-Tunneln. Um zu den Zügen zu gelangen, muss man einen bewachten, mit schweren Gittern abgetrennten Bereich passieren. Neben den öffentlichen Zügen der M12 verkehren auf gleicher Schiene auch private Zubringer-Züge der Konzerne, die über neu angelegte oder wieder in Betrieb genommene alte Tunnel direkt die über die Stadt verteilten Fabriken erreichen. Im M-Bahnhof Osloer Straße zu erwähnen ist der Imbiss Swoboda, der russisches Fastfood zu akzeptablen Preisen und heißen Kwas mit etwa 12 Vol.% Alkohol in wiederbefüllbaren Tonkrügen verkauft.

Bierwirtschaft „Zur Assel“ – Am toten Ende der Jüdenstraße, direkt an der grauen Schallschutzmauer der ewig donnernden A100 gelegen, lädt die Bierwirtschaft Assel zum Verweilen ein. Man trifft sich in einem Raum mit einem blassgraurosafarbenen PVC-Fußboden voller Brandflecken von Zigarettenkippen, durch dessen getönte Plastscheiben kaum Licht fällt und dessen Petroleumlampen düster vor sich hin glimmen. Wände und Decke scheinen von einer Patina aus Nikotin gelb-braun gefärbt, erst auf den zweiten Blick erkennt man ein zartes Muster auf der einstigen (Kunst-)Stofftapete. Auf den Tischen und Stehfässern liegen kleine karierte Deckchen, es gibt Flaschenbier und selbstgebrannten Schnaps Marke Jabifu, dazu Schmalzstullen. Die Kundschaft sind Arbeiter, meistens Orks, und samstags gibt’s Stadtkrieg auf der Leinwand oder Heile-Welt-Filme von der großen Ferne, nach der sich jeder hier sehnt. Für ein Handgeld gibt’s einen privaten Raum im Obergeschoss – tatsächlich die Wohnstube des Betreibers – wo man sich trifft, um Karten zu spielen oder diskrete Geschäfte zu besprechen. Wenn das Wetter es zulässt, werden die Fenster zur Front hin geöffnet, um ankommende Laster aus den Fabriken der Konzerne zu sehen, die gegenüber im Wendekreis der Jüdenstraße eine ihrer kleineren Anwerbestops haben. Dann leert es sich in Sekunden, während die Arbeitssuchenden nach draußen drücken, ehe ihre Plätze von den abgekämpften Arbeitern von den Pritschen eingenommen werden.

Jüdische Klinik Berlin – das Krankenhaus hier ist alt und schon seit langer Zeit in Jüdischer Hand. Unbeeindruckt von den um das Haus wogenden historischen Veränderungen wird hier seit weit mehr als 100 Jahren medizinische Hilfe angeboten, und somit erfreut sich die Klinik einiger Beliebtheit. Trotzdem gibt es natürlich Fälle, die hier abgewiesen werden, meist wegen Überbelegung oder mangelndem Geld der Patienten. Für alle „Abgewiesenen“ haben sich in den Häusern gegenüber der Klinik, die ganze Jüdenstraße entlang, Ärzte, Knochensäger, Wundstecher und Heilkundige aller Couleur eingerichtet. Auch weil die Klinik über eine eigene Stromversorgung verfügt und die Jüdenstraße vom Klinikgelände aus nachts „mitbeleuchtet“ wird, gilt die engere Umgebung der Klinik als „bessere Adresse“ im „freien“ Wedding. Gerüchte, nach denen die Klinik nur jüdischen Patienten offenstehen würde, sind Unfug.

Vertrau Doktor Dau! Jüdenstraße 11, Hinterhof links, 3. Stock.
DerBravePatient

Schering Zentrum für Seuchenforschung – Um Überleben zu können, musste die Jüdische Klinik sich 2058 verkleinern. Das abgestoßene Gebiet wurde von einer koreanischen Holdinggesellschaft aufgekauft und bald darauf an ein medizinisches Forschungsunternehmen namens Klaas & Witt verkauft, das 2068 von der Schering MedTech Sparte aufgekauft wurde. Diese betreibt nun im Wedding eine in den ADL führende Forschungseinrichtung für Seuchenschutz und stellt mit ihrem Probandenprogramm einen wichtigen Weddinger Arbeitgeber dar. Zuweilen sieht man überwiegend metamenschliche Aktivisten im Umfeld des Zentrums gegen die Ausbeutung von Metamenschen für „Tierversuche“ protestieren. Auch dass Schering vorhabe, die „Seuche“ der Goblinisierung zu bekämpfen, wird immer wieder behauptet.

Diese Aggro-Demonstranten nerven mich. ECHT. Da wirste bepöbelt und beschimpft, einmal haben se mich vom SZ gleich zur Klinik rüberwuchten müssen, weil ich von nem Dreckspflasterstein ne Platzwunde anner Omme hatte. Hey, man, schön, dass ihr alle so viel freie Zeit habt, um hirnlos auf Demos zu rennen. Schonma dran gedacht, wie ich sonst meine 3 Blagen durchfüttern soll? Schering zahlt mir 15 fürn Piekser im Arm, 50 fürn Eingriff wo se Gewebe entnehmen tun, 100 im Monat wennse mir was geben oder einpflanzen tun. Der perfekte Job für nen alleinerziehenden Pa!
Wassil3554

Westlich am Volksbad Wedding beginnt der Schillerkiez, der sich rund um den gleichnamigen Park erstreckt. Der Schillerpark war einst eine grüne Oase in der Stadt – in den Jahren des Status F wurden aber sämtliche seiner Bäume von umliegenden Hausgemeinschaften gefällt und zu Brenn- oder Bauholz verarbeitet. Heute erhebt sich der Treffpunkt Schillerdenkmal über einer kahlen Matsch- und Flechtendecke, die von einer kleinen Schar von Jugger-Begeisterten als Trainingsplatz und Arena verwendet wird. Als „Chef“ des Kiezes und inoffizieller Oberboss der Gangs im Kiez gilt ein abnorm riesenhafter Troll namens Schiller, der sich in vergessenen Tunneln unter dem Schillerdenkmal eingenistet hat.

Westlich neben dem Park befindet sich eine Reihe von 6 Altbauten, die zusammen das Orkheim bilden. Hierbei handelt es sich um eine „geschlossene Wohngemeinschaft“, die sich weitesgehend autark gemacht hat: Kinder der hier wohnenden Ork-Familien werden durch im Haus wohnende Ammen und Lehrer orkischer Abstammung betreut, es gibt eine Kleidermanufaktur als hauseigenen Arbeitgeber, mehrere Produktenwohnungen und Läden, eine Werkstatt und in den Hinterhöfen werden Hühner und Kleinvieh gezüchtet und im Schillerpark etwas Gemüse angebaut. Man kennt sich, hilft sich gegenseitig und unterhält sogar eine Sterbewohnung für greise Orks jenseits der 40.

Es sollte bei all dem „die guten Orks helfen sich selbst Blabla“ mal erwähnt werden, dass die Orkheim-Orks auch mal ganz gerne als Horde umherziehen um zu plündern oder wen umzumoschen. Tun se zwar nicht nur aus reiner Lust an der Gewalt, aber das Interesse des Heims sehen die einfach über allem anderen – inklusive deinem Recht zu leben, wenn die grad nicht genug Geld haben, deren Kids hungern und du nen Zwanni in der Tasche hast.
Bomberman

Aldi Real Center Schillerpark – das größte Einkaufszentrum im Wedding ist das Center Schillerpark, das neben einem Aldi Real gigantischen Ausmaßes auch mehrere Imbisse, Lokale, drei Cafés, eine Kampfsportschule, eine Kegelbahn und ein großes Getränkeabholzentrum beherbergt. Die Security ist nach mehreren Plünderungen während der frühen Tage der Konzernherrschaft deutlich aufgestockt worden, und im Erdgeschoss erweckt das Center mehr den Eindruck eines Bunkers – ein wenig schönes Aushängeschild, dem man zunehmend mit Trideoprojektoren und Video Walls zu Leibe rückt.

Krematorium Seestraße – Zu den wenigen von der öffentlichen (Konzern-)Hand unterstützten Betrieben im Wedding gehört das Krematorium, in dem an jedem Tag der Woche zwischen 12 und 22 Uhr Leichen zwecks Entsorgung gegen einen geringen „Finderlohn“ abgegeben werden können. Die Abgabeprämie für Tote wurde zuletzt von 20,– auf 6,– gesenkt, in der Hoffnung, damit die Grenze endlich unterschritten zu haben, für die Leute bereit sind aus eigener Kraft für „Nachschub“ zu sorgen. Wie man hört, werden seit Neuestem auch ältere Leichen abgegeben, die zuvor aus anderen Städtischen Friedhöfen zum Teil im großen Stil ausgegraben wurden. Man spricht sogar von einer „Weddinger Leichenmafia“, die von den Medien scherzhaft als „Ghula Nostra“ oder „Yaghula“ bezeichnet wird.

Berliner Büchergilde – Zu den Einrichtungen, die am Schlimmsten von den Verwüstungen und Brandschatzungen in der Zeit des Status F betroffen waren, gehören neben Museen und Galerien auch Bibliotheken. Während bei ersteren reichlich Kunstfreunde und geldkräftige Mäzene zur Verfügung standen, um die wertvollen Gebäude zu sichern oder Objekte auszufliegen, blieb die Mehrzahl der Bibliotheken sich selbst überlassen. Die Berliner Büchergilde ist ein policlubartig organisierter Verein, der sich der Bewahrung antiquarischer Bücher (= vor 2000 erschienen) verschrieben hat. Die Gilde unterhält im ganzen Stadtgebiet einzelne Häuser, die ausschließlich Mitgliedern der Gilde zur Verfügung stehen. Gildenfremde können auch Einsicht in die historischen Schriften erlangen, müssen dafür aber „Tagesmitgliedschaften“ antreten, die wahlweise um die 750,– kosten oder „im Tausch“ gegen für die Gilde interessante Bücher erfolgen.

Wie jetz – ich reich denen nen zerfledderten Harry Potter rüber, und dafür bekomme ich Infos?
Fredd

Wer zum Geier ist Harry Potter???
Bomberman

Club Backdoor – Das Backdoor liegt in einem Hinterhof und zieht sich durch eine Reihe früherer Kohlenkeller, deren Wände und gewölbeartige Ziegelsteindecke größtenteils im Originalzustand belassen wurden. Der Besitzer des Clubs, ein Ork namens Karlov, ist begeisterter Automechaniker, der über sein Hobby in Kontakt zu verschiedenen Metallkünstlern gekommen ist. Diese haben im Laufe der Zeit allerlei Skulpturen (meistens aus Schrott) geschaffen, die nun im Backdoor ausgestellt bzw. als Einrichtung benutzt werden. Der Club hat keinen Strom, die Beleuchtung erfolgt durch Kerzen oder Petroleumlampen. Musik kommt, so überhaupt, von einem verstimmten Klavierautomaten.

Dr’aesis – Das Dr’aesis ist der heißeste Dance Floor im Wedding. Sagt die Werbung in grober Verachtung des Umstandes, dass dieser Titel zweifelsfrei dem Himmel und Hölle im Westhafen gehört. Gelegen in einer aufgegebenen Lagerhalle mit darüber liegendem Verwaltungsbau, umfasst das Dr’aesis insgesamt 5 mehr oder weniger voneinander getrennte „Zonen“, die unterschiedliche Musik (und Lautstärken) bieten.

Schattenmarkt Osramhöfe – Schon zu F-Zeiten hat sich in diesen alten Industriehöfen ein bunter Basar mit allerlei legalen, halblegalen und gänzlichen illegalen Gütern eingerichtet, und aktuell sieht es nicht danach aus, als würde dieser allzu schnell zu Ende gehen. Verantwortlich hierfür ist neben dem großen Zuspruch der Weddinger Bevölkerung die hinter dem Schattenmarkt stehende Russenmafia um die Schieberin Nadjeska Girkin, die auch „die Drachin“ genannt wird. Wie in vielen von der Russenmafia kontrollierten Anlagen existieren auch in den Osramhöfen nicht nur Lager und Verladehallen, sondern auch mehrere Stoffmanufakturen, die Fälschungen von Designerlabels produzieren oder aber Zulieferer der Labels sind (oder beides). (Details zu den Osramhöfen finden sich in Mephisto 43 (Januar/Februar 2009) – „Schattenmärkte in der ADL“ S.25)

Tanzlokal Molotov – Das Molotov ist eine urige Besauferia, in der überwiegend geistige Wirrköpfe, Umstürzler und Verschwörungstheoretiker abhängen. Nur sonntags scheint sich die Lokalität ihres „Tanz-Bezuges“ zu erinnern, denn dann spielen (meist osteuropäische) Musiker zum Tanz auf, und lautes Klatschen und Stampfen ist oft in der ganzen Straße zu hören. So etwas wie eine Institution im Lokal ist der latent geisteswirre und immermiesepetrige Ork Volker Kloß, der – meist an der Theke stehend – vor sich hin brabbelt und dabei des öfteren proklamiert, dass früher alles besser gewesen sei. Da er in diesem Zusammenhang öfters den Eindruck erweckt, das 20. Jahrhundert zu meinen oder diesem sogar zu entstammen, wird er belächelt und ignoriert.

Zu den ersten „befriedeten“ Wohnanlagen des Weddings gehörte der Turiner Kiez entlang der Müllerstraße, der auch in F-Zeiten als „kontrollierter“ Kiez galt. Grund hierfür ist ein rascher Zusammenschluss der örtlichen Hauseigentümer gewesen, die in Rekordzeit nach Verkündung des Letzten Gesetzes und Abzug der Polizei eine Übereinkunft mit den Mietparteien zur „gegenseitigen Unterstützung“ trafen. Damit war die so genannte „Enklave Turin“ quasi Modell und Vorbild für andere Zusammenschlüsse von Hausgemeinschaften, Blöcken oder Straßen – selten aber erreichten andere Genossenschaften die klare Organisation und vor allem die Effizienz des Turiner Kiezes. Mit Rückkehr der Ordnung in den Berliner Westen gründete sich die Enklave umgehend als genossenschaftliche Immobilien-Gruppe neu, unterdessen die „Kiez-Miliz“ als „Wedding Sicherheits GmbH“ umstrukturiert und neu gegründet wurde. Auch hiermit ist der Turiner Kiez wieder in der Vorreiter-Rolle, stellt er doch eine Alternative zur Umwandlung „von oben“ dar: Der Kiez ist heute eine nach Konzern- bzw. ADL-Recht gültige und ordentliche Genossenschaft (bzw. Firma), die auf der Prioritätenliste der SST nicht einmal auftaucht. Es besteht somit die Hoffnung, dass ein kommender Investor das Viertel nicht niederlegen, sondern die weitestgehend gut gepflegten Objekte samt intakter Hausgemeinschaften aufkaufen und übernehmen wird.

Zu erwähnen wäre hier noch das Restaurant „Nachbarschaftstreff“, wo die Bewohner bzw. die Vorsteher der Einzelhäuser ihre Blockbesprechungen durchführen. Ist ne nette Pinte, deutsch und sauber.
Bernd der Borg

Berliner Kreditanstalt – Unter dem Status F stellte der Zahlungsverkehr und die Bereitstellung von Zahlungsmitteln eines der größten Probleme dar. Jedenfalls für jene, die wenig zum direkten Tausch anzubieten hatten oder die Transaktionen z.B. mit Online Shops und Diensten von außerhalb Berlins vollziehen wollten. In diesem Milieu gingen einige lokale Bankhäuser bankrott oder zogen sich aus der früheren Hauptstadt zurück. Als Gewinner blieb die Berliner Kreditanstalt übrig, eine aus Angestellten früherer Berliner Bankhäuser gegründete Genossenschaftsbank und quasi die einzige erfolgreiche deutsche Bankgründung nach 2050. Natürlich wirft man der Kreditanstalt vor, bis über die Hutkrempe mit dem organisierten Verbrechen zu kooperieren – aber möglicher Weise fällt das auch unter die „innovativen Geschäftslösungen“, welche die Kreditanstalt in ihren Wifi-Anzeigen anpreist.

Voll krass! Kann es sein, dass in Berlin so gut wie ALLES „mafijös“ ist?
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Du merkst alles. Aus dir wird maln ganz Großer…
Bomberman

Café Kropotkin – Das Kropotkin ist ein kleines, rot gestrichenes Café mit integrierter Bäckerei und hauseigener Brennerei, das sich in der Gegend einer hohen Beliebtheit erfreut. Speziell bei gutem Wetter, wenn die Glasfronten des Cafés komplett ausgehängt und weggetragen werden und ein großer, zur Straße hin offener Café-Raum entsteht, der mit alten Berliner Möbeln bestückt ist, kann man sich in der Tat hier sehr behaglich fühlen. Im hinteren Teil des Cafés existiert zudem eine Zeile mit 5 Web-Terminals des russischen Anbieters NowaPrawda, der in Hackerkreisen wegen seiner ganz passablen Anonymisierung von Zugangsdaten sehr beliebt ist.

Schildermalerei Wichmann – Mag das Wifi auch langsam nach Wedding hineinreichen: Noch funktioniert 50% der hiesigen Werbung über Schilder, Fahrzeugbeschriftungen, Litfass-Säulen und die wiederentdeckten „Sandwich-Männer“, die mit Werbeschildern vorne und hinten durch die Gegend laufen. Wichmann ist eine der ältesten Berliner „Werbeagenturen“ der F-Zeit, die viele Werbeformen der frühen Industrialisierung neu entdeckt und in die Jetztzeit übertragen hat. Über seine zahlreichen Dienste für Kleinstunternehmer und Hinterhof-Firmen in Berlin verfügt Wichmann zudem über das wohl größte Archiv „inoffizieller“ Firmen in Berlin.

Die Critterkiller – In diesem Büro können Fachleute zur Beseitigung unerwünschter magischer Kreaturen bestellt werden. Die Bezahlung richtet sich dabei nach einem für Außenstehende schwer zu durchschauenden Schlüssel, der die verschiedenen Critter in unterschiedliche Gefahrenklassen einordnet und in Bezug zum umgebenden Territorium setzt. Wem die Dienste der Critterkiller zu teuer sind, kann stattdessen im Shop nützliche Ausrüstung zur privaten Critterjagd erwerben und sich zum Kauf gute Ratschläge für das Vorgehen holen.

Wenn ihr die CKs heuert, fragt nach Lazarus. Ist der verdammt beste Critterjäger im Wedding, vielleicht in der ganzen Stadt.
GhandiIV

War das der, der dieses Vieh – Name vergessen – unterm Bahnhof Zoo gebustet hat? Der wo das BERVAG-Kopfgeld in Höhe von 10K abkassiert hat? Ich dachte der wäre längst inner Südsee oder von nem Großkonzern geheuert worden
Rote Socke

Nicht ganz. Er hat die 10K nur reinvestiert, die Hälfte in Equipment, die andere Hälfte in nen Anteil der CK. Ist jetzt Miteigentümer. Naja, mehr stiller Teilhaber. Wird aber nur gegen Extra-Kohle auf Jagd mitgeschickt. Und sein Auftragsbuch ist dick voll.
Usus

Urban Fashion – Neben Aggro-B ist Urban Fashion das bekannteste und populärste Berliner Fashion Label. Keine Frage: Der Ruf von Berlin unter dem Status F hat zu einer gewissen Legendenbildung außerhalb der Stadt geführt. Das Wort „Made in Berlin“ hat einen ganz eigenen Sex Appeal bekommen. Spricht von Gefahr und Gewalt, wilder Freiheit und Individualismus – alles Elemente, die Aggro-B und Urban Fashion perfekt zur Selbstinszenierung und Massenvermarktung verwendet haben. Ursprünglich entstanden aus dem Versuch, stabile (und wenigstens teilweise kugelsichere) Alltagskleidung für das Leben in Berlin zu schaffen, sind Urban Fashion ebenso wie Aggro-B Produkte absolute Renner nicht nur auf der Straße, sondern auch unter Konzernkids und Club-Größen. Und das außerhalb Berlins noch weit mehr als in der Stadt selbst. Kennzeichnend für den Urban Fashion Style sind Langnieten, verstärkte Einsätze an Ellbogen und Knien, an urbane Tarnmuster angelehnte Farbentwürfe, markige Sprüche und eine Vielzahl von Gurten oder Halterungen, an denen sich „Urban Equipment“ (wie Waffen und Municlips) anbringen lässt. Im Gegensatz zur eher praktisch-militärisch geprägten Urban Fashion geht Aggro-B stärker in Richtung Street Style und bedient sich intensiv Design-Vorlagen aus dem Gebiet Phaze- (ein Blend aus Industrial und Hip-Hop), Skater-, Parkour- und Street Fighting Style. Im Urban Fashion Store in der Müllerstraße ist selten die aktuellste UF-Kollektion zu haben (die wird ja schließlich für das zehnfache Geld außerhalb Berlins verkauft), dafür gibt es hier solide UF-Mode aus dem letzten Jahr zum geldbörsenfreundlichen Preis. Mittlerweile versuchen auch andere Modelinien – wie dressCODES Linie CyberPyrate – durch Bewerbung ihrer Produkte mit der Bezeichnung „Berliner Standard“ zu hypen.

Imbiss Pilvodnik – Dieser Imbiss offeriert neben Borschtsch und Wodka auch andere Imbiss-Spezialitäten aus Osteuropa, man ist sich aber auch durchaus nicht zu Schade für Berliner Curry (auf Soy-Basis) oder Schabulle (eine Berliner Spezialität aus scharf gewürztem Soya mit viel Ketchup und Zwiebeln in einem Fladenbrot).

Plättstube – Hierbei handelt es sich um eine Bügelstube, eine Dienstleistung, die eine Zeit lang schon ausgestorben war, um in Berlin unter dem Status F plötzlich neu belebt zu werden. Egal ob Bettwäsche oder Anzug – hier kann man seine Textilien entweder glätten lassen oder an einem der Münzbügler selbst sein Glück versuchen (es wird empfohlen, auf die Fingerkuppen aufzupassen!)

SexMax – Ein Pornoladen, wie es ihn in großer Zahl überall auf der Welt gibt. Ist für Leute außerhalb Berlins insofern erwähnenswert, da die in Berlin gültigen bzw. lange Zeit eben nicht gültigen Gesetze auch den Weg für illegale Praktiken bewerbende Produkte/Magazine/Chips/SimSinns bereitet haben, die inzwischen zwar unter die Ladentheke bzw. in abgesperrte Hinterräume gewandert, aber keineswegs verschwunden sind.

Das SexMax bildet an der Müllerstraße die Markierung zum südlich angrenzenden Leopoldkiez, der sich rund um den Leopoldplatz erstreckt und der daher im Kiezleben einen herausragenden Platz einnimmt. Auf dem Leo ist immer etwas los – fliegende (und fliehende) Händler bieten Waren an, oft aus dem Kofferraum heraus, mal zeigt ein Illusionist seine Künste, während sein Kollege die Gaffer bestiehlt, dann und wann gibt es Musikfeste, ein Zirkus baut sein Zelt auf oder irgendwer demonstriert gegen irgendwas. Zu festen Zeiten kommt das Treiben um den Platz ins Stocken, etwa wenn von der neuen Wedding-Moschee herab zum Gebet gerufen wird oder wenn die SST mal wieder Härte demonstrieren und die Händler verscheuchen will. Den Rest der Zeit lungern Trauben von Tagelöhnern um Schnapsverkäufer und Kaffeeschütten herum und warten auf Busse und Trucks der Konzerne.sackratte.jpg

Wenn ihr mal dringend heiße Ware loswerden müsst, schaut euch auf dem Leo um nach nem alten osteuropäischen Laster mit roter Lackierung und schwarzer Pritschenabdeckung. Der steht meist abseits etwas hinter der Nazareth. Wenn da nen Typ an der Rückseite rumlungert, der aussieht wie Scheiße die Latzhose trägt und nen Basecap mit „Wild Wedding“ aufhat, dann is das Pjotr, von seinen Leuten freundlich meist „Sackratte“ genannt. Der zahlt zwar beschissen – etwa ein Zehntel von dem was es wert ist – aber du bist den heißen Kram los, und er vertickt das Zeug so schnell weiter, dass die Spur nicht mehr zu dir zurückführt.
Khan

Was für ne Scheiße isser denn? Elfscheiße? Orkscheiße? Zwergscheiße?
Bomberman

Ah, gut das du mich erinnerst: Normscheiße
Khan

Hey danke auch Khan. Deinen Dreck kannste in Zukunft woanders vertitschen!
Sackratte

Der M-Bhf. Leopoldplatz ähnelt dem Osloer Bahnhof. Auch hier sind die Eingänge versperrt und um regelrechte Überwachungsschleusen ergänzt worden, auch hier drängen sich in den schlecht gelüfteten Bahnsteighallen kleine Cafés und Geschäfte, die für das Privileg, hier ansiedeln zu dürfen, sowohl den Konzernträgern des Bahnhofes als auch der Slawenmafia Geld zahlen müssen (der Begriff „Slawenmafia“ ist hier kein Irrtum, da in der Tat Verbrechercliquen aus Russland, Polen, Tschechien und Ungarn um die Kontrolle der M-Bahn-Märkte ringen, oft mit blutigen Auseinandersetzungen). Am M-Bahnhof Leopoldplatz kreuzen sich die Linien M14 (Tegel – Alt-Mariendorf) und M12 (Osloer Straße – Lankwitz Kirche).

leo.jpg Neue Weddingmoschee – die „vordere“ der beiden Kirchen mit Blick auf den Leo ähnelt einem Tempel nach griechischem Vorbild. Wie immer sie früher hieß, ist inzwischen vergessen, denn 2012 war sie eine der ersten Berliner Kirchen, die offiziell von der muslimischen Gemeinde gekauft und in eine Moschee umgebaut wurde. Soweit man sich erinnert, stand die Häufung jener Umwandlungen in Zusammenhang mit dem Erbe eines unglaublich reichen Ölfürsten, der sich kurz vor seinem Tod mit seiner Familie zerstritt und seinen gesamten Besitz „Allah“ in Gestalt ausgewählter muslimischer Gemeinden machte. Im Laufe der Jahre und speziell unter dem Status F fand aber eine immer größere Unterwanderung der Gemeinde durch Syndikate aus dem Nahen Osten statt (von den Medien zuweilen irreführend als „Jyhadisten“ bezeichnet), die auch heute noch um Kontrolle der Hinterlassenschaften jenes „Kalifen“ ringen, der in Anlehnung an eine mythische Figur zuweilen auch als „Mann vom Berg“ (oder ähnlich) bezeichnet wird. Es ist etwas unklar, wieviel Wahres an diesen und anderen teils überzeichneten, teils diffamierenden, teils rassistisch/nationalistisch motivierten, teils romantisierten Behauptungen über die Gemeinde und die Wedding-Moschee dran ist. Fakt ist aber, dass die Berliner Konzerne diesen „Herd von Unruhe“ lieber heute als morgen beseitigen würden.

Nazarethkirche – Die zweite Kirche am Leopoldplatz ist nach wie vor „in Hand der Kirche“, was in diesem Fall eine „Freie Christengemeinde“ der Pfingstbewegung um den charismatischen Frederick Drömmel meint. Anders als manch andere Neupflingstler der Nach-2050er propagiert Drömmel keinen flammenden Hass auf Homosexuelle und Meta-Menschen, sondern er konzentriert sich in seiner Arbeit auf eine Kritik am herrschenden politischen und wirtschaftlichen System und die Widersprüche zwischen der gegenwärtig akzeptierten gesellschaftlichen Lebensweise und dem Wort der Bibel. Kritiker werfen Drömmel vor, hintenrum genauso rassistisch und intolerant wie andere Neupfingstler zu sein und arme Leute mit dem Versprechen auf „materiellen Wohlstand durch Gottes Hilfe“ zu ködern (was erstaunlich gut funktioniert), tatsächlich vorwerfen bzw. nachweisen kann man ihm aber nichts. Allerdings herrscht zwischen Kirche und Moschee nicht nur ein Konkurrenzdenken, sondern ein regelrechter Kalter Krieg, der im Laufe der letzten Jahre auch zu einer steigenden Zahl von Gewalttätigkeiten geführt hat – meist nach besonders „flammenden“ Reden der einen oder anderen Seite.

Trümmergrab – Das Trümmergrab umfasst ein Gebiet von etwa 20 Wohnblocks und ist damit eigentlich ein eigener Kiez für sich, in dem allerdings zwischen Ruinen und niedergebrannten Resten nur Ghule leben.

Die Leichenfresser da sind scary. Die sind irgendwie organisiert. Haben ne Art „geistigen Führer“. N paar von denen rennen sogar in Mönchskutte rum. Irgendwas mit Tod und Auferstehung und Strafe für die Sünder, blah blah. Der Führer ist wohl selbst n Ghul, aber im Kopf noch ganz fit. War wohln Priester, dem reichlich Sicherungen durchgeschmort sind. STAY AWAY!
Suicidillah

Trashcave – In unmittelbarer Nachbarschaft des Trümmergrabes (und nicht mehr auf der Karte) ist der verranzte Kellerclub Trashcave, in dem zu extrem lauter und extrem monotoner Musik extrem seltsame Leute abhängen. Das TC zieht sich durch eine ganze Reihe von Kellern, das Mobiliar ist selbstgezimmert oder kommt vom Schrottplatz, die Wände sind unverputzt, das Bier und der hauseigen gebrannte Schnaps „Caveman“ aber gut. Vor Kurzem gab es im Hinterhof des TC ein heftiges Feuergefecht zwischen Schattenläufern und der SoPo, das Letztere klar für sich entscheiden konnte. Auf den Betrieb des Trashcaves hat dies aber keinerlei Auswirkung gehabt. [WILLST DU MEHR WISSEN?]

Ich komm grad vom Ragnarök-Post weiter unten. Weiß wer was Näheres, was abging? Tät mich interessieren.
Khan

Nauener Kiez – Zwischen Osloer Straße und Leopoldplatz liegt der stillgelegte M-Bhf. Nauener Straße, um den herum sich der gleichnamige Kiez erstreckt. Anders als viele andere Kieze erreichte der Nauener nie eine kiezweite Organisationsform, so dass hier „jedes Haus für sich“ steht. Das und die früheren Rivalitäten, Feindschaften und wechselseitigen Bezichtigungen von Diebstahl oder Müllverladung merkt man den Häusern bis heute an: Die Fronten sind überwiegend abweisend, die Erdgeschosswohnungen mit Platten vernagelt, jedes Haus unterhält eine Bande Schläger zur Eigensicherung und die Hausfronten tragen unverhältnismäßig oft eigene „Hausbanner“ oder aber Graffittis, die Beleidigungen und Provokationen gegenüber nahe gelegenen Häusern (i.d.R. nur als Hausnummer identifiziert) beinhalten.

Die Batsche – Direkt an der Kreuzung Nauener Platz steht eine Eckkneipe mit Namen „die Batsche“, die dem im Wedding überall bekannten Schieber Batsche-Schmidt gehört.

AmmoK – Zu F-Zeiten Berlins größte Ladenkette für Waffen und Munition, war die Konzernübernahme des Westens für die Kette Fluch und Segen zugleich: Einerseits mussten nahezu alle im Westen gelegenen Geschäfte aufgegeben werden (darunter auch das Hauptgeschäft am Kaiserdamm 113), umgekehrt stieg die Nachfrage nach Waffen und Munition mit einem Mal nochmals sprunghaft an. Inzwischen suchen die Betreiber des AmmoK – nichts anderes als osteuropäische Waffenschieber, die im Status F „quasi-legal“ operieren konnten – nun die Kooperation mit der Konzernverwaltung, um die „Berliner Vertrauensmarke AmmoK“ auch in Zukunft zu Erfolg führen zu können. Die Aussicht hierfür steht – siehe Aggro-B und Urban Fashion – nicht schlecht. Das Gütezeichen „Berliner Härte“ hat längst seinen festen Platz neben „Norwegischer Formel“ für Handcreme und „Australischem Standard“ für Sonnenöl gefunden. Das Weddinger AmmoK vertreibt auf 3 Etagen neue und gebrauchte Waffen und Rüstungen sowie Munition mit einem eigenen Prüfsiegel, durch das die Kette sich von „ungeprüfter und möglicher Weise im entscheidenden Moment defekter Schwarzmarktware“ abzugrenzen hofft.

Club Ragnarök – Das Ragnarök ist ein Death Metal Club, unter dessen Gästen sich ein besonders hoher Teil von selbsterklärten „Kriegern“ nach germanischem Vorbild befindet. Möchte man annehmen, dass dies vor allem Rassisten sind, die gegen alles Metamenschliche wettern, wird man aber überrascht: Unter den Stammgästen befinden sich ebenso Norms wie Orks, Trolle, Elfen und Zwerge. Im Gegenteil sehen die Clubfreunde die germanische Edda als quasi DIE „Heimat“ der Metamenschheit, umfasst die Edda doch anders als die Bibel auch Riesen, Zwerge, Albe und dergleichen. Paradoxer Weise sind viele der Ragnarök-Mitglieder außerhalb des Clubs Mitglied einer in der Tat rassistischen Gruppe oder Gang. Nur im Club scheinen Zwistigkeiten vergessen, und man „huldigt den Göttern“, prahlt mit seinen Taten (und seinem Trinkvermögen) und schüttet sich zu hämmernden Bass-Beats Bier und Met in den Schlund, als ob’s kein Morgen mehr gäbe.

Dieser Club ROCKT. Aber sowas VON!
Khan

Ja. Könnst dir ma wieda sehn lassen!
Grendel

Hast ja recht. Ich versuch’s. Sach ma, ich hörte Soda sei was passiert?
Khan

Solln das sein?!
Grendel

Troll, groß, blond, trug meist Armstulpe und verniete Aggro Chaps? Stand mal tierisch auf Val, bis sie ihn abblitzen ließ, und er war so gefrustet dass er sich mit Odin rollte?
Khan

Ah – jetz weiß ich. Du meinst Hagal. Soda nannte ihn nur sein Clique, vor allem Murad, die Assel. Ist tot. Leider. Von Sternschnuppen zerblasen im Hinterhof vom Trashcave. Hat mir Pfanne gesteckt. Hagals Clique hatte da ne Übergabe. Muss irgendwas grässlich schief gelaufen sein. Nen Elf hat sich wohl später im TC noch erkundigt was abging. Gibt Gerüchte dass die SSTs in Wahrheit, naja, nich echt warn. Nur Leutz mit SST Uniform.
Grendel

Polizeizentrale Mitte-Nord – Dies ist die Weddinger Zentrale der SST. Das Gebäude selbst ist eine Festung, die darauf ausgelegt ist auch den nächsten „Volksaufstand“ energisch niederzuschlagen. Daran lassen schon die Wachtürme mit automatisierten LMGs keinen Zweifel. Auf dem Gelände ist auch der Fuhrpark der Weddinger Staffel untergebracht, zu der neben Motorrädern und Autos auch „Humvee“-ähnliche Panzerwagen, 2 urbane Befriedungsfahrzeuge (Panzer) und 4 Ein-Mann-Helikopter gehören (weitere können innerhalb sehr kurzer Zeit von der Flugstaffel im „Block“ am Gesundbrunnen abgerufen werden). Gefangene bleiben maximal 3 Nächte in der Zentrale Mitte-Nord, danach werden sie in die Haftanstalt Tegel oder direkt in die Plötze überstellt, die gerade für 1,2 Mrd. Euro runderneuert und erweitert wurde.

Bornemannkiez – Nahe der Polizeizentrale liegt der Bornemannkiez, der schon aufgrund jener Nachbarschaft als ausgesprochen sicher und der „besseren Hälfte der Weddinger Gesellschaft“ vorbehalten bleibt. Hier geht das Leben weitgehend einen kontrollierten Gang, und die Bewohner des Kiezes schätzen sowohl die für Konzern-Berlin günstigen Mieten als auch die Nähe zu einem „spannenden, lebendigen Umfeld“.

BärliBus Betriebshof – BB ist der größte verbliebene alternative Berliner Dienstleister im Nahverkehr. Der Betriebshof Wedding umfasst Abstellmöglichkeiten für rund 50 schrottige Busse und die dazu gehörigen Werkstätten und Waschanlagen. Das Betriebsgelände ist rundum von einer dicken Mauer umgeben und nur durch ein bewachtes Portal zu betreten.

wendland.jpgWendland Stiftung – Im wunderschönen einstigen Sitz des Amtsgerichts Wedding hat sich irgendwann in den Jahren unter dem Status F (als Gerichte in Berlin nonexistent waren) die der Heimat- und Naturpflege gewidmete Wendland-Stiftung eingerichtet. Heute ist das Gebäude nebst begrüntem Vorplatz von einem Metallzaun umgeben und wird für eine öffentliche Stiftung ungewöhnlich scharf bewacht.

Wendland-Stiftung? Klingt irgendwie völkisch. Nazis?
Bomberman

Eher nicht. Wendland bezieht sich auf die Wenden, das sind die Fuzzis, die hier ganz früher lebten, noch vorm Mittelalter. Das waren Slawen, keine Germanen.
Khan

Beides falsch. Die Stiftung hat nix mit den Wenden zu tun, sondern bezieht den Namen schlicht auf den Gründungsstifter, der mit Nachnamen nunmal „Wendland“ heißt. Hat seine Knete komplett der Stiftung vererbt, sein Sohn ging leer aus, arbeitet aber als Stiftungsverwalter. Weird. Nazi-Vorwürfe gibt’s immer wieder mal, da steht die Wendland-Stiftung aber in einer Reihe mit buchstäblich jeder Institution, die sich mit Heimatpflege, Brauchtum und Einsatz für die Naturdenkmäler beschäftigt (Hexenkreise etc. inklusive)
Igor der ganz und gar Unbucklige!

Ich meine aber definitiv mal in der Wiki gelesen zu haben, dass Wendland sich für eine Neugründung der Thule-Gesellschaft eingesetzt hatte. Mist – sehe grade, dass der Eintrag geändert wurde. Vertuschung?
Saskia

Würde eher vermuten eine Autokorrektur der Wiki gegen unbeweisbare bzw. mit fehlendem Quellen-Link eingestellte Behauptungen. Seit die Wiki mit Verleumdungsklagen überzogen wurde, kennen die da kein Pardon mehr.
Lurchi692

Stand nicht auch im City-West Artikel was über die Wendland-Stiftung und irgendwelche Deals im Tiergarten?
Gridrunnner

Little Bagdad – Der Little Bagdad Kiez erstreckt sich westlich des Leopoldplatzes und sein Hauptzweck scheint in der Behinderung offizieller Stellen bei der Arbeit zu sein: Ständig werden Straßenschilder ausgetauscht, Hausnummern abmontiert und irgendwo anders angeschraubt. Daneben wird fleißig daran gewerkelt, Häuser auf neue und ungeahnte Weise miteinander zu verbinden, sei es über durch Löcher und Wanddurchbrüche miteinander verbundene Keller, nachträgliche Anbauten an existierende Gebäude oder wacklig anzuschauende Holzbrücken von Dach zu Dach. Die verschiedenen im überwiegend durch Schwarzmeer-Anrainer bewohnten Kiez aktiven Banden sind sowohl miteinander verfeindet als auch untereinander organisiert, ein den Kiez betretender „Fremder“ (oder Bulle) wird frühzeitig erkannt und nach wem auch immer er fragt, der wird gewarnt.

Diese „Dienste“ stehen auch „Externen“ zur Verfügung. Für das richtige Geld, versteht sich. Nen versteckten Versammlungsraum zum „Respawn“ nach nem verpatzten Run gibt’s für 100 die Stunde. Einmal Bullen aufhalten, damit man sie abhängen kann, kostet circa 500. Nen Versteck zum Untertauchen gibt’s ab 100 am Tag für ein Maximum von 10 Tagen, oder man mietet sich gleich ein, ne schimmlige Wohnung 50 qm für etwa 250 im Monat.
Saskia

Ma hallo, das sind aber ARGE Schätzpreise. Für unseren Respawn haben wir 2K abgelatzt!
Bomberman

Mag daran gelegen haben, dass euch ne Hummel auf den Fersen war, hm? Aber im Kern haste recht: Die Preise sind LOGO nur Anhaltspunkte. Der Rest ist ne Frage von Rep, Connections, Style und vor allem RISIKO für den Polenkiez…
Saskia

Trashcave

Willkommen in der Höhle!

// Dateiupload von TOLSTOI // 20.10.2073 – 12:00:00

Das Trashcave in der Gerichtstraße in der Schmuddelecke des Vorzeigebezirks Mitte ist ein Bunkerclub, wie es ihn fast überall in F-Berlin gab und im alternativen Osten auch noch in fast jedem Kiez gibt: Planlos hineingebaut in ein zusammenhangloses Gewirr einstiger Miethauskeller, die im Zweiten Weltkrieg als Luftschutzbunker und irgendwann dazwischen auch mal als Gewerbekeller gedient haben mögen, eng, verwinkelt, dunkel, verwirrend und vor allem laut, besucht von allem, was die Straße hereinspült – oder mal eben von ihr verschwinden muss – und bevölkert von Leuten mit der Aufrüstung oder der genetischen Veranlagung, im Dunkeln zu sehen.

Wie es im Brennpunkt Wedding heißt: „Das TC zieht sich durch eine ganze Reihe von Kellern, das Mobiliar ist selbstgezimmert oder kommt vom Schrottplatz, die Wände sind unverputzt, das Bier und der hauseigen gebrannte Schnaps ‚Caveman‘ aber gut“. Dies plus die ohrenbetäubend laute Mucke – meist Cyberfunk oder Goblin Rock, gerne auch mal AggroVibe oder sämtliche Chips der Band Ultranator rauf und runter – gemischt mit dem klassischen Odeur unlüftbarer Kellerräume, in denen nonstop alles was brennt geraucht wird gibt einen guten Gesamteindruck wieder.

(OFFPLAY-TIPP: Wann immer die Charaktere ins Trashcave kommen, spiele ich „Disintegrating“ von Second Skin auf Loop in einer Lautstärke, dass wir uns am Spieltisch kaum noch verstehen können. Kommt gut.)

Das TC wird betrieben von einem Oger namens Rommel: Ein ebenso fetter wie muskulöser Fleischberg, haarlos, dafür über und über mit Hasstribals tätowiert, unter dem brachialen Äußeren aber durchaus vernunftbegabt und auf Business konzentriert, der in seiner spärlich bemessenen Freizeit Kitaro-RelaxSims slotted, einen Rauhhaardackel namens Rufus besitzt und eine ziemlich spießig eingerichtete 3-Zimmer-Bude Nähe Westhafen hat.

Das Trashcave liegt in bzw. unter einem Altberliner Mietshaus, dessen einstiger Gründerzeit-Luxus bestenfalls noch erahnbar ist. Eine Kellertreppe führt direkt von der Straße zur Eisentür des TC, in die – ganz klassisch – eine Klappe zur Gesichtskontrolle eingelassen ist. Die Security besteht aus einem in 2 Longhaul-unterstützten 24-Stunden-Schichten arbeitenden clubeigenen Team, das sich aus insgesamt 4 Norms (Kludde, Maik, Teelah und Pavel), 3 Orks (Barker, Kläffer und Wooph), 1 Zwerg (Scrappy) und 1 Trollin (Scoobie) zusammensetzt. Hauptaufgabe der Security ist neben dem Job, Schutzgelderpresser abzuwimmeln und Schlägereien mit Waffeneinsatz zu verhindern, den Gästen ein gewisses Gefühl von Sicherheit in Bezug auf das benachbarte Trümmergrab und die dort hausenden Ghule zu geben.

Im Inneren unterteilt sich das TC in mehrere Kellerräume, die je nach Größe und Architektur verschiedenen Zwecken dienen. Zu beachten ist im gesamten TC die relativ beengten Verhältnisse und die in den Gängen sehr niedrige Decke – nur die Räume ab Nr. 9 aufwärts sind hoch genug, dass ein Troll sich aufrichten kann.

1 Der Empfang: Kleiner Empfangsraum, in dem immer 2 Leute von der Club Security stehen. Besucher werden oberflächlich nach Waffen abgeklopft, alles was größer als eine Pistole oder länger als ein Armeemesser sowie alles was explodieren kann wird abgenommen und in einem Waschmittelkarton gesammelt. Der Eintritt kostet 3,– und zum Eintritt gibt es 1 Gratisdrinkdrink, wahlweise einen Caveman (hauseigener Schnaps, 45% Alkohol) oder ein Tannhäuser (Schwarzwälder Schwarzbier mit 15% Alkohol).

2 Fronttheke: Dieser kleine und sehr niedrige Raum diente früher als Kohlenlager, was man noch immer durch eine vermauerte Kohleschütte sehen kann. Auf zwei Ölfässern ruht eine Bretterkonstruktion, die als einfache Theke dient, hinter der meist der hagere Ork-Headbanger 4Roses Dienst schiebt. Da dieser Raum faktisch ein Durchgangsraum und die erste Gelegenheit zum Drinkholen ist, hat 4Roses wenig Zeit und viel zu tun: Faktisch gibt er nonstop Drinks raus, meist Tannhäuser.

3 Die Engelgruft: Neben vielem anderen ist Rommel ein großer Fan von alten Ufafilm-Devotionalien. An den Ziegelmauern dieses Raumes pinnen Repliken uralter Filmplakate, die selbst schon so etwas wie Museumswert haben. Prominentestes Exponat ist ein halb abgerissenes Filmplakat des „Blauen Engels“, um den herum sich mehr oder weniger zertrümmerte Engelsstatuen drängen (Mitbringsel von Stammgästen). Der Rest des Raumes ist wie im TC üblich mit Schrott eingerichtet: Ein altes Sofa, 2 Autositze, die Rückbank eines russischen Tiefladers, ein Regal mit Plastikmodellen von WWII-Jagdbombern, eine extrem hässliche Lava-Lampe, ein schräg an der Wand angebrachter Kondomautomat ohne Inhalt, auf dem Grablichte stehen, dazu eine Fernsehlampe mit Troddeln und ein runder Tisch, dessen Oberfläche über und über mit Aufklebern der unterschiedlichsten Art beklebt ist. Aufgrund des Lärms im Club, der jedes Belauschen so gut wie unmöglich macht, und da dieser Raum mit einer alten Gasschleusentür verschlossen werden kann, ist er ein beliebtes „Hinterzimmer“ für Runner und anderes Schattenvolk.

4 Tanzfläche: Dieser Tanzraum wird von Personen bevorzugt, die mit einer Deckenhöhe von 2 Metern kein Problem haben. In einer Ecke befindet sich eine für TC Verhältnisse gut bestückte Bar, und entlang des Randes des Raumes befinden sich alte Kinositze und Autositze sowie ein paar Stühle, auf denen man sich niederlassen kann. Als Tanzraum genutzt wird der Raum selten – meist zischt nur die Nebelanlage lustlos vor sich hin, während Lichtzerhacker jeden Rest an visueller Orientierung zunichte machen.

5 Sitzraum: Hier stehen ein paar niedrige und zerlöcherte Trollsize-Autositze und eine kühne Konstruktion aus Metall mit durchaus bequemen Sitzflächen aus Fellimitat, ebenfalls auf Bodenhöhe und damit für große Gäste geeignet. An den Wänden aus Ziegelstein hängen Radkappen verschiedenster Epochen, auf denen Teelichte abgestellt wurden. Weiteres Licht kommt durch einen hinter den Sitzmöbeln verlegten tiefroten Lichtschlauch. Eine aus heutiger Sicht nicht mehr erklärbare germauerte Empore macht den hinteren Teil des Raumes nur begrenzt nutzbar, weswegen man dort statt auf Sitzen zu kauern lieber auf einer von 2 wurmzerfressenen Matrazen herumliegt (und das auch nur wenn man nicht allzu groß ist).

6 Zwischenraum: Von diesem Raum, dessen einzig nennenswertes Feature ein dichtes Netz blinkender Christbaumlichterketten ist, geht ein Gang Richtung Notausgang und Abort ab. Im Gang gibt es kein Licht außer Streifen von Reflektorband, die an die Wände gepappt wurden. Eine (nachgemachte) Aufschrift in Frakturschrift verkündet „Der Endsieg ist nah“. Der Notausgang führt durch eine (verschlossene) Metalltür über eine Kellertreppe direkt in den Innenhof zwischen 4 Wohngebäude – allesamt Altbau und zum größten Teil verfallen – aus dem eine Hofeinfahrt hinausführt. Der Innenhof ist von Einschusslöchern und sogar einigen Explosionskratern übersäht, als habe hier vor nicht allzu langher Zeit ein Feuergefecht stattgefunden.

7 Klo: Vier Kabinen mit unheimlich schmutzig aussehenden Schüsseln warten hier auf den Wagemutigen oder den Verzweifelten. Es gibt kein Wasser, dafür aber Waschbecken und in jeder Zelle einen Kanister irgendeines penetrant frühlingsfrischen hochätzenden (aber „garantiert biologisch abbaubaren“) Scheißeauflösers von Shiawase.

8 Der Raum der Stille: Im mit Ausnahme von Raum 3 (bei geschlossener Tür) leisesten Raum des TC ist es so friedvoll leise, dass man nur laut schreien muss, um sich problemlos verständigen zu können. Kleine Trauben nicht zueinander passender Stühle gruppieren sich um 5 ebenso nicht zueinander passenden Tischen. Ein für einen Norm auf Brusthöhe hängender Kronleuchter mit Echtkerzen versperrt zusätzlich den Weg und macht den Raum fies warm. Dafür gibt es einen Snackspender mit enorm salzhaltigen Knabbereien aus Tschechien zum wirklich günstigen Preis (10 Cent pro Pack).

9–11 Die Trashcave: Dies ist der „eigentliche“ Club. Hier wurde die Decke zum darüber liegenden EG entfernt, dessen Außenfenster und Türen wiederum komplett vermauert wurden, wodurch ein 2 Stockwerke hoher Kellerraum entsteht. Wie im TC üblich wurden Wände und Decke mit allerlei Trödel und Trash dekoriert – unter anderem führen 4 Ketten mit Hundeschädeln zum Zentrum der Tanzfläche, wo sie sich unter einem Ventilator, über den Strobolichter montiert wurden, vereinen. Der Boden ist wie im Rest des Clubs Beton, hier an vielen Stellen so abgewetzt, dass rostiges Stahlgeflecht zum Vorschein kommt. In Richtung Raum 12 führt eine Rampe abwärts, die wenn Raum 12 geschlossen ist an zwei über und über mit Flyern, Postern und privaten Mitteilungen beklebten Metalltoren endet. Die schwarze Linie im Plan ist eine aus Presspanplatten bestehende Zwischenwand (eine alte Bauabsperrung), die als Projektionsfläche für einen veralteten 2D Beamer an der Decke dient.

12 Der Mehrzweckraum: Dieses Tonnengewölbe liegt unter der Straße vor dem Trashcave und es scheint zu einem anderen Bauabschnitt zu gehören, denn es ist aus roh verschaltem Beton, wie er in vielen Berliner Bunkern gefunden werden kann, und entlang des Bodens verlaufen Schienen. Die beiden Enden des Raumes sind mit Mauerwerk verschlossen. Hier finden je nach Anlass Konzerte, Privatparties, Tridübertragungen wichtiger Sportereignisse oder auch der gelegentliche Pitfight statt. Außerdem stehen hier drei uralte 2D Arkade-Automaten (School Girl Stalker, Mortal Street Tekken Massacre 3 und Winterbells)

Und? Weiß nun wer was Näheres über den Shootout im Hinterhof?
Khan

Jau, das warn RvR – Runner versus Runner. Offenbar hatte das Team von Soda, Murad und so nen Job, Warez aus SK Tempelhof zu holen. Deren Auftraggeber haben ein anderes Team angesetzt, um die Fragger zu geeken und somit den Preis zu drücken.
Smiles

WTF? Geht’s noch kryptischer?
Khan

Ist doch klar: Der Johnson holt sich ein sündteures Profi-Team, um in fucking SK Tempelhof einzusteigen, und heuert parallel ein ebenfalls teures Profi-Team und gibt dem den Job eine Gruppe Runner zu geeken und ihnen die Warez abzunehmen. Das ist zwar immer noch nicht unbedingt billig, so ne Wetwork, aber X Runner killen ist immer noch more easy (und more cheapy) als nen kompletten SK-Bruch zu zahlen.
Dolor $

Und was hat’s mit dem Gerücht auf sich, dass die Runner von der SST bzw. von Leutz in SST-Uniform gegeeked wurden?
Khan

So wie Scrap es erzählt waren die Sternschnuppen von SK oder nem SK Konkurrenten und die wollten sich die Warez schnappen. Die anderen Runner kamen denen aber zuvor; die haben Soda und Co. mit Granaten defragmentiert, sich den Koffer gekrallt und sind ab, während deren Rigger die Pseudo-Meteors mit nem MG in Deckung gepinnt hat. Musst mal auf teamlink scannen nach Paris, die weiß da mehr drüber, oder zumindest ihre Collegas.
Smiles

[A] Anarchopedia

Anarchopedia

(1) Umgangssprachlich genutzter Sammelbegriff für dem linken Spektrum, der Hackerszene und/oder der Sprawlguerilla zugeschriebene „alternative Aetherpedias„.

(2) Name der nach dem Stil des Conspiracywiki angelegten Berliner Online Datenbank der von 400+ Anwendern supporteten freien AR Navi-App ARtack!, gehostet u.a. im Arachnet, aber mit Spiegelknoten an diversen anderen Stellen.


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