Shadowrun Berlin

Die Online Erweiterung von Andreas AAS Schroth

[GNB] Unblutiges Ende einer blutigen Geiselnahme

GEISELNAHME UNBLUTIG BEENDET

Aufregung im Berliner Mediendschungel. Die Entführung eines Sightseeingbusses mit sogenannten „Anarchietouristen“ hat am gestrigen Nachmittag und frühen Abend eine regelrechte Eruption im Blätter-, Feed-, Radio- und Tridkanalwald ausgelöst. Vier Unbekannte hatten gestern um 13:07 Uhr einen Bus der Firma Riedeltours beim planmäßigen Stopp am Anarchokaufhaus „F-Shop“ in der Herzbergstraße 62 im Berliner alternativen Bezirk Lichtenberg mit vorgehaltenen Sturmgewehren des Typs AK-97 geentert und versucht, den Bus in Richtung Ahrensfelde (Marzahn-Hellersdorf) umzuleiten. 

Alarmiert durch den Busfahrer und mehrere Notrufe von Kommlinks der an Bord befindlichen Touristen kam es nur wenige Minuten nach Beginn der Entführung bereits zu ersten Schusswechseln zwischen Entführern und Vertretern der Kiezwehr in Form der F-Shop Schutztruppe und freien Gardisten der Straßenschutzgang „Herzberg 69ers“. Bei dem Schusswechsel kamen keine Personen zu Schaden, allerdings wurde das Fahrwerk des Busses durch Nagelketten und eine Carkiller-Mine der 69er schwer beschädigt. 

Carkiller-Minen?
Scrambler

Selbstgebastelte Antifahrzeugminen mit sehr begrenzter Sprengwirkung, deren Treibsatz aber mit Nägeln und anderem Splitterkrams vermischt ist. Werden für gewöhnlich handgezündet per Wifi oder Funke und detonieren dann genau unter dem Zielfahrzeug. Selten wird dabei der Fahrzeugboden durchschlagen, dafür aber so ziemlich alles an Kabeln, Rohren und Leitungen zerfetzt was unter einem Fahrzeug entlangläuft – plus wenn man Glück hat reißt es auch das ein oder andere Rad weg oder zerschrottet Getriebe oder Achsen. Riedelbusse sind entgegen dem Vorurteil, dass ihr ganzes martialisches Äußeres nur Papp-Deko sei tatsächlich recht ordentlich gepanzert, weswegen die 69er gleich 4 Minen gezündet haben (dem ARtack Vidfeed nach war auch ne „echte“ Fahrzeugmine dabei, wenn ihr mich fragt). Der Bus hat’s trotzdem gestanden und fuhr dann zwar rauchend und krauchend, aber immerhin noch so mit 40 km/h bis zum Falkenberg. Solide Arbeit, was die Riedel-Schrauber da gemacht haben.
Russenrigger

Wen haben die denn als Schrauber?
Der_Letzte_Autoduellist

Zum einen ist Riedel – ein Brocken von Troll, der früher Lkw-Touren in ganz Europa bestritt – ja selber ein ziemliches Mechanik-As und hat an jeden der 3 Riedelbusse selbst Hand angelegt, wenn eer sie nicht sogar zumindest in der Erstkonfiguration selbst aus russischen Militärbussen und Spareparts aus der Hölle zusammengeflammt hat. Riedel ist außerdem ein dicker Kumpel vom Schrotter ausm Wedding (und Stammgast im Trashcave), mit dem er in der Freizeit an derbst überzogenen „Show-Anarchokarren“ für Messen oder Werbeevents herumtüftelt (nimm einen derben Militärlaster, hau Trollsitze rein, bock ihn auf und pack übergroße Räder drunter, montiere Flammenwerfer und Show-Waffenhalterungen oder nen Turm von nem ausgedienten Panzer, gib dem Ganzen Rostlook und Eisenpfähle, pack Tierschädel und Stacheldraht drauf und hau als Finish 500 Schuss Munition in den Lack). Und nicht zuletzt hat er sich 3–4 Schrauberkumpels aus den Werkstätten am Helmholtzplatz für die alltägliche Wartung und Nachrüstung gebucht.
Russenrigger

Der Bus setzte sich gen Norden ab und erreichte um 13:42 den von der Kiezschutzgruppe Falkenwehr betriebenen Checkpoint Falkenberg am Industriepark Wolfener Straße, wo die Fahrt durch einen erfolglosen Versuch, den Schlagbaum des Checkpoints zu durchbrechen, endete. Wenige Minuten später – um 13:45 Uhr – trafen die ersten Flycam-Drohnen der Medienanstalten und Sender am Ort des Geschehens ein und übertragen live sporadische Schusswechsel zwischen den im Bus verschanzten Entführern und den Einheiten der Falkenwehr.

Wie durch mehrere Sender kolportiert, nahmen die laut Senderberichten zur „Letzten Front“ gehörenden Entführer angesichts der Ausweglosigkeit der Situation Kontakt mit der überwiegend aus Orks und Trollen bestehenden, exilrussischen Söldnereinheit SVET (Seryi Volk Eingreif Truppe, gesprochen „Sevet“) auf, die jenseits der Märkischen Allee unter Langzeitschutzvertrag mit dem dortigen Wohngebiet steht. Diese Kontaktaufnahme konnte sehr im Gegensatz zu der behaupteten Gruppenzugehörigkeit inzwischen bestätigt werden.

Ist die Letzte Front nicht auch so’n Fascho-Dingens von der Nationalen Aktion? Spinn ich jetzt total?
TubOrk

Du meinst „Das Letzte Manifest“. Zur „Letzten Front“ hatte ich nen Feed-Ausschnitt in den Berlin-Upload geladen. Das betreffende Komitee diesen Namens hat aber garantiert nix mit Busentführungen zu tun: Die LF hört sich eher an wie ein Koordinationsgremium verdeckter Kontaktleute verschiedener alternativer Bezirksgruppen, die gemeinsam Taktiken zur Abwehr von Konzernaktionen besprechen. Seit dem Berlin Upload hat mich das nicht mehr losgelassen und ich hab etwas weiter gebuddelt, dabei aber erstaunlich wenig gefunden. Mittlerweile denk ich ja, dass das Komitee „Letzte Front“ sowas wie der oft geforderte „bezirksübergreifende alternative Geheimdienst“ sein könnte.
Spime

Wohl eher der alternative Verfassungsschutz. Tatsächlich gibt es in der „Szene“ die völligst berechtigte Sorge, dass ADL-Regierung und Konzerne versuchen werden das noch eher verwundbare Konstrukt der Berliner Verfassung auszuhölen oder sogar in einer weiteren Nacht-und-Nebel-Aktion umzuschmeißen. Da die Berliner Gerichte der BERVAG unterstehen und die einzig ansprechbare höhere Berufungsinstanz für Berliner Verfassungsfragen irgendein oberstes Bundesgericht wäre, hat man längst das dringende Bedürfnis hier ein alternatives Kontrollorgan – idealer Weise mit eigenen Agenten, und seien es freie Agenten wie z.B. Schattenläufer – zu schaffen. Seit dem Berlinupload geistert – dank Deines Schnippsels, Spime – der Begriff „Letzte Front“ durch die Foren (ich hab sogar schon ein Omega-Zeichen mit Auge in der Mitte als „Logo“ gesehen). Ob Rommel, Che und Co. tatsächlich sowas sind oder bei sowas mitmachen würden ist natürlich keinem klar, dennoch …
Tolstoi

… könnte es sein dass Horizon mit Hilfe der Dawkins-Gruppe versucht, den Begriff und mit ihm einen alternativen Geheimdienst zu stigmatisieren und zu kriminalisieren. Das war doch, was Du andeuten wolltest, oder?
Nakaira

Ich will hier ja nicht mit Ockhams Rasiermesser in der Gegend herumfuchteln, aber dass ein Großteil gerade der Konzernmedien „zufällig“ auf den Namen „Letzte Front“ kommt, um eine völlig unbewiesene Behauptung zur Zugehörigkeit der „Terroristen“ aufzustellen, klingt mir erheblich unplausibler als dass jemand den Medien den Namen „gesteckt“ hat. Ob das nun gleich die Dawkins-Gruppe war, weiß ich nicht – es kann ebenso ein kreativer Schreiberling der DeMeKo gewesen sein, der etwas Anarchobashing und Terrorgrusel einbringen wollte (gell, Nakaira?).
Fbiertrinker

F Dich!
Nakaira

Während SVET Scharfschützen aus der Distanz ihrer Hausblöcke heraus die Falkenwehrgardisten unter Beschuss nahmen und diese somit in Deckung zurückzwangen, wurde auf Seiten der SVET parallel eine Extraktion der Busentführer vorbereitet – ob mit oder ohne Geiseln, ist nicht bekannt.

Dazu indes kam es nicht mehr: Während aus zunächst unbekannten Gründen und von unbekannter Stelle ein vom Humboldtstützpunkt gestarteter Flugverband der SST kurzerhand zurückbeordert wurde, gingen parallel bei Falkenwehr und SVET Anrufe ein mit monetär vergüteten Angeboten, die Kampfhandlungen einzustellen. Die während der Nachtstunden und bis zum Mittag des heutigen Tages zirkulierenden Spekulationen darüber, wer diese Eingriffe vornahm und letztlich der umstrittenen Falkenwehr eine polizeiliche Vertretungsmacht vor Ort überschrieb, wurde vor wenigen Minuten bei einer Pressekonferenz vor dem Mahnmal der Opfer des Berliner Frühlings (Konzeption) in der VR Berlin beendet:

Strippenzieher der ungewöhnlichen Aktion war der Lichtenberger Bezirksvertreter und Zweiter Berliner Bürgermeister Morek Pflügler.

WAS???
Fbiertrinker

WTF?
Fienchen

Oh, Leute, Come ON. Das ist hier kein Livekommentar. Lest halt weiter.
Come ON

In seiner insgesamt 40-minütigen Ansprache setzte Pflügler sehr ausführlich auseinander, was ihn zu seinem Schritt bewogen habe und auf Basis welcher Punkte des Berliner Einigungsvertrages und der Berliner Verfassung er das Recht zu haben glaubte, sich über den geltenden Sternschutzvertrag auch ohne vorherige Rücksprache mit Berliner Rat oder Erstem Bürgermeister hinwegsetzen zu können.

„Unter den gegebenen Umständen bestand die einzige Alternative zu meinem Handeln darin, nichts zu tun und den Geschehnissen ihren Lauf zu lassen. Dies hätte erkennbarer Weise mindestens in der Konfrontation zwischen den SST-Flugeinheiten und den mit Mlitärbewaffnung ausgerüsteten Söldnern der S.V.E.T. zu zahlreichen Toten in der Zivilbevölkerung geführt, sei es durch Abschuss und Absturz von SST-Maschinen in Lichtenberger oder Marzahner Wohngebiet oder aber ein aus militärischer Sicht notwendiges Niederhaltungsfeuer gegen das Wohngebiet. Ich räume offen ein, nicht gewusst zu haben, wie sich die Verantwortlichen auf Seiten der SST, der SVET, der Falkenwehr und nicht zuletzt der Entführer im weiteren Verlauf verhalten hätten, ich war aber nicht bereit das sich mir hier darstellende Risiko für die Zivilbevölkerung zu dulden.“

Betreffs seiner Berechtigung zum Handeln führte Pflügler aus, dass das Gebiet, in dem der Bus gestoppt wurde, zwar auf der Grenze nach Marzahn liege (wo die SVET stationiert seien), dass es aber zweifelsfrei per Peildaten der Pressedrohnen als auf Lichtenberger Seite befindlich zu definieren sei. Notverordnungen für den Fall von Ausbruch kriegerischer Gewalt geben ihm – so Pflügler – das Recht, Notverordnungen für seinen Bezirk zu erlassen, bis Rat bzw. Ratspräsident weitere Entscheide treffen könnten. Das Vorhandensein einer kriegsähnlichen Situation sei bereits durch die Präsenz von Militärwaffen (speziell: Raketenwerfer, Sturmgewehre, Scharfschützengewehre, Granaten) vor Ort gegeben, unabhängig davon ob diese zum Einsatz kamen oder nicht. Zudem habe er als Zweiter Bürgermeister in einer Situation, da der Erste Bürgermeister und Ratspräsident Yilmaz Wojenko nicht erreichbar gewesen sei, Stellvertretungspflicht gehabt.

Wojenko abends plötzlich nicht erreichbar, obwohl er während des ganzen Nachmittages noch Memos zum Entführungsfall an die Bezirksrepräsentanten geschickt hat und in ständiger Konferenz mit der Sternschutzführung stand? Mann, wer soll das denn bitte glauben?
Gun

Erstens, GNU, wär es toll, wenn Du nicht Infos, die ich Dir unter der Hand gebe nach draußen bläst. Zweitens braucht es gar keiner zu glauben: Pflügler braucht es nur zu sagen, und Wojenko nicht zu widersprechen. Schon ist dieser sehr sehr heikle Move wenigstens was den Stellvertreteraspekt angeht gedeckelt. Der Ratspräsident ist Exekutivchef der BERVAG, die BERVAG ist Halter des Sternschutzvertrages – und bingo.
Fienchen

Durch sein Handeln – so Pflügler weiter – sei der Konflikt ohne die befürchteten Zivilopfer beendet worden. Hierbei seien zwar öffentliche, indes für Sicherheitsfragen vorgesehene  Gelder an die Falkenwehr als durch ihn als Bezirksvertreter in dem fraglichen Gebiet anerkannte Sicherheitstruppe geflossen.

„Zum Fall der an die SVET-Söldner geflossenen Gelder sei gesagt, dass die Einstellung der Kampfbeteiligung durch diese zwingende Voraussetzung für die Erfüllung des gegebenen Polizeiauftrages durch die Falkenwehr war. Mithin war der Abzug der SVET-Scharfschützen und der sofortige Stopp etwaiger Extraktionsvorhaben ein direkter Belang der Lichtenberger Sicherheit, wenngleich die SVET zweifelsfrei in Marzahn-Hellersdorf stationiert sind. Ich habe in dieser Sache bereits mit Herrn Ünsel gesprochen, der mein Vorgehen im Angesicht der Umstände abgenickt hat.

Fragt sich nur, zu welchem Preis. Die Vory geben einem nichts geschenkt.
Hamurabi

Natürlich wird der gesamte Vorfall von den betreffenden Stellen und Ausschüssen aufgearbeitet werden. Ich rechne damit und hoffe sogar darauf, dass aus der Untersuchung dieses Falles die Erkenntnis hervorgeht, dass unser neues Berliner Konstrukt noch Lücken aufweist, und möchte der Erwartung Ausdruck verleihen, dass diese Lücken zur Zufriedenheit aller – und besonders der Berliner Bürgerinnen und Bürger – geschlossen werden.“

In ersten Reaktionen der anderen Ratsvertreter übten vor allem Cazares (Aztech-Schönwalde/Aztechnology), Koizumi (Prenlauer Berg/Renraku), Ronczewski (Reinickendorf), Lakhloufi (Zehlendorf/Proteus) sowie die alternativen Bezirksvertreter Faber (Oranienburg), Atzold (Falkensee), Özgun (Friedrichshain-Kreuzberg) und Bronstein (Pankow) zum Teil sehr harsche Kritik an Pflüglers Vorgehen. Überraschend milde drückten sich dem gegenüber S-K Frau Dr. Landoldt, der Dritte Bürgermeister Koslowski (Tegel/Z-IC) und wie bereits erwähnt Murat Ünsel (Marzahn-Hellersdorf) aus. Die Einberufung eines Untersuchungsausschusses gegen Pflügler scheint dennoch beschlossene Sache zu sein. Der Erste Berliner Bürgermeister Yilmaz Wojenko (Spandau/PsiAid) war bisher zu keinem Kommentar bereit.

Ich verstehe Pflügler ja. Er ist Priester und will Menschenleben schützen. Deshalb aber der Falkenwehr offiziellen Polizeistatus zu geben – gerade wo Pflügler selbst Meta ist – ist einfach falsch. Egal, unter welchem Vorwand er dieses Zugeständnis wieder rückgängig machen wird.
Fienchen

Zudem fragt sich jetzt jede Gang (und auch die SVET) ob sie nicht ein Anrecht auf dasselbe Zugeständnis (und öffentliche Gelder) haben. Die Büchse der Pandora ist geöffnet.
Tolstoi

Pflüglers zwanghaftes Gutmenschentum musste ihn ja irgendwann dazu treiben, tief ins Klo zu greifen. Meine Meinung: Wir erleben grad den Anfang vom Ende seiner Karriere.
Nakaira

Wenn dem so ist, dann aber nur auf Betreiben der Medienkonzerne. Das Bild von der Straße sieht aktuell nämlich (noch) sehr danach aus, dass man Pflügler für sein mutiges (und leicht anarchistisches) Eingreifen bewundert, das hier wirklich Schlimmeres verhindert hat. Natürlich kann dies durch Schmutzkampagnen noch gedreht werden – aber wie gesagt: Heute, am Tag X, ist Pflügler wieder einmal der Berliner Held, der er schon oft war.
Safiya Dafiya

Die vier Busentführer wurden am Vormittag durch die Falkenwehr verhaftet und an den Sternschutz übergeben.

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4 Antworten zu “[GNB] Unblutiges Ende einer blutigen Geiselnahme

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